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Full text of "Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften und der Georg ..."

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Nachrichten 



von der 



K. Gesellschaft der Wissenschaften 



I ! :- ■' J 

und der 



Georg- ingnsts - üniTersität; 

zu Göttingea 



Aus dem Jahre 1882. 
No. 1-23. 



Göttingen. 
Dieterich'sche Verlags-Buchhandlung. 

1882. 



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t^mtkmii^tmami 



Man bittet die Verzeichiiisse der Accessionen 
zugleich als Empfangsanzeigen für die der Egl. 
Societät übersandten Werke betrachten zu wollen. 



Begister 

die Nachrichten von der Eönigl. Gesellschaft der 
Wissenschaften und der Georg- Angasts-Universität 

ans dem Jahre 1882. 



F. Ahlborn, Zur Neurologie der Petromy- 

zonten 677. 
Arthur Anwers, Wahl zum auswärtigen Mit- 

gliede 701. 

F. Bechtel, Lituanica 593. 

— — Wahl zum Assessor 700. 

Theodor von Bischoff, Nachricht von seinem 

Tode 700. 
Ludwig Boltzmann, Wahl zum Corresponden- 

ten 701. 
Charles Briot, Nachricht von seinem Tode 700. 

F. Edler, Vervollständigung der Steiner'schen 
elementargeometrischen Beweise für den Satz, 
daß der Kreis größeren Flächeninhalt besitzt, 
als jede andere ebene Figur gleich großen 
Umfanges 73. 

E. Ehrenfeuchter, Nekrolog 689. 

A. Enneper^ Beiträge zur Theorie der Flächen 

a* 



mit besonderer BttckBicht auf die Minimal- 
flächen 34. 89. 
H. Eth6y Kürzere Lieder und poetische Frag- 
mente aas Näfir Ehusrau's Dtwän 124. 

Radolf F i 1 1 i g , Wahl zum Gorrespondenten 701. 

L. Fuchs, lieber Fanctionen, welche durch 

lineare Substitutionen unverändert bleiben 81. 

Anton OentTier^ Wahl zum auswärtigen Mit- 
gliede 701. 

J. Oildemeister, Ueber arabisches Schiffs- 
wesen 431. 

Göttingen. 

I. Königliche Gesellschaft der Wissenschaften. 

A. Feier des Stiftungstages 697. 

B. Jahresbericht 697. 

a. Ernennung von J. Henle zum bestän- 
digen Secretair 697. 

b. DirectoriatsUbergang 700. 

c. Bericht über die durch den Tod ver- 
lorenen Mitglieder und Gorresponden- 
ten 700. 

d. Verzeichnis der neu erwählten Mitglie- 
der und Gorrespondenten 700 f. 

G. Verzeichnis der gehaltenen Vorträge 
und vorgelegten Abhandlungen: 
Henneberg: Ueber Fleisch und Fett- 
production in verschiedenem Alter und 
bei verschiedener Nahrung, nach Ver- 
suchen mit Schafen S. 1. — von Koe- 
nen: Ueber deutsche Plaeodermen 
(Abb. XXIX) S. 1. — Wttstenfeld: 
Die Geschichte der Araber and ihre 
Werke. Abth. 3 (Abb. XXIX) S. 1. - 



\ 



•• • 



5 



S a n p p e : Ein Kapitel ans Xenophon's 
Hellenika S. 1. 297. — Panli: Mit- 
theilang von Prof. A. Stern: üeber 
die SitzangsprotokoUe der preußischen 
interimistischen Landesrepräsentation 
1812—1815. S. 1. — Enneper: Bei- 
träge zur Theorie der Flächen. mit be- 
sonderer Bttcksicht auf die Minimal- 
flächen S. 1. 34. — Wiese 1er: Drei 
Kameen mit Trinmphdarst^Ilungen S. 49. 
— F. Edler: Vervollständigung der 
Steiner'schen elementargeometrischen Be- 
weise für den Satz, daß der Kreis grös- 
seren Flächeninhalt besitzt, als jede 
andere ebene Figur gleichen Umfanges 
(vorgelegt von H.A. Schwarz) S.49. 
73. — Klein: üeber künstliche Dar- 
stellung des Basalts und der Hauptme- 
teoritentypen durch Touque und M. Levy 
S. 49. — Klein: üeber Kryolith, Pach- 
nolith und Thomsenolith S. 81. 121. — 
Wüstenfeld: Die Geschichtschreiber 
der Araber und ihre Werke Abth. 4 (Abb. 
Bd. XXVIII) S. 81. — de Lagarde: 
Ueber Giordano Bruno S. 81. 153; 
Fuchs: üeber Functionen, welche durch 
lineare Substitutionen unverändert blei- 
ben S. 81. — Kohlrausch: Die Mes- 
sung der erdmagnetischeu Horizontal- 
Intensität mittels bifilarer Aufhängung 
eines Magnets S. 81. 84. — Enneper: 
Beiträge zur Theorie der Flächen etc. 
S. 81. 89. — Eth6: Kürzere Lieder 
und poetische Fragmente aus Nä- 
5ir Khusrau's Dtwän S. 81. 124. — 
von Koenen: üeber den geologi- 
schen Aufbau der Gegend von Göttin- 



gen S. 309. — Pauli: Gervasius 
von Tilbury S. 309. 312. — de La- 
gard e : Ignatii versiones latinae vete- 
res (Abb. XXIX). — Stern: Nachtrag 
zu den Mittheilungen über die preußi- 
sche Landesrepräsentation 1812—1815 
S. 309. 333. — Holtz: Zur näheren 
Kenntnis der zündenden Kraft verzö- 
gerter Entladungen S. 309. 343. — 
Klein: Optische Studien am Granat 
S. 393. 457. — Graf zu Solms- 
Laubach: Das Vorkommen cleisto- 
gamischer Bltithen in der Familie der 
Pontederaceae S. 393. 425. — Wiese- 
ler: Ueber einen bisher nicht bekannten 
Onyx-cameo etc. S. 393. 709 — d e L a- 
garde: Woher stammt das x der 
Mathematiker? — Xystus-Sixtus. — 
STiitS. 393, — Ennep er: Analytisch- 
geometrische Untersuchungen über Flä- 
chen mit besonderen Meridiancurven 
8. 393. — Gildemeister: Ueber 
arabisches Schiffswesen S. 393. 431. — 
Holtz: Ueber allmählich sich ent- 
wickelnde BerühruDgselectricität unter 
Mitwirkung der Luft S. 393. 449. — 
Schwarz, Vorzeigung einiger von 
Dr. Adrien Guebbard in Paris auf elek- 
trochemischen Wege hergestellter Zeich- 
nuDgen von Curvensystemen, welche 
näherungsweise isothermisch sind S. 393. 
— Bechtel:LituanicaS.593.— Wü- 
stenfeld: Der Tod des Husein ben 
'AU und die Rache. Historischer Ro- 
man aus dem Arabischen. 1. Abth. 
(Abhandl. Bd. XXX.) S. 653. — 
Schwarz: Ueber eine Ausdehnung des 



Geltungsbereiches zweier Beweise, wel- 
che Herr Weierstrad für die Existenz 
eindeutiger analytischer Functionen mit 
yorgeschriebenen Null- und Unendlich- 
keitsstellen gegeben hat S. 653. — D e- 
dekind, auswärt Mitgl.: üeber die 
Discriminanten endlicher Körper. (S. Äb- 
handl. Bd. XXIX.) S. 653. — Kobl- 
rausch, auswärt. Mitgl.: lieber die 
Messung der Windungsfläche einer 
Drahtspule auf galvanischem Wege und 
ttber den absoluten Widerstand der 
Quecksilbereinheit S. 653. 654. — 
E.Schering legt vor: Termin's Beob- 
achtungen in Gauß' magnetischem Ob- 
servatorium am 1. August 1882. Von 
C. Schering S. 653. — Riecke 
legt eine Arbeit von H. Meyer vor: 
Ueber Gu^bhard's Darstellung aequi- 
potentialer Curven durch Nobiirsche 
Ringe S. 653. 666.— Hübner: üeber 
Triazoverbindungen. Vorläufige Mit- 
theilung S. 653. 662. — Ahlborn, 
stud. rer. nat. : Zur Neurologie der Pe- 
tromyzonten. Vorläufige Mittheilung. 
(Vorgelegt von Ehlers.) S.653. 677.— 
Wttstenfeld: Der Tod des Husein 
ben 'Ali und die Rache. 2. Abth. 
(Abb. XXX) S. 685. — Königsber- 
ger: Eigenschaften der algebraisch- 
logarithmischen Integrale linearer nicht 
homogener Differentialgleichungen S. 
685. 686. 

D. Preisaufgaben. 

a. der Königlichen Gesellschaft der Wissen** 
Schäften: 



8 

Neue Preisaufgaben : 
der higtoriscb - philologischen Classe 
698. 

der physikalischen Classe 699. 
der mathematischen Classe 699. 

b. Wede kindische Preisstiftung 417. 

E. Verzeichnisse der bei der Königlichen 
Societät eingegangenen Drackschriften: 
47. 56. 120. 152. 295. 344. 413. 456. 
565. 572. 683. 690. 701. 

II. Universität. 

A. Vorlesungsverzeichnisse. 

Sommer 1882: 57. 
Winter 1882/88: 577. 

B. Preisvertheilungen: 

a. üniversitätspreise : 

Bericht über die Lösung der gestell- 
ten Aufgaben, eingeleitet durch eine 
Rede von Professor Dr. K. Dilthey 
»die Auffassung des antiken Kunst- 
Ideals seit dem Mittelalter bis auf un- 
sere Tage« 569. 
Neue Preisaufgaben 570. 

b. Beneke-Stiftung 193. 

c. Pets che -Stiftung 455. 

C. Oeffentliche Institute: 

Bericht über die Poliklinik für Ohren- 
kranke von Dr. K. Bürkner 49. 

D. Stipendien. 
Blumenbach'sches Stipendium 572. 

Wolfgang Heibig, Wahl zum Corresponden- 
ten 701. 



W. HoltZy Zar näheren Kenntnis der zünden- 
den Kraft verzögerter Entladungen 343. 

lieber allmählich sich entwickelnde Be- 

rührangselektricität unter Mitwirkung der Luft 
449. 

H. Htibner, lieber Triazoverbindungen 662. 

Franz Kiel hörn, Wahl zum hiesigen ordent- 
lichen Mitgliede 700/ 

Ludwig Kiepert, Wahl zum Gorrespondenten 
701. 

C. Klein, lieber Kryolith, Pacbnolith und 
Thomsenolith 121. 

— — Optische Studien am Granat 457. 
Franz von Kobell, Naebricht von seinem 

Tode 700. 

A. von Koenen, lieber den geologischen Bau 
der Umgegend von Göttingen 309. 

Alb. von Kölliker, Wahl zum auswärtigen 
Mitgliede 701. 

L. Königaberger, Eigenschaften der alge- 
braisch-logarithmischen Integrale linearer nicht 
homogener Differentialgleichungen 686. 

F. KobUausch, Die Messung der erdmagne- 
tischen Horizontal Intensität mittels bifilarer 
Aufhängung eines Magnets 84. 

lieber die Messung der Windiingsfläche 

eiueJT Drahtspule auf galvanisohem Wege etc. 
654. 

P. de Lagarde, Mittheilungen über Gierdano 
Bruno 153. 

Lei^ikalischea 164. 

rt^st 393. 

Sixtuft-r^ystus 408. 

— — Wober stammt das x der Matiiematiker ? 
409. 

b 



10 

P. de Lagarde, Erklärang 451. 

FerdinaDd Lindemann, Wahl zum Correspon- 

denten 701. 
Joseph Lionville, Nachricht von seinem Tode 

700. 
Adrien de Longperrier> desgleichen 700. 

Carl Joh. Malmsten, Wahl zam auswärtigen 

Mitgliede 701. 
H. Meyer, lieber Gu6bhard*s Darstellung 

aequi potentialer Curven durch Nobili'sche 

Ringe 666. 

R. Pauli, Gervasius von Tilbury 312. 
Nachricht von seinem Tode 700. 

Gerhard vom Rath, Wahl zum auswärtigen 
Mitgliede 701. 

Johannes Reinke, Wahl zum hiesigen ordent- 
lichen Mitgliede 700. 

H. Rosenbusch, Wahl zum Gorrespondenten 
701. 

Herrmann Sauppe, Ein Kapitel ausXenophons 
Hellenica 297. 

Karl Schering, Beobachtungen im Gauß'- 
schen magnetischen Observatorium 345. 

Heinrich Schröter, Wahl zum Gorresponden- 
ten 701. 

Theodor Schwann, Nachricht von seinem 
Tode 700. 

H. Graf zu Solms-Laub ach, lieber das 
Vorkommen cleistogamer Blüthen in der Fa- 
milie der Pontederaceae 425. 

Alfred Stern, lieber die Sitzungsprotokolle der 
preußischen interimistischen Landesrepäsenta- 
tion 1812—1815 1. 



11 

Alfred Stern, Nachtrag 333. 

Georg Gabriel Stokes, Wahl zum auswärtigen 

Mitgliede 701. 
Friedrich Stumpf, Nachricht von seinem 

Tode 700. 

Liudwig Weiland, Wahl zum hiesigen ordent- 
lichen Mitgliede 700. 

F. Wieseler, üeber die Biehler'sche Gemmen- 
sammlung 201. 

— — üeber einen bisher nicht bekannten Onyx- 
cameo mit einer Beplik zweier Darstellungen 
auf dem berühmten großen Pariser Gameo de 
la Sainte Ghapelle 709. 

Friedrich Wo hier, Nachricht von seinem 
Tode 700. 



Naehriehtoa 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augnsts-UniversitSt 

zu Göttingen. 



18. Januar. M 1. 1882. 



Kftugliche Gesellschaft der Wisseischaftea. 

Sitzang am 7. Janaar. 

Henneberg: Ueber Fleisch- and Fettprodaction in 
▼erschiedenem Alter und bei verschiedener Nahrung, 
nach Vermichen mit Schafen. 

von EGnen: Ueber deutsehe Plaeodermen. (S. Abb. 
XXIX.) 

Wüsten feld: Die Geschichte der Araber and ihre 
Werke. Abb. 3. (8. Abh. XXIX.) 

Sauppe: Ein Kapitel aus Xenophons Hellenika. 

Pauli: Mittheilang von Prof. A. S te r n in Bern : Ueber 
die Sitzangsprotokolle der preußischen interimisti- 
schen Landesrepräsentation 1812—1815. 

Enneper: Beiträge zur Theorie der Flächen mit be- 
sonderer Rücksicht auf die Minimalfiäehen. 



Ueber die Sitzungsprotokolle der preußi- 
schen interimistischen Landesreprä- 
sentation 1812—1815. 

Von 
Alfred Stern. 

Professor a. d. Universität zu Bern. 

Aus der Geschichte der preußischen Reform- 
zeit, in welcher der gedemüthigte und verkleinerte 
Staat neue Kräfte erlangte und sich zum Be- 

1 



freiungskampfe vorbereitete, ist die Versamm- 
laug der s. g. Notabein des Jahres 1811 eine 
hinlänglich bekannte Erscheinung. Sie hat zu 
ihrer Zeit schon einigen Eindruck gemacht. 
Die Tagespresse hat sich in verschiedener 
Weise mit ihr beschäftigt, und Gesandte großer 
Mächte erwähnen sie in ihren Depeschen an 
mehr als einer Stelle.*). Namentlich die oft 
gedruckte und ausgezogene Vorstellung der Stände 
des Lebus'schen, Storkow'schen und Beeskow'- 
schen Kreises mit ihren Klagen über „Gewerbe- 
freiheit, Gleichmachung aller Stände und Mobi- 
lisirung alles Grundeigenthums" hat das Anden- 
ken an jene Opposition erhalten, welche von 
den Notabein hervorgerufen und genährt wurde. 
Auch ist es unvergessen, wie der Staatskanzler 
Hardenberg zwei Häupter dieser Opposition, den 
Freiherrn von der Marwitz und den Grafen Fin- 
kenstein, durch willkürliche Verhaftung und 
Verbringung auf die Festung Spandau bestrafte. 
Eine andere Versammlung jedoch, welche auf 
diejenige der Notabein folgte, die Versammlung 
der interimistischen Nationalrepräsentation hat 
ein übleres Schicksal gehabt. Sie scheint be- 
reits, als sie tagte, viel weniger Aufsehen erregt 
zu haben als die Versammlung der Notabein, 
und die Nachwelt hat sie so gut wie ganz ver- 
gessen. Hochbedeutende Werke über deutsche 
und preußische Geschichte erwähnen sie nicht 
einmal dem Namen nach. In den zahlreichen 
historisch-politischen Schriften, welche vor dem 

1) Ich beziehe mich auf die Depeschen des Grafen 
Zichy und- des Grafen St. Marsan, die ich, dank der 
Liberalität der betreffenden Verwaltungen im k. k. 
Haus- Hof- und Staatsarchiv in Wien und im Archive 
des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten zu 
Paris einsehen konnte. 



Zusammentritt des vereinigten Landtages die 
Frage der Zulassung einer Bepriiaentation be- 
handelten, spielt sie meines Wissens keine Rolle. 
Hie nnd da findet man nur bemerkt, daß einige 
Cabinetsbefehle und in die Gesetzsammlung auf- 
genommene Verordnungen, wie wegen der Tre- 
sorscbeine vom 5. März 1813 oder wegen Ver- 
äußerung der Staatsgüter von demselben Datum 
einer Mitwirkung der Nationalrepräsentanten 
gedenken. Dies ist der Fall beiy. Lancizolle 
in seinem Buche ,,Ueber Eönigthnm und Land* 
stände in Preußen. Berlin 1846/^ der seine dürf- 
tigen Angaben mit den Worten schließt: „Wei- 
tere Spuren von dem Dasein dieses den Charak- 
ter eines vom Staatskanzler für nützlich erach- 
teten Schauspiels, nicht aber einer lebensföhigen 
Institution an sich tragenden Schein wesens sind 
mir unbekannt/^ 

In H. von Treitschke's Deutscher Ge- 
schichte im neunzehnten Jahrhundert, Theil 1 
Seite 378 finden sich einige Bemerkungen, die 
eine etwas .genauere Kenntnis von der Geschichte 
jener zweiten Versammlung bezeugen. Sie sind 
jedoch gleichfalls sehr kurz. Es wird darauf 
hingewiesen, wie diese Versammlung durch Wahl 
der Nation , nicht durch Ernennung der Staats- 
gewalt zu Stande kam, und es werden dieser 
Ausführung die folgenden Sätze hinzugefügt: 
„Der Sinn für das politische Leben begann über- 
all im Volke zu erwachen. Die Wirksamkeit 
der Nationalrepräsentation blieb gleichwohl sogar 
noch geringfügiger als die Thätigkeit der ersten 
Notabein Versammlung. Ihre häufig unterbroche- 
nen Verhandlungen bewegten sich wesentlich 
um die Regulirung des Kriegsschulden wesens 
und brachten selbst diese Angelegenheit nicht 
in*B Beine. Kamen andere Fragen zur Besv" 

1* 



4 

chong , so zeigte sich stets ein streng conser- 
yativer, den Reformen feindlicher Oeist ; der Staats- 
kanzler mnßte sich bald überzeagen, daß er die 
Ausgleichung der Grundsteuer gegen den zähen 
passiven Widerstand des Landadels für jet2t noch 
nicht durchsetzen könne. Der Eifer der Reprä- 
sentanten und ihrer Wähler erlahmte schnell; 
es kam so weit, daß die Stände Vorpommerns 
sich weigerten ihren Vertretern fernerhin Tage- 
gelder zu zahlen. Von der Nation kaum noch 
bemerkt), schleppte die Versammlung ihr unfrucht- 
bares Dasein bis zum 15. Juli 1815 dahin; ihr 
letztes Werk war die Verordnung über die Ver- 
gütung der Eriegsleistungen v. 1. März 1815.^^ 
Diese Worte klingen wenig aufmunternd, 
und nach ihnen könnte es scheinen, als würde 
es sich der Mühe gar nicht verlohnen der Ge- 
schichte jener Versammlung weiter nachzugehen. 
Auch ein erster Versuch durch archivalische 
Nachforschungen mehr Licht über sie zn gewin- 
nen konnte nicht ermuthigend wirken. Im ge- 
heimen Staatsarchive zu Berlin befindet sich 
wie H. V. Treitschke a. a. 0. S. 373 bemerkt 
ein Manuskript RiedeTs, das ihm gute Dienste 
geleistet hat und das an Ort und Stelle einzu 
sehen mir erlaubt wurde. Die sauber geschrie- 
bene, zweiundzwanzig Blätter enthaltende Arbei 
führt den Titel: „Actenmäßige Berichterstattung 
über die im Jahre 1811 stattgefundene Zusam 
menberufung ständischer Landesdeputirten au 
allen Provinzen und über die in den Jahrei 
1812 — 15 bestandene interimistische Nationalre 
Präsentation.*' Ein Brief Riedels an den Mini 
ster des Inneren vom 28. März 1841 und ein 
dankende Antwort, gerichtet an den „Königliche: 
Professor und Vorsteher des Geheimen Ministe 
rial- Archivs H. Hofrath Dr. Riedel'' vom 1^ 



Oktober desselben Jahres gebeo über die Ent* 
stehang jener Berichterstattung genügenden Anf- 
schlnß. Riedel sagt in seinem Briefe: 9,Ew. 
Excellenz beehre ich mich einen nach den Ac- 
ten des geheimen Ministerial-Archiys abgefaßten 
Bericht über die früheren Versnche einer Natio- 
nal-Repräsentation in den Jahren 1811 — 15 ehr- 
farchtsToll zn überreichen , da ich glaube , daft 
diese Geschichtserzählung unter den gegenwär- 
tigen Umständen für Ew. Excellene von einigem 
Interesse sein dürfte.'^ Es war die Zeit der Re- 
gierungsanfänge Friedrich Wilhelms IV., die 
Ver&ssungsfrage war auf dem Landtage in Eö« 
nigsberg neu angeregt, Schönes Schrift Woher 
und Wohin, Jacoby's vier Fragen waren er- 
schienen, die „Zeitumstände^^ forderten in der 
That zn einem historischen Rückblick auf. Und 
hiebei verstand es ^ich von selbst, daß Biedel 
nicht nur den berufenen Notabein von 1811, 
sondern auch der erwähnten „interimistischen 
Nationalrepraesentation/^ die mit Unterbrechun- 
gen ihrer Thätigkeit von 1812 — 1815 beisam- 
men war, seine Beachtung schenkte. Was er 
indessen über die Versammlung mitzutheilen 
weiß, ist dürftig genug. Er hebt hervor, daß 
sie an dem Geschäft der Regulirung des Schul- 
den wesens fortwährend theilnahm, gesteht jedoch, 
daß ihm über anderweite ihr eingeräumte Wirk- 
samkeit nur sehr vereinzelte Nachrichten vor- 
liegen« Als solche führt er ^n, daß der Natio- 
nalrepräsentation eine Theilnahme an den Ver- 
llandlunge^ des damals bestehenden Finanzkollegs 
gewährt worden sei , ebenso an den Arbeiten 
der Central -Kommission zur Ausführung der 
Vermögens- und Einl^pmmensteuer, erwähnt auch 
die ijadi ihre^ VQr^cbl^geQ erla§sßne Verprdpping 
wegen der Tresorscheine vom 5. März 1813 und 



6 

die Edikte vom 3. Juni 1814 und vom 1. März 
1815 über die Vergütung der Kriegsleistungen. 
Das ist alles, was er mittheilt. „Die Reprä- 
sentanten waren nun drei Jahre versammelt ge- 
wesen,** schließt seine Berichterstattung, „und wur- 
den daher hiernächst nach Hause entlassen.^' 
Sollte man nun die Hoffnung ganz aufgeben, 
nähere Kunde über die Verhandlungen jener 
Versammlung zu erhalten oder sollte es sich 
nicht der Mühe lohnen, wenn sich schriftliche 
Zeugnisse derselben auffinden ließen , diese aus 
der Verborgenheit an's Licht zu ziehen? Wei- 
tere im geheimen Staatsarchive zu Berlin ange- 
stellte Nachforschungen, von den dortigen Beam- 
ten und namentlich von Herrn Dr. Max Leh- 
mann auf s freundlichste gefördert, brachten in 
der That nicht wenige Materialien von bedeu- 
tendem Interesse zu Tage, die, wenn sie diesem 
und jenem Forscher auch nicht ganz unbekannt 
gewesen sein mögen, meines Wissens doch noch 
niemals für die Geschichte der preußischen Re- 
formzeit nach Gebühr verwerthet worden sind. 
Zunächst erhielt ich im Oktober d. J. 1878 
Einsicht in die den fraglichen Gegenstand be- 
treffenden Akten der geheimen Registratur des 
Staatskanzlers ^). Schon diese Akten sind sehr 
lehrreich. Man lernt ans ihnen die Vorberei- 
tungen kennen , welche dem Zusammentritt der 
Versammlung vorangiengen , verschiedene Gut- 
achten über die Frage, wie die Wahl der „Lau- 

1) C. Dieterici fQhrt sie in seinem ausgezeichne- 
ten Werke: Zur Geschichte der Steuer-Beform in Preu- 
ßen von 1810—1820 (Berlin 1875) 8. X, XI unter den 
vorztiglicb durchforschten Akten nicht an. Auch sind 
unter den ,, Verhandlungen der Landesrepräsentanten", 
(Jie er im Vorworte p. V erwähnt, wie aus S. 32 und 
46 hervorgeht, die Verhandlungen der Notabein 
zu verstehen. 



desrepräsentanten^* in den Provinzen geschehen 
sollte, Entscheidungen des Staatskanzlers über 
zweifelhafte Punkte, die Wahlberichte der Re- 
gierungspräsidien u. a. m. Hier findet sich die 
Korrespondenz einzelner Repräsentanten oder 
der Versammlnng als solcher mit dem Staats- 
kanzler, die Koncepte seiner Antworten liegen 
Tor, Bittschriften an deii König, Entwürfe über 
die Organisation und die Befugnisse der Natio* 
nalrepräsentation , sei es der „interimistischen^' 
sei es der „künftigen,^' deren genauere Besprechung 
ich mir für eine andere Gelegenheit vorbehalte. 
Eine andere Reihe von Aktenstücken, ur« 
sprünglich dem Archive des Ministeriums des 
Inneren angehorig, fuhrt die Aufschrift „Acta 
generalia der Immediat-Commission zur Bey Woh- 
nung der Berathungen der National-Repräsen- 
tation- Versammlung.'' Der König erließ am 17. 
November 1813 aus dem Hauptquartier Frank- 
furt einen Gabinetsbefehl an den Minister von 
Schroetter, der an der Spitze der allgemeinen 
Schaldentilgungs - Kommission gestanden hatte, 
durch den er ihn neben dem Justizminister von 
Eörcheisen und den geheimen Staatsräthen Stä- 
gemann und von Schuckmann mit der Anfgabe 
betraute, dem Gange und den Berathungen der 
Versammlung der Repräsentanten zu folgen, 
die Resultate derselben zu prüfen und von Gut- 
achten begleitet dem Monarchen zur Entschei- 
dung vorzulegen. Bei dieser Immediatkommission 
sammelte sich ein beträchtliches Material von 
Akten an, die neben vielem Gleichgiltigen doch 
auch nicht weniger für das genauere Verständnis 
unentbehrliches enthalten. Ich verweise nur 
Beispielshalber auf den Entwurf einer Ero£f- 
nungsrede des Ministers von Schrötter, in wel- 
cher die sich entgegengesetzten Interessen von 



8 

Grandbesitzern und Kapitalisten , die sicbou in 
mannichfachen Petitionen zum Ausdruck gekom- 
men waren, auf eine bemerkenswertbe Art be- 
urtbeilt werden. 

Bei weitem den größten Wertb aber haben 
die Sitzungsprotokolle der Versammlung selbst, 
die ursprünglich gleichfalls dem Archive des Mi- 
nisteriums des Inneren angehört haben. Es sind 
vierzehn Bände unter dem Titel: Protokolle der 
Landesrepräsentanteu , die Jahre 1812 — 1815 
umfassend. Auf meine Bitte wurden sie mir wie 
die erwähnten Akten der Immediatkommission 
im April des Jahres 1880 vorgelegt, einige Bände 
habe ich im Oktober 1881 in dem Lokale der 
Göttinger üniversitätsbibliptbek einsehen und 
ausziehen dürfen. Es muß gleichfalls einer an- 
deren Gelegenheit vorbehalten bleiben von diesen 
meines Wissens bisher so gut wie unbeachtet ge- 
bliebenen Protokollen denjenigen Gebrauch zu 
machen, den sie verdienen. An dieser Stelle 
seien nur vorläufig einige Andeutungen gemacht, 
welche genügen mögen , um einen Begriff von 
der Eigenthümlichkeit dieser Quelle zu gewähren. 
Es wäre ein Irrthum, wenn man glauben wollte, 
daß diese Protokolle durchaus denselben Charakter 
an sich trügei^ wie die stenographischen Berichte 
moderner gesetzgebender {(Körperschaften ^j. Mit- 
unter werden freilich die Meinungsäußerungen 
der Mitglieder in direkter Bede angeführt, in 
den meisten Fällen aber hat man sich damit 

1) Bei einer Gelegenheit, als die Zuverlässigkeit des 
Frotokollee angefocbten wurde, erklärte der Sekretär, 
nur ein Oeschwindschreiber könne dem Gange der Ver- 
handlung folgen. „Hier, wo die Natur der vorgetra- 
genen Gegenstände die zarteste ist, die es geben kann, 
wo jedes Wert Stände, Personen, Staatswonlen berührt, 
hier versage ihm, wie er offea geetehn müsse» seil) p? 
ringes Fassnngsvennögen vöJlig." 



9 

begnügt, sie in indirekter Bede und in. Forqi 
eines Auszuges wiederzugeben. 

Nicht selten sind auch schriftliche Vota dem 
Protokolle einzelner Sitzungen hinzugefugt, Ent- 
würfe von Schreiben, welche die Versammlung 
an den Staatskanzler, von Adressen, die sie an 
den König richtet, finden sich eingeschoben, 
ebenso die eingelaufenen Autworten; die Mit^ 
theilung von amtlichen Gutachten, Yon Kommis- 
sionsberichten , von Tabellen mit zahlenmäßigen 
Nachweisen dient zur Ergänzung der Debatten, 
Der erst« Band beginnt mit einem Schreiben 
der Nationalrepräsent^nten an den Staatskanzler 
vom 25. April 1B12, das ihren Wunsch zum 
Ausdruck bringt mit ihren Bemerkungen zu den^ 
bevorstehenden Edikt wegen einer Yermögens- 
und Einkommensteuer gehört zu werden Das 
Protokoll der letzten Sitzung vom 10. Juli 1815 
enthält die Schlußreden des Präsidenten, des Ju- 
stizministers von Kircheisen, der an Stelle des 
yerstorbenen Ministers von Schroetter den Auf- 
trag der Auflösung ausführte, und des Fürsten 
von Hatzfeld, der „im Namen der Versammlung^^ 
das Wort ergriff. Innerhalb dieses zeitlichen 
Rahmens fallen die verschiedenen Dok^mentCi 
die ein anschauliches Bild der gesammten Be«» 
schäftigung der Repräsentanten gewähren, unj 
von denen die Sitzungsberichte selbst weitaus 
den größten Theil jener vierzehn Bände ein- 
nehmep. 

Auf den ersten Blick könnte es nun scheinen, 
als wenn die rein technischen Fragen, die in 
diesen Bänden berührt werden, kein allgemeines 
historisches Interesse haben könnten. Es ver- 
bricht geringen Gewinn, sich durch Seiten lange 
Debatten und Gutachten durqbzu^rbeiteQ, die 
von dem bäaerlicben Scliulde^wese^ , von der 



10 

Ausgleichang der Lasten beim Marsch- undVer- 
pflegUDgswesen y von der Parcellirnng größerer 
Güter, von der Verlängerung des Indults für 
rückständige Zinsen handeln. Wir kümmern 
uns wenig darum, ob es dem verschuldeten Guts- 
besitzer freistehen sollte , zur Bezahlung der 
rückständigen Zinsen dem Gläubiger seine For- 
derungen an den Staat zu cediren , und ob der 
Gläubiger gezwungen werden sollte, die vom 
Staate ausgegebenen Lieferungsscheine an Zah- 
lungsstatt anzunehmen. Aber leugnen läßt es 
sich nicht: schon hiebei kommt vieles zur Sprache, 
was uns den Zustand des Landes, die ökonomi- 
sche Lage der einzelnen Provinzen und Stände, 
die sich nicht selten widerstreitenden Aoschau- 
ungeu der adligen, bürgerlichen und bäuerlichen 
Vertreter, welche in dieser ersten, gewählten 
s. g. Nationalrepräsentation Preußens zusammen 
saßen, viel deutlicher vor Augen führt als es 
die farbenreichste Schilderung eines Nachleben- 
den zu thun vermöchte. 

Auch finden, sich Gegenstände der Verhand- 
lungen genug, bei denen die financielle und öko- 
nomische Seite zurücktritt oder gar nicht in 
Frage steht, während die allgemeine politische 
Bedeutung unverkennbar ist. Schon die im 
Jahre 1812 ausgeschriebene Vermögens- und 
Einkommensteuer drohte zu tief einzugreifen, 
als daß sie nicht von einem höheren Stand- 
punkte aus durch die Repräsentanten hätte ge- 
würdigt werden sollen. Einen noch größeren 
Sturm rief das Gensdarmerie- Edikt vom 30. Juli 
1812 hervor, das sich nach Ernst Meier 's tref- 
fendem Ausdruck^) nicht allein als eine Kreis- 

1) Ernst Meier: Die Beform der Verwaltungs-Or- 
ganieation unter Stein und Hardenberg. Leipzig 1881 
S. 438. Ernst Meior hat a. a. 0. Seite 441, 442 auf dio 



11 

Polizei Ordnnng, sondern zugleich als eine Kreis- 
Kommunal -Ordnung darstellte, dazu bestimmt 
die Adelsmacht auf dem Lande zu schwächen, 
aber nicht zu Gunsten der Selbstverwaltung, 
sondern zu Gunsten des bureaukratischen Beam- 
tenthums. — Eine der bemerkenswerthesten De- 
batten entspann sich am 21. Januar 1813, als 
man von dem Plane des Königs nach Breslau 
abzureisen Kunde erhalten hatte. Der Land- 
schafts-Syndicus Eisner von Ratibor, 
einer der obersch lesischen Deputirten, stellte den 
Antr^ , den König zu bitten , die Repräsentan- 
ten dahin zu berufen, wohin er selbst sich be- 
geben und den Sitz der Regierung ad interim 
verlegen würde. Die Motive seines Antrages 
waren: Diese Nationalrepräsentation gehöre der 
ganzen Monarchie, ihre Residenz sei an keinen 
Ort gebunden, sie gehöre dahin, wohin der Mo- 
narch sie berufe, und ihre Nützlichkeit höre auf, 
sobald die Kommunikation zwischen ihr und dem 
Monarchen durch irgend etwas unterbrochen 
werde. Die pflichtmäßige Reinerhaltung des 
Begrifl'es der Monarchie mache es wichtig und 
nothwendig bei jeder Gelegenheit die Unzer- 
trennlichkeit des Monarchen und der National- 
repräsentation festzuhalten u.s.w. 

Der Regierungspräsident von -Wedell 
trat dieser Meinung bei. „Eine Nationalreprä- 
sentation , welche vom Monarchen abgeschnitten 
werden könnte, halte er für monströs und ge- 

Aasstellungen , welche die Repräsentanten an dem 
Edikte machten, hingewiesen; ich wei£ jedoch nicht, ob 
er die Debatten selbst gekannt hat. Bö pell hat in 
den Publikationen der Schlesischen Gesellschaft fdr va- 
terländische Kultur im Jahre 1847 die Bemerkungen 
der Nationalrepräsentanten über das Gensdarmerie-Edikt 
vom 26. Sept. 1812 und ihre darauf bezügliche Eingabe 
vom 16. Februar 1814 mitgctheilt. 



12 

fährlieb/' f)r schlug dab^r Suspemion oder 
Yer^eguag vor. Per geheime Staatsrath 
von Quast entgegnete, es würde eine nicht 
nützliche Sensation und mannichfältige Unan- 
uebmlicbkeit veranlassen, wenn zweiundvierzig 
Bepräseatanten das Gefolge S. Majestät vermeh- 
ren sollten. D'iQ Erfahrung lehre, d»ß reprä- 
sentative Corps nox^h mit dem Monarchen für 
das gemeine Wohl zusammenwirken könnten 
auch bei ränralicher Treuuung. „Frankreich 
b4b^ hiervon erst ein ganz neues Beispiel gege« 
be«i ipdem — ein sehr wenig ^bmeiehelhafter 
Vergleich desse4 Nationalrepräsentation fort- 
während mit Nutzen in Paris geblieben wäre, 
während der Kaiser sich persönlich in dem Herzen 
von Rußland bt^fand/^ Es genüge, wenn das 
in Geflin zurückgelassene Begierungs-Conseil an- 
gewiesen würde über alje wichtigen Angelegen- 
heiten die Repräsentation als konsultative Be- 
hörde zu Rathe zu ziehen. Cebrigens sei noch 
von keiner Verlegung der Residenz, sondern 
nur von einer Beise des Königs die Bede. 

Herr von ßurgsdorff war derselben An- 
sicht und fügte hinzu, die öffentliche Qua- 
lität der hiesigen Oeputirten beziehe sich 
nur auf ihre Thätigkeit bei der Kriegsschul- 
denkommission und insoferne könnten sie ruhig 
fortarbeiten. Als Natioualrepräsentanten seien 
sie bis jetzt immer „in einer Art von Incognito" 
gehalten. Das inländische Publikum habe in 
dieser Qualität wenig, das ausländische gar keine 
Notiz von ihnen genommen« Bei ungünstigen 
Verhältnissen könnten sie sich in letzter Bezie- 
hung ganz in ihr Incognito zurückziehen, was bei 
der gegenwärtigen Krisis angemessener sein 
dürfte als durch Verlegung Sensation ?u erregen 
oder durch Auflösung »ein i;aum erworb^ne^ Vor- 



18 

recht der Nation** zu vernichten. Herr von 
Dewitz stimmte auch für Bleiben in BerUn, 
wünschte aber, daß man den König bitten möge, 
sich Yon einer Deputation begleiten za ladseu. 
Herr Eisner sagte darauf: Die Gegner hätten 
in ihren historischen Beispielen nur solche Reiche 
im Ange gehabt, wo während der Abwesenheit 
des Monarcheü die Unabhängigkeit der Haupt- 
stadt völlig gesichert wäre. Man könne aber 
mit Wahrscheinlichkeit erwarten, daAdieXrnppen 
einet Macht, welche sich mit dem Könige in 
Kriegsznstand befinde, Berlin besetzen würden. 
Die Erfahrung lebre^ daß in solchen Fällen die 
fremde Macht sich derjenigen konstituirten Kör** 
perschaften, welche sie vorfinde, als Werkzeuge 
bediene, und daß gewöhnlich in solchen Fällen 
unter dem Verwände der Schickung in die Zeit 
und eines s. g. klugen Nachgebens das Gefühl 
der Ehre, und der inneren üeberzeugung der 
äußeren Gewalt weiche. Eisner berief sich, ohne 
es mit den geschichtlichen Thatsachen genau zu 
nehmen, auf das Beispiel Spaniens und erklärte, 
daß kein Beschluß der Versammlung ihn zwin« 
gen könne an Berathungen theilzuuehmen, sobald 
sie unter dem Einfiuß einer fremden Macht 
stehe. Er protestirte gegen jeden Beschluß, 
der ihr in einem solchen Augenblicke entrissen 
würde, „als illegal und nichtig.*' Der Präsident 
von Wedeil, schloß sich dieser Meinung an 
mit dem Vorbehalte daß die Versammlung den* 
jenigen Posten auch in der höchsten Gefahr be- 
haupten müsse, welchen der Befehl Seiner Ma* 
je^>tät ihr anvertrauen würde, üebrigens sei 
dies ein Vorzug repräsentativer Versammlungen, 
daß ihre Residenz ohne Umstände an einen sm*^ 
deren Ort verlegt werden könne. Er berief sioh 
auf die Beispiele der schwedischen, poltfischeti 



u 

uud deutschen Beichstagti „iu der älteren , blü^ 
henden Periode von Deutschland." Herr von 
Bredow meinte, gerade die jetzige Krisis mache 
es wünschenswerth , daß die Versammlung ihre 
Residenz nicht verändere, denn im Falle einer 
feindlichen Besitznahme könne es dem Staats^ 
Wohle nicht anders als zuträglich sein, daß die 
fremde Macht Männer in öffentlichen Verhält- 
nissen antreffe, die durch kein anderes Verhält- 
niß als die Ehre an ihre Posten gebunden , für 
diese alles aufzuopfern und statt der mit Recht 
gerügten gewöhnlichen Nachgiebigkeit mit männ- 
licher Festigkeit ihre Pflicht thnn und für diese 
jedes Opfer bringen würden . . . Der Graf 
von Hardenberg^) äußerte u.a. es sei nicht 
unwahrscheinlich, daß die Absicht dahin gehen 
könnte, in dem Geiste und in der Kraft der 
Versammlung einen zu erhaltenden Vereinigungs- 
punkt des gesammten Staates selbst im Falle 
einer militärischen Besetzung von Seiten einer 
Macht zu suchen, mit welcher S. Majestät nicht 
in Friedenszustand sei. Er erbot sich alsVP^ort- 
führer der Versammlung sogleich um eine Au- 
dienz bei dem Staatskanzler nachzusuchen. Die 
Debatte wurde geschlossen und mit Stimmen- 
mehrheit angenommen: Erstens, der Graf von 
Hardenberg solle im Namen der Versammlung 
dem Staatskanzler die Nothwendigkeit entschei- 
dender Bestimmungen von Seiten des Staates 
über das Verhältnis der Versammlung zu den 
Regierungsbehörden während der Abwesenheit 
S. Majestät vorstellen, ebenso die Unvermeid- 

1) Eammerber Friedrich August Burchard von Har- 
denberg, einer der adligen Repräsentanten von Nie- 
derschlesien» am 1. August 1812 zum königlichen Com- 
missarius und provisorischen Präsidenten der Versamm- 
lung ernannt, s. u. S. 23. 



15 

lichkeit gehöriger Anstalten, daß die für dieDe- 
pntirten bestimmten Diäten nicht unterbrochen 
werden, wenn ihre Provinzen vom Orte ihrer 
Amtsthätigkeit abgeschnitten werden, ferner S. 
Excellenz zu präveniren, daß die Versammlung 
S. Majestät morgen durch eine Adresse diese 
Bitte vortragen werde und um Beförderung der- 
selben durch das Fürwort S. Excellenz bitte. 
Zweitens: Eine Adresse in dem angedeuteten 
Sinne, an den König gerichtet, soll entworfen 
werden. — Ein Antrag des Landschaftsra- 
thes von Dewitz, daß das Gouvernement er- 
sucht werden möge, jedem Deputirten zu gestat- 
ten, eine ihm bekannte Person ans dem Publico 
als Zuschauer bei den Berathungen der Repräsen- 
tanten zuzulassen, wurde wegen der gegenwärti- 
gen Ereignisse bis auf ruhigere Zeiten ausgesetzt. 
Am 22. Januar in der 119. Sitzung wurde 
die an den König zu erlassende Adresse verle- 
sen. Als aber am folgenden Tage ein Hand- 
schreiben des Königs und ein Brief des Staats- 
kanzlers Mittheilung davon machten, daß der 
König seine Residenz nach Breslau verlege und 
daß man sich inzwischen an die zurückgelassene 
Oberregierungskommission zu wenden und von 
dieser alle Befehle zu erhalten habe, wurde be- 
schlossen die Adresse an den Köuig nicht abge- 
hen zu lassen. Dagegen sollte eine Adresse 
an den Staatskanzler entworfeu werden des In- 
haltSi die Versammlung könne nur so lange von 
Nutzen sein, als alle Provinzen und Stände ge- 
hörig repräsentirt blieben, ein allmähliches 
Zusammenschmelzen sei aber nicht zu verhindern, 
woferne nicht für fortlaufende Diätenzahlung 
gesorgt werde. ^) 

1) Die Akten sind voll von Klagen einzelner Bq- 



'*™^"' iriifcs-fi*'!) Zeil ji aai.'fflHifirii» 

- - s'fJi . ae ffr* ite JfiBwrfilitia -ti" 
■^ "»"i jftrwi W-miw HBflt ^'^ ^ -.4 
■ Nstioc-, wie » in einen. BnErSÄ» 

A/,>i ..r>u«n da- ^joioir" iiel^ * 
tiori'cf; njjr anii i~rp5ieiiliSL, «teiM 
Kfijiiu TU« :^rff-jm *a= an äe Tolk: 
xl't nnJ (Te 3j=i:s zurückgäiiltai 
nrit'«Belt<?, T'HLir.'äils eiueu ,,Anfni 
I'..; ■ 7i: p-.is*a. r»s merkwördig 
fin lii. t>f-Mjr ;Sj3 datiri find« 



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fet wurde eme Air«äae iLL:a a-taa^ izc*^*^-:. 
welebe den Sau etäii^l:: ."^r 2k va x^i. t 
dnrch einen Zoruf an aiīlL:c'irr*r^L- '"l ^ 
ni erfüDen, welche ua ilö rca L 1' :.^ . ira 
Mijesiät angewiesa» Sacipoilc -^.n i^ .r 
dert** Attch die Antwirt Frj^in:! '^'l-i* 
m TOD 24. Februar &zci^ «hj. *ir ♦ur »zr^^ 
keanend nnd mit dem aücri«! c-i'ini^a Irf^r^-i-::, 
dal die Genehmigncf der Stiiiian-uii^ a 
den öffentlicheii Blärteni »r'JiK^t »• rira --. 
„Siebabeo ach. lieft der i'.zLH ne l--'v^-.- 
tauten wiasea, als Mäan« r^2ki^. i> ur. V ^^ 
ihres Standponktea za wiriii^-a »--5f«-^a -j:^ 
TOD Bolehen darf der SüaJ loca -frr;.-*-: ..^^ 
sie ihren Mitbürgern n.:t ri>ai l*-^\.r: - -- 
angehen/' 

Zehn Tage vorher hatte b^iTtis sn t'-i^^^j^r 
Eabinetsbefehl bestimmt, «iai w-^s^ urr -.^fc. 
teaden Störungen nnd w-i^^n irr L'<::»^_^ 
der Snbsiatenz die ZaLI ii^ Hi^^r-^^.:^,^*^ 
werden iOilte. Z*tr r^:.> %-^. ^ ^ 
sebeimta hiMng»nrt. -sriti», ^a -^ 
irmiaebe Zeit «Tinea v-rv. * ^ 
fco WnnaeheB alkf S6a»i»t i >r"2rC^.irf-. ^ 



1 



Ire 



53 l'-ZÖ^-jf-ii. 



*a 




16 

Diese Befürchtungen waren nicht gruüdlos. 
Allein es fehlte nicht an Beweisen dafUr, daB 
die in Berlin zurückgebliebenen Repräsentanten 
auch in dieser kritischen Zeit an den öffentlicheu 
Angelegenheiten theilzunehmen suchten. Sie be- 
trachteten sich, so groß das Mißverhältnis ihres 
Anspruchs und ihres Wesens auch war, als „das 
Organ der Nation'*, wie es in einem ihrer Schrei- 
ben an den Staatskanzler hieß, in dem sie sich 
über die Verwendung der Tresörscheine aus- 
sprachen. Als „Organ der Nation" hielten sie 
sich für berechtigt und verpflichtet, während 
sich der König von Breslau aus an die Yolks- 
kraft wandte und die lange zurückgehaltene 
Kampflust entfesselte, gleichfalls einen „Aufruf 
an die Nation'* zu erlassen. Das merkwürdige 
Aktenstück, vom 13. Februar 1813 datirt, findet 
sich in den Protokollen unter der Ueberschrift: 
„Aufruf an unsere Mitbürger'* mit den Worten 
beginnend : „Das Vaterland ist in Gefahr.*' Ich 
beabsichtige es an anderer Stelle ausführlich 
mitzutheilen. Hier sei nur erwähnt, welches 
Schicksal es den Protokollen zufolge hatte. Es 
wurde der Regierungskommission in Berlin zur 
Genehmigung vorgelegt. Diese aber glaubte 
sich „bei den Verhältnissen mit dem französischen 
Gouvernement" nicht ermächtigt den entworfe- 
nen Aufruf in den Zeitungen inseriren zu lassen. 
Es wurde daher beschlossen, ihn dem Könige zu 
überreichen mit der Bitte , ihm seine Genehmi- 
gung zu ertheilen und zugleich den Befehl zur 

f 

Präsentanten, welche in beweglicher Weise ihre trau- 
rige Lage schildern und nm Abhilfe bitten. Zar Zah- 
lung der Reisegelder und Diäten waren die Wahlkör- 
perschaften verpflichtet, aber in einer Zeit, da alle 
Kräfte angespannt waren, kamen sie zum Theile ihren 
YerpfiiohtnDgen nur mangelhaft nach. 



17 

Inserirung zu geben. In Begleitung des Aufru- 
fes wurde eine Adresse nach Breslau abgesandt, 
welche den Satz enthielt: „Wir haben geglaubt 
durch einen Zuruf an unsere Mitbürger die Pflicht 
zu erfüllen, welche der uns von E. Koniglicben 
Majestät angewiesene Standpunkt von uns for- 
dert/* Auch die Antwort Friedrich Wilhelms 
III. von 24. Februar findet sich vor, sehr aner- 
kennend und mit dem ausdrücklichen Bemerken, 
daß die Oenehmigung der Bekanntmachung in 
den öfFentlichen Blättern ertheilt worden sei. 
„Sie haben sich, ließ der König die Repräsen- 
tanten wissen, als Männer gezeigt, die den Werth 
ihres Standpunktes zu würdigen verstehn und 
von solchen darf der Staat auch erwarten , daß 
sie ihren Mitbürgern mit gutem Beispiel vor- 
angehen.'* 

Zehn Tage vorher hatte bereits ein königlicher 
Eabinetsbefehl bestimmt, daß wegen der eintre- 
tenden Störungen und wegen der Erschwerung 
der Subsistenz die Zahl der Repräsentanten 
vermindert werden sollte. Der Staatskanzler 
hatte seinerseits hinzugefügt , er hofl^e, daß eine 
weniger stürmische Zeit erlauben werde, eine 
nach den Wünschen aller Stände übereinstimmende 
Nationalrepräsentation „definitiv zu organisiren/* 
Es kamen ruhigere Zeiten, der Feind war 
in glorreichem Kampfe, an dem sich, irre ich 
nicht , mehrere der Repräsentanten selbst be- 
theiligten, aus dem Lande vertrieben, die Ver- 
sammlung, in ihrem Bestände ergänzt und durch 
die eingesetzte Immediatkommission unterstützt, 
nahm ihre Arbeiten wieder auf. Auch während 
dieses Abschnittes ihrer Geschichte hat sie sich 
dem Eindruck der großen Ereignisse nicht ent> 
ziehen können, die einen starken Gegensatz zu 
ihren oft so einförmigen Verhandlungen bildeten. 

2 



18 

Die erste Einnahme von Paris gab z. B. den 
Anlady ein Glückwunschschreiben an den KöDig 
abzusenden, nnd als die Nachricht vom Siege 
bei Waterloo eintraf, wurde beschlossen die Si- 
tzung aufzuheben, weil, wie das Protokoll sagt, 
,Jedes Mitglied den heutigen Tag als Festtag 
betrachte, an welchem es sich nur der Freude 
allein überlassen wollte.*' 

Nach den gemachten Andeutungen mag man 
vielleicht schon vermuthen, worin das hauptsäch- 
lichste Interesse der Protokolle besteht Sie 
bringen aufs klarste den Kampf der Ideen aum 
Ausdruck, der durch das Dasein dieser ersten 
gewählten Versammlung von preußischen Re- 
präsentanten henrorgerufen werden mudte. 

In dem Edikte über die Finanzen des Staates 
vom 27. Oktober 1810 war angekündigt worden, 
daß Repräsentanten aus den Provinzen und 
Kommunen berufen werden sollten , um an den 
Arbeiten einer Generalkommission zur Ordnung 
sämmtlicher Provinzial- und Kommunalkriegs*- 
schulden theilzunehmen. Aulierdem war daselbst 
der Zukunft vorbehalten die Einrichtung „einer 
zweckmäßig eingerichteten Repräsentation so- 
wohl in den Provinzen als für das Ganze/' Das 
fernerweite Edikt über die Finanzen des Staates 
vom 7. September 1811, unmittelbar vor der 
Schließung der Notabelnversammlung erlassen, 
wiederholte jene erste Ankündigung wie aack 
die Zusage, „der Nation eine zweckmäßig ein- 
gerichtete Repräsentation zu geben. ^^ Inzwischen 
sollten diejenigen Mitglieder , welche jene Oene- 
ralkommissiou ausmachen würden, auch vorerst 
die National -Repräsentation konstituiren nnd 
hiezu von den Wählenden mit bevollmächtigt 
werden. Ueber die Kompetenz der YersammlaDg 
war damit nichts gesagt. Doch ließ' der Staats- 



19 

kanzler darüber keinen Zweifiel, däftihr ia jedem 
Falle nur eine berathende Stimme eingeräumt 
werden sollte. Den Repräs^itanten, heißt es in 
einem seiner bei den Akten befindlichen Erlasse, 
stebe immer nnr die ,,CansnltatiTe über die ihr 
£nr Berathnng vorgelegten Gegenstände^^ zn, 
indem das Staatsoberfaanpt sich „weder der Ini- 
tiative noeh der Sanktion der Qesetze^^ hieben 
könne. Auch lag ihm nichts ferner als volle 
Freiheit beim Wahlgeschäft gestatten, den Ein« 
floß der Staatsgewalt fernhalten zn wollen. In 
seiner Instruktion an die Regierangen vom 11. 
Februar 1812 mahnte er die Regierungspräsi* 
deuten, denen die Wahlprotokolle einzusenden 
waren, sowohl die Landräthe wie die Magistrate 
bei' Veranlassung der Wahlen darauf aufmerk- 
SBtti zflü machen, daß „nur unbescholtene, ein- 
sichtsvolle, mit gehöriger Kenntnis ihrer Provinz 
ausgerüstete, dem königlichen Hause und ihrem 
Yaterlande notorisch treu ergebene, vorurtheils- 
ttei» Männer zu Nationalrepräsentanten gewählt 
werdem düi^ten.*^ Jede Instruktion der Gommit^ 
tenten sollte zurückgewiesen und, „der Repräsen- 
tant, der sie dennoch geltend machen wollte, von 
allen Berathungen ausgeschlossen werden.^^ Na- 
tur und Würde eines Reprätsentanten erfordere, 
daß er keinem anderen Führer als seiner Ueber- 
aeii^ng folge und keinen anderen Richter als 
sdn Gewissen habe; dieser Grundsatz sei in al« 
len Staaten, in denen Repräsentation stattfinde, 
anerkannt. Der Staatskanzler kritisirte ferner 
die vorgenommenen Wahlen, indem er sie gleich- 
sam mir als Vorsehläge betrachtete. So z. B. 
wollte er gegen die in Ostpreußen Gewählten 
niehta erinnern, knüpfte aber die Bemerkung 
an: „wenm ich gleich wünschte, daß nur scdche 
i^fsos^n gepfählt sein mochten, welche gieh 

2* 



20 

durch Geschäftskeontnis und Qememsini] schon 
ausgezeichnet haben/' Der Mittheilung des Re- 
sultates der neumärkischen Wahlen findet sicli 
die Marginalnotiz angefügt: ,,Dem Regierangs- 

f)rä8idiuni zu antworten, daß gegen die Wab- 
en im ganzen nichts zu erinnern sei, wiewohl 
S. Excellenz den Landrath von Knobels- 
dorff unter den Gewählten zu sehen gewünscht 
hätte, den sein heller Verstand, seine Rechtlich- 
keit und völlige Vorurtheilsfreiheit ganz vorzüg- 
lich dazu eigneten/' Mit Aeiigstlichkeit wurde 
darüber gewacht, daß keine innige Verbindung 
zwischen den Wählern und zwischen den Ge- 
wählten stattfinde, welche den Repräsentanten 
eine größere Macht gegeben haben würde, als 
die Regierung ihnen einräumen wollte. Die De- 
putirten der Rittergutsbesitzer von Oberschlesien 
schlugen dem Staatskanzler am 7. April 1812 
die Errichtung eines Gentralressorts für Schle- 
sien in Breslau vor, damit die Repräsentanten 
„auf eine leichte, mit Zutrauen verknüpfte Art'' 
von den Bedürfnissen und Wünschen der Provinz 
unterrichtet werden konnten. Sie wurden ab- 
schlägig beschieden; es hätten, hieß es in der 
Antwort des Staatskanzlers vom 14. Mai, nur 
solche Männer gewählt werden sollen , welche 
die vollständigste Eenntniß von den Verbältnissen 
und Bedürfnissen der Provinz besäßen; im Falle 
man besonderer Aufklärung bedürfe, seien pri- 
vate Anfragen an einzelne Unterrichtete oder 
an die öfl^entlichen Behörden erlaubt. Vollends 
erweckte es das höchste Mißfallen des Staats- 
kanzlers, daß einzelne Deputirte ihre Wähler 
durch „Currendschreiben" auf dem Laufenden 
über die Verhandlungen zu halten und sogar die 
Mitwirkung der Staatsbehörden für die Verbrei- 
tung ihrer Mittheilungen in Anspruch zu nah- 



21 

men sachten^). Für den Staatskanzler war die 
Versammlung der Erwählten nur ein berathen- 
des Organ , von Hause aus auf die Behandlung 
eines einzigen Gegenstandes augewiesen, dem die 
Regierung nach ihrem Belieben noch weitere 
hinzufügen konnte, ohne Berechtigung, sich auf 
ein Mandat der Wählerschaften zu berufen. Die- 
ser Auffassung entsprach auch der äußere Appa- 
rat. Der Saal des ehemaligen Generaldirectorii 
auf dem königlichen Schlosse, in dem die Bera- 
thnngen stattfanden, mu0 sehr einfach ausge- 
stattet gewesen sein. Es findet sich ein Ver- 
zeichnis der wenigen Utensilien vor , nach der 
Auflosung der Repräsentanten im Jahre 1815 
Ton einem Registrator des Ministeriums des In- 
neren angefertigt, desgleichen ein Katolog der 
Handbibliothek, welcher noch nicht einmal ein 
dutzend Nummern umfaßt. Bald nach der Er- 
öffnung wurde die Klage laut, daß es der inte- 
rimistischen Nationalrepräsentation an einem Ko- 
pisten und Boten fehle. 

Mit den Absichten der Regierung und mit 
der Wirklichkeit der Dinge trat aber die Ver- 
sammlung alsbald in einen scharfen Widerspruch. 
Zum Theil altständische Reminiscenzen , zum 

1) Mehrere dieser s. g. Gurrendschreiben befinden 
sich bei den Akten. Ein Fall ist mir bekannt gewor- 
den , in dem es sich sogar darum handelte , daß ein 
Repräsentant in Ereisversammlungen seinen Wälilern 
mSndlicb Bericht erstattete. Er sagte u. a zu sei- 
ner Rechtfertigung : „So lange die Urkunde über die 
Einführung einer repräsentativen Regierung nicht er- 
schienen und so lange alle Publicität untersagt ist, 
kann es wohl nicht den Ständen verdacht werden, sich 
aus den Verhandlungen der Repräsentation zu über- 
zeugen, ob sie auch dem in sie gesetzten Vertrauen 
entspreche.*' (Baron von Gruttschreiber an die 
Regierung von Schlesien in Breslau 28. Mai 1815); 
vgl. auch die dritte Anmerkung bei Treitschke S.378. 



22 

Tbeil die modernen Ideen der parlamentarischen 
VerfassuDg, welche im achtzehnten Jahrhundert 
Ton Frankreich ans ihren Eroberungszug darch 
Europa gemacht hatten, kamen in ihr zum Durch- 
bruch und veranlaßten mitunter Meinungsäuße- 
rungen, die man inmitten so mancher trockenen 
Verhandlungen gar nicht venputhen sollte. Die 
Protokolle gewinnen dadurch eine Bedeutung, 
die ganz unabhängig von den sonstigen Gegen- 
ständen der Berathung ist, insoferne man sie für 
eine Entwicklungsgeschichte der konstitutionel- 
len Idee in Preußen wird verwenden dürfen. Am 
13 Mai 1812 machte der Abgeordnete E Isner 
seine Kollegen auf den Mangel einer Geschäfts- 
ordnung aufmerksam, der in Verbindung mit 
dem Mangel klarer Bestimmungen über die Eom- 
petepis der Versammlung nothwendig lähmend 
einwirken mußte. Er gebrauchte bei dieser Ge- 
legenheit die Ausdrücke, die Versammlung habe 
in so kleiner Anzahl die Ehre, die „ganze Na- 
tion vorzustellen^^, mau müsse Wünsche äußern 
dürfen > „welche die wahre Stimme der Nation 
sind^^ , Ausdrücke , die in den Debatten noch 
mehrfach wiederkehren. Man hielt sich zuerst 
an das Nöthigste, eine Geschäftsordnung zu ent- 
werfen, für welche allerdings die landesherrliche 
Bestätigung erbeten werden sollte. Aber darü- 
ber vergaß man nicht der wichtigeren Frage 
näher zu treten, welche Stellung diese tagende 
und überhaupt die Repräsentation im Staatswe- 
sen einnehmen werde. Auf diese Frage erwar- 
tete man eine Antwort von der Regierung. So 
ergieng ein Schreiben an den Staatskanzler, von 
sämmtlichen damals in Berlin anwesenden Na^ 
tional-Repräsentanten, mit Ausnahme des Grafen 
Tpn Dohna-Wundlacken, am 4. Juni 1812 unter- 
zeichnet, in welchem auf Erkiennung eines kö« 



23 

niglicheu Eommiiisärs angetragen wnrde, „der 
mit ans die der National-Bepräsentation zn ge- 
bende Constitution, sowohl was die Art der Wahl 
als was die innere Organisation und die Befug- 
nisse derselben betrifft, berathe nnd alsdann das 
entworfene Project Ew. Exeellenz zur Prüfung 
vorlege, um demnächst die allerhöchste Sanction 
zm erhalten/' ^,Da durch uns/* hieß es in die- 
sem Schreiben^ ,,das Band zwischen dem Monar- 
chen und der Nation sowie zwischen den ein- 
zelnen Provinzen feister geknüpft werden soll, 
so kommt alles darauf au, daß wir das Zutrauen 
der Nation fortdauernd erhalten. Dieses aber 
kann nur dann votlkommen der Fall sein, wenn 
den Gommittenten das Verhältnis genau bekannt 
sein wird, in welchem die National -Repräsen- 
tation zu dem Monarchen und dessen Admini- 
stration zu stehen kommt.'* 

Man hatte erst kurz vorher erlebt, daß ein 
einschneidendes Edikt, dasjenige über die Ver- 
mögens- und Einkommensteuer, vollzogen wurde, 
noch ehe es zur Kenntnis der Versammlung ge- 
kommen war. Die Entrüstung über ein solches 
Verfahren machte sich vielfach Luft, und eben 
dieser Vorgang schien die Noth wendigkeit klar 
zu beweisen, einen festen, genau bestimmten 
Bechtsboden zu erhalten. „Sollten, wurde ein- 
mal gesagt, ohne Ziel die Repräsentanten heute 
befragt, morgen übergangen werden, so habe ihre 
Verantwortung keine Grenzen und ihre Bemü- 
hung keinen Nutzen; es sei sogar zu besorgen, 
daß sie, statt Würde zu behaupten, in den Cha- 
rakter der Lächerlichkeit falle und als eine Ma- 
schine erschiene, welche man bloß zum Zeitver- 
treib beschäftige^^ Der König ernannte nun 
allerdings am 1. August 1812, „damit die inte- 
rimistische Naiionalrepräsentation bei ihren Ge- 



24 

Schäften die nöthige Ordnung desto besser zu 
beobachten im Stande sei", zunächst den Kam mer- 
herrn Grafen Hardenberg, ein Mitglied der Ver- 
sammlang, zu seinem Oommissarius bei ihr und 
bestimmte, daß dieser vorerst das Präsidium 
fahre; bis eine „bleibende Organisation der Re- 
präsentation^^ eintreten könne. In Gemeinschaft 
mit ihm sollten die Repräsentanten ,; Vorschläge 
wegen der sonst für räthlich erachteten Anord- 
nungen den Geschäftsgang betreffend** machen. 
Aber abgesehen davon, dafl diesen nunmehr die 
freie Wahl des Präsidenten entzogen war, blie- 
ben die Grenzen ihrer Kompetenz noch ebenso 
unbestimmt wie zuvor. 

und doch fühlte sie sich selbst immer mehr 
gedrungen das Maß ihrer Rechte zu kennen, 
wenn nicht gar geneigt sich einseitig ein Urtheil 
darüber zu bilden. An verlockenden Gelegen- 
heiten dazu fehlte es nicht. Wenn Klage da- 
rüber geführt worden war, daß in der Provinz 
Pommern von den Provinzialbehörden alle 6e- 
treidevorräthe unter Beschlag gelegt worden seien, 
so gab dies den Anlaß, die allgemeine Frage zu 
erörtern und bejahend zu beantworten, ob es 
gerathen wäre, daß die Versammhing regelwidri- 
ges Benehmen untergeordneter Staatsbehörden 
zur Kenntnis der höchsten Staatsbehörde bringe. 
Wenn das Gensdarmerie - Edikt erschien, ohne 
daß die Versammlung der Repräsentanten vorher 
von seinem Inhalte Kenntnis erhalten hatte, so 
führte dies wiederum zu einer Debatte darüber, 
wie sich dies mit der Würde der Versammlung 
vertrage, und wie man sich dagegen zu wenden 
habe. Man wünschte die „gegen Frankreich ein- 
gegangenen Verpflichtungen kennen zu lernen, 
um danach den Bedarf ausmitteln za können'*, 
und doch wußte man nicht, wie weit den Re- 



25 

Präsentanten ein Einblick in das Bndget des 
Staates zustehen solle. Eine sehr lebhafte De* 
hatte ^) rief der Antrag Elsner's vom 28. Okto- 
ber 1812 hervor „seine Majestät den König im 
Namen der Nation nnterthänigst zn bitten die 
zur Ergänzung der Armee nothwendige Mann- 
schaft aus allen Klassen der Staatsbürger gleich- 
formig zu nehmen und den Entwurf zu einer 
diesfälligen Verordnung der National -Repräsen- 
tation zu eiuem Gutachten zustellen zu lassen^'. 
Es wäre lehrreich zu verfolgen, welche Ansichten 
über allgemeine Wehrpflicht in diesem Kreise 
herrschten, hier sei indessen nur hervorgehoben, 
zu welchen konstitutionellen Erörterungen die 
Berührung dieses Gegenstandes veranlaAte. Der 
Präsident und königliche Gommissarius Graf 
Hardenberg bezweifelte die Kompetenz der Ver- 
sammlung „über dergleichen in die Rechte gan- 
zer Stände und Klassen von Staatsbürgern ein- 
greifende Gegenstände sich irgend eine Berathung 
zu gestatten und dem Staate Wünsche vorzutra- 
gen, welche die Umänderung der bisherigen Ver- 
fassung beabzweckten und in die bestehenden 
Vonechte des Staates eingriffen. Es gebe unter 
Umständen und zu gewissen Zeiten Gegenstände, 
die durchaus nicht von der Versammlung be- 
rührt werden dürften , und unter dieser Zahl 
wäre auch die Frage, ob eine Conscription ein- 
zuführen sei oder nicht. In den Ländern , wo 
die Nationalversammlungen die ausgedehntesten 
Rechte hätten, habe der Staat das Recht die 
Discussion über dergleichen^Gegenstände zu ver- 
bieten ; als königlicher Gommissarius müsse er 
dieselbe verbieten, indessen werde er noch heute 
anfragen und den Bescheid des Gouvernements der 

1) i,Die Diskussion wurde so laut, da£ von dem 
Censor mehrmals zur Ordnung gerufen werden muBte'^ 



26 

VersammlttDg vorlegen". Die hier entwiekelteTheo^ 
■rie, wenn anch von Herrn von Bargsdorff nn- 
terstStzt, fand aber sofort entschiedenen Wider- 
spruch. Der Stadtrath Lange erklärte, es 
liege nicht in der Macht des königlichen Com- 
missarius, den einzelnen Mitgliedern der Versamm- 
lung das Recht streitig zu machen, Gegenstände 
zur Beratbung vorzuschlagen. Herr Justis- 
commissariuB Bock meinte, das Recht der 
.Unterthanen, dem Monarchen ihre Wünsche vor* 
zutragen und um Abänderung derjenigen Anord- 
nungen zu bitten, welche sie drückten, nliege im 
Staatsverein^^ und berief sich zudem auf das 
allgemeine Landrecht. Er hielt es für selbstver- 
ständlich, daß „die Grundgesetze des Staates 
nicht berührt werden dürften und an eine Um- 
änderung der Verfassung nicht gedacht werden 
konnte, wollte aber die (Jantongesetze nicht zu 
den Grundgesetzen rechnen, weil diei?e nur die 
Rechte und Pflichten der ünterthanen in Rück- 
sicht des Militärdienstes bestimmten'^ Auch 
handele es sich gar nicht darum, ein Gesetz zur 
Sanktion vorzulegen, sondern nur um Einreichung 
einer Petition. Noch entschiedener verwahrte 
sich Eisner gegen die vom Präsidenten geäu- 
ßerte Ansicht. Die Diskussion wurde auf so 
lange ausgesetzt, bis vom Gouvernement ein 
Bescheid eingelaufen sein würde. Der Staats- 
kanzler billigte , nach dem Ausweise der Proto- 
kolle, vollkommen das Verfahren des Präsidenten, 
und die Versammlung ließ den Gegenstand fallen. 
Indessen war nach allem Vorausgegangenen 
die Gereiztheit vieler ihrer Mitglieder gegen den 
Staatskanzler gewachsen, und auch er hatte es 
an bitteren Worten nicht fehlen lassen. Unwil- 
lig darüber, daß die Repräsentanten das Recht 
In Anspruch nahmen, Aufschlüsse zu fordern, 



27 

Kritik so üben, die Verwaltung zu kontrolliren, 
während er anter den Angen der Franzosen, Yon 
ihnen bedrängt, das Staatsschiff durch so viele 
Klippen und Stürme zu leiten hatte, wies er die 
Depntirten mehr als einmal in die Schranken 
zurück, die er, ohne sie doch jemals klar bestimmt 
za haben , ihnen gesteckt wissen wollte. Er 
nannte ihr Urtheil „befangen und absprechend^^ 
wenn sie Beschwerden über das Verfahren der 
Oeneralverpflegungs-Kommission bei Requisition 
von Pferden für die französische Armee erhoben 
und wenn sie an den Arbeiten dieser Kommis- 
sion theilzunehmen wünschten. Er verbat sich^ 
daß sie „ungeprüfte Forderungen ihrer Commit- 
tenten^^ •— wie z. B. auf Ersatz der Lieferungen 
von 1806 — anbrächten, statt „Zutrauen zu ver- 
breiten" und sich „richtige Kenntnisse von der 
hage des Staates zu verschaffen'^ unzweifelhaft 
hatte er Recht, wenn er betonte, man möge die 
„wahren Ursachen des allerdings unverkennbaren 
Druckes nicht in den Anordnungen der Behörden, 
sondern in den unabwendbaren, verhängnißvollen 
Begebenheiten der letzten Zeit suchen** ^). Aber 
die Form seiner Aeußerungen war so verletzend, 
daß sie zur Abwehr aufforderte. Dem Verlangen, 
man möge sich richtige Kenntnisse von der Lage 
des Staates verschaffen, trat der Vorwurf gegen- 
über, daß die Verwaltung der Versammlung diese 
Kenntnisse vorenthalte. Vor allem tauchte 
immer wieder die Beschwerde auf, daß es an 
einer „Konstitution der Versammlung**, an einer 
„Bestimmung ihrer Befugnisse und Verbindlich- 
keiten** fehle. Damit langte man aber sehr leicht 
bei dem Punkte an, die allgemeine Frage der 
Einführung einer Repräsentativverfassung in Preu- 

1) Zwei Schreiben des Staatskanzlen an die Na- 
tionalreprftaeDtanten vom 26. und 28. September 1812. 



28 

ßen za behandeln. Das Protokoll der 98ieii 
Sitzung vom 13« November 1812, welches in ex-, 
tenso bekannt gemacht zu werden verdient, mit 
den ihm beigefügten schriftlichen Voten, ist in 
dieser Hinsicht von außerordentlicher Wichtig- 
keit. Verstieg sich doch der Justizcommissarius 
Bock aus Lyck in einer för den Vortrag be- 
stimmten Aufzeichnung zu der Behauptung: 
„S. Majestät ließen das Gesetz vom 27. Oktober 
1810, nach welchem dem Volke eine zweckmä- 
ßige Repräsentation gegeben werden soll, öffent- 
lich verkündigen, und wir sind nach den Formen, 
die das Gouvernement bestimmt hat, zum ersten 
Mal dazu gewählt, um für uns und den Staat die 
Constitution zu entwerfen, die den Monarchen 

und das Volk sichert Die Verehrung der 

Vorzüge und Tugenden unseres Königs ist nicht 
hinreichend, um das Band zwischen ihm und 
seinem Volke für ferne Geschlechter und seine 
Nachkommen zu befestigen*' *). Sein Autrag 
ging freilich nur dahin, den König direkt um 
nähere Bestimmung der Befugnisse und Ver- 
bindlichkeiten der interimistischen National- 
Repräsentation zu bitten. Dieser Antrag wurde 
denn auch nach lebhaften Debatten angenommen 
und in der an den König gerichteten Adresse 
vom 28. November 1812 hieß es ausdrücklich: 
„Es kann im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht 
unsere Absicht sein, E. Königliche Majestät um 
eine definitive Constituirung der National-Reprä- 
sentation zu bitten, da diese erst mit der Vol- 
lendung der Verfassung selbst möglich ist." 
Für die interimistische National - Repräsentation 

1) Dagegen heißt es io einem schriftlichen Yotam 
des Präsidenten von Wedell: „Möge der Himmel 
unser Vaterland vor einer solchen Constitutionesacbt, 
die nichts constituirt, bewahren." 



29 

aber erbat man öffentliche Anerkennung dersel- 
ben als eines „noth wendig von der obersten 
Staatsbehörde vor Erlassung neuer Gesetze zu- 
zuziehenden, berathenden Corps*^ Vorlage einer 
„üebersicht des Finanzznstandes'^ , Gewährung 
des Rechtes, sich , Jederzeit yertrauensvoU, un- 
mittelbar'^ an den Konig wenden zu dürfen. 

Auch dieses bescheidene Verlangen blieb un- 
erfüllt. Man kam über Entwürfe nicht hinaus, 
und die kriegerischen Ereignisse drängten die 
„Constitution der Versammlung^^ völlig in den 
Hintergrund. Als sie ihre Arbeiten wieder be- 
gann, wiederholten sich die alten Konflikte. 
Man hatte es nun mit der zur Beiwohnung der 
Berathnngen eingesetzten Immediatkommission 
zu thun, an deren Spitze der Minister von Schroet- 
ter stand. Ein königlicher Kabinetsbefehl da- 
tirt „Hauptquartier Gbaumont 9. März 1814^^ 
wies diesen und seine Kollegen an, die aus y,den 
Deputirten der Provinzen bestehende Versamm- 
lung" zu Berlin „keineswegs National -Ver- 
sammlung^^ zu nennen, unter den Repräsen- 
tanten aber gab es einzelne Männer, die sich 
mit der Rolle, die ihnen angewiesen wurde, nicht 
begnügen wollten. In Folge dessen kam es aufs 
neue zu den lebhaftesten, mitunter sehr gereizten 
Debatten. Die scharfe Kritik z. B., die an dem 
Edikte vom 1. März 1815 wegen Erhaltung der 
Grundeigenthümer geübt wurde, veranlaßte den 
Minister vonSchrötter zu der Erklärung: „Nach 
seinem Dafürhalten dürfte sich Seine Majestät 
eher entschließen, die ganze Repräsentation auf- 
zuheben als das Edikt zu widerrufen.'^ Er wollte 
jede Diskussion darüber inhibiren. Es erhob 
sich ein heftiger Streit über diese Angelegenheit. 
Ein Mitglied, Herr von B urgsdor ff erklärte : 
„Die heutigen Verhandlungen schmerzen mich, weil 



30 

sie den Beweis liefern , wie weit wir noch von 
einer Konstitution and aufgeklärten Verfassung 
entfernt sind, in welcher die erste Bedingan^ 
das Recht der Freimüthigkeit sein mnß/^ Der 
Minister dagegen sagte, die Versammlung habe 
bloß „den Willen S. Majestät zu befolgen/^ £r 
fügte hinzu: „Noch sei dem Lande die verhei* 
ßene Constitution nicht ertheilt, und daher konnte 
man sich auf diese auch noch nicht beziehen 
und danach die Rechte der Versammlung beur- 
theilen. Diese bestanden vorläufig nur dariui 
ihr Gutachten über solche Edicte und Gegen- 
stände abzugeben, die ihr ausdrücklich vorgelegt 
würden/^ Die Stimmung war so erregt, daß 
mehrere Mitglieder den Saal zu verlassen dach- 
ten, als E 1 s n e r den Minister einer Uebersehrei- 
tung seiner Vollmacht, eines Eingriffes ,,iQ die 
Rechte der Versammlung" zieh (Protokolle der 
Sitzungen vom 13. und 14. März 1815.) 

Eine andere Gelegenheit die streitige Kom- 
petenzfrage zu behandeln bot sich, als nach der 
Rückkehr Napoleons von Elba der Wiederaus- 
bruch des Krieges bevorstand. Man wünschte 
den König in einem Schreiben der Ergebenheit 
und der Bereitwilligkeit, neue Opfer zu bring^n^ 
ausdrücklich zu versichern. Es wurde erwogen, 
ob eine Anleihe vorzuschlagen und namentlich, 
ob man „im Namen der Nation" eine Garantie 
dafür zu übernehmen befugt sei. Von der einen 
Seite, wie vom Fürsten von Hatzfeld, vom 
Geheimen Justizrath von Brandt ward 
mit Entschiedenheit dagegen gesprochen. Von 
der anderen ward die entgegengesetzte Meinung 
verfochten. „Die unverschuldete Blindheit der 
Versammlung, sagte Elsuer, in Hinsicht auf 
die öffentlichen Verhältnisse des Staates dürfte 
kein Hindernis sein, uns über das, was wir wd 



Sl 

unserem Stand tpuakt für das Nätslichste halten, 
2Q erklären/^ Und Herr von Bnrgsdorff 
äufterte, gerade das werde Vertrauen erwecken, 
„wenn die Vertreter der preuAischen Nation 
aosdracklich die Garantie übernehmen/* Aber 
bei der Abstimmang blieb diese Ansicht in der 
Minderheit (Protokolle vom 29—31. März 1815.) 
Eine Woche darauf erfcdgte eine Debatte, 
die an den merkwürdigsten gehört, deren die 
Protokolle Erwähnung thun. Der oft genannte 
Elsner, welcher schon am 29. März erklärt 
hatte, daA die Zeitereignisse ihn nöthigten, zu 
seinem R^mente abzugehen, stellte ror seinem 
Scheiden aus der Versammlung, am 7. April 1815, 
den Antrag, den König durch den Staatskanzler 
untefthänigst zu bitten, „die Ausarbeitung und 
Ausführung der allergnädigst versprochenen Lan-* 
desverfassung durch die ueueu Ereignisse nicht 
unterbrechen zu lassen, vielmehr die Einführung 
ein^r definitiven Landes - Repräsentation nach 
Möglichkeit zn beschleunigen.** Es ist nicht 
möglich an dieser Stelle die interessante Moti- 
virung des Elsner^schen Antrages ausführlich 
wiederzugeben. Genüge es hervorzuheben , daß 
Eisner an die „seit mehreren Jahren gegebenen 
Verheißungen'* erinnerte und bemerkte , im Pu- 
blicum entstehe der Verdacht gegen die Mitglie- 
der der interimistischen Repräsentation , „daß 
sie aus persönlichen Rücksichten den Zeitpunkt 
nicht au beschleunigen wünschten, wo sie durch 
«ne fester coustituirte Versammlung abgelöst 
werden/* Nur auf eine Ablösung, nicht auf 
eine Auflösung war seine Absicht gerichtet. Es 
sei vielmehr sehr wichtig, daß die tagende Ver*> 
Sammlung „bis zur Einführung einer fester con- 
stituirten verbleibe und bis dahin als Gegenge^ 
wiebt diene gegen die Opposition, welche aus 



32 

unlauteren Absichten wider jede verfassungsmä- 
ßige Repräsentation erregt und erhalten werde /^ 
Er meinte, „es werde die Welt befremden, wahr* 
zunehmen, daß gerade diejenige Nation, welche 
nach Verhältnis ihrer Kräfte bei weitem das 
meiste zur Befreiung Europas gethan habe*^ spä- 
ter als andere Völker „durch eine bestimmte 
Verfassung eine Garantie für ihre Rechte erhal- 
ten soll/' Auch wies er darauf hin, einen wie 
großen Werth die neuen Provinzen auf Erfül- 
lung der früheren Verheißung legen würden. — 
In der darauf folgenden Debatte wurden Beden- 
ken erhoben, ob der Zeitpunkt, einen solchen 
Antrag zu stellen richtig gewählt sei, ob die 
Versammlung befugt sei, „im Namen des ganzen 
Landes'^ die Ausarbeitung der Verfassung zu er- 
bitten u. s. w. Aber mehrere Mitglieder wie 
von Bredow, von Brandt, Eist, Zittel- 
mann unterstützten Eisner. Dieser präcisirte 
seinen Antrag dahin, daß bloß an den Fürsten 
Staatskanzler ein Gesuch gerichtet werde. Als 
Herr von Reinersdorf dagegen den Ein- 
wurf machte, der König, der allein eine Ver- 
fassung ertheilen könne , werde dies ungnädig 
aufnehmen können , erwiederte er : „Es ist hier 
nicht vom Geben einer Constitution die Rede; 
dieses hat des Königs Majestät schon verspro- 
chen. Es ist bloß von Beschleunigung ihrer 
Ausarbeitung die Rede und dies lediglich Sache 
des Fürsten Staatskanzlers. ^* Bei der Abstim- 
mung wurde Eisners Antrag mit 22 Stimmen 
gegen 13 angenommen. Es wurde mit 32 gegen 
3 Stimmen beschlossen, daß nur an den Staats- 
kanzler, nicht auch an den König geschrieben 
werden sollte. Herr von Quast meinte, daß 
es zweckmäßig sein möchte „in dem Schreiben 
vorzuschlagen, daß in einem etwa an die Nation 



33 

ZQ erlassenden Aufruf öffentlich ausgesprochen 
würde, was der Staat früher wegen einer zu er- 
theilenden Verfassung yerheißen habe, werde we- 
nigstens nach beendigtem Kampf unfehlbar zur 
Ausführung gelangen.^^ Aber auf den Einwurf, 
daß „eine solche , jetzt auszusprechende Erklä- 
rung so leicht nachtheiligen Mißverständnissen 
unterliegen könnte^S wurde dieser Vorschlag ein- 
stimmig beseitigt. Ein anderer dagegen, darauf 
abzielend, man solle auch an die Stände der Pro- 
vinzen , wo sie gegenwärtig ruhen , erinnern, 
wurde angenommen. 

Ich vermag nicht zu sagen, ob das Vorgehen 
der Versammlung auf die Entstehungsgeschichte 
der berühmten Verordnung vom 22. Mai 1815 
über die zu bildende Repräsentation des Volkes 
von Einfluß gewesen ist. Eigeuthümlich aber 
ist es, daß man in den späteren Kämpfen um 
Einfuhrung einer Verfassung, so viel mir bekannt, 
niemals auf jene Debatte vom 7. April 1815 
Bücksicht genommen hat, die doch mindestens 
eine Erwähnung verdient hätte. Ich finde in 
den Protokollen nicht, ob die Mahnung der Ver- 
sammlung einer Erwiderung für würdig erachtet 
worden ist. Der Präsident bemerkte in der Si- 
tzung vom 24. Juni 1815 daß, „nach dem was 
er aus sicherer Quelle erfahren habe, er erwar- 
ten dürfe y daß die Versammlung noch während 
der Anwesenheit S. Durchlaucht des Herrn Für- 
sten Staatskanzlers aufgelöst und mit den 
Grundlinien der neuen Constitution 
bekannt werden würde.*' Aber am 10. Juli 
erfolgte die Auflösung, ohne daß die Grundlinien 
der neuen Constitution bekannt gemacht worden 
wären. Als Zeugnisse des Daseins jener ersten 
aus Wahl hervorgegangenen Versammlung von 
preußischen Repräsentanten blieben die Proto- 

3 



34 

koUe ihrer Sitzungen zurück, die, wie dieyoran-* 
gehenden vorläufigen Bemerkungen vielleicht ge- 
zeigt haben , einer besseren Ausbeutung würdig 
sind, als sie ihnen bisher zuTheil geworden ist. 
December 1881. 



Beiträge zur Theorie derFlächen mit 
besonderer Rücksicht auf die Mini- 

malflächen. 

Von 

A. Enneper. 

I. 

Die „Nachrichten v. d. K. 6. d. W.** aus 
dem Jahre 1870 enthalten einen Aufsatz des 
Verfassers „üeber eine Erweiterung des Begriffs 
von Parallelflächen." Die dort behandelte Er- 
weiterung läßt sich noch etwas allgemeiner hal- 
ten und führt dann zu einigen beraerkenswerthen 
Resultaten, die sich mit einem geringen Auf- 
wand von Rechnung darthun lassen. Der erste 
der folgenden Sätze findet sich ohne Beweis 
mitgetheilt in des Verfassers Abhandlung: 
„Untersuchungen über die Flächen mit planen 
und sphärischen Krümmungslinien." (Abhand- 
lungen d. K. G. d. W. Bd. XXIII. Göttingen 1878). 

Zwei Flächen Sund S^ mögen sich 
so entsprechen, daß die Normalen in 
zwei correspond irenden Puncten pa- 
rallelsind. Soll den Krümmungslinien 
der Fläche 8 auf der Fläche 8^ ein or- 



35 

thogonales System ents prech eu , so 
kouneu zwei Fälle stattfinden. Er- 
stens: den K rüm mnngslinien der Flä- 
che S entsprechen auf der Fläche S^ 
ebenfalls Erüm m ungslin ien. Zwei- 
tens: in jedem Pnncte der Fläche iS^ 
yerschwindet die Summe der Haupt- 
krümmn ngshalbmesser, d.h. dieFläche 
8^ ist eine Minimalfläche. 

Sind die Flächen S und S^ zwei Mi- 
nimalflächen, so entspricht allgemein 
einem orthogonalen System auf der 
einen Fläche auch ein orthogonales 
System auf der andern Fläche. 

Da sich diese Sätze sehr einfach beweisen 
lassen^ so möge eine kurze analytische Ableituug 
derselben hier folgen. Es seien P und P^ zwei 
correspondirende Puncte der Flächen S und 8^ ; 
die Goordinaten a?, y, ^ und x.^ y^, £f^ dieser 
Puncte seien Functionen zweier Yariabeln u und 
V. In den Puncten P und P, seien a, 6, c die 
Winkel, welche die parallelen Normalen mit den 
Coordinatenaxen bilden. Im Folgenden sind für 
die Fläche 8 im Puncte P einige geometrische 
Ausdrücke auf analytische Weise zu definiren, 
für die Fläche S^ sollen dieselben Ausdrücke 
im Puncte P^ mit dem Index 1 versehen werden. 
Es sei allgemein ds das Bogenelement einer 
Curve auf der Fläche Ä, man setze: 

1) {dsy = E(du)^ + 2Fdudv + G{dv)K 

Nimmt man zur Abkürzung : 



2) sjEG—F^ = J, 

so setze man nach dem Vorgang von Gauss: 

3* 



3) 



4) 



36 

fdxdcosa dydcosb djsdcoHC — 2? 

\du du du du du du J ' 

)dx d cos a dy dcosb djs^d cos c — J)' 

dv du dv du dv du J ^ 

rdxdcosa dy\dcosb de dcoBC — D' 

\du dv du dv du dv J ^ 

\dx dcosa dyd cosh de dcosc — D" 

dv dv dv dv dv dv J 



Es sind bekanntlich D, D* und D** Deter- 
minanten dritten Grades, deren weitere Aus- 
führung hier nicht erforderlich ist. Sind r* und 
r" die beiden Hauptkrümmungshalbmesser der 
Fläche S im Puncte P, so hat man die be- 
kannten Relationen: 

I)G + D*'E—2D'F _ J_ , JL 
^^ ^ Bl)**—D'^ _ 1 

Die Gleichung: 

cos* a + cos* 6 -f- cos* c = 1 

in Beziehung auf die beiden Variabein u und v 
differentiirt gibt: 

eJcosa . , dcosh . <2cosc 

COSa —z h COSÖ = h COSC — :; = 0, 

du du du 

dcosa , , dcosb , äcosc . 

COSa :; + COSO :; k COSC = 0. 

dv dv dv 



37 



Man combinire jede dieser Gleichnngen mit 
den beiden folgenden : 

dx . .dy^ de 

cosa ^- + cosD -^ + cosc -,— = 0, 
^^' du du 



dx , , dy , de 

co8a^- + cos6~- + co8c-3- = 0. 
dv dv dv 



Die jedesmalige Elimination von cosa, cosft 
und cosc gibt: 



dcosa dco8& dcoQc 



6) 



und: 



7) 



du 


du du 


dx 
du 


dy de 
du du 


dx 


dy de 


dv 


dv dv 


(2 cosa 


dcosbdcoBC 


dv 


dv dv 


dx 


dy de 


du 


du du 


dx 


dy de 


dv 


dv dv 



= 



= 0. 



Man bilde das Quadrat jeder der Gleichungea 
6) nnd 7), ferner das Produet der Gleichungen 
6) und 7). Mit Rücksicht auf die Gleichungen 
1) bis 5). findet man: 



38 



(deoaä\* /dcosM* /dcoscV« 



J\r' ~r"f r'r"' 



8) 



(ä cos a\t /dco86\* /dco9c\« 



\r' ~ r"f r'i 



2)"/l . 1\ G_ 



\dcosa dcosa dcosb dcoab dcosc dcosc 
du dv du dv du dv 






T T 



Für die Fläche 8^ lassen sich ähnliche Glei- 
chungen, wie die Gleichungen 8) aufstellen. Da 
nun im Puncte P^ der Fläche S. für die Nor- 
male cosa, cos 6, cosc dieselben Werthe haben 
wie für den Punct P der Fläche S, so haben 
für die Fläche S^ die linken Seiten der zu 8) 
analogen Gleichungen genau dieselben Werthe 
wie in den Gleichungen 8). Die Gleichsetzung 
der rechten' Seiten liefert die folgenden, bemer- 
kenswerthen Relationen : 

J \r' "*" r"/ r'T" ~ J^ \r\ "•" r'// r\r[^ 

' J \r' ^ r") r'r" ~ J^ \r\ ^ r'^'l r'y," 

J V' "^ r") r'r" ~ J^ \r[ "^ r';i r[r';' 



39 
Ans diesen Gleichangen findet man leicht: 



oder: 



(r'r'y ir[r'{) 



t 



\jEQ — F* _ \lE^a^—F^^ 



Diese Gleichung ist auch eine Folge des von 
Gauss aufgestellten Begriffs der totalen Kriim- 
mang. (Gurvatura integra der Disquisi- 
tiones circa superficies curvus. Art. 5). 

Sind u und v die Argumente der Krüm- 
mungslinien der Fläche S, so ist jP = und 
D' = 0. Die dritte der Gleichungen 9) redu- 
cirt ich dann auf: 

Soll nun F^ = Q sein , so gibt die vorste- 
hende Gleichung: 



» = ■^'- • It + i^)- 



EiS ist also entweder D^ 35= oder r\ + 
r^' = 0, woraus unmittelbar der zu Anfang 
aufgestellte Satz folgt. Es sind nämlich für 
jp^ ss= und Dj = auch u und v die Ar- 
gumente der Krümmungslinien der Fläche 8^. 

Nimmt man in den Gleichungen 9) gleich- 
zeitig : 

T* "*" r" " "• r\ + r'; ~ ' 



40 

80 redacirt sich die dritte der bemerkten Glei- 
chungen auf: 

F F, 



r*r'* r\r^ 



Aus dieser Gleichung folgt, dafi für JF = 
auch Fl = ist. Für den Fall, daß die Fläche 
S eine Kugelfläche ist, verschwinden die in den 
Gleichungen 6) und 7) auftretenden Determi- 
nanten identisch. 



II. 

In der Abhandlung: »Memoire sur Temploi 
d'un nouveau Systeme de variables dans l'etude 
des proprietes des surfaces courbes« (Journal de 
Mathematiques. Deuxieme serie. — Tome V. — 
Aunee 1860, p. 238-244) hat Hr. Bonnet 
versucht die Minimalflächen mit planen Erüm- 
mungslinien zu bestimmen. Abgesehn von einer 
Unsymmetrie in den Rechnungen, wodurch die 
Uebersicht nicht wenig erschwert wird, ist das 
gefundene Resultat unvollständig. Aus diesem 
Grunde erschien es dem Verfasser nicht unge- 
eignet, auf den Gegenständ kurz zurückzukom- 
men, namentlich da die von Hn. Bonnet nicht 
bemerkte algebraische Fläche mehrfach Gegen- 
stand geometrischer Untersuchungen geworden 
ist. Zu diesem Zweck mögen einige GleichuDgeu 
in Erinnerung gebracht werden , welche im IX. 
Jahrgang der Zeitschrift für Mathematik, 
1864, vom Verfasser mitgetheilt worden sind. 

Es seien u uod v die Argumente der Erüui- 
mungslinien, % =z \] — \ und : 



41 

Es bezeichne P eine beliebige Function von 
p allein, Q sei eine Function von q. Man setze: 

dp 'dp' ' dp^ 

^^ - o' ^'^ - ü" ^'^ - ü'" 
di~^'W~^'W~^ ' 

Sind x^ y, z die Coordinaten eines Pnnctes 
einer Minimalfläche, so lassen sich alle Minimal- 
flächen analytisch durch folgende Gleichungen 
definiren : 

/P* + 1 fO* — 1 

—p — äp — il —^ dp, 



^= J^^ + f%^- 



\ 

Die Coordinaten sind immer reell, wenn: 
P= 0{p)-\-i tP(p), Q = 0(q)-i W(q) 

genommen wird, wo O und V^ beliebige Func- 
tionen ihrer Argumente sind. 

Abgesehn von den Vorzeichen, bleiben die 
rechten Seiten der Gleichungen 1) durch Ver- 
tauschung von P und Q mit ^ und — unver- 

ändert. Erscheinen bei der Lösung eines Pro- 
blems P und Q als Functionen von Äp+^o 
und Icq -j- q^, wo ä, Pq und q^ Constanten sind, 
so erscheinen auch ar, y, z als Functionen der 



42 

bemerkten Quantitäten. Man kann, ohne die 
Allgemeinheit der Besaltate zn beeinträchtigen, 
Pq = und g' == nehmen. 

Es seien 11, 6r, F, r' und r** wieder darch 
die in I aufgestellten Gleichungen 1) und 5} 
definirt. 

Für die Minimalflächen geben die Glei- 
chungen 1) 

2) G ^ E, r* = E, r" = —E, 

wo : 

' -B (1 + PQY 

Soll daa System der ErÜDimangslinien , für 
welches v allein variirt, plan sein, so hat maa 
allgemein : 

r" dsjG 

dv 

Wegen der Gleichungen 2) reducirt sich 
diese Gleichung auf: 

d^S/E 
dudv 

Da nun G = E^ so bleibt die vorstehende 
Gleichung durch Vertauschung von u und v un- 
geändert; hieraus folgt unmittelbar, daß beide 
Systeme von Krümmungslinien plan 
sind. 

Die Gleichung 4) gibt entwickelt: 

d^E dEdE _ 
dudv du dv 



43 

Für 

. = i 

nimmt die Gleichung 5) folgende Form an: 

d^T dTdT 

2T -4- — 3^3=^ = 0. 
duav au dv 

Diese Gleichung geht für p = w + vi, ff = 
tt — vi in folgende über: 

Nun ist T • E = 1, also nach 3): 



T = 



(1 + pqy' 



Die Substitution dieses Werthes von T in 
die Gleichung 6) gibt: 

oder durch P« ^'» dividirt: 

2P'P"' — 3P"« 2^'^'" — 3Ö"* 



7) 



P« Q' 



2 



Da die linke Seite dieser Gleichung nur von 
p, die rechte Seite nur von q abhängt, so muB 
jede Seite constant sein. Bezeichnet man den 
coDstanten Werth durch 4m^, so ist: 

Diese Gleichungen lassen sich auch schreiben, 



44 



8) 



\2d- \--\ = 4f«» 

\ dp IW — *^ ' 



Die Gleichung 7) wird identisch, wenn P' =i 
Q* =^ k ist, wo Ä; eine Constante bedeutet. Man 
kann allgemeiner in den Gleichungen 8) m = 
nehmen, so dafi in der Gleichung 7) jede 
Seite verschwindet. Diese Annahme fuhrt in- 
dessen zu keinem anderen Resultate wie die An- 
nahme P* = Q* = Ä;. Man erhält dann die 
merkwürdige algebraische Fläche, deren Gleichnng 
auch in den „Nachrichten*' aus dem Jahre 1871 
pag. 23 mitgetheilt ist. 

Bedeuten k^ g und h Constanten so sind 

h 
P = — tang «wö + ^ 4- Äi, 
m 

" s 

O = — tang maA-g — Ät, 
m 

« 

die Integrale der Gleichungen 8). Man könnte 
noch^— 2^^^ undg — g^ statt |7 und q setzen, wo 
Pq und q^ Constanten sind , zufolge einer oben 
gemachten Bemerkung kann man einfach j^^ = 
und $0 = ^ nehmen. Die Gleichungen 9) geben 
die allgemeinsten Werthe von P und Q, dieselben 
haben die Eigenschaft, in die Gleichungen 1) 
substituirt für x^ y^ z reelle Werthe zu geben. 
Die Gleichungen 9) bleiben auch für w = 
gültig, sie reduciren sich dann auf: 



45 

jp = &p -f- 5^ + A*j ^ = *? + ^ "^ **• 

lu diesem Falle kann man g = und h = 
nehmen. Für die AUgemeiobeitder Resultate sollen 
die Gleichungen 9) beibehalten werden. Es ist 
selbstverständlich daß man anf den rechten Seiten 
der Gleichungen 1] beliebige reelle Constanten 
addiren oder unterdrücken kann , da sich die- 
selben nur auf eine Verlegung des Anfangs- 
punctes der Coordinaten beziehen. Mit Rück- 
sicht hierauf geben die Gleichungen 1) und 9) 
für die Coordinaten eines Punctes der Minimal- 
fiäche mit planen Krümmungslinien folgende 
Gleichungen: 

kl simnpcosmp s\nmqcoBmq\ 

^ ^~m^^ m '"* m ' 

g^ — Ä« — 1/ sinw^cosmp 8inwgcosw2\ 



Je ^ m m 

1 — cos 2mp 1 — co82mg\ 



2ghil smmp cos mp ^ sin mq cos inq\ 

/l — cos 2 mp 1 — cos 2 mq\ 
"*" *\ m^ m^ /' 



Sy k^l __ sin mpcosmp sin mq cos mq\ 

i m*^ m ~m / 

g^ — A* + l/ jBmmpcosmp sinnt^cosmgi 

k ^ m m f 

/l — cos 2mp 1 cos 2 mq\ 



46 



4- -^ Ip 4- «iP ^P co s mp sin m g cos m^^^ 

l l~co92mp 1 — co s 2 mq\ 



^ 1 — co 82wp 1 — cos2mg 

4. ?? L 4. sin mp cos mp sin wg cos mq\ 

, 2Äi / sin iwp cos mp sin mq cos mg\ 

Ä ^ ' m ^ m ' 

In den vorstehenden Gleichnngen setze man 
^ = 0, Ä = 0, ferner ;> = w + ^*» ff = w — vi 
nnd 2m = n. Man hat dann einfacher: 

H) 

% / sinnt<cosnt;i\ 1 / , Ännu(to^nvi\ 

w* ^ n ' 4Ä^ n ' 

k I costiusiunt;i\ 1 / , cost2f<sinnt;i\ 



Jg=: 



n'^ \ m ^ 4i" ni r 

1 — cos nu cos nvi 



n 



2 



Diese Gleichnngen lassen sich noch anf fol- 
gende Art nmformen. Man setze: 

n» 4k ' n»^4k ~ 
aho: 



47 

Ferner nehme man ww == Uj, wv = t;,, rer- 

tansche z mit SJE^—A^ — z. Die Gleichangen 
för a;, y, z werden dann: 

X = Au^ — Jß sin ti^ cos t;^!, 

12) y = — -Bt;! — %A cosM^ sin «;ii, 

;ef = ^B^^Ä^ .cosWj .cosvji. 

Mit etwas anderen Bezeichnungen hat Hr. 
Bonnet diese Gleichungen znerst anfgestellt 
(I.e. p. 244). Da die Gleichangen 11) auch noch 
für n = gültig bleiben , so verdienen sie vor 
den Gleichungen 2) den Vorzug, ungeachtet einer 
etwas einfacheren Form der letztgenannten Glei- 
changen. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 



Maia bittet diese Veraeielmisfle zugleich als Bmpfangsanselgen ansehon 

za wollen. 



August, September^ October 1881. 
Fortsetzung. 

Jabresbericbt der fürstl. Jablonowskischen Gesellschaft. 
1881. 

Mittheilungen des Vereins fQr die Geschichte der Deut- 
schen in Böhmen. XVIII. Jahrg. No. 3. 4. XIX. 
Jahrg. N. 1—4. Prag. 1880—1881. 

Jahresbericht des Vereins für 1879-1880. 

A. Benedict, das Leben des heil. Hieronymus. 

Mittheilnngen der deutschen Gesellsch. für Natur- und 
Völkerkunde Ostasiens. Juli 188t. 



4g 

VierteljahrsBchrift der naturf. Geaellsch. zu Zürich. 
Jahrg. 24. 25. 

Philosophical Transactions. Vol. 171. P. 2. 3. Vol. 
172. P. 1. 4° 

Fellows of the Royal Society. 1880. 4^. 

Proceedings of the ß. Soc. Vol. XXXI. No. 206— li. 
Vol. XXXII. No. 212-213. 

Leopoldina. H. XVII. No. 15 -16. 17— 18. 

Zeitschrift für Meteorologie. Bd. XVI. Sept. Oct. 1881. 

Annali di Statistica. Ser. 2. Vol. 19. Vol. 22. Ro- 
ma. 1881. 

Verhandl. des naturwiss. Vereins von Hamburg- Altena. 

V. 1880. 
Anales de la Sociedad cientif. Argentina. Julio, Au- 

gusto, Septemb. 1881. 
Account of the Operations of the great Trigonometrical 

Survey of India. Vol. VI. 1880. 4«. 
Proceedings of the literary and philos. Society of Li- 
verpool. No. XXXIII. XXXIV. 
Circular of Information of the Bureau of Education 

No. 6. 1880. Washington. 
American Journal of Mathematics. Vol. III. No. 4. 

Cambridge. 4°. 
Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft. 

Bd. 35. H. 2. 3. 
Annales de la Society Linn^enne de Lyon. T. 26. 27. 
N V. Kokscharow, Materialien zur Mineralogie 

'Russlands. Bd. 8. T. 33. 320. 
Proceedings of the London Mathem. Soc. No. 172—5. 
Nachrichten und gelehrte Abhandlungen der kaiserl. 

Universität Kasan. 1880. (In russischer Sprache.) 
M^moires et Documents de la Sociötd d'Histoire et 

d' Archäologie de Genbve. 1881. 
Proceedings of the Zoological Society of London. For 

1881. P. IL 
Publications de Tlnstitut R. de Luxembourg. Sciences 

nat. T. XVni. 
Mömoires de TAcad^mie Imp. des Sciences de St. Pe- 
tersbourg. T. XVIII. No. 3—7. foL 

(Fortsetzung folgt.) 



Fftr die Redaction verantwortlicli: DT.BwhUi, Director d. Oött. gel. Anz. 

Gominissions-y erlag der DieUrich'aehm Verkiga-Buchhandlmg. 

Druck der DieUrich'achm Univ. - BHchdruckerei (W. Fr, Kaesbm). 



49 



Nachriebten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augusts-Üniversität 

zu Göttingen, 



15. Februar. M 2. 1882. 



K«uglidie Gesdkdiaft der WisseischtfteB. 

Sitzang am 4. Februar. 

Wieseler, Drei Kameen mit Triumphdarstellangen. 

F. Edler, Vervollständigang der Steine raschen ele- 
mentargeometrischen Beweise für den Sats, daß der 
Kreis grOieren Flächeninhalt besitzt, als jede andere 
ebene Figur gleichen ümfanges. (Vorgelegt von H. 
A. Schwarz.) 

Klein spricht über künstliche Darstellung des Basalts 
and der Hauptmeteoritentjpen durch die Herren 
Ton qu^ und M. Levy in Paris. 



Universität 

Bericht über die Poliklinik für 

Ohrenkranke 

des 

Dr. K. Bftrkner. 

In der Zeit vom 1. Januar bis 31. December 
1881 wurden in meiner Poliklinik im Ganzen 
an 516 Personen mit 588 verschiedenen Krank- 
heitsformen 2652 Gonsultationen ertheilt. (1878 : 
217 Patienten, 1271 Gonsultationen; 1879:328 



50 

Patieuteu, 2449 Consultatiouen ; 1880: 428 Pa- 
tienten, 2179 Gonsultationen)« 485 Patienten 
wurden in Behandlung genommen, 31 dagegen 
als vollkommen unheilbar abgewiesen. 

Geheilt wurden 319. 

Wesentlich gebessert 78. 

Ungeheilt blieben 14. 

Ohne Behandlung entlassen wurden . 31. 

Vor beendigter Kur blieben aus . . 47. 

In Behandlung verblieben .... 25. 

Gestorben sind 2. 

""öle! 

Es war somit Heilung zu verzeichnen in 
61,85®/o, Besserung in 15,12% von den zur Con- 
sultation gekommenen Kranken. Von den über- 
haupt in Behandlung Genommenen wurden (von 
den noch in der Kur Befindlichen abgesehen) 
86,3% geheilt oder wesentlich gebessert. 
Von den 516 Patienten waren 

aus Göttingen 180, d. i. 35%, 
von Auswärts 336, d. i. 65%; 
männlichen Geschlechtes waren 338, d. i. 65,5% , 
weiblichen Geschlechtes waren 178, d.i. 34,5%; 
im Kindesalter (inclusive 15 Jahr) 

standen 211, d.i. 40,9%, 

während 305, d.i. 59,1% Patienten Erwachsene 
waren. 

Folgende Krankheiten kamen zur Behandlung: 

A. Krankheiten des äußeren Ohres. 

139 Fälle. 

1. Abscess des äußeren Ohres, Durch Inci- 
sion mit nachfolgender antiseptischer Behand- 
lung geheilt. 

2. Fractur des äußeren Gehörgangs ^ ent- 
standen durch einen heftigen Schlag mit einem 



51 

Holze, unter einfacher Obturation des Ohrcanals 
mit Watte geheilt. (Geriebtlicher Fall.) 

3. Cholesteatom des äußeren Gehörganges, 
letzteren yollstäadig ausfüllend , mit der Pincette 
entfernt. 

4. Pruritus des äußeren Ohres , mit Jod- 
gljcerin behandelt, wohl spontan geheilt. 

5. Polyp des äußeren Gehörganges; war 
durch den von Seiten eines harten Cernmen- 
pfropfes andauernd ausgeübten Reiz im Innern 
Drittel des knöchernen Gehörganges entstanden; 
Excision mit der Wildeschen Schlinge, Trom- 
melfell normal. 

6. Eihsem der Ohrmuschel und des Gehör- 
ganges, 15 Fälle. 

Einseitig 14 mal, Acut 10 mal. 
Doppelseitig 1 mal. Chronisch 5 mal. 
Vorzugsweise mit Borsalben behandelt (2 — 
2,5 : 25). 

7. Diffuse Entzündung des äußeren Gehör- 
ganges. 14 Fälle. 

Einseitig 11 mal, Acut 6 mal, 

Doppelseitig 3 mal, Chronisch 8 mal. 
12 Fälle geheilt, 1 gebessert, 1 ausgeblieben. 

8. Gircumscripte Entzündung des äußeren 
Gehärganges. 27 Fälle. 

Einseitig 26 mal, 

Doppelseitig 1 mal, stets acut. 
26 mal geheilt , einmal während der Behandlung 
ausgeblieben. 

9. Ceruminalpfröpfe, 67 Fälle (abgesehen 
von unzähligen Obturationen als Nebeubefunden). 

Einseitig 38 , 

Doppelseitig 29. 
Bis auf 6 compiicirte Fälle, bei denen durch 
die Entfernung der Pfropfe nur Besserung erzielt 
wurde, sämmtUch geheilt. 



52 

10. Fremdkörper, 11 Fälle. 

Sämmtlich mit der Spritze eDtfernt, mit 2 
Ausuahmeu, wo ciie Pincette vorgezogen wurde. 
Folgende Gegenstände worden zu Tage geför- 
dert: 2 mal eine Papierkngel, 2 mal ein Watte- 
pfropf, je einmal eine Haferrispe, eine 3 Ctm. 
lange Weizenähre , ein zusammengerolltes Blatt 
von wildem Wein , ein Stück Apfelsinenschale, 
eine Glasperle, ein Stück Wegerichwurzel , ein 
Stück Schieferstift. 

B. Krankheiten des Trommelfelles. 

15 Fälle. 

11. Acute Entisündung des Trommelfelles. 
10 Fälle. 

Sämmtlich nur auf einem Ohre, durchweg 
geheilt. 

12. Traumatische Äffeciionen am Trommel- 
feile. 4 Fälle. 

1 mal Ekchymosirung , 3 mal Rupturen, 
sämmtlich geheilt. 

13. Ekchymose des Trommelfelles. \ Fall. 

Sehr ausgedehnter Bluterguß bei einem jun- 
gen Reconvalescenten vom Abdominaltyphuj?. 
Wanderung der Ekchymose innerhalb 6 Wochen 
vom vordem untern Quadranten über den obe- 
ren in die obere Gehörgangswand. 

14. Veraltete Trommdfellanomalien wurden 
sehr häufig als Neben befunde verzeichnet: Ver- 
kalkungen 34 mal, Narben 49 mal, beide com- 
binirt 22 mal; circumscripte Trübungen., atro- 
phische Stellen kamen unzählige Male vor. 

C. Krankheiten des Mittelohres. 

322 Fälle. 

1 5. Acuter einfacher Mittelohreatarrh, 36 Fälle. 



53 

Einseitig 17 mal. Mit starker Secretion 

11 mal. 
Doppelseitig 19 mal. Mit schwacher Secretion 

25 mal. 
Meist durch Paracentese and darauffolgende 

Luftdonche geheilt, (4 mal gebessert, 4 Fälle 
ausgeblieben , 1 Fall in Behandlung). In 2 Fäl- 
len wurde die Operation je 2 mal , in einem Falle 
3 mal, in einem Falle 7 mal wegen Recidivi- 
rung im Laufe von 10 Monaten wiederholt. 

16. Chronischer einfacher MütelohrccUarrh. 
105 Fälle. 

Einseitig 16 mal. Mit Adhäsivprocessen 

19 mal. 
Doppelseitig 89 mal. Mit Labyrinthaffection 

26 mal. 
Heilung (meist bei Kindern) 35 mal, Besse- 
rung 33 mal; ungeheilt blieben 3 Patienten, 
abgewiesen wurden 4; 18 blieben aus und 12 
sind in Behandlung verblieben. 

17. ÄeiOer Tv^ncoUarrh. 31 Fälle. 
Einseitig 20 mal. 
Doppelseitig 4 mal. 

27 geheilt, 4 gebessert. 

18. Chronische Tubencatarrh, 8 Fälle. 
Einseitig 2 mal. 
Doppelseitig 6 mal. 

5 geheilt, 3 gebessert. 

19. Acute eiterige Mittelohr entisündung, 53 
Fälle. 

Einseitig 47 mal. 
Doppelseitig 6 mal. 
Sehr häufig als Folge der herrschenden Ma- 
sern- und Scbarlachepidemie ^). 47 mal Heilung 

1) Der Umstand, daft im vergangei^en Jahre so zahl- 
reiche acute Fälle in Behandlung kamen (49,87o) brachte 



54 

(nur 6 mal war das Trommelfell intact, so daß 
Paracentese ausgeführt werden konnte), 1 mal 
Besserung, 3 mal Erfolg unbekannt, 2 Fälle in 
Behandlung (inzwischen geheilt). 

20. Chronische eiterige Mittelohr entmfidung. 
66 Fälle. 

Einseitig 44 mal. 
Doppelseitig 22 mal. 
Cofnplicationen : Polypen 17 mal, CariesSrnsl. 
Geheilt 28 , gebessert 20 , ungeheilt 1 , aus- 
geblieben 12, in Behandlung 3, gestorben 2 Fälle 
(1 mal Meningitis, 1 mal Sinusthrombose). 

21. Abgelaufene Mittelohrprocesse, 21 Fälle. 
Einseitig 9 mal. 

Doppelseitig 12 mal. 
Nur 2 mal geheilt (alte Perforationen) und 
4 mal gebessert. 

22. Ähscess am Warzenfortsatze, 1 Fall. 
Durch Incision gebeilt. 

23. Periostitis des Wargenfortsatzes* 1 Fall. 
Mit Leiterschem Wärmeregulator und Jod- 
anstrich geheilt. 

D. Krankheiten des inneren Ohres. 

27 Fälle. 

24. Acute Labyrinthaffection. 3 Fälle. 

1 gebessert, 1 ungeheilt, 1 in Behandlung. 

25. Chronische Labyrinthaffection. 10 Fälle. 
1 gebessert, 3 ungebessert, 2 ausgeblieben, 

1 in Behandlung. 

26. Taubstummheit, 14 Fälle. 

13 mal erworben, 1 mal angeboren. 

die verhältnißmäßig ausgezeichneten Erfolge der The- 
rapie mit sich. 



55 

E. Verschiedeues. 
13 Fälle. 

6 mal Otcdgie (meist auf Zahncareis zarück- 
zaföhreD), 1 mal JBramen ohne Befund, 3 mal 
nortmlf 2 mal keine Diagnose, 

An OperatioDen worden in der Poliklinik 
ausgeführt: Furunkelindsionen 12 mal, Inddi- 
rung von Abscessen 2 mal, Fremdkörperex- 
traction 2 mal, Folypenextraction 13 mal, Pa-- 
racentese 47 mal. 

Was die Behandlung der Otorrhöe anbelangt, 
so wurde auch im vergangenen Jahre die pul- 
verisirte Forsäure in großem Umfange ange- 
wandt; Versuche mit Jodoform^ die schon frü- 
her zu keinen aufmunternden Resultaten geführt 
hatten , wurden im letzten Vierteljahre wieder 
aufgenommen. Doch zeigten sich auch jetzt, 
trotz feiner Pulverisirung so häufig intensive 
Keizungserscheinungen am Trommelfelle und im 
Gehörgange, daß die Anwenduag des Jodoforms 
mehr und mehr beschränkt werden mußte. Bes- 
ser als reines Jodoform wurde eine Mischung 
von Jodoform mit Borsäurepulver (1 : 2 oder ana) 
vertragen; doch konnte auch diesem Mittel 
durchaus kein Vorzug vor purer Borsäure zu- 
gesprochen werden. Für die otiatrische Thera- 
pie dürfte das so vielfach angepriesene Jodoform 
keine Zukunft haben. 

Günstig fielen hingegen Versuche aus, die 
ich mit Leiters Wärmeregulator ^) angestellt 
habe. Diese ungemein biegsamen Bleiröhren, 
durch welche beliebig temperirtes Wasser dem 
erkrankten Körpertheile zugeführt werden kann, 
leisteten besonders bei Entzündungen am War- 

1} Näheres fiadet sich in meinem Aufsätze im Archiv 
für Ohrenheilkunde , Bd. XVIII, Heft 3. 



56 

zenfortsatze im mehreren Fällen vorzügliche 
Dienste. Der einfache, saabere Apparat eignet 
sich für die Behandlang des Ohres ganz ent- 
schieden weit besser , als kalte oder warme Um- 
schläge oder Compressen ; nur ist seine Anwend- 
barkeit insofern eine beschränkte, als er eine 
klinische oder Hausbehandlang voraussetzt. 

Ich schließe den Bericht mit dem Ausdrucke 
lebhaften Dankes an die Herren Hospitalvor- 
stände, welche mir auch im vergangenen Jahre 
Erankenmaterial zuwiesen und die Gelegenheit 
gewährten, einzelne ihrer Kranken in den Kli- 
niken zu behandeln. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 



lian bittet diese Verzeichnisse zngloicli als Empfangsameigeii ansehen 

zn wollen. 

August, September, October 1881. 

Fortsetzung. 

Bulletin of the American Oeographical Society. 1880. 

No. 5-6. 
Atti della R. Accademia dei Lincei. Vol. V. VI. VII. 

Roma. 1880. 4o. 
Memoria della classe di scienze moralietc. Roma. 1881. 4o. 
Bulletin de TAcad. Imp. de St. Petersbonrg. T. XX VII. 

No. 3. 
XXVIII. Bericht des Vereins für Naturkunde zu Cassel. 
Publications of the Museum of comparative Zoölo^y. 
F. Pariatore, Tavole per una Anatomia delle piante 

aquatiche. Firenze. 1881. 

(Fortsetzung folgt.) 



Fikr die RedaoHon verantwortlich: Dr. B4chM, Director d. Qdtt. gel. Anz. 

Commissions-Verlaf der IHttmü^'achm Tmiaff»'Buchha miUm ff» 

Ih-uck dm- Diitwrich' sehen üniv,- Buchdiitcherei (W. Fr. Kcmtimy 



57 



Naehriehten 

von der 

KonigL Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg- Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



22. Februar. M S. 1882. 



Universität 

Verzeichnifl der Vorlesungen 

auf der Oeorg-Augusts-Universität zu GöttiDgen 

während des Sommerhalbjahrs 1882. 

= Dis TorUsungen beginnen den 15. Aprü vnd enden den 25. Atigust. = 

Theologie. 

Einleitung in das Alte Testament: Prof. Duhm vier- 
stündig um 4 Uhr. 

Alttestamentliche Theologie: Prof^ Schultz fünfstün- 
dig um 10 Uhr. 

Erklärung der Genesis: Prof. Beriheau fünfstündig 
um IG Uhr; Prof. Duhm fünfstündig um 10 Uhr. 

Hehräische Grammatik : Prof. de Lagarde viermal um 
11 Uhr. 

Uebung im Lesen unpunktirter hebräischer Texte : 
Ber»Blbe in noeh zu bestimmenden Stunden privatissime 
aber gratis. 

Neutestamentliche Theologie: Prof. Wieiinger vier- 
mal um 11 Uhr. 

Geschichte des apostolischen Zeitalters: Prof. Wendi 
dreimal, Montag, Dienstag, Donnerstag um 4 Uhr. 

Synoptische Erklärung der drei ersten Evangelien: 
Prof. Lüneman» fünfmal um 9, einmal um 2 Uhr. 

Erklärung des Evangeliums Johannis : .Prof. Wiesin- 
gtr fünfstündig um 9 Uhr. 

Ei^lärung des Briefs an die Hebräer: Prof. Wendt 
vierstündig um 9 Uhr. 

5 



1 



58 

Kirchengeschichte der sechB ersten Jahrhunderte un- 
ter Rücksicht auf Hase's Kirchen geschichte : Prof. Met£^ 
ter sechsmal um 8 Uhr. 

Neuere Kirchengeschichte : Prof. Wagenmann fünf- 
stündig um 8 Uhr. 

Dogmen geschieht e : Derselbe vierstündig um 7 Uhr. 

Dogmatik 1. Theii : Prof. Schultz fünfmal um 8 Uhr. 

Theologische Ethik : Prof. Rüschl fünfmal um 12 Uhr, 
Sonnabends um- 8 Uhr. 

Comparative Symbolik: Prof. Reuter fünfmal um 11 
Uhr , Sonnabends um 9 Uhr. 

Kirchen recht : s. unter Kechtswissenschaft. 



Die alttestamentlichen Uebungen der wissenschaftli- 
chen Abtheilung des theologischen Seminars leitet Prof. 
Bertheau Freitags um 6; die neutestamentlichen Prof. 
Wiesinger Dienstags um 6; die kirchen- und dogmenhi- 
storischen Prof. Reuter Montags um 5 ; die dogmatischen 
Prof. Riischl Donnerstags um 6 Uhr. 

Die homiletischen Uebungen der praktischen Abthei- 
lung des theologischen Seminars leiten abwechslungsweise 
Prof. fViesinger und Prof. Schultz Sonnabend 10 — 12 Uhr 
öffentlich ; die katechetischen Uebungen : Prof. Wiesinger 
Mittwoch 2—3 Uhrj Prof. Schultz Sonnabend 2—3 Uhr 
öffentlich. 

Eine historisch- theologische Societät leitet Prof. Wa-- 
genmann Freitags 6—8 Uhr; eine exegetische Societät 
Prof. Wendt einmal wöchentlich. 

Rechtswissenschaft. 

Encyklopädie der Kechtswissenschaft: Prof. John 
Montag, Mittwoch und Freitag von 12—1 Uhr. 

Kömische Keohtsgeschichte : Prof. v. Ihering fünfmal 
von 11—12 Uhr. 

Institutionen des Kömischen Rechts: Prof. Leonhard 
fünfmal von 10 — 11 Uhr. 

Pandekten (Allgemeine Lehren, Sachenrecht, Obli- 
gationenrecht): Prof. Hartmann täglich von 8— 10 Uhr. 

Kömisches Erbrecht und Familienrecht: Prof. Leon- 
hard fünfmal von 11—12 Uhr. 

Pandekten-Praktlcum : Prof. t^. Ihering Montag, Mitt- 
woch und Freitag von 12—1 Uhr. 



59 

Pandekten-Exegeticum : Prof. Leonhard Dienstag und 
Donnerstag von 12—1 Uhr, 

üeber einige civilrechtliche Entscheidungen des Reichs- 
gerichts: Prof. Leonhard Montag Nachmittag von 6 — 7 
Uhr öffentlich. 

Deutsche Staats- und Rechtsgeschichte : Prof. Frens^ 
dorf fünfmal von 8 — 9 Uhr. 

Deutsche Rechtsgeschichte : Dr. Sickel fünfmal von 
4—5 Uhr. 

Deutsches Privatrecht mit Lehn- Handels- Wechsel- 
und Seerecht: Prof. Wo//" täglich von 8-10 Uhr. 

Deutsches Privatrecht mit Lebnrecht: Dr. Ehrenberg 
täglich von 7—8 Uhr. 

Handelsrecht mit Wechselrecht und Seerecht: Prof. 
Thöl viermal von 8—9 Uhr. 

Preussisches Privatrecht: Prof. Ziebarth fünfmal von 
7-8 Uhr. 

Landwirt hschaftsrecht: Prof. Ziebarth Montag, Don- 
nerstag und Freitag von 11—12 Uhr. 

Strafrecht: Prof. v. Bar fünfmal von 11—12 Uhr. 



Deutsches Staatsrecht (Reichs- und Landesstaatsrecht) : 
Prof. Fremdorf fünfmal von 9—10 Uhr. 

Evangelisches und katholisches Kirchenrecht: Prof. 
Mejer fünfmal von 10—11 Uhr. 

Kanonistische und kirchenrechtliche (exegetische und 
praktische) Uebungen: Prof. Dove Dienstag von 6 Uhr 
an privatissime und unentgeltlich. 

Civilprocess , einschliesslich des Konkurs- und der 
summarischen Processe : Prof. John täglich von 9— 10 Uhr. 

Strafprocess : Prof. John Montag , Dienstag , Don- 
nerstag, Freitag von 11 — 12 Uhr. 

Civilprocesspracticum : Prof. v. Bar Dienstag von 
4-6 Uhr. 

Criminalistische Uebungen : Prof. Ziebarth Donners- 
tag von 4—6 Uhr. 

Medicin. 

Zoologie, Botanik, Chemie s. unter Naturwissenschaften. 

Knochen- und Bänderlehre : Dr. von Brunn Dienstag, 
Donnerstag und Sonnabend von- 11— 12 Uhr. 

5* 



60 

Die Mechanik der Gelenke: Prof. Krams Donners- 
tag von 2 — 3 Uhr öffentlich. 

Systematische Anatomie II. Theil (Gefass- und Ner- 
venlehre): Prof. Henle täglich von 12—1 Uhr. 

Allgemeine Anatomie : Prof. Henle Montag, Mittwoch, 
Freitag von 11—12 Uhr. 

Specielle Gewebelehre trägt Prof. Krause Dienstag 
und Donnerstag von 11—12 Uhr oder zu anderen pas- 
senden Stunden vor. 

Mikroskopische Uebungen hält Dr. von Brunn für 
Anfanger (allgemeine Anatomie) Dienstag, Mittwoch, 
Donnerstag, Freitag von 7— 8 Uhr, für Geübtere (spe- 
cielle mikrosk. Anatomie) Montag und Dienstag von 
2-4 Uhr. 

Mikroskopische Gurse in normaler Histologie hält 
Prof. Krause Dienstag und Freitag von 3 — 5 Uhr. 

Allgemeine und besondere Physiologie mit Erläute- 
rungen durch Experimente und mikroskopische Demon- 
strationen : Prof. Herbst sechsmal wöchentlich um lOühr. 

Experimentalphysiologie I. Theil (Physiologie der Er- 
nährung)} Prof. Mensner täglich von 10 — 11 Uhr. 

Physiologie der Zeugong nebst allgemeiner und spe- 
cieller Entwicklungsgeschichte: Prof. Meissner Freitag 
von 5—7 Uhr. 

Organische Chemie für Mediciner lehrt Dr. Flügge 
Montag und Donnerstag von 4-5 Uhr. 

Ueber die Verunreinigungen und Verfälschungen der 
Nahrungs- und Genussmittel und deren Erkennung : Dr. 
Po/»tor^ Dienstag und Freitag von 8 — 9 Uhr. 

Ueber Fermente und Mikroorganismen mit Demon- 
strationen und Experimenten: Dr. Flügge Dienstag und 
Sonnabend von 2—3 Uhr. 

Arbeiten im physiologischen Institut leitet Prof. 
Meissner gemeinschaftlich mit Dr. Flügge täglich in pas- 
senden Stunden. 

Medicinisch-chemisches Prakticum für Anfänger hält 
Dr. Flügge sechsstündig. 

Physiologisch - chemisches Prakticum für Geübtere 
hält Dr. Flügge sechsstündig. 



Specielle pathologische Anatomie lehrt Prof. Orth 
täglich ausser Sonnabend von 12 — 1 Uhr, 

Pathologische Anatomie der Bewegungsapparate lehrt 
Prof. Orih Mittwoch um 2 Uhr öffentlich. 

Sectionscursus hält Prof. Orth in passenden Stunden. 



61 

Mikroskopische UebuDgen in der pathologischen Hi- 
stologie hält Prof, Orth Dienstag u. Freitag von 2— 4 Uhr. 

Physikalische Diagnostik verbunden mit praktischen 
Uebungen lehrt Prof. Eichhorst Montag, Mittwoch und 
Donnerstag von 4—5 Uhr; Dasselbe trägt Dr. Wiese 
viermal wöchentlich in später näher zu bestimmenden 
Stunden vor. 

Uebungen im Gebrauch des Kehlkopfspiegels hält Prof. 
EiehhoTst Sonnabend von 12—1 Uhr. 

Diagnostik des Harns : Prof. Eichhorst Mittwoch von 
3-4 Uhr. 

Arzneimittellehre und Keceptirkunde verbunden mit 
Experimenten und Demonstrationen lehrt Prof. Marine 
dreimal wöchentlich von 5—6 Uhr. 

Die gesammte Arzneimittellehre trägt Prof. Huse- 
mann fünfmal wöchentlich um 3 Uhr vor. 

Die künstlich darstellbaren organischen Gifte demon- 
strirt experimentell Prof. Marme einmal wöchentlich von 
6—7 Uhr öffentlich. 

Ueber essbare und giftige Pilze trägt Prof. Husemann 
Dienstag von 5-6 Uhr öffentlich vor. 

Pharmacie lehrt Prof. Boedeker fünf Mal wöchentlich 
von 9 — 10 Uhr; Dasselbe lehrt Prof. von Uslar vier Mal 
wöchentlich um 3 Uhr. 

Mikroskopisch -pharmakognostische Uebungen hält 
Prof. Marme Sonnabend von 7—9 u. von 10 — 12 Uhr. 

Ein pharmakognostisches Prakticum, Uebungen im 
Bestimmen der officin eilen Droguen und ihrer Verwechs- 
lungen hält Prof. Marmi ein Mal wöchentlich Freitag 
von 5—7 Uhr. 

Einen pharmakologischen Cursus, Uebungen im Ke- 
ceptiren und Dispensiren hält Prof. Marme ein Mal wö- 
chentlich von 6—7 Uhr. 

Arbeiten und Uebungen im pharmakologischen Insti- 
tut leitet Prof. Marme täglich von 8—2 Uhr. 

Pharmakologische und toxikologische Untersuchungen 
leitet Prof. Husemann privatim in passenden Stunden. 

Specidlle Pathologie und Therapie 1. Hälfte : Prof. 
Ebstein täglich, ausser Montag, von 7—8 Uhr. 

Ueber Kinderkrankheiten 1. Theil trägt Prof. Eich- 
hörst Dienstag und Freitag von 4—5 Uhr vor. 

Die medicinische Klinik und Poliklinik hält Prof. 
Ebstein täglich, und zwar fünfmal von lO^/i— 12 Uhr, 
Sonnabend von QV« — 10»/4 Uhr. 



62 

Poliklinische Keferatstunde hält Prof. Eichhorst in 
gewohnter Weise. 

üebungen in der Untersuchung von Nervenkranken 
mit besonderer Berücksichtigung der Elektrotherapie hält 
Prof. Ebstein gemeinschaftlich mit Dr. Damsch zwei Mal 
wöchentlich in näher zu bestimmenden Stunden. 

Allgemeine Chirurgie lehrt Prof. Rosenbach fünf Mal 
wöchentlich von 8—9 Uhr. 

Specielle Chirurgie : Prof. Lohmeyer fünf Mal wöchent- 
lich von 8—9 Uhr. 

Die chirurgische Klinik hält Prof. König fünf Mal 
wöchentlich von 97,-1074 Uhr. 

Chirurgische Poliklinik hält Prof. König in Verbin- 
dung mit Prof. Rosenbach Sonnabend von lOVi-11% 
Uhr öffentlich. 

Einen chirurgisch - diagnostischen Cursus hält Prof. 
Rosenbach zwei Mal wöchentlich in zu verabredenden 
Stunden. 

Üebungen in chirurgischen Operationen an Leichen, 
insofern Material vorhanden, leitet Prof. König von 5—7 
Uhr Nachmittags. 

Ueber die Anomalien der Refraction und Accommo- 
dation verbunden mit praktischen Üebungen im Brillen - 
bestimmen trägt Dr. Deutsehmann zwei Mal wöchentlich 
in näher zu bestimmenden Stunden vor. 

Augenspiegelcursus hält Dr. Deutschmann Mittwoch 
und Sonnabend von 12 — 1 Uhr. 

Die Klinik der Augenkrankheiten hält Prof. Leber 
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 12-1 Uhr. 

Ueber die Krankheiten des Gehörorgans mit Ein- 
schluss der Anatomie und verbunden mit Üebungen im 
Untersuchen an Gesunden und Kranken trägt Dr. Bürk- 
ner Dienstag und Freitag von 2—3 Uhr vor. 

Otiatrische Poliklinik für Geübtere hält Dr. Bürkner 
an zwei zu bestimmenden Tagen von 12 — 1 Uhr. 

Ueber Frauenkrankheiten wird Prof. Schwartz Mon- 
tag, Dienstag, Donnerstag u. Freitag um 3 Uhr vortragen. 

Geburtshülflichen Operationscursus am Phantom hält 
Dr. Hartwig Mittwoch und Sonnabend um 8 Uhr. 

Geburtshülflich - gynaekologische Klinik leitet Prof. 
Schwartz Mont., Dienst., Donnerst., Freit, um 8 Uhr. 

Psychiatrische Klinik in Verbindung mit systemati- 
schen Vorträgen über Pathologie und Therapie der Gei- 
steskrankheiten hält Prof. Meyer Montag u. Donnerstag 
von 3—5 Uhr. 



63 



Forensische Psychiatrie lehrt Prof. Meyer wöchentlich 
in zwei zu verabredenden Stunden. 



Die äusseren Krankheiten der Hausthiere und die 
Beurtheilungslehre des Pferdes und Rindes trftgt Prof. 
Easer wöchentlich fünf Mal von 7—8 Uhr vor. 

Klinische Demonstrationen im Thierhospital wird 
Derselbe in zu verabredenden Stunden halten. 



Philosophie. 

Geschichte der alten Philosophie : Prof. Baumann, 
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, 5 Uhr. 

Ueber Humes Philosophie: Prof. G, E. Müller^ 
Mittw. 10 Uhr, öffentlich. 

Logik: Prof. G, E. Müller, 4 Stunden, 10 Uhr. 

Logik nebst Einleitung in die Philosophie: Prof. 
Peipers Mont. Dienst. Donnerst. Freit. 4 Uhr. 

Erkenntnisstheorie und Metaphysik : Prof. Baumann, 
Mont. Dienst. Donnerst. Freit., 8 Uhr. 

Naturphilosophie: VioL Behnisch, 4 Stunden, 12 Uhr. 

Bevölkerungs- und Moralstatistäi : s. StaaUwissen- 
sehafi S. 68. 

In einer philosophischen Sooietät wird Prof. Baumann 
Fragen aus der Erkenntnisstheorie und Metaphysik im 
Anschluss an seine Vorlesung darüber zur gemeinsamen 
Besprechung vorlegen, Mont. 6 Uhr, öffentlich. 

In einer philosophischen Societ&t vrird Prof. Peipers 
Abschnitte aus Lockes Essay concerning human under- 
standing erklären, Freitag 6 Uhr, öffentlich. 

Die Uebungen des K. paedagogischen Seminars leite 
Prof. Sauppe, Dienst, und Freit. 11 Uhr, öffentlich. 

Mathematik und Astronomie. 

Theorie der Zahlengleichungen: Prof. Stern, 4 Stun- 
den, 8 Uhr. 

Differential- und Integralrechnung : Prof. Stern, 5 St., 
7 Uhr. 

Partielle Differentialgleichungen mit Anwendungen 
auf die Lehre von der Wärme, der Elektricität und auf 
Akustik: Prof. E. Schering y Dienst. Mittw. Donnerst, 
Sonnab. 8 Uhr. 



64 

Theorie der bestimmten Integrale: Prof. Ennt^per^ 
Mont. bis Freit. 10 Uhr. 

Ausgewählte Kapitel der Theorie der analytischen 
Functionen : Prof. Schwarz , Mont. u. Dienst. , 4 Uhir 
öffentlich. 

Ueber krumme Flächen und Curven doppelter Krtim- 
mung: Prof. Schwarz^ Mont. bis Freit., 11 Uhr. 

Theorie der elliptischen Functionen: Prof. Schtoafz, 
Mont. bis Freit. 9 Uhr. 

Die Lehre von den Determinanten: Prof. Enneper, 
Mont. und Donn. öffentlich. 

Analytische Mechanik: Prof. E, Schering, Dienst» 
Mittw. Donn. Sonnab. 7 Uhr. 

Einleitung in die Theorie der Kugelfunctionen mit 
Anwendungen auf physikalische Aufgaben : Dr. K. Sche- 
ring, Dienst, u. Donn. 12 Uhr. 

Theorische Astronomie: Prof. Klinker/ues , Montag", 
Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, 12 Uhr. 

Eine mathematische Societät leitet Prof. E. Schering. 
Mathematische Colloquien wird Prof. Schwarz wie 
bisher privatissime einmal wöchentlich leiten. 

In dem mathematisch -physikalischen Seminar leitet 
Prof. E. Schering mathematische Uebungen, Sonnab. 
9 Uhr ; Prof. Schwarz mathematische Uebungen , Freit. 
12 Uhr; Prof. i^fern Anwendungen der Integralrechnung 
auf die Zahlenlehre. Mittw. 8 Uhr. Prof. Kiimkerfüea 
giebt einmal wöchentlich zu geeigneter Stunde Anleitung 
zu astronomischen Beobachtungen, alles öffentlich. — 
Vgl. Naturwissenschaf teri S. 65. 

Naturwissenschaf teil . 

Allgemeine Zoologie : Prof. Ehlers , Mont. Dienst. 
Mittw. Donn. 8 Uhr. 

Specielle Zoologie, Th. 1. (Protozoen, Coelentera- 
ten und Echinodermen) : Prof. Ehlers^ Freit, u. Sonnab. 
8 Uhr. 

Zootomischer Kurs: Prof. Ehlers, Dienst, u. Mittw. 
9-11 Uhr. 

Vergleichende Anatomie der Wirbelthiere : Dr. Brock, 
Mittw., Donnerst., Freit. 4 Uhr, oder in andern Stunden. 

Cursus der vergleichenden Histologie : Dr. Brock, 
Mont. u. Dienst. 3—5 Uhr, oder in andern Stunden. 



65 

Zoologische Uebungen : Prof. Ehlers, wie bisher, tftg- 
lich (mit Ausnahme des Sonnabends) von 9-1 Uhr. 

Grundzüge der gesammten Botanik: Prof. Oraf tu 
Solms, Mont. bis Freit. 7 Uhr Morgens. Demonstratio- 
nen im botanischen Garten: Derselbe, einmal wöchent- 
lich, in zu bestimmender Stunde, öffentlich. — Anlei- 
tung zu täglichen Arbeiten im Laboratorium des bota- 
nischen Gartens, wesentlich für Vorgeschrittenere, giebt 
Derselbe, in zu bestimmenden Stunden, privatissime. 

Uebungen im Pflanzenbestimmen : Prof. Reinke^ Mont. 
und Dienst., 6 Uhr Abends. — Mikroskopisch - botani- 
scher Cursus: Derselbe, Sonnabend 9—1 Uhr. — Täg- 
liche Arbeiten im pflanzenphysiologischen Institut: Der- 
selbe. — Botanische Excursionen: Derselbe, 

Ueber Archegoniaten und Gymnospermen (Moose, 
Farne und Nadelhölzer): Dr. Falkenberg. Mittw. Don. 
Freit. 6 Uhr. 

Ueber die Flora Deutschlands: Dr. Berthold ^ zwei- 
mal, in zu bestimmenden Stunden. 



Mineralogie: Prof. Klein, 5 Stunden, 11 Uhr. 

Krystallographie : Prof. Klein, 5 Stunden, 9 Uhr. 

Palaeontologie : Prof. von Koenen^ 5 Stunden, 10 Uhr. 

Ueber die geologischen Verhältnisse des mittleren 
Deutschlands: Prof. von Kosnen, 1 St., öffentlich, ver- 
bunden mit Excursionen und Uebungen in geologischen 
Untersuchungen . 

Mineralogische Uebungen: Prof. Klein, Sonnabend 
10—12 Uhr, öffentlich. 

Krystallographische Üebutigen: Prof. Klein, priva- 
tissime, aber unentgeltlich, in zu bestimmenden Stunden, 

Praktische Uebungen im Bestimmen : Prof. von Koe- 
nen, 2 Stunden , öffentlich. 

Experimentalphysik, erster Theil (Mechanik, Akustik 
und Optik) : Prof. Riecke, Montag, Dienstag, Donnerstag, 
Freitag, 5 Uhr. 

Geometrische und physische Optik, ausgewählte Ka- 
pitel: Prof. Listing, 3 Stunden, 12 Uhr. 

Uebungen im physikalischen Laboratorium leitet Prof. 
Riecke, in Gemeinschaft mit den Assistenten Dr. K, 
Schering und Dr. Meyer (I. Abtheilung Dienst., Don- 
nerst., Freit 2 -4 Uhr und Sonnab. 9-1 Uhr. II. Ab- 
theiluog Dienst, u. Freit. 2—4 Uhr u. Sonnab. 11— 1 Uhr). 

Anwendung der Differentialgleichungen auf die Lehre 



66 

von der W&rme und £lektricit&t und auf Akustik s. 
Mathematik S. 63. 

Anwendung der Kugelfunktionen auf physikalische 
Aufgaben : 8. Mathematik S. 64. 

Physikalisches CoUoquium: Prof. Listing, Sonnabend 
11-1 Uhr. 

In dem mathematisch -physikalischen Seminar leitet 
physikalische Uebungen Prof. Listing, Mittwoch 12 Uhr, 
und behandelt Prof. Hiecke ausgewählte Kapitel der ma- 
thematischen und Experimentalphysik. — Vgl. Mathe- 
matik S. 64. 

Geschichte der Chemie : Dr. Buchka, 2 St. , 8 Uhr. 
Allgemeine Chemie (s. g. unorganische Chemie): Prof. 
Hübner, 6 St., 9 Uhr. 

Allgemeine organische Chemie : Prof. Hühner, Mont., 
Dienst., Mittw. , Donnerst., Freit., 12 Uhr. 

Organische Chemie , für Mediciner i Prof. von Uslar, 
4 St. , 9 Uhr. 

Chemische Technologie 1. Theil, in Verbindung mit 
Exkursionen: Prof. Post, 2 St. 

Pharmaceutische Chemie (anorgan. Theil): Dr. Pol- 
storff, Mont. Dienst. Donnerst. Freit. 4 Uhr. 

Ueber die Verunreinigungen und Verfillschungen der 
Nahrungs- und Oenussmittel und deren Erkennung s. 
Medicin S. 60. 

Pflanzenernährungslehre (Agriculturchemie) : Prof. 
Tollens, Mont. Dienst. Mittw., 10 Uhr. 

Uebersicht der Kohlenhydrate: Prof. Tollens, Don- 
nerst. 8 Uhr, öfl'entlich. 

Die Vorlesungen über Pharmacie und Pharmacognosie 
8. unter Medicin S. 61. 

Die praktisch-chemischen Uebungen und wissenschaft- 
lichen Arbeiten im akademischen Laboratorium leiten die 
Professoren Wühler und Hühner, in Gemeinschaft mit 
den Assistenten Prof. Post^ Dr. lannasoh, Dr. Polstorff 
und Dr. Buchka. 

Prof. Boedeker leitet die praktisch- chemischen Uebun- 
gen im physiologisch - chemischen Laboratorium täglich 
(ausser Sonnabend) 8-12 und 2—4 Uhr. 

Praktisch - chemische Uebungen im agriculturchemi- 
schen Laboratorium leitet Prof. Tollens (in Gemeinschaft 
mit dem Assistenten Dr. Hölzer) täglich Mont.— Fr^it. 
8-12 und 2—4 Uhr. 



67 



Historische Wissenschaften. 

Lateinische Palaeographie : Prof. Steindorff, 4 Stunden, 
Montag u. Donnerstag 10 — 12 Uhr. 

Oriechisch-makedonische Geschichte zur Zeit desDe- 
mosthenes : Prof. Volquardsen, Mittw. u. Sonnab. 8 Uhr, 
öffentlich. 

Geschichte der römischen Kaiserzeit (von Caesar an): 
Prof. Volquardsen, Mont. Dienst. Donnerst. Freit. 8 Uhr. 

Geschichte der Stadt Rom im Alterthum: s. Alter- 
Ikumskunde S. 69. 

Zeitalter Ludwigs XIV. und Friedrichs des Grossen : 
Prof. Pauli, vier Stunden, 5 Uhr. 

Deutsche Geschichte bis zum Interregnum : Dr. Bern- 
heim, Mont. Dienst. Donnerst. Freit. 4 ühr. 

Geschichte des fränkischen Reichs unter den Karo- 
lingern: Prof. Steindorf, Mittw. 12 Uhr, öffentlich. 

Epochen der Geschichte des Pabstthums bis zur Ge- 
genwart: Prof. Weiland, Mont. Dienst. Donnerst. Freit. 
9 Uhr. 

Englische Verfassungsgeschichte nebst Quellenkunde: 
Prof Pauli, 4 St. , 8 Uhr. 

Geschichte Italiens im Mittelalter: Dr. Th. Wüsten- 
feld, Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 11 Uhr, 
unentgeltlich. 

Historische Uebungen leitet Prof. Pauli, Mittwoch 
6 Uhr, öffentlich. 

Historische Uebungen leitet Prof. Weiland, Freitag 
6 Uhr öffentlich. 

Historische Uebungen leitet Prof. Volquardsen^ Dienst. 
6 Uhr, öffentlich. 

Historische Uebungen leitet Dr. Bernheim , Donners- 
tag 6 Uhr, unentgeltlich. 

Kirchengeschichte : s. unter Theologie S. 58. 

Erd- und Völkerkunde. 

Ausgewählte Kapitel der allgemeinen Erdkunde : Dr. 
Krümmel Sonnabend 10-12 Uhr. 

Geographie von Deutschland : Prof. Wagner , Mont. 
Dienst. Donnerst. Freit. 11 Uhr. 

Geographisches Colloquium für Vorgeschrittenere : Prof. 
Wagner, 1 Stunde, privatissime , unentgeltlich. 

Geographische Uebungen: Dr. Krümmel, Mittw. 9 
Uhr, unentgeltlich. 



68 
Staatswissenschaft und Landwirthschaft. 

Englische Verfassungsgesohichte : vgl. Eistor. Wis- 
senschaften 8. 67. 

Einleitung in das Studium der Volkswirthschaft: Dr. 
:Eggert, 2 St., Mont. 5-7 Uhr. 

Volkswirthschaftslehre (Nationalökonomie): Prof. 
Jianssen, 5 St. , 4 Uhr. 

Kritische Geschichte der Nationalökonomie seit Adam 
Smith: Dr. Sartortus von Walter shauaen, 2 Stunden. 

Die volkswirthschaftlichen Verhältnisse des deutschen 
Reiches (prakt. Nationalökonomie): Dr. Eggert, 4 St, 
Dienst, u. Freit. 5 — 7 Uhr. 

Die volkswirthschaftlichen Zustände der Vereinigten 
Staaten von Nordamerika: Dr. Sartorius von Walters- 
hausen, 1 St. unentgeltlich. 

Bevölkerungskunde (Bevölkerungs- u. Moralstatistik), 
mit Berücksichtigung der einschlagenden philosophischen 
Controversen : Prof. JRehnisch, 4 St., 5 Uhr, öffentlich. 

Volkswirthschaftliche Üebungen: Prof. Soetheer , pri- 
vatissime, aber unentgeltlich, in später zu bestimmen- 
den Stunden. 

Einleitung in das landwirthschaftliche Studium : Prof. 
Drechsler t 1 Stunde. 

Ackerbaulehre, specieller Theil : Derselbe, 4 Stunden, 
12 Uhr. 

Die allgemeine und specielle landwirthscbaftliche 
Tbierproduction sichre (Lehre von den Nutzungen, der 
Züchtung, Ernährung und Pflege des Pferdes, Blndee, 
Schafes und Schweines) : Prof. Griepenk^rl, Mont. Dienst. 
Donnerst, u. Freit., 8 Uhr. 

Die landwirthschaftliche Kassenkunde: Prof. Grie- 
penkerlf Mont. und Dienst. 10 Uhr, öffentlich. 

Die Ackerbausysteme (Felderwirthschaft , Feldgras- 
wirthschaft, Fruchtwechselwirthschaft u. s. w.): Prof. 
Griepenkerlf Donnerst, u. Freit. 10 Uhr. 

Im Anschluss an diese Vorlesungen werden Excur- 
sionen nach benachbarten Landgütern und Fabriken 
veranstaltet werden. 

Die Lehre vom Futter: Prof Henneberg, Montag, 
Dienstag und Mittwoch, 11 Uhr. 

Allgemeine und specielle Züchtungslehre und Eas- 
senkunde , mit besonderer Berücksichtigung der Contro- 
versen von Nathusius-Settegaet : Dr. JVaca, 2 St«, 11 Uhr. 

Landwirthschaftliches Practicum, 1. Üebungen im 



69 

landwirthscbaftlichen Laboratorium, Freit. 2 -G Uhr, 
Sonnab. 9 — 1 Uhr , unter Leitung des Prof. Drechiler und 
Dr. Fesea ; 2. Uebungen in landwirthschaftlichen Ber^oh- 
sungen , Moni. u. Donnerst. 6 Uhr : Prof. UrechaUr, 

LandwirthschaftUche Excursionen und Demonstratio- 
nen im Versuchsfelde: Prof. Drechsler. 

Krankheiten der Hausthiere: s. Medicin S. 63. 

Landwirthschaftsrecht : vgL RechUwissenschaft S. 59* 

Agriculturchemie , Agriculturchemisches Praeticum : 
s. Natwrwis9en8chaften S. 66. 

Literär- und Kunstgeschichte. 

Allgemeine Geachichte der Poesie: Prof. Qoedtke^ 
Moni. 4 Uhr, öffentlich. 

Geschichte der attischen Prosaliteratur im 4. Jahr- 
hundert V. Chr. G. : Dr. Bruns^ Dienst. Donnerst. Freit. 
4 Uhr. 

X^eben des Sophokles: s. Oriech. u. iat Sprache B.70, 

Leben und Schriften der 'hervorragendsten deutschen 
Dichter des 17. Jahrhunderts: Dr. Tätmann, 3 St. 11 Uhr. 

Ueber die ältesten Denkmale epischer Dichtung der 
Deutschen: Dr. Tittmann^ Mont. 11 Uhr, unentgeltlich. 

Geschichte des Holzschnitts und Kupfers^hs, I. Abth. 
mit praktischer Einführung in die Kupierstichkunde: 
Dr. Schmarsow, 

Die französische Kunst seit der Bevolution: Dr. 
SchmaraoWy Donnerst. 5 Uhr. 

Erklärung ausgewählter Kapitel aus Gottfried Sempers 
Stil: Dr. Sckme^rsoic (in einer Geaellschaft). 

Geschichte der Philosophie: vgl. Philosophie S. 63. 

Alterthamskunde. 

Archaeologie der Kunst der Griechen und Bomber : 
Prof. Wieaeler, 4 oder 5 Stunden, 10 Uhr. 

Im K. archäologischen Seminar wird Prof. WieaeUr 
ausgewählte Kunstwerke öffentlich erläutern laaaen, 
Sonnab. 12 Uhr. 

Die Abhandlungen der Mitglieder wird J}^84lbe pri- 
vaUsslme bevrtheilen , wie bisher. 

Topographie und Geschichte der Stadt Bom im AI- 
terthum: Dr. Gilbert, 2 Stunden, 4 Uhr, unentgeltlich. 

Vergleichende Sprachlehre. 

Verglelche^lide Grammatik der griechischen Sprache: 
Prof. Fick, 4 St. , 10 Uhr. 



70 
Orientalische Sprachen. 

Die Vorlesungen über das A. Testaments, u. Theol S.58. 

Die Anfangsgründe der arabischen Sprache : Prof. 
Bertheau, Dienst, und Freit. 2 ühr. 

Ausgewählte Stücke aus arabischen Schriftstellern : 
Prof. Wüstenfeld, privatissime. 

Hariris Durra nach der Ausgabe Thorbeokes oder 
Mutanabbi nach der Ausgabe Dietericis: Prof. de La- 
garde, in noch zu bestimmenden Stunden, öffentlich. 

Anfangsgründe der Geezsprache und Erklärung der 
äthiopischen Chrestomathie von Dillmann: Dr. Haupt, 
Montag und Donnerstag, 6 Uhr, unentgeltlich. 

Erklärung der babylonischen Sintflutherzählung (Text 
in lateinischer Transscription) für Theologen : Dr. Haupt, 
Freitag 5 Uhr, unentgeltlich. 

Erklärung schwerer Keilschrifttexte (Cyruscylinder, 
astrologische Tafeln etc.): Dr. Haupt, Freitag, 6 ühr. 

Grammatik der sumero-akkadischen Sprache: Dr. 
Haupt, Montag und DonneVstag 5 Uhr. 

Grammatik der Sanskritsprache für Anfänger: Prof. 
Kielhorn^ 3 Stunden. 

Interpretation vedischer Texte: Dr. Bechtel, Mittw. 
u. Sonnab. 12 ühr. 

Erklärung eines indischen Dramas: Prof. KieJhorn, 
2 bis 3 Stunden. 

Griechische und lateinische Sprache. 

Ueber den äolisohen Dialekt: Prof. Fick^ 2 Stunden, 
10 Uhr. 

Vergleichende Grammatik der griech. Sprache: vgl. 
Vergleichende Sjyrachlehre S. 69. 

Homer: Prof. Fiek, privatissime, unentgeltlich. 

Leben und Dichtungen des Sophokles und Erklärung 
des Oedipus auf Kolonos : Prof. DiUheg, 4 Stunden, 12 ühr. 

Demosthenes Rede vom Kranze : Prof Sauppe, Mont. 
Dienst. Donnerst. Freit. 9 Uhr. 

Geschichte der attischen Prosa: vgl. Liter ärgesch.S. 12. 

Lateinische Grammatik: Prof. Sauppe, Mont. Dienst. 
Donnerst. Freit., 7 Uhr Morgens. 

Lateinische Palaeographie : vgl. Historische Wissen- 
schaften S. 67. 

Im K. philologischen Seminar leiten die schriftlichen 
Arbeiten und Disputationen Prof. Sauppe und Prof. Dil- 
theg, Mittw. 11 Uhr, lässt Plutarchs Perikles erklären 



71 

Prof. Sauppe, ^oniAg und Donnerstag, 11 Ühr, lässt 
ApaleiuB über Amor und Psyche erklären Prof. Diltkey, 
Dienstag und Freitag 11 Uhr» alles öffentlich. 

Im philologischen Proseminar leitet die schriftlichen 
Arbeiten u. l3i8putationen Dr. Bruns, Mittwoch 9 Uhr, 
lÄsst Prof. Sauppe Giceros Orator Mittw. 2 Uhr und Prof. 
Düthey Solons Elegien , in noch zu bestimmender Stunde, 
erklären, alles öffentlich. 

Deutsche Sprache. 

Historische Grammatik der deutschen Sprache : Prof. 
Wilh, Müller, 5 Stunden, 3 Uhr. 

Wolframs von Eschenbach Parziväl erklärt Prof. 
Wilh. MüUer, 4 Stunden , 10 Uhr. 

Die Uebungen der deutschen Gesellschaft leitet Prof. 
WWi, Müller. 

Neuere Sprachen. 

Historische Grammatik der französischen Sprache II.: 
Prof. VollmölleTf Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 
12 Uhr. 

Erklärung des Chevalier au lyon von Crestien de 
Troies : Prof. VollmOUer, Dienstag u. Donnerstag 4—5 Uhr. 

Komanisch -englische Gesellschaft. Erklärung eines 
altfranzösischen Textes. Paläographische Uebungen: 
Prof. Vollmöller, Mittwoch 6 — 8 Uhr, privatissime aber 
unentgeltlich. 

Erklärung provenzalischer Sprachdenkmäler nach 
Bartschs Chrestomathie : Dr. Andreaen, 3 Stunden, 10 Uhr. 

Der zu berufende Professor für englische Philologie 
wird später anzeigen. 

Schöne Künste. — Fertigkeiten. 

Unterricht im Zeichnen ertheilt Zeichenlehrer Peters, 
Sonnabend 2—4 Uhr, unentgeltlich. Unterricht im 
Malen Derselbe, in zu verabredenden Stunden. 

Harmonie- und Kompositionslehre, verbunden mit 
praktischen Uebungen: Musikdirector Hille, in passen- 
den Stunden. 

Zur Theilnahme an den Uebungen der Singakademie 
und des Orchesterspielvereins ladet Derselbe ein. 



^ I 



72 

Beitun terricht ertheilt in der K. Universit&ts-Heit- 
bahn der tJniv.*StaUmei8ter, KiUmei«ter a. D. Sckifiep^e, 
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, 
Morgens von 7 — 11 und Nachm. (ausser So&nabends) 
von 4—5 Uhr. 



Fechtkunst lehrt der üniversitätsfechtmeiater Orüns-^ 
kiee, Tanzkunst der Universitätstanzmeister Höltdu, 

Oeffentliche Sammlungen. 

In der UniversitäU-BibHothek ist das Ausleihezimmer 
an den Wochentagen von 12—1 und von 2—3 Uhr ge- 
öffnet. Verliehen werden Bücher nach Abgabe eines 
von einem Professor der Universität ausgestellten Bürg- 
8oh<>ines. 

Die Gemäldesammlung ist Dienstags von 2—4 Uhr 
geöffnet. 

Der botanische Gatten ist, die Sonn- und Festtage 
ausgenommen, täglich von 7—12 und von 2-6 Uhr 
geöffnet. 

Ueber den Besuch und die Benutzung der Geologi- 
schen Seminarbibliothek , des Theatrum anatomieum , des 
physiologischen Instituts, der pathologischen Sammlung, 
der Sammlung von mathemaÜsehen Instrumenten und Mo' 
dell&n, des zoologischen und ethnographischen Museums, 
des botanischen Gartens und des pßanzenpht/siologischen 
Instituts^ der Sternwarte, des physikalischen Kahinets und 
Laboratoriums, der mineralogischen und der geognostisch- 
paläontologischen Sammlung, der ehemischen Laboratorien, 
des archäologischen Museums, der Gemäldesammlung, der 
Bibliothek des philologischen Seminars, der Bibliothek des ' 
mathematisch-physikalischen Seminars, des diplomatischen 
Apparats, der Sammlungen des landwirthschaftlichen In- 
stituts bestimmen besondere Reglements das N&here. 

Bei dem Logiscommissär, Pedell ^ar^«^ (Eleperweg 2), 
können die, welche Wohnungen suchen, sowohl über 
die Preise, als andere Umstände Auskunft erhalten und 
auch im voraus Bestellungen machen. 



Ffir die Bedaction verantwortlicli : Dr. BechM, Director d. Oött. gel. Anz. 
. Gommiwions- Verlag der DietericKscIim Veikiffa-Buckhandiung. 
Druck der Dieterick' sehen Univ. - Buchdruckerei ( W. Fr. Kaestner). 



73 



Nachrichten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



8. März. JV8i 4. 1882. 



Kemigliche fieselkchaft der WisseBschaftea. 

Vervollständigung der St einer 'scheu 
elementargeometriseben Beweise für 
den Satz, daß der Kreis größeren Flä- 
cheninhalt besitzt, als jede andere 
ebene Figur gleich großen Umfanges. 

Mit einer Figarentafel. 

Von 

F. Edler, caud. math. in Haue ei/S. 

(Vorgelegt von H. A. Schwarz). 

• 

Ein großer Theil der Untersachungen, welche 
Steiner in zwei im 24ten Bande des Crelle- 
Bchen Journals enthaltenen Abhandlangen unter 
dem Titel: >Sar le maximum et le minimum des 
figures dans le plan, sur la sphere et dans l'espace 
en general« angestellt hat, beruht auf dem Satze, 
daß unter allen ebenen Figuren, welche gleich 
großen Umfang haben, der Kreis den größten 
Flächeninhalt besitzt. 

Gegen die indirekten elementargeometrischen 
Beweise, welche Steiner a. a. 0. für diesen 
Fnndamentalsatz selbst gegeben hat, ist der for- 
melle Einwand erhoben worden , daß denselben 
ohne Ausnahme eine unbewiesene Voraussetzung 

' 6 



74 

zu Grande liegt. Jeder einzelne der erwähnten 
Beweise beruht nämlich auf der einen oder auf 
der andern der folgenden beiden Voraussetzungen : 

I. Unter allen ebenen Figuren gleich großen 
ümfanges gibt es eine, deren Flächeninhalt 
ein Maximum ist. 

IL Unter allen ebenen Figuren gleich groAen 
Flächeninhalts gibt es eine, deren Umfang 
ein Minimum ist. 

Diese Voraussetzungen bleiben unbewiesen. 
Ueberdies unterliegen die erwähnten Beweise 
eben derselben Kritik, welcher Steiner einen 
von Lhuilier herrührenden Beweis des Satzes, 
daß unter allen Dreiecken von gleich großem 
Umfange das gleichseitige den größten Flächen- 
inhalt besitzt, unterzogen hat. (A. a. 0. S. 98.) 

Für diesen letzteren Satz aber hat Steiner 
durch den direkt geführten Nachweis, daß ein 
gleichseitiges Dreieck größeren Flächeninhalt 
besitzt, als jedes nicht gleichseitige von gleich 
großem Umfange (a. a. 0. S. 99), einen durch 
Einfachheit und Vollständigkeit ausgezeichneten 
elementargeometrischen Beweis aufgestellt und 
dadurch den Wunsch hervorgerufen, für den im 
Eingänge erwähnten, auf den Kreis sich bezie- 
henden Fundamentalsatz einen direkten elemen- 
targeometrischen Beweis von analoger Einfachheit 
und gleicher Vollständigkeit zu erhalten. 

Durch einen im zehnten Bande der Zeit- 
schrift für mathematischen und naturwissen- 
schaftlichen Unterricht (1879, Seite 245) ver- 
öffentlichten Beweis des erwähnten Satzes habe 
ich den hinsichtlich der Vollständigkeit an einen 
solchen Beweis zu stellenden Forderungen zu 
genügen gesucht. 

Dieser Beweis beruht im Wesentlichen darauf, 
daß es immer möglich ist, ein gegebenes unre- 



75 

gelmäßiges, ebenes Polygon, dessen Begrenlung 

von 2» geradlinigen Strecken gebildet wird, 
dnrch geometrische Constructionen in ein re- 
gelmäßiges Polygon von gleich großer Seiten- 
zahl nnd von gleich großem Umfange zu ver- 
wandeln , während bei dieser Verwandlung der 
Flächeninhalt vergrößert Wird. Der Flä- 
cheninhalt des regelmäßigen Polygons wird dann 
durch eine einfache geometrische Betrachtung 
mit dem Flächeninhalt der Kreisfläche von gleich 
großem Umfange verglichen. 

Bei fortgesetzter Beschäftigung mit diesem 
Gegenstande habe ich nun gefunden, daß der 
erwähnte Beweis unter Festhaltung des Grund- 
gedankens einer erheblichen Vereinfachung fähig 
ist, so daß derselbe nach dieser Vereinfachung 
ganz in den den S t e i n e r ^schen Untersuchungen 
zu Grunde liegenden Ideengang eintritt und als 
eine consequente Weiterfuhrung beziehungsweise 
Vervollständigung einiger der fünften Beweis- 
methode Steiners angehörenden Betrachtungen 
angesehen werden kann. 

Diesen vereinfachten Beweis erlaube ich mir 
im Folgenden darzulegen. 

1. 

Zu jedem gegebenen unregelmäßigen, ebenen 
Polygon, dessen Begrenzung von n geradlinigen 
Strecken gebildet wird , läßt sich ein regel- 
mäßiges Polygon von höchstens 2^"^ Seiten 
construireu , welches bei kleinerem Umfange 
größeren oder mindestens ebenso großen Flächen- 
inhalt besitzt, wie das gegebene. 

Beweis. Man denke sich durch die n Ecken 
des gegebenen Polygons Pq n unter einander 
parallele Gerade gelegt, durch welche die 
Fläche desselben in n — 1 Paralleltrapeze ge- 



76 

theilt wird, von deuen zwei durch Dreiecke 
vertreten werden. Diese Paralleltrapeze ver- 
wandle man, wie es die fünfte Beweismethode 
Steiners vorsehreibt (a. a. 0. S. 207), unter 
Beibehaltung der Lauge der einzelnen parallelen 
Seiten und des Abstandes derselben, durch bloße 
Verschiebung dieser Seiten auf den parallelen 
Geradeu, auf welchen sie liegen, in Paralleltrapeze, 
welche eine Symmetrieaxe besitzen. Aus diesen 
symmetrischen Paralleltrapezen setze man ein 
neues Polygon Pj zusammen. (S. Fig. 1). 

Das Polygon P^ hat bei unverändert geblie- 
benem Flächeninhalte kleineren Umfang als das 
gegebene; es hat 2 (w—1) Seiten und wird durch 
die Symmetrieaxe, welche es besitzt, in zwei zu 
einander symmetrische Hälften, nämlich die 
Polygonsegmente S^ und S[ getheilt. 

Auf dieselbe Weise, wie aus dem Polygon 
Pq das Polygon P^ entstanden ist, lasse mau 
aus dem Polygon P^ ein Polygon P^ entstehen, 
indem man durch die Ecken des Polygons Pj 
zu der Symmetrieaxe parallele Gerade hin- 
durchlegt. 

Das Polygon Pg hat bei unverändert geblie- 
benem Flächeninhalt kleineren Umfang als das 
Polygon Pq] es hat höchstens 4(n~2) Seiten 
und wird durch seine beiden auf einander senk- 
recht stehenden Symmetrieaxen in vier Viertel 
getheilt, von denen je zwei einander cougruent 
oder zu einander symmetrisch sind. (S. Fig. 2). 

Jedes dieser Polygon- Viertel hat mit dem 
Umfange von Pj höchstens n—2 Seiten ge- 
meinsam. Es genügt eins derselben zu betrachten. 
(S. Fig. 3.) Durch eine Diagonale , welche die 
auf den beiden Symmetrieaxen liegenden Ecken 
eines solchen Polygon- Viertels verbindet, wird 
die Fläche desselben in zwei Theile, nämlich in 



77 

ein rechtwinkliges Dreieck D^ und eiu Polygou- 
segment 8^ getheilt. Das rechtwinklige Dreieck 
Dg verwandle man nnter Beibehaltung seiner 
Hypotenuse in ein rechtwinklig gleichschenkliges 
Dreieck z/^, welches größeren oder , falls das 
Dreieck 2), bereits gleichschenklig war, ebenso 
großen Flächeninhalt besitzt, wie das Dreieck 
2)j. Das Polygonsegment S^ verwandle man, 
indem man die Hypotenuse des Dreiecks D^ 
zur Grundlinie wählt, durch Theiluug mittelst 
gerader Linien, welche durch die Ecken von 
8^ hindurchgehen und der Grundlinie parallel 
sind , in ein Polygonsegment J^^, welches bei 
unverändert gebliebenem Flächeninhalt und un- 
verändert gebliebener Grundlinie eine zu dieser 
letzteren senkrechte Symmetrieaxe besitzt, außer 
der Grundlinie noch höchstens 2(n — 3) Seiten 
hat und dessen Umfang jedenfalls nicht größer 
ist als derjenige des Polygonsegmentes 5,. Setzt 
man nun aus dem Dreiecke J^ und dem Poly- 
gonsegmente 2*2 den vierten Theil eines Polygons 
P3 ebenso zusammen, wie der vierte Theil des Po- 
lygons Pg aus dem Dreiecke D^ ^nd dem Polygon- 
segmente iSg zusammengesetzt ist, so erhält man 
durch symmetrische Wiederholung ein Polygon 
P3 von höchstens 2'(w— 3) Seiten, welches bei 
kleinerem Umfange größereu oder mindestens 
ebenso großen Flächeninhalt wie das Polygon 
Pq besitzt. 

Das Polygon P3 hat vier Symtnetrieaxen, 
von denen je zwei benachbarte mit einander 
den Winkel \ n einschließen ; es wird also durch 
Beine . Symmetrieaxen in acht congruente, be- 
ziehungsweise symmetrische Achtel getheilt. 
Eines dieser Polygon-Achtel zerlege man durch 
eine Diagonale in ein Dreieck D3, welches jene 
Diagonale zur Grundlinie und den Winkel \ n 



78 

an der Spitze hat, und in ein Polygonsegment 
Sj, welches außer der mit dem Dreieck D^ ge- 
meinschaftlichen Grundlinie höchstens noch n — 3 
Seiten besitzt. Das Dreieck 2)3 verwandle man 
unter Beibehaltung der Grundlinie in ein gleich- 
schenkliges Dreieck J^ mit dem Winkel ^ti an 
der Spitze. Das Polygonsegment 8^ verwandle 
man unter Beibehaltung seiner Grundlinie in 
ein Polygonsegment 2^ von gleichem Flächen- 
inhalt und kleinerem oder höchstens gleich gro- 
ßem Umfange, welches eine zu seiner Grundlinie 
senkrechte Symmetrieaxe besitzt und außer der- 
selben höchstens 2(fi — 4) Seiten hat. 

Aus dem Dreieck J^ und dem Polygonseg- 
ment ^3 erhält man den achten Theil eines 
Polygons P4, welches kleineren Umfang, größe- 
ren oder mindestens ebenso großen Flächenin- 
halt wie das Polygon P^ besitzt und acht 
Symmetrieaxen hat, von denen je zwei benach- 
barte den Winkel ^ n mit einander einschließen. 
Die Anzahl der Seiten dieses Polygons ist höch- 
stens gleich 2\n — 4). 

Auf diese Weise kann man fortfahren. Der 
überraschende Erfolg dieser Construction be- 
steht darin , daß dieselbe nothwendig einmal in 
gewissem Sinne ihr Ende erreicht. Bei jedem 
Schritte wird nämlich in dem Ausdrucke für 
die Seitenzahl des Polygons der eine Factor ver- 
doppelt, während der andere, so lange er noch 
nicht gleich 1 geworden ist, mindestens nm eine 
Einheit abnimmt. 

Die angegebene Construction führt daher 
nach höchstens w-maliger Anwendung derselben 
zu einem regelmäßigen Polygon P von höch- 
stens 2**""^ Seiten, welches bei kleinerem Um- 
fange größeren oder mindestens ebenso großen 



79 

Flächeninhalt besitzt , wie das gegebene Po- 
lygon P^. 

Der ausgesprochene Satz ist hiermit bewiesen. 

2. 

Jedes regelmäßige Polygon hat kleine- 
ren Flächeninhalt als die Kreisfläche von gleich 
großem Umfange. 

Beweis. Ein regelmäßiges Polygon P habe 
den Umfang U; es sei jß der Radius des diesem 
Polygon einbescbriebenen Kreises. 

Eine Kreisfläche £, deren Radius R* sein 
möge, habe ebenfalls den Umfang TJ und es sei 
TJ* der Umfang des dem Kreise K umschriebe- 
nen regelmäßigen Polygons P* von gleicher Sei- 
tenzahl wie P. 

Aus der Aehnlichkeit der Polygone P und P* 
folgt 

Bezeichnen P, K^ P zugleich die Flächenin- 
halte dieser drei Figuren, so ist 

P := ^RU, K = \R,U, P = \R.Ü'. 

Nun ist P "> K^ weil die Fläche K ein 
Theil der Fläche P ist; folglich ist auch U' > JJ, 
also auch W > JB, mithin ist K> P. 

3. 

Aus der Verbindung der beiden unter 1. und 
2. bewiesenen Sätze folgt: Jedes ebene, von 
geradlinigen Strecken begrenzte Polygon P^ be- 
sitzt kleineren Flächeninhalt als die Kreis- 
flache, welche mit demselben gleich großen Um- 
fang hat. 

Wenn es sich nun darum handelt, den ana- 
logen Satz für eine beliebige ebene Figur F 



80 

zu beweisen, deren Begreuzang gauz oder zum 
Theil You krummeu Linien gebildet wird y so 
kann man verfahren wie folgt: 

Man verwandle nach einer der von Stein er 
angegebenen Methoden die Figur i^, welche nach 
der Voraussetzung nicht eine Kreisfläche ist, iu 
eine andere Figur JP', welche gleich großen Üm- 
faug und größeren Flächeninhalt besitzt als 
die Figur F. Sodann construire man ein ge- 
radliniges Polygon Pq, dessen Ecken auf der 
Begrenzung der Figur F* liegen, dessen Seiten 
also Sehnen der die Begrenzung bildenden Linie 
sind, und dessen Flächeninhalt von dem Flächen- 
inhalte der Figur F' um weniger unterschieden 
ist, als derUeberschuß des Flächeninhalts der Fi- 
gur F' über den Flächeninhalt der Figur f beträgt. 
Das Polygon F^ hat dann bei kleinerem Um- 
fang größeren Flächeninhalt als die Figur F. 
Dem vorhin bewiesenen Satze zufolge hat aber 
das Polygon P^ kleineren Flächeninhalt als die 
Kreisfläche von ebenso großem Umfange, umso- 
mehr also kleineren F'lächeuinhalt als eine Kreis- 
fläche, welche mit der Figur F gleich großen üm- 
fanu hat. Es hat also auch die Figur F^ deren 
Flächeninhalt kleiner ist als derjenige des Po- 
lygons Pq, kleineren Flächeninhalt als diejenige 
Kreisfläche , welche mit ihr gleich großen Um- 
fang hat. 

Hiermit ist der im Eingange angeführte Satz 
direkt bewiesen. 



Für flie Bedaction verantwortlich: Dr. Bschtd» Director d. Gatt. grel. Anz. 

CommiBsions- Verlag der pietmich' sehen Verlaga-Buchhandhmg. 

Druck der Dieterich* sehen Univ. - Buchdruckerei ( IV. Fr. Kaestner). 




Ze, dm Jafiaige ven F. EäUr 3.13 



81 



Nachrichten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



4. März. M 5. 1882. 



KiB^licke Ceselkchaft der Wisseasckaftei. 

SitzuDg am 4. März. 

Klein, Ueber Eryolithf Pachnolith and Thomsenolith. 

Wüstenfeld, Die Geschichtschreiber der Araber und 
ihre Werke. Vierte Abtheil. (S.Abhandl. Bd.XXYIII). 

de Lagarde, Mittheilongen über GiordaDO Bruno. 

Fachs, aasw. Mitglied, üeber Functionen, welche durch 
lineare Substitutionen unverändert bleiben. 

Eohlrausch, ausw. Mitgl., Die Messung der erdmag- 
netischen Horizontal -Intensität mittels bifilarer Auf- 
hängung eines Magnets. (Vorgelegt von W. Weber). 

Enneper, Beiträge zur Theorie der Flächen mit beson- 
derer Rücksicht auf die Minimalflächen. 

Ethe, Kürzere Lieder und poetische Fragmente aus 
Nä^ir Ehnsrau's Divan. (Vorgelegt von Wüstenfeld). 



üeber Functionen, welche durch li- 
neare Substitutionen unverändert 

bleiben. 

Von 
L. Fuchs in Heidelberg. 

In einer Note d. d. 30. December 1881, 
welche Herr F. Klein einer in den Mathema- 
tischen Annalen unter dem 17. December 1881 

7 



82 

gedruckten Arbeit des Herrn H. Poincare in 
Paris: »sur les fonctions uniformes qai se repro- 
dnisent par des substitutions liueaires« angehängt 
hat, sagt Herr Klein, daß ich über die Functio- 
nen, welche durch lineare Substitutionen unver- 
ändert bleiben, nirgends etwas veröffentlicht habe. 
Dieser Ausspruch ist nicht den Thatsachen 
entsprechend. Ich begnüge mich zum Nachweis 
der Unrichtigkeit desselben meine folgenden Ar- 
beiten zu citireu: 

1. Meine Arbeit: »sur quelques pro- 
prietes des integrales des equations 
differentielles , auxquelles satisfon t 
les modules de periodicite des inte- 
grales elliptiques des deux premieres 
especes. Extrait d^nne lettre adressee 
a M. Her mite. Borchardt's Journal für die 
reine und angewandte Mathematik. Band 83 p. 
13, November 1876. 

In dieser Arbeit ist für die in dem Titel ge- 
nannten Differenzialgleichungen die durch die 
Gleichung 

defiuirte Function s von S (wo f{z) , y (z) ein 
Fundamentalsystem von Integralen bedeutet) einer 
eingehenden Behandlung unterworfen worden. 

2. In meiner Arbeit: ȟeber eineKlasse 
von Functionen mehrerer Variabein, 
welche durch ümkehrungderintegrale 
von Lösungen der linearen Differen- 
zialgleichungen mit rationalen Goef- 
ficienten entstehen« in Borchardts Jour- 
nal für die reine und angewandte Mathematik 
Band 89 p. 151, 14. Februar 1880, habe ich 



83 

far die allgemeinen linearen Differenzialgleichan- 
gen zweiter Ordnung die durch die Gleichutig 

definirte Function £; von C (wo /'(^), g>(jsf) wie- 
der ein Fondamentalsystem von Integralen be- 
deutet) als Grundlage für meine dortigen Unter- 
suchungen eingeführt (S. daselbst p. 158). (Vergl. 
auch die Notiz in den »Nachrichten der Königl. 
Gesellscli. der Wissenschaften zu Göttingen vom 
4. Februar 1880 , worin die Resultate der vor- 
genannten Arbeit angegeben sind. — Vergleiche 
auch meinen Brief an Borchardt, veröffentlicht 
in Borchardt's Journal Bd. 90, p. 71). 

Wie aus Briefen hervorgeht, mit welchen un- 
mittelbar nach Erscheinen meiner unter 2) be- 
zeichneten Arbeit Herr Poincare mich beehrte, 
hat dieselbe Herrn Poincare zu seinen ausge- 
zeichneten Untersuchungen über die Functio- 
nen, welche durch lineare Substitutionen unver- 
ändert bleiben, den directen Anlaß gegeben. 

Ich unterlasse es in eine Erörterung darüber 
einzutreten, in wie weit meine beiden vorge- 
nannten Arbeiten auf die Arbeiten des Herrn 
Klein einen Einfluß ausgeübt haben mögen. 
Ich begnüge mich vielmehr eine Note des Herrn 
Klein anzuführen, welche Bezug nimmt auf 

8. meine Arbeit: »Ueber die linearen 
Differenzialgleichungen zweiter Ord- 
nung, welche algebraische Integrale 
besitzen, und eine neue An Wendung der 
In Varianten theorie in Borchardt's Journal 
Band 81 p. 97, Juli 1875. (Vergl. auch die 
Angabe der Resultate dieser Arbeit in den Nach- 
richten der Königl. Gesellsch. d. Wissensch. zu 
Gottingen, Juli 1875.) 

7* 



84 

Die Note des Herrn Klein, welche anf diese 
Abhandlnng Bezug nimmt, steht in seinem ersten 
Aufsätze über lineare Differenzialgleichnngen. 
Dieser befindet sich in den Mathematischen An- 
nalen Band XI p. 115 sqq. In derselben (p. 118) 
bemerkt Herr Klein, daß er durch das Studinm 
meiner unter 3) erwähnten Arbeit zu seinen 
Entwickelungen veranlaßt worden sei. 

Heidelberg, Februar 1882. 



Die Messung der erdmagnetischen Ho- 
rizontal -Intensität mittels bifilarer 
Aufhängung eines Magnets. 

Von 
F. Kohlransoh, auswärtigem Mitgliede. 

Zu der Mitteilung, welche ich der königlichen 
Gesellschaft der Wissenschaften am 4. Juni 1881 
vorzulegen die Ehre hatte, läßt sich ein für erd- 
magnetische Messungen nützlicher Zusatz machen. 

Es war damals ein Stromring, der bifilar auf- 
gehängt durch den Erdmagnetismus abgelenkt 
wurde und so an Stelle des Gauss'schen schwin- 
genden Magnets das Product aus Erdmagnetis- 
mus und magnetischem Moment des Stromringes 
lieferte. Nachdem hier^ im Gegensatz zu frü- 
heren Ansichten, durch die Erfahrung nachge- 
wiesen war, daß die bifilare Aufhängung zu fei- 
nen absoluten Bestimmungen hinreichend genau 
ausgemessen werden kann^ habe ich den Versuch 
gemacht, bei dem Verfahren einen bifilar aufge- 
hängten Magnet an Stelle des Stromringes an- 
zuwenden, im üebrigen jedoch die Anordnung 
des Versuches, welche so große Vereinfachungen 
bietet y beizubehalten. Allerdings ist die noth- 



85 

wendige Umlegnng eines Magnets nicht so be- 
qaem wie das Commutiren eines Stromes. Ferner 
scheiut es, als ob die Verteilung des Magnetis- 
mos ia dem Stabe zu Vermcklungen führe, 
welche bei dem geometrisch leicht ausmeßbaren 
Stromringe wegfallen. Indessen läßt sich leicht 
übersehen, daß die Unsicherheit in der Lage der 
Magnetpole nur zu einer Unsicherheit von höch- 
stens ein Zweitausendtel im Resultat führt. Auch 
bietet die Bestimmung dieser Lage in bekannter 
Weise durch die einmalige Beobachtung von 
Ablenkungen aus zwei Entfernungen keine 
Schwierigkeit. 

Es lassen sich sogar Vorzüge der Anwen- 
dung eines Magnets aufführen. Abgesehen von 
der Umgehung galvanischer Säulen überhaupt 
und der von dem Strom bei längerem Schluß 
bewirkten Erwärmung braucht man bei der Wahl 
der Aufhängefäden nicht auf elektrisches Lei- 
tungsvermögen Bücksicht zu nehmen. Auch fällt 
die Notwendigkeit fort , das Gewicht der aufge- 
hangenen Teile, an denen keine hygroskopische 
Körper wie die Drahtbespinnung der Bolle vor- 
kommen, zu controliren. 

Und gegenüber dem Gauß'schen Verfahren 
ist auch hier die große Einfachheit der Ausföh- 
ning sowie das Wegfallen aller in der Gauss'- 
schen Methode vorkommender Schwierigkeiten 
za constatüfen. Man bedarf keines Trägheits- 
iBOflients , überhaupt keiner Zeitbestimmung ; 
alle zusammengehörigen Größen werden in der 
Weise gleichzeitig gemessen, daß die Intensitäts- 
sekwankcmgen des Erdmagnetismus und dieTem- 
pejratnränderungen der Magnete herausfallen; 
endlieh wird der Magnet nur in fast tranaver- 
^t Lage y also ohne Induction von Magnetis^- 
mos durch die Erde gebraucht. 



86 

Die für eine vollständige Bestimmung gefor- 
derte Zeit belauft sich auf etwa eine Halbe- 
stunde. Die vorbereitenden Aufstellungen und 
geometrischen Messungen sind nicht schwieriger 
als sonst. 

Das absolute Bifilarmagnetometer besteht 
aus einem Magnetschiffchen mit Spiegel, welches 
an zwei feinen Messingdrähten (0,06 mm dick) 
von etwa 2,5 m Länge und 100 bis 120 mm 
Abstand von einander aufgehängt ist. Die Rich- 
tung des unbelasteten Schiffchens ist ostwestlich. 
Der Magnet ist im Interesse eines relativ starken 
Magnetismus röhrenförmig. Legt man denselben 
in einer durch zwei eingedrehte Nuten fixirten 
Lage in das Schiffchen, so erfolgt eine Ablen- 
kung des Spiegels um einen (kleinen) Winkel 
a. Mau mißt diesen Winkel, indem man den 
Magnet umlegt und die Hälfte des Richtungs- 
unterschiedes der Spiegelnormale in diesen bei- 
den Stellungen nimmt. 

Nun scheint es vielleicht auf den ersten 
Blick, als ob die Umlegung des Magnets zwi- 
schen den beiden Ablesungen, bei welcher man 
in der That die genaue Drehung um 180® nicht 
garantiren kann, eine größere Fehlerquelle be- 
wirkte. Allein dem ist nicht so. Denn es ist 
bei dem Magnet der Cosinus des Ablenkungs- 
winkels, welcher in Betracht kommt, und da 
dieser Winkel in unserem Falle etwa 2,5® be- 
trug, so bewirkt eine Unsicherheit desselben von 
10' nur etwa 0,0001 Aenderung des Cosinus. 

Nennt man e^ und e^ die oben und unten 
gemessenen Fadenabstände , l die Länge der 
Fäden, m die Masse sämmtlicher an den Fäden 
aufgehangener Teile und g die Sehwerbeschleu- 
nigung, so hat man das Product aus Stabmag- 
netismus und Erdmagnetismus 



87 



I. JtfT=^^mtg«. 

Nördlich oder südlich^) von dem Magnet im 
groBen Abstände a befinde sich eine Magnet- 
nadel, so erfahrt dieselbe durch den Magnet eine 
Ablenkung (p (ebenfalls und gleichzeitig mit a 
als die Hälfte des Unterschiedes der Einstellung 
bei beiden Lagen des Bifilarmagnets gemessen), 
und man hat 

D- jT = a^tgy, 

wonach 

a^ AI tg(p 

Man beobachtet natürlich mit nördlicher und 
südlicher Aufstellung der Nadel und bestimmt 
den Abstand a als die Hälfte der Verschiebung 
des Aufhängefadens der Nadel. 

Die in dem früheren Aufsatze unter Nr. 1 
bis 5 und Nr. 7 hinzugefügten Correctionen 
dieser schematischen Berechnung treten in das 
jetzige Verfahren ebenso ein, wenn man nur M 
anstatt fi schreibt. An Stelle des Ausdrucks 
unter Nr. 6 ist aber zu setzen 



^V^^äO 



1) Es bedarf kaum der Bemerkung, daß man die 
Nadel auch östlich und westlich aufstellen kann. Al- 
lein die Anordnung des Versuchs wie oben ist die vorteil- 
haftere, wenn wie bei meinen Instrumenten die Nadel 
aus einem magnetisirten Stahlspiegel besteht. . 



88 

worin d den Polabstaud des Magnets bedeutet. 
Mit geringer Unsicherheit mag man d gleich 
6/7 der Magnetlänge annehmen oder maa er- 
mittelt diese Größe wie bekannt durch Ablen- 
knngsbeobachtangen aus zwei Abständen. 

Ueber den Einfluß der Biegungselasticität der 
Aufhängefäden, der im früheren Aufsatze nicht 
berücksichtigt wurde, sei noch bemerkt, daß 
man denselben in Rechnung setzt , wenn man 
von der gemessenen Fadenlänge den Ausdruck 
abzieht 



Y p 



Darin bedeutet q den Halbmesser des Drahtes, 
E seinen Elasticitätsmodul und p die Spannung 
eines Drahtes in Kilogrammgewichten. Für un- 
seren Messingdraht vom Halbmesser q = 0,03 mm 

und mit dem Elasticitätsmodul E = 9000 — ^ 

qmm 

und p = 0,084 beträgt diese Correction 0,5 mm. 
Eine Messung ergab am 16. Februar d. J. 

die Fadenlänge l = 2660,9 mm 

den oberen und unteren Faden- 
abstand e^ = 99,56 «2 = 100,10 mm 

die Masse der aufgehängten Teile m = 168130 mg 

das elastische Torsionsmoment 

eines Fadens s = 20000 

den Polabstand des Magnets ä = 136 mm 

den Nadelmagnetismus im Ver- 
hältnis zum Erdmagnetismus k = 165000 

das Torsionsverhältnis des Nadel- 
fadens e = 0,0002 

den Abstand der Nadel vom 

Bifilarmagnetometer a = 900,0 mm 



89 

die Ablenkung des Bifilarmagne- 

tometers tga = 0,04488 

die gleichzeitige Ablenkung der 

Nadel tg ^ = 0,02502. 

Hieraus wird die Horizoutalintensität T be- 
rechnet nach (vgl. Nachr. 1881 S. 289) 

J2 ^ 



(^^+2.)i. 



iig»('~*r')<°°"~''''°'<"'' 



als 

T == 1,938 (mm, mg, sec.)i 
Würzburg, 19. Februar 1882. 



Beiträge zur Theorie der Flächen mit 
besondere r Bücksicht auf dieMinimal- 

f lachen. 

Von 
A. Enneper. 

in. 

Das in I aufgestellte Theorem gibt zu wei- 
teren Ausfuhrungen Veranlassung, von denen 
namentlich einige Beziehungen der Eugelfläche 
zu den Minimalflächen von besonderem Interesse 
sind. 

Die folgenden Untersuchungen betrachten 
eine dieser Beziehungen, welche auf isometrischen, 
orthogonalen Coordinatensystemen auf der Kugel- 
fläche beruht. Nach Erwähnung eines allge- 



90 

meinero Satzes, soll eia Panct einer Kugelfläche 
durch die Argumente isometrischer Krümmungs- 
linien definirt werden. Die analytischen Ent- 
wicklungen haben eine merkwürdige Analogie 
mit der analytischen Bestimmung der Minimal- 
flächen mit Hülfe ihrer Krümmungslinien. 

Sind u und v die Argumente der Krümmungs- 
linien der Fläche S^ so hat man JP" = and 
D' = 0. 

Die Gleichungen 2) und 5) von I geben dann : 

und : 

Die folgenden Gleichungen sind der allge- 
meinen Theorie der Flächen entnommen und 
sollen ohne weitere Deduction hier angeführt 
werden ; 



1 \\d^E _ \lEdr' 



ß~ 



2) 



r' r"y dv r'* d»' 

\r" r') du ~ r"* du ' 
1 dSl'E 1 d\jQ 

3) d^^+d^ + ^ = 0. 
dv du r'r" 



4) 



'd^ _ E l dEdx ]_dEdx 

1^2 — ;7C08« + 2EdJ7 dtt 2G dv dv' 

dv* ~ r""^^" -' 2Edü du'^ 2G dv dv' 



91 

„ d'x IdEdj^ , IdGdx 

dudv E dv du^ G du dv' 

Die Gleicliaiigen 4) und 5) geben sechs wei- 
tere Gleichungen durch Vertauschuug von x und 
a snccessive mit y und &, sowie mit ^ und c. 

Entsprechen den Erümmungslinien der Fläche 
!S ebenfalls Erümmungslinien auf der Fläche S^, 
so hat man: 



F, = 0, d; =0, j, ^ s/E,a,. 



Mit Hülfe dieser Gleichungen und der Glei- 
chungen 1) reduciren sich die beiden ersten 
Gleichungen 9) von I auf: 

/>x E E^ G^ G^ 

^ ;^ "" ^' ^ "^ <** 

Es sei gleichzeitig G = E und G^ =^ E^^ 
die Gleichungen 9) geben dann : 



(&)■ = fö) '• 



Wenn r" = r', so ist entweder r'/ = r\ 
oder r'/ = — ^i , die Fläche S^ ist dann ent- 
weder — wie die Fläche S — eine Kugelfläche, 
oder eine Minimalfläche. 

Der Einfachheit halber mögen die Cmven- 
systeme, für welche JP = und G = E ist, 
isometrische heifien. Aus dem Vorstehen- 
den folgt: 



92 

Zwei Flächen S und S^ mögen sich 
so entsprechen, daß die I^^ormale n in 
zwei correspondiren den Puncten pa- 
rallel sind. Sollen isometrischeu 
Kriimmungslinien der Fläche S eben- 
falls isometrische Krümmungslinien 
der Fläche S^ entsprechen, so ist das 
Quadrat des Quotienten der Hanpt- 
krü mmungshalbmesser in zwei corre- 
spondirenden Puncten beider Flächen 
gleich. Ist die Fläche S eine Engel- 
fläche, so ist die Fläche S^ wieder eine 
Kugelfläche oder eine Minimalfläche. 

Nach Herleitung dieses Satzes sollen auf ei- 
ner Kugelfläche alle möglichen orthogonalen, 
isometrischen Coordinatensysteme bestimmt wer- 
den. Da auf einer Kugelfläche jede Curve Krüm- 
mungslinie ist, so kann man sich der Gleichungen 
3), 4) und 5) bedienen. In den Gleichungen 
2) verschwinden beide Seiten wegen r' = r" = 
constans. 

Ist g eine Gonstante , so hat man allgemein 
rV" = g^ für eine, auf einer Kugelfläche ex- 

{)licabele Fläche. Die Gleichung 3) wird dann 
ür ö = E: 

dnogE d^ogE 2E _ 



1) Handelt es sich darum direct die Coordinaten 
eines Punctes einer Minimalfläche durch die Argumente 
der Erümmungslinien auszudrücken, so hat man in den 
Gleichungen 2) r" = — r'. Man kann dann , unbe- 
schadet der Allgemeinheit, r' := E = G nehmen. Aus 
8) ergibt sich dann zur Bestimmung von JS die par- 
tielle Differentialgleichung 



93 

Fährt man die Variabeln p und g durch die 
Gleichungen: 

8) p ^=z u-\'Vi, q ^= u — vi, 

ein, wo i = V — 1» s^ ^^^^ ^^^ Gleichung 7): 

d^loaE . E 

Das Integral dieser Gleichung hat bekannt- 
lich zuerst Hr. Liouville aufgestellt, man 
kann dasselbe auf folgende Form bringen: 

10) £=V(-r:p|^, 

wo, wie in 11, 

Nimmt man in den Gleichungen 4) G = E 
und r" = r', so folgt durch Subtraction : 

d^x_ d^x _ 1 dEdx 1 dEdx 
du^ dv^ Edu du E dv dv' 



c^Mog— d'log— 

d^*~ "^ du^ + :^ ^ ^' 

Diese Gleichung zeigt eine merkwürdige Analogie mit 
der Gleichung 7). 

1) Die erste Integration der Gleichung 9) findet 
sich auf pag. 597 der Application de Tanalyse k la 
göometrie. Par G. Monge. Cinquifeme Edition. Paris 
1850. £ine Vereinfachung des Resultats ist im Journal 
de Mathematiqnes. Annee 1853, Tome XVIII, pag. 71 
enthalten. 



94 

Die Gleichung 5) gibt G = E gesetzt: 

d^x _ i^dEdx IdEdx 
dudv E dv du Edu dv' 

Führt man in diese beiden Gleichungen p 
und q als Variabelen aus 8) ein, so folgt: 

(^ , d^^\ p _ dEd^ dEdx 
W ^(Z'^ ' ~ dpdp'^ dq dq' 

fd'^x d^x\- dEdx dEdx 
\dp^ dq^/ dp dp dq dq 

Die Summe und Differenz der vorstehenden 
Gleichungen gibt: 

d^x ^ dxdE ^ d^x ^ dxdE 
dp^ dp dp dq^ dq dq 

Diese Gleichungen lassen sich direct inte- 
griren. Es sei Pj eine Function von p oder P, 
$j eine Function von q oder Q^ durch Inte- 
gration der obigen Gleichungen folgt: 

dx _ EQj^ dx _ EPj^ 
äp~ Q* ' dq~ F ' 

Es sind die Nenner Q* und P* bei den ar- 
bitrairen Functionen Q^ und P^ zur Verein- 
fachung der Rechnung beigefügt. Die Substi- 
tution des Werthes von E aus 10) in die Glei- 
chungen 11) gibt: 

dx ^ ig^FQ^ dx _ Ag^ Q' P^ 

dp ~ {i+PQr dq ~ (l+PQf 

Ninimt man P und Q als unabhängige Ya- 
riabele> so ist: 



95 

^ rfP (i + P<2)*' <i(2 (i + PQ)*' 

Der doppelte Werth von -7:^7^ aus diesen 

aPaQ 

Gleichungen gibt: 
13) 

Diese Gleichung erst nach P dann nach Q 
differentiirt gibt: 

•* — M — s^"^' 

Jede Seite dieser Gleichung muß coustant sein. 
Bezeichnet man die Constante durch — Z, 

so ist: 

4p' -^^. «1'-^«. 

Sind ?j und Zg Constanten, so gibt die Inte- 
gration 



96 



oder auch: 



dP~ P« P»' 

,«f L_?^ 

Bedeuten ?' und Z" Constanten, so folgt durch 
Integration der vorstehenden Gleichungen: 

?± — 7' -L 1 4- 11. 



oder: 



14) 



P^ = Z'pa + iP+i^, 

Qx = ^"<2* + ^<? + «9 • 



Diese Werthe von P^ und ^^ in die Gleichung 
13) gesetzt geben: 

Die Gleichungen 14) werden hierdurch: 

Q^ = rq^^iQ — v, 

Mit Hülfe dieser Gleichungen gehn die Glei- 
chungen 12) in folgende über: 



97 

^ _ i„« ^'^* + ^^ - ^" 
dP~^ (1 + PQ)' ' 

dQ ~^ (1 + P«)» * 

Ganz analog ergeben sich die folgenden Glei- 
changen, in welchen m', m" and n', n" Con- 
stanten sind. 



16) 



17) 



dP ^ (1 + P0* "' 

1^ _ m"P* + mP—m' 
dQ~ ^ ~~(r+PQ)» 

^ — A , w'^' +n Q — n" 
\dP ^ (l+P^)* ' 

d« _ »"P« 4- nP — n' 



Die Relationen zwischen den nenn Constanten 
Z, m, n etc. erhält man leicht auf folgende Art. 
In die Gleichungen Q =s E und JP = 0, oder: 

(^y,(äiY(d.Y ^ ^.,__^'_ 

vd«/ ^ \dJ ^ \du/ ^ (1 + P<2)* ' 

(dxy (dyy (d^Y _ 4^,_Z.<L_ 



dx dx , dy dti , de de 
dudv dudv dudv 

führe man aas 8) p nnd q, darauf P and Q als 

8 



98 

unabhäugige Variabeln ein. Die obigen Glei- 
chungen werden dann: 

(§)"+(i)'+©'-». 

(S)'+(|)'+(|)"=«. 

dx dx dy dy de dz 2g^ 



dPdQ^dPdQ ' dPdQ (i^PQy' 

Diese Gleichungen geben in Verbindung mit 
den Gleichungen 15), 16) und 17): 

7'2 -1-^'« -I- w'2 = 0, Z"« + m"« + n"« = 0. 
IV + mm'+nn' = 0, IV' + wm" + ww" = 0. 
18) { V V* + m*m'* + n' w" = r^. 

^2+1^2 -|-n« = 1 



45^' 



Durch die Winkel «, /J, y; «',/»', y'; a", 
ß*\ y" seien drei, zu einander orthogonale, 
Richtungen bestimmt. Es seien h* und h** zwei 
reelle Gonstanten, welche durch die Gleichung: 

19) Ä'Ä" = 1 

mit einander verbunden sind. Die Gleichungen 
18) lassen sich dann durch die folgenden er- 
setzen : 

l m n 1 

cos« cos/J cosy 2g' 



99 

4gV = h'(cosa' -^ icoBa") ^ 
igm' = *'(C0SiJ' + 7C08|8")i 

4gnf = h'{cosy* -{-icosy"). 
4gl** = Ä"(cosa' — icosa"), 

4gn^ sr Ä"(cosy' — icosy"). 

Die Winkel, a^ ß^ y etc. beziehn sich nur 
anf eine Drehnng des CoordinateiiBystems. Man 
kann daher die Gleichungen für die Constanten 
I, m, n etc. durch die folgenden einfacheren 
ersetzen : 

1 
Z = 0, w = 0, w = — TT-« 

2g 

20) {V = -A ^' = !1, ^- = 0. 

Setzt man in den Gleichungen 4) G = E^ 
80 geben dieselben addirt: 

Nimmt man die Gleichung der Eugelfläche 
in der Form: 

80 ist: 

X 

cosa = ±— , r' = r" =i :i:q. 
9 

8* 



100 



Die Gleicbuug 21) Vfird hierdurch: 

di^^'d^~ g^ ^' 

Mit Rücksicht auf die GleichuDgen 8) und 
10) gibt die vorstehende Gleichung: 



X =s 



(1 + PQ)2 d^x 



2 



dPdQ' 



Unter Zuziehung einer der Gleichungen 15) 
nimmt die vorstehende Gleichung für x fol- 
gende Form an: 



22) X = — ig 






Durch Vertauschung von Z, Z', V* mit w, in\ 
m** und w, w', n" ergeben sich die respectiven 
Werthe von y und e. In den so erhaltenen. 
Gleichungen lasse mau die Vereinfachungen ein- 
treten, welche durch die Gleichungen 20) be- 
dingt sind. Da P und Q beliebige Functionen 
von p und q sind, so kann man h'P und h"Q 
einfach durch P und Q ersetzen , wegen der 
Gleichung 19) bleibt dann das Product PQ un- 
verändert. Hieraus folgt, daß man in den Glei- 
chungen 20) einfach h' =s %'' =s= 1 nehmen 
kann. Mit Bücksicht hierauf geben dann die 
Gleichungen 20), in Verbindung mit der Glei- 
chung 22) und zwei analogen Gleichungen: 



X 






il-{-PQ' g l-\-PQ' 



101 

Durch -diese Gleichangen ist ein Panct eioer 
Eagelfiäche mit dem Radias g allgemein darch 
isometrische Goordiuaten defiuirt. 

Als eine Anwendung der Gleichungen 23) 
nehme man: 

24) P = tang(^amp), Q = tang(^am9). 
Setzt man zur Vereinfachung: 

25) amp = «, amg = /?, 

80 geben die Gleichungen 23), 24) und 25): 

sm— ^ — I • Ä 

X 2 sin a -|" sm p 



g a — ß 14- cos (« — ß)' 

cos — - — 



y l^'^'T" 1 sm{a — ß) 



g i a — ß il + C08(a — ß) 
cos — - — 



a + ß 

2 C08a-j-C0Sj3 

a — ß 1 + cos (« — ß)* 

cos --^ — 



Man setze in diesen Gleichungen nach 8) 
und 25): 

a = am(w + t;i), /^ = am(w — vi) 

nnd drücke die elliptischen Functionen mit den 
Argumenten u-^vi und u ~ vi durch die Fune- 



102 



tioneu der Argumente u und vi aus« Es folgt 
dann: 



X 

9 

9 

z 

9 



sin am u^ am t;« 



cos am VI 



//amM.Binami;i 
icosamt;t 



cos am u 



cos am m 



Führt man noch statt der elliptischen Func- 
tionen mit dem imaginären Argument vi die 
entsprechenden Functionen mit dem reellen Ar- 
gumente V ein, bezeichnet den Modul durch Jc^ 
den Gomplementärmodul durch h^ so folgt: 



X 



sin am {u^ k) J am (v, Je') , 



— = ^am(w, Ä;)sinam(t;, Ä'), 

- = cosam(w, Ä?)cosam(t;, fc')- 

Die vorstehenden Gleichungen, eines spe- 
ciellen Falles der allgemeinen Gleichungen 23), 
hat der Verfasser zuerst in der Zeitschrift 
für Mathematik, BandXXIV, 1879, pag. 256 
mitgetheilt. 

IV. 

In den »Nachrichten« aus dem Jahre 1870 
hat der Verfasser in dem Aufsatz »Ueber eine 
Erweiterung des Begriffs von Parallelflächen« 



103 

die allgemeinsten Gleichungen zwischen den Goor- 
djnaten zweier correspondirenden Puncte von 
zwei Flächen S und S^ aufgestellt, welche in 
den correspondirenden Puncten parallele Nor- 
malen haben. Die gegebenen Relationen ge- 
winnen sehr an Einfachheit, wenn der Punct 
(^1 y* ^) der Fläche S durch die Argumente u 
und V der Erümmungslinien bestimmt wird. Es 
sollen hierbei die in I gebrauchten Bezeich- 
nangen beibehalten werden, zu denen noch die 
Gleichungen 1) bis 5) von III treten. Sind 
dann {x^ y, js) und {x^, ^^ , /s^) die correspon- 
direnden Puncte der beiden Flächen S und 5^, 
so bestehn die folgenden Gleichungen, in denen 
t eine unbestimmte Function von u und v be- 
zeichnet : 

, ^ r* dt dx y" dt dx 

^ ' Edudu G dvdv 

.V / . . r r'dtdy r*' dt dy 

^ ^^^ ^ ^ Edudu G dvdv 

r' dt ds r** dt dz 
^ ^ Edudu G dvdv 

Zu den Gleichungen 1) bis 5) von III füge 
man noch die folgenden bei: 

dfcosa \ dx dcosa 1 dx 

du r*du^ dv r** dv 

Mit Bücksicht auf diese Gleichungen diffe- 
rentiire man die Gleichung für x^ nach u und 
V. Znr Vereinfachung führe man folgende Be- 
nennungen ein: 



104 



3) Z = 

dH dtr^ d \/E ^dt^*^ d^sjQ 
dudv dud'Jßjdv r' ävSjGdu"^' 

4) L, = 

V r-y^ du\)jEM Gdv dv 

5)' L, = 

(. ^W ä rr" dt^ r'dtd\lQ 

\ r"P dv\^^Qdv) Edu ^u 

Die bemerkten Differentialqnotienten laasen 
sich auf folgende Art darstellen: 



6) 



du 
dv 



Z/j dx r**Ldx 
^du G dv' 

r'L dx L^ dx 
~~E dü'^ ^dv* 



Diese Gleichungen geben: 



7) 






Hieraus folgt: 



105 



T T 



8) \JE^G,-F\ = L,L,-=LK 

Hit Hülfe der Gleichangen 6) nnd der vor- 
stehenden leitet man noch die folgenden ab, wo- 
bei die Gleichnngen 2) and aas III die Glei- 
cbangen 1) bis 5) za beachten sind: 



9) 



S/E^Gi-Fl r" 

_^i __r 

\/E,G,-Fl - ^- 
Die Gleichungen 7), 8) und 9) geben noch: 

Mit Hülfe dieser Gleichungen kann man wie- 
der das in I aufgestellte Theorem beweisen, der 
Verfasser hat den bemerkten Satz vor längeren 
Jahren auf diesem Wege gefunden. SoU^^ =0 
sein, so gibt die dritte Gleichung 7) Zr = 
oder: 

Für die erste Annahme ist nach der dritten 
Gleichung 9) auch D\ »s 0. Den Erümmungs- 
linien von S entsprecnen auf 8^ wieder Erüm- 



106 

mangslinien. Die zweite Annahme gibt nach 

10) fuf 8^ eine Minimalfläche. 

Die obigen Formeln nehmen für eine Kugel- 
fläche besonders einfache Formen an. Die Glei- 
chung der Eugelfläche sei: 

11) x^+y^ + e^ == gr». 
Nimmt man: 

X , y 
cosa = , cos6 = , cosc = , 

9 9 9 

so ist nach 2) r* = r" = g. Wird zur Ver- 
einfachung g — t ^= T genommen , so werden 
die Gleichungen 1): 

^^ g '^ Edudu'^Gdv dv 

^ "^ ~ 9 Edu du'^ Gdvdv' 

^ gf "• Edu du^ G dv dv 

Die Gleichungen 3), 4) und 5) geben 5^ — ^ = T, 
r' = r** = g gesetzt: 

13) ^L = 

dudv 2Edu dv 26? dv du ' 

g 

y^ '^ du-' iE du du'^ mdv dv ' 



107 
.5) Lfi. 

g^ "^ rft;"2 + 2£dw dw 2G dt; dv ' 

V. 

Legt man für die Engelfläche isometrische 
Goordinaten zu Grande, so gestatten die in III 
imd IV gegebenen Entwicklungen die Goordi- 
naten eines Punctes einer Minimalfläche mit 
Hülfe der bemerkten Goordinaten auszudrücken. 
Es ergeben sich dann allgemeine Gleichungen, 
die insofern Ton Interesse sind, als sie die ana- 
lytischen Definitionen der Minimalflächen durch 
Krümoiungslinien oder durch asymptotische Li- 
nien als besondere Fälle enthalten. 

Txa G = E geben die Gleichungen 13), 14) 
und 15) von IV die folgenden: 

1) -L = 

ä*T 1 äTäE 1 dTdE 
dudv 2Edu dv 2E dv du' 

2) {L,+lJ^^ 

2TE d*T d*T 
g* "^ du* "^ dv*' 

3) iL,-L,)^^ 

d«r_d^r l dTdE i^ dTdE 
du* 'dv* ~ Edu du E dv dv' 



108 

In die vorstebeDden Gleichougen setze man, 
infolge der Gleichungen 8) und 10) von III, 

4) U'\'V-i =p\ u — tn = (/. 

Wegen des in U vorkommenden Nenners ist 
es besser statt T eine andere Quantität B durch 
die Gleichung: 

6) ^ = npp^ 

einzuführen. In den Gleichungen 2) and 3) 
nehme man nach 5): 

7) (1 + PQ)^ =2\/FQ'. 

Auf die ang^ebene Art treten an Stelle der 
Gleichungen 1), 2), 3) die folgenden, in denen 
zur Vereinfachung P und Q statt p und q zu 
unabhängigen Yariabeln genommen sind: 



8) -(l+PQ)^- = 

V 

dn\P'dnJ ^ da\Ü' 



dM\ 
dp\FdpJ "* dq\Q' äq) 



dP^ ^ dQ* 
9) 9 



L,+L, 



^^^^^^(iPdQ~ dP~^dQ^ 



109 



10) ii^PQ)h:rSA^=. 

dp\P'dp)^^ dq\Q'dQJ ~ 

d^R d*R 

dP*^^ dQ^ 

Die Gleichungen 23) von III geben: 

g i+P(2' g il + PQ' g l-hPQ' 

Man gnbstitnire hieraus die Wertbe von x, 
y und s in die Gleichungen 12) von HL Mit 
Hülfe der Gleichungen 4), 5) und 6) erhält man 
für x^i y^ und e^ folgende Gleichungen: 

2«! (1 + PQ) = 

^(P+<2)B + (l-P*)^^ + (l-e»)g 

2ty,(l + PQ) = 
11) ( dR du 

\(P-(2)R-(i+P*)^~p + (i4-<2«)^ 

0, (1 + PQ) = 

Soll die Fläche iSj eine Minimalfläehe sein, 
so verschwipdet in der Gleichung 10) von IV 
die rechte Seite. Da nun r* == r" und JE = ö, 
so ist 



110 
L,-\~L^ = 0. 

Wegen der Gleichung 9) ist also für eine 
Minimalfläche : 

Die Integration dieser partiellen Differential- 
gleichung bietet keine Schwierigkeit dar. Setzt 
man zur Abkürzung : 

' \+PQdP» ~ '' 1 + PQdQ' ~ " 

so geben die Gleichnngen 11) nach P und Q 
di£Perentiirt nnter Zuziehung der Gleichung 12): 

dx^ _1—P» dx^ __ 1— Q» p 

TP ~ "l"^»' dQ ~ 2 ^" 

^^^ <* dP = 2~-^>'* W -^-^»' 

Zur Bestimmung der Werthe von x^ , y^ 
und e^ kann man sich der Gleichungen 11) 
oder 14) bedienen, im ersteren Falle erfordert 
die Rechnung die vollständige Herstellung des 
Werthes von iJ mittels der partiellen Differen- 
tialgleichung 12). Die Gleichung 12) nach P 
differentiirt gibt: 

^^^^'dP^dQ ^dP* -" 



111 

oder: 

d / 1 d^M\ _ 

Ebenso gibt die Gleichang 12) durch Diffe- 
rentiation nach Q: 

d f l d*B\ _ 

Bezeichnet P^ eine beliebige Fanction von 
p oder P, ist ^1 nur von q oder Q abhängig, 
80 geben die Gleichungen 15) und 16): 

17)_L_^ P _I_^=._o 

' l-\-PQdP»~ ^' 1-i-PQdQ* ^^' 

Will man den Werth von It ohne Integral- 
zeicheD darstellen, so hat man in 17): 

^^^ ^' ^ dP^' ^' ^ W 

zu setzen, wo nur von P, V nur von Q ab- 
IiäDgt. Die Gleichungen 13) und 17) geben: 

19) -E^=P^, -R, = Q,. 

Nimmt mau wieder p und q als unabhän- 
gige Yariabeln, so geben die Gleichungen 14) 
and 19): 

I dx, _ P«-l p j^ dx, _ (3«-l 

20) i^^-?-!±Ap P' i^—9!+l.o 0' 

^>^dp- 2 ^'^''dq- 2 ^^^' 



112 

Da nun: 

dXj^ dx^ dx<^ dx^ . (dx^ dx^ \ 

du dp dg ' dv ^dp dq ^^ 

80 erhält mau leicht direct, mit Hülfe der 
Gleichungen 20): 

21) E, = a, = {\ + PQyP,FQ,Q'. 

Mau kann den Werthen von x^^ y^ und e^ 
verschiedene Formen geben, deren drei erwähnt 
werden sollen. Sieht man in den Gleichungen 
20) P^ und Q^ respective als Functionen von 
P und Q an, setzt: 

Pdp = dP, Q*dq = dQ, 

so folgt durch Integration: 



/ 



22) \iy, = f^-P,dP-f^^Q,dQ. 

\ = JpPtdP + jQQ.dQ. 

Die rechten Seiten dieser Gleichungen lassen 
sich nach 18) auch ohne Integralzeichen dar- 
stellen. Sollen u und v die Argumente der 
Eriimmungslinien sein, so ist nach der dritten 
Gleichung 9) von IV D[ = 0, also dann i = 0. 
Die Gleichungen 8) und 17) geben dann: 

r^P.^Q'^Q, = 0, 
oder 



113 

Jede Seite dieser Gleichung muß constant 
sein. Nimmt man die Constante einfach gleich 
^, 80 geben die Gleichungen 20): 

Sind u und v die Argumente der asymptoti- 
schen Linien, so geben die beiden ersten Glei- 
chungen 9) von III 2>^ = 0, D;' = also 
£i =« und ig = 0. Für die Gleichungen 
20) ist nun allgemein L^ + L^ = 0, für die 
asymptotischen Linien muß also auch L^ — L^ = 
Bein. Wegen der Gleichungen 10) und 17) ist 
dann: 

Nach 21) mußJE^i = G^ positiv sein. Man 
kann also die Gleichung 24) durch: 



enetzen. Die Qleicbungeu 20) irebea in diesem 
Falle: 



'' j 



-- '- 






114 

I 

Für die beiden Systeme 23) und 25) wird i 

die Doppelgleichung 21): 1 

(1 + PQy 

E, = G, = -4p^- 

Man findet so den bekannten Satz wieder, 
daß jede Minimalfläche auf einer andern Mini- 
malfiäcbe abwickelbar ist, so daß den Krüm- 
muDgslinien der einen Fläche die asymptotischen 
Linien der andern Fläche entsprechen. 

Die beiden Functionen P^ uud Q^ der Glei- 
chungen 17) sind die beiden beliebigen Func- 
tionen, welche das Integral der Gleichung 12) 
enthält. Will man die Gleichung 12) vollstän- 
dig integriren, so kann man sich der Gleichungen 
17) und 18) bedienen. Ist Q^ nur von Q und 
P» nur von P abhängig, so geben die bemerkten 
Gleichungen durch Integration: 

26) 

Bildet man hierans den doppelten Werth von 
d^B ... 



27) 



115 
dPdQ 



d*0 dO dQ, _ 

dP» "•" dP "•■ dQ 

d^f dV dP^ 
^ dQ» '^ dQ~^ dP' 

Bedeutet h eine Constante, so folgt: 

dP. d*0 dO 

dP dP» ^dP^ 

dQ -~^dQ^ +dg+'^' 
Diese Gleichungen geben integrirt: 

P, P^ + 20 + hP+2m, 

28) 

Q, = -Q~-]-2'P+hQ + 2n, 

«0 m und n Constanten sind. 

Dnter Zuziehung der Gleichungen 26), 27) 
mid 28) gibt die Gleichung 12): 

+ 2P(?/>-+m) + 2(2(®-f-w) + Ä(l~P(2). 

Setzt man diesen Werth von B in die Glei- 
chungen II), so lassen sich die Werthe Von x^, 



116 

y^ und js^ berechuen. Es folgt dann, daß die 
Constanten h^ m und n sich nur auf die Lage 
des Anfangspanctes der Coordinaten beziehn, 
also einfach annullirt werden können. Diese 
Art der Berechnung von a^^ , y^ , ^gr^ ist aber 
ziemlich weitläufig und steht, obgleich anschei- 
nend einfacher, bedeutend an Kürze hinter dem 
Verfahren zurück, welches die Berechnung auf 
die Gleichungen 13), 14) und 17) basirt. 

VI. 

Es könnte den Anschein haben, als ob die 
in V für ein isometrisches Coordinatensystem 
der Eagelfiäche durchgeführten Rechnungen, be- 
deutende Vereinfachungen durch die Wahl ei- 
nes andern Systems erleiden könnten. Diese 
Annahme erweist sich indessen schon als unzu- 
treflFend, wenn ein Punct der Kugelfläche durch 
die beiden ebenen Systeme von Meridianen und 
Parallelkreisen bestimmt wird. Man hat dann 
eine ganz analoge Rechnung wie in V durch- 
zuführen, nur daß an Stelle der allgemeinen 
Functionen P und Q besondere Functionen von 
p und q treten. 

Ohne hierbei in irgend welche Einzelheiten 
der Rechnung einzugehn mögen folgende Resul- 
tate, einer vom Verfasser unternommenen Unter- 
suchung hier kurz angemerkt werden. 

Die Gleichung der Kugelfläche 

ersetze man durch: 

1) X ^ gcosusinv, y = ^ sin w sin t;, Jsi = gcosv. 
Diese Gleichungen geben: 



*,"*. 



117 



2) \fE = gamv, SJG = g, 

Statt V führe mau eine neue Variabele w 
mittels der Gleichung: 



^ w 



3) taug - = e 

ein und setze darauf: 

4) u '\- wi = p^ II — wi =^ q. 

In Folge der Gleichung 10) von IV hat man, 
r* = r** gesetzt, für /S^ als Minimalfläche die 
Gleichung 

5) L,\jG-\^L^slE = 0, 

wo jLi und ig durch die Gleichungen 14) und 
15) bestimmt sind. Für T findet die Gleichung 
statt : 

d'^T T 

6) -— — J ^ - =-. 0. 

dpdq 1 + cos {p — q) 

Sind A, m und n Constanten, ist P^ ^^^^ 
beliebige Function von p^ Qq eine Function von 
g, so ist der Werth von T durch folgende 
Gleichung bestimmt: 

7) [l + cos(p-g)]T = 
^i^{p — i)*[fPodp—fQodq + h] 

+ {sinp + sin qJlfP^ cosp dp +fQo cos g c?g + m] 

— (cosp + cos g)[rPo sinp dp -h/Qo^^^Q^q + w]. 

Die Gleichungen 1) bis 7) sind mit den Glei- 
chungen 12) von IV zu verbinden. Die auszu- 



118 

führenden Rechnungen sind indeß sehr weit- 
läufig. Man kommt dabei zu Gleichungen, die 
sich aus den Gleichungen 22) von V ergeben, 
wenn in denselben: 



P = tang-|, Q = taug| , 
P, = 2(cos|y.Po, Q, = 2(cos|y.<2. 



gesetzt wird. 

In Beziehung auf die Minimalflächen sind 
noch folgende Bemerkungen von Interesse. Legt 
man die Gleichungen 23) von V zu Grunde, so 
ist eine Minimalfläche durch ihre Erümmungs- 
linien definirt. 

Eine solche allgemeine Minimalfläche nehme 
man in den Gleichungen 1) von IV als Fläche 
S, Soll die entsprechende Fläche S^ wieder 
eine Minimalfläcbe sein, also in der Gleichung 
10) von IV die rechte Seite verschwinden, so 
erhält man natürlich kein allgemeineres Resultat, 
als dasjenige , welches in den Gleichungen 22) 
von V enthalten ist. Bemerkenswerth bleibt 
nur, daß die auszuführenden Rechnungen, fast 
identisch mit den in V durchgeführten sind. 
Die Deduction aller Minimalflächen aus einer 
bestimmten durch parallele Normalen fällt ana- 
lytisch mit dem Problem zusammen, alle Mini- 
malflächen durch parallele Normalen für alle 
isometrischen Curvensysteme einer Kugelfläche 
herzuleiten. 

Der in II bemerkte Satz, daß für eine Mi- 
nimalfläche für den Fall planer Erümmungs- 
linien, beide Systeme plan sein müssen läßt sich 



119 

auch als einfache Folgerung aus der folgen- 
den allgemeinen geometrischen Beziehung her- 
leiten. 

In einem Puncte II einer Fläche, 
seien ^^ und ^j, ferner r^ undr, die re- 
spectiven Krümmungsradien undTor- 
sionsradieu der beiden Krümmungs- 
linien, welche sich im Punkte 11 
schneiden. Für eine Minimalfläche 
findet die Gleichung 

statt. 

Bei dieser Gelegenheit möge noch folgender 
Satz angemerkt sein. 

Auf einerMinimalfläche2 sei ^^ der 
Radius des oscul atorischen Kreises 
einer Krümmungslinie im Puncte /Z 
Die Minimalfläche 2 läßt sich auf ei- 
ner andern Minimalfläche abwickeln, 
so daß der Krümmungslinie von ^auf 
2^ eine asymptotische Linie eut* 
spricht (Satz von Bonnet). Ist q\ der 
Krümmungsradius und r*^ der Torsionsra- 
dias der asymptotischen Linie, so besteht die 
Gleichung: 

Führt man nach Laueret den* Begriff des 
Winkels der ganzen Krümmung ein, so läßt sich 
der obige Satz auch wie folgt ausdrücken: 

Der Contingenz Winkel einer Krüm- 
mungslinie einer Minimalfläche geht 
durch Biegung der Fläche in eine an- 



120 

dere Minimalfläche in denWiukel der 
ganzen Erümmnng einer asymptoti- 
schenLinie der zweiten Minimalfläche 
über. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

Kan bittet diese Verzeichnisse zngloich als Empfangsanzeigen ansehen 

zu TvoUen. 



August, September, Oetober 1881. 

FortsetzuDg. 

E. Grassi, Clinica obstetrica. Firenze. 1880. 

D. Gaste lli, II Commenta di Sabbatai Donnolo etc. 

Ebd. 1880. 
W.Förster, Metronomische Beiträge. No. 3. 1881. 4^ 
AbbandluDgen der mathem. -physik. Gl. der Akad. der 

Wiss. zu München. Bd. 14. Abth. 1. 

der philos.-philolog. Gl. Bd. 16. Abth. 1. 

W. von Ghrist, Gedächtnißrede auf L. von Spengel. 

München. 1881. 4®. 
K. Th. Heigel, die Witteisbacher in Schwaben. Ebd. 

1881. 4<». 
Archivos do Museu Nacional. Vol. II. 1877. Vol. III. 

1&78. Rio Janeiro. 4®. 
Tijdschrift voor Indische Taal-, Land- en Yolkenkunde. 

Deel XXVI. Aflev. 2, 5, 6. Batavia. 
Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde. Vijfde 

deel. 1 Stuk. *SGrayenhagen. 
Notulen van de algemeene en Bestuurs-Vergaderingen 

van het Bataviaasch Genootschap yan Künsten en 

Wetenschappen. Deel XVIII. 1880. N. 1. 4. Deel 

XIX. Nr. 1. 1881. 

(Fortsetzung folgt.) 



Fflr dieBedaction verantwortlich: Dr^Bechtd, Director d; Gott. gel. Anz. 

Commissions- Verlag der Dieterich* sehen Yerhga-Buchhandlwtg. 

Druck der JHekrich* sehen Vhiv,' Suchdruckerei (W. Fr» Kaestner). 



121 

Nachriehten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



25. März. M 6. 1882. 



KSugUclie CescHschnft der WisseuchtfteB. 

SitzuDg am 4. März. 

üeber Eryolith, Pachnolith und 
T h o m 8 e n o 11 1 h. 

Von 

C. Xlei«. 

In den Sitzungsberichten der Königl. Bayer. 
Akad. d. Wissenschaften 1882. Heft 1. p. 118 
u. f. theilt Herr Brandl u. A. neue, mit Sorgfalt 
ausgeführt« Analysen der obenstehend genannten 
Mineralien mit, welch' letztere ihm von Herrn 
Prof. Groth in Straßburg in ausgesuchten und 
krystailograpbisch untersuchten Exemplaren zur 
Verfügung gestellt worden waren. 

Der Verfasser findet die nachfolgenden For- 
meln für: 
Kryolith = AlFP.SNaFl. 
Pachnolith = AlFl».CaFl*.NaFl. 
Thomsenolith = AlFl^.Ca Fl^NaFl.H'O. 
Durch diese Untersuchungen ist aUo darge- 
than, daß Pachnolith und Thomsenolith sich in 
der Zusammensetzung durch ein Molekel H^O 
unterscheiden und sonach di^ Qojp^t^tat^n des 

10 



J22 

Pachuoliths sicher gestellt, wodurch die nöthi^e 
Klarheit über dieses Glied der Gruppe gewon- 
nen ist. 

Der Unterzeichnete glaubt diesen Thatbestand, 
ohne den Verdiensten des Herrn Brand! zu nahe 
treten zu wollen , besonders hervorheben zu 
müssen , da es Herrn Brandl nicht bekannt ge- 
wesen zu sein scheint, daß die Constitution 
des k ry stallisirten Kry oliths und des 
Thomsenolith s schon vor seinen dan- 
kenswerthen Untersuchungen voll- 
ständig sicher ermittelt war. 

Herr Brandl fuhrt 1. c. p. 119 vom Kryo- 
lith an: 

»Von seinem Material« (d. h. von den von 
Wöhler untersuchten und als Kryolith ange- 
sehenen Krystallen) »ist jedoch nicht nachge- 
wiesen, daß es identisch war mit den von Websky 
und Dana gemessenen Krystallen.« 

Hierauf ist zu erwidern, daß ich, als ich im 
Jahre 1877 nach Göttingen kam , von Herrn 
Geh.-Rath Wöhler aufgefordert wurde, die noch 
übrigen Krystalle der Kryolithstufe , von der 
die Krystalle 1875 zur Analyse verwandt wor- 
den waren, zu untersuchen. Ich habe mich in 
einer Mittheilung im Neuen Jahrb. f. Minera- 
logie u. s. w. 1877 p. 808, anknüpfend an die 
Zweifel Knop's ^) und die Untersuchungen 
Krenners ^ auf Grund meiner Untersuchungen 
folgendermaßen ausgesprochen : 

»Was zunächst die von Herrn Prof. Wöhler 
untersuchten wasserhellen, würfelartig gebilde- 
ten Krystalle anlangt, so sind dieselben, 
wie auch deren Analyse ergab, Kryo- 

1) N. Jahrb. f. Min. 1876 p. 849 u. f. 

2) N. Jahrb. f. Min. 1877 p. 504 u. f. 



123 

litb, und ich hege im Abschluß an die Meinung 
des Herrn Prof. Krenner nicht den geringsten 
Zweifel, daß Herrn Prof. Websky's Messungen 
an diesem Mineral vorgenommen wurden.« 

In Bezug auf den Thomsenolith (vergl. 
Brandl 1. c. p. 121 unten] stellte ich sicher, daß 
Krystalle von Stufen, die Herrn Geh.-Rath Wöhler 
zur Untersuchung dienten (er nannte das Mineral 
damals Pachnolithj in den sämmtlichen wichti- 
geren Eigenschaften mit Thomsenolith nach 
Krenner's Charakteristik stimmten , wonach die 
von diesem Autor ausgesprochene Vermuthung 
(1. c. p. 506) vollständig bestätigt wird. Als 
ferner von denselben Stufen ausgesuchtes und 
von mir geprüftes Material (Krystalle) von neuem 
durch Herrn Dr. Jannasch hierselbst analysirt 
wurde, führte es auf die von Wöhler ermittelte 
Znsammensetzung für den Thomsenolith (das von 
ihm als Pachnolith bezeichnete Mineral). Diese 
Zusammensetzung wird in moderner Schreibweise 
durch die Formel ausgedrückt, welche auch H. 
Brandl nunmehr für den Thomsenolith angiebt. 
Letzteres Miner al war also damit be- 
reits im Jahre 1877 sicher nach Form 
un d Constitution e rk a n nt. (Vergl. Klein 
1. c. p. 808). 

Den »ächten Pachnolith« konnte ich, 
wie 1. c. p. 809 angegeben, aus Mangel an Ma- 
terial nicht untersuchen und nahm für ihn rück- 
siehtlich der Zusammensetzung Knopfs Ansicht 
als die richtige an. — Durch das unbestrittene 
Verdienst der Herren Brandl und Groth ist die 
Irrigkeit dieser letzteren Ansicht dargethan wor- 
den und damit volle Klarheit in die Sache ge- 
kommen. 

Göttingen, März 1882. 

• • • * ■ *" 

10* 



124 

Kürzere Lieder und poetische Frag- 
mente aus Nä9ir Ebnsran^s Diwan« 

Von 
Prof. Dr. Hermann Eth6. 

Die folgenden Texte mit üebersetzung und 
Noten sind dazu bestimmt, neues Material zur 
Characteristik jenes bedeutsamen Mannes zu lie- 
fern, dessen Leben uud Werke seit ein paar 
Jahren Gegenstand eingebenden Studiums in 
Deutschland wie in Frankreich geworden sind. 
Sie sind ein Anhang zu den bereits veröffent- 
lichten poetischen und Prosa-Erzeugnissen dieses 
großen persischen Didaktikers (dem Rüshan&ir 
näma, von mir herausgegeben in der Z. d. DMG., 
Band 33 u. 34, dem Sctädatnama von Fagnan, 
ebendaselbst Band 34, und dem Safarnäma von 
Schefer, Paris 1881) und zugleich ein Vorläufer 
der von mir in der Zeitschrift zu publicirenden 
größeren Qa9iden aus seinem unendlich reichen 
Dxwän. Die hierzu benutzten Quellen sind: Nr. 
1416 der Sprenger'schen Sammlung zu Berlin 
(mit B. bezeichnet), — Nr. 1378 derselben Samm- 
lung (Persische Anthologie on f. 80 ff., mitZ). be- 
zeichnet); und Nr. 31 der Elliott Collection in der 
Bodleian Library ff. 36—66(0.). Die A. H. 714 
(1314) geschriebene Sammlung seiner Gedichte 
in Nr. 132 der India Office Library ist, da sie 
fast nur längere Qa9!den enthält, hier nur ge- 
legentlich citirt und dann mit A, bezeichnet. 

I. 

a f. 51^ D. f. 86^ _ 

Metrum yJuAr> : — u |u — u— luu — 



vky» j^ «j^ ^ß y^ l5' 



125 

J.*S^- j^ l#/ *!P;^ 

v)i*^ jii* ys^i tyyt- "^^ 

o^ -^; aiy^ »>^»** t5' 

Uebersetzung : 

Warst du all dein Leben lang, wahnbethörter 

Wicht, 
Nicht'gem Wortgeplänkel hold, auf Gesehwätz 

erpicht, 
Wirf vom Rücken endlich doch Thorheit nun, 

und wisse, 

1) C. ^^. 
9) C. d^jb. 
8) C. jüti^ji. 



126 

Schlange ist sie, schwer an Druck, hässlich 

von Gesicht. 
Lernen war von je dir fremd — wie denn 

kannst du reden? 
Kam aus leerem Korbe wohl Gutes je an^s 

Licht ? 
Wissen, durch die That bewährt, heil'ge dich ! 

ob gälih 
Man dich nennt, ob Isma*!P), kümmere dich 

nicht ! 
5. Mit Gedankenlosigkeit laß dich nie in Bund 

ein, 
Daß man nicht gemein von dir und verächt- 
lich spricht! 
Alles magst du laugsam thun, wenu's au EiV 

im Glauben 
Und an Eil' im Wissendrang dir nur nie ge- 
gebricht ! 
Bei des Höchsten Majestät stehst in keiner 

Gunst du. 
Leiste hier auf Fürstengunst endlich drum 

Verzicht ^) ! 

1) Diese Namen scheiDen vom Dichter mit Absicht ge- 
wählt zu seiD als symbolische Bezeichnung der entgegen- 
gesetzten Ansichten, die über N^Qir's Charaoter und reli- 
giöse Anschauungen im Umlauf waren. Als ^alih (mit 
Beziehung auf den qoränischen Qälih, der als Prophet zu 
den Themüditen geschickt wurde) erschien er seinen 
Freunden und Anhängern, als Isma'il seinen Feinden und 
Gegnern, wohl wegen des über ihn verbreiteten Gerüchte, 
daß er ein Ismailit sei, eine Ansicht, die auch die mei- 
sten tadhkiras adoptirt haben. 

2) wörtlich: »wie lange suchst du noch erlauchter 
Fürsten Gunst?« Vergleiche zu diesem Gedanken Capitel 

28 im Sa'ädatnama (ty«!^ t^JLo s^^a^cX^.v^j, in dem das 

Thun und Treiben der Fürsten wie der Qroßen auf's 
schonungsloseste verdammt wird , und folgende Verse im 
Diwan, B. f. 115»> 1. 11 ff. 



127 

Schläfst du hier im Herb^rgsbaus aucb nocb 

rabig weiter, 
Sieh! der Zeiger mahnt dich schon ed des 

Aufbruchs Pflicht^). 

IL 
B. f. 90». Ueberschrift : 

Metrum y^ÜüU: u | o | ^ | o 

Metrom J.^ . : — u | vju | kj\j | va-» — | 

kXXL «^! &?y O^/'^ «'^ '^^ 

,/-J=» i5^ ^^Hiii l5'>» j*-* >*^j^ 



»Der du dich zu jener weiten, hoben Pforte Knecht 

gemacht, 
Schwellengleich ^) an sie dich heftest voll Begierrlt^ 

Tag und Nacht, 
An (las Thor des Fürsten bandest, Thor du, eine Gier, 

die schwerer 
Zq bekämpfen ^) ist, als alle, da sie aller Banden lacht.« 

&) JüJj in zweiten Hemistich im Sinne des arabi- 

sehen xiSim] 

b) ebonso ibI v.,^obo gebraucht im Gulistau, ed. Jubn- 

Bon p. 15. 

1) wörtlich: »siehe, die Zeit des Aufbruchs ist schon 
Dahe herangekommen«. 






t 



3, -.ry^ 



ü 



cr^ 






% •» 












HO '»5 



S 3 




aöthige 
«IIb fibrigen 



129 



t^ jüw ^bli ^ lib (äCi^'l^ 

Üebersetzung: 

Qa^lde zum Preise des Imäm 
Ma8taii9irbilläh, Emirs der Gläubigen, 
Abu Tamim Maadd bin ^Alt. 
Da aus der ganzen Menschheit Gott sich aus- 
erkor Ma*add, 
So grüßt nun auch der Sphärenkreis als Scla- 

venehor Ma'add! 
Gehorsam beut ja dem die Welt, der ganz aus 

freiem Herzen 
So Demuth wie Gehorsam selbst gezollt zuvor 

Ma'add. 
Nur wahre Königsperlen träuft der Regenguß 

hernieder, 
Sobald der Wetterwolke Blick im Lenz er- 
schaut Ma*add. 
Die Rose der Gerechtigkeit brach auf am Weis- 
heitszweige, 
Ward mit des Welthains Pflege doch von 

Gott betraut Ma^add. 



130 

5. Vom Zweig des reichen Segens preist mit 

Davids Melodien 
Die Weisheit im Gesänge nun als Nachtigall 

Ma*add. 
Zur höchsten Herrschaftssphäre steigt der Lauf 

des Glücksgestirnes 
Empor und schenkt als Königreich das Wel- 
tenall Ma^'add. 
Es zollt dem Mächtigen Ehrfurcht stets der 

Knecht — drum leicht erklärt sich's, 
Daß knechtisch selbst der Kön'ge Schaar als 

Herrn erkennt Ma^add ! 
Wer für Ma'add als Herold wirkt, ist größer 

denn Belinäs^), 
Und mächtiger als Gushtäsp ist der, den Pfört- 
ner nennt Ma*add. 
Vereint mit Treu er Schönheit doch, und Edel- 

muth mit Hoheit, 
Drum Preis ihm ! Stetig mehre sich der Jahre 

Zahl Ma'add ! 
10. Und sollte gar zur Herrschaft je Sulaimän 

wiederkehren. 
Er grüßte als Gebieter gleich aus freier Wahl 

Ma^add. 
Ein Thor einst frug mich, als mein Sang zu 

Ohren ihm gekommen, 
»Wodurch denn hat dich solcher Art zum 

Knecht gemacht Ma'add?« 
Er weiß es nicht, daß Khuräsän ich meine süße 

Seele 
Entzogen und zum Sclavendienst sie darge- 
bracht Ma^add; 
Daß frei ich dann erst bin, wenn einst der 

Schaar ich mich geselle, 

1) Beiinas ist am wahrsoheinlicbsten ApoUonias, verfl[l. 
De Sacy, Oirest. arabe, erste Ausg. III, p. 460, note 32, 
und Z. a. DMG. XXIII, p 701 etc. 



131 

Der, zu vollstrecken sein Gebot, als GoDst ge- 
währt Ma'add; 
Der Zeit Gebieter, stolzester der MenscheD, 

er, der Thoren 
und Weise auf den rechten Weg zu gehen 

lehrt, Ma^add. 
15. Drum ew'ges Sein und Herrschermacht sei 

sein in beiden Welten, 
Denn beider Welten Königthum hat Gott be- 

scheert Ma'add! 

Excurszu diesem Loblied an fMufitan^ir. 

Im Folgenden stelle ich einige der haupt- 
sächlichsten auf diesen Fätimidischen Ehaliien 
Egyptens (A. H. 427—487) bezüglichen Verse 
zusammen, die sich in Nä9ir's Diwan oder besser 
— Diwanen — finden, denn in A, f. 111* 1. 17; 
JB. f. 8» 1. 10 und C. f. 37* Randzeile, 11. 30 u. 
31, sagt er ausdrücklich: 

Metrum \^^jsCka\ u | u | u | u | 

»Die zwei Diwane lies von mir — vereint dann 
Erscheint mit *ün§uri dir Buhturi« 

(Abu 'Abdallah alwaltd al- Buhturi starb 
zwischen A. H. 283 u. 285, Abulqasini Hasan 
bin Ahmad 'Ün9uri, der Panegyrist Sultan Mah- 
muds A. H. 431 oder 441). Die hier bestätigte 
Existenz zweier Diwane Nä9ir's erklärt dann 
auch leicht das Fehlen mancher Gedichte von 
A. u. G. in dem als »vollständig« bezeichneten 
Diwane 2f und vice versa. 

Nun zu Ma'add bin *Alt Mustan9ir, dem von 



132 

ISkifit vergötterten Helden der Sbt'ah. In B. f. 
15^ 1. 15 ff. heißt es: _ 

Metrum ^y^: — uu— | — uu— | — u— | 

»Sieh, die Zeit der Dämmerungen ist dahin! 

und rasend schnelle 
Zückt die Sonn' ihr Strahlenschwert schon von 

des Westlands Marken her! 
Zur Verkörperung des Glaubens ist Husain 

uns neu geboren, 
Leicht nun fallt der Shi'ah Gottes jedes Ding, 

ob noch so schwer. 
Wo des Fätimideu Steigriera, wo sein Banner 

siegreich waltet, 
Werden die selbst gottbeschaulich ^) ohne Zwang, 

die einsichtsleer!« 
Die Abfassung dieser Verse scheint mir in 
die Zeit von A. H. 450-451 (A. D. 1058—1059) 
zu fallen, als Albasäsiri sich (8. Dhulqa'dah 450) 
zum Herrn von Baghdad gemacht und dort an 
Stelle des ^Abbäsiden Al*Qä'im den Fätimiden 
Mustan9ir als Souverain proclamirt, vergl. Wü- 
stenfeld, Geschichte der Fatimiden-Chalifen 1881^ 

1) v^) ^^^^ ^"^ Sinne des gleichwerthigen : ÄAdly«, 
Betrachtuog) SpeoulatioD, speoiell in ^üfiichem Sione. 



133 

p. 242; — De Sacy, Chrest. arabo; erste Ausg. 
II, p. 116. Derselben Zeit oder doch wenigstens 
keiner viel späteren gehören auch wohl die 
folgenden Verse an: J8. f. 16* letzte Zeile, und 
16^ 1. 1 : 

Metrum c «Lää | u — u — | ^a^ | u — u— | 

»Unter Arabern, zum Nutzen und zum From- 
men aller Leute, 
Hat der Höchste sprießen lassen einen Baum 

gar edler Art: 
Seine Dornen, Blüth' und Datteln — Tapfer- 

keits sind's, Gut' und Gnade, 
Die an ihm sich, der entsprossen aus der Weis- 
heit Strom, gepaart.« 
Weiter heißt es in demselben Gedichte, auf 
S. 16^ 11. 8 u. 9: 

s>jS ^^ 2d5> i)^^j JL^ cXj oy> J» 

KV 

»Für des Vaters Blut-) am Stamme *Abbäs 

nimmt, den Hungerleidern, 



•• y 



1) &JL^ =;= i5^ ^ff. »trcifigeB, yemenensisches Ge- 
wand. 

3) Dies ist wohl nur poetische Hyperbel, da Mustangirs 



184 

Er, der F&timiden Sonne, Rache mit des Schwer» 

tes Streich; 
Für den Glauben seines Ahnherrn macht von 

Baghdäd bis Aleppo 
Mit der Frevler Blut den Grund er streitigem 

Gewände gleich.« 
Diese triumphirenden Verse können doch 
wohl nur vor dem Einzüge Toj^hrulbegs mit 
dem *Abbäsidenkhalifeu in Baghdäd (im Dhul- 
qa'dah 451) gedichtet sein, also wieder Ende 450 
oder Anfang 451, zu derselben Zeit, wo auch 
ganz Temen durch Abulhasan* Ali den Fätimiden 
gewonnen wurde. Nun war aber Nä9ir zur Zeit 
der Abfassung dieser Zeilen bereits in Tumgän 
und sehnte sich nach Erlösung aus seinem Ker- 
ker, wie der Schlußvers desselben Gedichtes lehrt: 

»Drum erschrick nicht, wenn vom Westen nun 

ihr Haupt erhebt die Sonne, 
Hebst du selbst dein Haupt empor doch dann 

aus Yumgän's Höhlenreich!«*) 
Es müßte also hier entweder eine spätere 
Periode aus der wechselreichen Regierung Mu- 
stan9irs gemeint sein, wogegen aber — wenn 
auch die Fätimiden noch wiederholt Arabien und 
Theile Syriens, z. B. Damaskus, zur Anerkennung 
ihrer Oberhoheit zwangen — doch die directe 

Vater keiDem Feindesschwerte , sondern der Pest erlag, 
siehe Wüstenfeld p. 226 Der in 1. 8 (genannte Ahnherr 
(wörtlich: Großvater) ist natürlich Al-Fiäkim, der von A. 
H. 386 bis 411 regierte und von dem Stifter der Drusen 
zum göttlichen Oberhaupte gestempelt wurde. 

1) wy« wörtlich: Lager eines wilden Thierei. 



135 

Erwähuuug Baghdäds spricht, oder Nä9ir Khubraa 
müßte beträchtlich früher als 456 (das Jahr, wel- 
ches einzig im Däbistän als Datum seiner Flacht 
angegeben wird , siehe Schefer , Introduction, p. 
XLI) nach Ynmgän gekommen sein. Ich bin 
geneigt, das Letztere anzunehmen, zumal uns 
jegliche Ueberlieferung über sein Leben und 
Treiben in den 12 Jahren von 444 bis zu dem 
angeblichen Datum seiner Flucht nach Ynmgän 
fehlt Ferner B. f. 28» 1. 11 ff. 



Metrum ^^^jcss^: u — u— | vjvj | u— v>— | uv>— | 

JuJv3 ,j,*AJ JJ^ 00/ js\j> W.Ä 

jii^^ *^j^ jiy^. ^^ß ^^\^ v*Ä 

^j^ ^Ä ^^^ ci^ z"^- cr^ 

»Es leiht die Liebe Haidars selbst niedren 

Seelen Ehre, 

1) s HasflD und H nsain. 



136 

Und leicht wird selbst das Schwerste fär den, 

der Haidar liebt; 
Es schmückt mit Rnbm das Wort sich durch 

*AU's Lob; — geadelt 
Wird, wer, ob hoch, ob niedrig, sich ihm in 

Lieb' ergiebt. 
Heil ihm, der solchen Wissens als Hoher 

Priester waltet, 
Heil ihm, der dem Propheten Wezir und Freund 

einst war; 
Und Heil auch jenem Boden, deß Frucht Ma^add 

bin ^Ali, 
Und Heil dem Baum, deß Blattwerk das edle 

Brüderpaar ! 
Wem ward von solchem Boden, von solchem 

Baum wohl Kunde? 
Nur ihm, der glückverkündend den Pfad nach 

Eden weist *). 
Dreht um Mu8tan9ir8 Glücksburg sich doch 

das SphärenruDd uur. 
Kein Wunder drum, wenn stets es in gleichem 

Gleise kreist!« 

Jedenfalls in eine frühere Periode, nämlich in 
die Zeit von Nä9irs Aufenthalt in Gairo^ mit 
specieller Beziehung auf das große Volksfest der 
GanalöffuuDg, zu dem der Khalit sich zu Pferde 
begab (siehe Schefer, p. 136 ff.J, fallen die fol- 
genden Verse in B. f. 28^ 11. 18—20. 



1) Nämlich Nä9ir Ehusrau selbst, dem Sänger der 
FatimideD, der ja Aegypten und Mostan^ir aus persönlicher 
Anschauung kannte. In diesem Sinne gefaßt harmonirt 
der Vers mit anderen ähnlichen Ergüssen des Selbstiobes, 
die sich in seinem Diwane finden , wenn er sich z. B. 
den »Kenner der ächten Tradition« oder »denjenigen, den 
Gottes Mund selbst belehrt hat« , nennt und seinen Pfad 
als den besten rühmt, der an's ^wünschte Endciel bringt. 



187 

yOA «Ut ^p^ jAOA (^L>> j^j^^ 

«'(>»^^'^ ^ ^^^ ^;A*« o)^ ^>^jy> 



»Hent aus ihren NilkaDälen, durch den Ritt 

des Gottimftmes, 
Stolz empor ihr Haupt hebt Cairo bis zum 

höchsten Himmelszelt; 
Heute vom Gefühl des Stolzes fühlt das Feuer 

selbst geschwellt sich, 
Wenn vom Roß des Weltimames Staub auf 

seine Funken fällt. 
Heut im Ruhm des Zeitimämes sonnt sich so 

Aegyptens Boden, 
Daß die Sonne er als Saffran sich auf seine 

Wangen hält.« 

Demselben Aufenthalt in Cairo gehören die 
Verse in B. f. 3P an : 

(Metrum Ä.Ua^, wie- in den vorigen Zeilen.) 

^0 ^j]y^ ^ L«>.j ^ *>l,3 

üebersetzen ließe sich freilich aach ( aj^j und tj^j^ 

als Apposition zu den beiden Worten i^n^; ond y^^^^ ^ 

genommen): »von dem , was heil ver kündend den Weg 
naoh Eden wei9<>.«' 

11 



138 

s:;^Lä^ ^U; |J^t ^y >^ er cr^ j^ 

»Von des Dämons Gier und üiibiU fand ich 

Rettang, als ich eintrat 
In die Hofburg des Imämes, der den rechten 

Weg uns lehrt! 
Als sein Licht auf meine Seele strahlend fiel, 

da ward ich plötzlich, 
Der ich finstere Nacht gewesen, in des Früh- 
lichts Glanz verkehrt.« 
Ferner heißt es B. f. 34^ 11. 12, 13, 15 und 
17—20: _ 
Metrum J^. : — u \ yj^ I v^ i ^^^ — 

M 

^^ »jb ^ ^ yf^ ji ^^^ 

1) So statt des im Text stehenden ^ ^^jjj 



139 

»Sag*, wer ist Vicar auf Erden des Verstandes 

— Herr der Menschheit? 
Das kann einzig nur Mastan^ir, 'Ali^s Sohn 

Ma*add, nur sein. 
Bänme sind die Stanbgebornen — da, dn 

bist die trächtige Wolke, 
Doch statt Regen birgt in ihr sich Heil and 

Segen ganz allein. 
Nimmst an Weisheit ja des Ahnherrn, des er- 
lesenen Ahmad, Stelle, 
und an Hoheit die des zweiten Haidar, deines 

Vaters, ein! 
Macht zum Mond der Olaabenssphäre dich 

dein Reiz — durch Weisheitssprüche 
Blühst als Rose frisch am Baum du in des 

Gottgesaudten Hain. 
Finster ganz und rostbezogen ward die Welt 

aus Furcht vor Feinden, 
Heut durch deines Schwertes Spitze soll sie 

strahlen klar und rein! 
Oeffnest selbst du Satans Auge mit dem Schwert 

— mich soll's nicht wundern. 
Leiht dein Angesicht dem Glauben doch ver- 
mehrten Glanz und Schein. 
Feinden bist du Todesschrecken — Hoffnung 

bist du den Bedrängten, 
du Fatum ohne Hoffnung — Hoffnung ohne 

Todespein !« 

In B. f. .44» 1. 5 V. u. ff. u. 44^ 1. 12 findet 
sich ferner folgende Anrede an Mustangir: 

1) So jedenfalls zu lesen statt des im Text stehenden 
UDmetrischen \^\jlmo. 

11* 



140 



MetVQtB 



»Fest in ihren Fundamenten ward dnrch dich 

die Welt des Glaubens, 
Da vor dir sowohl der Kaiser wie ein ^Abbä- 

side bebt; 
Ward uns doch die Weisheit *Alis frisch ver- 

jünjjjt durch deine Werke, 
Des Prophetenthumes Sonne durch dein Ant- 
litz glanzbelebt. 
Hin zn dir durch Gottes Rathschluß kam vom 

fernsten Ehuräsän ich, 
Mit gelass'nera leichten Sinne, der sich Gei- 

stesruh' erstrebt.« 

Ferner B. f. 48» 1. 8 v. u. ff. und 48^ 1. 1 ff. 
Metrum ^j^: '-' I ^ I ^ I 

vil>^ o*-**^' o)^-H o^^' j' ^ r^J 



ux 



»0 Herr, der höchste Weltenberrscher hat 

dich bestimmt zum Weltbezwinger, 
Es herrscht ja zwischen dir und Menschen ein 

Abstand wie von Mensch zu Thier. 
Du bist der wahre Pfad des Glaubens — ein 

Sitz der Wonne bist dem Freund du, 
Doch deinem Feind ein Hollenfeuer — bald 

bist du dies, bald jenes hier. 
Iniäm der Weltgeschöpfe bist du — das Fun- 
dament der Wahrheitslehren, 
Der Stützpunkt der Gedankenfeinheit — die 

Waage Gottes bist du schier. 
Du Krone des Imämenthumes ! was trefflich, 

scha^ort an deiner Tbür sich, — 
Und nenn' ich dich Snlaimän, dient es Su- 

laimän selbst zur Ruhmeszier! 
Dein Antlitz strahlt im Gottheitsglanze — 

des Zeitlaufs Ruhm an Hochsinn bist du, 
Sulaimäns Hoheit, Luqmän's Weisheit — sind 

hundertfach zu schaun in dir. 
Urgrund aller Treu, selbst Hunden gewährest 

Recht du und Erbarmen, ^ * 
Denn Wind und Feujer, Meer und Regen — 
du einst in Schwert und Hand die vier!« 

Anf denselben Mustan9ir gehen dann auch 
die fo]ge«<1en Verse in S. -f &&^ 11. 9 u. 18. 



142 



Metrum J-o^: — u- 



I 



s>U Uxi 3t ^^^ ^y. Uu b 



^ ^X^ vXaö ^Uj ^ bU (jfL> fL»\ ^ 

»Seines Namens Schimmer wandelt zum Juvel 

den Stein, der werthlos, 
Und dem blinden Auge Sehkraft leiht sein 

leuchtend Angesicht; 
Hundertfacher Gruß erschalle allzeit dem Imäm 

der Menschheit, 
Daß vom bloßen Schaun erblinde seines Fein- 
des Augenlicht!« — 

Die spätesten Au spielungen auf Mustan9ir 
finden sich , außer in B. f. 54^ l. 20 , wo der 
(nach 1. 18 inYumgän weilende) Dichter seinen 
Helden mit diesen Worten preist: 

Metrum ^^: ^'<j ^i^ ^\ ^ 

>Wär' Gerechtigkeit und Glücksthum in ein 

einzig Buch vereinigt, 
Sicher trüg' es an der Spitze deinen Namen 

ganz allein;« 

noch in der J5. f. 92* beginnenden Qa5tde, die 
er nach v. 6 (vergl. D. t 90» 1. 7): 







143 

im 60. Lebensjahre, also A. H. 454, verfaBt hat, 
und in der es v. 32 £P. beißt: 

Metrum ^,f^ : — ^^ — — uu— " — ^ — 

»Da Maadd des Weltalls Herz und Gottes 

Antlitz, 
Ward durch seine Hoheit i c h zum Weisheits- 

schaeht ; 
Ruf ich seinen Namen wach in meinem 

Herzen, 
Wandelt flngs mein Winter sich in Lenzes- 
pracht ^). 
Trübsal quält die Leute — doch in Herz und 

Körper 
Hat sein Ruhmesschimmer Ruhe mir ge- 
bracht ^);€ 

und ebenso am Ende des in B. f. 38* (C. f. 52» 
Randzeile; D. f. 91* 1. 1) beginnenden Gedich- 
tes, des Nä9ir nach den Einleitungsworten: 

1) wörtlich: >wird mein Bahman (der 11. persische 
Monat, von Mitte Janaar bis Mitte Februar) znm beglück- 
ten Ne(\jahr (Frählings Tag- und Nachtgleiohe). 

2) Aus demselben Jahro 454 stammt noch ein anderes 
Gedicht N&Qirs, das sich in A, f. 110^ 1. 1., C f. 50* 
Randzeile und D. f. 84<^ findet. 



144 

im 15. Jahre seines Aufenthaltes inYumgäu verr 
faßte. V. 52 — 54 lauten dort so: 

Metrum J^. (mit ganz eigenartigem Schema) : 



u u uu 



(^!jA^-H o'-**^'^ c;^^5/ oy^ 

»Halsring ist mir deine Güte — ist mir dein 

gerechtes Handeln, 
Ganz ein Sclave jeuer ward ich — ward mit 

diesem ganz durchtränkt! 
Auf der Wage des Verstandes ist mir keiner 

gleichgewichtig, 
Da beschwert mit deiner Güte tief sich 

meine Wage senkt. 
Wandeln läßt dein Edelmuth mich nun im 

Paradiesesgarten , 
Der als Blumen mir und Früchte deine Weis- 
heitslehren schenkt.« 

UI. 

JB. f. 48^ Hymne an den Nord- oder Früh- 
lingswind (v3L4^! g^) 

Ein Bruchstück aus einem längeren Frfih- 

1 u* 2) Die beiden in der Handschrift fehlenden Wörter 
•t und ty« habe ich, am das richtige Metrum und in er- 

■terem Falle auch den richtigen Sinn herzastellen , ein- 
geschoben. 



145 

lin$;slied , von dem aber uur die folgenden 8 
baits in B. sich finden, da dort zwischen ff. 48 
and 49 eine Lücke ist. 

Metrum Jwt, ; — w i — <j — — — ^ — — ; — <-< — | 

c^ />>• ^i» >^/ "^J 1,1^ j^ 

^^ Uä-^ jö iljj) j^J /ß 5. 

tfiH ü^ U^^j"^^ ')t5/>?- vö^JliaJj^ 

1) A^XS^jA biei* in (l^ni gewöhnlicheD Sinne von »Be- 
weis för die göttliche Sendung eines Propheten«. Der 
schnell daherfegende Wind ist das Offenbarangszeiohen 
fär den wettdurchstreifenden Khidr, das Symbol der ewig 
neu schaffenden Naturkraft, der daher anch den Beinamen 
f^y^ l*Aä:> *^^^ stets im Grünen Wandelnde« tragt, 

weil überall, wohin sein Fufi tritt, grüne Auen aufsprießen. 
Ebenso ist der Lebenshauch ^L^Ju; 0^ z* ^* ^^^ ^ur- 

b^ für Christi Sendung. 

2) ^ fehlt, wie häufig, in der Handschrifl. 

8) Compositum abstractum, gleichsam : »Feinstoffigkeit.« 



146 

Uebersetzung : 

Heil dir, Nordwind! der den Fruchthain treu 

als Amme hegt, bist du! 
Der die Wolke füllt mit Perlen , der als Roß 

sie trägt ^), bist du ! 
Dorn und Felsgestein belebt sich, wo du auf- 
hauchst — der in's Dasein 
Thiere ruft -) , durch den in PflaDzen Wachs- 

thumsgeist^) sich regt, bist du! 
Flugs begrünt der fiustre Staub sich, läßt du 

deine Schleppe fegen^ 
Drum Beweis für Khidr's Dasein, der die 

Welt durchfegt, bist du ! 
Meeresreiter*) bald und bald auch Wolken- 

reitthier, bald der Oatte, 
Bald die Gattin, die sich bräutlich ihm an's 

Herz gelegt bist du! 



1) wörtlich: »du bist die Materie der Wolke und der 
Boraq der perlenstreaendeo Wolke«; siehe ein ähnliches 
Bild in V. 4, wo der Nordwind bald das Meer als sein 
BoB besteigt, bald selbst der Frühlingswolke als Roß 
dient, aaf dem sie dahinjagt, daher bald das männliche, 
bald das weibliche Element repräseotirt. 

2) eigentlich: »da bist die Matter der Thiere«, da sie 
im Frühling zur Welt gebracht werden. 

8) vergl. dazu Rüshanäinäma vy. 176 u. 186. 

4) oder auch »Nilesreiter«, in welchem Sinne ich ^: 

z- B* in dem folgenden Herbstliede, v. 13, genommen 
habe. 



147 

5. Gold mit Edelstein darchwebst du, grünes 

Glas mit Perlen ^) — Erdstanb 
Ist dein Grundstoff — höchster Meister drum, 

der alle schlägt, bist du! 
Deines unsichtbaren Körpers Kraft ist endlos 

— ird'schem Auge 
ünerschaubar ^) , weil ans feinster Ursubstanz 

geprägt, bist du! 
In den Boden hauchst du Ambra — bunt 

ringsum die Fluren färbst du — 
Der der Erde Müttern allen Specerei abwägt, 

bist du! 
Zugewandt bleibt dir der Rose blutroth Antlitz 

— der Narcisse 
Schlafumfang'nes Aug' — der Herr drum, der 

des Gartens pflegt, bist du!« — 
Eine kurze Frühlingsfeier enthalten auch die 
folgenden Verse B, f. 93» 1. 9 ff.: 



Metrum «-^*<**Jwo : 



uu , u — u — ' ^ u 



«ILm ssMt^^ \^ö^ o'"^ \:yJ*tS 

1) Der Sinn dieser Bilder wird klar durch eine Ver- 
gleichong von vv. 7 und 8. Das Gold ist die rothe Rose, 
die darin gewebten Edelsteine die gelben Staubfaden; 
das grüne Glas (Uuy«) ist der grüne Wiesenteppiob , und 

die Perlen die bunten Blumen, die der Frühling hinein- 
webt. 

2) wörtlich: »du bist zwisoheu den Accidenssen (als 
Gegensatz . zur Substanz), d. h. zwischen den ephemeren 
Erscheinungen der irdischen Welt dem Auge unsichtbar.« 



909 



3) = J^, vergl. Gulistän, übers, v. Graf, p. 202 1.3. 



148 

Uebersetzung: 
»Frisch verjüngt erglänzt der Erdball wie ein 

Enab' im zwölften Jahr, 
Zu Jasmin ward ganz sein Antlitz, Veilchen 

sind sein Lockenhaar. 
Schnellen Laufs aus Indiens Landen ist die 

Nachtigall gekommen^ 
Und die Vögel alle eilen her zu uns nun, 

Schaar auf Schaar.« 
12 Jahre also sind das Alter der Jugend- 
blüthe, daher beißt es auch in demselben Ge- 
dichte weiter unten, I. 15, mit Benutzung genau 
desselben Reimes wie im ersten Hemistich des 
ersten Verses: 

>Wär' nicht yusufgleich die Rose, warum 

stellte wohl im Alter 
Von zwölf Jahren gleich Zalikhä nun der 

Hain auf's Neu sich dar?« 

IV. 

B. f. 47^ 1. 10 flf. Hymne an den Herbst wind 

Anfang einer längeren Qaetde, die im zweiten 
Theil wieder Mustan9irs Loopreis zum Gegen- 
stande hat. 
Metrum -j^: u |u |o 



) «^ 



\j ') jjtU tjä>^ OÜL&J \j ,^ (J^L> ^JOÄ' 



149 

^ILLm fj:^ Jül^ \j ^^.jJoM Jf.ß JJU: 

^iU-o <^L*j^ j^«Xj b^ ^^J^ «.xa 

^yy«-» ^UÄ ji ^ JOS- o)^»>> ^l^- 

yl^ »LS ^^^ ,j;y.j ^L*, ^Li^ jy^ 1^ 

^IjjÄJ IhXJU jyLj;?. ^y^,JÄ \^^\ <iy^j<i 

1) So wohl za lesen statt des in Text stehenden ge- 
bräuchlicheren vjLj^, das naoh dem Metrum keine 

Idafah mit AU^jSAj zulassen würde. 

2) Ist »««^ richtig, dann ist die Construetion : »Die 

Narcisse rüstet mit Zauberei ihren Majlis her, wie schöne 
Liebchen mit Schelmenblicken.«- Lesen wir »^^ so würde 

^ leio : »wie mit den Schelmenblioken schöner Lieboben« 
(» Annexion). 



150 

j>^ J^; chy^y^ o^ß *Ä-tjr v;>c>^0) 

Uebersetzung: 

Einher nun stürmt Novemberwind ^) , so wild, 

so kalt, so zornentbrannt, 
Er jagt von Park und grüner Au hinweg der 

Sommersonne *) Brand. 
Er schließt der Nachtigall den Mund, er stillt 

den Sangessturni der Vögel, 
Er zaust der Hyacinthe Ohr, gebeut mit herrsch- 

gewalt'ger Hand. 
Er raubt der Lilie ihren Platz, zerstreut das 

Erdreich der Narcisse, 
und winterliche Blumen pflanzt er dort, wo 

sonst die Tulpe stand. 
Gebieter ward und Feuer schürt der Herbst- 
wind nun, der Listenreiche^), 

1) Der helle Stern ist Name des Mondes /'= »Lo), 
2)^^. hier wohl der Nil, da, wie oben bemerkt, der 
zweite Theil des Gedichtes sich an Mustan^ir richtet. 

3) ^IjI ist der Wassermond oder achte Monat des 

persischen Jahres , wo die Sonne im Scorpion steht , von 
Mitte October bis Mitte November. 

4) wörtlich: >die Hitze des Juni«; Hazirän ist der 
9. syrische Monat. 

5) Oder auch nach der anderen Bedeutung von 
^üUiM> ^der melodienreiche«. 



151 

Dem Trnnknen gleich verlor der Hain — so 
bebt vor ihm er — den Verstand. 
5. Geziert mit Früchten ist der Baum, wie holder 

Liebchen Ohr und Nacken, 
Zur Bernsteinfarbe haben all des Hains Sma- 
ragde sich bekannt. 
Nar perlenstreu'nde ^) Dornen jetzt statt Rosen 

zählt er — jagt im Fluge 
Die Schlange auf, denn bald umschließt sechs 

Monde sie des Kerkers Band ^). 
Wie sie die Ros' im Elend sah, da härmte so 

sich die Gitrone, 
Daß vor Novembers kaltem Hauch ihr ganz 

fast die Besinnung schwand. 
Es wirft auf Steppengrund der Zweig Orions ^) 

Bild zur Morgenfrühe, 
Und wie Badakhshäns Bernstein gelb erglänzt 

die Tulp' im Steppensand. 
Des Mönches Zelle gleicht die Luft — des 

Dihqän's Qiblah gleicht die Erde^), 
So nackt erscheint die Welt, denn schau ! dem 
Baum ist ja sein Kleid entwandt. 
10. War zaubergleich Narcisse einst wie Lieb- 
chens Schelmenblick — der Lufthauch 
Ist kalt wie Reueseufzer nun des Aermsten an 

des Elends Rand. 

1) Mit Bezag auf die herabfallenden Regentropfen. 

2) Mit Bezag auf den Winterschlaf der Schlange; 
doch kann auch ebensognt der Hain als Sabject gefaßt 
werden »ihn«. 



.-'«» - 



3j t;^, das Sternbild des Orion, den die Orientalen 

als einen Mann mit einem Stab in der Hand and einem 
Schwert an der Hüfte darstellten, siehe Qazwini, üebers. 
p. 80. Der blätterlose Zweig wirft einen ähnlichen Reflex 
auf den Boden in der Dämmerang. 

4) Die Lnft ist däster and schwärzlich, der Erdboden 
von gelblich fahler Farbe wie der Feoertempel oder das 



152 

Und glich dem Mond am Firmameiit im Strom 

die Lotosblume ^) — mischte 
Er Moschns ihrer ürsabstanz nnn bei aus 

tibetan'schem Land ^). 
Der Erde Hemd ward gelb, und schwarz des 

Himmels Panzerkleid — es schmückte, 
Wie Schöne zum Bankett, der Baum den Nacken 

sich mit buntem Tand*). 
Des Donners Pauke rüttelt wach des Niles 

Heer, und falbe Seide 
Nimmt die Citrone flugs aus Furcht zum re- 
gendichten Schutzgewand!« 

Feaer selbst, das hier die Qiblah des Parsen geuannt wird, 
siehe ganz denselben Oedanken einfacher ausgedrückt 
in V. 12. 

1) Nenophar, deren gelber Mittelkelch oft mit dem 
Vollmond verglichen wird, siehe Eisais Lieder in den 
Münchener Sitzurgsberichten , philosoph.-philol. Classe, 
vom 4. Juli 1874 p. 144; dieser ist nun moschusgemisoht, 
d. b. verdorrt nnd schwarz geworden. 

2) Tibet ist die Heimath des besten Moschus. 

3) Mit bunten Früchten oder herbstlich bunten Blättern. 

Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

Jüan bittot diese Venseichnisse zugleich, als Empfangsanzeigen ansehen 

zu wollen. 



Augnst, September, Oetober 1881. 
Fortsetzung. 

Zwanzigster Bericht der Oberhess. Gesellscb. für Natur- 

und Heilkunde. Giessen 1881. 
Statistica dellalstruzione elementare in Italia. Roma 1881. 
Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes. Bd. 

VIII. Nr. 1. 

(Fortsetzung folgt.) . . 

Ffir die Bedaction yerantwortlich: Dr. BwkUL, Diroctor d. Oött gell Anz. 

CoBunifsioiiA-yerlag der Düt$rii^*8eh$n Vtrloffs^Buchhtmdhtf^. 

ßrwik den- Dieterich' sehen Univ. - Sttchdrticherei ( W. Fr, Kaestner). 



153 

Naehrichten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 

und der Georg-Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



31. März. M 1. 1882. 



Kiiigliche Gesellschaft der Wisseischaften. 

Sitzung am 4. März. 

Mittheilnngen über Giordano Bruno. 

^ Von 
Paul de Lagarde. 

Zu Neapel erscheint ein Gioruale napoletano 
deila domenica, scientifico, artistico, critico, leite- 
rario. Herausgegeben wird es von dem Professor 
der Philosophie an der Universität Neapel Fran- 
cesco Fiorentino, zu Mitarbeitern zählt es her*- 
vorragende Kräfte des jungen Italiens, wenn man 
von einem jungen Italien in einem andern Sinne 
reden darf, als in welchem bei uns von einem 
JQDgen Deutschland geredet worden ist, unter 
ihnen Vittorio Imbriani , dessen Dante-Studien 
diesseits der Alpen leider wenig bekannt zu sein 
scheinen. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet 
das Blatt der Reinheit der italienischen Sprache, 
welche mir in der That in Gefahr zu sein scheint, 
durch Gallicismen und Gedankenlosigkeiten ent- 
stellt ZD werden, und die daher des Schutzes 
ihrer Freunde sicher bedarf. 

Was mich veranlaßt, von jenem Giornale zu 

12 



154 

sprechen, ist ein Aaffaatz Fioreutinos über Gior- 
dauo Bruno. Adolf Wagners Ausgabe der Opere 
des Nolaners hat nicht tennocht, die Aufmerk- 
samkeit der Philosophen und Litterarhistoriker 
auf den merkwürdigen Dominikaner zu lenken, 
von dessen Einfluß auf Descartes und Spinoza 
man freilich zu melden weiß. Italienisch wird 
in Deutschland jetzt viel zu wenig getrieben — 
als Goethe jung war, verstand es jeder wohl er- 
zogene Mensch — , und Giordano Bruno schreibt 
nicht nur italienisch, sondern ein recht schweres, 
idiomatisches Italienisch: er verhüllt überdies in 
ihm seine Gedanken mehr als er sie aucispricht. 
Ich bin in der dramatischen Litteratur des sechs- 
zehnten Jahrhunderts jetzt zu unbewandert, um 
ermessen zu können wie weit Brunos Lustspiel 
Candelajo nur Exemplar der Gattung ist: mir 
scheint es mit Shakesperes Loves labour lost 
und ähnlichen Stücken in Bezug auf den Styl 
eine große Aehnlichkeit zu haben. Daß Philipp 
Sidney, der Verfasser der Arcadia, Brunos Gönner 
war — der spaccio de la bestia trionfante ist ihm 
gewidmet — kann als bekannt gelten: unmög* 
lieh freilich ist, daß der academico di nuUa 
aeademia, detto il fastidito, auf dem Wege nach 
oder von Oxford mit Shakespere in persönliche 
Berührung getreten sein sollte, da Shakespere 
1&S3 wohl noch in Stratford lebte: aber Brunos 
Bücher kann der große britische Dichter sehr 
wohl gekannt haben. Michel de Castelnau (so, 
nicht Herr von Mauvissiere, muß der Mana ge* 
nannt werden) war französischer Gesandter in 
London, und sicher ein Gönner Brunos: wahr- 
scheinlich wird der Philosoph in der guten Ge* 
Seilschaft Londons durch Castelnau noch bekann- 
ter geworden sein als durch seine Otforder 
Disputationen. 



155 

Für QDd in Göttiugeu ist Bruno von Interesse 
durch seioe Beziehungen zu Heinrich Inlius von 
Braansehweig und zur Universität Helmstedt. 
Möehte man in Helmstedt sorgfältig auf alles 
fahnden was sich auf ihn bezieht: es ist ja nicht 
Alles was die alma lulia besessen, nach Wolfen- 
büttel verbracht. 

Ich lasse nun Fiorentinos als Brief an Ber- 
trando Spaventa gerichtete Mittheilungen folgen 
wie aie in gedachtem Giornale vom 29 Januar 
abgedruckt stehen: man muß Wagners Ausgabe 
II 152 der opere di Giordano Bruno nachlesen, 
um Fiorentino zu verstehn. Die Erlaubnis das 
Folgende für Deutschland abzudrucken habe ich 
durch V. Imbriani erbeten und erhalten. 

Non so perche mi accada, che, ogni volta 
che debbo scrivere del Bruno, io non posso a 
meno di pensare a te. Sara forse, perche tu pel 
prirao, in tempi ignavi, osasti ricordare la filo- 
sofia dello sventurato ed esecrato Giordano. Oggi, 
a cercarne, siamo non solo noi in Italia, ma 
altri fnori del nostro paese, e specialmente i 
Tedeschi. II Sigwart ha trovato non ha guari 
aleune notizie sulla vita del Nolano, frngando 
nell'archivio di Francoforte s. M. e nella bi* 
blioteca di Wolfenbüttel ; ed altre notizie si po- 
trebbero sperare daTolosa, e daLondra, se qui- 
?i fossero ricercatori altrettanto diligenti ed 
amorosi. Io mi sono accinto, da alcuni mesi, 
a cercarne qualche vestigio nel nostro Archi- 
vio di Stato, donde, se pari alla ricchezza dei 
docnmenti fosse V ordine, preziosi ragguagli 
si potrebbero attingere. II difetto di ordine, 
la dispersione di non pochi documenti, rendono 
difficili le indagini , e talvolta vacue di effetto ; 
ma il farle e un dovere ; e la intelligenza e la 

12* 



156 

cortesia di quelli , che ne bauuo la custodia, 
scema, per quauto e possibile, le difficoltä. 

Sapnto dunque che nell' archivio si conser- 
vano i ruoli de' fuochi , di cui si fece il censi- 
mento nel secolo XVI, volli scorrere la numera- 
zione de' fuochi di Nola. Ci sono descritte non 
solo tutte le famiglie, ma tntt' i singoli membri 
di ciascuna ; sieche io sperava , non senza un 
certo fondamento, che di quella di Giordano 
Bruno ci avesse ad essere pure la numerazione. 
Ma c' e stato un ostacolo serio : il censimento 
fu in quel secolo fatto tre volle, con V inter- 
vallo di una ventina d' anni in media : il primo, 
il 1526; il secondo, il 1545; il terzo, il 1563. 
AI che si deve aggiungere, che non tutte le nu- 
merazioni mi sembrano complete. 

Ora tu vedi che Giordano Bruno, per esser 
nato il 1548 , non pot^ essere censito il 1545 ; 
e, per esser partito di Nola ancora fanciuUo, 
non fece a tempo per 1' altra del 1563. 

Da quei bellissimiversi, in cui descrive la 
vista del nostro Yesuvio, guardato dalla cima 
del monte Cicala, si scorge, ed ei lo dice aper- 
tamente, ch' e un ricordo della prima fanciul- 
lezza. 
Sic quoudam puero ntihi^ mons peramoene Cicadae, 
Cum gremium geniale tuam primaeva foveret 
Viscera, blandiri tua lumina sancta recordor. 

Vuoi andare a Napoli ? gli dice il suo monte 
nativo, vuoi andare cola, dove si vede il Ve- 
suvio? Quello li e mio fratello: quello ti vuole 
pure bene : ci credi ? Se ti ci mando , vuoi tu 
andarci? Va, e dimorati quind' innanzi con lui. 
Respice germanum mihi ab illa parte Vesevum : 
Germanus mens, ille tibi quoque vult bene, credis? 
Si te illuc mittam, nunc die, vis ire? manebis 
Cumque illo posthac. 



157 

E yenne difatti a Napoli, aiicora fancinllo; 
se uon che Giordano, scrivendo qiiesti versi in 
terra straniera e lontana, dovette forse tra se 
esclamare: o mio vecchio monte, il tuo Vesuvio 
non mi volle tutto quel bene, che tu mi pro- 
mettevi ! 

La testimoDiauza esplicita del Bruuo nello 
interrogatorio veneto conferma qnesta parte nza 
per Napoli, benchfe non ne indichi con preci- 
BiOBe la data. Egli entrö nell' ordine dome- 
Dicano ancora quattordicenne; ma non veuiva 
difilato da Nola allor allora; era stato delF al- 
tro tempo a Napoli a studiare privatamente 
con un Fra Teofilo da Varrano; era partito di 
Nola decenne, dodicenne al piu: nella numera- 
zione del 1563, non ci si poteva trovare. Se 
il ceDsimento si fosse fatto pare a Napoli in 
qnel torno medesimo di tempo , sobbarcandomi 
a piü langhe ricerche, ne sarei facilmente ve- 
nuto a capo, e forse avrei finito con iscovare 
quel piccolo fuggiasco; ma qui non c' era la 
tassa del focatico, e numerazione di fuochi uod 
si fece. Allora il censimento nou aveva uuo 
scopo scientifico, ma serviva soltanto a smun- 
gere le borse per inviare donativi, che si dice- 
vano spontanei, a Madrid. 

ßimaneva a cercare dei genitori. Ed ho tro- 
Tato difatti la famiglia di Geronimo Bruno con 
molti figliuoli, di cui ecco i uonii. Geronimo 
di 46 anni ; la moglie Mariella , di 41 ; il figlio 
Nocenzio, di 25, ammogliato con una Fioreuza 
di Yentun anno; un figliuolo Giovanni, di 20 
aoni, che dovrebbe essere il padre di Giordano; 
un altro figliuolo, Feliee, chierico a 18 anni; 
un altro, Marco Antonio, di 11; un Agostino, 
di nove; quattro figlie: Prudenza, Isabella, Ca- 



158 

milla, Gaterina, di 19, di 14, di 6, di 4 anni, 
rispettivamente. 

Questa era la numerosa famicrlia Brano nella 
uumerazione del 1545; riportata al num. 513. 

In margine perö, al nome di Giovanni, era 
stata apposta questa osservazione : iste separa- 
tus , quia constat per informationem oretentts 
capfam , vivere searsum a patre. Onde per lui 
i uumeratori ufficiali scrissero an altro nnmero 
a parte, il 514. 

Giovanni Bruno, cbe, e dall' interrogatorio e 
dalle opere, sappiamo essere stato padre del No- 
lano, aveva dunque 20 anni il 1545 , e stava da 
per se ; in quella casa, ch' era a piedi del Monte 
Cicala, cioe nou proprio nella cittä di Nola, ma 
nel Gasale detto allora, ed oggi pure Santo Paolo. 

Dei molti fratelli e sorelle h detta in mar- 
gine qualche notizia di altra mano che ne ac- 
cenna i casi posteriori; cbi mori, come Feiice, 
chierico; delie donne, cbi mori nubile, cbi si 
marito e rimase vedova; di Agostino si legge: 
NeapoU ab anni seXy et tessitore de velluto abs- 
que uxore. 

Di Giovanni, nessuna notizia. Mori a Nola? 
Tramutossi altrove? Venne a Napoli col fi- 
gliuolo Giordauo? Non si sa piü altro; e nella 
numerazione posteriore, nel 1563, non ce n' h 
piü traccia. 

Gbe sia morto non parmi, perch^ il Bruno, 
nel libro de Minimi existentia^ park della im- 
magine del padre lontano, e non dice del padre 
morto: cosa non rilevata, cbe io sappia, da nes- 
sun biografo. 
Non mihi tam bene fit distantis imago parentis 
Obvia, quam fuerat praesentis hypoetasis ore. 

(Lib. 2, cap. 3). 

Tutto porta a credere che sia venuta a Na- 



159 

poli col figlio, e forse a coabitare col fratello 
tessitore di velluto; e poi che il figliuolo fii 
entrato nelF ordine, ed ei rimaso yedovo, ar- 
roolosai soldato. Ma, d' altra parte, dei citta- 
dim yiTenti , che abitavano altrove , i raoli so- 
gtiono far menzione, e di Giovanni, nella na- 
merasione del 1563, non si trova nalla. La con- 
closione, che se ne potrebbe inferire, ch' ei 
föne morto, sarebbe verisixiiile soltanto, se i 
rnoli fossero completi. 

Vengfaiamo alla madre. Qael nome diJFVat4- 
lißsa^ che anche il Sigwart ripeie, sn la fede 
dei documenti veneti pubblieati dal Berti, te lo 
dam -an' alfara volta, non mi va. Ora ho letto 
tatti i nomi muliebri della cittä e dell' agro 
Bolano per tre generazioni alla fila, e mi con- 
fermo yieppiü nella prima opinione. Di Frau- 
liBse non nna sola; e si che ci sono dei nomi 
struii di donna, dei qoali eccoti un saggio, che 
ho raocolto ne^ raoli. 

Grandizia^ Vastella, Yalenza, Gonessa, Fior- 
dalisa^ Diana, Baronella, Elena, Valtilia, Lim- 
pia, Fiorenza, Anrata, Poliseua, Chiarisda^ La- 
cina, Pmdenza, Allegriua, Autilia, Gioiella, Dea, 
Filadora, Carmosina, Gentilina, Biondella, Sal- 
lustia, Simonella, Ritea, Imperia, Mede^, luso- 
liiia, Gesimina, Galizia, Trasia, ed altri molti, 
ma Fraalissa no. 

Lasciamo ora il nome, venghiamo al co- 
gnome. 

La madre del Bruno era ana Savolino. Di 
questo €Ogmome si troTano diverse case: nessana 
donna che si chiami Fraalissa. 

Singolar destino! Tatte le notizie, che si 
attengoao alla vita del Brano, si perdono nelV 
OQibra. 

Sono stato piü fortunato in ciö, che meno 



160 

mi premeva, nel trovare, cioe, notizia delle per- 
sone da* Ini tneuzionate. Tu ricorderai benis- 
simo quella stupenda pagina dello Spctccio deUa 
bestia trionfante^ dove il Brnno schernisce il 
coucetto Vulgare della Prowidenza. Qnivi sono 
citati parecchi nomi di abitanti di questa vüla^ 
che sta a le radici del monte (jiccda, e che sap- 
piamo essere il Gasale di Santo Paolo. 

Albenzio h ÄlbeDzio Savolino, che il 1563 
aveva 56 anni ; la Nasta , sua moglie , come si 
trova designata per una dello solite storpiature 
del Wagner, si chiamava invece Basta, ed aveva 
51 anno; ed avevano nnmerosa figlinolanza , di 
cni non s* h perduto un nome solo! Antonio 
Savolino, la cni cagna aveva concepito cinque 
cagnolini , aveva la stessa eta , e la moglie si 
chianiava Margherita, e contava gli anni stessi 
della ßasta; ed aveva una sorella, la Silvia, che 
il 1545 contava diciotto anni, la sola donna de' 
Savolini, che per etä, potrebbe essere stata la 
madre di Giordano Bruno; la sola di cui non 
si menzioni il marito nelle annotazioni posteriori. 

Mastro Danese, il sarto, e puntnalmente re- 
gistrato al numero 1139: Adanesius JBianco- 
Ulla] ed il 1545 aveva venticinque anni, ed 
aveva per moglie una Polisena. 

Costantino era un Costantinus de bona aiutOy 
ehe aveva 46 anni, ed una moglie col superbo 
nome di Imperia. 

Paolino, con la stringa rossa alle brache, 
era detto Paolino di Gasoria, e, come dice una 
nota aggiunta al ruolo, faceva la taverna lorda; 
onde si capisce perche il Bruno scrive: Se 
, bestemmiarä , voglio che sia punüo a presse con 
qtiestOt che questa sera la sua minestra sia troppo 
salata e sappia di fumo; caggia^ e se gli rompa 
il fiasco pieno di vino. 



161 

Martinello era figlio di an Marco Antonio de 
Alemanno, che il 1545 aveva tredici anni, e piu 
tardi si sposo con una Eleonora, vedova di Gio- 
vanni Antonio Gallo. 

Lo chiamavano Martinello Alemanno, per- 
che sno padre era ano di quei tanti lanzichi- 
necchi tedeschi, che pensarono bene di porre 
stanza in Italia. I casali intorno a Nola, qnello 
di Casamarciano specialmente , eran zeppi di 
qnesti Alemanni. 

Franzino il mellonaio doveva essere pure an 
Fr<mey e nella nnmerazione del 1563 e ripor- 
tato sosi: Franzinus Ällamanna a. 25: aveva 
moglie e figli, ciascano bravamente registrato 
col nome e Y eiä. Qaanta precisione pel po- 
vero mellonaio , di cni ne io scriverei , nfe ta 
leggeresti noyella senza la menzione del Brnno! 

Polidoro, che ayeva an cane, a cai doyeva 
assomigliarsi ano de^ tre cagnolini di Antonio 
Savolino; Polidoro aveva tre anni prima diGior- 
dano Brnno, che qaesti ha dovato conoscere 
ragazzo, ed era figliaolo di an Giacomo Santo- 
lello, che non si metteva paara di avere nna 
moglie col nome di Medea. 

Antonio Faivano doveva esser morto, ma 
c' era il 1563 a Santo Paolo an Giovantom- 
maso Faivano, di tre anni, probabilmente fi- 
gliaolo di qaesto Antonio: e si chiamava Fai- 
vano dal nome del casale omonimo, e non giä 
Fajaano, come storpia il Wagner, il quäle non 
volle capire mai, che prima invece del v si ad- 
operava Vu. 

Perfino della povera Laurenza ho trovato 
ricordo. Era, il 1545, una povera, vedova di 
im Marcantonio Solombria; aveva 32 anni, ed 
i numeratori de' fnochi apposero in raargine 



162 

questa nota sol cooto di lei: Sine filiis erat et 
pauperrmüf manH ad biiena 8ervüi<n. 

Che pro di tatte queste notiziucce inntili? 
diranno parecchi iiostri lettori, uon tu certa- 
mente. 

Nessun pro, dico io; come non si guada* 
gna niente a sapere, che Giove ha qaattro laue, 
invece di una. L* iiuportaaza e coea meramente 
relativa; ed a chi si occapa di stadi braniani 
anche questi nonnulla potranno piacere. Anzi, 
quaudo se ue vaole 8crivere, invece di ricantare 
le glorie deir antichissima cittä di Nola, falgidi 
ma inotili Inoghi comuni, e necessario restria- 
gersi a quel povero casale, ed a quella fami- 
giiuola plebea, dove il Brnno veramente nacque. 
Quanto a me, danqae, ue induco che il moiido, 
il picoolo mondo del Bruno fanciuUo, ci fa indo» 
yinare la sua coudizione. Con quali persone 
ayeva pratica ? Chi conosceva il fatnro eroe della 
filosofia italiana? £ra un nobile, e stato detto: 
poco e mancato non se ne faeesse un titolaio, 
un cavaliere, an coute, un coso qualanqu«. No, 
rispondo io. Allevato in un casale, tutto il suo 
mondo, direbbe il nosiro De Sanctis, erano i 
Savolini, suoi parenti, un sarto, un tayemaro, 
utt mellonaio, uua povera serva; tutta gente da 
dozzina. Di persone d' alte affare non discorre ; 
e non ce n' erano; non di palaazi, non di con- 
Tersari a modo, non di sale da ballo. Tutt' i 
ricordi, ch'ei se ne porta dal casale nativo, aono 
una trave di fuoco che vide sorvolare ani tetti 
di Nola, e poi sparire dietro la montagna; ed 
un grosso serpente, che Io fece pericolare ancora 
infante. Superba quella casa, dove potevamo a 
grandiBsimo ^io striseiare i serpentit Mb era 
flglio d'un soldato, s'e detto ; dunque era nobile ; 
ma suo padre era amico del Tansillo; ma egli 



168 

si chiamava della famiglia de' Bruni: non e 
chiara la sua nobiltk? II soIdaU) d* allora, dico 
io, non era piü il mües^ che importava titolo; 
siamo a' tempi dei Lanzichinecchi , e de* soldati 
di Lantrec, ed anche piü tardi, e soldato vaol 
dire chi piglia nn soldo. L* amicizia di Gio- 
Tanni Bruno col Tansillo non risalta da nessnn 
docnmento; e dal perche Giordano Bruno mette 
in bocca del Tansillo an motto di suo padre, 
non ne viene che dnnque i due erano pane e 
cacio. Quanto alla fatniglia de' Bruni, il de e 
Btato aggiunto dai commentatori dell' interroga- 
torio brnniano: Giordano, che non era un im» 
broglione, disse appartenere alla famiglia di 
Brnni. Non ci mancava altro, che «i fosse usur- 
palo un de! Ancora i tempi per queste innocue 
naurpazioni non erano maturi. TntV altro: il 
Brnno tra le parole che gli scaglia il Bnrchio, 
nel terzo dialogo delF Infinite Universo e mondi, 
auuoyera insieme con le inginrie il rimprovero 
che gli si fa della sua plebea discendenza. II 
Barchio, difatti, oltre a chiamarlo una bestia^ 
^n poveracciOy mendico^ miserabüe^ nodrüo di 
pane di miglio, morto di fame^ v'aggiunge: gener 
rata d<i un sartOy nato d'una lavandaia, nipote a 
Cecco ddbattino. Questi particolari uon possono 
eaaer yenuti a caso nella mente del Bruno, ed 
egli non crede doverne arrossire« 

Ma mi accorgo, fbrse un po' tardi, che il 
cicaleccio e proceduto troppo oltre, e mi ri- 
servo di riscriverti, se non ti annoierai, degli 
altri persouaggi citati da Giordano Bruno negli 
altri dialoghi. Tu yoglimi sempre bene, e cre- 
dimi TuMo tue 

F. Fiorentino« 



164 

Lexikalisches. 

Von 
Paul de Lagarde. 

I. Aralez. IL Malsio. IIL Chagrin. IV. Ma8[s]ora. 

V. Noch einmal bfi«. 

I. 

Im Sommer 1856 ließ ich in den reliquiae 
iuris ecclesiastici antiquissimae graece 83 den 
Satz drucken, daß liuguae assyriacae et apud 
Mesrobi cives et in pentateucho samaritano sat 
multa vocabala latent. 

Als sicher sehe ich au, daß das armenische 
KPiX Siegel mit dem assyrischen kanika Siegler 
identisch ist: Lagarde armenische Studien § 1167. 

Im Akkadischen heißt nach Herrn Haupt 
akkadische und sunierische Eeilschrifttexte 152 
das Gold guskin. Es ist nicht unmöglich , daß 
das armenische oaxt (armenische Studien § 1735 
Symmicta II 5, 4) mit diesem gu&kin ebenso zu- 
sammenhängt wie das akkadische urudu (Haupt 
a. a. 0. 149) Bronze mit dem lateinischen raudns 
und dem kymrischen elydr, dem ich in den arme- 
nischen Studien § 272 arofitr gleichzusetzen vorge- 
schlagen : die Lautentsprechung wie in den be- 
kannten Worten für Vater und Mutter. Ver- 
gleiche meine gesammelten Abhandlungen 251 — 
253 deutsche Schriften I 221. 

Ebenfalls für wahrscheinlicli halte ich , daß 
das armenische Aqah^ zum assyrischen Arälu 
gehört. 

In meinen gesammelten Abhandlungen 170 
habe ich angeführt, daß Dulaurier — dessen Ci- 
täte aus Bznik und Faustus von Byzanz, wie ich 



165 

erst in QoettiDgen gelerut habe, aus dem großen 
Wörterbuche der Mekhitaristea I 306 (11 340) 
stanimen — Arlez erklärt etres surnaturek nes 
d'an chien et qui avaietit pour attributions de 
lecher les blessures des gnerriers tonibes sur le 
champ de bataille et de les rappeler ä la yie. 

Faustus von Byzauz berichtet e 36, daß die 
Angehörigen des von Bat enthaupteten Moüi^el 
den Kopf der Leiche mit dem Rumpfe durch 
eine Nath vereinigt hätten, in der Meinung, »weil 
er ein tapferer Mann war, steigen die Arrles 
(Mann-Lecker) genannten Götter herab und er- 
wecken ihn (durch Belecken). Ich folge Lnuers 
Uebersetzung 191: das Original bietet 238 

ihm fehlen also die von Lauer in Klammern 
gesetzten Scholien und die Worte »genannten 
Gotter«. 

Es ist klar, daß Lauer und vor ihm die Ar- 
menier des fünften Jahrhunderts unserer Aera 
in dem Worte eine Zusammensetzung der von 
mir in den armenischen Studien § 98 922 be- 
handelten Vokabeln gefunden haben. 

Nach den von mir ermittelten Lautgesetzen 
zeigt das C der Gleichung 

daß das an letzter Stelle genannte armenische 
Wort nicht dem haikanischen, sondern dem par- 
thischen Bestände des Armenischen angehört: 
armenische Studien 208 (C b) Symmicta II 18, 10: 
▼ergleiche das in den Studien § 143 Ende über 
das T des Namens TSDttSfi« gesagte. 

Falls die Arlez wirklich die Wurzel letxeiv 
in ihrem Namen hätten, würde der Mythus von 
ihnen nicht alt-armenisch (haikanisch) sein können* 

Hier ist nun einmal wieder klar, wie nöthig 



166 

der armenischen Philologie eine von einem in den 
Methoden der griechischen und lateinischen Gram- 
matik und Litterator von Jugend auf erzogenen 
Forscher angestellte Vergleicbnng der ältesten 
Handschriften der armenischen Texte ist. 

Es gibt drei Formen des mich beschäftigen* 
den Wortes in den Drucken: 

welche der drei ist die durch die Pergamente 
bezeugte? 

Ich entscheide mich für Aral^z, weil ich die 
Wesen, welche zur Erde »hinabsteigen« und die 
Todten zu erwecken vermögen, mit dem assyri- 
schen Ärälü zusammenbringe, welches nach Herrn 
Friedrich Delitzsch »wo lag das Paradies?« 120 
aus dem sumerischen Arali entstanden, einen 
»Berg« bezeichnet, der »nicht allein Heimat und 
Wohnsitz der Götter, sondern zugleich Ort der 
Abgeschiedenen« ist. 

Ich muß andern überlassen, das Nähere zu 
ermitteln. Herr Friedrich Delitzsch erwähnt 121 
binüt Aräle, die mich hofifen lassen, daß das Ori- 
ginal des armenischen Aralez sich nun bald im 
Assyrischen oder Akkadischen finden werde. 

II. 

üeber das »panische maisin, portugiesische 
malsim Angebet handelt Diez* 465, der es für 
mal-vecino böser Nachbar erklärt. Ein Blick in 
Buxtorfs 1639 erschienenes lexicon chaldaicum tal- 
mudicum et rabbinicum 11 62 hätte das Richtige er- 
geben. Dort findet sich das von dem allbekannten 
]'db Zunge herstammende schwache Zeitwort •j'^uibn 
angeführt, dessen Particip Vttjb^a als technischer 
Ausdruck in den täglichen Gebeten der Joden 
vorkommt : smpn ^r\t\ b« ca-^ruÄwVi, was Buxtorf 
überträgt »et delatoribus vel proditoribus ne sit 



167 

ulk spes, 6cil[ic6t] yitae aeteruae«. Es war gauz 
natarbcli, daß Toysiigsweise bei den Juden der 
J'vb» gefürcbiet wurde. 

Da die Bewomdenißg für Berühmtheiten bei 
allen kleioen Leuten eine sehr hartnilekige an 
88in pflegt, aehneide ich d«i für jeden Sachkenner 
freilich lächerlichen Einwand ab, ale aei jenes 
rvb73 erst ana dem Spanischen oder Portngie- 
sischea in das Gebetbnch der Juden gedrungen. 

Schon das Idiom der Targnme kennt vu;^73 
and das von diesem abgeleitete ^3't«\>» Ver- 
leumdung. Baxtorf führt diese Vokabeln ans C 
Psalm 52,4 140, 10 an: Herr Jacob Levy^U43 
bietet für y^'bf^ noch G Psalm 120, 3. Ich furchte 
nicht, daß irgend wer in den in Asien gefertigten 
und eigentlich nur in Süd-West-Äsien verwend- 
baren chaldäischen Uebertragungen des jüdischen 
Kanons aus dem Spanischen entlehnte Worte 
suchen werde. 

m. 

Das französische Wort chagrin bedeutet nach 
dem Dictionnaire de Tacademie fran^aise^ I 304 
espece de cuir grenu, fait ordinairement de peau 
de moalet om d'äne. Meines Wissens hat noch 
niemand daran gedacht, daß die Araber in Spa- 
^^ and Not d-West-Africa ein sarki haben, wel- 
ches das Original dieses chagrin sein könnte. 

R. Do^y bat im glossaire des mots espagnols 
et portugais derives de TArabe^ 242 und im 
Supplement I 752 nachgewiesen, daß <^y^| eine 

in Habeä und wie es scheint in Marocco lebende 
Schaf- oder GaseüenArt ist, deren Pelle courroies 
ftvec les coques des dattee ein &arki genanntes, 
2u Schuhwerk benutztes Leder geben : chagrin 
b&t er nicht genannt. 



[\ 



168 

IV. 

So oft ich daran gehe, eine Vorlesung über 
hebräische Grammatik zu halten, quält mich die 
Ueberzeugung, daß ich über die Aussprache und 
die Bedeutung des in meiner Einleitung zu dieser 
Vorlesung oft vorkommenden Wortes Masora 
nichts weift. 

Ich halte es für angezeigt, meine Bedenken 
einmal öffentlich zur Sprache zu bringen und 
um Belehrung zu bitten. 

lohannes Buxtorf hat zu Anfang seiner Ti- 
berias 1620 über nn*i073, n^*ioö, n*^*iött gehandelt : 
er hat 1639 in seinem großen Wörterbuche 1235 
n'inoTj und n*iiD» als gleichberechtigte Formen 
aufgeführt: utraque, sagt er, frequens est et ir- 
regularis. Wer mäßig hebräisch versteht, weiB 
daß wie rtas^ö ein nasnw, so n^nc» ein rriiioö 
und umgekehrt nniöV ein rr^iött neben 'sicfi 
haben kann. Ebenso bekannt ist, daß alle diese 
Wörter von Rechts wegen defectiv geschrieben 
werden müssen. Als Bedeutung seiner Vokabeln 
gibt Buxtorf nur »traditio« au. 

Der Kanon der Synagoge bietet im Ezechiel 
20, 37 ein nnbTj: es fragt sich, ob dies zur Er- 
läuterung des uns beschäftigenden Wortes etwas 
beiträgt. 

Zunächst ist zu bedenken, daß die Lesart 
nicht feststeht. 

Ich schrieb 1863 in meinen Anmerkungen zur 
griechischen Uebersetzung der Proverbien V: 

Ezechiel 20, 37 lesen die LXX isDTsa, und 
haben das deutlich genug aus dem folgen- 
den •»nhai entstandene r'^naSi nicht gehabt. 

Was die späteren griechischen Uebersetzer ge- 
sehen, ist zum Glücke noch nachzuweisen. 

Aus Parsons Handschriften 86 88 (die erste 
gehört der biblioteca Barberini^ die andere der 



169 

biblioteca Chigi) wird im Nachtrage zu Parsons 
Ezechiel angefSlirt, daß Symmachns »al na^aQOß 
ifActg d§d xXmav T^g (fvv&^xijg gehabt, waB der 
mailänder Syrer 

tv>iD? liNo'^ ^Q22::k )j| Id^o 
überträgt: hier ist ^^^o aus hS^ zu erklären, 

welches Sirach 50, 9 ni^b = *inq wiedergibt, das 

in der anderen Büläqer Ausgabe der tausend und 
einen Nacht I 491, 19 sehr deutlich ein Hals- 
band ist (2a4jUt (joyasil] Q^ Hu>^ L^iUfr ^), und von 

Taälibl Fiqh allugat 163, 13 (Büläq) wie UXJf 

für den / ^J^ bestimmt wird, wenn es auch nach 

den Melanges asiatiques VI 383 in Mäzandarän 
als sv>^L£. wie auf tatarisch als vS^ das Leitseil 

bedenteii, au welchem Hunde geführt werden: 
E. W. Liane manners and eustoms of the modern 
Egyptians* II 319 Dozy Supplement II 394: 
ich bespreche dies Alles um Fr. Fields willen, 

der in Origenis Hexapla II 820 über |.^£ nicht 

genügend orientiert ist, welches in der Pesi6ä 
]^gn, dl9, 28 nn vertritt und von Elias bar 
Sinäyä 16, 1 in meinen Praetermissa 41, |^ durch 

{»Uli»- gegeben wird (vergleiche ^^qud = trvfjtßX^iatg 

im hexaplarischen Syrer Exod. 26, 24 und = 
avr»l€ta$g ebenda 36, 29). Field erinnert sich aus 
Etiennes thesaurus lY 1657 ohne Mühe, daß 
der nXo$dg der Griechen auch ein Halsband sein 
kann. Es ist sicher, dafi Symmachus für 

n'''^an rinbtts Ca^n» "n^aJin 

gefunden hat, wobei unbenommen bleibt, das n 
des Wortes n'^DWWa ungeschrieben zu denken: 

13 



} 



170 



vergleiche den Griechen Exodus 14, 25 nfij ^Cl 
i^nb»*iJ: )th^ ieal tswid^(fB wig aliovccg tcov ccffri 
fkcttmp ammv, wo *10"^') als *iON'^') gefaßt wurde. ; 
Die beiden vorher angeführten Handschriften 
geben weiter aus Äqnila iv ösanotgj ans Theodo* 
tion ^1^ T^ naQa6ö(f€t tiig dia&^x^g an: Aqnila 
hat also nhöi»^ gesprochen, Theodotion an die 
Wnrzel "^073 gedacht, ohne daß über seine Le- 
sung der Vokabel etwas folgte: ein Abstractiim 
naQddotkg dürfte nach Analogie der bekannten 
rrntoa = h.Läo und nbbn = iÜLfi> (nur mit an- 

ders gewandtem Sinne, Dozy Supplement I 246) 
n'^DK) gelautet haben. 
* Der Syrer übersetzt unsere Stelle 

hat mithin *iö!i73a zu finden gemeint. Vergleiche 
was ich in den Semitica I zn Isaias 1, 5 ange- 
merkt habe. 

Der Ghaldäer setzt NTS'^'^p n'nowa, beweist also 
nichts. 

Diesem Thatbestande gegenüber wage ich nicht, 
eine Meinung über den Vers zuhaben. Es kann 
sich nur fragen, ob jüdische Lexikographen und 
Ausleger sein n"nD): mit dem Werke, welches wir 
Masora zu nennen pflegen, in Verbindung ge- 
bracht haben. 

Menabhem 118 (Filipowski) fuhrt dies nno« 
gar nicht an. Auch AbülWalid (383, 18—23 Neu- 
bauer) thut dies nicht, und Salomon der Sohn 
»Parchon*s 36» folgt dem AbulWalid. David 
Qamhi sagt 272 (Elias Levita) nicht, daß er 
n'nnöö des Ezechiel (so punktiert Elias Levita) 
unter "nöK 39 als n"nbN73 erklärt hat, und zwar 
im Namen des Rabbi ludas , das heißt , des j^t 

'^jjtr> \!/j' Die Veranlassung zu des Elias Punk- 



171 

iatiOD dürfte der Umstaud gegebeu babeu , daß 
Regn. Y 5, 25 n'!js?3 anleugbar für n^iDNö ge- 
schrieben steht, und rriD^j, falls es gleichnnb»^ 
sein soll, nur nach der Analogie dieses "mit 
n\bȊ identischen nb/utt scheint gesprochen wer- 
den zu dürfen. Es wird von Interesse sein zu 
erfahren , wie gute Handschriften des jüdischen 
Kanons in der Stelle des Ezechiel vocalisiert sind. 
Die Änssprache ri^^bö ergäbe einen Sinn, mit 
welchem ich für den in Rede stehenden Vers 
des Propheten nichts anzufangen wüßte. Analog 
wäre rjnj^n bei leremias 3, 7 10. Ewald« § 152B 
belehrt uns, »diese schwerste Bildungc sei »noch 
etwas selten und mehr aramäisch«: er würde, 
lebte er noch, Herrn Nöldekes mandäische Gram- 
matik § 98 und desselben Gelehrten syrische 
Grammatik § 107 haben citieren können: die 
arabischen Nomina der Form J^^lS sieht Herr 

Noldeke mit Recht als nicht eigentlich arabisch 
an. rrnba wäre, nach rriäa beurtheilt, ein ver- 
stärktes ^["^"0% = eine überliefernde: welches 
SubstantiTum sollte dazu ergänzt werden? was 
sollte ein solches n'ib73 = n'^b» bedeuten? 
Sonst lese man Olshausen § 183 D ^01 A Ewald 
§ 166 k? 239 A Stade § 224 273 A 274, 

n:DhB zur Erklärung zu verwenden wage ich 
nicht, da 1D dieses Wortes sowohl als parr wie 
als pä-r gedeutet werden darf, und mir nicht klar 
ist, wie ich von der Wurzel ^y^ti auf ns*nö = 
Vorhang kommen soll, also der Zusammenhang 
der Entwickelung des Begriffs mir nichts zur 
Entscheidung darüber hilft, ob in niD'nD parr 
oder pä-r vorliegt. 

Das Ergebnis des Bisherigen scheint mir das 
zu sein, daß des Ezechiel nnDT^ zur Erklärung 
des technischen Ausdrucks Masora oder Massora 
nichts beiträgt. 

13* 



172 

Es wird sich uuiimehr darum handeln zu er- 
mitteln, wo 7^^^12 oder rriö?: in dem uns beschäf- 
tigenden Sinne zuerst vorkommt. 

Nathan, in dessen 'ti^:^ jeder Kundige zunächst 
nach den einschlagenden Stelleu suchen wird, ver- 
weist unter n'^0?3 auf CSN, und behandelt unter 
OK den bekannten Spruch iij-'i «"ipttb O« tv^ 
nniD^aV CD«, über welchen Buxtorf im achten 
Kapitel seines ersten Tractats bereits 1620 Eini- 
ges beigebracht hat. 

Nach Nathans Artikel nenne ich die Notizen 
Oppenheims »zur Geschichte der Massora« in 
Berliners Magazin für jüdische Geschichte and Li- 
teratur (1875) II 24 27 31 34 38 und Neubauers no- 
tice sur la lexicographie hebraique (1863) 7—9. Da 
mir nicht ganz wenig in der Materie dunkel ge- 
blieben war, wandte ich mich mit der Bitte um Aus- 
kunft an Salomon Buber in Lemberg, den nächst 
M. S. Zuckermandel zur Zeit bedeutendsten Kenner 
der altjüdischen Schriften. Er schrieb mir, »es 
sei ein bischen schwer den Gegenstand meiner 
Anfrage darzustellen«, und bittet mich, »da er 
seine Notiz zur Drucklegung noch nicht geeignet 
finde, sie nur für meine Arbeit dienen zu lassen«. 
Ich führe das an, um den großen deutschen (und 
soweiter) Gelehrten, welche über »Einleitung in 
das alte Testament« und »Masora« mitsprechen, 
klar zu machen, daß es vielleicht uns gegenüber 
menschlicher und für sie selbst vortheilhafter 
wäre, wenn Sie, welche erheblich weniger als 
Buber Bescheid wissen, uns mit Mittheilnng ih- 
rer Weisheit lieber verschonen wollten. Buber 
bot mir an, mir Rappoports C3'»'bö ^"19 zu senden, 
in dem über den Gegenstand gehandelt werde: 
ich glaubte aber nach dem was ich an Auszügen 
aus diesem Werke kenne, nichts zu verlieren, wenn 
ich es ungelesen ließe. 



173 

Es ist vor alleu Dingen nöthig, das vorhandene 
Material — vollständig — vorzulegen, damit es 
hier nicbt gehe, wie es in Betreff der Pharisäer 
gegangen ist , deren selbstgefälligste Besprecher 
etwa die von Buxtorf 1852 unter dem Worte 'Di^d 
angezogene Stelle des Tractats iiUiD als ihren 
Zwecken nicht passend mit Stillschweigen über- 
gehu durften , weil niemand so wahrheitsliebend 
war, Einsicht in das Aktenmaterial zu verlangen, 
bevor er zum Spruche schritt. 

Ich sehe keine Möglichkeit, die nöthigen Samm- 
lungen selbst anzustellen, kein Becht von ^ü}2 
unser ii^btt abzuleiten, keinen Weg von *io» oder 
von "^OK zu demjenigen Sinne des Wortes n'^Ott 
zu gelangen, den dasselbe nach Ausweis der von 
Buxtorf , Neubauer , Oppenheim beigebrachten 
Stellen als ältesten gehabt hat. Ich bitte daher, 
die Untersuchung im Zusammenhange sämmtli- 
cber in Betracht kommenden Thatsachen einmal 
systematisch zu fähren. 

V. 
Im andern Hefte meiner Orientalia habe ich 
3 — 9 das hebräische Wort b« besprochen. Der 
kleine Aufsatz hat viel Beifall gefunden ^ nur 
HerrNöldeke hat in den mir erst am 7 März 1882 
zugänglich gewordenen Monatsberichten der Ber- 
liner Akademie 1880, 760—776 sich ziemlich un- 
befriedi^ geäußert. 

Ich hatte behauptet, daß die Araber — ich 
berief mich der Kürze halber auf Lane, eine völ- 
lig ausreichende Autorität — und die Syrer das 
Wort b» nur als Lehnwort kannten. 

HerrNöldeke gibt 771 zu, daß »zur Zeit Mu- 
hammeds JjI allerdings nicht mehr bekannt war«. 

Also bis auf das »mehr« das, was ich behauptet 
habe. Wenn Herr Nöldeke meint, »daß uns der 



1 



174 



Gottesname b» bei deu sou^tigen [so] Araber 
nur ziemlich selten begegnet, möge daher rüIireB, 
daß sie ihn schon seit uralter Zeit vergessen hair* 
ten«, so bedarf das keiner Widerlegung: solche 
Argumenten gegenüber hört die Discussioa ein-' 
fach auf. »Selten« — und doch »vergessen«? ^ 

Im Jahre 1875 schrieb Herr Nöldeke in sei--- 
ner vortrefflichen mandäischen Grammatik 109 
»der Gottesname V:» b9 == ^fij ist wie im Syri- 
schen] ^] ein Fremdwort« : 1880 versucht er 

in den Monatsberichten 772 auch bei den Ara- 
mäern V^ nachzuweisen : die Beläge für seine 
neue Ansicht sind — palmyrenische InschrifteUt 
Gemmen unbekannten Alters und unbekannter 

Herkunft, und der Nisibener famose Götze NNi i ,o|y 

den er aus dem jammervollen Leben Ephraims 
(Assemani BO I 27) bezieht. 

Herr Nöldeke spricht sich nicht deutlich ge- 
nug darüber aus, was die Erwähnung der mit 
fjX zusammengesetzten Eigennamen in einer von 
E. Miller in der revue arch6ologique 1870 XXI 
109—125 170—183 erläuterten, aus der Zeit des 
dritten punischen Krieges stammenden Urkunde 
und in den in die ersten Jahrhunderte unsrer 
Aera gehörenden griechischen Inschriften des 
Haurän und der Nachbarländer bewirken soll: 
nach 760 ff. scheint er mit diesen Namen erhärten 
zu wollen, daß bfijt ein von Natur langes e hat, 
also zur Wurzel bi« gehört, nach 776 will er 
:^ die Erkenntnis fördern, daß auch ein Gelehrter, 
welcher [mit Becht? siehe das litterarische Cen- 
tralblatt 1880 Seite 1389 und L. Gautier revue de 
theologie et de philosophie 1880 Seite 489] die 
weitest gehenden wissenschaftlichen [so] Forde- 
rungen [an die Lexikographie des Hebräischen] 



175 

Rtelit, laicht ej^mal nahe liegende Tfaatflaoheu 
übersieht«. Diesem anderen Zwecke nachzngefau 
ivax kaum der Mühe werth: niemand bestreitet, 
daft derartiges oft genug rorkommt, und Herr 
Nöldeke hat schon selbst die Wahrheit seines 
iSatzes erwiesen, wie der Schreiber dieser Zeilen 
sie erwiesen hat: was den vorliegenden Fall an- 
langt, so kann Herr Nöldeke sich aus meiner 
Ausgabe der Genesis 14 15 überzeugen, daß jene 
Inschriften auch mir bekannt sind. Herr Nöldeke 
würde sich auch durch die Annahme nichts ver- 
geben haben, daß ich meines Freundes W. Wright 
note on a sepulchral monument from Palmyra 
besitze und gelesen habe, worin ausreichende 
Citate ausYogüä und andern über bfi^haltige Na- 
men zu finden stehn. Jetzt merke ich an, daß 
Herr Nöldeke nach Wright 2 Paßßi/loQ früher 
Crroß ist Baal erklärt hat : in den Monatsberich- 
ten 762 meldet Herr Nöldeke >es läge nahe bei 
PaßßijXog an b^ n"^ zu denken« , verschweigt 
aber, daß er selbst wirklich dabei an ba ^'^ ge- 
dacht hat : er verwirft 762 763 769 diese »nahe- 
li^ende« Deutung mit Recht zu Gunsten des 
von Wright empfohlenen b» ^1, und wird sich 
nun vielleicht überzeugt halten» daß es nicht im- 
mer klug ist, nach »nahe liegendem« sogleich 
zu greifen, und daß man an »nahe liegendem« 
auch wohl mit Absicht vorbeigehn kann. Da 
ich über die Urzeit des Semitismus handelte, 
durfte ich meiner Ueberzeugung nach Namen, 
welche der im Osten schon stark synkretistischen 
Epoche des Jüngern Scipio Africanns oder der 
d^ Antonine angehören, unberücksichtigt lassen : 
doch soll es mir nicht darauf ankommen, einiges 
Hergehörige der Prüfung unbefangener Fachge- 
nossen vorzulegen. 

In dem oben angezogenen Bande der revue- 



176 

archeologique — beiläufig gesagt, demselben, in 
welchem 184—207 357—386 Clermont-Ganneau 
la stele de Dhiban oder, wie wir in Deutschland 
sagen, die Inscbrift Mesas vorlegt und erklärt: 
Herr Nöldeke hat mir sein vor Ganneaus Auf- 
satze diese Inschrift behandelndes Heft freundli- 
cher Weise selbst als Geschenk übersandt — iu 
diesem Bande hat E. Miller wenn nicht festge- 
stellt, so doch höchst wahrscheinlich gemacht, 
daß die von ihm veröffentlichte, zu Memphis ge- 
fundene griechische Inschrift von plusieurs mem- 
bres d'une meme famille (120) rede, und daß diese 
in ihren jüngeren Gliedern bereits hellenische Fa- 
milie von Euergetes dem zweiten nach Aegypten 
gezogen worden sei. 

Herr Nöldeke hebt 760 761 selbst hervor, daß 
der in dieser Inschrift vorkommende Name Koa- 
patapog den »als edomitisch bekannten Gottes- 
namen Ko(f<L und »das unarabische )r)U enthalt : 
das weise vielleicht darauf hin, »daß diese Leute 
ihrer Herkunft nach Edomiter waren, denen man 
eine solche sprachliche Mittelstellung [so] zu- 
trauen könnte«. Es ist nicht sehr logisch, die 
Sprache eines Stammes, der eine Mittelstellung 
zwischen dem Hebräischen und Arabischen einge- 
nommen, zum Erweise des Satzes zu verwenden, 
daß ein bestimmtes, in der hebräischen Sprache 
vorkommendes Wort nicht bloß dem speeifi- 
schen Hebräisch, sondern auch dem specifischen 
~ darauf kommt es an — Arabisch angehört. 

Menschen und Völker, in denen irgend wel- 
ches Feuer höheren Lebens brennt, werden eben 
durch dies Leben denen, welche mit ihnen in 
Beziehung treten, entweder eine Veranlassung 
zum Besser- oder zum Schlechter -werden. Dem 
Höheren gegenüber ist Niemand gleichgültig: 
jeder unterwirft sich dem Höheren, oder er wird 



177 

durch den Haß gegen das Höhere in raschem 
Abflturze yerhärtet und gemein. 

Als Israel aus Babylonien nach Palaestiua 
zurückgekehrt war^ wollten alle umwohnenden 
Volker an den Segnungen der Theokratie Theil 
nehmen. Sie wollten es auf ihre Weise, aber sie 
wollten es. Als die Maccabäer das Judenthum 
soweit gefestigt hatten, daß die Schriftgelehrsam- 
keit sich zu entwickeln Raum und Ruhe fand, 
da machte sich abermals ein Zudrang zu Isratl 
bemerklich. Nicht gerade Jude wollte man werden, 
aber im Schatten und Frieden des Tempels suchte 
man — vielleicht aus Aberglauben — Schutz. 

Die Machtsphäre der Theokratie reichte ohne 
Fr^e über Idumaea, sie reichte auch über Au- 
ranitis und Batanaea hinweg. 

Die Anerkennung der Theokratie gab sich 
äußerlich durch die Namen kund, welche mau 
seinen Kindern beilegte. Kein btt in Namen der 
Ghassänidenzeit , auch kein bK in Namen der 
Herodiadenperiode und des ihr rorangehenden 
Jahrhunderts der Geschichte Petras beweist ir- 
gend etwas dafür, daß die arabischen Stämme 
jenseits des Jordan, daß die idumäischen oder 
nabatäischen Bewohner Petras das Wort Vit als 
einheimisches Sprachgut besessen. Im Gegen- 
theile: von vorne herein ist wahrscheinlich, daß 
sie Vk von den Juden entlehnten. 

Von 444 bis zu Jesu Tode muß sich der Theil 
der jüdischen Theologie entwickelt haben, welcher 
sich mit den Namen Gottes beschäftigte. Es ist 
wohl jetzt niemandem zweifelhaft, daß man mit 
b«, rrb», ta-^nb«, '»aiN, rrin*» absichtlich wechselte : 
meine Aufsätze über bbrr und n'\7\^ in den Orien- 
talia II mögen meine Anschauungen demjenigen 
mittheilen, der sie kennen zu lernen wünscht. 

Man weiß, daß fntr* sacrosanct war. mrr^ 



irsx 

durften am allerwenigsten diejenigen in den Mnnd 
nehmen, welche nicht voll zu Israel gehörten. 

Man weiß, daß Dutzende von Engelnamen in 
diesen Epochen mit b&< gebildet wurden, daß also 
b» der Name Gottes war, welcher für Zwecke 
der Magie, für die Nahrung und Beschwichtigung 
des Aberglaubens, gebraucht wurde. 

Man weiß, daß im Hexateuche b^ von der 
jüngsten Urkunde mit Vorliebe in Namen der 
Urzeit hineingedichtet wurde, weil man, Foederal- 
theologe vor Coccejus, einen Portschritt der Of- 
fenbarung von Adam über Noe zu Abraham und 
Moses glaubte, und Gebote Noes zu halten da 
für ausreichend erachtete, wo Gebote Mosis nicht 
mitgetheilt oder nicht annehmbar waren. Herr 
E. Nestle zählt in seinem Buche über die israe- 
litischen Eigennamen 51 unter den 67 Namen, 
welche wir aus der Zeit des Auszugs der Israe- 
liten verzeichnet finden , 21, welche mit b^ zu- 
sammengesesetzt sind. Daß jene Namen wirklich 
vorhanden gewesenen Männern angehört hätten, 
dies zu glauben wird die Kritik der Quellen je« 
dem Einsichtigen verbieten. Sind aber die Na- 
men erfunden, so sind sie es auf Grund einer 
Theorie, und diese Theorie beweist natürlich 
nur für. die Zeit, in der sie entstand, nicht 
für die Zeit , auf welche sie angewendet wurde. 
Sie beweist aber für die Zeit, in der sie ent- 
stand, auch insoweit 4 als sie die parallele Na- 
mengebung bei den mit den Juden notorisch 
in enge Beziehung getretenen Nachbarvölkern 
erklären muß. Ich irskge Gelehrte, welche ge- 
nauer als ich Bescheid wissen: Tragen Israe- 
Uten aus der Epoche der großen Synagoge mit 
b&^ zusammengesetzte Namen in dem Umfange, 
in welchem die Zeitgenossen Mosis solche Na* 
men getragen haben sollen? und wenn nicht, 



179 

henreist dafi nicht, dafi das in deu Bahaen des Esdras 
wandelnde Israel selbst 'b» als einer von ihm per- 
sönlich überschrittenen niederen Stufe der Onen- 
banmg angehörig ansah? erklärt das nicht, warum 
Änranitis, Idumaea, Palmyra mit b^haltigen Na- 
men 80 reich gesegnet erscheinen? Alle '^^iDn ^"n:} 
und alle, die auf dem Wege waren es zu werden 
oder werden za wollen, feiten sieh nach Esdras mit 
dem Namen '^t<: sie bekannten sich durch ihn 
zum ^\ß\ cv^^ vielleicht nur zum ^ ^t>. 
Trugen im Hauran und dessen Nachbarlandschaf- 
teu wohnende Araber nach Esdras bethaltige Na- 
men, so wurde ^st darum kein arabisches Wort, 
sondern blieb im vollsten Verstände Eligenthum 
der Theokratie. 

Sind Friedrich und Georg darum ursprünglich 
niederdeutsche Eigennamen, weil, nachdem die 
scfawäbischen Hohenzollern sich — was vor 1700 
nicht geschehen ist — in Berlin angewurzelt 
liatten, jener in den Marken, nachdem die Wei- 
fen auf das Erbe einer englischen Ahnfrau zu 
warten und sich für den Thron an der Themse 
bereit zu halten anflengen, dieser an der Aller 
und Leine weit verbreitet war? in einer Zeit weit 
verbreitet war, welche selbstständige Gesinnun- 
gen nicht mehr kannte, und es Patriotismus und 
Trene hieft, so weit wie irgend thunlidi, innerhalb 
der allerhöchsten Schablone zu verbleiben? 

Was beweisen also idumäische jivdtjX^g AV' 
(ffjloi AddijXoi aus dem Jahre — rund — 120 
vor Christus flir die Urzeit des Semitismus? für 
den Gebrauch des "bM im echten Arabischen? 

Was beweisen die Ovctß^Xog Ovad[d]iilog und 
ähnliche Namen der Auranitis und Palmyras aus 
den Tagen Hadrians und der Antonine für die 
Urzeit des Semitismus? für den Gebrauch des b« 
im echten Arabischen? 



180 

Was Blau ZDMG XV 441 ff. bringt, ist kein 
Beweis für Herrn Nöldeke, der es 768 genau 
hätte citiereu müssen. 

Ich meine nun — jetzt komme ich auf Herrn 
Nöldekes anderes Ziel zu sprechen — das tjl 
dieser Namen besage für die Abstammung des 
Vij von bi« gar nichts. 

Wie leremias, Isaias, David das Hebräische ge- 
sprochen- ich weiß es nicht. Das weifi ich, daß die 
Juden als Muttersprache nach 444 nicht hebräisch 
sprachen : daß das was wir hebräisch nennen, ih- 
nen damals lediglich Sprache des Cultus und des 
Rechts war. Ich vermuthe, daß die Aussprache 
der heiligen Texte unter den Maccabäern und 
schon zur Zeit des Esdras wesentlich ebenso ge- 
lehrt worden ist, wie sie heut zu Tage nach den 
Schilderungen Sappirs in Yanian vermittelt wird : 
man mag aus J. Derenbourgs manuel du lecteur 
201 sich eine Vorstellung machen wie es geschah. 

Als ich Student war, konnte man in den Tal- 
mudschulen Ost-Berlins eine Yocalisation des He- 
bräischen hören, welche um eine Raddrehung 
über die Punktation der Tiberienser hinaus lag: 
hatten jene aus il b» gemacht, so machten diese 
aus ^t« ejl: pleite »s n^'^bjD (daraus dann durch 
Volksetymologie: flöten gehn), Peieß= n*iÄB und 
Geseire = JTnu werden zeigen wie durchgreifend 
diese Weiterbildung gewesen ist. Sollte etwa auch 
das ejl der Rosenthaler Straße für die Wissen- 
schaft meritorisch von Nutzen sein? 

Wir haben in unsrer Punktation der über- 
lieferten Gonsonanten des jüdischen Kanons nicht 
die echte Aussprache des alten Hebräisch; son- 
dern die Aussprache, welche beim Lesen im Tem- 
pel und in den Proseuchen durch den Niggün 
erzwungen worden ist. b» mag von b^N oder 
'^b» stammen, sein e beweist nicht unbedingt. 



l&l 

Die Nicht- Juden aber, welche Hebräisches 
lateinisch oder griechisch umschrieben, folgten 
selbstverständlich nur dem Niggun, weil das He- 
bräische zu ihrer Zeit ebeu nur im Niggun noch 
vorhanden war. Ob ly überall — das ist die 
Sache — nach Christus noch e gelautet, wird 
besonders untersucht werden müssen: wo Hiero- 
iiymus für ^ e schreibt, ist ij sicher e gewesen: 
aber für etymologische Forschungen dient dies 
e = ij nur in den Händen sehr vorsichtiger 
Forscher. Lagarde psalterium Hieronymi 159. 

Gewisse Analogien dieses Thatbestandes gibt 
es auch in Europa. Als ich 1861, voll Dantes, 
far dessen Herstellung ich Herrn Karl Witte in der 
von ihm in der Vorrede seiner Ausgabe Ixxiv an- 
erkannten Weise behülflich gewesen war (zum 
Danke für diese Hülfe hat Herr Witte meinen 
Namen falsch geschrieben !) , und leidlich über 
den Dichter und dessen Sprache orientiert, zum 
ersten Male von einem Italiener, Yittorio Im- 
briani, Dante lesen hörte, wurde es mir schwer 
ernsthaft zu bleiben: so sehr wich die Yoca- 
lisation und der Vortrag von Allem ab, was 
ich erwartet hatte. Niemand wird auch nur 
französisch, die modernste der modernen Spra- 
chen, reden lernen, er habe denn die Modulation 
der Stimme und, wenn es geht, das Organ so 
umgeschaffen, daß er seinen liebsten Angehörigen 
fremd erscheint, wann er französisch spricht. In 
diesen und ähnlichen Fällen entscheidet die über 
das was wohl lautet und was sich für die Decla- 
mation schickt herrschende Ansicht des Tages ge* 
gen das üeberlieferte, der Klang gegen die Dauer. 
Herr Nöldeke bricht 774 eine Lanze für die 
Herleitung des "bN von bi« vorne sein^ dann 
Herr sein, und erbaut sich an Gesenius, der das 
schon gelehrt habe: Jl^l erster ist der stärkste 



182 

Beweis für das Vorhandensein eines solchen Vi«. 

Andern kommt es freilieh geradezu komisch 
vor, Gott als den voruseienden anznsehen. Er 
Nummer Eins, und wir armen — noch dazu Gott 
gegenüber im Bange nicht unterschiedenen — Ge- 
schöpfe Nummer Zwei Drei und so weiter ! So etwas 
mag man im neunzehnten Jahrhunderte hinter den 
Studiertischen für möglich halten: als die Sprachen 
entstanden, war Gott so groß und gegenständlich 
und fremd den Menschen gegenüber wie ein Hpch- 
gebirgsgipfel, zu dem nur eine finaßaatg slg äXJio 
yipog hinbrachte. Gott, den die Wahrheit nicht 
erbittert, da er selbst die Wahrheit ist, der, weil 
er niemanden beleidigt, niemanden haßt, der die 
Grenzen seines Reiches, non vi, sed saepe iuvando, 
immer weiter über die Herzen seiner Feinde hin- 
ausschiebt, der über Gute wie Böse leuchtet und 
regnet. Er der Erste, ludas Ischarioth zweiter 
und Friedrich Wilhelm Lehmann etwa hundert- 
ster! Es ist eine feine Diplomatie, wenn man 
die Weisheit des alten Gesenius zu Ehren brin- 
gen will, gerade solche — nicht itviioloyta^ son- 
dern (lobannes von Euchaita viii) itoifAoXoyta — 
als Muster hervorzusuchen, welche für ^»Gebildete« 
wie geschaffen ist, mit der man in jedem »Gul- 
turexamen« Staat machen könnte. Ein in Inter- 
laken am See belegener Maulwurfshaufen blickt 
zur Jungfrau auf, und freut sich, daß auch er ein 
Berg sei: wie einsichtig! 

Doch betrachte ich es als geboten, Herrn 
Nöldekes Satz näher zu prüfen, daß bi«, soweit 
b« damit zusammenhängt, zunächst vorne sein, 
dann Herr sein heiße. So erkläre sich das targu- 
mische «b'^i» etwa Vornseiny i^S für J^tl, cabiK 

Vorhof ^ b^fij der Führer der Heerde^ J!t [dritte 

Person perfecti] regieren [Infinitiv], wovon xJ^t^ 



183 , 

Au erster Stelle möchte ich meiaen Lesern 
die nahe liegende Thatsache ins Gedächtnis zn- 
rückmfen, daß das arabische J^J erster nach Lane 

1 128 Dozy Supplement I 45 II 777 Gauhari II 248 
(Büläq) gar nicht von der Wurzel biN, sondern 
Ton der andern Wurzel b«T stammt: schön finde 
ich es nicht, daß Herr Nöldeke Lane, Dozy und 
Ganbari hier ganz mit Stillschweigen übergeht: 
mir wiegen die Namen Lane, Dozy, Gauhari 
schwerer als der Name Nöldeke, selbst wenn 
dieser Name den andern Namen Gesenius zur 
Beilage hat. Mindestens ist erwiesen, daß die 
Herleitung des J^t von biK nicht feststeht: daß 

so gute Kenner des Arabischen wie Lane, Dozy^ 
Gauhari J^t nicht als zu bifit gehörig ansehen. 

Was ob^M anlangt, so konnte dies allerdings 
auch dann von b*)» hergeleitet werden, wann sein 
Qame9 sich gelegentlich zu Paxah yerkürzte: 
Ö"»3ab« Ezechiel 41, 15 beweist gegen die Her- 
leitung des Wortes von bi» so wenig wie o^Ta'n'»? 
and 0'>;s'p973 trotz Gesenius thesaurus 1070 etwas 
gegen die Uerleitnng dieser Vokabeln von ^i]^ 
oder n*i3> beweisen: das Etymon kann im Laufe 
der Zeiten verdunkelt sein. Wohl aber muß man 
zwei Fragen auf werfen: 

A) paßt das Suffix t3 für ein Wort der Be- 
deutung Vorhalle? 

B) schreibt sich da^s Wort a^N oder ab;)«? 
die Lesart schwankt, und Herr Seligmann 
Baer wird schwerlich stark genug sein sie 
festzustellen. Es möchte aber doch eini- 
ges darauf ankommen, ob man oVn öbu< 
oder — beiläufig gesagt (die LXX »ratheni 
vielleicht nur) — aiAa/i» als überliefert an- 
zusehen hat: wenigstens tsbj^^ käme nicht 
von bis her. 



184 

Auf die Gefahr hin, daß es irgend wem passe 
über meine Forderungen zu declamieren, welche 
»möglicher Weise zur Zeit unsrer Urenkel« er- 
erfüllt werden werden — es pflegt sonst die Ein- 
sicht nicht ungewöhnlich zu sein, daß es eine 
Forderung nicht zu verurtheilen zwingt, wenn 
man begreift, daß sie zur Zeit noch nicht durch- 
zusetzen ist — , selbst auf diese Gefahr hin be- 
kenne ich, daß für mein — freilich nur theolo- 
gisches — Verstehn von Olshausen § 216* über 
den hier vorliegenden Fall nichts zu gewinnen 
ist. Beiläufig erinnere ich daran, daß Fr. Bött- 
cher in der neuen Aehrenlese § 929 wenigstens 
auf einiges aufmerksam gemacht hat, was erle- 
digt sein muß, ehe über ts^K t3^ib< mXaf$ geur- 
theilt werden darf. 

Daß die Etymologie einer Vokabel der alt- 
asiatischen Architektur nicht besonders geeig- 
net ist als Baugrund für Hypothesen zu dienen, 
dürfte besonnenen Gelehrten ohne Weiteres klar 
sein. Ich zum Mindesten weiß nichts über die 
Wege, welche die Kunst Palladios zu Homers Zeiten 
in Asien gewandelt ist : seit Akkadier, Sumerier, 
Assyrier, Aegyptier hier um die Wette Anspräche 
erheben dürfen, werde auf alle Fälle ich mich 
vierfach hüten, einen Ausdruck einer nirgends 
domicilierten Technik oder ga.r aus ihm etwas 
anderes zu erklären. Doch verweise ich gerne 
auf meine armenischen Studien § 499. 

Bei internationalen Vokabeln kommt man 
höchstens auf eine Volksetymologie: bei Ausdrü- 
cken, welche das Leben mit Gott oder den Göt- 
tern bezeichnen, handelt es sich um das allerin- 
nerste Eigenthum der Nationen, das nicht impor- 
tiert und nicht exportiert werden kann, und das 
eben darum — wie alle Poesie — nur von dem 
begriffen wird, der in Dichters Lande gehn mag: 



185 

ein Blättern in Wörterbüchern, und wären die 
Wörterbücher von Gesenias, hilft gar nichts. 

üebrigens dürfte es nicht semitisch, überhaupt 
nicht antik sein , eine Vorhalle als Vorliegendes 
oder gar Erstes (J^? einmal als Wurzel zugege- 

beo) zu bezeichnen. Alle alten Hauptwörter ver- 
schmähen die Kategorie der Relation. Wenn 
man über Erscheinungen des Lebens alter Spra- 
chen mitreden will^ muß man unter andern Ge- 
neralien auch diesen Satz stets gegenwärtig ha- 
ben. |Vn«, plOö, pttS'^D und ähnliches verbietet 
aVi» von einer Ordinalzahl herzuleiten. 

In Betreff des b^Jj Widder wird unten zu 
Tage treten, daß auch die Aegyptier das Wort 
als auAi = oiXe besitzen : diese Thätsache dürfte 
die £inschlachtung des b'^M für das Wurzelwör- 
terbach nicht ganz leicht erscheinen lassen. 

üeber das aramäische Viik und das arabische 
v3lt et regierte und jü^jt mich zu äußern, lehne. 

ich ab, bis ich mehr von ihnen wissen werde, 
als die landläufigen Lexica mich lehren. Sollte 
v3tt ein — im technischen Sinne dieses Aus- 
drucks — semitisches Wort (nur ein solches 
darf für bht .in Betracht kommen) für regierte 
sein, so würde — auch ganz abgesehen von 
der nachher zu besprechenden neutro - passiven 
Form dieses Particips — V« ganz gewiß nicht 
von ihm hergeleitet werden dürfen. Denn der 
Begriff der Regierung ist von dem der Vorse- 
hnng und dem andern des Zweckes und Zie- 
les nicht zu trennen : der Begriff Vorsehung und 
Begiernng aber in irgend wie der Erwähnung wer- 
them Sinne dieser Wörter tritt meines Wissens 
erst mit der Offenbarung auf, während b« sehr 
entschieden vor der Offenbarung liegt. Es ist 
auch unzulässig, aus v3ti er regierte flugs den 

U 



186 

Führer zu beschaffen, und Fuhrer dann mit Herr 
wechseln zn lassen, nm 775 mit dem von recht 
geringem Yerstimdnisse zeugenden Satze zu schlie- 
Ben, daA b« — Euerer? Führer? Herr? — 
»ungefähr gleich andern von den Semiten auf 
Göttemamen angewandten [so] Wortern wie ^nM, 
b!>a, ^b5a seic. Mit Verlaub: n-^an p« ist der, 
welcher im Hause ändern und schaffen darf wie 
und was er will, n^:an b:^a der, welcher das Hans 
aus Naturrecht sein nennt, ^bTa der, welcher et* 
was aus irgend welchem Bechtstitel mit Aus- 
nahme des vom Naturrechte verliehenen besitzt 
— ich unterscheide natürlich Eigenthum und Be- 
sitz — : y\vt (von -^n« wie "jl?« = b» von -»bN) 
ist in das aegyptische übei^egangen, was ich von 
Herrn H. Brugsch in dem ersten Bande der von 
ihm und den Herren Chabas und Revillout her- 
ausgegebenen revue egyptologique 22 — 32 (eine 
Fortsetzung des angezogenen Aufsatzes habe ich 
noch nicht gesehen) nicht erkannt finde : ich bitte 
Adolf Erman sich über den Punkt zu äußern. 
Ist im aegyptischen nach Herrn Brugsch 32, der, 
wie gesagt, vom hebräischen nichts weiß, pM 
:= Si^yy ^ P^^ clas der Theologie vortrefflich. 

Weiter lehrt Herr Nöldeke 773: ^Ist ^n die 
letzterreichbare Form, so müssen wir es zu den 
[in der] Mand[äischen] 6ramm[atik] 108 behan- 
delten wie y2 ... p)^ ... nu3 ... stellen«. Er gibt 
in der Folge noch n», ^?, yb, "^j, "^Ji IJ an, 

leitet ]!? ^ ^Is von yo und [so] ^srD, ^Vm von 

p|cn und [so] ^in, E):d d)b von (|D3 und [so] 

^nD, Ajld von xuid vjii, wie *iV} von *iiU7 ab. 



Um zu erläutern was Herr Nöldeke meint, 
wenn er behauptet, daß ich »leicht einmal nahe- 
liegende Thatsacben übersehe«; verweise ich auf 



187 

meine Orientalia II 7, 31 ff., wo rua p Jjs nt ^i 
^p '^^ mit b{£ nicht zusammenstellbar genannt sind. 
tb ist nicht genannt, ohne daß dies etwas znr 
Sache tfaäte: die Geschwister des — dnrch ein 
Druck- oder Schreibversehen ausgelassenen? — < 
]rb stehn in Reihe und Glied gegen Herrn Nöl- 
dekes Vorwurf im Felde. 

Es fehlen mir wirklich die syrischen Vokabeln, 
welche anzuführen ich nach Orientalia 11 7, 9 
keine Veranlassung hatte: es fehlt nt$, das aus 
dem Assyrischen entlehnt ist: jetzt ist zu erwä- 

Sm, was Friedrich Delitzsch »wo lag das Para- 
es?« 153 auseinandersetzt. Alles andere ist von 
mir selbst aufgezählt ! Aber ich habe gleichwohl 
»naheliegende Thatsachen übersehene. 

Ich habe sogar angegeben, warum ich bfi« 
nicht neben '^9 "13 nö nt ia setzen mag : »weil b« 
Q(^ kaum ein neutropassives Particip sein kann«. 
Es scheint, daß dieser Ausdruck nicht verständ- 
lich gewesen ist: ich bedaure, TrivialiiSten be- 
spre^en zu müssen. 

Die Semiten achten genau darauf, ob ein 
Zeitwort wirklich eine Handlung oder nur ein 
in der Form einer Handlung auftretendes Leiden 
bezeichnet. Niemand der nicht taub ist, überhört 
einen Laut : zu sehen braucht niemand der nicht 
sehen will: man kann die Augen, aber nicht die 
Ohren schließen. Darum heißt er hörte «^ mit 

I anf dem zweiten Radikale, das dann yasmafi 
bildet : die Hebräer sollten 973ib sagen, sagen aber 
irriger Weise 9730: nur zeigt 9»ttj7 (dessen A 
mit dem Gutturale* genau gar nichts zu thun hat), 
daß auch sie einst 97^^ = SamiS brauchten. 
Hingegen sind die Zeitworter, welche sehen be- 
deuten, allemal volle Transitiva der Form qatala. 
Ke Participien nun der Verba, welche auf dem 
zweiten Stammbu^hstaben ein I haben, unter- 



188 

scheiden sich von denen, welche dort ein A . fäh- 
ren. Wirkliche Activa bilden keine Adjectiva 
und Participia der Form qatil: sie bilden qätil, 
beziehnngsweise qätal. uisf^ ss yabis, tt»s = 
6amifi», a:j^^ = ragib sind erhebUch und we^nt- 
lieh Ton den gewöhnlichen Participien des tran- 
sitiven Verbums verschieden. Die Verba n5> und 
^P verfahren wie die dreibuchstabigen, nur kön- 
nen sie, da sie nicht drei Radikale haben « ihre 
Participien nicht als qätil und qatil bilden: es 
stehn sich bei ihnen qäm (säm) und mex gegen^ 
über. Bei einigem Nachdenken findet man die 
den Formen zu Grunde liegende Anschauung der 
Sprache fast stets noch heraus. 

Niemand ist freiwillig ein ^^: jeder der die 
Wahl hat, wird vorziehen, altgesessener Bürger 
zu sein : niemand freiwillig nti , denn man 
wünscht meistentheils zu leben: der na leuchtet 
nicht aus eigner Macht, sondern weil er ange* 
zündet wird — und so weiter. Es ist wirklich 
stark, bM Gott diesen Vokabeln gleichzustellen: 
stünde es ihnen gleich, so würde bH denjenigen 
bezeichnen welcher, ohne daß er selbst etwas 
dafür kann, ohne daß er will, der Erste, der 
Stärkste — oder was man sonst mag — ist. 
Die Aseität Gottes aber kommt niemandem in 
Frage, der sich als Interessierter um göttliche Dinge 
kümmert. Es ist Herrn Nöldeke aufbehalten ge- 
wesen — aus Gewohnheit und Gedankenlosigkeit 
thaten es vor mir alle, die sich zur Sache geäußert 
haben — , es ist Herrn Nöldeke. aufbehalten ge- 
wesen, b^ Gott ausdrücklich mit nx) tot auf Ein^ 
Stufe grammatischer Werthung zu stellen. Es 
wird jeder, der sich mit dem Hebräischen be- 
schäftigt, wissen, daß man von taip niemals &3|^ 
und von niTa niemals n?9 bilden darf : ein V^ 
würde also, falls es zu S^t< oder b"^» gehörte^ 



189 

durch seinen Vokal darauf hinweisen, dafl die 
Wnrzel eine eigentliche Handlang nicht bezeich- 
net: eine solche müßte sie aber bezeichnen, 
-wenn ein mit Gott lebender Mensch — und die 
Schöpfer der Sprachen lebten mit Gott — anf 
den Einfall kommen sollte von ihr eine Benen» 
nang Gottes herzuleiten. 

Die Sache steht für Herrn Noldeke noch be- 
denklicher, wenn man anf der von ihm angezo- 
genen Seite seiner mandäischen Grammatik (108) 
erfihrt, da£ er n» und ähnliche Formen selbst 
ab QATiLbildungen betrachtet. Ist nach Herrn 
Nöldeke b» der Vertreter eines »SL»i\, so ist nach 
ihm selbst bi&( kein Transitivum, und was ich 
oben gesagt, ist von ihm nicht zu bestreiten. 

Mir scheinen diese Thatsachen sammt und 
sonders wirklich so »nahe liegende zu sein, daß 
sie schlechterdings Ton jedem zu bedenken waren, 
der mir widersprechen wollte : ich hatte in mei- 
nem Aufsatze keine Veranlassung zu der belei- 
digenden Annahme, daß sie den Betheiligten un- 
bekannt sein konnten, und durfte also über sie 
schweigen, habe aber nicht einmal geschwiegen, 
sondern mich um übelwollender Leser willen mit- 
telst der 8, 1 gemachten Andeutung gesichert. 

Herr Noldeke wird sich vermutblich als einen 
Freund und Bewunderer der Semiten ansehen: 
er würde gut thun, das was die Semiten wirklich 
Erhebliches ihr eigen nennen, schätzen und ver- 
stehn zn lernen. Für mich gilt die Scheidung der 
Zeitwörter in qatila qatala qatala, der Participia 
in qatil qätil , der Adjectiva in qatil qatul qatal 
als eines der schönsten Besitzthümer der semiti- 
schen Sprachen, dessen Dasein ich nie vergesse. 

Ueber den Werth des in als = >^5 vorlie- 
genden Alafs wird man verschiedener Ansicht 



190 

sein därfen. Die zwei Stelleu des Kanons, in 
denen V\'d vorkommt, sind wenig beweisend: nach 
meinem Dafürhalten ist es recht schwer » wenn 
nicht unmöglich, für ein Wort, das Felsen oder 
Stein bedeutet, ein Etymon zu finden, und das 
Orakel, daß V(d neben P)g^ und qiD stehe, beg^* 
net bei mir einem starken Unglauben. Ich kann 
das auch etwas höflicher ausdrücken : ich bin zu 
dumm zu begreifen, wie von 9\'s ^^^ krumm sein 
ein Wort für Fels, Stein herkommen soll, da 
ich [das Krummsein nicht als charakteristische 
Eigenschaft der Felsen und Steine kenne. Für 
Belehrung bin ich natürlich stets zugänglich. 

üebrigens kommt für die Beurtheilung we- 
nigstens einiger Derivate der »Wurzel« biM noch 
in Betracht, daß sie sich auch im Koptischen 
finden. Es ist längst bekannt, daß b^» Wrsch 
auf koptisch eiofA, daß b^fii auf aegyptisch miAi 
s oAe heißt. Dies ist doch auch eine »nahe- 
liegende Thatsache«, und beweist für ^^ Gott 
wenig, aber für den Werth der Wurzel ^t« recht 
viel. In dem thesaurns des fleißigen Gesenius 
steht freilich I 45 46 nichts von eio^^ oiAe, 
wohl aber in Boedigers Nachtrage lU 66: ich 
habe die Thatsache bereits 1852 besprochen, und 
vor mir wird deRossi sie erwähnt haben, dessen 
Buch ich zur Zeit nicht einsehen kann. 

Beiläufig will ich hier die Vertreter der »bi- 
blischen Theologie des alten Testaments« darauf 
hinweisen, daß ']'^7a = jueiite Auite und r\l\^ 
(*amint) = «juien'^ ist: vielleicht hilft der Hin- 
weis den Herren dazu, sich einmal weiter umzu- 
sehen und sich vorsichtiger zu betragen. 

Mir ist es im höchsten Grade unerwünscht, 
Aufsätze wie den vor vier Jahren veröffentlichten 
über die Inschrift von Carpentras (der seitdem in 
den Symmicta U wiederholt ist) und den heute 



191 

vorgelegten schreiben za müssen: die Pflicht ist 
aber unerbittlich, wenn höhere Interessen — sei 
es die Ehre des Staats, eei es die Wissenschaft 

— auf dem Spiele stehn. 

Es ist von Werthe, wie die Anschannng daft 
das Menschengeschlecht aus dem Miste sich durch 
die Peristaltik der Noth emporgearbeitet, so auch 
die andere zu beseitigen« daß die Geschichte ge- 
tTOcknet angewachsen sei. 

Die ersten Menschen hatten als Ahnen Goethes, 
Grimms, Bachs dvpdf$e$y yirtnell, in der Potenz 

— der Leser mag ans diesen Ausdrücken sich 
den ihm Verständlichsten und Genehmsten aus- 
wählen — alles was Goethe, Grimm, Bach be* 
saßen. Sie waren daher keine. Thiere , sondern 
Kinder, denen die Vorsehung erziehend zur Seite 
gestanden haben wird, wie jeder Vater seinem 
Kinde dies thun soll. Die ersten Menschen ha- 
ben aber als Kinder sicher nicht die correcten 
Anschauungen der bei einem Zeitungen lesenden 
Publicum allein gut angeschriebenen Rationalisten 
gehegt, sondern im Instincte junger Welt zuge- 
griffen: sie haben als Kinder, welche Augen für 
Sterne und Sterne für Augen halten, Ort und 
Zeit verkannt, aber den Glauben an ein Ewiges 
besessen, für dessen Dasein sie noch keinen Be* 
weis hatten als das Bewußtsein, daß es noth- 
wendig, und* daß es im Einklänge mit der Wis- 
senden eigenstem Wesen war. 

Ich bin Herrn Noldeke von Herzen dankh&r 
dafür, daß er mir durch seinen Widerspruch^ Gele- 
genheit gegeben hat, meine Auffassung des ältesten 
Gottesnamens der Semiten neu zu prüfen : meines 
Erachtens hat sie die Prüfung bestanden, welche 
dieser Gelehrte ihr doch leichter gemacht, und 
die er, auch abgesehen von dem Werthe, den 
seine Mittheilungen für die Wissenschaft haben 



192 

konnten, in einer andern Weise hervorgerufen 
hat, als seinem iRafe frommt. 

Bis auf Weiteres beharre ich — auf das Po- 
sitive meiner Ausführungen hat Herr Nöldeke gar 
keine Bücksicht genommen, da Sjmmicta II 101 
— 103 dabei nicht zu umgehn gewesen wären — 
ich beharre bei der Ueberzeugung , daß b{$ Oott 
und VfiJ Äiw-^w, zur ]/ "«V» gehörig, im Grunde 
Ein und dassellde Wort sind , bei der Ueberzeu- 
gung, daß bfijt Gott denjenigen bezeichnet, wel- 
cher das Ziel aller Menschensehnsucht und alles 
Menschenstrebens ist. Damit niemand glaube, 
daß diese Auffassung nicht antik sei — sie ist 
leider vielmehr nicht modern, und darum, nicht 
aus Gründen der Wissenschaft, wird sie befeindet 

— moderne Menschen halten sie für durchaus 
unmöglich, und deshalb ohne Beweis für unrichtig 

— setze ich die Worte der Odyssee y 48 her: 

Da ich aber zu zeigen wünsche, daß auch für Semi- 
ten, deren mir verständliche Urkunden leider nicht 
alt sind; diese Auffassung der Sache sich wenigstens 
denken läßt, stelle ich neben Homers Vers aus der 
vierzehnten Makame des Gharisi die Aussage, Gott 
sei iva^'n Vs m«m )0B3 bs puim pn^na bD mdii^d. 
Oder sollte Charisis Anschauung über Avicebron 
aus Plotin stammen ? Es ist nicht Meine Schuld, 
daß den hauptsächlich Interessierten das eine 
Pictum so unverständlich bleibt, wie das andere : 
ich ]3abe, obwohl nur den Originalen geneigt, 
mich viel zu viel mit Uebersetzungen zu plagen 

— und namentlich die Siebenzig sind wahrlich 
nicht y^ — , um selbst eine üebersetzung zu liefern« 

15 März 1882. 

Ffir dieBedaction Terantwortlich : Dr. Bwhtd, Director d. Gölfi. gel. Abs. 

Commissions -Verlag der JHit$rich'schtn Ytrktffa' Buchtum^miff, 

Druck der Dieterich'scheti Vniv,'Btichdrftckerei (W, Fr, KamtnerU 



193 

Naehrichten 

von der 

Koni gl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg- Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



5. April. M 8. 1882. 

KdMigliche Ceselhchaft der WisseBschaftci. 

SitzuDg am 4. März. 

UiWersität 

Beneke - Stiftung. 

Prei 8-Verkündung und neue Preis- 

Anfgabe. 

Zur Feier des Geburts- Tages des Stifters 
wurde am 11. März 1882 in öffentlicher Sitzung 
der philosophischen Facultät unter dankbarer 
Erneuerung des Andenkens an den Stifter das 
Urtheil über die Preis-Bewerbung dieses Jahres 
verkündet. 

Die von der philosophischen Facultät zu 
Göttingen im Jahre 1879 gestellte Preis-Aufgabe 
der BENEKE-Stiftung lautet: 

»Die Entstehung des deutschen Kurfürsten- 
kollegiums ist in neuerer Zeit Gegenstand ver- 
schiedener Untersuchungen gewesen, aber zum 
Theil bezeichnen dieselben nur einen Rückschritt 
in der Forschung, zum Theil haben sie nicht die 
Frage in ihrer Vollständigkeit aufgenommen. 
Es erscheint jetzt zweckmäßig und an der Zeit, 
daA eine üeber«icht der särpmtlichen Erklärungs- 

15 



194 

veräuche aui'geätelii uud der g«geuwärtige Staud 
der Forschung nach allen Seiten hin klar gelegt 
werde. Es kommt darauf an, zu bestimmen, 
was im Augenblick als bleibender Gewinn und 
was für immer als abgethau gelten kann. Auch 
auf dem Gewinnkonto soll genau geschieden wer- 
den zwischen dem, was als sicher, und demjeni- 
gen, was nur mit dem Werth plausibler Theorie 
auftritt. Bei mehreren Punkten muß es mög- 
lich sein, wenigstens die unüberschreitbaren 
Grenzen unseres Wissens zu fixieren, und daraus 
ergeben sich wol auch solche, wo die Forschung 
noch mit einiger Aussicht einzusetzen hat« Als 
Zeitgreiize darf die Goldne Bulle angenommen 
werden, deren Bedeutung als Akt der Gesetzge- 
bung wenigstens nach dieser Seite hin umfassend 
und kritisch gewürdigt werden soll, üngedruck- 
tes Material, wenn überhaupt erreichbar, ist als 
Beilage erwünscht, aus dem gedruckten eine 
abschließende Neue Ausgabe der Goldenen Bulle 
selbst nebst der alten, wol gleichzeitigen, viel- 
leicht officielieu üebersetzung. Eine chronolo- 
gisch geordnete regestenartige üebersicht über 
den sämmtlichen urkundlichen Sto£P mit allen 
Quellen- und Druckangaben, wobei die wichtig- 
sten Stellen im Wortlaut mitgetheilt, auch die 
der Geschichtschreiber eingeschaltet werden kön- 
nen, würde die immer wiederkehrende Anhäu- 
fung derselben Worte in den Noten beträchtlich 
vereinfachen und eine willkommene Üebersicht 
über das rechtsgeschichtliche Material bieten.« 

Zur Lösung dieser Aufgabe ist rechtzeitig und 

unter Beobachtung der bestehenden Vorschriften 

eine Arbeit eingelaufen, welche den Titel führt: 

»Entstehung, Entwicklung und gesetzliche 

»Festigung des EurfürstencoUegiums,« 

und mit dem Motto versehen ist: 



195 

»Nicht gesetzgeberische Acte, sondern der 
»Respect vor dem Herkommen und die Aas- 
»bentnng zufällig eingetretener Ereignisse ha» 
>ben das Staatsrecht Deutschlands während 
»des Mittelalters begründet.« 
Die Arbeit erfüllt anf der einen Seite einige 
Desiderien der Aufgabe nicht, während sie in 
anderen Punkten weit über dieselbe hinausgeht. 
Sie läßt vermissen : erstens die geforderte Aus- 
gabe der deutschen üebersetzung der Goldenen 
Bulle; zweitens ist die Uebersicht der sämmt- 
liehen früheren Erklärungsversuche über die 
Entstehung des Eurfürstencollegs, dessen was als 
sicher, als plausibel oder als unbewiesen gelten 
kann, nicht in der schematischen Weise durch- 
geführt, wie es die Aufgabe zu verlangen scheint; 
drittens fehlt die chronologisch-regestenmäAige 
Uebersicht über den Quellenstoff. — Dahingegen 
hat der Verf. sich nicht begnügt den lateinischen 
Text der 6.B. auf Grund des gedruckten Mate- 
rials zu geben, hat vielmehr alle erreichbaren 
Handschriften derselben seiner Ausgabe zu Grund 
gelegt, und hat weiter eine vollständige Ge- 
schichte des Kurfürstencollegs bis zur G.B. ge- 
liefert. — Die oben angedeuteten Lücken fallen 
nach Ansicht der F^acultät nicht schwer ins Ge- 
vricht: denn der Verf. hat erstens gegen die seithe- 
rige Annahme unwiderleglich nachgewiesen, daß 
der deutsche Text der G B. keinen Anspruch auf 
officiellen Ursprung hat, vielmehr eine spätere 
Privatarbeit ist; eine neue Ausgabe desselben 
wäre demnach ein ganz zweckloses, die Wissen- 
schaft in keiner Weise förderndes Unternehmen 
gewesen. Der Verf. gibt zweitens in der Ein- 
leitung eine kritische Erörterung der wichtigsten 
neueren Erklärungsversuche, setzt sich im Ver- 
laufe seiner Arbeit stets mit allen früheren Be- 



196 

arbeitern des Gegenstandes aaseinander, sodaß 
hieraus jeder Leser sich ein Urtheil bilden kanu 
über das was von den seitherigen Annahmen 
sicher oder nar plausibele Hypothese ist oder 
was als abgethau gelten kann. Der Verf. bat 
drittens das sämnitliche Quelleumaterial verwer- 
thet; von einer chronologisch -regesteumäßigen 
Zusammenstelhmg desselben durfte er um so eher 
absehen, als die Aufgabe dieselbe nur facultativ 
hingestellt hat. 

Die beiden letzten Divergenzen der Arbeit 
von der Aufgabe zeigen gerade, daß der Verf. 
den Sinn derselben in durchaus selbständiger 
Weise erfaßt hat; er unternimmt es, in zusam- 
menhängender kritischer Darstellung, nicht iu 
mechanischer Zusammenstellung der Lösung der 
Aufgabe gerecht zu werden. Die Arbeit ist 
durchaus planvoll und zielbewußt angelegt, der 
Plan ist mit Consequenz, Umsicht und großer 
Belesenheit durchgeführt. Vor allem hat der 
Verf. die Quellen in allen Theilen seines Werkes 
iu umfassender Weise herangezogen, neben dem 
gedruckten auch mancherlei bisher ungedrucktes 
Material verwerthet; er beherscht überall voll- 
ständig seineu Stoff, ordnet und gruppirt deu- 
selben mit gründlicher Methode, fällt seine Ur- 
theile durchweg mit Besonnenheit und Scharf- 
sinn. Die Diction ist dem Inhalte durchaus 
angemessen und klar. 

Nachdem er in der Einleitung eine üeber- 
sicht über die wichtigsten der seitherigen Auf- 
stellungen über die Entstehung des E.G. gege- 
ben, präcisirt er die Aufgabe und Methode seiner 
Arbeit. Als Hauptrichtschnur der Untersuchung 
stellt er hin die Scheidung zwischen den facti« 
sehen Wahlvorgängen und den Wahltheorien, 
welche seit Ende des 12. Jahrhunderts auftau- 



197 

chen. Durch NichtbeachtuDg dieses Unterschie- 
des siud die meisten früheren Forscher zu den 
unklaren and unrichtigen Aufstellungen gelaugt, 
welche bis in die neueste Zeit diese Frage ver- 
wirrt und ihre Lösung erschwert haben. Es ist 
daher als ein wesentliches Verdienst der Arbeit 
zu betrachten, daß sie die Methode, welche hier 
allein zu klarer Erkenntuiß führen kann, überall 
scharf zar Anwendung gebracht hat, wenn auch 
betont werden muß, daß schon einzelne andere 
Forscher vor dem Verf. diesen Weg beschritten 
haben. 

Der 1. Theil der Arbeit handelt von der 
Entstehung des K.C. (bis 1273). Das unendlich 
oft benutzte und durchgesprochene Quellenma- 
terial das hier zu Gebote steht, ist mit großer 
Selbständigkeit und Schärfe des Drtheils ver- 
werthet, zu weitgehende Hypothesen früherer 
Forscher werden gründlich und maßvoll zurück- 
gewiesen. Das was der Verf. selbst an die Stelle 
setzt, wird zwar (wie das in der Natur der Sache 
und des Materials begründet ist) nicht Jeden in 
allen Punkten befriedigen, ist aber jedenfalls ein 
werthvoller Beitrag zur Lösung einer der schwie- 
rigsten Fragen der Deutschen Verfassungsge- 
schichte, in mehreren Punkten ein werthvoller 
Fortschritt unserer Erkenntniß. 

Der 2. Theil betitelt: »Entwickelung und 
rechtlicher Bestand des K.C. bis zur Mitte des 
14. Jahrhunderts«, ist der umfangreichste und 
werthvoUste der Darstellung. Auf Grund umfas- 
sendsten und eindringendsten Quellenstudiums 
wird hier zum ersten Male in zusammenhängen- 
der Entwickelung die Geschichte des K.C, der 
einzelnen Kurstimmeu, die Functionen und Vor- 
rechte der Kurfürsten, ihr Verbältniß zu anderen 
Gewalten, besonders zum Pabste vorgeführt, vor 



198 

allem auch die Königswahl der Zeit selbst in 
ihren verschiedenen Phasen nnd Formalitäten ge- 
nau erörtert. 

Der 3. Theil geht dann anf die »Gesetzliche 
Festigung und Abschließung des K.C. durch die 
G.B.« ein, behandelt zunächst die Politik Karls IV. 
in ihrem Zusammenhange mit dem Erlaß des 
Beichsgesetzes , und würdigt weiter eingehend 
und sachgemäß die Bedeutung der G.B. selbst 
für die Ausbilduug des K.C. Alle Vorziäge, 
welche dem 2. Theile nachzurühmen sind, gelten 
auch von diesem, nur daß hier der Natur des 
Gegenstandes nach neue Resultate weniger er- 
zielt werden konnten. 

In einem »Excurs« betitelten Abschnitte tritt 
der Verf. dann an die Lösung der von der Preis- 
frage gestellten Aufgabe einer neuen Ausgabe 
der G.B. heran. Er handelt eingehend von der 
üeberlieferung des Gesetzes in Handschriften und 
Drucken , geht hier somit , ebenso wie bei der 
Ausgabe der G.B. selbst, weit über das von der 
Preisfrage gesteckte Ziel hinaus. Der wissen- 
schaftliche Werth dieses Theiles der Arbeit so- 
wie der neuen Ausgabe der G.B. ist nicht hoch 
genug anzuschlagen. Der Verf. hat alle erreich- 
baren handschriftlichen Exemplare der G.B. selbst 
untersucht resp. collationirt. Er hat vor allem 
das Verdienst, dasjenige Exemplar, welches un- 
streitig für die älteste und originalste Ausferti- 
gung gelten mnß, welches Kaiser Karl IV. selbst 
für sich anfertigen ließ, das früher in Prag jetzt 
in Wien aufbewahrt wird, bisher noch niemals 
kritisch ver werth et wurde und fest verschollen 
war, wieder ans Licht gezogen und zur Grund- 
lage der neuen Ausgabe gemacht zu haben. Da 
diesem Böhmischen Exemplare gegenüber die 4 
anderen kurfürstlichen Exemplare nur unterge- 



199 

ordueteu, die 2 städtischen gar keiueu »elbstäu- 
digen Werth beanspruchen können, sind in der 
Aasgabe von diesen gar keine Varianten anfge- 
Dommen, von jenen nur die varia lectio der 
Eigennamen nnd Abweichungen mehr singnlärer 
Art Dotirt — ein Verfahren, das nur zu billigen ist. 

Als »Anhängec folgen zum Schluß der Ar- 
beit einige nngedruckte Urkunden aus den Ori- 
ginalen welche mit den in der Abhandlung be- 
rührten Fragen in Beziehung stehen und der- 
selben noch besonderen Werth verleihen, dann 
»Bemerkungen zu einigen bereits publicii-ten Ur» 
kaodenc, welche einzelne kritische Fragen ein- 
gehender behandeln als dies in den Anmerkungen 
2nr Arbeit möglich war. 

Der Arbeit im Ganzen gereicht noch zum 
besonderen Lobe, daß der Verfasser es durch- 
weg vermieden hat, Bekanntes und allgemein 
Anerkanntes weitläufig zu wiederholen. 

Die Facultät kann somit die Arbeit als eine 
ganz vorzügliche wissenschaftliche Leistung von 
bleibendem Werthe bezeichnen und steht nicht 
an, derselben den ersten Preis der Beneke- 
Stiftung zuzuerkennen. Indem die Facultät 
bei dieser Gelegenheit sich der ausgezeichneten 
Lösung der letzten historisch-volkswirthschaitli- 
chen Aufgabe erinnert, gibt sie der Hoffnung 
Ausdruck, daß auch in Zukunft die BsNBKE-Stif- 
tung der Absicht des Stifters gemäß fördernd 
einwirken werde auf die Weiterentwickelung der 
dem Bereiche der philosophischen Facultät an- 
gehorigen Wissenschaiten. 

Die Eröffnung des mit gleichem Spruche ver- 
aehenen verschlossenen Briefes ergab als Verfas- 
ser Herrn 

Dr. Otto Harnack aus Dorpat. 



200 

N«ue Preis- Aufgabe. 

Die Aufgabe der BENEKE'schen Preis-Stiftung 
für das Jahr 1885 ist folgende: 

»Es sind umfassende Untersuchungen aus- 
zuführen in Bezug auf die mikroskopische, 
das heißt anatomische und mikrochemische 
Structur des vegetabilischen Protoplasma«. 
Bewerbungs-Schriften sind in Deutscher, La- 
teinischer, Französischer oder Englischer Sprache 
niit einem versiegelten Briefe, den Namen des 
Verfassers enthaltend und durch den gleichen 
Spruch wie die Be wer bungs- Schrift bezeichnet, 

bis zum 31. August 1884 
an uns einzusenden. 

Die Zuerkennung der Preise erfolgt am 11. 
März 1885 dem Geburts-Tage des Stifters, in 
öflfentlicher Sitzung der philosophischen Facultät 
in Göttingen. 

Der erste Preis beträgt 1700 Mark, der zweite 
680 Mark. 

Die gekrönten Arbeiten bleiben unbeschränk- 
tes Eigenthum des Verfassers. 

In den »Nachrichten von der Königl. Gesell- 
schaft der Wissenschaften und der G. A. Uni- 
versität zu Göttingen« findet sich im Jahrgange 

1880 April 28. Nr. 7 Seite 298 die Preis -Anf- 
gabe, für welche die Bewerbungs-Schriften bis 
zum 31. August 1882 und ferner im Jalirgange 

1881 April 11. Nr. 8 Seite 243 die Preis-Auf- 
gäbe, für welche die Bewerbungs-Schriften bis 
zum 31. August 1883 einzusenden sind. 

Göttingen. 1882. April. 1. 

Die philosophische Facultät. 
Der Decan 
Ernst Schering. 

^■■— ■-.■■■■_ r . ■■■- ^« .^ ■ I . w ■ ^ — I ■ — -*- - - — - I H ill ' - 

Fftr dieBedaction verantworüich : Dr. BechUi, Director d. Gott. gel. Anz. 

Commissions -Verlag der JHeterich' sehen Verlags' Bvckhmdkmg, 

DruiA der Dieterich'schen UniVt- Buchdnwkerei pV. Fr. KawiMr), 



' 



I 



201 

Nachriehten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augusts-Universität 
zu Göttingen. 



10. Mai. M 9. ' 1882. 



Kong^che CleseHseliaft der Wisseiscliaftei. 

^taang am 6. Augnsi 1881. 

lieber die Biehler^sche Gemmensamm- 

lung. 

Von 
Fr. Wieseler. 

Herr Ritter Tobias Biehler zu Baden bei 
Wien hat seit etwa fünfzig Jahren mit der äus- 
sersten Sorgfalt und Mühewaltung aus allen Welt- 
theilen geschnittene Steine und Pasten (jene in 
ganz überwiegender Mehrzahl) gesammelt und 
80 einen Sehatz zusammengebracht, der nicht 
allein durch die Zahl der Steine (mehr als 1000) 
alle bekannten Privatsammlnngen überragt, son- 
dern durch die Manichfaltigkeit und Vollständig- 
keit der Belege für die Ausübung der Glyptik 
bei den verschiedensten Völkern, in den ver- 
schiediensten Zeiten und nach den manichfaltig- 
sten Arten sich mit den großen öfiPentlichen 
Hof- und Staats- Sammlungen messen kann, ja 
unter den an der Gljptik sich betheiligenden 
Völkern ein paar repräsentirt, die in keiner der 
großen öffentlichen Sammlungen vertreten sind. 

Herr Biehler bemtzt nach seiner Angabe von 

16 



202 

dea auch in auderen Sammluugeu vertreteneu 
Gattungen von geschnittenen Steinen folgende : 
altägyptiscbe, Babylonische, Assyrische, Medische, 
Phönizische , Parthische , Persisch - Babylonische, 
Persische (auch Schriftsteine), Etruskische, Grie- 
chische, Griech. Schriftsteine, Griechisch-Aegyp- 
tische, Griechisch-Römische und Römische, Rö- 
mische Schriftsteine , Römisch - Aegyptische, 
Abraxas , altchristliche , Byzantiuische , mittel- 
alterliche, Cinquecento-Gemmen, Arabische, Per- 
sische, Türkische und Armenische Schriftsteine, 
moderne Gemmen aus dem 17ten, 18ten und 
19ten Jahrhundert. Nur altindische hat er, 
trotz der äußersten aufgewandten Mühe nicht 
erhalten können^). Dagegen hat er Mexikani- 
sche Werke der Glyptik, darunter mehrere aus 
Beryll^), und eins aus Neuseeland'). 

Unter den einzelnen Stücken seines Besitzes 
sind nicht wenige, welche den reichsten öffent- 
lichen Sammlungen zur Zierde gereichen würden. 

Wenn nun die Biehler'sche Gemmensammlung 
schon an sich der größten Berücksichtigung 
werth ist, so verdient sie dieselbe doppelt als 
noch bestehende Privat Sammlung. 

Solche Sammlungen- sind dem Wechsel unter- 
worfen. Sie verbleiben selbst in hochansehn- 
lichen Familien nur sehr selten ständiges Besitz- 
thum*). Nicht häufig tritt der für die Wissen- 
schaft günstige Fall ein, daß ihr Bestand ganz 
oder doch zum größten Theile einem neuen Pri- 
vatbesitzer oder, noch besser, einer öffentlichen, 
festen Sammlung anheimfallt^). Hie- und dahin 
zersprengt, in unbekannten Besitz oder auch an 
schwer zugängliche Oerter gerathen, gehen sie 
für die Wissenschaft so gut wie verloren, wenn 
sie nicht etwa in einer allgemeinen öffentlichen 
Ausstellung zufallig an das Licht kommen^. 



203 

Die Biehler^8cbe Sammlung gehört keiues- 
weges zu den unbekannten. Sie ist dem Yer- 
nemnen nach seit ihrem Bestehen häufig besucht. 
Der Besitzer hat in löblicher Weise wiederholt 
eingehende Gataloge drucken lassen (1861, 1866, 
1873, 1877). Aber diese sind nie in den Buch- 
handel gekommen , sondern nur schenkweise, 
wenn auch in weitere Kreise verbreitet. Auf 
diesem Wege erhielt ich selbst vorlängst den 
Yom Jahre 1866. Auch durch Verschenkung 
yon Photographien hat Hr. Biehler Kunde von 
seiner Sammlung zu verbreiten gesucht, und 
zwar in weitesten Kreisen, nameutlich auch nach 
Nordamerika hin. Zudem ist die Sammlung 
schon vorlängst ein paar Male in Tagesblättern 
besprochen. Nichtsdestoweniger haben die 
Kunstgelehiten — die sich freilich überhaupt, 
mit wenigen Ausnahmen, nicht eben viel mit 
dem Gemmenstndium befassen — von den 
Biehler'schen Schätzen öffentlich kaum Notiz ge- 
nommen. Nur der Verfasser der Bearbeitung der 
Glyptik in Bruno Bucher*8 Gesch. der technischen 
Künste Bd. I, 1875, der die Sammlung vor. Tahren 
und, wie es scheint, nur flüchtig sich ansah, hat 
dieselbe freilich besonders hervorgehoben, konnte 
aber, dem Zwecke des Werkes gemäß, nur we- 
nige Stücke, und diese nur ganz in der Kürze 
berücksichtigen und hat dabei mehrfach Irr- 
thümer begangen, die, damit sie sich nicht weiter 
verbreiten , einer besonderen Berücksichtigung 
bedürfen '). 

Seit etwa zehn Jahren hat sich die Samm- 
lung quantitativ und qualitativ außerordentlich 
vermehrt. Außerdem hat Hr. Biehler seine 
sämmtlichen Gataloge cassiren lassen , weil er 
sie hie und da für ungenügend hielt. Er hat 
dafür freilich einen neuen abgefaßt. Doch soll 

16* 



204 

dieser erst uacb seinem (hoffeutUcU n^cb Unge 
a\is9tehenden) Tode erscheinend Nur den jüngst 
hehuf der f^rivatmittheilui^ neu pbotographirten 
Griechischen Gameen Taf. I, 9—14 und 16 u«d 
17 ist ein meist ne^er gedruckter Text beige- 
geben ®). 

Um so mehr ist eine Besprechung dieser 
Sammlung jetzt zeitgemäß, und außer derselben 
eine Bekanntmachung besonders beachtenswerther 
Stücke durch Abbildungen. 

Zu beiden Leistungen hat mich Hr. Biehler 
durch Uebersendung von schriftlichen Bi^nerkan-* / 

gen und bezw. Beschreibungen neuesten Datums 1 
und Photographien, so viele deren ihm noch zu 
Gebote standen, und Siegelabdrücken auf das liW- \ 

ralste in den Stand gesetzt. Da ich die Samm- j 

lung nicht durch Autopsie kenne, so muß icb 
die Verantwortung für die Richtigkeit der An- 
gaben und Urtheile im wesentlichen dem in der 
Gemmenkunde ausgezeichnet geübten Hrn. Be- 
sitzer überlassen. Ich werde mir nur dann und 
wann eine Gegenbemerkung erlauben, wie sie 
ein Archäolog auch aus der Ferne her wohl 
wagen darf. 

Die schriftlichen Mittheilungen Hrn. Biehler 's 
enthalten selbstverständlich nur eine allgemeine 
Uebersicht des Bestandes, nebst Hervorhebung 
einer Anzahl der namentlich in künstlerischer 
und technischer, auch in mineralogischer Hinsicht 
besonders wichtigen Stücke. Nach dem Gatalog 
vom J. 1866 zu schließen , der doch nicht ein- 
mal der neueste ist, fehlt es auch nicht an solchen, 
die allein in Beziehung auf die dargestellten Gegen- 
stände von besonderem Interesse sind. Von die-f 
s^n werde ich nur einige gelegentlich erwähnen« 



205 

I. 

Altägyptiscfae Gemmen. 

An aliägyptischen Steinen nnd Pasten besitzt 
die Sammlang 15 Stücke^ Das bedeutendste ist 
eine Isisbü^ö in Lapis Lakuli, ganz ans dein 
Randen geschuitten. Hr. Biehl&l* bezeichnet sid 
als ein Meidt^ff Ifv^erk , eine der ältesten nüd 
schönsten altägyptischeü Arbeiten. Höhe 32 
milL, Breite 32 mill. 

IL 

Asiatische Gemmen. 

Von den Asiatischen Völkern sind vorhanden 
geschnittene Steine, auch Pasten und Cylinder. . 

a. 

1) 25 Babylonische Gemmen. 

2) 2 Assyrische Gemmed. 

»Bine ^flügelte Sphint in Chailcedon ; eine an- 
tike asurblaue Paste: stehendei' König mit zwei 
au^eriditetefn Löw^n fingend. 

3) 5 Medische Gemmen. 

Meistens Priester mit längen Barten und bis 
an die FlL0e reichenden Gewändern , in Chalce-» 
don und in gestreiften Aeh^t geschnitten. 

4) 3 Phöni^äische Gemmeti. 

Drei Gameen: liegende Eüh nach linkd und 
nach rechts, liegender Stier, alle dtei in antike 
Pasten gesc&nitten. 

Ein IntagUö : die Gottheit Oaünes. Stehende 
Figar, zusammengesetzt ans frisch und Mensch, 
der vordere Theil --- Gesicht, Brust, Häödö, Leib 
tind Beine — mensdfelich , d»6r hintere Thelf, 
Kopf, Rückett u. s. w. a))s Fisch gestaltet. Weisse 



206 

lieber Quarz mit grauen und schwarzen Punkten. 
H. 17, Br. 12 mill. 

5) 2 Persisch-Babylonische Gemmen. 
Zwei nebeneinander stehende Pferde, üeber 

denselben der Mond, unter denselben die Sonne. 
Carneol. H. 7, Br. 12 millim. Sitzender König, 
umgeben von magischen Zeichen, dunkelbraune 
antike Paste. H. 20, Br. 14 millim. 

6) 20 Persische Steine. 

Auf mehreren Steinen befinden sich Argali- 
Schafe mit Hörnern wie sie die Steinböcke haben. 
Außerdem auch persische Könige und verschie- 
dene Thiere. Die Steingattungen sind Ghalce- 
don, braune Jaspise^ Carneole u. s. w. Dies sind 
lauter Intaglienc 

Das bedeutendste Stück ist aber nach Herrn 
Biehler »ein Griechisch-Persischer Stein, Victoria 
auf einer Biga, welche zwei geflügelte Greife 
lenkte, darstellend. 

Der geschn. Stein ist auf der beigegebenen 
Tafel I unter n. 1 abgebildet. Hr. B. hat über 
ihn im Catalog von 1866 S. 38, n. 8 Folgendes be- 
merkt. »Der geflügelte Genius« — so bezeichnete 
er die menschlich gebildete Figur damals — ist 
nackt und hält in seiner Linken die Zügel und 
in der Rechten die Gerte. Die Biga ist ohne 
Zierrathen. Die Köpfe der beiden Greife sind 
kurz, der Rachen geöffnet, die Ohren breit, die 
Mähnen gestutzt. Aus der Stirne wächst das 
Hörn, welches bei vielen heiligen Thiergestalten 
der Perser zu sehen ist. Eben so charakteri- 
stisch sind die etwas leierformigen Flügel, welche 
an die plastischen Arbeiten in den Ruinen von 
Persepolis und Ninive erinnern. Die Gemme 
scheint demzufolge eine antik-griechische Arbeit 
zu sein, bei welcher man den Stil der Perser 
oder Assyrer nachzuahmen trachtete, um et- 



207 

was Seltenes und Eigenthümliches darzustelleu». 
Nach seinen kürzlich mir zugekommenen schrift- 
lichen Mittheilangen denkt sich Hr. Biehler, 
daß der Grieche, von welchem die Arbeit her- 
rühre, in Persien gelebt habe. In der »Gesch. 
der techn. Künste« a. a. 0. 8. 291 wird das 
Werk sogar den »Persischen Kngelstein - Inta- 
glienc zugezählt. Aber es handelt sich um eine 
Oemme der gewöhnlichen Form, die allerdings 
sanft gewölbt ist. Gesetzt auch , daß die Dar- 
stellang der Greifen mit gehörnten Löwenköpfen 
in letzter Instanz auf Mittelasien zurückgehe, 
so ist sie doch in der Zeit, in welcher der Stein 
g^hnitten sein muß, in der Griechischen Eunst- 
übung wie noch später in der Griechisch-Römi- 
schen so verbreitet (Stephani Compte rend. de 
la commiss. Imp. archeol. pour Fa. 1864, p. 58fg. 
u. 245), daß eine unmittelbare Rücksichtsnahme 
auf Assyrische oder Persische Vorbilder nur dann 
einen Grad von Wahrscheinlichkeit haben würde, 
wenn der Gegenstand der Darstellung überhaupt 
unmittelbar auf Mittelasien hinwiese und es sich 
nachweisen ließe , daß das Material des Steines 
nur in jenen Gegenden gebräuchlich gewesen 
sei. Aber in Betreff des Erstem findet gerade 
das Umgekehrte Statt. Die Figur im Wagen 
ist ohne Zweifel Eros, der bekanntlich mit allen 
möglichen wilden Thieren fährt und auch sonst 
mit einem Greifengespann vorkommt (Stephani 
a. a. 0. p. 1 10). Das Material des Steins wurde 
von Hrn. Biehler früher ohne weiteres als Honig- 
stein , Melit (soll heißen : Melitit) bezeichnet. 
In seinen schriftlichen Mittheilungen drückt er 
sich vorsichtiger aus : es »scheine« sich um M. 
zu handeln. Daß der Xi&og fAulttlt^q, wie ihn 
Dioskorides V, 150 nennt, oder der lapis meli- 
tinus, wie er bei Plinius Nat. Hist. XXäV, 140 



208 

heißt, die Verfertigung der in Bede stehenden 
Gemme in Persien auch nur irgendwie wahr- 
scheinlich machen würde, ist sehr za bezweifeln. 

An Persischen Inschriftgemmen enthält 
die Sammlang zwei Stücke, eine in Alniadin ge* 
scbnittene mit drei Reihen Pehlewischrift and 
einen braunen Jaspis mit einem Anagramm and 
darüber eine Reihe Pehlewischrifi. 

7) Parthische Gemmen. 

Löwe, eine Antilope anfallend. Ophit. H. 
11, Br. 16 millim. 

b. 

Babylonische, Assyrische, Medische, 
Persische Cylind er. 

»Auf diesen zumTheil mit Keilschrift verse- 
henen Gylindern kommen sitzende Könige^ auch 
stehende, ebenso auch Priester, alle mit langen 
Kleidern , vor. Auch Baal , mit Stierhömern, 
vor demselben die Sonne. Die Steine sind mei- 
stens braune Jaspise und weiße ■ undurchsichtige 
Quarze, auch einige Magneteisensteine befinden 
sich darunter«. 

III. 

Etruskische Gemmen. 

a. 

1) 20 echte Scarabäen. 

Unter den GtrusJäsohen Scarabäen giebt es 
bekanntlich viele gefälschte. Jene 20 sind alle 
in dunkelrothe Garneole geschniti^en und haben 
meistens die bekannte Kugel bohrung'*'). 

*) Als einer der in künstlerisch^^ Beziehung vorzüg- 
lichsten Scarabäen überhaupt wird iui Catalog v. L 
1866 S. 15 hervorgehoben einer von Saridonyx, welcher 
Perseas mit dem Kopfe der Medusa in der Liftkea und 



209 

2) Ein gewöhnlieher Intaglio (s. die Taf. I, 
B. 2.) 

Dieser Stein wird yon Hrn. Biehler folgen- 
d^maßen beschrieben und besprochen: »Apollo 
und Baechas. Schwarzer Onyx. Höhe 54 mill., 
Breite 47 mill. Apollo hält unter dem linken 
Ann die fänfisaitige Leier und in der Rechten 
das Pleetrnin« Er ist vollkommen nackt und 
trogt ebeoso wenig irgend einen Zierath. Nur 
das Haar ist zierlich geordnet und durch eine 
Binde festgehalten. Bacchus ebenfalls voUkom* 
iBsn unbekleidet, lehnt mit dem linken Arm, 
in welchem er den Thyrsasstab trägt, auf einer 
mi einem Tuch belegten Säule*). In der Rechten 
hält er ein kleines sweibeokliches Oefäft. Zu 
seinen FüAen befindet sich ein (sehr kleiner) 
Panther. Dieser Intaglio gehört zu den selten- 
sten etruskischen Gemmen. Die Etrusker haben 
ja bekanntlich fast nur Scarabäen geschnitten 
und wenn schon zuweilen eine etroskische Gemme 

dem« gehobenen Schwert« in der Recttten darstelle. 
Per^eus k^mmt bekanntlich auch aomst auf Etruak* 
Scarabäen vor (Millia Gal. mjth. pl. XCV , n. 368 und 
387) , auf dem letzteren , im E. Mus. zu Berlin befind- 
lichen (Toelken Erkl. Verzeichn. Cl. II, Abtb. 1, n. 74) 
aoeh mit dem Mednsenhanpt nnd der gebogenen Harpe. 
Smd die oben mitgetbeilten allgetneinen Angaben Hm. 
Biehler *8 ganz genau, so muS derselbe jetzt den ^9S* 
d(mjz8Ciarabäu8 für modern halten. In der That kann 
auch das »gehobene Schwert« Bedenken erregen, wenn 
nicht etwa ein Schreibfehler ffir »gebogene Soh.« , an- 
ztmebmen ist. 

*) Nach d^ Photographie zu urtheilen, würde ich 
aiaehmen, daB auf der Säule eine Kugel lieg^ (wie d^is 
mehrfach vorkommt, auch bei Bacchus) und darauf das 
abgethane Gewand des, wie es scheint, bekränzten 
Gottes gefegt sei. An dem Gewände scheint unten der 
bekannte (E. O. Müller Handb. d. Arch. $. 348, 4) 
^ottkos angebracht zu sein. W. 



210 

vorkommt, welche kein Scarabäus ist, so sind 
dann diese immer nur kleine Steine, aber von 
größeren solcher Gemmen kann ich mich nicht 
erinnern, daß sich selbe in den Staatsgemmen- 
sammlangen befinden. Ich kenne nur einen 
einzigen noch größeren etruskischen Stein, wel- 
cher sich an dem Kasten der drei heil. Könige 
in der Domkirche zu Göln befindet. Auf den- 
selben ist Venus Yictrix dargestellt, welche von 
zwei Gupido^s gekrönt wird. Dieser Stein hat 
dasselbe Material und auch die außerordentlich 
schöne glänzende Politur, wie meine Gemme. 
Ganz sicher hat ein und derselbe Künstler diese 
beiden Gemmen geschnitten, lieber meine Gemme 
kann ich nicht umhin, noch einige Bemerkungen 
zu machen, damit diejenigen, die vielleicht daran 
zweifeln sollten, daß dies eine echte altetruski- 
sche Gemme sei, darüber ganz beruhigt sein 
können. Schon die Ungeschmücktheit und Ein- 
fachheit der Darstellung gilt als der erste Beweis 
für das hohe Alter und die wirkliche Antiquität 
dieses Steines. Betrachten wir nun diese schlanken 

i'ugendlichen Gestalten, jede mit breiter voller 
3rust, kräftigen Schultern und den schmalen 
Hüften, die ein besonderes Kennzeichen der Ar- 
beiten dieses Volkes sind, untersuchen wir die 
Muskulatur dieser Leiber, die in ganz einfachen 
Formen ausgedrückt sind, beschauen wir ferner 
die schlanken Arme und Füße/ das Weiche der 
Stellungen und selbst die im Verhältniß zum 
ganzen Wuchs etwas zu großen Köpfe, so ge- 
wahren wir eine Arbeit vor uns, die keinem an- 
dern Styl und keinem andern Volke als den 
Etruskern angehören kann. Noch mehr aber 
wird es auch bestätiget durch die Behandlung 
der Gelenke und vorzüglich der Kniee und Knöchel, 
wo der Künstler das Schnittrad in gerader Rieh- 



211 

taug ansetzte und dadarch kleine Kagelfor- 
fflen bildete, die bei den etruskischen Gremmen 
ganz besonders charakteristisch sind, indem sich 
selbe auf den alten echten etrnskischen Gemmen 
Yorfindenc. Ich verzichte darauf, meine Bedenken 
aoseinanderzusetzen , zumal da mir von dem 
Cölner Stein nicht einmal eine Photographie 
za Händen ist. 

IV. 

Griechische Gemmen. 

a. 

Searabäen, 

Von diesen hebt Hr. Biehler in den mir mit- 
getheilten schriftlichen Bemerkungen drei aus 
>der ältesten Zeit« stammende hervor. 

1) »Mit der Darstellung eines nach rechts 
schreitenden Büffelochsen, umgeben von fein ge- 
körntem Rand. Carneol. H. 8, Br. 12, Dicke 
7 mill. 

2) Mit der Darstellung, des die Stymphali- 
schen Vögel erlegenden Herkules. Umgeben von 
in feinen Gliedern abgesetztem Rand (Abwei- 
chang von der Art des etrnskischen Bandes). 
Carneol. H. 10, Br. 20, Dicke 7 mill.« Herakles 
im Kampf gegen einen der Stymphalischen Vögel 
anch anf einem Scarabäus bei Ghabouillet Gatol. 
geoer. et rais. des camees et pierres grav. de la 
bibl. Paris, n. 1765. 

3) »Mit der Darstellung eines sitzenden 
Knaben, der eine Satyr -Maske vor sein Ge- 
sicht hält. Carneol. H. 20. Br. 13, Dicke 9«. 
Sollte dieses Werk in der That aus »der äl- 
testen Zeit« stammen? 

In dem gedruckten Cataloge von 1866 wer- 



212 

den auf S. 27 noch zwei >altgrieohi8ehe« Car-» 
ueolsearabäen aufgeführt, auf deren flacher Seite 
»mit dem Etmskischen Rande dargestellt sind : 

1) »ein knieender Mercur (sehr schöne Ar* 
beit mit glänzender Politur), 

2) Victoria mit Palme und Hammer (der 
Scarabäns ist auch, was selten vorkonlmt, bis 
hinab zu dem Rande mit Yolleni FieiA ausge-« 
führt)«. 

»Ein knieender Merour« wird in dem Catal. 
S. 15 und 16 auch als Darstellung auf je einem 
» Etruskischen c Carneolscarabäus erwähnt. Steht 
die Beziehung auf Mercur sicher, so können diese 
Werke, was das Enieen anbetrifft mit dem 
Etrusk. Scarab. in den Denkm. d. alten Kunst 
Bd. 11, Taf. XXVIII, n. 312 verglichen werden. 

Die Siegesgöttin findet man auch sonst auf 
späteren Scarabäen dargestellt; Tgl. H. E. E« 
Köhler *s Gtes. Schriften, herausg. von L* Ste- 
phani Bd- IV, Th. 2, S. 176, n. V u. VI, und 
die von Gades hergestellten Impr. gemm. des 
Arch. Inst, zu Rom Gent. I, n. 6 u. 7. Steht 
der Hammer sicher, so kann er nur auf die Her- 
stellung eines Tropänms bezogen werden; vgl. 
die bekannte Silbermftnze des Agathokles in den 
D. a. K. Bd. I, Taf. LIIII, n. 259, wo freilich 
gerade die Errichtung des Tropänms dargestellt 
ist. An eine Verwechselung mit der auf Münzen 
bei der Nike öfter vorkommenden Tropänm- 
Stange ist doch wohl nicht zu denken? 

AuBerdem mag schon an dieser Stelle ein 
»Griechisch^t Scarabäns ei'wähnt werden, den 
Hv. Biehler als einen der interessantesten unter 
allen,, die ihm in seinem Leben vorgekommen 
seien, und als ein Unicum bezeichnet. Es bann 
delt sich nämlich nach seiner Annahme um ein 
Werk mit einem sogeuannten relief en creuz: 



213 

»Stebeode Figur der Nemesis^ geflügelt, in 
der gesenkten Linken den Eschenzweig kältend, 
die Beehte mit der bekannten Qeberde gegen 
das Gesicht hin erhebend, naeh rechts. Umgeben 
Yon gekörntem Band. Garneol. H. 14, Br. 
10 mi)lim.c 

Das auf Taf« I unter n. 3 etwas verkleinert 
abgebildete Werk, welches von Hm. Biehler als 
eine »sehr schöne« Arbeit bezeichnet wird, ist 
meines Wissens die einzige Darstellung der Ne- 
mesis in der betreffenden Aufihssnngsweise, wel-> 
che anf einem Scarabäus vorkommt. Die beiden 
in H. K. E. Köhler 's Ges. Sehr., herausg. von 
L. Stephani Bd. V , Th. II, S. 176 fg. unter n. 
Vni n. IX besprochenen Werke (von denen 
überall nur das zweite in Betracht kommen 
kann) zeigen, abgesehen von der Beflügelung 
eine ganz andere Darstellungsweise. Die Annahme 
eines »Griechischen«, nicht Griechisch-Bomischen 
oder Etrufikischen Werkes mag Hr. Biehler selbst 
vertreten ; über Darstellungen der geflügelten Ne- 
mesis mehr unten zu Taf. I, n. 7. Handelt 
es sich wirklich um ein relief en crenx, so ist 
auch mir nichts Gleiches bekannt, da auch die 
von King Ant. Gems p. 124, Anm. 9, besproche- 
nen Beispiele auf der unteren Fläche nur eine 
gewöhnliche Cameendarstellung enthalten. 

b. 

Iniaglien, 
a. Ohne Inschrift. 

Hr. Biehler glaubt davon 10 echte Stücke zu 
besitzen. 

Elr erwähnt an erster Stelle zwei so mßister- 
baft gearbeitet^, wie. sie ihm. in, keiner Staats- 
gemmensatpmlung bekannt seien. 



214 

1) »Enieeuder Krieger« (s. Taf. I, u. 4, etwas 
verkleinert). 

Hr. Biehler beschreibt die Fignr nach dem 
Originale folgendermaßen. »Der Krieger ist 
mit hohem Helme ; kreisrundem Schild, knrzem 
Schwert und den Beinschienen an den Unter- 
schenkeln ausgerüstet undknieet (wahrscheinlich 
vor einen Standbilde der Pallas) in tiefer Ehr- 
furcht. Er hält in seiner Rechten den Stab des 
Friedens. In der ganzen Arbeit zeigt sich eine 
Einfachheit und Reinheit des Styles, und eine 
Schönheit der Form, wie diese nur in der blü- 
henden Epoche des Phidias zu finden sind , und 
man könnte kaum glauben , daß sich eine so 
hohe Vollendung, ein so feines Gefühl, ein so 
reiner Geschmack, und eine so zarte Durchfüh- 
rung in einem so kleinen Raum entwickeln Hefte, 
wie dieser Stein darbietet, wenn man es an ihm 
nicht selbst vor Augen hätte. So vollendet als 
die Zeichnung ist ebenfalls die Technik, indem 
sich kein schärferer Schnitt und keine glänzen- 
dere Politur denken läßt. Diese Figur gehört 
unter die schönsten der altgriechischen Gemmen« 
Lichter Sarder. Höhe 15 , Breite 10 mill.« 
Was die Figur in der Rechten (in der Photo- 
graphie in der Linken) hält, soll offenbar ein 
kurzer Speerschaft sein. Von Schienen an dem 
sichtbaren Unterschenkel zeigt die Photographie 
nichts ; wohl aber ist auf einem mir vorliegenden 
Siegelabdruck der Chiton deutlich zu erkennen. 
Enieende Krieger sind auch auf Gemmen mehr- 
fach dargestellt*), aber einen wie den vorliegen- 
den erinnere ich mich nur auf einem als echt 

*) Auch die 6iehler*8che Sammlung enthält nach dem 
Catalog S. 5, n. 6 noch eine »Griechische« Darstellung 
eines knieenden Kriegers, Über welche jedoch nach dem 
bloßen Text nicht geurtheilt werden kann. 



215 

geltenden Werke dieser Gattung angetroffen zu 
haben, nämlich anf dem »schön griechischen c 
bei Lippert Daktyl. Mill. I, P. 2, n. 463, welches 
in Betreff der ganzen Haltung so wie der Ans- 
rostnng der Fignr wesentlich übereinstimmt, aber 
doch nicht identisch ist. Aufierdem kann ver» 
glichen werden die Darstellung auf einem Sar- 
derscarabäus aus der früheren Mertens-Schaaff- 
hansen'schen Sammlung, »of the best Greco-Ita- 
lian style«, bei C. W. King Antique 6ems pl. I, 
n. 14, welche man auf Tydeus im Hinterhalte 
bezogen hat. Hier senkt der Krieger freilich 
das Raupt nicht Allein auch das gesenkte 
Haupt paßt für einen auf der Lauer liegenden, 
sich zu verbergen Strebenden sehr wohl. Ein 
Heros der Sage ist in den betreffenden Gemmen- 
darstellungen jedenfalls gemeint. 

2) »Trunkener Bacchant« (s. Taf. I, n. 5, auch 
etwas verkleinert.) 

Hr. Biehler bemerkt über die Figur nach dem 
Originale Folgendes. »Trunkener Bacchant, nach 
hnks schreitend ; in der Rechten den Thyrsus, in 
der Linken das eine Ende des ihn von rück- 
wärts umgebenden, leicht flatternden Mantels 
emporhaltend. Die jugendliche Gestalt des 
Bacchanten ist mit größter Vollendung durchge- 
führt. Sein Gang ist schwankend und das ganze 
Wesen der Trunkenheit des Bacchanten ist mit 
außerordentlich treffender Charakteristik darge- 
stellt. Der schöne Körper zeigt in allen Theilen 
die eigenthümliche Schlaffheit des trunkenen 
Zustandes, und in dem ungemein kleinen Köpf- 
chen zeigt sich deutlich die Schläfrigkeit, die so- 
gar durch die halbgeschlossenen Augenlider den 
bezeichnetsten Ausdruck findet. Diese Gemme 
gehört ebenfalls zu den schönsten Werken der 
olüthezeit der griechischen Glyptik. Lichter 



216 

Sarder. Höhe 19 mill., Breite 14 mill « Scbade^ 
daß die flerkanft des Steines nicht angegeben 
ist. Die betreffende Darstellung findet sich mehr- 
ÜRch auf geschnittenen Steinen und Pasten , die 
wiederholt vortrefflich angeführt siad. Wir 
wollen hier nur diejenigen auffuhren, welche uns 
durch Abdrücke oder Abbildungen oder Beschreib' 
bungen genauer bekannt sind. Am nächeten 
stehen in Behandlung desHaares, auch der Mos- 
culatur, der Beryll des Grafen Garlisle bei Natter 
Methode de graver en pierres fines, pl. XXYU 
(welcher p. 43 bemerkt, daß sich zu Florenz ein 
ganz gleicher, wie tou derselben Hand ge* 
sebnittener Stein befinde) und Lippert Daktylioth. 
Mill. I, P. 1, n. 158, so wie der in den Denkm^ 
d. a. Kunst Bd. II, Taf. XXXII, n. 363 nach 
Lippert II, 1, 141 wiedergegebene Stein, über 
den ich bei diesem keine genaueren Notizen zu 
finden vermag. Einen Garneol und eine antike 
Stoschische Paste erwähnt Lippert im Deutschen 
Text zum ersten mythol. Tausend S. 157, n. 370 
u. 371 , indem er die Darstellung auf jenem 
(dessen Aufbewahrungsort nicht angegeben wird) 
Bis Nachahmung der auf dieser bezeichnet. Die 
K. Sammlung zu Berlin besitzt zwei betreffende 
antike früher Stoschische Pasten und ein später 
erworbenes Smaragdplasma (Toelken Erkl. Verz. 
EL lil, Abtb. 3, n. 953—955), s. namentlich 
die Krauae*schen Abdrücke, eine der Pasten auch 
bei Raspe pl. XXXVII, n. 2490 und in Hirt'» 
Bilderbuch für Mythol., Archäol. u. Kunst Taf. X, 
n. 5. Auch in der Dactyl. Zanettiana fixidet 
man einen Sarder mit entsprechender Darstel- 
lung abgebildet. Lippert, der sie a. a. 0. als 
fast ebenso schön bezeichnet, wie die aof der 
von )hm hervorgehobenen Stoschischen Paste, 
hat Ton dem Steine im Suppl. I, n. 220 einen Ab- 



217 

ijtuek gegeben. Mir scheint die Echtheit des 
Werkes ^bst bedenklich. Während die Figur 
r^ImäBig mit der einen Hand, der rechteo, 
das Gewand faßt oder dieselbe an den Conus des 
Thyrsus legt ^ erscheint sie auf einer »scbonen 
aD^ken« Paste im Mus. Worslejanam Vol. II, 
Cl. 4, n. 11 der Londoner Ausgabe rom J. 1794 
weinbekränzt mit einer Traube in der ganz ahn« 
lieh erhobenen rechten Hand , Fom Thjrsus ist 
überall keine Spur vorhanden , die linke Hand 
ist auf das Gewand gelegt. E. Q. VisciHiti dachte 
im Text p. 13, da er richtig fühlte, daß die 
Figur keinen gewöhnlichen Bacchanten darstelle, 
aber deren Musculosität ihm gegen Dionysos zu 
sprechen schien , auch der Traube wegen »n 
Staphylos. Das Haar paßt durchaus zu dem 
Gotte selbst, auch die Eorperbildung hindert 
uns nicht an diesen zu denken , der sicherlich 
gemeint ist. Eine andere Frage ist es freilich, 
ob man das Werk wirklich für $ntik zu halten 
hat. Daß Darstellungen wie die auf der Bieh* 
ler'schen Gemme und den zunächst stehenden 
trotz des kurzen Haares den Dionysos selbst 
betreffen sollen , kann auch wegen der aqdeiren, 
die sicher den Gott angehen , keinem Zweifel 
QDterliegen. Gerade auf Gemmen findet man 
das kurze Haar bei diese;Q[i mehrfach , z. B. 
auf der in den Denkm. d. a. K. II, 3$, 426, 
mid auf einem interessanten Ghalcedon-Scara- 
bäns der Fürstlichen Sammlung zu Bückeburg. 

3) »Kopf Gelons II von Syrakus (?)«. 

Smaragd. H. 17, Br. 13. Der mir in Sie- 
gelabdruck vorliegende, noch nie beschriebene 
Qnd in Betreff des Bildnisses als höchst selten 
ZQ betrachtende geschnittene Stein zeigt einen 
Kopf, welche allerdings mit den Munztjpe^ 
im Tresor de Numismat. et de Glypt., N»mism. 

17 



218 

des Rois Grecs pl. III, n. 1 fg. und in dem CataL 
of Greek Coins, Sicily, London 1876, p. 210, 
unter n. 527 Aehnlichkeit hat, dessen Beäsie^ 
hang auf Qelon II aber keineswegs sicher stelii, 
Zndem ist der Kopf auf der Gemme minder 
jugendlich als es für diesen zu passen scheintj^. 
Endlich nur noch vier Gemmen mit beige- 
schriebenen Namen, die Hr. Biehler sämmtlicli 
für echt und Griechisch hält, mit Ausnahnzd. 
des Namens auf dem an erster Stelle zu erwäh- 
nenden Steine , und eine früher als echt und 
Griechisch angesehene, jetzt aber als modern 
erkannte. 

4) Kopf des Sokrates nach links. Am Kande 
links AVAOV. 

Weißer Quarz. Der Stein ist, so viel ich 
sehe, bisher noch von Keinem derjenigen, welche 
über die Namen auf geschn. Steinen geschrieben 
haben, berücksichtigt worden. Für die Echtheit 
der bildlichen Darstellung muß Hr. Biehler ein- 
stehen, da sie mir nicht vorliegt. Ein »Grie- 
chisches Werk« ist sie schwerlich. 

5) Hercules, den Cerberus bändigend. 
QniTNXA (s. Taf. I, n. 6). 

Orientalischer Garncol. Auch dieser geschn. 

*) In dem Gatalog von 1866 wird S. 8, unter n. 12 
als Griechischer Intaglio ein tiefgescbnittener Sardonyx 
mit ganz ausgezeichneter Politur erwähnt, dessen Dar- 
stellung auch in gegenständlicher Hinsicht von Interesse 
ist: »Pluto ist sitzend dargestellt und hält in der Lin- 
ken eine Fackel. Ihm zur Seite fliegt ein Schmetter- 
ling«. Stände Hades-Pluton, der anf Gemmen so außer- 
ordentlich selten nachweisbar ist, sicher, so würde der 
Stein schon deshalb sehr beachtenswerth sein. Sollte 
aber auf dem (die Echtheit vorausgesetzt) vermuthlich 
Griechisch - Römischen Werke nicht etwa Dionysos ge- 
meint sein, der mehrfach in Beziehung zu Psyche vor- 
konunt, vgl. z. B. Denkm. d. a. Kunst II, 54, 692, auch 
II; 55, 693)? 



219 

Stein ist bisher nicht bekannt. Daß der Name 
des allerdings als Gemmenschneider bekannten 
Epitynchanos modern ist, unterlieg^ mir keinem 
Zweifel. Auch kann ich kaum glauben, daß 
die Darstellung antik sei, obgleich nach Hm 
Biehler*8 Angabe im Catal. S. 6, n. 4 »Modelli- 
rung, Zeichnung, Schnitt und Politur nichts zu 
wünschen übrig lassen«. Sie findet sich auf Gem- 
men nicht selten. Mehrere derselben hat Raspe 
in dem Catal. der Tassie'schen Sammlung T. I, 
1791 , n. 5796 — 5808 , aber ungenügend be- 
schrieben. Das älteste Kupfer nach einer Gemme 
mit derselben Vorstellung wie die bei Raspe 
n. 5797 verzeichnete, von Lippert Daktyl. 
Mill. I. P. 11, n. 270 und Suppl. I, n. 324 in 
Abdruck gegebene findet sich nach Köhler Ges. 
Schriften Bd. III, S. 328 fg., n. 38, auf einer 
der großen von Enea Vico gestochenen Tafeln 
und ist danach in Ma£fei*s Gemm. ant. fig. T. II, 
t. 96 wiedergegeben. Das Original des früher 
in der Sammlung des de France befindlichen 
Steines mit der Inschrift Ol AHMONO C gehört 
jetzt der Kaiserl. Russischen Sammlung an und 
ist nach Köhler a. a. O. S. 161 eine neue Arbeit. 
Außerdem geben Maffei (II. t. 95) und Lippert 
(1, 1, 271) eine > Agata varia«, die von Raspe n. 5796 
als Carneol und als dem König von Neapel ange- 
hörend bezeichnet wird, mit der Darstellung. In 
der Gall. d. Uffizj zu Florenz kommt sie dreimal 
vor, jedesmal mit üebereinstimmung im Ganzen, 
aber mit Abweichung in Betreff der Details, vgl. 
Gori Gemm. Mus. Florent. T. I, t. XXXVII, n. IV 
u. V und F. A. David Le Mus. de Florence 
T. I, pl. LI, n. IV, LH, n. L LVI, n. IV. Ma- 
riette hat im Trait^ des pierres grav. T. II, 
n. LXXX einen Blutjaspis mit derselben bekannt 
gemacht, in Betreff dessen schon das Matertal 

17* 



220 

für die Unechtheit spricht. Das K. Moseum sei 
Berlin enthält zwei bezügliche Werke, einen 
schönen Cameo (Lipper t SuppL I, 325 ^ n. 3 
unter den Krause 'sehen Abdrücken) und eiae 
völlig übereinstimmende antike Paste (Toelken 
Erkl. Ver»eichn. K. IV, Abth. I, n. 92.) Ein 
Carneoly der um die Mitte des vergangenen 
Jahrhunderts im Besitze Venuti's war, ist im 
Mus. Corton^nse t. 37 abgebildet. Eine in Gori^s 
Theeaur. Gemm. astrif. t. XXIV abgebildete 
Gemme, auf welcher Hercules mit der B. einen 
Lanzenschaft hält, an welchen hinter ihm die 
Keule gelehnt ist, dürfte schwerlich echt sein. 
Ein Carneolfragment, in welchem der obere Theil 
des Hercules fehlt, erwähnt L. Müller in der 
Descr. des Int. et Cam. du Mus.-Thoryaldsen 
p. 99y n. 812. Ob das von Raspe unter n. 5807 
verEeichnete ? Unter allen diesen uns etwas 
genauer bekannten Darstellungen — zu denen 
leider die auf einem Garneol in der vormaligen 
Praun^schen Sammlung befindliche nicht gehört 
— zeigt ivnr der an zweiter Stelle erwähnte, 
auch bei Stephanouius vorkommende Stein eine 
Staude hinter und über Hercules , die sich um 
einen Baumstamm windet, und weiter kei&en 
Zweck haben kann als zur Ausfüllung des Rau- 
mes zu dienen, wena man nicht etwa mit Lip- 
pert annehmen will , daß es sich um das aconi- 
tum handele (Ovid. Metam. YII, 40 fg. , Plin. 
Nat. bist. XXVII, 4). Das ganz anders ausse- 
hende Bäumeben des Biehler*schen Steines dient 
allerdings enm Tragen der Löwenhaut; es ist 
aber sehr aufi^ällig, daß der Raum hinter der 
Gruppe ein so enger ist, während doch diese 
recht wohl etwas weiter nach der entgegenge- 
setzten Seite hiAgerückt werden konnte : es sieht 
fast «o aus, als sei es dem Künstler darauf an- 



221 

gekommei], möglich vielen Raum för den Namen 
ZQ erhalten. 

6) Sokrates und Piaton in Brustbildern, im- 
mifcten AnOAAOJOTOY (a. Taf. L, n. 7). 

Dunkelbrauner Sarder. Der Stein besitzt 
eine Randeinfassung, die aus einer Reihe von 
Perlen besteht. Auch er war bisher unbekannt. 
Heber die beiden bekannten Gemmen mit jenem 
Namen: Brunn Gesch. d. Gr. Künstler II, S. 602. 
leb halte sowohl die Inschrift (die sicherlich den 
Namen des Künstlers enthalten soll) als auch 
die Darstellung für modern, ebenso wie die auf 
dem iüschriftlosen Granat des Herzogs von 
Devonshire bei Lippert Daktyl. Mill. I, P. 2, 
n. 153, welche der auf dem Biehler^schen Steine 
entspricht. Einen geschnittenen Stein mit den 
Köpfen des Plato und des Socrates besaß auch 
der Cardinal Prospero Santaeroee, wie wir durch 
Bottari Mus. Capitolin. T. I, p. 18 zu tab. 
21. 22 vernehmen. Einen Garneol mit den 
Kopien »side by side« führt Raspe a, a. 0. T. JI, 
n. 10239 an. Ueber die Bildnisse Piatos haben 
seit E. Q. Visconti Iconografia Greca, Opere 
Vol. I, Milano 1823, p. 216 fg. ausführlicher 
gesprochen E. Braun in den Annal. d. Inst, di 
corrisp. arch. Vol. X, 1 , 1859, p. 207 fg. und 
P. Schuster >üeber die erhaltenen Porträts der 
Gnech. Philosophen«, Leipzig 1876, S. 11 fg., 
beide mit Hinzufügung von Abbildungen. Kür- 
zere Bemerkungen zu einzelnen Bildwerken bei 
G. W. King Antique Gems, London 1860, p. LVIII 
(der sogar die p. XI abgebildete Herme mit 
Schmetterlingsflägeln am Kopfe, Bekränzung und 
Spitzbart, trotz Visconti's Bemerkung gegen 
Winekelmann Mon ined. p. 226 zu n. 169, vgl. 
auch Descr. des pierr. grav. de Stosoh p. 419 fg. 
ztt n. 74 , auf Plato bezieht) und E. Hühner 



222 

»Die ant. Bildwerke in Madrid«, Berlin 1862, 
S. 108 zu n. 170. Rücksichtlich der Münze, 
auf welcher der Kopf Piatos abgebildet sein soll 
(Monnm. ined. d. Inst. arch. III, t. YII, n. 4), theilt 
L. Bürcbner in Sallet's Zeitschr. für Namismatilc 
IX, 8. 130 als seine und Imhoof-Blamer*s Ansiebt 
mit , daß dieselbe retouchirt und die Ursprung-— 
liehe Umschrift MYyiJ-IEQN in DAATQN 
umgeändert sei. Schon Winckelmann Descr. d. 
pierr. grav. p. 419 zu n. 69 bezeichnete sie als 
verdächtig (»equivoquec). Wenn nun auch Haar 
und Bart des Kopfes auf der Biehler*schen und 
der Devonshire'schen Gemme Aehnlichkeit mit 
dem an dem Kopfe der zuerst von E. Braun in 
den Mon. ined. d. Inst. a. a. 0., t. YII heraus- 
gegebenen , dann bei Schuster a. a. 0. Taf. 11, 
n. 2 u. 2a, wiederholten Statue hat, welche man 
als das einzige auf ans gekommene sichere Por- 
trait Piatos betrachten darf, so hat es doch die 
größte Wahrscheinlichkeit, daß jene beiden 
Oemmen modern sind und zwar aus der Zeit, 
seit welcher man Dionysosköpfe ähnlicher Dar- 
stellungsweise für Platoköpfe hielt. Dieses XJr- 
theil erhält eine weitere Begründung durch die 
Betrachtung des Kopfes des Sokrates , welcher 
sicherlich von keinem Griechischen Künstler so 
dargestellt worden wäre. Daß aber Sokrates 
und Piaton auf jenen Gemmen gemeint sind, un- 
terliegt keinem Zweifel. Raspe erwähnt a. a. O. 
n. 1032 u. 1033 zwei Gemmen in der Manier 
des Dom. Landi mit den einander gegenüberge- 
stellten Köpfen des Socrates und Plato. 

7) Langbeflügelte weibliche Figur in langem 
Chiton mit gegürtetem Diploidion^ in der einen 
Hand eine Schale, in der anderen eine Schlange 
haltend, die so eben aus der Schale getrunken 
zu haben scheint, neben einem Altar, auf wel- 



223 

ehern Feaer brennt, stehend. Hinter dem Racken 
{ der Figur die Inschrift AAAION. 

Die Beschreibung ist von mir nach einem 
Siegelabdruck verfaßt, welchen Hr. Biehler 
übersandt hat. Der Stein ist ein prachtvoller 
orientalischer Carneol. Auch dieses Stück ge- 
hört zu den bisher ganz unbekannten. Ueber 
den Namen haben bekanntlich Köhler Ges. Sehr., 
herausg. von Stephani, III, S. 155 fg., 164, 
Brnnn a. a. O. S. 594 fg. und Janssen Inscr. 
Gr. et Etr. d. pierr. grav. du cab. de S. M. le 
Koi d. Pays-Bas, p. 13 fg. ausführlich gespro- 
chen. Hr. Biehler hält auf seinem Steine Na- 
men und Bild , welches er als Arbeit aus der 
Blüthezeit der Griechischen Kunst bezeichnet, 
für unzweifelhaft antik. Für den Umstand, daß 
der Name echt und zu derselben 2eit wie die 
Fignr geschnitten sei, führt er an, daß die Buch- 
staben an den Kanten ebenso abgerieben seien wie 
der Stein selbst. Aber konnte das nicht absicht- 
lich 80 gemacht sein ? Es ist seit den angeführ- 
ten Besprechungen des Allion noch ein geschn. 
Stein (Granat) mit der Inschrift AAAinNOS be- 
kannt geworden, welcher von einem Kenner wie 
Caatellani für echt gehalten wird; vgl. H. Hey- 
demann im Bnllett- d. Inst. arch. 1869 , p. 57, 
D.20. Hat Castellani Recht, so wird der Bieh- 
ler'sche Stein noch verdächtiger, der auch da- 
durch auffällt, daß der ohne Zweifel beabsich- 
tigte Nominativ des Namens mit geschrieben 
ist, was zu der Zeit, in welche die bildliche 
Darstellung gesetzt werden muß , nicht paßt, 
üebrigens hat — um dies gelegentlich zu be- 
merken — auch die Nominativform AAAION auf 
einem früher Pulszky'schen Sarder mit der 
Darstellunir eines behelmten männlichen Por- 
waits, der in den oben erwähnten Schriften 



224 

nicht berticksichtigt ist,, bei G. W. King Ant. 
Gems p. 229 Gnade gefanden. Die bildliclie 
Darstellung mag immerhin »undoubtedly antique« 
sein, aber wenn für die Echtheit der Inschrift 
die Sobreibung mit Y statt / Teranschlagt wird, 
»an error not likely committed by a modern en- 
graTer, who would necessarily be on bis guard 
against any blnnder« , so ist das sehr seltsam. 
Daß ans dem Namen Allion die Inschrift eines 

fescbnittenen Steines AyiAIONOY durch einen 
'älscher des rergangenen Jahrhunderts gemacht 
sei, bemerkt Pnlszky in Gerhardts Arch. Anz. 1854, 
8.431. Die Figur des B.schen Steines entspricht 
in Betreff der Befiügelung und des Tränkens der 
Schlange aus einer Schale der Fortuna-Nemesis 
»uf der unter Garacalla geprägten Münze von 
Laodokeia in Phrygien, welche in meinen Denkm. 
d. a. K. n< Taf. LXXIV, n. 952 aus F. Lajard'g 
Recherches sur le oulte de Y^nus pl. III, A^ 
n. 8 wiederholt ist. Schlange und Schale, aus 
welcher jene trinken zu wollen scheint, hat auch 
die Bronzestatuette der »pantheistischen Fortuna« 
in Beger's Thes. Brandenb. III, 295 , welche 
Friederichs »Berlins ant. Bildw.« U, n. 1988 
genauer ' beschreibt. Besonders aber kommen 
ähnliche Darstellungen auf geschnittenen Steinen 
vor. So die Nemesis als. Pantheon auf dem 
prächtigen Cameol bei Buonarroti Medagl. ant. 
p. 225, Miliin Gal. myth. pl. LXXIX, n. 350, 
der sich in der Sammlung bei der National- 
bibliothek zu Paris befindet (Ghabonillet Catalo- 
gti6 gener. et descr. p. 282, n. 1720), die nur 
mit Flügeln und Schale und Schlange versehene, 
aber auch mit dem Rade ihr gegenüber darge- 
stellte Nemesis auf einer in der Nähe des La- 
teran gefundenen Oemme , welche Brunn aus 
dem Besitze Gastellani^s in einer Adunanz des 



225 

arcb. Inst, zu Rom Torl^ie (Bnllett. 1858, p.54), 
und die anf dem Wiener Nicolo bei Sacken nnd 
Kenner Samml. d. E. K. Münz* n. Ant. Cabin. 
S. 439 , n. 598 (welche zudem in der Linken 
einen Zweig hält nnd mit der Rechten das Ge- 
wand auf der Brust faßt), endlich die Figur auf 
dem aus Syrien stammenden Garneol bei der 
Nat.-Bibl. zu Paris, welche Chabouillet a. a. 0. 
n. 1722 so besehreibt: Hygie, avec les ailes de 
la Vietoire, debout, tenant le serpeut qu'elle 
fait boire, und di« etitsprecbende auf dem Onyx 
bei Sacken u. Kenner a. a. 0., S. 439, n. 597. 
Daß überall wesentlich zunächst an eine Neme- 
sis zu denken ist, unterliegt keinem Zweifel, 
wenn auch auf dem zuerst bei Bnonarroti her-* 
ausgegebenen Steine die betreffende Figur nach 
Chabouillet »k cmffure d'Irisc hat und auf dem 
Berliner Carneol in Toelken's Erkl. Verzeichn. 
El. I, Abth. 2, n. 3Ö dargestellt ist »Isis-Hygea, 
stehend, in der Rechten ein Sistrum, im linken 
Arme einen Wasserkrug und in dieser Hand 
zugleich eine Paterä haltend, in der eine Schlange 
sieh aufrichtet.« Interessant ist die Bemerkung 
Chabouillet^s zu n. 1722: On ne peut m^on- 
naitre Tanalogie frappante de style et de pose 
entre la figure repreoente sur cette pierre et 
Celle du n* 1720. Alle jene Darstellungen der 
geflügelten Nemesis gehören in die Kaiserzeit, 
in welcher diese Darstellungsweise der Göttin 
besonders verbreitet war, wie namentlich aus 
den Münzen erhellt. Der Altar findet sich nur 
auf der Biehler'schen Gemme, darf aber des- 
halb mit nichten Verdacht erregen. 

8) Sogenannter Köpf des Priamus, davor die 
Inschrift JIOGKOYPIJOY (s. Taf. I, n. 8). 

Daß dieser noch in Br. Bucher's Gesch. d^ techn. 
Künste a. a.O. S. 308, als »griechische Sard-Intaglie 



226 

von seiteuer Vollendung« bezeichnete geschn. 
Stein eine moderne Arbeit sei, allerdings eine 
sehr ausgezeichnete , bemerkt Hr. Biehler ^). 

b. 

Cameen. 

Davon besitzt Hr. Biehler nach seiner An- 
gabe 8 mit einzelnen Köpfen und Figuren ver- 
sehene. 

1) Kopf Alexanders des Großen (s. Taf. I, n. 9). 

Das wie die folgenden Cameen der ersten 
Tafel in der Größe des Originals gegebene 
Werk ist in einen der schönsten orientalischen 
Sardonyxe geschnitten. Hr. Biehler bemerkt 
hinsichtlich der Photographie : »Leider ist die 
Schönheit dieser Gamee nur theilweise aus der 
Photographie zu ersehen. Ich habe seit 20 
Jahren gewiß 10 mal versuchen lassen eine gute 
Photographie von dieser Camee zu bekommen, 
aber es ist dies mir unmöglich. Wenn ich nach 
dem Stein selbst eine Photographie machen 
ließ, so wurde das Hörn immer schwarz und 
ganz verschwommen aussehend , während es auf 
der Camee bräunlich gelbe Farbe hat und so- 
wohl durch diese als durch die Zeichnung sich 
so außerordentlich schön ausnimmt.^ Aehnli- 
ches gilt von den mitgetheilten Photographien 
einiger anderen unter den Griechischen Cameen 
»die mehrere Lagen haben und durch diese Far- 
benpracht besonders malerisch erscheinen«. 
Hrn B.s Beschreibung lautet: »Der König der 
Macedonier ist hier in Profil und zwar nach 
rechts gewendet, und als Jupiter- Ammon vorge- 
stellt. Der Stein besteht aus drei Lagen, die 
unterste ist braun und bildet den Grund; die 
mittlere ist weißlicht und aus dieser ist das 



227 

Bildniß geschnitten; die dritte ist hellbraun, 
durchscheinend und wurde vom Künstler zur 
Darstellung des Ammonshornes und eines leisen 
Anfluges von ßöthe auf der Wange des Bild- 
nisses benutzt. Die Porträts Alexanders sind 
so allgemein bekannt, daß es nicht nöthig sein 
dürfte, die Züge einzeln zu beschreiben. Was 
das vorliegende Porträt von allen bekannten 
auszeichnet, ist, daß diese Züge auf eine Weise 
gegeben sind , die sich nicht vortrefflicher 
denken läßt. Der ganze Kopf vom Kinn bis 
zum Scheitel mißt nur 8 Mm. , er gehört also 
zu den kleinen Porträt- Gameen. Betrachten 
wir aber dieses Auge, in welchem ein deutlicher 
Zug jener Schwermuth liegt, von welcher dieser 
Fürst zuweilen überfallen wurde , untersuchen 
wir diese feine Nase, den kleinen schönen Mund, 
der gleichfalls einen Zug von Wehmuth zeigt, 
dieses zarte gerundete Kinn, diese mehr magere 
als volle Wange mit dem leisen Hanch von 
Röthe, so meinen wir diesen Heros der Vergan- 
genheit in einem von Niemand wieder zu er- 
reichenden Nachbilde vor uns zu sehen. Das 
Ange scheint zu blicken und der Mund wirklich 
zu athmen. Man kann dieses Alles erst dann 
vollkommen genießen und wird die Hand des 
Künstlers um so mehr anstaunen, wenn man 
eine Lupe iron ganz^ ungewöhnlicher Vergröße- 
rung zur Betrachtung dieses einzig in seiner 
Art dastehenden Kunstwerkes benützt. Es ist 
ganz unmöglich, daß eine größere Feinheit, eine 
größere Delicatesse und eine lebendigere Wahr- 
heit aller einzelnen Theile des Angesichts in so 
kleinem Maßstabe wie hier ausgeftihrt werden 
könne. Selbst die Wahl des Steines zeigt von 
dem großen Geschmacke des Künstlers, denn das 
Profil des Antlitzes hebt sich vollkommen rein 



228 

und bestimmt von der untern dunklen Lage ab, 
ohne daB dadurch die mindeste Schärfe ent- 
stünde, und dabei gibt, wie schon angedeutet, 
die dritte Lage jenen Hauch von erwärmendem 
Ton. Das Haar, ebenso fein gearbeitet, wie 
das Angesicht, fällt in großen Parthien in den 
Nacken. Eine Locke entspringt an der Schläfe, 
begiebt sich gegen das Ohr und verschwindet, 
höchst ästhetisch gedacht, in dem Ammons-Horn, 
welches hier nur als künstlerisches Attribut bei- 
gegeben ist, um göttliche Kraft und Macht an- 
zuzeigen , aber nicht , wie bei ähnlichen Bild- 
nissen dieses Königs, aus dem Kopf selbst her- 
Yorgewaehsen zu sein scheint, wodurch sich der 
Adel der Arbeit in seiner vollen Höhe zeigt«. 
Er bemerkt zudem: »Dieser Stein gehört un- 
streitig zu den Sternen erster Größe meiner 
Sammlung , da sich überhaupt in allen Samm- 
lungen , welche ich zu sehen Gelegenheit hatte, 
kein Ringstein findet, der eine größere Vollen- 
dung zeigte. Daß Schnitt und Politur von der 
äußersten Vortrefflichkeit sind, versteht sich bei 
einer solchen Caniee von selbst«. Bienach muß 
man doch wohl schließen, daß auch der geistige 
Ausdruck des Kopfes (an welchem, was beach- 
tenswerth , die gewöhnliche Behandlung des 
Haares über der Stirn nicht ersichtlich ist) 
durch die Photographie ni^ht genügend wieder- 
gegeben ist. Wenn Hr. Biehler aber zudem 
aie Meinung ausspricht, daß das Werk von der 
Hand des Pyrgoteles sei , so wird das nach sei- 
nem obigen ürtheil Niemanden überraschen, 
aber schwerlich Zustimmung finden, ganz abge- 
sehen von dem umstände, daß der vorliegende 
Stein kein Smaragd ist (Plin. Nat. Hist. XXX, 8). 
Wie Lysippos den Alexanderkopf dargestellt 
habe, hat neulich J. Naue in Sallet's Zeitschr. 



229 

für Namismatik Bd. YIII , S. 29 Ig. jedoifalk 
mit gröBerer Wahrscheiolichkeit darzathtin yer* 
saekt. 

2) Eopf des »Hercnles« mit der Lowenkaut 
am Hake (Taf. I, ii. 10). 

Nicolo. Der Kopf ist in die obere lichte 

Lage getchnitten and nach Hrn Biehler yon 

außerordentlicher Schönheit, wenn auch nieht 

uo meisterhaft gemacht , wie der Kopf unter 

n. 1, und etwa 200 Jahre wäter, da in der 

Blüthezeit der Griechischen Steinschneidekanst 

der Nicolo noch nicht in Gebrauch war. Er 

entspricht dem auf den bekannten Tetradraeh- 

men und soll sich gewiß auf Alexander den Gr. 

beziehen, vgl. Gardner und Sallet in dessen Na- 

mism. Ztschr. VIII, 4, S. 279 %. 

3) Kopf des »Sokrates« , nach links gewen- 
det (Taf. I, n. 11). 

Onyx von zwei Lagen ; die untere dunkel (grau- 
braan), die obere, aus welcher der Kopf gearbeitet 
ist, weiß. »Die Aasfuhrung dieses Bildnisses ist 
Yon höchst seltener Feinheit, das Ange, der Bart, 
das Haar und ganz besonders das Ohr, sind mit 
einer YoUeudung und Natar Wahrheit gegeben, wie 
sich das nicht leicht auf einem Steine wieder fin- 
det. Der Kopf ist ziemlich erhoben geschnitten 
und die darch die größere Wölbung verstärkten 
Schatten geben ihm einen besonderon Ausdruck 
Yon Lebendigkeit. Schnitt und Politur lassen 
nichts mehr zu wünschen übrige. Dter Blick 
ist etwas nach oben gerichtet. Aach in Betreff 
der Gesichtsbild ang and der Behandlung des 
Haapt- und Barthaares fiuden sich Abweichan* 
gen Ton dem am meisten beglaabigten Portraite. 
Nichts destoweniger hat man ähnliche Darstel- 
lung<en auf Gremmen anch sonst auf Sokrates 
bezogen, vgl. z. B. die rn Toelken's Erkl. Ver* 



230 

zeichn. KL V, Abth. 1, d. 34, 38, 43 nach den 
Krause^schen Abdrücken , und tloabea's Anti- 
quarium von Fiedler Taf. XII, n. 2. In der That 
dürfte es schwer sein , eine andere Beziehung 
des Kopfes auf dem Biehler^schen Cameo wahr- 
scheinlicher zu machen. 

4) Kopf des »Sokrates«, nach rechts gewen- 
det, (s. Taf. I, n. 12). 

Ghalcedonyx von 2 Lagen. Der Grund grau- 
braun, das Bildniß milchweiß. »Die Arbeit sehr 
fleißig, Schnitt vollkommen rein, Politur der 
unteren Lage sehr glänzend; am Kopfe mild, 
damit die zu starken Glanzlichter vermieden 
werden«. Hier ist an einen Sokrateskopf gewiß 
nicht zu denken. Das Gesicht erinnert an das 
des Isokrates in der bekannten mit Inschrift 
versehenen Büste bei Visconti Iconogr. Gr. I, 
pl. XXVIII, a. 

5) Kopf des »Plato« (s. Taf. I, n. 13). 

»Ghalcedonyx von zwei Lagen ; untere grau- 
lich, obere weiß. Die Modellirung ist weich 
und vollendet; die Politur bis in die kleinsten 
Theile ausgezeichnet«. An Plato ist ohne Zweifel 
nicht zu denken, wohl aber an Dionysos, s. oben 
S. 221 fg., z. Taf. I, n. 7. 

6) Kopf der Ariadne (s. Taf. I, n. 14). 
»Ghalcedonyx von drei Lagen; die untere 

bräunlichgrau, die mittlere weißlich, die obere 
(Haare und ein Theil des Gesichtes) gelblich. 
Das Profil ist zart, lieblich und fein. Das reiche 
Haar wird von einer Epheuranke festgehalten, 
bildet am Hinterhaupte zwei große Flechten, 
und fällt in einigen Locken in den Nacken. 
Der Kopf hebt sich sanft von dem dunklen 
Grunde. Der Grund glänzend , der Kopf matt 
polirt«. Ein doch gewiß eher Griechisch-Römi- 
sches als Griechisches Werk. 



231 

7) Kopf des Adonis (?) (s. Taf. I, n. 15). 
Antike blaue Paste, »so schön wie der schönste 

Türkis«. Ein besonders aasgezeichnetes Werk. 
Dentang nicht mit Sicherheit zu geben. »Es 
ist nicht einmal entschieden, ob es ein männli- 
cher oder ein weiblicher Kopf istc. Inzwischen 
dürfte doch dasErstere die größere Wahrschein- 
lichkeit haben. Nnn kommt Adonis allerdings 
einmal y anf einem Wandgemälde, mit einem 
Nimbus yor (Stephani »Nimbus und Strahlen- 
kranz« S. 30 fg.); noch eher aber dürfte Kopf 
und Nimbus des Horos (Stephani a. a. 0. S. 45, 
n. 9) auf der Gemme in Gerhard's Ant. Bild- 
werken Taf. CCCVIII, n. 33 zu vergleichen sein, 

8) »Pegasuskopf, darunter die Phrygische 
Flügelmütze des Perseus« (s. Taf. I, n. 16). 

»Sardonyx von zwei Lagen ; die untere durch- 
sichtlich bräunlich , die obere blauweißc — 
Eine höchst merkwürdige Darstellung. Der 
Pegasus steht keineswegs sicher, da keine Beflü- 
gelong angegeben ist Auch sieht es nach der 
Photographie keineswegs so aus, als sei in dem 
Gegenstande unter dem Pferdehalse eine Flügel- 
mütze zu erkennen. Darf man anstatt dieser ei- 
nen Felsen annehmen, so wird man unwillkürlich 
an jenen zuerst durch Adrien de Longp^rier in der 
Rev. numism. Fr. 1843, p. 244fg. z. pl. X, n. 3, 
dann durch Prokesch von Osten in Gerhardts Arch. 
Ztg. 1848, S. 275 fg. z. Taf. XVIII, n.ll bespro- 
chenen Münztypns erinnert, in welchem man un- 
mittelbar aus einem verhältnißmäßig klein dar- 
gestellten Felsen nach rechts hin den Vorder- 
theil eines in Bewegung befindlichen Rosses 
hervorragen sieht. Die betreffenden Münzen, 
welche sich ohne Zweifel auf die Entstehung 
des Bosses beziehen, sind dem Demos Orthia 
inElis zugeschrieben. Ich hege aber dietJeber- 



232 

Zeugung, daß sie der 8tadt Orthe in Thesealien 
angehören, in welchem Lande bekanntlieh die 
Sage über die Entstehung des Bosses (Skjphios) 
auch beimisch war, Tgl. Philost. Imeg. II, 14, 
Schol. 2. Pindar. Pyth. IV, 246, Tzetz. %. Ly- 
cophr. 766, Etjm. magn. u. Hesjch. u. d. W. 
'l7m$0Q , Luean. Pharsal. VI, 396 %. , ServiuB s. 
Vergil. Georg. I, 13. Freilich wäre auf dem 
Gameo die Sage nur angedeutet, nicht eigentlich 
dargestellt. Inewischen will Hr. B. trotz meines 
Zweifels die Mütze durchaus anerkannt wissen. 
Dann kenne ich aber kein Werk aus dem ge- 
sammten Griechisch - Römischen Bilder kreise, 
welches mit dem vorliegenden auch nur Aefau'* 
lichkeit hätte. Es bliebe nichts Anderes übrig, 
als au bloße Symbole des Perseus oder des 
»roßberühmten Aidoneus« zu denken , dem al- 
lerdings die Flügelmütze auch eigen war. 

9) »Pallas Athenac (s. Taf. I, n. 17). 

Prachtvoller orientalischer Onyx , von 5 
Lagen. Hr. Biehler äußert sich über die bild- 
liche Darstellung folgendermaßen. »Die Pallas 
hat den griechischen Helm mit einem Boßhaar- 
busch auf dem Haupte , von welchem das Haar 
nach rückwärts in den Nacken gestrichen ist. 
Sie hält in der Rechten eine Wurflanze , die 
nur deßhalb so kurz erscheint, weil es der Um- 
fang des Steines nicht zuließ , sie in ihrer gan- 
zen Länge darzustellen. In der Linken trägt sie 
einen kreisrunden Schild mit dem Haupte der 
Medusa. Ihre Schenkel sind in einen Schienen- 
harnisch und die Unterschenkel in die bekannten 
griechischen Beinschienen gehüllt. In der gan-* 
zen Gestalt ist eine gewisse Ehrfurcht ausge* 
drückt, die sich sogar in dem natürlicher Weise 
sehr klein geschnittenen Antlitze dtr Palkw 
auidrückt. Die Arbeit ist von der aiKig#zieiich<- 



289 

Betsten Feinheit and zwei GegeuBtände sind 
fomiglich za berücksichtigen. Erstens nämlich 
der Kopf derGorgone, und zweitens die Behand- 
long des Steines in Betreff seiner fünf Lagen« 
Das Gorgonenhiaupt , welches in seiner ganzen 
Höhe nur sehr wenig über 4 Mm, mißt, ist 
nicht nur an und für sieh auf das Außerordent- 
lichste vollendet, sondern besitzt trotz seiner 
Kleinheit, einen höchst merii:w1irdigeo Ausdruck 
Ton Schmerz und Starrheit, was zugleich den 
Beweis liefert, daß der Stein von sehr alter Ar- 
beit isty wie denn überhaupt Anordnung, Co- 
stnme und Technik deutlich auf die Epoche des 
Phidias hinweisen. Die Benützung der Lagen 
ist folgende: der braune Grund ist nicht voll- 
kommen flach, sondern etwas wellig. Von der 
zweiten reinsten Lage wird die Hauptmasse 
der Figur gebildet; aiaa der dritten schwach 
braunlichen und etwas durchscheinenden Lage 
schnitt der Künstler den Schild und die Schie- 
nen des rechten Schenkels. Aus der vierten 
Lage bildete er das Schlangenhaar, die Kinn- 
bjnde und die Flügel des Medusenhauptes, und 
die fünfte Lage endlich, welche wieder bleich- 
braunUeh und durchscheinend ist , benützte er 
zur Darstellung des Angesichtes der Gorgone. 
Man kann sich also denken, mit welchen Schwie- 
rigkeiten d^ Künstler zu kämpfen hatte und 
wie selur er nachdenken mußte, um diese fünf 
Lagen so isweckmäßig als möglich zu benützen. 
Die Politur ist in allen Theilen vortrefflich und 
▼on schönstem Glanz«. — Eine anscheinend wie« 
demm sehr merkwürdige Darstellung. Wir 
wissen von einer knieenden Auge , die als Prie- 
sterin der Atbena Alea ^u Tegea galt, und von 
Bogensnnten Nixi Dii Griechischen Ursprungs, 
weldMt vor der Cella der Minerya auf dem Ga- 

18 






234 

pitol zu Rom zu sehen waren und als Beote- 
stücke aus Syrien oder aus Eorinth galten; 
aber eine knieende Athena ist etwas unerhörtes. 
Ständen der Schienenharnisch an den Oberschen- 
keln und die Beinschienen an den Unterschen- 
keln sicher, so würden sie eine Ausnahme von 
allen mir bekannten antiken Darstellungen der 
Athena machen. Der Gegenstand, welchen die 
Figur mit der Rechten hält, kann unmöglich 
eine »Wurflanze« sein, wenn der Gegenstand, 
der hinter dem Halse in einem rechten Winkel 
an sie anzusetzen und schräg zum Schilde her- 
abzugehen scheint, wo er, wie es sich nach der 
Photographie ausnimmt, in einen Knopf, ähnlich 
wie die » Wurflanze c oben, ausgeht, in derThat 
zu dieser gehört. Ist dieses der Fall^ so kann 
man nur an einen Querstab denken, der auf der 
anderen Seite der »Warflanze« wegen Mangels 
an Raum nicht ausgeführt ist. So ergiebt sich 
ein kreuzähnlicher Gegenstand, der etwa mit 
der Tropäumstange , wie sie namentlich aus 
Darstellungen der auf einen Seesieg bezüglichen 
Nike und der auf einem Schiffe stehenden 
Aphrodite oder Astarte bekannt ist, vergli- 
chen werden könnte, vgl. z. B. die von Imhoof- 
Blumer in Sallet^s Zeitschr. für Numism. II, 
Taf. IV, nr. 13 herausgegebene Münze des Pru- 
sias. Wirklich kann es nach der Photographie 
scheinen, als sei der Gegenstand, auf welchem 
die Figur knieend dargestellt ist, das Yordertheil 
eines Schiffes. In wiefern aber Pallas auf einem 
Schiffe dargestellt werden konnte und daß das 
mehrfach geschehen ist, ist bekannt, vgl. den 
Text zu Bd. II, Taf. XXI, n. 223 der Denkm. 
d. alten Kunst, S. 318 d. dritten Ausg., und Ee-> 
kule »Die Reliefs von der Balustrade der Athena 
£7ike« S. 1 u. 6 und Taf. II, C. Man erblickt 



^ 



235 

die Göttin auf dem SchifiPe nicht bloß stehend, 
sondern anch sitzend; knieend freilich nie. 
Aber das Enieen ist sicherlich nicht bedentsam, 
sondern wesentlich darch den gegebenen Baam 
bedingt , vgl. die Artemis anf den Münzen der 
Thessalischen Magneten bei Fox Gr. Goins I, 
pl. 1, n. 69 nnd anderswo (Imhoof-Blumer »Die 
Münzen Akaruaniens« aus der Wiener Namism. 
Ztsch. 1878, S. 39 fg., Anm. 47). Auch das 
dem Beschauer rechts unterhalb des Schildes 
zum Vorschein kommende (von Hm Biehler gar 
nicht erwähnte) Schwert paßt sehr wohl für 
Pallas, TgL den Text zu den Denkm. d. a. K. 
Bd. n, S. 289 fg., zu Taf. XX, n. 208 der dritt. 
Ausg. Nichtsdestoweniger erhebt sich hinsicht- 
lich der Beziehung der Figur auf diese Gottin 
ein wesentliches Bedenken. In dem Gegenstande, 
welchen Hr. B. ohne Zweifel mit unrecht für 
die Schienen des rechten Beines hält, will ein 
Bekannter yielmehr einen Köcher erkannt wis- 
sen. Diesen wird man aber bei einer Pallas 
schwerlich genügend erklären können (oder 
könnte der Bogen, welcher auf Münzen der 
Pergamenischen Könige (Visconti Iconogr. Gr. 
Vol. n, t. Xm, n. 3—6) im Felde hinter der 
Athena dargestellt ist, als deren eigene WafiFe 
betrachtet werden?) und anzunehmen, daß der 
Köcher ein Beutestück sein solle , dürfte man 
nur dann sich entschließen wollen, wenn man 
voraussetzen könnte, daß auch der Schild und 
das Schwert ebenso zu fassen sei. Ist also der 
Kocher anzuerkennen ^ und das scheint in der 
That große Wahrscheinlichkeit zu haben — , so 
bleibt in Betreff der dargestellten Figur nichts 
übrig, als an Artemis zu denken. Auch diese 
Göttin kommt mit dem Helm auf dem Haupte 
vor, nicht bloß auf dem alterthümlichen Vasen- 

18* 



236 

bilde in Monnm. ed Annali d. Inst. arch. 1856, 
t.XI^ n. 1, anch auf Münzen wie die bei Prokesch 
von Osten >Nichtbek. Europ. -Griech. Münzen« 
in der Berliner Akademieschr. v. J. 1845, 
Taf. m, n. 49 = Denkm. d. a. Kunst Bd. II, 
Taf. XVII, n. 187, a der zweiten Ausg.) und 
andere. Auch sie erscheint mit Schild und 
Schwert ausgerüstet, vgl. meine Schrift über 
das Diptych. Quirinianum Anm. 14 und 6, und 
den Text zu den Denkm. d. a. Kunst Bd. II, 
Taf. XVI, n. 178 und 178, b der dritten Ausg. 
Daß das Gorgoneion auf dem Schilde nicht ge- 

SQn Artemis spricht, bedarf wohl keines weiteren 
eweises. Desgleichen steht das aufgelöste, 
lang in den Nacken hinabfallende Haar nicht 
entgegen , vgl. Schriftstellen wie Glaudian , de 
Bapt. Proserp. II, 30 fg. und Albericus Philo- 
soph, de Deor. imagin. VII; Bildwerke wie die 
Statuen in den Denkm. d. a. K. II, 15, 162, a 
u. n, 16, 167 (die Artemis Golonna, deren Kopf, 
wie man, dem Vernehmen nach, kürzlich ent- 
deckt hat, freilich nicht zugehörig, aber doch 
sicherlich der einer Artemis ist), das Gapuanische 
Belief in Winckelmann's Werken I, Taf. 11 = 
Miliin Gal. myth. pl. XXXVUI, die Münzen in 
den D. d. a. K. II, 16, 169 a u. c, auch die bei 
Clarac Mus. de Sculpt. T. II, pl. 1007, n. 2792, 
die geschnittenen Steine ebd. II, 16, 169, und 
den von L. Müller Int. et Gam. anb du Mus.* 
Thorvaldsen n. 213 verzeichneten, nach dem 
vorliegenden Abdrucke zu urtheilen, endlich 
ganz besonders die Vasenbilder mit hellen Fi- 
guren vom fünften Jahrhundert abwärts, auf 
denen ähnliche Haarbehandlung sich nicht selten 
zeigt, wofür es schon genügt, auf die Zusam« 
menstellung in der El. d. Mon. ceramograph. 
T. II zu verweisen. Daß Artemis ebenso gut 



237 

■ 

wie Atiiena auf einem Schiffe and mit einer 
Tropäumstange dargestellt werden konnte, bedarf 
keines weiteren Beweises. — Was Hm B.8 
Meinung über die Zeit, in welche die Arbeit zu 
versetzen sei, anbetrifft, so spricht gegen die« 
selbe schon der Umstand, daB das Medusenhanpt 
Flügel und »Schlangenhaarc hat (als aus einer 
Schlange bestehend ist auch wohl die »Einn- 
binde€ zu fassen). 

Außerdem ist Hr. Biehler geneigt, als Grie- 
chischen Cameo aus späterer Zeit zu betrachten 
einen hinsichtlich der Schönheit hinter den er- 
wähnten zurückstehenden fragmentirten Onyx 
Yon 2 Lagen , yiolettgrauer unterer und weifter 
oberer, von 80 mill. Höhe und 25 Br. mit der 
Darstellung der ihre Stimme zu Gunsten Orestes 
abgebenden Athena. Die Göttin steht, wie Hr. 
B. berichtet (leider ist mir weder Photographie 
nach Abdruck zu Händen), »vor der Urne, die 
sich auf einem Tisch befindet, an welchem links 
eine bei der Abstimmung beschäftigte Athenien- 
sische Jungfrau steht. Am unteren Rande ist 
das Torgestellte Bein eines der Richter zu se- 
hen«. Die »Jungfrau« ist doch sicherlich eine 
Erinys (E. Petersen in Gerhard's Arch. Ztg. 1862, 
S. 279 fg.), das Bein aber gehört ebenso sicher 
keinem Richter an. Man vergleiche die Dar* 
Stellung auf dem Gorsini'schen Silbergefäß (zu- 
erst herausgegeben von Winckelmann Mon. in^d. 
n. 151 und danach bei Miliin Gal. myth. pl.GLXXI, 
n. 624 und Overbeck Galler. her. Bildwerke Taf. 
XXIX, n« 15; zuletzt und am besten von A. Mi- 
chaelis »DasGorsin. Silbergef.c Taf. I, n. 1) und 
die auf dem »schönen Agathcameoc von drei 
Lagen bei Gäylus Reo. d'Antiq. H, pl. XLIV, 
n. n oder bei Overbeck Galler. her. Bildwerke 
Taf, XXIX, n. 14. Dieser Cameo befand sich 



238 

nach Caylns im J. 1756 im Besitze eines in 
Paris lebenden Hrn Dayila ans Fern. Die Dar- 
stellung findet sich wiederholt auf einem »vor- 
trefflich ausgeführten Griechischen c Cameo der 
Ermitage, einem »Sardonyx von drei Lagen«, 
von welchem ein Abdruck im Berliner Mnseum 
vorhanden ist. Ich kann augenblicklich nur die 
Beschreibung, die ich vor Jahren in Berlin vor- 
fand , mittheilen : Minerve donne sa voix en fa- 
veur d^Oreste en mettant une feve blanche dans 
le vase; ä cote d'Oreste on voit sa soeur Elec- 
tre; Tinteret qu'elle preud dans le moment re- 
presente est indique par ses mains jointes et 
par le caractere de sa tete. Au cote droit est 
place devant un arbre la statue de Minerve. 
Sollte der Dävila'sche Stein nach Petersburg 
gekommen sein, oder könnte man glauben, daß 
dieselbe Darstellung sich auf zwei ächten Ga- 
meen wiederhole? Wir sind einstweilen geneigt, 
das Erstere vorauszusetzen , • müssen aber den 
zweiten Theil der Frage in BetreflF des Biehler'- 
schen und eines anderen Gameofragmentes wie- 
derholen. Winckelmann berichtet in den Mön. 
ined. p. 207 von einem vortrefflichen Gameo- 
fragment in der Sammlung Strozzi, auf welchem 
die Pallas und die Erinys zu beiden Seiten des 
Tischchens mit dem Stimmgefäß und außerdem 
auch die auf dem Felsen sitzende weibliche Fi- 
gur ganz ebenso wie auf der Gorsini'schen Sil- 
bervase dargestellt sei. Von diesem Fragment 
ist das Biehler'sche offenbar verschieden. Leider 
ist aus der kurzen Beschreibung Hrn B.s nicht 
mit Sicherheit zu entnehmen, ob das >vorge- 
stellte Bein eines der Bichterc der auf dem 
Felsen sitzenden Erinys (denn so ist die betref- 
fende Figur sicherlich zu deuten) auf dem Gor- 
sini'schen Silbergefaß und dem Strozzi^schen 



23d 

Gameo angehören solle, oder (was doch wohl 
eher sa glauben ist) der Figur, welche auf jenem 
Silbergeföß als Fylades, aaf dem Cameo bei Cay- 
Ins aber wahrscheinlicher als Orestes zu fassen 
ist. Wenn nun schon die Uebereinstimmung 
der Darstellung mit der auf dem Silbergeföße 
und zum Theil auch mit dem früher Mattei'schen 
Sarkophagrelieffragmente (Michaelis a. a. 0. Taf. 
n, n. 2) gegen das Strozzi'sche Gameofragment 
und den Cameo bei Caylus Verdacht erregt hat 
(Overbeck a. a. 0. S. 721) , so steigert sich 
derselbe gegen den Biehler'schen und auch gegen 
den Strozzi*schen Gameo um ein Bedeutendes 
dadurch y daß sie Bruchstäcke sind. Was den 
Petersburger Cameo betrifft, so wird es das 
Zweckmäßigste sein das Urtheil eines so ausge- 
zeichneten Kenners wie Stephani abzuwarten. 
Hier wird endlich am passendsten ein Cameo 
aufgeführt werden, in Betreff dessen Hr. Biehler 
äußert, es sei der einzige Stein, von welchem er 
nicht angeben könne, von welchem Volke oder 
zu welcher Zeit derselbe geschnitten sein könne. 
Es sei keine rein Griechische oder Romische 
Arbeit. Er hat den Stein vor etwa 40 Jahren 
Ton einem Antiquar in Italien gekauft. Der Stein 
ist ungeföhr von derselben Größe wie die auf 
Taf. n, n. 1 mitgetheilte Abbildung: H. 29 mill., 
Br. 45. Es handelt sich ohne Zweifel um Por- 
traits. Der Kopf zumeist nach links vom Be- 
schauer ist mit einer Elephantenexuvie bedeckt 
und hat außerdem, wie Hr. Biehler angiebt, »ein 
Stirnband«. Er ist bartlos und von ernster scharf 
gezeichneter Physiognomie. Die Schultern sind 
mit einem Schuppenpanzer bedeckt. Der zweite 
Kopf hat ein Löwenhaupt auf dem Scheitel und 
die Klauen dieses Thieres sind an der Brust 
übereinandf^rgelegt«. Er ist mit einem »kurzen 



2%D 

aber starken Bart« versehen. Der dritte Kopf ; 
zeigt »einen alteren Mann ohne Bart, mit einer 
Binde in dem leicht gelockten Haar«. Es ist 
ein ganz dankler (hochrother) fenriger Cameolf 
durchscheinend, aber nicht durchsichtig, mit 
mehreren braunen Flecken. Hr. B. bemerkt, 
daß er in seinem Leben einen solchen Garueol 
nicht gesehen habe. In der Technik zeige sich 
der Künstler als einen großen Meister. Der 
Schnitt sei ganz in Flächen gehalten. An dem 
Haarband, der Löwenhaut, der Elephantenhantf 
dem Rüssel, den Zähnen, den Haaren einerseits [Jj 
und den nackten Theilen der Köpfe andererseits 
sei die verschiedenartigste Politur angebracht: 
dort, wie auch am Grunde, beinahe blendender 
Glanz, die Fleischtheile, um sie der Natur ahn* 
lieber zu machen; nur sanft geglättet. Herrn 
B.s Ansicht über die Herkunft des Steins scheint 
in sofern richtig zu sein, als dieser sicherlich 
nicht eigentlich Griechische Personen darstellt 
und yermuthlich nicht in rein Griechischen Lan- 
den, wenn auch von einem Griechisch geschulten 
Künstler geschnitten ist. Handelt es sich etwa 
um Portraits von Nachfolgern Alexanders des 
Großen in Bactrien und Indien? Der Kopf zu* 
meist rechts vom Beschauer zeigt in der That 
eine sehr große Aehnlichkeit mit dem Euthy- 
demos' I (Numism. Chronicle, New Ser., Vol. IX, 

El. LIH, n. 6, Sallefs Zeitschr. für Numism. 
d. VI, Taf. IV, n. 7). Was den Kopf zumeist 
nach links betrifft, so erscheint bekanntlich die 
Elephantenexuvie auf den Münzen bei Demetrios 
und Ljsias. Das Profil des Gesichtes auf dem 
Cameo paßt, wenn es auch nicht ganz entspricht, 
am besten zu dem des Demetrios im Num. Chron. 
a. a. 0. pl. IV, n. 1 u. 3, vgl. auch Glarac Mus. 
de Soulpt. T. VI, pl. 1047, n. 3172. Freilich 



241 

kenne ich keine Darstellung dieses Königs mit 
dem »Sehuppenpanzer«, d. h. der Aegis, me sich 
an den Portraits der Bactrischen Könige fiber- 
hanpt nnr sehr selten findet. Aber das kann 
niehts verschlagen, da die Aegis an sich durch« 
ans passend ist. GröBere Schwierigkeit macht 
der Kopf in der Mitte mit dem Löwenfell (das 
inzwischen das mähnenlose des Indischen Löwen 
sa Bein scheint) und dem Barte. Bärtige Kö« 
nige kommen erst in späterer Zeit vor, welcher 
das YQrliegende Werk sicherlich nicht angehört. 
Hier weiß ich keine andere Auskunft als ansu- 
nehmen, dafi dein als ein neuer Herakles darge- 
stellten König außer dem Attribute jenes auch 
sein Bart gegeben ist. Auf der Vorderseite ei- 
ner Bronse-Münze des Euthydemos im Num. 
Chron. a. a. 0. pl. III, n. 9 erblickt man einen 
bärtigen »Herakleskopft , dessen Gesichtsprofil 
und Haar durchaus an den Euthydemos selbst 
erinnert. Auf der Vorderseite einer Bronze* 
münze des Aniialkidas im Num. Chron. a. a. 0. 
pl. IX, n. 10, ist die Baste des »bärtigen und 
lorbeerbekränzten Zeus« mit dem Blitz in der 
Rechten in noch frappanterer Aehnlichkeit des 
Gesichtes mit dem des Königs selbst dargestellt. 
Ich könnte noch mehrere derartige Mänzen an- 
fuhren. Fragt man nun aber, um welchen Kö- 
nig es sich handele, so kann ich nur als wahr- 
scheinlich bezeichnen, daß einer der älteren Kö« 
nige, vermuthlich ein solcher auf dessen Münzen 
Herakles dargestellt ist, gemeint sei. Sollte die 
von uns vermuthete Beziehung der auf dem 
Cameo dargestellten Portraits Billigung finden, 
so wurde sich dadurch der Belang dieses um 
ein Bedeutendes steigern. 



242 
c. 

Gfriechiaehe Sehrif tateine. 

Zwei Stücke, beide mit erhabenen Bachstaben 
geschnitten. 

1) Ein Onyx von zwei Lagen mit dem Worte 

EAH 

IJI 
(weiches von einem Kreis eingefaßt ist). Bach- 
staben nnd Kreis sind blangran, der Grund 
braun. H. 13 mill., Br. 15. Offenbar ein Ge- 
schenk, schwerlich an die Göttin *EXntg^ sondern 
an eine Sterbliche desselben Namens, der für 
Frauen mehrfach bezeugt ist (Pape-Benseler » Wör- 
terb. d. griech. Eigennamen« u. d. W. , Beger 
Spicil. p. 84), auch auf einem Berliner Steine, 
dem Sardonyx von drei Lagen mit der Darstel- 
lung eines Meerkrebses (Toelken Erkl. Verz. 
Kl. VIII, n. 317) vorkommt, wo die Inschrift 
EAU. KAA. in ^EXn\}q\ xctX\fi\ zu ergänzen ist, 
s. Stephani zu Köhler's Ges. Sehr. III, S. 247, 
wie denn ebenfalls die Inschrift QAIIIG auf 
dem von Raspe Catal. de Tassie pl. XXIV, 
n. 1461 abbildlich mitgetheilten Steine mit der 
Büste des Serapis nicht als Appellativum, sondern 
als Eigenname zu fassen sein wird. Vgl. auch 
meine Bemerkung über einen geschn. Stein der 
K. Niederländischen Sammlung in Fleckeisen^s 
Jahrb. für class. Philol. 1868, H. 2, S. 133. 

2) Onyx von zwei Lagen mit der Inschrift 

KEIN 
A&HN 
(die ebenfalls mit einem Kreise umgeben ist). 
Die Buchstaben und der Kreis sind weißlich- 
röthlich, der Grund roth, H. 20. m. , Br. 22. 
Die Inschrift ist bisher wunderlich gedeutet 
(auch Br. in Bucher*s Gesch. d. techn. Künste 



243 

a^a.0. S. 320). Das Wahrscheinlichste ist doch 
wohl, daß sie sich auf einen Kstviag d. i. Kkviag 
U^^aToQ bezieht. Die Form Ksiviaq findet sich 
aach bei Harpokration ; Athener mit dem Namen 
Ehviaq sind mehrfach bezeugt. 



V. 

Griechisch-Aegyptische Gemmen. 

Hievon enthält die Sammlung zwei ausge- 
zeichnete Stücke. 

1) Brustbild des Juppiter - A mmon - Serapis 
(s. Taf. II, n. 2). 

»Eine ernste Physiognomie mit tiefliegendem 
Auge^ über dem Ohre das gewundene Hom, 
auf dem Haupte der Scheffel , rückwärts acht 
Strahlen. Das Haar geht nach unten in eine 
Art von Zopf über«. Die Photographie zeigt 
dem Beschauer auch rechts von dem Kalathos 
noch einen Strahl. Nach Hrn Biehler »zu den 
schönsten Arbeiten dieser Art gehörend«. Orien- 
talischer Carneol von 16 mill. H. und 13 Er. 

2) Liegende Sphinx. 

Antike grau und weißgestreifte Paste. Höhe 
13, Br. 22. »Diese Gemme ist noch deshalb 
besonders beachtenswerth, weil sie in einen an- 
tiken goldenen Ring, eigentlich in einen Bing 
aus Goldblech, gefaßt ist«. Hr. Biehler bemerkt, 
daß ihm noch nie ein ähnlicher Ring vorge- 
kommen sei, derselbe sei gewiß mehrere hun- 
dert Jahre vor Chr. G. gemacht worden. 



244 



VI. 

Oriechiscli-Bömische und Römische 

Gemmen» 

a. 

Intaglten, 

Eine bedeutend große Anzahl, mehr als 200 
Stücke, darunter auch »mindere Arbeiten«, aber 
auch manche schöne. Von Hru Biehler besonders 
hervorgehoben. 

1) Brustbild einer »Bacchantin«. Im Felde 
davor und dahinter eine »Kanne« und eine 
»Sehale« (s. Taf. II, n. 3). 

. Daß ein antiker Künstler eine gewöhnliche 
Bacchantin gemeint habe, hat, auch abgesehen 
von dem Mangel der entsprechenden Bekräuzung, 
wegen der Attribute im Felde keine Wahrschein- 
lichkeit. Außerordentlich schöne Arbeit, welche 
Hr. B. in die erste Hälfte des ersten christlichen 
Jahrhunderts gesetzt wissen will. Orientalischer 
Sarder. H. 19 mill., Br. 15. 

2) »Die drei Triumvirn Octavianus, Anto- 
nius und Lepidus«. 

»Zwei dieser Profilköpfe sind nach links und 
der dritte ist nach rechts gewendet Hinter dem 
letzteren befindet sich ein Augurstab und hinter 
den beiden anderen ein Krug«. Die obige Deu- 
tung der Köpfe auf der »durch Schnitt und Po- 
litur ausgezeichneten« Gemme, einem Gameol 
von 20 mill. Höhe und 45 Breite, welche Hr. 
Biehler in seiner Zuschrift an mich ausspricht, 
vnrd auch in Br. Bucher's Gesch. d. techn. 
Künste a. a. 0. S. 315, Anm. 1, gegeben, wo 
der besonders hervorgehobene Stein ohne Angabe 



243^ 

des Besitzers auf Taf. I, n. 16 abgebildet ist. 
Im Catalog von 1866, S. 18 spricht Hr. Biehler 
von Caesar, Octayian und Lepidus. Das socha* 
rakteristische Gesicht des Antonius ist allerdings 
mit nichten deutlich zu erkennen. Aber auch 
die übrigen Kopfe gleichen den sicheren antiken 
Darstellungen des Octayian und des Lepidus, 
die doch sicherlich dargestellt werden sollten, 
ao wenig und haben dagegen mit einander so 
bedeutende Aehnlichkeit, daß ich fast glauben 
moehte, es handele sich um eine moderne Ar* 
beit, deren es von den Köpfen Octavians, An- 
tonios^ und Lepidus* mehrere giebt, ygl. z. B. 
Chabouillet Cat. gen. et descr. p. 89, n. 529 
und Mariette Trait6 d. pierr. gray. T. II> P. 2, 
n.48, der freilich den betreffenden »Jaspefieury« 
für ein antikes Werk hielt, und Lippert's Dak- 
tyüoth. Mül. I, P. 2, n. 291 u. Suppl. II, n. 226, 
obgleich dieser ebenfals an der Echtheit dieser 
Steine nicht zweifelt. Dazu kommt, daß bei Lip- 
pert I. n. 267 der Abdruck einer Gemme gegeben 
ist, welche der in Rede stehenden Biehler'schen 
so gleicht, wie ein Ei dem anderen. Diese 
Gremme, yon welcher im Deutschen Text zum 
»zweiten, histor. Tausend« S. 189, n. 575 nur 
angegeben ¥drd, daß sie ein Garneol sei, nicht 
aber in wessen Besitz sie sich befinde, ist trotz 
der Gleichheit des Materials und der Darstellung 
in allen wesentiichen Dingen , doch, nach der 
Verschiedenheit der Dimensionen und nach der 
Abweichung in einigen Nebensachen zu urtheilen, 
nicht mit der Biehler'scben identisch. Sie ist 
sicherlich ein modernes Werk. Wenn Lippert 
a. a. O. angiebt, daß die Gesichtsbildnng des 
Antonius deutlich dargestellt sei, so irrt er. 
Der Kopf des Antonius stimmt mit dem auf 
dAn Biehler'sehen Steine rolkommen fiberein. 



246 

Im Gatalog von 1866 wird S. 38 , n. 6 ein 
Jaspisscarabäus von »Römischer Arbeit« aufge- 
führt, auf dessen Flacbseite »ein Triton , neben 
diesem ein Dreizack und ein Schwert« dargestellt 
sei. Also doch wohl Glaucas. 

Auch ein Lateinischer Schriftstein 
mag erwähnt werden, ein Siegelstein von rothem 
Jaspis mit den Worten 

KASSICI 
C RASSI, 
wenn der erste Bachstabe des oberen Wortes 
von Hrn Biehler richtig gelesen ist. Die mir 
vorliegende Photographie läßt eher an ein R 
denken. Darf man annehmen, daß vor dem er- 
sten Bachstaben noch ein anderer stand oder 
stehen sollte (wofür vielleicht angeführt werden 
kann, daß jener weiter nach links, oder im Ab- 
drucke nach rechts, hingerückt erscheint als der 
Anfangsbachstabe der unteren Reihe, so liegt es 
nahe , an ORASSIGI zu denken. Der Name 
Grassicius ist als der eines Grammatikers zu 
Rom, der im Hause des Mr. Antonius Lehrer 
war, bekannt und wird auch sonst wohl vorge- 
kommen sein. In diesem Falle würde auch das 
Bedenken, welches man wegen des Gebrauchs 
von E und G in derselben Inschrift hegen kann, 
wegfallen. 

Außerdem ist hier wohl der geeignetste 
Platz einen Schriftstein za berücksichtigen, den 
Hr. Biehler als einen der interessantesten unter 
denen, welche ihm je vorgekommen seien, be- 
zeichnet. Er besitze denselben, den erinItaUen 
gekauft habe, schon 45 Jahre, aber bisher habe 
noch kein Philolog über die Inschrift Auskauft 
geben können , ja es wisse Niemand , welcher 
Zeit und welchem Volke sie angehöre. Die 
Inschrift besteht in vier wagerechten Zeilen. 



247 

Die Bnehstaben sind schlecht geschnitten und 
außerordentlich klein. Hr B. hegt die Ansicht, 
daß das Werk ans mehreren Gründen »sehr alte 
sein müsse. Das sei schon daraus zu ersehen 
weil der Stein ganz ungleich sei: ein moderner 
Künstler würde in einen solchen Stein nicht 
geschnitten haben; auch sei es die Frage, ob 
ein solcher im Stande gewesen wäre, so kleine 
erhabene Buchstaben zu schneiden. Zudem 
spreche das Material für ein höheres Alter. 
Der Stein sei ein Onyx von zwei Lagen , deren 
untere roth sei, Cameol, und deren obere, aus 
welcher die Buchstaben geschnitten seien, grau- 
weiße Farbe habe. Die Höhe des Steins, wel- 
cher eine goldene Bingfassung hat, beträgt 12, 
die Breite 15 millim. Hr. B. hat die Gefällig- 
keit gehabt eine Photographie zu übersenden, 
welche das Werk fünfmal yergrößert zeigt, und 
außerdem zwei von yerschiedenen Händen her- 
rührende möglichst genaue Gopien. Nach diesen 
Vorlagen hat derjenige meiner Gollegen, welcher 
die betreffenden Studien an unserer Universität 
vertritt, eine Prüfung unternommen. Er findet 
zumeist Yerwandschaft mit den von Th. Momm- 
sen »Die unteritalischen Dialekte«, Leipzig 1850 
ermittelten Italischen Alphabeten , namentlich 
mit den Inschriften von Nola und den nächst- 
verwandten. Dazu kommen nach seiner An- 
sicht auch zweiTironische Zeichen vor, einmal eine 
Lateinische H und zweimal Arabische Ziffern. Da- 
nach ist er der Ansicht, daß das Werk frühe- 
stens dem fünfzehnten Jahrhundert unserer Aera 
angehöre, demselben aber eine alte Oskische In- 
schrift zu Grunde liege, indem er auf Mommsen 
a. a. 0. S. 64 verweist. Weitere Forschung 
bleibt vorbehalten. 



248 
b. 

Cameen, 

Davon besitzt die Sammlong, abgesehen von 
dem weitaus wichtigsten, unten unter den alt- 
christlichen Werken zu erwähnenden, 30 Stacke 
mit verschiedenen Darstellungen. 

Besonders bemerkenswerth ist ein Sarder von 
65 mill. H. und 45 Br. (also schon unter die 
größeren Steine gehörend), der auf Tat 11, unter 
n. 4 in der Große des Originals abgebildet ist* 
Er enthält in V^ Profil das Brustbild eines Rö- 
mischen Großen mit kurzem geringelten Haar, 
Lippen- und Bundbart, der mit der Chlamys 
oder dem Paludamentum angethan ist. >Per 
Stein gehört schon wegen seiner Gro6e und 
seines Hautrelief zu den seltenen Römischen 
Arbeiten. Der Schnitt zeugt von einer unge- 
wöhnlich großen Technik , indem Alles breit 
angelegt ist, doch sind auch alle einzelnen Theile 
mit Sorgfalt vollendet. Die Politur erreicht den 
höchsten Grad von Vollkommenheit«. Wem 
dieser Kopf mit markigen, charakteristischen 
Zügen zuzuschreiben ist , muß dahin gestellt 
bleiben. Unter den Römischen Kaisern wüßte 
ich keinen, an welchen man eher denken könnte 
als an Garacalla^ für den namentlich das Haar 
des Kopfes und des Bartes wohl passen wurde, 
während die Wendung des Kopfes nach rechts, 
statt der bei diesem Kaiser gewöhnlichen nach 
links nicht gegen denselben angeführt werden 
dürfte, wenn nur der Gesichtsausdruck ein etwas 
anderer wäre. Nahe steht indessen auch in 
dieser Beziehung der in Lippert^s DaktyL Mill. 
II, P. 2, n. 422 und namentlich der bei Toelken 
im Erkl. Yerz. Kl. Y, Abth. 1, n. 199 auf Ca^ 
racalla bezogene Intaglio. Freilich fehlt es auch 



249 

nicht an anbekannten Römischen Portraits, 
welche eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Yor- 
lieg^den haben. 

Außerdem mag noch eine Paste von weißer 
Farbe erwähnt werden (s. Taf. 11, n. 5). 

Die anf ihr dargestellte, einem Wesen des 
Bacchischen Kreises angehörende Maske zeigt 
über der Stirn eine crenelirte Stephane nnd am 
EjDn einen Bart, welcher anstatt des Haares in 
einem Weinblatte besteht. Entsprechende Ver* 
tretong des Haares nicht bloß am Kinn, sondern 
auch an der Oberlippe nnd auf dem Haupte 
findet sich auch sonst bei männlichen Wesen 
des Bacchischen Kreises, Dionysos oder dem 
Silen oder einem Silen, auch Pan auf Werken 
ans verschiedenen Gattungen der Kunstübung; 
ja es kommen nach Stephani auch Frauenköpfe 
ans diesem Kreise, wohl auf Ariadne bezüglich, vor, 
deren Haupthaar die Form von Weinbeeren hat, 
indem zugleich die Stephane durch Weinblätter 
hergestellt ist, wie äucn hie und da bei Dionysos, 
üloch barocker ist die Darstellung des jugendli- 
chen anbärtigen Dionysos auf einem kürzlich 
anfgefandenen und von J. de Witte in der Ga- 
zette arch. 1880 p. 10 fg. besprochenen und 
p« 11, sowie pl. 2 abbildlich mitgetheilten Pom- 
pejanischen Wandgemälde , wo der Gott von 
dem Halse bis zu den Füßen hinab in eine 
große Weintraube mit violetten Beeren eingehüllt 
erscheint. Zwei der vorliegenden Darstellung 
nahe stehende Werke, einen Marmorkopf und 
einen Bronzekopf, welchen letzteren schon Cau- 
sens de la Ghausse Rom. Mus. T. I, Sect. 5, 
t. XIY herausgegeben hatte , habe ich in den 
Denkm. d, a. K. Bd. H, H. 3, Taf. XXXI, n. 344 
nn J. 1845 und in Denkm. des Bühnenwesens 
Taf. y , n. 1 im J. 1 851 mitgetheilt. Andere 

19 



250 

behandelt Stephan! im Compte rendn de la com- 
miss« impär. archeol. pour les ann. 1878 et 1879« 
p. 16 fg. mit Beibringung neuer Abbildangen 
von Werken, die sich in St. Petersburg befinden. 
Der Ton mir in den Denkm. d. a. E* heraasge* 
gebene Marmorkopf wird in der in Vorbereitung 
stehenden neuen Auflage in neuer Abbildung ge- 
geben werden. Dem Vernehmen nach befindet 
sich noch ein anderer ähnlicher Marmorkopf in 
Born. Der oben angedeutetetePankopf ist jüngst 
durch Emil Presuhn »Pompeji« , zw. Auflage^ 
Leipz. 1882 , Abth. I , Domus Gaecilii Jacnndi, 
letztes Blatt, bekannt geworden. Er ist inmit- 
ten einer aus Weintrauben und Wein1)eeren zu- 
sammengesetzten Guirlande dargestellt und zeigt 
Weinblätter statt des Bartes, auch auf dem 
Kopfe erblickt man Weinblätter , die aber an- 
scheinend nicht das Haar ersetzen sollen, und 
ist als antike Wandmalerei ausgeführt. Aus 
dem Kreise der geschnittenen Steine und Pasten 
ist mir nichts Gleich es bekannt. Nahestehen 
allerdings die in den Denkm. d. Bühnenwes. 
Taf. V, n. 2 — 4 abgebildeten Werke dieser Gat- 
tungen der Kunstübung und ähnliche anderswo- 
her bekannte. 



VIL 

Bömisch-Aegyptische Gemmen. 

Fünfzehn verschiedene Darstellungen. Von 
Hm Biehler besonders hervorgehoben: 

1) »Jupiter -Serapis«. Brustbild, links die 
Sonne, rechts den Mond; darunter Harpokrates 
in der Luft schwebend. 

Magneteisenstein. H. 19, Br. 17. 



251 

2) Isis. Brustbild nach links, mit Sistram an 
der Achsel , darunter Kanopus. 
Syenit. H. 20, Br. 14«. 

vm. 

Abraxas- und Amulet-Gemmen. 

Die Zahl der Abraxas -Gemmen ist nicht 
grofi; »aber echte Abraxas sind auch sebr sel- 
ten, während es gefölschte zu tausenden giebtc. 

Die Sammlung enthält Steine mit 

»der Figur des Gottes Abraxas ; brauner Sar- 
der. Intaglio, Höhe 31 mill., Br. 24«, vgl. zu- 
nächst den Lapis Lazuli bei Maffei- Gemme 
n, 22 = Montfaucon Ant. expl. T. II, p. CLXII, 

»der Schlange mit strahlenumgebenem Lö- 
ireiihaupte und der bekannten Inschrift XNOYBIG 
oder XNOYMIC, 

mystischen Thieren, Aegyptischen Gottheiten 
a.s.w.; auf der Rückseite befinden sich zumTbeil 
längere Inschriften«. 

Auf einem blassen Amethyst ist nach dem 
Catal. vom J. 1866, S. 23 fg. dargestellt »ein 
mystisches Thier, mit dem Kopfe eines Adlers, 
kurzen Mähnen, und dem Leib einer Eidechse, 
üeber demselben erhebt sich ein Vogel mit vier 
Flügeln. Auf der Rückseite des Steines befinden 
sich yier Zeilen mit folgenden Buchstaben : 

MESH 
NXMAKW 
FNuoAArA 
EYKAAU. 

Ein trübes Plasma zeigt nach dem Cat. S. 24, 
n. 9 leine mystische männliche Figur, nach 
techts gewendet. Der Mann trägt auf seinem 
Kopfe einen Helm, aus welchem drei Nägel her- 

19* 



} 



252 



vorragen. Auf seinem Leibe hat er 6 ovale 
Flecke. Seine Schärze bildet steife^ gerade Fal* 
ten. Er hält in der rechten Hand ein GefäB, 
und in der linken ein Pflug -Scepter, auf die- 
selbe Art wie es ägyptische Herrscher fuhren. 
Auf der Rückseite de& Steines stehen in sechs 
Zeilen folgende Buchstaben: 

WCyiMM 
CEKJIXI 
PIJAKAS 

niDEn 

TETKU. 

Auf einem gelben Jaspis findet man nach Catal. 
S. 40 »einen Scorpion und auf der Unterseite die 
Inschrift : 

EICü. NEXNEME. NCOEMAU. 
Auch an Amuleten, die nur eine Inschrift 
enthalten fehlt es nicht. Ein solches, ein Sma- 
ragd-Plasma, ist auf Ta£ H, n. 6 abbildlich mit- 
getheilt. Es bietet ein neues Beispiel des Wor- 
tes OTAA8AI auf Amuleten, vgl. Kopp Pa- 
laeogr. crit. P. lU, §. 548, p. 653 und besonders 
meine Denkmäler des Bühnenwesens S. 95 ^ zn 
Taf. XII, n. 24. Die ganze Inschrift wird im 
CataL S. 23 so wiedergegeben: 

OYAASE 
TAF CATANA 
KIQATCüP 
OIjQNTOrAN. 
Dasselbe Wort ist nach der Yermuthung P. de 
Lagarde's auch mit den drei Anfangsbuchstaben 
der oben mitgetheilten Inschrift auf einem an- 
deren Plasma gemeint« 

Ein »Talisman von grünem Jaspisc enthält 
zwei Reihen »höchst wunderlicher Charaktere« 
(12 an Zahl). Ohne Zweifel astrologische Zeichen. 



253 

IX. 

Altchristliche Qemmen. 

Die Biehler*sche Sammlung enthält sieben 
Stacke, welche ansschlieftlich dieser Kategorie 
angehören. 

Diese altchristlichen Gemmen sind hekannt- 
lieh sehr selten. Namentlich gilt das nach Hm 
BieUer's Dafürhalten von den Steinen mit der 
hiBchrift IX® YC^ von denen nicht einmal einer 
in der E. Sammlung zu Wien vorkomme. Seit 
der ganzen Zeit, seit welcher er Gemmen sammle, 
sei ihm nur ein einziger Stein mit jener In- 
schrift im Handel yorgekommen. Dieser^ den 
Hr. B. erworben hat, ein Nicolo von 11 mill, 
Höhe and 14 Br., zeigt oberhalb und unterhalb 
des Wortes IX© JO (so!) je einen Fisch, das eine 
Mal nach rechts, das andere Mal nach links hin 
gewendet. 

Anfierdem hält Hr. B. unter den altchristli- 
chen Gemmen seines Besitzes nur noch ein 
Stöck besonderer Erwähnung werth , das wegen 
des auf ihm dargestellten Labarum allerdings in 
£ese Kategorie gesetzt werden kann, wenn ihm 
aneh hauptsächlich sein Platz unter den histo- 
insch wichtigen Monumenten angewiesen werden 
muB. Als altchristliche Gemme betrachtet steht 
freilich der Stein nicht bloß seiner Große wegen 
(er hat eine Breite von 15 und eine Höhe von 11 
centim.) einzig in seiner Art da. Hr. Biehler hat 
ganzUecht, wenn er äußert, daß^ selbst wenn 
seine Sammlung sonst gar keine seltene Gemme 
Anzuweisen hätte, sie schon durch diesen Stein 
berühmt werden müßte. Die Wichtigkeit dieses 
Monuments und die Schwierigkeit, dasselbe in 
aQei] einzelnen Punkten sicher zu deuten, macht 



254 

eine ausführliche eingehende Besprechung no- 
thig , die mit Beigabe einer Photographie für 
Band XXIX der Abhandlungen derK. Gresellscli. 
der Wissensch. bestimmt ist und in besonderen 
Abdrücken schon bald nach dem Erscheinen 
dieses Berichtes ausgegeben werden wird. An 
dem Hauptgegenstande der Darstellung kann 
kein Zweifel obwalten. Er betri£ft den yon 
Eusebius in der Vita Constantini I, 39 n. 40 
(Euseb. Pamph. Scr. histor. ed. Heinichen. 
T. n, p. 35) ausdrücklich bezeugten Triumphzng 
nach der Niederlage des Maxentius am Pens 
Milvins, bei welchem das Labarum, das bekannt- 
lich hauptsächlich zur Erreichung des Sieges 
beigetragen haben soll , als Tropäum erscheint. 
Das in Rede stehende Werk, ein Cameo, ist zu- 
dem abgesehen von seinen Dimensionen (15 
Gentim. Breite und 11 Höhe) wegen seines Ma- 
terials (es ist auf einem dunkelen braunen, an 
den dünnen Stellen durchscheinenden Sarder mit 
weißlichen Flecken ausgeführt) und wegen der 
für die betreffende Zeit auffallend ausgezeich- 
net ausgeführten Arbeit sehr beachtenswerth. 



X. 

Byzantinische Gemmen. 

Nur einige. 

1) Halbfigur des heiligen Nikolaos. Mit her- 
umlaufender Griechischer Namensinschrift. 

Antike Paste in altmessingener Fassung. 
H, 25 mill., Br. 19. 

2) Halbfigur eines Apostels. 

Auch mit Inschrift. Blauer Chalcedon. 



255 

XI. 
Mittelalterliche Qemmen. 

1) Heiliger Georg zu Pferde^ den Drachen 
todtend. 

Edler Homstein. Intaglio. H. 12, 6r. 10. 

2) Anbetung der Hirten. 

Gameo. H. ,36, Br. 24. Onyx mit mehreren 
Farben. »Das Ganze sieht sehr schön ans«. 

xn. 

Ginqnecento-Gemmen. 

Namentlich ans dem 16ten nnd der ersten 
Hälfte des 17ten Jahrhunderts. Von solchen 
enthält die Sammlung über 200 Stücke, darunter 
mehrere ausgezeichnete Intaglien nnd Gameen. 

a. 

Intaglien» 

1) Cioriolans Abschied von seiner Gemahlin 
Volumnia (Taf. II, n. 7). 

Ein Meisterwerk. Gomposition von 12 Figu- 
ren, unter deren Basis sich unten im Abschnitte 
noeh eine Victoria befindet, obgleich der Stein, 
ein Cameol, klein ist, indem er nur 18 mill. 
H. nnd 19 Br. hat. Dabei sind »alle Details 
Tollkommen ausgedrückt, indem man nicht nur 
in den Gewändern, sondern sogar in den Köpf- 
chen sehr feine Einzelnheiten bemerkt. Gono- 
lan lenchtet sogleich als Hauptfigur hervor, sein 
gehobener linker Arm zeigt die innere Erregung^ 
mit welcher er spricht. Ihm gegenüber steht 
seine Gattin Volumnia, und neben dieser seine 
Mntter Veturia, beide in sichtbar aufhorchender 



256 

Stellung. Rechts yom Feldherrn befindet sich 
ein Krieger, welcher das Streitroß hält, das 
Goriolan im nächsten Augenblicke besteigen soll, 
indem sich schon zwei der Krieger abwenden, 
als ob sie zum Kampfe gehen wollten. Hinter 
der Hauptgruppe befinden sich vier Krieger mit 
Adlern und Legionszeichen, und an dem rechten 
Bande des Steines sind noch zwei Soldaten mit 
Lanzen und Schildern angebracht. Dem äu- 
ßerst feinen Schnitt gesellt sich eine Politar, 
»die nichts zu wünschen übrig läßt«. Die ganze 
Gomposition erinnert an den allbekannten »Sie- 
gelring Michel Angelo's« von Piermaria da 
Pescia. 



b. 

Cameen, 

Mehrere sehr interessante Stücke. 

1) »Brustbild der Flora. 

Jaspis-Achat yon drei Lagen, 2 Zoll hoch, 
1 Z. 7 Linien breit und 9 Linien dick. An 
diesem Stein ist vor allem die Technik in^s 
Auge zu fassen, da sich hier der Künstler die 
Aufgabe stellte^ nicht nur bis zum Hautrelief, 
sondern bis zum vollkommen Runden zu schrei- 
ten, und demgemäß heben sich die beiden Arme 
und der Kranz (welchen die Göttin mit jenen 
emporhebt) yoUkommen frei von dem Steine ab. 
Man kann sich denken ^ welche Zeit und Mühe 
diese in ihrer Art ganz eigenthümliche Arbeit 
kostete, indem der Kranz in einer Breite von 7 
Linien unterarbeitet werden mußtet. 

2) Halbfigur einer Bacchantin (s. Taf. II, n. 8). 
»Das freuDdliche (?) Antlitz ist von aufgelö- 
sten Haaren reichlich umwallt, welche von Reben« 



257 

bittttern und Trauben durchwebt werden. Die 
Brust ist halb entblöfit. üeber die linke Schul- 
ter fallt die Tunica und über die rechte das 
Löwenfell 9 dessen Klauen in den Gürtel einge- 
schlungen sind. Das Untergewand ist sehr fein 
gefaltet. Die Figur hält in der Linken einen 
Becher und an ihrer rechten Achsel lehnt der 
Thyrsus mit flatternden Bändern«. CarneoL Höhe 
40 mill., Br. 34. »Eine sehr schöne Arbeit mit 
einer Politur von ganz Tortrefflichen Glänzet. 

3) »Brustbild des Priamus und des Hector. 
Chalcedonys. H. 65, Br. 55. Auch ein schönes 
Werk*. 

4) Medusenhaupt. 

Agathonyx von zwei Lagen. H. 50 milL, 
Br. 27, Dicke 15. »Ein seltenes Meisterwerk. 
Der Künstler wandte alle Mittel au, den Schnitt 
so kühn und so hervortretend als möglich zu 
halten, und verschmähte selbst die nöthigen Un- 
terarbeitungen nicht, um den Effect des Ganzen 
zu vermehren. Man kann sich denken, welche 
Schwierigkeiten sich boten, als die Camee schon 
geschnitten war, und nun alle, auch die zutiefst 
liegenden Stellen erst noch die Politur erhalten 
muBten«. L. Pichler, welcher das Werk als 
Cinquecentoarbeit erkannte, während alle anderen 
Steinschneider und alle Gelehrten, welche dasselbe 
gesehen hatten, es für antik hielten, äußerte gegen 
Hrn Biehler, »dafi in der ganzen Welt keine 
zweite solche Cinquecentoarbeit existire und daß 
er nicht begreifen könne, wie es möglich sei, 
daß die Schlangen ganz frei und von unten mit 
dem Bade ausgeschliffen werden konnten.« 

Eunde Büste. 

»Brustbild eines Römers mit der Toga«. 



258 

Sardonyx, 1 Zoll 5'" hoch, 1 Zoll 3'" brwt. 
Höchst selten.«. 



XIII. 

Arabische, Persische, Türkische and 
Armenische Schriftsteine. 

Lanter Intaglien. Siegel und Talismane, zum 
Theil auch mit »Zierathen und yerschlnngenen 
Zeichen«. 

XIV. 

Moderne Gemmmen ans dem 17., 18. und 

19. Jahrhundert. 

Eine außerordentlich stattliche Reihe, wesent- 
lich nur von Werken berühmter oder interessan- 
ter Meister, namentlich aus der zweiten Hälfte 
des 18ten und den drei ersten Decennien des 
19ten Jahrhunderts, die bekanntlich sehr selten 
und jetzt im Handel kaum noch zu haben sind. 
Eine große Anzahl davon ist mit Namensinschrift 
versehen. 

Unter denen, welche keine solche Inschrift 
haben, ragen durch Größe und Tüchtigkeit der 
Arbeit oder Eigenthümlichkeit der Darstellung 
hervor mehrere Cameen. 

1 ) ein großer Chalcedon von 2 Lagen, 3 Zoll 
3 Linien breit, 2 Zoll 5 Linien hoch, Hektors 
Abschied von Andromache darstellend, ein Werk 
aus dem Anfange des 18ten Jahrhunderts, 

2) ein kleinerer Chalcedonyx von 2 Lagen, 
1 Zoll 6 Linien hoch> 1 Zoll 2 Linien breit, 
mit einer tanzenden , am Oberleibe mit einem 
flatternden Gewände nur leicht bekleideten weib- 
lichen Figur, die d^n Kopf> aus dessen Haare 



259 

vier Palmblätter herTorragen , zurückgeworfen 
hat und in der Linken das Tympanum hält, 
welches sie mit der rechten Hand schlägt (vgl. 
Denkm. d. a. Kunst Bd. II, Taf. XVII , n. 188 
nebst Text der dritten Ausg.), 

3) ein Onyx von 5 Lagen, 2 Zoll 1 Linie 
(70mill.) hoch, 2 Zoll eine Linie (58 mill.) breit, 
mit dem Brustbilde einer Bacchantin, eine Ita- 
liänische Arbeit aus dem ersten Decennium des 
19ten Jahrhundert (»die ganze Technik ist im 
höchsten Grade meisterlich und die Politur von 
außerordentlichem Glänze c), 

4) ein Chalcedonyx von 57 mill. H. und 85 
Br., mit dem Kopfe des Yespasianus nach rechts, 
aus dem 19. Jahrb., 

5) ein Bergkrystall mit den Brustbildern 
Augast's II, des Starken, von Sachsen und seiner 
Gemahlin, von 50 mill. H. und 40 Br. Das mehr 
durch seine Große als durch künstlerische Aus- 
führung ausgezeichnete Werk ist nach Hrn 
Biehlef's Ansicht eine Arbeit von Job. Bern. 
Schwarzeburger, geb. zu Frankfurt am Main 
1672, gest. 1741. 

Unter den Gemmen mit Namensinschriften 
sind an erster Stelle hervorzuheben die von der 
Familie Pichler herrührenden. 

Hm Biehler's Sammlung enthält nicht we- 
niger als 13 hiehergehörende mit bildlichen Dar- 
stellnngen versehene Stücke von Antonio, Giovanni 
Luigi und Giuseppe Pichler, und diese sind un- 
zweifelhaft echt, auch nach dem Urtheil Luigi 
Pichler's, was besonders hervorzuheben ist, da 
es auch gefälschte giebt^^. 

Von Antonio Pichler rührt ein »zu seinen 
schönsten Arbeiten gehörenderc Gameo mit dem 
Brustbild der »Hebe« oder »einer Bacchantin« 
her, ein »Carneol-Onyx« oder »Onyx mit zwei 



260 

Farbenc von 29 milL H. and 20 Br. Im Felde 
rechts 77. 

Sein Sohn Giovanni, der gr5Bte Meiser der 
Familie, ist mit 3 Intaglien vertreten. 

Das ausgezeichnetste Stück ist wohl ein Hya- 
cinth von 21 mill« H. und 17 Br., einen weib- 
lichen Kopf mit Haarbinde enthaltend nebst 
der Inschrift niXA€P (s. Taf. II, n. 9)*). 
Eine »förmlich wunderbare« Arbeit. 

Zu den besten Werken Giovanni's gehört 
auch ein orientalischer Sarder vom größten 
Feuer, mit Perseus und Andromeda und dersel- 
ben Inschrift, von 31 mill. Höhe und 28 Br. 
(s« Taf. U, n. 10). Gopie des bekannten Reliefs 
im Mus. Gapitolin. zu Rom (Miliin Gal. myth. 
pl. XCVI, n. 388 , E. Braun »Zwölf Basreliefs 
Griech. Erfindung« Taf. 10). Einen Bergkrystall 
mit derselben Darstellung und Inschrift erwähnt 
Raspe Cat. de Tassie n. 8880. Ueber Pichler'- 
sche Arbeiten nach bekannten Römischen Re- 
liefs: Stephani zu Köhler*s Ges. Sehr. Bd. HI, 
S. 340, Anm. 123. 

Die meisten Gemmen rühren von dem zweit- 
berfihmten Sohn Antonio*s, Luigi, her und von 
diesen sind, abgesehen von dem Eunstwerthe 
aller, einige auch noch in Beziehung auf das 
Material von Interesse. L. P. liebte es in be- 
sonders schöne Steine zu schneiden. Er hat 
aber nach der Mittheilung, die er Hrn Biehler 
im J. 1850 machte, für die »beiläufig 400«**) 

*) Die Inschriften fehlen auf den mitgetheilten 
Photographien der Steine Giovanni und Luigi Pichler's. 

**) Oh diese enorme Summe nicht auf einem Ge- 
dächtnififehler heruht, muB ich dahin gestellt sein las- 
sen. In Br. Bucher^s Gesch. d. techn. Künste a. a. 0. 
S. 348 werden dem L. Pichler nur 15 Cameen und 230 
Intaglien zugeschrieben. W. 



261 

Gemmen, welche er bis dahin geschnitten hatte, 
in einem Zeiträume von 50 Jahren nur 12 
orientalische Garneole beschaffen können und 
zwar hat er von diesen nur zwei ungeschnittene 
an&utreiben vermocht; die übrigen zehn waren 
schon geschnitten und muBten abgeschliffen wer- 
den. Von den 12 betreffenden Stücken besitzt 
aber Hr. B. 4. »So viele hat noch nie weder 
eine Staats- noch eine Privatgemmensammlung 
gehabt«. 

Wir erwähnen zuerst einen Intaglio in Bra- 
silianischem Topas mit der Darstellung der sit- 
zenden Artemisia, den Luigi Pichler nach einem 
Steine von seinem Bruder Giovanni geschnitten 
hat Beide Gemmen sind auBerordentlich schon 
geschnitten, die Copie ist unbedeutend größer 
als das OriginaP^). 

Außerdem werden von Hrn Biehler angeführt 
folgende Intaglien : 

Amicitia auf einem Stuhle sitzend, das Haupt 
vorgebeugt in die >Linke« stützend, neben ihr ein 
Storch. Am unteren Rande A. UIXAQP. Orien- 
ial. Carneol, H. 25 mill., Br. 20 (s. Taf. H, 
n. 11). 

Brustbild der »lole«, oder auch »Omphale«, 
mit sehr feinem Profil, Inschrift dieselbe, Car- 
neol, H. 22, Br. 17 (s. Taf. H, n. 12). 

»Amphitrite« (auch »Galathea« genannt), auf 
dem von zwei Delphinen gezogenen Muschelwa- 
gen. Am Rande links dieselbe Inschrift. Orien- 
talischer Carneol, H. 32, Br. 21. 

Jugendlicher Herakles stehend, in der »Rech- 
tenc die Keule, in der »Linken« die Hesperiden- 
äpfel haltend. Am Rande rechts dieselbe In- 
schrift. Orientalischer Cfeimeol, H. 22, Br. 17 
(s. Taf. II, n. 13). 

Jugendlicher männlicher Kopf nach rechts. 



262 

Am Ende links dieselbe Inschrift}. Brasiliani- 
scher Topas. H. 34, Br. 25. 

Christas -Brustbild nach links. Am Rande 
dieselbe Inschrift. Orientalischer Sardonyx von 
drei Lagen. H. 42, Br. 32. 

Christus- Brustbild nach rechts. A, 11. Lich- 
ter Sarder. H. 20, Br. 17 (s. Taf. H, n. 14). 

Nach Hm Biehler ein Werk, das ganz einzig 
in seiner Art dasteht. »Daß es Cameen mit vie- 
len Lagen giebt, wo dann die Steinschneider die 
verschiedenen Farben benutzten , ist bekannt. 
Ich selbst habe ja auch mehrere mit 4 — 6 Lagen. 
Aber neu ist, daß ein Steinschneider, der einen 
Intaglio schnitt, die verschiedenen lichten oder 
dunklen Farben in dem Steine zu benutzen 
wußte, was bei diesem Ghristuskopf der Fall 
ist. In dem lichten Sarder sind ausnahmsweise 
einige dunkele Stellen , welche Pichler zu den 
Augen, Haar etc. zu benutzen verstand und 
zwar so, daß, wenn man den Stein gegen das 
Licht hält, dieser Kopf ganz transparent wie das 
schönste Gemälde erscheint. Alle Maler welche 
dieses Meisterwerk gesehen haben, waren über- 
rascht, ein solches Wunder zu sehen. Man kann 
sich in der That nicht schöner einen Christus- 
kopf gemalt denken, als dieser in Stein ge- 
schnitten ist«. 

Brustbild einer Bacchantin. Bezeichnet A. U. 
Orientalischer Sardonyx. H. 22, Br. 18 (s. Taf. 
n, n. 15). 

Diese Gemme ist wegen folgenden Umstandes 
besonders merkwürdig. Früher war auf ihr ein 
Hirsch eingeschnitten , aber keinesweges schön« 
L. Pichler sah sie bei Hm Biehler, ärgerte 
sich darüber, daß in einen so prachtvollen Stein 
nichts Besseres geschnitten war, nahm ihn mit 
und brachte ihn nach einigen Tagen mit der 



263 

jetzigen prächtig ausgeführten Darstellung yer- 
sehen zurück, die zu seinen besten Arbeiten ge- 
hört Alle diese Werke sind Intaglien. 

Außerdem befindet sich noch ein Stein mit 
erhaben geschnittener Griechischer Inschrift, den 
L. Pichler gearbeitet hat , in Hrn Biehler^s 
Sammlung, nämlich jener in Bruno Bncher^s 
Gresch. d. techn. Künste I, S. 320 als antik 
angeführte »Garneol - Onyx mit der Inschrift 
EFAQ SOY JUIQSt. Daß dieser Stein von 
L. Pichler herrührt, weiß Hr. Biehler, der Freund 
dieses Künstlers und des Herrn SaliS| für wel- 
chen er zunächst geschnitten wurde, ganz genau. 
Pichler führte das Werk, das Hr. Biehler von 
der Frau Salis erwarb, ungefähr im J. 1840 
aus. »Die Kanten der Buchstaben sind so scharf 
als wenn selbe erst heute geschnitten wären. 
Das Material ist jener neue Onyx, welcher aus 
Idar und Oberstein konmit, und dessen sich die 
Steinschneider in Paris heute noch bedienen c. 

Auch von Giuseppe Pichler, dem Zweitälte- 
sten Sohne Antonio's, ist 1 Stück vorhanden, 
ein Oameo: 

Kopf Bonaparte^s als Consul, Onyx von zwei 
Lagen, bezeichnet F. 77. H. 19» Br. 15. 

Unter den übrigen Steinschneidern des ISten 
und 19ten Jahrhunderts, von denen sich Werke 
mit Namensinschriften in der Sammlung befinden, 
heben wir hervor : 

die Italiäner 
Antonio Pazaglia (Brustbild der Flora, am Ar- 
mesabschnitt A. n.^ Onyx von fünf Lagen, H. 
26, Br. 15)*), 

Teresa Talani (jugendlicher weiblicher Kopf 
mit Haarband, am unteren Bande M. TERESA 

*) Ich kenne sonst van diesem Künstler nur Steine 
mit der Inschrift; UAZAAIAC oder DAZAAIA. W. 



264 

TAFANI, Onyxcameo von zwei Lagen, H. 20, 
Br. 16, mittelmäßige aber nicht schlechte Arbeit, 
hauptsächlich jedoch deshalb interessant, weil es 
sich um ein Werk einer der wenigen Stein- 
schneiderinnen handelt *^), 

Giov. Batt. Cerbara (Brustbild der Sappho 
nach rechts, am Rande links CERBARA, Cameo, 
Onyx von zwei Lagen, H. 28, Br. 18, Portrait 
eines Italiänischen Abate, Garneolintaglio mit 
gleicher Inschrift, nach dem Gatalog vom J« 
1866, S. 36, n. 8), 

Filippo Rega (Brustbild eines Römischen 
Consuls, bezeichnet PEFA^ orientalischer Gar- 
neol, H. 19, Br. 18), 

Santarelli (Venus aus dem Bade steigend, 
am Rande rechts SANTARELLI, Gameolintoglio 
H. 23, Br. 16; Portrait eines Italiänischen Ge- 
lehrten , »sehr schöner Schnitt und glänzende 
Politur« , Chalcedonintaglio ; dazu ein Gameo, 
Amor an einer Kette angeschmiedet, mit ders. 
Inschrift, Onyx von zwei Lagen, H. 23, Br. 17, 
außerdem noch drei andere Gameen im GataL 
von 1866, S. 33 angeführt), 

Morelli (Brustbild des Cardinais Fesch, nach 
dem Gatal. von 1866, S. 50, n. 28 ein Cameo, 
Onyx von 3 Lagen, 1' 7'" hoch, 1" 2'" breit, 
mit der Inschrift MORELLI , »eine der besten 
Arbeiten dieses Künstlers € ; behelmter Kopf des 
Achilleus, Gameo, Onyx von drei Lagen mit 
derselben Inschrift (Gatal. von 1866, S. 33, n.lO), 

Berini (Kopf eines Römischen Kaisers, be- 
zeichnet BERINI^ Gameo, Ghalcedonyx von zwei 
Lagen, H. 28, Br. 20, noch drei Gameen im 
Cat. von 1866, S. 33 aufgeführt; außerdem ein 
Intaglio, Frauenkopf, Garneol (nach dem Gatal. 
V. 1866, S. 36, n. 2); alle Stücke mit derselben 
Inschrift), 



265 

die Deatschen 

Hecker (Kopf der Psyche nach rechts, am 
unteren Bande HECKEB, Gameo, Ghalcedonyx 
Ton zwei Lagen, H. 25, Br. 20), Kopf der Mi- 
nerva nach links gewendet , Intaglio , Garneol 
Ton sehr schöner Politnr, bezeichnet mit E'KEP, 
(Catal. V. 1866, S. 33, n. 3), 

Resek (Kopf des »Jnpiterc — sonst als der 
eines »bärtigen Mannes« anfgefiibrt — , bez. 
RESEK. F., Intaglio, Garneol, H. 24, Br. 17), 

Jacob Steinschneider (Bmstbild der Minerva, 
sehr schon copirt nach der Darstellung anf dem 
bekannten rothen Jaspis mit dem Namen 
AGüAClOY im Wiener K. Gabinet, Inschrift 
lA. ST., Garneol, H. 45, Br. 30; »der Stein- 
schneider Steinschneider übte seine Kunst vor 
40 Jahren in Wien ans«), 

die Engländer 

Mardiant (Ariadne, mit gesenktem Hanpt 
sitzend, Inschrift MARGHANT. F., Intaglio, 
brauner Sarder, H. 19, Br. 14 mill. , s. Taf. II, 
n. 16; tanzender Mercnr, neben ihm der Ga- 
dncens, mit gleicher Inschrift, auch Intaglio, 
Hyacinth, s. Gatal. v. 1866 n. 36, n. 4), 

Bnrch (Brustbild des Hannibal, am Rande 
links BYRGH. , Jaspachat von zwei Lagen, H. 
30, Br. 20; außerdem nach dem Gatal. y. 1866 
noch zwei andere Gameen und nach S. 32, n. 2 
ein Intaglio^ alle Stacke mit derselben Inschrift), 

den Franzosen 

Jenffiroy (männlicher bärtiger Kopf, bezeich-' 
netJEVFFROY. 1789., Intaglio, Ghalcedon, 
H. 28, Br. 20). 

Aamerkungen. 

1) Das ober Indische geschnittene Steine seit 
längerer Zeit allgemein Bekannte ist in Br. Bu- 

20 



266 

cher's Gesch. der techu. Künste I, S. 287 fg. 
zusammengestellt, ohne daß einmal von einem 
Fachbnche wie Eing's Ant. Gems Notiz genom- 
men ist, der p. 149 fg. u. p. 198 fg. die Indi- 
sche Glyptik eingehend behandelt und mehrere 
der so seltenen Werke zum Theil nach Autopsie 
bespricht. (Auch von geschnittenen Steinen 
Griechischer Kunstübung, die in jenen Gegenden 
gefunden sind, ist hier die Bede, von denen Baspe 
nur ein Beispiel, n. 1542, zu erwähnen hatte). 
Gelegentlich hier die Bemerkung, daß den von 
Baspe Catal. de Tassie, II, n. 713—717 be- 
schriebenen Indischen Gemmen von de Jonghe 
Premier Supplement ä la Notice sur le cab. des 
medailles et des pierres gravees de Sa Maj. le 
Boi des Pays-Bas, 1824, p. 19 fg. zwei Beispiele 
von Java her hinzugefügt sind, ein gravirter 
Goldring mit der Darstellung des Indischen 
Sonnengottes Surja im K. Cabinet zum Haag, 
eine bis dahin noch gar nicht bekannte Art 
von Arbeit, und ein Carneol mit der Darstellang 
eines Elephanten im Besitz des damaligen Nie- 
derländischen Ministers der National -Industrie 
und der Colonien Elout. Nach dem Catalogue of 
the GoUection of Assyrian, Babylonian, Egyptian, 
Greek, Etruscan, Bonian, Tndian, Peruyian and 
Mexican antiquities formed by B. Hertz, London 
1851, p. 83, n. 227 enthielt diese Englische, so 
reiche Sammlung nur zwei Stücke Indischer 
Glyptik und nicht einmal eigentliche Gemmen: 
»a Bramin bull reposing, cut in a cat^seye; the 
horns, the briddle-like Ornaments, and the stand 
on which the bull is laying, are of gold, from the 
temple of the Eiug of Gandia, and an Indian deity^ 
with the head of an elephant« von Bergkry- 
stall. — Nach Hrn Biehler's Mittheilung (der 
den von Baspe a. a. 0. angeführten Stücken in 



I 



> 



267 

England auf das Sorgfältigste nachgespürt hat, 
aber, trotzdem daß die Namen der früheren Be- 
sitzer bekannt sind, ohne irgend welchen Erfolg 
(wie dieselben denn auch dem mit den Engli- 
schen Gemmensammlungen so vertrauten King 
nicht bekannt geworden zu sein scheinen)^ soll 
das Britische Museum seit einem Jahr ein paar 
unbedeutende Gemmen durch einen Officier, 
welcher zwanzig Jahre in Indien war, bekom- 
men haben. Ich bin durch Perey Gardner's 
Freundlichkeit im Stande ein kurzes Verzeichniß 
der »Indian gems im Brit. Mus.« zu geben: 
»Onyx with figures standing of a King and a 
Goddess holding cornucopiae (Indo - Skythic or 
Indo - Sassaniau) , three stones with Sanskrit 
inscriptions, two early onyx (Gupta period), some 
later, a circular lapis lazuli with seated male 
and female deities (not early), a conical seal with 
fignre of goddess, and what seem to be San- 
skrit letters in the field (early Hindu), oue or 
two cameos with figures of aninals, apparently 
of Indian work«. üebrigens ist Beginald Stuart 
Poole, den ich zunächst um Aufschluß bat, der 
Meinung, daß sicherlich noch manche Stücke 
vereinzelt bei Privaten in England auf dem 
Lande zu finden seien. — Hr.' B. meldet außerdem, 
daß ein Bekannter von ihm, welcher in neuerer 
Zeit ganz Indien fünf Jahre hindurchTjereiste, ihm 
^on dort auch nicht einen einzigen geschnittenen 
Stein mitzubringen vermochte, weil ihm keiner 
im Handel vorkam. Steinschneider gebe es wohl 
heute noch dort, aber selbige könnten nur Buch- 
staben schneiden, wie sie zu Petschaften genü- 
gen, Figuren oder Köpfe nicht. — Selbst von alt- 
indischen Gemmen sind Hm B. einige moderne 
^alsificate vorgekommen. 

2) Yon altmexikaniscben geschnittenen Stei- 

20* 



^8 

nen besitzt Hr. Biehler 10 Stücke. Dieselben 
sind nach seiner Angabe Köpfe von Idolen, auch 
ein Indianerkopf ist darnnter, in Beryll, Sanssurit 
nnd Jadeit geschnitten. Er bemerkt: > Mexikani- 
sche Alterthümer sind nicht selten in Thon, 
Holz, Glas nnd in weichen Steinen mit 3. 4. 5 
Grad Härte geschnitten; aber in Beryll habe 
ich in meiner fünfzigjährigen Praxis noch keine 
geschnitten gesehen, nnd um in einen so harten 
Stein zu schneiden, muß man eine Steinschnei- 
demaschine haben. Berylle können nur ver- 
mittelst des Rädchens geschnitten werden«. Die 
Sammlung bei der Nationalbibliothek zu Paris 
besitzt nach Chabouillet's Catalog p. 109 nur 
zwei Werke der Glyptik aus Mexico und Pern, 
den Kopf einer Gottheit aus Jade und das Fi- 
gürchen einer Gottheit aus »silex tendre vert«. 
In der Hertz'schen Sammlung befanden sich drei 
Mexikanische aus )»light green jade«, vgl. den 
Catalog p. 83, n. 224—226. Dieselbe enthielt 
nach p. 159 auch drei Mexikanische Alterthü- 
mer, eine Holzmaske, ein Opfermesser mit Holz- 
griflf und einen menschlichen Schädel, welche 
mit Türkisen, Malachit und Obsidian eingelegt 
sind und als einzig in ihrer Art bezeichnet wer- 
den. Ein Urtheil über diese Gegenstände, so 
wie über die Frage, wie die Mexikaner das 
Steinschneiden gelernt haben, liegt außerhalb 
unserer Competenz. 

3) Der Stein aus Neuseeland wird von Hrn 
Biehler so beschrieben: »Idol, ganze hockende 
Figur, in einem schönen dunkelgrünen Nephrit 
geschnitten. H. 95, Br. 57 mill.« Er bemerkt 
des Weiteren: >Um in Nephrit zu schneiden 
braucht man aber noch keine Steinschneidema- 
schine. Herr Professor Ritter von Hochstetter 
(Mineralog), welcher die Beise um die Welt 



269 

mitmachen sollte, wurde ia Neuseeland krank 
und mußte dort 9 Monate zurückbleiben, dieser 
hat auch einen ganz ähnlich solchen Stein von 
dort mitgebracht, ganz mit demselbeii Idol, wie 
auf meinem Steine ein solches sich befindet. 
Hochstetter war vor 6 — 7 Jahren bei mir und hat 
aoeh sein Idol mitgebracht und es mir gezeigt. 
Aber derlei Amulete sind in Neuseeland sehr sel- 
ten. Hinter dem Kopfe ist der Stein durchbohrt, 
damit man selben als Amulet tragen kannc 

4) Als Ausnahme mag die zu den bedeutend- 
sten Privatsammlungen gehörende Sammlung des 
Herzogs von Devonshire hervorgehoben werden, 
die ich selbst im Kensington Museum zu sehen 
Gelegenheit hatte. Ihr ständiger Aufbewahrungs- 
ort ^ Devonshire House zu London. Sie ent- 
hält nach Waagen, »Künstler und Kunstwerke in 
Englandt I, S. 95, 564 zum Theil höchst werth- 
Yollc Gemmen^ nach C. W. King, der sie Ant. 
Gems p. 246 fg. n. 482 fg. genauer besprochen 
hat, 258. — Von den Sammlungen Römischer 
Prineipi, welche wir in den Werken Winckel- 
mann^s, Lippert's, Raspe 's berücksichtigt fin- 
den, scheint keine mehr zu bestehen als die 
»kostbare große« Sammlung Ludovisi Piombino, 
welche auch durch eine Auswahl von 68 Ab- 
drücken (die ich in der Großherzoglichen Samm- 
lung zu Oldenburg nebst einigen anderen Ab- 
dmcksammlungen von Gemmen früherer Privat- 
besitzer zu sehen Gelegenheit hatte) genauer 
als früher bekannt geworden ist. Wohin mag 
die »vormalige« (Brunn i^Gesch. d. Griech. Künst- 
ler« II, S. 602) Sammlung Barberini gekommen 
sein, von welcher Winckelmann »Werke« I, S. 278 
d. alt. Dresd. Ausg. »nur hatte reden hören«, 
die überall auch später nur sehr wenig bekannt 
geworden ist ^ aber achtzig Steine mit dem Na« 



270 

men der Künstler enthalten haben soll, offenbar 
gefälschten (Köhler's Ges. Sehr. Bd. HI, S. 130), 
von denen nur zwei bekannt geworden sind, der 
mit dem Namen des ApoUodotos und der mit 
der Inschrift OAABIOY (d. i. Flavio Sirleti's, 
s. Raspe Cat. de Tassie n. 1126)? 

5) Das Erstere gilt z. B. von der Marlbo- 
rongh'schen Sammlung, welche Hr. Biehler, der 
angiebt, daß sie in 739 Gemmen bestanden habe^ 
unter den Privatsammlungen nebst der Devon- 
shire 'sehen allein für würdig hält, neben der 
seinigen genannt zu werden (sie befindet sich 
seit 1875 in Besitz des M. Bromilow zu Lon- 
don, der Catalogf von M. N. Nevil Story- Mas- 
kelyne aus dem Jahre 1870 ist mir leider nicht 
zugänglich, übrigens sind schon früher einige 
Stücke unter der Hand an den Duc de Blacas 
verkauft worden). Unter den Privatsammlungen, 
welche nach dem mir nur durch die Erwähnung 
Ghabouillet's a. a>. 0. p. 80, n. 445 bekannten 
Yermächtniß, welches H. Beck dem Cabinet de 
Medailles zu Paris im J. 1846 machte, in eine 
der öffentlichen Sammlung übergegangen und 
so wissenschaftlichen Zwecken dauernd nutzbar 
gemacht sind, haben wir je eine in Florenz und 
in Paris befindliche zu erwähnen: die durch ein 
Legat Sir William Currie's in die Gal. d. üffizj 
übergegangene (Migliarini in den Nuove Me- 
moire d. Inst, arch, p. 60 fg., Götting. Nach- 
richten 1874, S. 571) und die des Duc de Luy- 
nes, und zwei, welche jetzt ungetheilt oder doch 
größtentheils in England einen festen Aufbe- 
wahrungsort haben. Von diesen nimmt den er- 
sten Rang ein die von dem Brit. Museum er- 
worbene des Duc de Blacas , welche ich schon 
im J. 1859 unter der Führung des mir unver- 
geßlichen Besitzers zu besichtigen das Glück 



271 

hatte, s. Gerhard's Arch. Anz. 1859, S. 116* fg. 
Dann kommt der größte Theil einer von dem 
groSartigen Ennstmäcen Joseph Mayer za Li- 
verpool angekauften nnd dem öffentlichen Mnseam 
dieser Stadt geschenkten Sammlnng, die freilich 
in nnmerischer Beziehung sehr bedeutend, aber 
keinesweges mit besonderer Auswahl zusammen- 
gebracht war, der Hertz'schen (vgl. C. W.King 
Antique Gems p. 314 fg. u. 382), aus welcher 
übrigens die besten Stücke in andere Samm- 
lungen übergegangen waren (King a. a. 0. p. IX 
u. m, Anm.). üeber den Bestand der Hertz^- 
sehen Sammlung vergleiche man außer dem 
schon oben in Anm. 1 erwähnten seltenen Ca- 
taloge Gerhard's Arch. Anz. 1851, S. 91 fg. u. 
107 fg. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht 
vergessen, einen anderen Fall höchstanerken- 
nenswerthen Gemeinsinns zu signalisiren , durch 
welchen der Erwerb eines einzigen Privaten 
durch dessen Schenkung zu einer für sich be- 
stehenden öffentlichen SammUing ward, indem 
wir an das Musee Fol zu Genf erinnern, über 
welches wir in den Götting. Nachrichten 1877, 
S. 624 gesprochen haben. Die im dritten Theile 
des Catalogue du Mus Fol yerzeichneten Werke 
der Glyptik, Gemmen und Pasten, sind sehr 
zahlreich , aber meist nicht von hervorragender 
Bedeutung. Das neueste mir bekannt gewordene 
Beispiel des Ueberganges einer Privatgemmen- 
sammlung in ein öffentliches Museum durch 
Verkauf wird von Hm Biehler signalisirt, wel- 
cher berichtet, daß G. W. King seine Sammlung 
von etwa 300 Stücken dem Museum zu New- 
York überlassen habe. Es giebt ' zu der Be- 
fürchtung Veranlassung, daß auch noch andere 
Privatsammlungen über den Ocean hin in die 
neue Welt gebracht werden , da alle größeren 



272 



Städte in Nordamerika öffentliche Museen 
richtet haben. Diese Befürchtung würde sieh 
für uns in Befriedigung, ja Freude verwandeln., 
wenn die Verbreitung guter Originale nach 
Nordamerika hin etwa die Folge haben sollte, 
daß von dort allmälich ein neuer Aufschwang 
der in Europa fast ganz daniederliegenden Gern- 
menschneideKunst ausginge. 

Zu den bedeutenderen in neuerer Zeit 
durch Verkauf zersplitterten Privatsammlungeu, 
über welche wir genauere Kunde haben, gehören 
in anßerdeutschen Ländern die Pourtales'sche^ 
später Cranier'sche, und die Fould'sche, welche 
ich 1859 in Paris kennen zu lernen Gelegenheit 
hatte (vgl. Gerhard's Arch. Anz. 1859 S. 118* fg. 
und Henzen im Bull. d. Inst. arch. 1862, p. 71 
(über Etruskische Scarabäen der Sammlung), 
so wie die im J. 1868 zu London versteigerte 
Pulszky'sche, von der jedoch ein Theil noch im 
Besitze des ausgezeichneten Gemmenkenners ver- 
blieben ist (s. Br. ßucher's Gesch. d. techn. Künste 
I, S. 285, A. 3). Ueber die Gemmen mit Künst- 
lernamen hat Pulszkj selbst in Gerhard's Arch. 
Anz. 1854, S. 481 fg. berichtet; eine derselben, 
die mit der Darstellung der Büste einer Muse 
und der Inschrift JIOCKOYPIJOY, sah Heyde- 
mann nebst drei anderen ausgezeichneten Gern- 
men früheren Pulszky'schen Besitzes bei Gastel- 
lani in Neapel, vgl. BuUett. d. Inst. arch. 1869, 
p. 58, n* 23 — 25), endlich die Leturcq'sche (s. 
Fröhner unten S. 279, n. 3), welche King si- 
cherlich im Sinne hat, wenn er a. a. 0. p. 482, 
>the Cabinet of M. Turk« als die erste Privat- 
gemmensammlung von Paris bezeichnet. Leider 
ist hier auch eine Deutsche Privatsammlung zu 
erwähnen und zwar die bedeutendste , die in 
Deutschland je bestanden hat^ die der Frau 



273 

Merteus^Schaaffhausen, welche ich in Rom in 
im Jahren 1845 n. 1846 zu sehen Gelegenheit 
hatte. Fr. M.-Sch. kaafte im Jahre 1839 die aus- 
geseichnete, etwa aus 1000 Stücken bestehende 
Sammlung an, welche von dem Nürnberger Pa- 
trizier P. Yon Praun in der zweiten Hälfte des sechs- 
zehnten Jahrhunderts zusammengebracht war. Sie 
schied die Cinquecentowerke aus, vergrößerte da- 
gegen durch anderweitige Ankäufe in Deutschland, 
Frankreich und Italien bis zu ihrem Tode den Be- 
stand um ein sehr Beträchtliches. Im Jahre 1859 
wurde die Sammlung zu Göln am Rheine verstei- 
gert. C. W. King sah sie bei dem Englischen Käu- 
fer und giebt a. a.O. p. liii, Anm. an, daß sie im 
J. 1860 in 1876 Stücken bestehe , »comprising 
fragments and antique pastes (the latter compa- 
ratively few) or 1626 stones and 250 pastes«, so 
wie auf p. 383, daß die geschn. Steine haupt- 
sächlich Intaglien sein und zwar mit wenigen 
Ausnahmen antike , nur 97 Cameen aus ver- 
schiedenen Perioden. Seit der Zeit ist die 
wichtige Sammlung durch Verkauf zerstreut, 
wie ich anderswoher zu meinem Bedauern ver- 
nehme, wenn es auch eine Art von Trost bietet, 
daß eine Partie in das Brit. Mus« übergegangen 
ist. Mehr über die in Rede stehende Sammlung 
heiürlichs »Dreizehn Gemmen der FrauSibylla 
M.-Sch.«, Bonn 1845, ferner in den Jahrb. von 
Alterthumsfreunden im Bheinlande XX, S. 127 fg., 
zn Taf. II, XXn, S. 65 fg. z. Taf. I, a u. b, und 
besonders in Eing^s Werke, wo eine bedeutende 
Anzahl von Stücken in Abbildung gegeben ist. 
Die Zahl der Privatsammlungen, namentlich 
der irgendwie beträchtlichen, nimmt immer mehr 
und mehr ab. Was die Länder Deutscher Zunge 
betrifft, so besteht von den Privatsammlungen, 
welebe J. Gurlitt »üeber die öeminenkunde«, 



274 

Magdeburg 1798, S. 37 fg., aufführt, wohl noch 
kaum eine, die irgendwie beträchtlich wäre. 
Auch fehlt es uns an Nachrichten darüber, wo- 
hin der Bestand der eingegangenen Sammlnngea 
gekommen ist. Nur der einstweilige Verbleib 
der früheren Praun^schen Sammlung ist bekannt, 
s. oben S. 273. Hinsichtlich der Ebermayer'- 
schen Sammlung, die schon damals, als Gurlitt 
schrieb, nicht mehr in Nürnberg war, hat spä- 
ter verlautet, daß sie in den Besitz des Königs 
von Portugal übergegangen sei. Hr. Biehler 
hat Nachfrage in Lissabon anstellen lassen, 
selbst bis in die Hofkreise hinein; aber Nie- 
mand bat von dem Vorhandensein jener Samm- 
lung gewußt. Später lebte zu Nürnberg ein 
Oberst von Gemming, der viele Alterthümer 
und Kunstsachen zusammengebracht hat , dar- 
unter auch Gemmen, welche aus dem Nachlaß 
des Architekten Haller von Hallerstein stammten. 
Von diesen habe ich für die Sammlungen des 
hiesigen archäologischen Instituts einen sehr be- 
trächtlichen Theil erworben, s. meine Götting. 
Antiken 1858 und meine Schrift über die Samm- 
lungen dieses Inst., Gott. 1859, S. 12 u. Anm. 34. 
In derselben Stadt befindet sich noch jetzt eine 
numerisch sehr bedeutende Sammlung , die des 
Professors Dr. Bergan, über welche man eine No- 
tiz in der Archäol. Ztg. 1868, S. 79 fg. aus der 
Zeit, da der Besitzer noch in Danzig lebte, und 
in den Götting. Nachrichten 1869 S. 427 fg. 
findet. Bergan hat diese Sammlung in Italien 
durch Einzelkäufe von Landleuten und Händ- 
lern zusammengebracht und sie schließlich durch 
den Erwerb der Emil Braun^schen Pastensamnh- 
lung erheblich vermehrt. Sie soll damals etwa 
600 geschnittene Steine und etwa 6000 Pasten 
..enthalten haben. Einige seiner geschnittenen 



275 

Steine nnd eine nicht nnbedentende Zabl seiner 
Pasten hat B. schon vor Jahren an das hiesige 
arch. Inst, abgetreten. In einem neulich an 
mich abgelassenen Schreiben spricht er dennoch 
von gegen 8000 antiken Pasten, welche er zu 
verkaufen gedenke. Sonst weift ich von Privat- 
sammlnngen in den Ländern Deutscher Zunge 
imr wenig zu sagen. In der Arch. Ztg. a. a. 0. 
S. 80 findet sich die Angabe , daß nächst der 
Bergan'schen unter den Privatsammlungen die 
des Oberregierungsrathes Bartels in Berlin die 
größte sein dürfte. Bartels ist längst gestorben. 
Wo sich seine Sammlung, aus welcher manche 
Stücke in früheren Jahrgängen der archäologi- 
schen Zeitung kurz erwähnt sind, jetzt befindet, 
ob etwa in Achen, seinem Heimathsort, oder ob 
sie zersplittert worden ist, habe ich nicht in 
Erfahrung bringen können. Eine kleine Samm- 
lung antiker Gemmen, »die jedoch meist nicht 
von Bedeutung sind«, befindet sich dem Ver- 
nehmen nach aus dem Nachlaß Ferdinand von 
Qaast's in dem Besitze seines Sohnes, desLand- 
laths von Quast in Neu-Ruppin. Im nordwest- 
lichen Deutschland, wo in der öffentlichen Groß- 
herzoglichen Sammlung zu Oldenburg neben den 
Gemälden und Gypsabgüssen auch einige, etwa 40, 
antike und moderne geschnittene Steine, Pasten, 
geschnittene Muscheln befindlich sind, ist als 
die bedeutetidste Privatsammlung antiker Gem- 
men längst bekannt die zu Rom von August 
Kestner zusammengebrachte , jetzt zu Hannover 
im Besitze von dessen Neffen Hermann Eestner 
befindliche. Sicherem Vernehmen nach besitzt 
anch S. Königl. Hoheit der Prinz Albrecht von 
Preußen 173 geschnittene Steine und Paste. Der 
kleine aber interessante Vorrath von Gemmen in 
getrenntem Besitz der Gebrüder Hausmann, des 



1 



276 

früheren Göttingischen Professors der Minera- 
logie und des früheren Oberbauraths zu Han- 
nover, über welchen ich in den Göttingischen 
Antiken 1858 und in der Schrift über die 
Samml. d. hies. arch. Inst. Anm. 43 Kunde ge- 
geben habe, ist noch Eigenthum der Nach- 
kommen , wenn auch der Aufbewahrungsort ge- 
wechselt hat. Erst vor Kurzem ist eine nume- 
risch und auch sachlich bedeutende Gemmen- 
sammlung Fürstlichen Privatbesitzes in Bücke- 
burg zu Tage gekommen. Was die Herkunft 
dieser Sammlung anbetrifft, die, wenigstens in 
Betreff der modernen Gemmen, als die erste im 
nordwestlichen Deutschland zu betrachten ist, 
so meldete mir der Herr Hofmarschall von Me- 
ding, der die Güte hatte mich zu einer Prüfung 
des Bestandes zu veranlassen: »die Frage, wo- 
her oder durch wen die Sammlung in den Fürst- 
lichen Besitz gekommen ist, hat mich schon 
vielfach beschäftigt, doch habe ich dies leider 
nicht feststellen können, möchte jedoch bestimmt 
annehmen, daß der Hauptstock derselben zu 
Anfang dieses Jahrhunderts angekauft; ist. Der 
derzeit regierende Fürst Georg Wilhelm, ein 
sehr kunstliebender Herr, hat in der Zeit von 
1805 bis 1820 sehr viele Kunstsachen, Gemälde, 
Kupferstiche u. s. w. gekauft. Ueber die An- 
käufe, die höchstderselbe persönlich von vor- 
nehmen Personen gemacht und dann selbst be- 
zahlt hat, finden sich leider keine Aufzeichnun- 
gen und scheint mir die fragliche Sammlung ent* 
schieden zu dieser Kategorie zu geborene. Trotz 
aller aufgewandten Mühe ist es mir bis jetzt 
noch nicht gelungen, den früheren Besitzer auch 
nur eines Stückes mit Sicherheit zu consta- 
tiren. Wo sich jetzt die kleine im J. 1823 in 
Alexandrien erworbene Sammlung desDomkapi^^ 



277 

tnlars Scholz in Bonn befindet, aus welcher 
Oyerbeck in den Jahrb. von Alterthumsfr. im 
Rheinlande XVII, S. 124 fg. 61 Stücke durch 
Beschreibung bekannt gemacht hat, kann ich 
nicht sagen. Yermuthlich ist sie durch Verkauf 
zersplittert. Leider habe ich dieses in Betreff 
der Gemmen der Houben'schen Sammlung zu 
Xanten vernehmen müssen, welche von Fiedler, 
der im Jahre 1839 in zwei mit Abbildungen 
versehenen Schriften »Denkmäler von Castra 
Yetera u. Col. Trajanac in Ph. Houben's Anti- 
quarinm und »Ant. Erotische Bildwerke in H.s 
Köm. Antiquar.« besprochen hat, als durchaus 
anverdächtig betrachtet werden und aus dem 
so ganz besonders ergiebigen Boden der Umge- 
gend jener Uömerstadt ausgegraben sind. Si- 
cherlich finden sich außer der Fürstlich Fürsten- 
berg'schen Sammlung zu Donaueschingen in 
Süd- und Westdeutschland noch kleine Vorräthe 
an Gemmen im Privatbesitz; es ist mir aber 
anch davon nichts bekannt geworden. Auch 
nber Privatgemmensammlungen in der Deutschen 
Schweiz habe ich, trotz au competentem Orte 
eingezogener Erkundigung nichts erfahren kön* 
nen. Inzwischen sah ich bei Dr. Imhoof-Blumer 
in Winterthur einige geschnittene Steine, dar- 
unter einen sehr ausgezeichneten Garneol. Was 
endlich Gisleithanien betrifft, so meldet mir der 
kundige Dr. Fr. Kenner in Wien: »Privatsamm- 
Inngen geschnittener Steine in Deutschösterreich 
existieren — die Biehler'sche ausgenommen — 
nicht. Der einzige Privatbesitz solcher Art, 
welcher Sammlung genannt werden könnte, ist 
nicht zu empfehlen; es ist die ehemals Gräflich 
Cassis'sche Sammlung zu Monastero bei Aquileia, 
jetzt im Besitz von Eugen Freiherrn von Ritter 
(in Podgora bei Görz). Sei es, daß die Cassis^ 




278 

sehe SammlaDg wirklich mit Unkenntais gebildet 
oder, wie Einige glauben, von einem bekannten 
Betrüger und Münzfälscher, Luigi Gegoi aas 
Udine, der längere Zeit freien Zutritt hatte, 
um die guten Stücke geplündert wurde — die 
dann letzterer mit modernem Machwerk er- 
setzte, um die Lücken auszufüllen — , in jedem 
Falle ist das Gute und Auffallende dieser Samm- 
lung falsch, das Echte — weitaus der größere 
Bestandtheil — gemeine Arbeit meist des dritten 
Jahrhunderts n. Chr. und noch späterer Zeit, 
wie denn überhaupt in Aquileia die über- 
wiegende Mehrheit der Funde den Gharacter 
später Provincial - Arbeit zeigt. — Sonst sind 
nur einzelne gute Stücke, aber nicht Sammlun- 
gen, im Besitz des ehem. österr. Botschafters in 
Berlin , Freiherrn von EoUer , und des Dr* 
Hermann Kollett, beide in Baden bei Wien«. 

Um auch einen kurzen Blick auf die west- 
lichen Grenzländer Deutschlands zu werfen, so 
ist selbst das reiche Frankreich jetzt keines We- 
ges mehr reich an Privatsammlungen. Von dem 
Verkauf der Sammlungen Blacas, Pourtales, 
Fould ist schon oben die Rede gewesen (Anm. 
5 u. 6). Auch die Gambaceres'sche ist unter 
den Hammer gekommen und ebenso die durch 
einen Gatalog W. Fröhner^s bekannte Badeigt's 
deLaborde(1870) und die bedeutende Leturcq's. 
üeber den jetzigen Bestand hat mir , da ich 
einen Bericht von einem der competentesten 
Kenner mittheilen zu können wünschte, W. 
Fröhner auf mein Ersuchen Folgendes geschrie- 
ben. »Außerhalb Paris kenne ich keine einzige 
Privatsammlnng mit Gemmen ; die reichste Samm- 
lung (aber sehr relativ reichste) ist in Bennes, 
und davon existirt ein genauer Gatalog. Der 
Verfasser wußte natürlich Aechtes von Falschem 



279 

nicht zu unterscheiden, aber brauchbar ist seine 
Arbeit doch für die meisten Stücke. 

In Paris selbst existieren im Augenblick fol- 
gende Sammlungen: 

Baron Boger. Leicht sichtbar ist diese nicht, 
und ich habe sie auch noch nicht gesehen. 
Was ich davon weiß, lernte ich aus der Gazette 
archeologique von de Witte, der mit dem Be- 
sitzer befreundet ist. Das Hauptstück ist der 
Gameo der sogenannten Octavia. 

M. de Montignj. Eine große und früher be- 
rahmte Sammlung; nach dem Tode des Samm- 
lers ließ sich die Wittwe bewegen, den ganzen 
Schatz in der Exposition Universelle von 1878 
auBzustellen , und nun sah man mit Schrecken, 
daß Herr von Montigny eine Masse mittelmäßi- 
ger Steine zusammengebracht hatte, unter denen 
sich kaum ein halbes Dutzend wirklich werth- 
YoIIer befinden. Eine Bitte um Erlaubniß, die 
Sammlung näher anzusehen, würde abgeschlagen 
werden. 

M. de Nolivos hatte nur künstlerisch her- 
vorragende Stücke ausgewählt, 160 im Ganzen, 
davon mehr als die Hälfte moderne. Einiges 
davon stammt aus der berühmten Sammlung 
Letnrcq, die im Juli 1874 in London versteigert 
wurde (Gatalog englisch und französisch, aber 
nichtswürdig). Im vorigen Winter verkaufte 
Nolivos seine Gemmen an einen hiesigen Kunst- 
händler, Gavet, der sie vermehren will. 

Alfred Danicourt. Etwa 150 Stücke, lauter 
antike, mit Geschmack gewählt, aber wenig 
Hervorragendes. 

M. Fröhner. üeber 700 Nummern, dar- 
unter 150 mit Inschriften. 

Ich glaube, daß auch die Sammlung des 
H. Signol, den Sie ehemals am Quai Voltaire 



280 

besuchten, noch nicht zersplittert ist. Zu Leb- 
zeiten des Besitzers sah ich bei ihm etwa 20O 
in Ringe gefaßte Gemmen und Cameen, dayon 
die meisten aus der Spätrenaissance. 

Bei den Kunsthändlern, z. B. bei Hoffmann 
(33 Quai Voltaire) sind immer eine Masse wich- 
tiger Stücke , die meist aus Gonstantinopel and 
Trapezunt kommen. Er hat aber seine besten 
Sacheu an Gastellani abgetrett^n. Daß viele 
Oemmen in den Händen von Privaten sind, 
wissen Sie wohl, z. B. der berühmte Cameo der 
Duchesse de Cambaceres« ♦). 

In Belgien befindet sich wenigstens eine 
numerisch bedeutende Privatsammlung, die des 
Barons Meester van Rav^stein, über deren 1764 
geschnittene Steine und Pasten der zu Lüttich 
im J. 1872 unter dem Titel Musee de Rave- 
stein erschienene Catalog des Besitzers T. II, 
p. 89 fg. Auskunft giebt. 

6) So sind dann und wann auch Gemmen 
im Eensington Museum zu London ausgestellt 
worden. In der Exposition retrospective , die 
im Sommer 1866 zu Paris statt hatte ^ kamen 
auch Gemmen vor, vgl. Gerhard 's Arch. Anz. 
1867, S. 81* Durch die für das J. 1874 zu 
Mailand veranstaltete Esposizione storica d'arte 
industriale bin ich zur Kunde und Autopsie ei- 
ner Anzahl von Gemmen norditaliänischen Pri- 
vatbesitzes gekommen, vgl. Götting. Nachrichten 
1874, S. 547 fg. 

Ist es doch selbst noch in neuester Zeit nicht 
möglich gewesen, das Verschwinden einer bedeu- 
tenden Anzahl von so werthvollen Werken ge- 

*) Der schöne Eubinintaglio mit der Darstellung 
einer Bacchantin ans der Fould*8chen Sammlung (King 
Ant. Gems p. 56); jetzt im Besitz Baron Eothschild's 
(King p. 482). W. 



261 

ringer Dimensioiieii, wie geschnittene Steine sind, 
ans einem der am besten verwalteten großen öffent- 
liekeii Herrscher-Museen nicht mit Sicherheit zu 
controliren. In dem sehr schätzbaren Werke »Zur 
Geschichte der E. Museen zu Berlin, Festschrift zur 
Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens am 3. August 
1880«, wird S. 16 bemerkt: »Nach der zweiten Ein- 
sahme von Paris — erhielt der Preußische Beauf- 
tragte V. Schütz von 538 Gameen und Gemmen 
nur 461, und erst nachträglich auf wiederholtes 
Andringen den großen Gameo des Septimius Seve- 
ms; es fehlten immer noch 76, deren Besitz die 
Direktion des Pariser Museums ableugnete, aber 
schriftlich zu bezeugen, daß diese Steine nicht 
Y(»rhanden seien, weigerte sie sich auch«. Es 
vird dann angedeutet, daß die betreffenden 
Steine entweder falsch verleugnet, oder »von 
den Französischen Generalen, Offleieren und 
Umgebungen Napoleon's gestohlen« seien. Ganz 
anders urtheilte G. FriederichS| der sich amtlich 
mit der Untersuchung über das Deflcit beschäf- 
tigte, in einem Briefe, den er unter dem 23. 
Janaar 1871 an mich schrieb, und dessen be- 
trefi^nde Worte ich hier mittheile, weil ihr 
Inhalt vielleicht von Nutzen sein kann. »Bei- 
fo^end schicke ich Ihnen mit herzlichem Dank 
dag Buch von Chabouillet zurück, das mir für 
meinen Zweck nicht ohne Nutzen gewesen ist. 
Ich bin freilich nur zu dem negativen B>esultat 
geknttmen, daß wir keine einzige Gemme nam* 
halt 9iaehen können, die in Frankreich zurück- 
geblieben wäre, ja daß die 76 Gemmen, die wir 
bei 4fir Bückgabe des Geraubten zu wenig er- 
halten haben, nicbt mit Nothwendigkeit im Be^ 
sitz der franzQSjsQheu Regierung zu suchen sind, 
spiQ^^n auqb iwd^rswo^in gekommen sein kön- 
i^e«. Dßßii ii^ der Beklamationsschrift wegen 

21 



282 

jeuer 76 Steine heißt es (gewiß als Gutachten 
des damaligen Direktors- Henry), die fehlenden 
Steine seien die bedeutendsten Cameen der Samni» 
lung, und darunter befinden sich 51 der von 
Beger abgebildeten, und Tölken der 1816 ein 
YerzeichniA des Fehlenden machte, weiß aach- 
ganz genau anzugeben, welche Stücke des Beger 
man mitgenommen, ja sogar was Denon »priva« 
tim gestohlene habe. Beide verglichen nämlich 
einfach den Beger mit dem ihnen vorliegenden 
Bestand und schrieben die Differenz sofort auf 
Rechnung der Franzosen, ohne die nothwendige 
Vorfrage zu erledigen ob denn der Beger*sche 
Bestand in den 100 Jahren bis zur Franzosen- 
zeit ganz intakt geblieben sei. Aus einem in 
der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ge- 
schriebenen Gemmenkatalog, den jene so gut 
kennen mußten wie ich, den sie aber ganz ver- 
gessen hatten, geht hervor, daß wenigstens 10 
Beger'sche Steine, die jene als von der franzö^* 
sischen Regierung oder Denon geraubt ansehn, 
schon lange vor der Franzosenzeit fehlten. Und 
aus Ghabouillet's Catalog verglichen mit Beger's 
Abbildungen ergiebt sich ganz positiv, daß nich t 
ein einziger Beger'scher Stein in Paris öffent- 
lich ausgestellt ist, woraus man auch wird schlie- 
ßen dürfen, daß sie dort nicht vorhanden sind. 
Was von den Beger^schen Steinen fehlt, ist wahr- 
scheinlich noch bei uns vorhanden, nur nicht 
im Museum, sondern es wird in den Königlichen 
Schlössern zurückgeblieben sein, wo selbst be- 
deutende Marmorwerke, wie der schöne Homerkopf 
zurückgeblieben sind. Würde in den Schlössern 
einmal gründlich untersucht und würden auch die 
modernen Preziosen, Tabati6ren etc. untersuchtt 
zu deren Verzierung oft antike Cameen gebraucht 
wurden, wie man von dem großen Churfürst und 



28S 

Friedrich dem Groften weiß, so würde wahr- 
sckeinlich ein großer Theil der Beger'schea Ca- 
meen wieder zum Vorschein kommen. Auch 
noch ans andern Gründen ist die Annahme 
fienry's nnd Tölken's ganz unbegründet, es läßt 
sieh eben nicht ein einziger Stein bestimmt 
nachweisen, den die Franzosen uns entwendete 
7) Die beiden in Br. Bucher's Qesch. der 
techn. Künste I, S. 291 als in der Biehler'schen 
Sammlung befindlich aufgeführten Steine mit 
dem Brustbilde des Königs Kobad I. und dem 
des Königs Kobad U. befanden sich schon im J. 
1875 nicht mehr in jener Sammlang; sie sind 
?ertauscht. — Die ebenda auf S. 308 erwähnte 
»griechische Sardintaglie mit dem Kopf des 
Priamus von seltener Vollendung« ist schon 
oben S. 225 fg. unter n. 8 berührt. Der beige- 
setzte Name des Dioskurides wurde bekanntlich 
namentlich im achtzehnten Jahrhundert mehr- 
fach von Fälsichern gemißbraucht. — Ueber 
einen vermeintlich antiken, in Wahrheit jedoch 
von L. Pichler herrührenden Stein mit Griechi- 
scher Inschrift s. oben S. 263. — Das Schlimmste 
ist aber, daß ebenda S. 313 geschrieben steht: 
»Kopf eines lachenden Satyrs; bezeichnet AM^ 
MÜNIOY. Carneol-Intaglio (früher Beverley, 
jetzt Samml. Biehler«). Da mich diese Notiz 
über den zuletzt von Stephani »üeber angebl. 
Steinschneider« S. 246 und Brunn »Gesch. der 
Griech. Künstler € II, S. 544 fg. besprochenen 
Stein interessirte , bat ich Hm Biehler um ge- 
nauere Auskunft. Er antwortete mir: »Ich bin 
seit 45 Jahren im Besitze einer Glaspaste , aber 
einer ganz modernen »schlechten« und kann 
Omen die Versicherung geben, daß der Carneol 
mit dem Kopf des Satyrs sich noch wohlbe- 
balten in der Sammlung zu Alnwick Castle be- 

2X* 



284 

findet, nnr mit dem Unterschiede, daß der Bari 
Beyerley schon gestorben nnd der Herzog von 
Northnmberland selben besitzt«. Hr. Biehler 
fügt hinsichtlich des Originals hinzu: »Der Kopf 
ist nicht griechisch nnd der sehr fein einge- 
schnittene r^ame auch ein Falsificat«. 

8) Es wäre sehr za wünschen, daß Hr. Biehler 
in dem neuen Cataloge die Provenienz der Gem- 
men seines Besitzes möglichst genau angäbe. 
Mit der Gemmenwissenschaft würde es weit 
besser zustehen, wenn sich die einzelnen Stücke 
bis zu ihrem ersten Erscheinen hin yerfolgen 
ließen. Aber gerade hinsichtlich der Gemmen 
haben außer der Fahrlässigkeit böse Absicht 
und falsche Scham die Ausübung der Kritik so 
schwierig gemacht. Herr Biehler wäre im Stande, 
der Wissenschaft nach dieser Richtung hin noch 
einen ganz besonderen Dienst zu erweisen. Von 
1800 bis 1815 war es in Rom Luigi Pichler, 
durch den vorzugsweise der Verkauf antiker nnd 
modemer Gemmen vermittelt wurde. Er genoB 
nicht allein das Vertrauen der Romer, Nobili 
und Anderer, — aus ganz Italien schickte man 
ihm die Gemmen zum Verkauf ein. L. Pichler 
hat von allen diesen Steinen Gypsabdrücke nnd 
auf denselben den Namen der Käufer angegeben. 
Die Abdrücke hat er 1850, als er von Wien 
nach Rom in Pension ging, Herrn Biehler zum 
Geschenk gemacht. 

9) Hr. Biehler macht gelegentlich noch fol- 
gende interessante Bemerkung über die einge- 
schnittenen Namen auf Gemmen. »Von 130 
griechischen Künstler -Namen sind 100 gewiß 
ganz falsch. Ja wenn ich über dieses Thema 
zu schreiben anfinge, da müßte ich gleich 10 
Bogen noch au&chreiben. Luigi Pichler war 
mein Freund durch 20 Jahte von 1630 bi9 



285 

1850. Er weiß yon seinem älteren Bruder Gio- 
Tanni Pichler, welcher es wieder von seinem 
Vater Antonio Pichler wafite, daB Stosch in 
den ersten Decennien*) des vorigen Jahrhunderts 
von den damals berühmten modernen Steinschnei- 
dern theils in antike Steine griechische Eänst- 
lemamen schneiden lieB, theils auch antike Bas- 
reltef-Bästen und Statuen-Gemmen schneiden und 
griechische Namen darin schneiden liefi. Die 
Namen dieser Steinschneider sind: Sirletti, 
Ghinghi, Bemabe, Rossi, Costanzi, Natter, Al- 
&ni, Antonio Pichler'''*) u. s. w. Baron Stosch 
hatte seine Helfershelfer in Paris, London, Flo- 
renz, Born, Neapel etc., von wo dann diese 
Gemmen als griechisch oder als antik in die 
Welt gesetzt wurden. Damals verstand ein 
Herzog von Marlborough oder ein Herzog von 
Devonshire ebenso wenig als heute und so ge- 
schah es, daß damals Gemmen mit 200 bis 
1000 Pf. St. bezahlt wurden; ja letzterer hat 
eine Gemme, eine liegenden Kuh darstellend, von 
Sirletti fabrizirt, zu 1000 Pf. St. dem Baron 
Stosch abgekauft. Um die Täuschung noch grö- 
Ber zu machen, hat man ein Fragment gemacht, 
dem der obere Theil des Körpers von der Kuh 
fehli Aber unter der Kuh ist der Name 
AnOAAQNIJOr eingeschnittene. Es handelt 
sich um den auch in den Denkm. d. a. Kunst 
I, 40, 173 nach Bracci wiedera^egebenen ge- 
schnittenen Stein. Das von Hm B. Mit^e- 
theilte ist im Allgemeinen schon bekannt. Hier 
wird es aber in der Weise bestätigt, daß auch 
Bnmn wohl seinen Zweifel an der Richtigkeit 
der Angabe des Preises und an der Veranlassung 

*) Genauer: >in der ersten Hälfte«. W. 

**) Anderswo finde ich auch Giovanni Pichler selbst 
ftusdrücklicb genannt. W. 



286 

der Fälschung durch Stosch (Gesch. d. Griech. 
Künstler II, S. 603) aufgeben wird. Außerdem 
wird der Name des modernen Steinschneiders 
ausdrücklich angegeben (was in einem anderen 
Briefe Hrn. B.s freilich mit den Worten »es 
dürfte eine Arbeit von Sirletti sein« geschieht). 
Für die Beurtheilung des in Rede stehenden 
Werkes mag hier gelegentlich noch auf die Be- 
merkung Toelken^s über eine die ganze liegende 
»Büffelkuh« vollständig, aber in etwas geringem 
Dimensionen darstellende antike Paste des Ber- 
liner Mus. im Erkl. Verz. zu Kl. VIII, n. 90^ 
S. 408; Anm. hingewiesen werden, der trotzdem 
»das berühmte Fragmente für echt hielt. Das 
Terrain, auf welchem der geschnittene Stein die 
Kuh liegend zeigt, und von welchem Brunn be- 
merkte, daß es ihm mehr eine modern naturali- 
stische als eine antik stylisirte Behandlung zu 
yerrathen scheine , findet sich auf der Paste 
nicht. — Ich kann nicht umhin , noch eine 
Mittheilung Hm B.s hier bekannt zn machen. 
Nachdem er bemerkt hat , daß Gelehrte , weil 
ihnen die nöthigen praktischen Kenntnisse fehl- 
ten , in Betreff geschnittener Steine so oft ge- 
täuscht worden seien, fahrt er fort: »Es ist ja 
dem berühmten Winckelmann auch nicht anders 
ergangen. Er hat ja auch Gemmen Ton GioT. 
Pichler für griechisch gehalten. Pichler hatte 
eine Wette mit einem Engländer gemacht, er 
werde ihm einen Stein schneiden, welchen selbst 
W. für einen griechischen halten werde. Pich- 
ler gebrauchte aber die Vorsicht, Gypsabdrücke 
von seinem Stein zu machen, als er erst % und 
Vs fertig war, denn sonst hätte er den Beweis 
ja nicht herstellen können, daß dieser Stein 7on 
ihm geschnitten sei. Ich weiß das auch von 
seiAei;a Bruder Luigi. Auch Luigi hat einen 



287 

Stein geschnitten , auf welchem sich mehrere 
Pferde befinden, hat einen griechischen Namen 
hinein geschnitten and anch dieser Stein wnrde 
in Rom , ich glaabe an den Herzog von Blacas, 
1809 nm eine sehr hohe Summe yerkaaffc, aber 
Pichler gab ihm das Geld wieder znrfick. Er 
wollte nnr beweisen, daß es damals keinen Ken- 
ner von Gemmen gab«. 

10) Ja nach Hrn Biehler's Annahme fiber- 
steigt die Zahl der falschen Pichlergemmen die 
der echten. »Falsche Gemmen mit dem einge- 
schnittenen Namen Pichler existiren Hunderte; 
mir selbst sind gewiß schon 80 bis 100 Stack sol- 
cher Falsificate vorgekommen«. Er fügt noch fol- 
gende interessante Bemerkungen hinzu : »Sämmt- 
liehe Pichler haben eben so schön ihre Gemmen 
polirt, wie es die antiken Steinschneider konnten, 
nnd dies ist schon ein Hauptkennzeichen bei 
der Beurtheilung von Pichler'schen Gemmen. 
Die sämmtlichen vier Pichler haben ihre Namen 
immer mit nur wenigen Ausnahmen griechisch 
geschrieben, und ich erkenne schon aus der Un- 
terschrift, wenn selbe acht ist, welcher Pichler 
die Arbeit gemacht hat , aus der Größe der 
Buchstaben, dann der weiten oder engen Zu- 
sammenstellung der Buchstaben. Alle Pichler 
haben gewöhnlich IIIXA^P sich geschrieben. 
Luigi Pichler hat immer ein A vorgesetzt; 
öfters hat er auch bloß die Initialen yi, 11. 
hineingeschnitten. Dann haben alle Pichler das 
E nie so , sondern immer ein Q geschnitten. 
Das 6 auf diese Art ist auch schon ein Kenn- 
zeichen. Derjenige , der ein E schneiden kann, 
könnte ja auch ein Q schneiden; aber es ist 
merkwürdig: unter 100 Falsificaten vonPichler'- 
schen Gemmen sind mir noch nicht 5 vorgekom- 
men, welche das ^ richtig so geschnitten hatten. 



288 

11^ Luigi Pichler hat, wie Hr. BieUer mir 
schrei Dt, »4 Gemmen nach Giovanni kopirt, auf 
Verlangen seiner Freunde, aber alle ein wenig 
gröfier oder kleiner als das Original war. Er 
wollte beweisen, daß er eben ein so geschickter 
Steinschneider wie sein Bruder sei, aber Luigi 
hat seinen Bruder nur in seinen besten Arbeit^! 
erreicht, nicht in allen«. 

12) Hinsichtlich der modernen Stdnsohnei- 
derinnen, von denen die dem sechszehnten Jahr- 
hundert angehörende Belli die erste, die Facias 
die letzte ist, theilt Hr. Biehler Folgendes mit. 
»Alle Arbeiten dieser Steinschneiderinnen yer- 
rathen keine besondere Kunst in der Stein» 
Schneiderei. Indessen schlecht hat keine der- 
selben geschnitten. Ich habe schon Arbeiten 
von einer jeden gesehen. Aber im Handel kom- 
men selbe nur äußerst selten vor. Die meisten 
Gemmen haben die um 1790 in Neapel blühende 
Talani und die Facius aus Weimar (deren Va- 
ter auch Steinschneider war), geschnitten. Die 
Talani schnitt nur Cameen und die Facius nur 
Intaglien. Die Facius hatte vor 30 Jahren das 
Malheur sich den rechten Fuß zu brechen und 
mußte da das Steinschneiden aufjgeben, weil sie 
da die Maschine nicht mehr mit dem Fuße in 
Bewegung setzen konnte. Sie schnitt daher 
seit dieser Zeit nur noch in Muscheln. Sie 
lebt heute noch in Weimar als alte Mafarone 
imd ist die einzige noch lebende Steinschnei- 
derin > denn seit mehr als 50 Jahren bat außer 
ihr keine Dame es gewagt, in Steine schneiden 
zu lernen«. 



289 

Nachtrag 
(zu S. 275 unten). 

Durch die Liberalität Sr. K. Hoheit des 
Prinzen Albrecht von Prenßen bin ich noch 
Domittelbar vor der Ausgabe dieser Abhandlung 
in den Stand gesetzt, über die Cameen der 
Prinzlichen Sammlung eine genauere Notiz nach 
den Originalen mittheilen zu können. Es liegen 
mir von den 44 frähesten« aus der Römischen 
fiaiserzeit stammenden Cameen, welche in einem 
m Rom im J. 1856 in Deutscher Sprache ge- 
sehriebenen Gatalog aufgeführt sind, 26 Btücke vor. 

Das weitaus bedeutendste Stück ist ein Ghal- 
cedon mit der Darstellung einer Büste , welche 
der der bekannten Statue des Antinous als Mer- 
corim Capitolinischen Museum wesentlich gleicht^ 
nur daß der Kopf nicht nach rechts geneigt, 
sondern senkrecht auf den Schultern stehend 
Tollkommen en face dargestellt ist. Das Haar 
ist durchaus entsprechend bebandelt, nur daß 
anf dem Cameo noch etwas davon hinter den 
Ohren herabfällt. Die Augenbrauen sind eben- 
falls ausgeführt und in den Augen ist die Pupille 
angegeben. Auch der Mund zeigt die Yertiefong 
in den Winkeln, wie an der Capitolinischen Sta- 
tue; die Lippen, namentlich die untere, sind noch 
voller, auch die Nase stärker als an dieser. 
Der Kopf ist ein ausgezeichnetes Werk der 
GRyptik. Auch di^ Politur ist vortrefflich. Am 
Halse und an der Büste ist retouchirt. Auch 
die Dimensionen des Steines sind ansehnlich. 
Die Höhe desselben beträgt 51 Milliivteter, seine 
Breite 40 , seine Dicke 21—22 , die Höhe der 
bildhchen Darstellung 38. Er ist ringsherum 
so geschnitten , daß ein Absatz gebildet wird, 
vermuthlich um eine Fassung in Gold aufzu- 



290 

nehmen, und die Vorderseite geringere Dimen- 
sionen hat als die Rückseite. Außerdem ist er 
der Höhe und der Breite nach gerade in der 
Mitte darchbohrt, vielleicht um als Agrafe zu 
dienen. In Folge der Bohrung ist er auswärts 
an den Löchern beschädigt. Schwerlich ist das 
Bohren von derselben Hand geschehen, welcher 
der Schnitt verdankt wird. Ein namhaftes In- 
teresse erregt der umstand, daß das Werk mit 
einer Inschrift in Griechischen Buchstaben ver- 
sehen ist. Am linken (für den Beschauer rech- 
ten) Rande des Steines dem Halse gegenüber 
liest man in sehr kleinen, im Tiefschnitt aus- 
geführten Buchstaben: M. ZnClMOY (das M 
ist beide Male so eingegraben, daß ich es zuerst 
für ein N hielt, doch ist ohne Zweifel ein Marcus 
Zosimus gemeint; das Q und namentlich das O 
stehen etwas höher als die übrigen Buchstaben). 
Der Name soll ohne Zweifel der des Künstlers 
sein. Nun hören wir durch Johann Paber in 
den Commentariis ad Imagines virorum illustr. 
ex bibl. Pulvii Ursini p. 52 daß die Namen des 
Epitynchanus und Zosimus »extant in priscis ca- 
meis aliisque sculpturis«. Lessing machte in den 
EoUektaneen zur Litteratur (Sämmtliche Schrift 
ten, Bd. XI, Berlin 1839, S. 287 die Bemerkung: 
»wenn diese aliae sculpturae sich nur nicht auf 
den Zosimus beziehen Ic Aber ohne Zweifel 
fand Faber den Namen dieses auch auf Cameen, 
vgl. seine praef. p. 4. So urtheilt auch H. K. 
E. Köhler >Ges. Schriften, herausg. von L. Ste- 
phanie, Bd. III, S. 113 richtig, obgleich er be- 
merkt, daß sich mit nichten »jetzt noch Cameen 
des Zosimus finden«. Der vorliegende liefert 
das erste Beispiel eines solchen. Es kann nur 
die Frage sein, ob der Name schon vor oder 
erst nach Faber^s Zeit eingeschnitten sei. Das 



291 

firstere hat gewiS die größere Wabrscheinlich- 
keit, wenn auch Faber nar von einem Zosimus 
schlechthin, nicht von einem M. Zosimns spricht. 
Der Name Zosimns ist als der eines Steinschnei- 
der durch kein sicheres Zengniß ans dem Alter* 
thnme beglaubigt. Wenn Stephani zn Köhler 
a. a. 0. S. 296 , Anm. 32, a, wirklich meinte, 
dafi dieser Name anf einem vertieft geschnitte- 
nen rothen Jaspis des Berliner Mosenms (Toel- 
ken Erkl. Verzeichn. Kl. VIII, n. 258) den Ver- 
fertiger des Werkes angehen solle, so kann ich 
mit nichten beistimmen. Der von Raspe Catal. 
de Tassie T. I, p. 461, n. 7894 verzeichnete 
Sto8chische Schwefel mit der Inschrift ZOS. ent* 
zieht sich unserer Beurtheilnug. Wenn es aber 
auch wahrscheinlich ist, daB der Name ZOSIMVS 
gemeint war, so ist es doch, auch der bildlichen 
Darstellung wegen , ganz unglaublich , daß der 
Name den Steinschneider andeuten solle , es sei 
denn, daß es sich um eine moderne Fälschung 
handele. Es ist schon vorlängst mit Recht ver- 
muthety daß die Existefnz eines Steinschneiders 
Zosimus wesentlich auf der in ruter. Inscr. 
p. 639, 12, zum zweiten Male bekannt gemachten 
Grab-Inschrift beruht, in welcher es heißt, daß M. 
Canulejus Zosimus »arte in caelatura Glodiana evi- 
cit omnes€, daß aber diese Worte nur auf einen 
Caelator von Silbergefäßen und durchaus nicht auf 
einen Steinschneider passen. Wenn Raonl-Ro- 
chette noch im Jahre 1845 in der Lettre ä Mr. 
Sehom p. 158, 83 den in der Inschrift erwähnten 
Zosimus mit dem nach Faber auf Gameen vorkom- 
menden für identisch hielt, so steht er mit dieser 
Ansicht so gut wie vereinzelt da. Daß der 
Steinschneider Zosimns aus der Grabinschrift 
lieryorgegangen ist, wird durch den in Rede 
stehenden Cameö noch wahrscheinlicher, da des- 



292 

sen Inschrift auf einen M, Zosimns lautet ; dane- 
ben erhellt auch die Willkür der Namensfölscher 
auf geschnittenen Steinen nach Schriftwerken 
und Inschriften. An der Unechtheit der Inschrift 
auf dem hier der Besprechung unterzogenen 
Cameo ist durchaus nicht zu zweifeln. Daraus 
folgt aber keinesweges , daß auch die bildliche 
Darstellung modern sei» Im Gegentheil über- 
wiegen die Oründe für deren Herstammung aas 
der Zeit Hadrians die für die Annahme eines 
Werkes neuerer Zeit. 

Unter den übrigen vorliegenden Cameen mö- 
gen hier zunächst zwei erwähnt werden, welche, 
wenn sie auch hinsichtlich der Arbeit unendlich 
weit hinter dem oben besprochenen zurückste- 
hen, auch von geringeren Dimensionen, aber 
doch größer als die übrigen, sind und ein jeder 
in seiner Weise Interesse erregen: 

1) das Brustbild einer Pallas nach rechts, 
mit dem Attischen, mit einem Roßschweifbusch 
versehenen Helm und der Aegis, von welcher 
sich eine Schlange erhebt; das Haar fällt gelöst 
in den Nacken und zu den Seiten des Halses 
herab; unter dem obersten noch zur Darstellung 
gebrachten Theile des rechten Armes gewahrt 
man die in die braune Lage des Onyx mit 
kleinen Buchstaben vertieft eingeschnittene In« 
Schrift ONHCY (so!) (gewiß war der sonst 
ganz ausgeschriebene, auch auf einem Steine 
mit einer behelmten Pallas bei Miliin Pierr. grav* 
pl. LVIII vorkommende Künstlername ONHCl" 
MOG gemeint; die unechtheit der Inschrift ist 
zweifellos, auch hier haben wir also ein Beispiel 
der Unechtheit vertieft geschnittener Inschriften 
auf erhaben geschnittenen Steinen) ; 

2) ein alter Bekannter, den ich jetzt unver- 
hofft zu Hannover wiederfinde, jener früher De- 



r 



293 

loidofiTsehe, namentlich auch wegen der Beflü- 
gelnng Silens interessante Onyxcameo , welchen 
ich nach dem Abdrucke in den von Gades be- 
sorgten Impr. gemm. d. Inst. arch. Cent. IV, 
n. 37 in meinen Denkmälern der alten Ennst 
Bd. n, Taf. XXXV, n. 405 habe abbilden lassen. 

Recht interessant ist ferner ein leider frag- 
mentirter Onyx mit einer schönen nackten weib- 
lichen Figur, die trotz ihrer starken Beschädi- 
gQDg sich als* jene öfter wiederholte Aphrodite 
unzweifelhaft erkennen läßt , welche , indem sie 
auf dem einen Beine , hier dem linken , steht, 
sich mit der einen Hand, hier ebenfalls der lin- 
ken, an der Sandale des einen Beines, hier des 
rechten, zn schaffen macht, während sie den 
anderen Arm , also hier den rechten, znm Ba- 
lanciren des Körpers ausgestreckt hält. Das in 
Rede stehende Werk war bisher unbekannt. 
Mehr fiber entsprechende Darstellungen in mei- 
nem Texte zu den Denkm. d. a. E. Bd. 11, 
8. 422 fg. zu n. 283 u. 283, a, der dritten Bearb. 

Drei der Gameen stellen Eroten dar ; der eine 
einen leierspielenden; der andere einen, welcher 
einen widerstrebenden Schwan bei dem rechten 
Flügel herbeizieht. Die Darstellung des dritten, 
die beste von den dreien , zeigt den auf einem 
Felsen sitzenden Amor mit nach rechts gewen- 
detem Kopfe, während er mit beiden Armen, 
wie ich meine, eine Flasche und das bekannte 
Tonzeüg in Form eines Dreiecks (tQiyoiVov), an 
dem aber die Seiten nicht ausgeführt sind, nach 
links hin hält. Also ein Theil einer Gruppe. 

Auch ein fragmentirter Sardonyx mit der 
Darstellung eines unbärtigen Mannes mit der 
Phrygischen Mütze, des » Paris c, wenn nicht 
vielmehr des Anchises, verdient in künstlerischer 
Hinsicht Beachtung. 



2H 

Desgleichen ein weniger beschädigter Onjx 
mit der Darstellang der Athena, einer kleinen 
entfernten Nachbildung der Parthenos des Fhi- 
dias, wie sie auch sonst auf Gemmen vor* 
kommt. Die ausgestreckte rechte Hand hielt si- 
cherlich auf der inneren Fläche einen Vogel. 
Also ein neues Beispiel der Athena mit der 
Eule auf der Hand, welches den in den Denkm. 
d. a. K. Bd. II, S. 307 fg. zu n. 219 der dritten 
Bearb. angeführten hinzuzufügen ist. 

Minderen Belang hat ein Onyx mit der Dar- 
stellung einer tanzenden Bacchantin, die in der 
Linken den Thyrsus hält und mit der rechten 
das ihren Körper nach vorn hin ganz entblößt 
lassende Gewand faßt. 

Die übrigen Darstellungen betreffen Portraits 
aus Römischer Zeit , von denen einige recht 
hübsch ausgeführt sind, und Thiere. — 

Auch unter den vertieft geschnittenen Steinen 
befinden sich, nach dem Catalog zu urtheilen, 
mehrere sehr interessante Stücke. Zu diesen 
gehört — um nur dieses Eine zu bemerken — 
der früher Demidoff'sche mit der einen ihrer 
Brüder zu beschirmen suchenden Tochter der 
Niobe, welcher nach den oben erwähnten Impr. 
gemm. I, 74 in den Denkm. d. a. Kunst Bd. I, 
Taf. XXXIV, n. 142, D, in Abbildung mitge- 
theilt ist. 



295 

Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

Mm bittofe diese Yeneicliiüsse zngleieh als EmpfaBgsanseigeii ansehen 

zn wollen. 



Fortsetzung. 

The Transactions of the Lionean Soc. of LoDdon. 

Zoology. Vol. II. P. 2. 
The Joamftl of the Linn. Soc. Botany. Vol. XVllI. 

No. 108-113. Vol. XV. ZooL No. 84. 85. 
List of the Lixmean Society. Jannary 1881. 
A. Scacchi, drei Separat- Abdrücke. Mineralogie. 
Der zoologische Garten. Jahrg. XXII. N. 1—6. 
Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften zu 

München math.-physikaL GL 1861. Heft IV. 
Monatsbericht der Königl. Preussischen Akademie der 

Wissenschaften zu Berlin. Mai 1881. 
Eidelyi Museum, 8 Sz., VIII. Eytolyam 1881. 

Sendung der Krakauer Akademie. 1880 — 81^. 

Abhandlongen und Sitzungsberichte der historisch^hilos. 
Abth. der Akademie der Wissenschaften. Bd. Xlll. 

Abhandlungen und Sitzungsberichte der mathematisch- 
natarwissenachaftlichen Abtheilung der Akademie der 
Wiss. Bd. VnL 

Jahrbnch über die Verwaltung der Akademie der Wiss. 
ZQ Krakau. Jahrgang 1880. 

Berichte der sprachwissenschaitlichen Commission der 
A.kademie der Wiss. Bd. 1. 2. 

Berichte der physiographischen Commission enthaltend 
einen Ueberblick über die während des Jahres 1880 
vollendeten Arbeiten zugleich Materialien zurPhysio« 
graphie Galiziens. Bd. 15. 

Sammlnng von Beiträgen zur yaterländischen Anthro- 
pologie hrsg. Ton der anthropologischen Commission 
der Akademie. Bd. V. 8. 

Berichte der Kommission für Geschichte der Kunst in 
Polen. Bd. II, Heft 2 : Die Kirche St. Jacob in San- 
domir, Denkmal eines Ziegelbau's des 18. Jahrb., be- 
schrieben von Wladislaw Eussckiewicz. 4^ 

1) Die meisten in polniacher Sprache. 




296 

Monuments pr^^hisioriques de Tancienne Pologne pnbl^ 
par les soins^ de la Gommission archäologique de Fi 
d^mie des sciences de Cracorie L 8drie Prasse ro; 
par Godefroj Ossowsk et tradoit du polonais par 
gismond Zaborowski, 2. Imaison. 4^ 

Acta historica res gestas Poloaiae- illustrantia Tomas 
continet: Acta Joannis Sobieski qnae ad illnstrandnm 
vitae eins cursum resque tisque ad electionem gestas 
inserviunt, Tomi I, pars II, 1672-1674. 4^. Tomas V. 
Acta qaae in archivo ministerii rernm ezteraram 
Galiici ad Joaonis III regnnm illnstrandam spectant 
continens ab anno 1677 ad annum 1679. 4^ 

November 1881. 

Bevista Easkara. No. 40. Oot. 1881. 
Bulletin de ia Soc. Imp. de Mobcou. 1881. N. 1. 
Proceedings of tbe London Math. Society. N. 176. 177. 
58. Jahresbericht der Schlesischen Gesellsch. fOr vaieih. 

länd. Galtur. 
Verhandlungen der im Sept. 1880 abeehaltenen sechstem» 

Gonferenz der Europäischen Gradmessung. Berlia* 
.1881. 4«. 
Archiv des histor. Vereins von ünterfranken u. Aschaf^ 

fenbur^. Bd. 24. H. 2. 8. Bd. 25. H. 2. a. 
Denkschriften der E. Akad. des Wiss. Philo8.*histor. 

Glasse. Bd. 31. Wien. 1881. 4^ 
Sitzungsberichte, histor. philos. Gl. 1880. Bd. 97. fi. 1. 23. 

Bd. 98. H. 1. 2. 
Mathem. natürwiss. Gl. Abth.I. 1880. Bd. 82, Heft 3 ^5. 

1881. Bd. 83, H. 1-4. Abth.U* 1880. Bd.83, S^-^S. 

1881. Bd. 83, 1—4. Abth. III. 1880. Bd. 82, 3—6. 

1881. Bd. 83, 1—2. 
Almanach der Kais. Ak. d. W. 1881. 
II. Bericht des hjdroteohnisohea Vereins Aber di« Was- 
serabnahme in den Quellen eto. 
Nature. 627. 628. 680. 

Monatsbericht der Berliner Akademie. Juni 1881. 
Annali di Statistica. Serie 2. VoL 26. 1881. Roma. 
Monthly Notioes of the B. Astronom. Soc. Vol. XLL 

No. 9* 

(Fortsetzung folg^.) 

i ---- f- i' I'- -■■-■. - ■■--■_- ■-^.■-- 

Für die Beda^on t«niife«n>riliGh: tir. JkiDhid, DfMctor d. OMfe. gaL Am. 

CommiBflions-Verlag der JHeteridi'tekm VtrievB-Bueklumdlmig, 

Dmdt dir JHOtrMitokm Üii49.-Btiekdfudc§rti iW, t\r, «attämy 



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297 

Naehriehteo 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
and der Georg-Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



24. Mai. M 10. 1882. 



IL»BigliclM €Mellsckaft 4er WitflMscIiaftM. 

Sitsang am 7. Janaar 1882. 

Ein Kapitel aus Xenophons Hellenika. 

Von 
Hennaan Saappe. 

Die vier letzten 3ücher der Hellenika lassen 
eine besondere Neigaug Xenophons für Phlius her- 
vortreten. Die wechselnden Schicksale der klei- 
nen Stadt in den traurigen Parteikämpfeii, welche 
vom Ggoismns Spartas nach dem Frieden desAn- 
talkidas hervorgernfen durch die Staaten desPe- 
loponneses wütheten und das öffentliche Leben 
von Grund aus aufwühlten und zersetzten, wer- 
den mit einer Sorgfalt erwähnt und dargestellt, 
die gan^ aui&er Verhältnid zu dem steht, was 
über größere Staaten und wichtigere Begeben- 
heiten gesagt ist. 

Auch die Bürger von Phlius waren in Ge- 
schlechter und Volk geschieden, und Männer der 
Geschlechter lebten in der Verbannung (4.4, 15), 
aber in der Stadt selbst hatte keine Partei das 
UebßrgiBwjpht. Daher hielt man zwar wie frü- 
her zn Sparta, siber zog doch im J. 394 nicht 

22 



298 

mit ge^en Koriüih und Athen (Hell. 4. 2. 1(5}; 
erst 393 bedrängt von Iphikrates ließ man lake» 
dämonische Truppen in die Stadt, während dies 
vorher immer verweigert worden war (4. 4, 1&). 
390 sammelt sich das Heer des Agesipolis in Phlius 
(4.7,3). Aber die Verbannten ruhten nicht: sie 
kehren auf Verwendung Spartas 383 nach Phlias 
zurück (5. 2, 8) und geben , da ihnen nicht ihr 
voller Besitzstand hergestellt wird, Agesilaos er- 
wünschte Gelegenheit ihre Heimat mit Krieg za 
überziehu. Heldenmüthig ertragen die Bärger 20 
Monate die Belagerung und nur Hunger zwingt 
sie 379 sich zu ergeben (5. 3, 10 £F.). Ein grau- 
sames Gericht, von Agesilaos eingesetzt, räamte 
durch Hinrichtung und Verbannung mit der 
Volkspartei auf und entwarf eine neue Verfas- 
sung (5.3,25). Kein Wunder, daß Phlius yon 
da an es fest mit Sparta hielt. Phliasiscbe 
Reiter nehmen an der Schlacht von Leuktra 
Theil (6. 4, 9), eifrig schließen sie sich dem Ans- 
marsch des Archidamos gegen die Thebaner 
an (6. 4, 18) und kommen bei den Einfällen der 
Thebaner in den Peloponnes den Spartanern 
370 und 369 zu Hülfe (6. 5, 14. 17). Prokies 
von Phlius spricht wiederholt (371. 368) zu 
Athen für ein Bündniß mit Sparta (6. ö, 38. 7. 1, 1). 
Endlich macht die Stadt (366) zusammen mit 
Korinth mit ausdrücklicher Erlaubniß Spartas 
für sich Frieden mit Theben und Argos (7. 4, 10). 
Aus anderer Quelle (G. Inscr. att. 2, 57. b) wis* 
seu wir, daß sie 362 zugleich mit den Arkadern, 
Achäern und Eleern ein Bündniß mit Athen 
schloß, das sich ja damals auf die Seite Spartas 
gestellt hatte. 

In der Uebersicht dessen, was Xenophon 
über Phlius berichtet, habe ich das Kapitel 7, 2 
ganz übergangen , obgleich es sich nur mit 



299 

Pblias and den Kämpfen der Stadt während 
der Jahre 369—367 beschäftigt. Ich werde dar- 
vheT sogleich aasführlich sprechen. 

Man erkennt wol, worauf diese Vorliebe für 
Phlios sich gründete und woher Xenophon die 
m Einzelnste reichende Kunde davon hatte, 
vas Torgegangen war. Er erwähnt mehrmals 
einen Phliasier Prokies, Sohn des Hipponikos, 
giebt, wie ich erwähnte, dessen Reden voUstän- 
d^ wieder und sagt (5.3,13), daß er Qastfreaud 
des Agesilaos gewesen sei. Bei diesem hatte 
ihn ohne Zweifel auch Xenophon kennen gelernt 
and von ihm und Agesilaos stammt seine Kennt* 
niß der phliasischen Verhältnisse. Vgl. Nitsche 
aber die Abfassung von X. Hellenica S. 49. 
iber es ist doch nicht blos der Aristokrat und 
Frenud des Agesilaos , der hier aus Xenophon 
spricht, sondern alles, was wir von Phlius hö- 
ren, läBt uns in den Phliasiern ') eine energische, 

1) 4>^«*a<r»o» ist die allein richtige Form des Na- 
meo8. So heißen sie anf der Schlangensäule, so in der 
iMohriffc C. I. Att. I, 45 vom J. 421 und in dem Ver- 
^e mit den Athenern im J. 362 (C. I. Att. 2, 57. b. 
Z. 2 und 15) , so in der Inschrift bei Eoß Reisen im 
Peloponnes S. 42 f. Erst auf einer aus römischer Zeit 
(C. 1. Gr. 1111) steht 4»htta$ü)y. Eben so haben die 
Mfiiuen 4>JU*a0*a»y (Philolog. Mus. 1, 124). und auch 
11 ^n HandBohriften der Schriftsteller sind noch Spu- 
ren genug der richtigen Orthographie vorhanden. So 
oaben fast alle des Herodot 7, 202 (bei Thermopylae 
waren) xal dno 'PXikovvrog ditjxomo^ , bei Thukydides 
S>57 und 58 haben einzelne HSS. fptlHodpra oder (pXnovyra, 
"Okr. 4, 126 und 8, 100 der ürbinas 4>Af Mx<r»ovf , wie 
^nt neuerdings H. Martin bezeugt hat (Bibliotb. des 
ecoles fran9ai8es d* Äthanes et de Rome, fasc. 24)» wahr- 
wheinlich auch 6, 91. Auch die Handschrift des Skyranos 
S^ebt V. 524 9 4»lMtßitt. Und so steht wahrscheinlich 
!^dch ao vielen Stellen das Richtige in den HSS. und 
»^ nur, weil nuui es för einen orthographischen Fehler 
Aielt, nicht angemerkt worden. In jedem Fall, sind die 



30O 

kraftvolle Bürgerschaft, voll erfinderischen Gei- 
stes , kiihneu Mathes , zäher und heldenhafter 
Tapferkeit erkennen. Wie sie die Schlangensäale 
unter den Streitern gegen die Perser nennt, so 
kämpfen sie in den Zeiten, die Xenophon schil-* 
dert, für die Selbständigkeit ihrer Stadt oder in 
treuer Hingebung für Sparta, die dorische Vor- 
macht, so nehmen sie auch wieder am lamischen 
Kriege Theil (C. Inscr. att. 2, 184 nach der 
wahrscheinlichen Ergänzung Droysens Hellenism. 
2, 1 p. 56). Wie ihr kleines Gebiet durch hohe 
Gebirge rings eingeschlossen und Von Arkadern, 
Argeiern und Sikyouiern geschieden war , so 
scheinen sie sich auch am liebsten auf sich 
selbst verlasseu zu haben und für sich geblieben 
zu sein. Bemerkten doch schon die Alten (Cic« 
de rep. 2 §. 8) , daß von den Staaten des Pe- 
loponneses nur die Phliasier nicht an das 
wechselfrohe Meer grenzten. Aber daß bei ih- 
nen dennoch ein frisches geistiges Leben gewe- 
sen sei, zeigen schon Pratinas und Timon. 

Am offensten also spricht Xenophon seine 
Vorliebe und Bewunderung für die Phliasier im 
zweiten Kapitel des 7. Buchs aus. £s ist eine 
Episode, die sich scharf als solche vom Vorher- 
gehenden und Folgenden abhebt. Er selbst 
sagt §. 1 dlld yag wp fMiv fAsyäXmv nolswy, 
ü u »aXdv Snqalap^ änayag ot ovyYQ^^p^H 
IkifkPfivtfM * ifAoi de döU6%, uai €$ ug ik$yLQd n6X$g 
ovoa nolld Mai mxXa igya d$ar€inQaMUt$ , in 
fidXlov äl^toP htvm dnifq>aip$tv, 0XitdCk0i «9^ 
PVP — und beginnt Kapitel 3 mit den Worten: 
IIsqI fA€P 6^ QiXs$aüi(OPy (uc xai ni(no\ totq (pUoi^ 

Formen 4>Aiiov( und 4>ilMo'ff«o* bei diesem Thfttbestand 
in den attischen Scbriftstellem Überall benrastellen, 
anch gegen die Handschriften. 



301 

fyiporoi Mal diiufAOk iv u^ noldf^a dutiliftap ual 
«( ndytfop (fnaviiowsQ dti(UVor iv «g ov/AfAax^j 
ii^iiwu. Wenn man diese Worte wegläßt, die 
natürlich leicht erst später zugefügt werden 
konnten, so würde das ganze Kapitel 2 weg- 
bleiben können, ohne daA es jemand vermiBte. 
Kapitel 1 hat mit der Erzählung über die 
Art und Weise, wie Euphron in Sikyon zu ty- 
raimischer Gewalt gelangt war und sie sich zu 
sichern bemühte ^ geschlossen. Kapitel 3 führt 
mit der Darstellung der weitern Schicksale des 
Euphron fori Ferner greift Kapitel 2 wieder 
weiter zurück im Laufe der Begebenheiten, als 
die Erzählung mit Ende des 1. Kapitels gelangt 
war. Was hier von Euphron erzählt wird, ge- 
hört in die Jahre 367, 366, während Kap. 2. 
auf das Jahr 369 zurückgeht. Vgl. Nitsche 
Abfassung Yon X. Hell. S. 49. 

Ich glaube aber mit Sicherheit beweisen zu 
können, daß diese ganze Erzählung des treuen 
und tapfern Ausharrens der Phliasier in einer 
iroherea Zeit geschrieben worden ist, als die 
TOifangehenden und die folgenden Kapitel. Meine 
Ueberzeugung gründet sich auf eine Beobachtung 
über den Gebrauch der Partikel fiivto^ in den 
Helleuika. 

Die merkwürdige Verschiedenheit desselben 
erkellt ans folgender statistischen Uebersicht, 
m der sich die Seitenzahl auf die nur den Text 
bietende Ausgabe von Gustav Sauppe (Lipsiae 
1866) bezieht: 
Buch. Seitenzahl. Vorkommen v. uivioi. 

1 26 — 

2 Kap. 1.2. faste 2^) 
Kap. 3. 4. I8V2 14«) 

1) 2. 1, 7. 32. 2) 2. 3, 18. 27. 36. 37 bis. 48. 

53. - 4, 12 bis. 18 bis. 22. 37. 42. 



302 

Bacb. Seitenzahl. Vorkommen v. uimf*. 

3 28 V« 26*) 

4 37 V« 37«) 

5 fast 35 46») 

6 35 V« 30 *) 
7Kap. 1. lOV« 10») 

Kap. 2. 5V« 1 *) 

Kap. 3— 5. 18 28^) 

Wenn wir die Summe der Seiten von 1, 3 
an mit Ansschlrtß der 5V« Seiten, die 7, 2 fallt, 
182 Vsi mit der Summe der Stellen, in denen auf 
denselben Seiten f$iptot vorkommt, 191, ver- 
gleichen, so ergiebt sich, daß wenn für jede Seite 
An f/^iywi gerechnet wird , die Partikel immer 
noch einen kleinen Ueberschufl behält Nun 
wird aber merkwürdiger Weise fk^vrot, wie in 
7, 2, so auch im ganzen ersten Buch und dem 
ersten Theil des zweiten gar nicht oder gleich 
selten gebraucht. Darin aber stimmen alle über- 
ein, die sich sorgfältig mit den Hellenika be- 
schäftigt haben , dafi das Werk nicht von An- 

1) 3. 1, 1. 3. 7. 22. 24 bis. - 2, 1. 4. 5. 7. 18 bis. 
30. 31. — 3, 5. 6. 11. - 4, 13. 15. 21. - 5, 5. 15 bis. 
24. 25 bis. 

2) 4. 1 , 8. 10. 14. 27. 34. 36. 37. — 2, 3. 7. 15. 
16. — 3, 8. 13. 17. 19. — 4, 11 bis. 15. 16. — 5, 2. 
10. 19. - 6, 3. 7. 11 bis. 14. - 7. Kap. (nur »wei Sei- 
ten) -. - 8, 10 bis. 11. 16 bis. 17. 29. 31. 32. 39. 

3) 5. 1 , 2. 7. 14. — 2, 14 bis. 19. 20. 23. 24. 28. 
32. 33. 36. 42. 43. — 3, 7. 11. 16. 19. 23. 24.— 4, 10. 
12 bis. 13. 24. 27. 29 bis. 30 bis. 32. 34. 40. 46. 51 bis. 
52. 58. 54. 58. 61. 63. 64 bis. 66. 

4) 6. 1, 3. 18. - 2, 15. 31. 35. 36. — 3, 10. 15, 
19. - 4, 2. 14 bis. 15. 16. 20. 25. 27. 30. 33. — 5, 5. 
7. 19. 25. 29 31. 32. 35. 37. 39. 51. 

5) 7. 1, 16. 22. 29. 31. 32 bis. 39. 40. 41. 43. 

6) 7. 2, 4. 

7) 7. 3, 5. 7. 9. 12. - 4, 3. 4. 6 bis. 8. 10. 13. 14. 
16. 17. 21. 26. 31 bis. 32. - 5, 3. 4. 5. 7. 8. 10. 13. 
19. 21. 



303 

fang bis za Ende in einem Zuge ausgearbeitet 
worden sei , sondern zwischen den späteren 
Bachern und den ersten ein ziemlich beträcht- 
lidier 2ieitraum verstrichen sein müsse. Nnr ob 
mit Niebnhr die Bücher 1 and 2 als ein frü- 
heres, getrenntes Werk zu betrachten seien, 
oder mit Emil Müller B. 1 nnd 2 Kap. 1—3 
§. 10 die Fortsetzung der thukydideischen 
Geschichte bilden, oder ob mit Nitsche B. 1 
bis mit B. 5 E. 1 als die erste, das üebrige als 
die zweite Schrift gelten müsse, ist Gegenstand 
der Meinungsverschiedenheit. Wir dürfen nach 
dem statistischen Bestand mit vollem Recht 
schließen^ daß die Theile der Hellenika, in denen 
fUv%o$ nicht oder nur vereinzelt vorkommt, in 
einer verhältnißmäßig früheren Zeit, die, in 
denen die Partikel oft gebraucht ist, in einer 
andern, späteren abgefaßt sind. Deshalb gerade 
ist die Beobachtung über den Gebrauch solcher 
Wörtchen, die nicht durch den Gegenstand der 
Rede bedingt sind, sondern die der SchreibendCi 
wenn er sie einmal anwendet, bei immer sich 
wieder bietender Gelegenheit auch immer wieder 
anwenden kann und wird, so wichtig fürünter- 
snchnngen über zweifelhaften Ursprung von 
Schriften oder die zweifelhafte Zeit der Abfas- 
sung. Daß aber ikivtot zu diesen Wörtchen ge- 
hört, für die sich immer wieder Gelegenheit 
findet, wenn sie jemand einmal gebrauchen will 
nnd sie sich zu gebrauchen gewöhnt hat , ist 
unzweifelhaft;. Also werden wir anzunehmen 
veranlaßt sein, daß B. 7 Kap. 2 ungeföhr in 
derselben Zeit, wie B. 1 und 2 bis E. 3, 10, 
beide wenigstens einige Zeit vor den andern 
Theileu des Werkes verfaßt sind und daßXeno- 
phon sich in der Zwischenzeit an den Gebrauch 
der Partikel gewöhnt hatte. 



304 

Ebenso erstaunt als erfreut war ich, ala ich 
in Dittenbergers ausgezeichneter Abhandluxig: 
Sprachliche Kriterien für die Chro- 
nologie der platonischen Dialoge (Her- 
mes 16) S. 330 f. durch BeobachtungeB über 
den Gebrauch der Partikel f»^v in gleicher 
W^se die Hellenika in drei durch die Zeit ge- 
geschiedene Theile zerlegt fand. Das war die 
Veranlassung, daß ich meine Bemerkung fiber 
Ikivto^ ans alten Papieren hervorgesueht habe. 
Dittenberger unterscheidet a) Buch 1 bis mit 
2. 3, 10 j b) Buch 2. 3, 11 bis mit 5, 1; c) Bnch 
5. 2, 1 bis zu Ende. Während in dem ersten 
Theile fki^v gar nicht rorkommt, im zweiten 
noch im Gebrauch ein gewisses Maafi beobachtet 
ist, findet sich in der dritten, spätesten Ab- 
theilung die Partikel sehr häufig. 

Daß XenophoD die letzten Bücher der Hel- 
lenika im höchsten Alter geschrieben hat, steht 
durch seine eigene Bemerkung 6. 4. 37 £est: 
tmv d^ %aSta nqal^dvtiap äx/Qi ov Sds 6 koyog 
iyqa^peno Tiaiq)ovog (wahrscheinlich Tsiaiffovog), 
itqioßvtaiog fSv %wp ddsXffiav, %^v dgx^v ctxsv. 
Wenn Alexander von Pherae, wie es wahrschein- 
lich ist, in der ersten Hälfte von 358 ermordet 
wurde, so werden wir nach dem Ausdruck, den 
Xenophon gebraucht , als die Zeit, iu der sich 
Teisiphonos, der Mörder Alexanders, noch im Be- 
sitz der Macht in Pherae befindet, etwa das Jahr 
357 zu denken haben. Wir können uns also 
die Darstellung der Ereignisse in Phlius aus 
den Jahren 369—367, die 7, 2 enthält, etwa 
10 Jahre vor 357, in welchem Jahre Xenophon 
mit dem 6. Buch beschäftigt ist, abigefaßt denken. 

Nun findet sich in 7. 2, 3 xai fi^v und 7. 2, 17 
ye iMiPy so daß sich das Kapitel nach Ditten- 
bergers Bestimmungen au die mittlere Abthei- 



30S 

lang 2. 3, 11 bis 5, 1 auscbliefit. Da aber im 
Gebrauch von fAivtot schon die letzten Kapitel 
Ton Buch 2, zumal aber Buch 3 und die fol- 
genden viel weiter gehn, so findet sich wol da- 
durch die Annahme gerechtfertigt , daß bald 
nach 367 das Kapitel 7, 2 und dann erst die 
Bücher 2. 3, 11 und folgende geschrieben wor- 
den sind. Es bleibt dann immer möglich mit 
Nitscbe, dem, wie ich angab, Dittenberger zu- 
stimmt, einen zweiten Abschnitt mit 5, 1 enden 
zu lassen , obgleich es kaum durch den Inhalt 
gefordert wii'd. Auch wenn die Bücher von 
2, 3, 11 an in einem Zug geschrieben wurden, 
läßt sich wol denken, daß die Zuneigung zu ei- 
ner bestimmten Ausdrucksweise im Laufe des 
Schreibens gesteigert worden sei. Zeit für die 
Abfassung bieten die 10 Jahre nach 867 hin* 
reichend. 

Die Bedeutung der Partikel (timok^ die sich 
bei Dichtern und Prosaikern früherer und spä- 
terer Zeit findet, bietet in den Hellenika nichts 
Besonderes. In den Verbindungen ndl-ikivtoh 
und tal fiSpTot tritt der ursprüngliche Sinn 
der Partikeln [j^^v und «o*, aus denen sie zusam- 
mengewachsen ist, der der Versicherung, hervor 
(nnd fürwahr, und wirklich) z. B. 3. 1, 
1. 7. 1, 29. 5. 4, 51. 7. 1, 16.^ Dasselbe ist in 
den selteneren Wendungen all* si ye ii,ivto^ 2. 4, 22 
und dlXd iJbivTOi 6. 3, 15, ferner in iyfitt fiivtoi 
3. I, 24 der Fall, an Stelle des einfachen den 
Pronomina in hervorhebender Bedeutung hinzu- 
gefugten f*Sv. Bei weitem überwiegend aber ist 
die früh aus der ursprünglichen Bedeutung her- 
vorgegangene des Gegensatzes, so daß es unge- 
fähr die Stelle von d« einnimmt, entweder allein 
(z. B. 2. 3, 18. 7. 5. 21), oder nach vorausge- 
gangenem (A^v (2. 3, 27. 7. 5. 19 und so auch 

28 



306 

7. 2, 4). Bisweileu geht fkiv oiv voraus (3. 2, 18) 
oder liiv d^ (3. 5, 25) and es sieht dsAm auch 
zuweilen ^c iiivto$ (2. 3, 37. 6. 5^ 5) oder fjkiv^ 
TO& yt (2. 4, 42 und 5. 4; 58 auch ohne daft fA€9t 
vorausgeht) und ov fAivtat-yt (7. 3, 9). 

So wäre denn das Ergebniß meiner Unter- 
suchung folgendes. Xenophon schrieb das erste 
Buch und vom zweiten bis zu Kap. 3 §. 10 als 
Ergänzung der thukydideischeu Geschichte des 
pelopontiesischen Kriegs ziemlich früh. Brst 
nach langer Zeit, nachdem er die meisten seiner 
übrigen Schriften verfaßt hatte, kehrte er in 
hohem Alter zu der Geschichte seiner Zeit zurück 
und beschloß die Darstellung der letzten Jahre 
jenes verhängniß vollen Kriegs zu einer Geschichte 
seiner Zeit zu erweitern. Die bewuudei'nswerthe 
Tapferkeit und Ausdauer der Phliasier, über die 
ihm bei seinen Beziehungen zu hervorragenden 
Männern der Stadt genaue und lebendige Kunde 
zugekommen war, bestimmte ihn nach den fri- 
schen Eindrücken, die er erhalten hatte, eine 
Erzählung ihrer Thaten und Schicksale nieder- 
zuschreiben. Als er dann in seiner Geschichte 
bis zu jenen Jahren 369 — 367 kam , in denen 
Phlius Tüchtigkeit hervorgetreten war, fügte er, 
so gut es gehn wollte, die Einzeldarstellung ein. 
Die Anfänge des zweiten und dritten Kapitels 
sind die hinzugefügten Verbindungsglieder. Daß 
Xenophon etwa im J. 357 mit dem Sechsten 
Buch beschäftigt war , erfahren wir durch sein 
eigenes Zeugniß. 

Es wird kaum einen Schriftsteller geben, der 
sich nicht einem gewissen Wandel in seiner 
Sprache, der ganzen Haltung sowol als einzelnen 
Wendungen und Ausdrücken, unterworfen zeigte. 
Je länger er lebt und schreibt, desto auffallender 
werden die Unterschiede sein. Natürlich werden 



307 

Charakter jind Gestaltung der äaßern Lebens- 
rerhftltnisse die Verändernngen beschränken oder 
vermehren können. Aber gerade bei dem so 
mannichfach bewegten und so langen Leben des 
Xenophon nimmt es nicht Wunder, wenn die 
sprachlichen Verschiedenheiten seiner früheren 
und späteren Werke ziemlich bedeutend sind. 

Offenbar wird sich der Anspruch auf ZuTer- 
läsfiigkeit, den die einzelnen Angaben Xenophons 
haben, nach der Feststellung der Zeit, in wel- 
cher die verschiedenen Theile der Hellenika ab- 
gefaBt sind , bedeutend ändern. Ich gebe ein 
Beispiel. 

Bei der Annahme, daß auch schon ein Theil 
des zweiten Buchs erst lange nach den Ereig- 
nissen selbst niedergeschrieben worden sei, löst 
sich ein vielfach besprochener Zweifel. Xeno^ 
phon sagt am Schluß des zweiten Buches , daß 
die Amnestie erst nach der Bewältigung und 
Tödtnng der nach Eleusis geflüchteten Dreißig- 
BÄnner und der von ihnen gesammelten Streit- 
macht beschlossen und beschworen worden sei. 
Nach der Schwnrformel aber , die Andoki4es 1 
§• 90 erhalten hat, muß man glauben, daß der 
Schwur alles Geschehene vergessen sein lassen zu 
wollen gleich bei der Rückkehr der Bürger aus 
dem Peiräens in die Stadt geleistet wurde, und 
B.. Grosser (Die Amnestie des Jahres 403 v. Chr. 
Miaden 1868) hat ausfuhrlich bewieseu, wie un- 
^hrseheinlich die zuerst von Hinrichs (de The- 
ramenis Critiae et Thrasybuli rebus p. 46) auf- 
gestellte Unterscheidung zwischen der Versöh- 
nDQg der Bürgerparteien durch Pausanias und 
dem Amnestiebeschluß des Thrasybul erscheinen 
iDQsse. Grosser sucht nun das Zeugniß Xeno- 
phons durch die Vermuthung Gampes und Ky- 
prianos aus dem Wege zu räumen , daß die 



308 . 

Hellenika , wie sie jetzt sind , ein später und 
schlechter Aaszug des echten Xenophontischeu 
Werkes seien. Was gegen diese Vermuthung 
spricht, haben viele, zuletzt noch Vollbrecht (de 
Xen. Hellenicis in epitomen non coactis. Hau* 
noverae 1874) erörtert. Zu den andern Gründen 
kommen jetzt noch die Beobachtungen von Dit- 
tenberger und mir. Denn in einem Auszug 
hätte sich der Wechsel im Gebrauch der Par- 
tikeln unmöglich erhalten. Wir bedürfen aber 
der Annahme eines Auszugs auch nicht, um den 
Schlußworten des zweiten Buches die volle Be- 
weiskraft abzusprechen. Wenn sie nicht lange 
nach den Ereignissen selbst geschrieben wären, 
würde es kaum möglich sein ihnen als dem Be- 
richt eines Augenzeugen Glauben zu versagen. 
Wenn aber zwischen den Thatsachen und ihrer 
Darstellung fast ein halbes Jahrhundert verflos- 
sen war, konnte Xenophon in seiner Erinnerung 
wol der Kampf gegen die Dreißig und ihren 
Anhang in Eleusis als eng mit den Kämpfen, 
die vorher zwischen den Bürgern stattgefunden 
hatten, verbunden und also zu dem gehörig er- 
scheinen , dem durch die Amnestie ein Ende 
gemacht worden sei. Er konnte auch nach 
allem, was er an Qewaltthaten bei ähnlichen 
Parteisiegen in einer Anzahl von peloponnesi- 
schen Staaten in den letzten Jahrzehnten erlebt 
hatte, mit Recht in einer Aufwallung des Stol- 
zes auf seine attische Herkunft schließen : Sn 
xal vvv ofAOv TS noXmvoPtcn uai totg oQxotg ifk^ 
fk4vsi d^fAog. Allerdings war auch die Ver- 
nichtung der Dreißig keine Verletzung der Am- 
nestieeide gewesen', da sie in diesen Eiden aus- 
drücklich ausgenommen worden waren. 

FAr die Kedaction verantwortlich: Dr. Bechtd, Director d. Gott. gel. Anz. 

Commissions -Verlag der Diätsrtck'.schen Vtrloffa'Bvehhandimitff, 

Druck der DieUrüiiescKm Univ.' B%ichdmck«rti (W, Fr. KamiMr). 



809 

Nachrichten 

von der 

LÖoigl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg- Augnsts-Universität 

zu Göttingen. 



-31. Mai. 



M 11. 



1882. 



Itaigliche GMeUsditft der Wisseuchaftei. 

Sitzung am 6. Mai 1882. 

TonKoenen, üeber den geologischen Anfban der 

Qegend Ton Gdttingen. 
-Pauli, Gervaaius von Tilbnry. 
deLagarde, IgDatii versiones latinae veteres. (Er- 

ichebt in den Abhandinngen Bd. XXIX.) 
I'^tetn» Nachtrag zn den Mittheiinngen über die pren- 

lische Landesrepräsentation 1812-1815. (Vorgelegt 

TOn Prof. Panli.) 
Holtz, Corresp., Znr näheren EenntniB der zündenden 

Kraft yerzögerter Entladungen. 



Heber den geologischen Bau der 
Umgegend von Göttingen 



Ton 



A. ▼QU Koenen. 

1ti der Umgebnng Göttingens treten zahl- 
^l^iche, «ich kreutzende Spalten auf, welche haupt- 
«ifihlich die Richtung von Südosten nach Nord- 
weaten (die für solche Störungen in Mitteldeutscb- 

24 



'310 

land Yorherrsclieiide Bichtnng) und die von Sü- 
den nach Norden haben. 

In diese Spalten, deren Entstehung oder doch 
letzte Oeffnung nach den Ergebnissen ander- 
weitiger Untersuchungen gegen das Ende der 
Basalt -Eruptionen, also wohl in die Mioeän* 
Tertiär-Zeit versetzt werden muß, waren dann, 
je nachdem sie mehr oder weniger weit klaff- 
ten, von beiden Seiten oder auch wohl nur Yon 
einer Seite die am Rande anstehenden Gesteine 
in mehr oder weniger zusammenhängenden Par- 
tieen hineiugesunken, gerutscht oder gestürzt. 

Es kamen dadurch unter Anderen besonders 
Schichten des Lias und des Eeupers in dasselbe 
Niveau, welches auf beiden Seiten der Spalte der 
Muschelkalk einnimmt, und blieben dort liegen, 
als später rings umher über dem Muschelkalk 
Keuper und Lias fortgespült wurden. 

Besonders umfangreiche derartige Einstürze 
oder ,, Gräben" enthalten die weit klaffenden 
Nord-Süd-Spalten, welchen das Leine-Thal etwa 
von Friedland bis Nordheim die erste Veran- 
lassung zu seiner Entstehung verdankt. Es sind 
dies zwei deutlich getrennte Spalten, deren eine 
das Leinethal von Friedland bis nördlich von 
Nörten enthält, die andere, welche bei Bishansen 
nur wenige Hundert Meter breit ist, sich nach 
Norden aber schnell weiter öffnet, etwa von 
Elvese-Sudheim an bis Nordheim. Südlich von 
Friedland und bei Nordheim werden diese Nord- 
Süd-Spalten anscheinend abgeschnitten von Spal- 
ten, welche von Südosten nach Nordwesten laufen. 

Zahlreiche schmale Spalten, annähernd in 
der gleichen Richtung finden sich, meist mit 
Keuper erfüllt, westlich von Lenglern und Harste, 
in dem Thale westlich der Aschenburg , sowie 
zwischen dem Holtenser Berg und dem Enhberg, 



311 

oeilich von Esebeck, ferner am Nordostabhang 
des Hainberges und in der »langen Nachte auf 
dem Kieperberg. Die letztere schneidet auch in 
der Nähe der »Forsthütte« eine Verwerfung ab, 
welche westlich von dem Bodenhäaser Forst, 
über Beinhansen, Diemarden, längs des Westem- 
berges verläuft und sich gewissermaßen abzweigt 
von der südlichen Leine-Thal- Versenkung. 

An den Spalten dieser Richtung setzen aber 
aach sonst die Nord -Süd -Spalten mehrfach ab, 
so daft Erstere auch hierdurch, neben ihrer 
größeren horizontalen Länge, sich als die für 
den Gebirgsbau Mitteldeutschlands wichtigeren 
erweisen, obwohl sie bei Oöttingen nicht ent- 
fernt die Breite der Letzteren erreichen. 

Hiernach ist das von 0. Lang in der Zeit- 
schrift der deutschen geologischen Gesellschaft 
1880, Tafel XXIX, mitgetheilte Profil durch das 
Leinethal nördlich von Göttingen (Harste-Eddige- 
hansen) nicht unerheblich zu modificiren. 

Es ergiebt sich aber auch aus dieser kurzen 
Skizze, daß der geologische Bau der Gegend von 
Göttingen ein außerordentlich komplicirter und 
QDregelmäßiger ist, so daß eine genaue geolo- 
gische Eartirung, wie ich sie begonnen habe, 
recht schwierig und zeitraubend ist. 

Es steht aber zu hoffen, daß sich daraus 
auch eine Reihe von Beobachtungen ergeben 
werden, durch welche unsere derzeitige Kennt- 
Qift des Gebirgs- Baues Norddeutschlands weiter 
gefördert werden kann. 



24 



312 

Gervasius von Tilbury. 

Von 
B. PauU. 

Gervasius Tilberiensis, so genannt yermnthlicli. 
nach seinem Geburtsort Tilbnry an der unterexi. 
Themse in der Grafschaft Essex, hat fast all« 
Nachrichten, die wir über ihn besitzen, seinem 
eigenen Werke eingefügt. Obwohl er in Ge- 
schichte and Ortsknnde der Heimath wie ein 
Landesangehöriger bewandert erscheint , längere 
Zeit auch bei Hofe lebte , so gehört er doch •. 
gleich anderen gelehrten Landsleuten im 12. 
Jahrhundert, wie Magister Thomas Brunns, Ma- 
gister Johannes Saresberienses, Papst Hadrian IV. 
noch zn der beträchtlichen Anzahl derer, welche 
ihr Glück wesentlich auf dem Festlande ver- 
suchten und mehr oder weniger in nahe Bezie- 
hung zu den Süd-Normannen in Apulien nnd 
Sicilien traten. Statt in England als Kleriker 
Dienst in der Kirche oder in der -Schatzkammer 
zu nehmen , hat er früh die Angehörigen ver- 
lassen, an deren Wohlergehen freilich er gern 
gedachte: rumores ... de nostrorum prosperi- 
tate propinquorum , Otia Imperialia bei Leibniz 
SS. rer. Brunsvic. 1, p. 964. Er scheint znerst 
bei dem jüngst (1176) von Sens nach Reims 
transferirten Erzbischof Wilhelm, dem Schwager 
König Lndwigs VU. von Frankreich, eine Unter- 
kunft gefunden zn haben. Vielleicht wnrde diö 
sinnliche Begier nach einem Mädchen , das sich 
als publicanische Ketzerin erwies, der Anlaß zu 
seiner baldigen Entfernung. Davon erzählte er 
selber , als er späterhin >^Kanomker€ geworden, 
dem Abte Radulf von Coggeshale, dessen Chro- 
nik an die des Radulfus Niger anschließt, auf 






313 

deD sich an einigen Stellen wieder Gervasias 
bezieht: Temporibus Lndovici regia Franciae . . . 
qnidam ex clericis eins • . . magister Geryasias 
Tilleberiensis, videns quandam puellam in vinea 
Bolam deambalantem , Inbrieae juventntis cnrio- 
ffltate dnctas , divertit ad eam, sicat ab eins ore 
aiidi?imns postea, cum canonicus eeset. Bad.de 
Cogg. Chron. Anglic. ed. Stevenson p. 121 — 122. 
Noch in sehr jnngen Jahren indeß, znr Zeit als 
Alexander III. anf dem heiligen Stuhl saß, kam 
tf nach Italien: temporibus nostris sub papa 
Alexandre III^ dum puer eram, Otia Imperialia 
{k 1000. Man wird die Stelle p. 942 : in cancüio 
^meto penitentem imperatorem ad sinum matris 
eedesie regressum intuiti sumus^ cum summa 
hmüücUe . siolam per manus sanctissimi pape 
Akxandri , quam dedit pater penitenti filio, rece- 
pisse schwerlich anders auffassen können , als 
dai Gervasins Augenzeuge des berühmten Her« 
gangs war, der sich am 24. und 25. Juli 1177 
in Venedig vollzog. Daher denn der fast gleich- 
lautende Bericht bei drei zeitgenössischen engli- 
8clien Autoren: Gesta Henrici 11, I, p. 183 ff., 
ßoger. de Hoveden II, p. 137 ff., Gervas. Cantuar. 
I, p. 266 ff. von ihrem letzten Herausgeber, 
Stubbs, Gervas. Cantuar. I, p. XLII N. 1 mit ei- 
niger Wahrscheinlichkeit auf ihn zurückgeführt 
wird. Sicher aber befleißigte er sich um jene 
Zeit in Bologna des Studiums der Bechte/ wurde 
Magister, wie er sich selbst bezeichnet, und be- 
gann in der Folge auch kanonisches Becht zu 
lehren. Nicht leioht ist es neben diesen Daten 
sein Hofleben chronologisch unterzubringen, 
weil es ihn weniger im Gefolge Heinrichs H., 
als des jungen König Heinrich (IIL), seines Erst- 
geborenen, zeigt j der, mit dem Vater zerfallen, 
äer Genosse Bertram de Borns, sieh nach Limousin 



314 

und Qaerci warf und dort am 1 1. Juni 1183 starb. 
Diesen Liebling der Troubadours und vieler 
hervorragenden Zeitgenossen besingt er selber 
als Rosa formae singularis etc. p. 947 ^). Er 
liebt es Kaiser Otto auf ihn, den glänzendsten 
seiner Oheime, hinzuweisen. Ihm diente er gleich- 
zeitig mit: literatus ille nostri temporis vir, Ma- 
gister Radulfus Niger, domini mei regis juniDris 
concurialis ^). Zur Unterhaltung dieses jungen 
Fürsten verfaßte er den Liber Facetiarnm^ ein 
Buch , auf das er sich zweimal bezieht , nach 
welchem heute vergeblich gesucht wird: libmm 
facetiarum, quem ex mandato domini mei illu- 
strissimi regis i Anglorum, Henrici junioris, avun- 
culi vestri , dictaveram p. 883. In libro face- 
tiarum quem ad imperium excellentissimi regis 
minoris Anglie Henrici, avunculi vestri et do- 
mini mei, latius dixi p. 914. Man darf wohl 
annehmen , daß Gervasius nach der Katastrophe 
des jungen Königs , die ihn vermuthlich zum 
ersten Mal mit Südfrankreich in Berührung 
brachte, sich wiederum nach Italien begab, da 
sich weitere Beziehungen zu Heinrich 11. wenig- 
stens direct nicht herausstellen. Als Genossen 
in seinen Studien wie am englischen Hofe er- 
wähnt er jedoch einen Verwandten und guten 
Freund, Philipp, Sohn des Grafen Patric von 
Salisbury (f 1167), dessen Nichte Ela mit Wil- 
helm Longesp^e, dem zweitnächsten Grafen von 
Salisbury (1196 — 1226) und natürlichen Sohn 
König Heinrichs, also einem Oheim Kaiser 
Otto's IV. , vermählt war : in scholis et curia 
domini mei regis vetustioris Anglie, avi vestri 
. . . non tam sanguine quam amore fuit pro- 

1) Vgl. Gesch. von England III, S. 163. 164. 

2) concnrialis von Leibniz p. 911 nicht gelesen. 



315 

pinqaissimus , p. 964. An derselben Stelle er- 
zählt er, wie er im Jahre, als Akka belagert 
wurde — freilich von Aug. 1189 bis Juli 1191 — 
knrz Tor Mittsommer (1189) inSalerno dem al- 
ten Freunde unerwartet begegnet sei und mit 
ihm jene verwandschaftlichen Erinnerungen aus- 
getauscht habe. Er bewog Philipp statt sogleich 
nach Sicilien überzusetzen ihn nach Nola zu 
begleiten, wo ihm von seinem Herrn König Wil- 
helm n. (f Nov. 18. 1189), in dessen Diensten 
er also um diese Zeit gestanden haben muß '), 
ob declinandos Panormitanos tumultus et fervo- 
res estivos , eine Wohnung angewiesen war. 
Dort wurden sie von Johannes Pignatelli, Ar- 
chidiakon von Neapel, durch Wissen, Erziehung 
and gute Herkunft gleich ausgezeichnet, der 
ehedem in Bologna des Gervasius Zuhörer im 
Kirchenrecht gewesen , gastlich aufgenommen : 
in hospitio venerabilis auditoris mei in iure ca- 
nonico apud Bononiam 1. c. Die Mirabilien im 
dritten Buch seines Werks bezeugen wiederholt 
anmittelbare Anschauung von Neapel, der ünir 
versitätstadt Salerno, den Bädern von Pnteoli, 
den Stätten, an welchen die Sagen vom Yirgil 
hafteten. Weitere Angaben finden sich nicht. 
Gervasius verlor mit dem Tode Wilhelms II. 
seine Stellung und weilte schwerlich noch in 
Süditalien , als Richard Löwenherz auf seinem 
Ereuzznge nach Messina kam, oder war gar 
Augenzeuge der Besitzergreifung Apuliens und 
Siciliens durch den Hohenstaufen. Dagegen ge- 
rieth er schon in den nächsten Jahren, wir wis- 
sen nicht wie, nach Burgund, oder richtiger ins 

1) Die englischen Berichte über Wilhelms IL Ver- 
mählung mit Johanna, Heinrichs II. Tochter, gedenken 
seiner nicht , so dafi es Vermuthung bleibt , ?r sei bei 
diesem Anlaß von England nach ApulieO: gekommen. 



316 

Arelat. Man kann nur auf Beziehungen za Ki- 
chard I. schließen, der ja als Gefangener Kaiser , 
Heinrichs VI. diesem für die Krone des Arelat 
Huldigung leistete und 1196 seinem Neffen 
Otto , dem Sohne Heinrichs des Löwen , die 
Grafschaft Poitou übertrug. Beweise, nament- 
lich urkundliche , daß Geryasius um diese Zeit 
bereits zu dem vierzehnjährigen Sachsenspross 
in ein Verhältniß getreten , finden sich nicht. 
Wohl aber hatte er in Arles, wie wir von ihm 
selber erfahren, mit seiner Frau ein stattliches 
Haus — palatium nostrum — erheirathet, das ihm 
in der Folge, als man sein Recht bestreiten wollte, 
durch kaiserlichen Spruch von Otto lY. , wie 
Winkelmann Kaiser Otto IV. p. 502 meint, 
um die Zeit der Romfahrt 1209, zugebilligt 
wurde: quod ex vestro munere yestraqne gracia 
ad nos rediit per sententiam curie imperialis 
. . . propter jus patrimoniale uxoris nostre p. 991. 
Allein er bewohnte den Palast schon und muß 
überhaupt in Arles eine hoch angesehene Stelr 
lung eingenommen haben, als König Alfons IL 
Yon Aragon (f 1196) mit seinen Reisigen ein- 
mal daselbst auf Besuch erschien. Auf Tornehme 
eheliche Verwandtschaft deutet die Bezeichnung 
des Erzbischofs Humbert von Arles als afßnis 
nosier p. 988 ^). Seine Ortskenntniß ist , wie 
die Mirabilien an vielen Stellen ergeben, in der 
yerhältnißmäßig kleinen Kirchenprovinz von Ar- 
les ganz besonders sicher. Er war dort so hei- 
misch geworden, daß er wie ein geborener Pro- 
venzale das Mittelmeer wiederholt als mare no- 
strum bezeichnet, Leib. I, p. 912. 981. H, p. 766. 
Selber von guter Gonnexion, was aus seiner 

1) Imbert d^Aigui^ree von 1190 bis 20. JqU 1202, 
Garns, Series Epp. p. 494. 



317 

Verwandtschaft mit den alten Grafen Ton Salish 
bury, Herren von Evreux, hervorgeht, stieg er 
IVL bnrgandischen Reichs würden empor , die ihm 
doch von keinem anderen als von Otto IV. ver- 
hehen sein können. Winkelmann 1. c. folgert 
ans den Stellen über die Symbolik des Reichs- 
apfels nnd des zweischneidigen Schwertes p. 891. 
896, ans der Notiz über die Kaiserkrönung dnrch 
Innocenz III., p. 941, ans dem Prolog zum drit- 
ten Buch p. 960: Vidi equidem , com nuper 
Rome essem , allatam a cardinali Petro Capnano 
corrigiam de corio salamandre, daß Gervasins 
selber dort der feierlichen Handlung am 4. Oc- 
tober 1209 beigewohnt habe, nnd läßt ihn end- 
lich das Marschallamt für Arelas erhalten. Je- 
denfalls ward diese Würde geraume Zeit zuvor 
verliehen^ da Otto sieh lange vor der Romfahrt 
als Eonig im Arelatischen Reich ') betrachtete^ 
weno auch Gervasins sich nur in der Dedication 
seines Werkes p. 881 als vestri dignacione ma- 
rescallus regni Arelatensis und im Schlußbriefe 
fast grotesk als Magister Gervasins in reguo 
Arelatensi imperialis aule marescallus bezeichnet. 
War er auch schwerlich Kanzler, wie Dietrich 
Ton Niem De Schismate II, c. 9 ihn nennt: 
Gervasins orator Arelatensis et cancellarius Ot- 
tonis huius nominis quarti und Wattenbach 
Gesch. Quell. II*, S. 375 ihn neben dem Mar- 
schall sein läßt^), so prunkte er doch geradezu 
mit einer eigenthümlichen Gombination seines 
gelehrten und seines politischen Titels. Derselbe 
Mann, den die Zeitgenossen als Kleriker und 
Kanoniker bezeichneten, der von Sacrament und 

1) regnom ttinm wiederholt bei Gervasins. 

2) D^egen ispricht seine Unterscheid ang der söd- 
gallischen Kircbenprovinzen : Arelatensis, que caput est 
regni, Yiennensis, qae cancellaria regni gaudet p. 914. 



318 

Priestertbnm im Sinne Inoocenz III. handelte, 
auch wenn er niemals die Weihen der Kirche 
erhielt, der stolz war Magister zu heißen , that 
sich nicht wenig auf sein Marschallamt zu gut, 
von dem er in der Vorrede spielend meinte : 
quod ex officio marescalcie sub debito armoram 
ministerio exequi teneor, acute lingue gladio 
ducam in ministerium. 

Da wir nur auf die autobiographischen Nach- 
richten angewiesen sind, die er in seinem Haupt- 
werke ausgestreut hat, ist über das fernere Le- 
ben und den Tod des Gervasius nichts Sicheres 
erhalten^). Er hat früh geschriftstellert, gleich 
jener Anekdotensammlung für den jungen König 
in seiner kanonisch -theologischen Periode ein Bnch 
über die heilige Jungfrau und die Jünger verfa&t: 
liber de transitu b. virginis et gestis discipulorum 
p. 968, tractatus de vita b. virginis et sociorum 
et eorum transitu p. 976, und nach Dietrich von 
Niem II, c. 19. 20 über die heißen Quellen von 
Puteoli ein kleines Buch in Versen — in quodam 
libello metrico — herausgegeben, was einiger- 
maßen durch Otia Imp. Dec. III, p. 965 De 
balneis Puteolanis bestätigt wird. Auch sein 
großes Werk hat ihn lange Jahre beschäftigt 
und war ursprünglich gleich den Facetien für 
Heinrich den jüngeren bestimmt, bis er es viel- 
fach umgearbeitet, erweitert und mit einer be- 
sonderen Tendenz ausgestattet, dem bevorzugten 
Neffen desselben, gleichsam seinem Erben , dem 
weifischen Kaiser Otto IV. darbrachte. Einen 

1) Die Hypothese Hoffmanns bei Mader, Gervasii 
Tilber. de imperio Romano et Gottorum etc. regnis 
commentatio Heimst. 1673, daB Gervasius auch Kanzler 
Ottos des Kindes in Lüneburg gewesen und Propst von 
Ebbekesdorf geworden sei , hat schon Leibniz SS. rer. 
Brunsvic I, Praef. § LX HI zurückgewiesen. 



319 

festen Titel scheint er demselben nicht gegeben 
zn haben , wenigstens lassen dies die Ueber- 
schrifben der mir bekannten Codices nnent- 
schieden. Otia Imperidliay wie Leibniz drnckt, 
stammt ans 6 und ist erst von späterer Hand 
in B hinzugefügt. Die Handschriften a und V 
beginnen: Incipit liber a magistro G. T. editns 
et intitülatur Ottoni imperatori Bomanornm. 
Winkelmann p. 290 n. 503 entscheidet sich 
für die in C. b. erhaltene TJeberschrift: Incipit 
liber de mirabilibus mnndi , qni alias solacinm 
imperatoris nominatnr , als die arsprüngliche 
nnd nennt das Bnch Eaisertrost. Die Mi- 
rabilia stimmen doch aber nnr zum dritten Bnch^ 
weshalb es denn in der Ueberschrift von c heißt : 
über ... in quo orbis descriptio et mirabilia 
eontinentnr ad recitandnm Otonem imperatorem 
(sie.) Gervasins selber bezweckte: Ocium im- 
periale, ' Epistola ad Magistrnm Johannem. 
Jedenfalls reicht der Titel Otia in die Zeit zu- 
rück, welcher die meisten Codices angehören, 
denn Dietrich von Niem sagt De Schismate H, 
c. 19: ad eins solatinm idem Gerrasius con- 
scripsit etiam alinra librum^ qui intitulcdur Oda 
imperatoris. 

Eine andere Frage betrifft die Zeit, in wel- 
cher das Buch abgeschlossen wurde. Winkel- 
mann p. 503 sagt: etwa im Herbste 1211, 
Stnbbs in seiner Ausgabe des Gervasius Cantuar. 
I, p. XLI: abaut the year 1J211, Watten bach H, 
375: im Jahre 1212. Sie und ihre Vorgän- 
ger stützen sich dafür auf Stellen wie p. 926, 
wo der Verfasser die Berechnung der Indictionen 
nach Christi Geburt angibt und das Jahr 1211 
als Beispiel wählt, oder p. 995, wo das genaue 
Datum begegnet: erat anno Domini 1211 mense 
Jnlii anno autem pontificatus domini Inno- 






320 

centü III. tercio decimo , imperii autem vestri 
anno secundo. Merkwürdiger Weise ist ein in 
keiner Handschrift interpolirter Passus des drit- 
ten Baches durchweg übersehen worden , der 
überdies für den Zweck und Titel des Werkes 
bedeutsam ist. Es heißt p. 987: Cum hoc et 
his similia tue celsitudini, princeps serenissime, 
memoramus, nichil aliud agimus, nisi quod tae 
sollicitudinis seria ociorum parenthesi tempora 
temperamus . . . Yidimus equidem illustrem 
sancte memorie regem Scotorum Guillermnmi 
quem avus tuus excellentissimus , rex Anglorum 
Henricus vetustus, rebellem vicit et captum diu 
tenuit iterumque debite sue dicioni subiecit. 
Wilhelm der Löwe aber, mit dem Heinrich II. 
im Jahre 1184 im Beisein Herzog Heinrichs des 
Löwen (ob etwa auch des Gervasius von Ti- 
bury?) eine Zusammenkunft hatte ^), starb am 
4. December 1214, so daß das Werk des Ger- 
vasius erst geraume Zeit nach der Katastrophe 
von Bouvines dem Kaiser überreicht sein kann, 
als dessen Unglück definitiv entschieden war. 
Winkelmanns Yermuthung, daß Otto noch in 
Italien gewesen und die Eroberung Italiens noch 
nicht aufgegeben habe, wird dadurch hinfällig. 
In der That seria tempora erforderten Zerstreu- 
ung des Kaisers durch eine Trostschrift. Dafür 
daß ihm dieselbe nach Sachsen, vielleicht gar 
erst nach Braunschweig übersendet worden ist, 
spricht endlich auch das Anschreiben des Gervasius 
an den Kaiserlichen Secretär, Johannes Marcus, 
Propst von Hildesheim, amico uni ex paucis, wie er 
angeredet wird, das in den meisten Handschriften 
dem Ende des Werkes angehängt und nur in den 
Codd. C. c. ausgelassen ist. In diesem Brief 

1) Vgl. Göttinger Nachrichten 1880. S. 147. 



321 

wird der Magister Johannes gebeten das Werk 
dorehznsehii und, wenn er damit zafrieden, es 
dem Kaiser zn überreichen. Winkelmann S. 508 
identificirt die Persönlichkeit mit dem in Ur- 
konden der Jahre 1212 und 1213 erscheinenden 
Johannes prepositns Werdensis, d. imp. clericas, 
wahrend Johannes Marens nar von 1201 — 1204, 
yielleicht bis 1206 Domprobst in Hildesheim 
war. Waren beide ein und dieselbe Person, so 
hätte sich Gervasius aus weiter Ferne an den 
alten, ihm von früher her bekannten Titel ge- 
halten, für den auch im Mai 1210 ein einfacher 
magister Johannes Marcus d. imp. clericus in 
Betracht kommt. Vgl. jetzt ßegesta Imperii V, 1- 
Otto IV. N. 401. 487. 491. 493. 

Zweck und Charakter des Werks, ich möchte 
sagen, der innocentische Zeitgeist, der es durch- 
weht, erhellt schon aus der langen Vorrede oder 
besser Zuschrift an den Kaiser, die von der Üeber- 
tragnng des ßegnum und des Sacerdotium han- 
delt und reichlich mit Bibelstellen durchflochten 
ist. Jedes der drei Bücher (decisio) zerfällt in 
Capitel (tituli), deren Verzeichniß dem Buche 
vorangestellt im Einzelnen in den Rubriken 
wiederkehrt. Doch sind in dieser Beziehung die 
Handschriften von Willkür und Abweichung be- 
herrscht. In keiner einzigen, so viel ich finde, 
sind die Capitel beziffert, so daß es rathsam ist 
nicht nach den erst von Leibniz seiner Ausgabe 
heigesetzten Zahlen zu citiren. Die erste Decisio : 
Von der Erschaffung der Welt und den Erz- 
vätern ist, wie Liebrecht in seiner Auswahl aus 
der Gervasius von Tilbury Otia Imperialia p. IX 
nachweist, großentheils aus der Historia Scho- 
lastica des Petrus Comestor ausgeschrieben, ohne 
daß derselbe auch nur ein einziges Mal bei Na^ 
men erwähnt wäre. Die zweite Decisio, wesent» 



322 

lieh weltgeschichtlichen und geographischen 
Inhalts, zeigt den Verfaßer in der That als einen 
Mann von ausgedehnter Belesenheit in einer 
beträchtlichen Anzahl klassischer, kirchlicher 
und mittelalterlicher historischer Autoren. Wie 
die Mirabilia urbis Romae, so hat er in beson- 
derer Form den zwischen 520 und 530 schrei- 
''benden Theodosius de situ terrae sanctae benntzt. 
So eben hat J. Gilde meister in Bonn nachge^v^ie- 
sen, daß ihm die dritte Recension dieser Schrift 
vorlag. Zu den von Liebrecht zusammengestell- 
ten Angaben füge ich noch hinzu, daß dem Ger- 
vasius von Chronisten auch Hugo von Fleury, ein 
Yerzeichniß der Provinzen der abendländischen 
Kirche sammt ihren Suffraganen in Gestalt einer 
Mappa mundi und eines Bomane ecclesie regt- 
strunty cuiti^ de verbo ad verbum habuimus zu 
Gebote standen, worüber die Mittheilungen p. 
956, auch archivi domini pape II, p. 760 an sich 
schon merkwürdig sind. Den alten Kanonisten 
verräth die Bezugnahme auf die Gesetze nnd 
eine Roncalische Constitution Barbarossas p. 904. 
942 und auf die Decretalen in der Vorrede, und 
p. 956. 973. Zu der dritten Decisio werden aus 
aller Welt, aus alter und neuer Zeit, aus den 
verschiedenartigsten Literaturen, ganz besonders 
aber doch aus Ländern, die dem Verfasser per- 
sönlich bekannt waren, England, Italien, Süd? 
frankreich, aus eigener Anschauung und nach 
Mittheilung zuverlässiger Freunde, Hunderte von 
Mirabilien, darunter viel Mährchen und Volks- 
aberglauben zusammengelesen , von denen Lie- 
brecht das Meiste seinen auch im Text wesent- 
lich verbesserten Auszügen einverleibt hat. Man 
könnte das Werk eine Encyklopädie nennen, die 
alles Mögliche an den Faden einer lockeren Ent- 
wicklung anhängt uud der auch der ungelenke, 



323 

abspringende Stil des Verfassers entspricbtf 
wenn er nicht alle drei Bücher mit der aus- 
gesprochenen Tendenz durchweht hätte den 
gebannten nnd mit dem großen Papste über- 
worfenen Kaiser zu zerstreuen, zu belehren und 
wo möglich wieder zu einem gehorsamen Sohne 
der heiligen Kirche und ihres mächtigen Haupts 
zu bekehren. An zahllosen Stellen wird Otto, 
namentlich wenn es seine besondere Aufmerk- 
samkeit gilt, direct .angeredet als princeps, 
princeps excellentissime, yenerande, serenissime, 
christianissime, sacratissime, imperator anhuste, 
imperator et domine serenissime. Die Sorge 
für das Seelenheil des hohen Herrn treibt den 
Verfasser immer wieder Erzählung oder Be- 
trachtung zu unterbrechen und anspielend auf 
die mißliche Lage der Gegenwart in ihn zu 
dringen, daß er sich, da nun einmal Priester- 
thum und Königthum auf ihre Eiuheit in Christo 
znrückgehn, dem Spruche seines Statthalters auf 
Erden unterwerfe. Verumptamen in summo pon- 
tifice, velut primi Äaron successore summiqtte 
sacerdotis Christi vicario Fetrique herede, pleni- 
tudo viget potestatis lautet der Text, den die 
Vorrede predigt. Das hat Constautin durch die 
Schenkung an Silvester und der Karolinger dar- 
gethan, der einst monitu Gregorii iunioris pape 
sich von der Herrschaft der Griechen lossagte. 
Der Papst allein hat seit Karl dem Großen das Reich 
an Rom geknüpft: sicut a solo DeoGrecorum pen- 
det imperium, ita a sede tantum Romana papa 
occidentis asserit pendere imperium p. 941. Zwar 
wählen die Deutschen Fürsten den Kaiser, aber 
der Papst bestätigt und weiht ihn. Beneficio 
pape regi nunc Teutonum et non Francorum 
debetur imperium. Nee cedit imperium, cui vult 
Teatonia, sed cui cedendum decrevit papa. p. 944. 



324 

Zwar mochte Gerrasias dennoch die beiden Ge- 
walten getrennt halten und anch Gehorsam gegen 
die iura imperii einschärfen, doch gehen die 
geistlichen Gebote stets den fleischlichen vor, 
que militant adversus animam p. 973. Nicht 
minder läßt er gegenüber der Wahl das Erb- 
recht gelten wie bei den Normannen in England 
und Sicilien. Das Erbrecht Otto*s zumal geht 
zurück auf Lothar III., proavus tuus . . . piissi- 
mns . . . qui sicut ab Innocentio consecratos 
ita devotus et innocens *erga Bomanam semper 
extitit ecclesiam p. 942; Imperium, quod longo 
tempore intermissum et post electionem confir- 
mationemque relapsum pereque sanctissimus tibi 
jeddidit Innocentius, p. 944. Gott hat die Fülle 
der alten Eaiserwürde in ihm vereinigt, dnm, 
ex genere oriundus imperiali, duplicis electionis 
et papalis confirmationis stolam meruisti p. 941. 
Darum beschwört er ihn aber um so tbeuerer, 
seinem Consecrator nicht zu widerstreben und den 
Leumund zu widerlegen, der ihn schon der Un- 
dankbarkeit anklagt, denn er vergibt ja Nichts 
von dem Seinem, wenn er dem Petrus läßt, was 
ihm gehört. Er ertheilt dem Kaiser den Ratb, 
als kluger Sohn eines gütigen Vaters sein Schwert 
gegen diejenigen Völker zu kehren, die ihn nicht 
kennen, ad gentes, que te non noverunt p. 941, 
das sind die Griechen, deren Herrschaft allein 
von Gott abhängt, auf deren Unterwerfung 
Otto an der Hand seiner Gemahlin nach Ansicht 
des Verfassers ein Anrecht und seltsamerweise 
immer noch eine Aussicht haben soll.^) Mitunter 
scheint ihm freilich selbst vor der Rechtgläubigkeit 
Qtto's zu grauen, der, obwohl gebannt, der Messe 
beiwohnt und mit seinem Verwandten, dem 

1) Vgl. hierzu Winkelmann S. 292. 



325 

finden Baimand VI. von Toulouse, dem Haupte der 
Albigenser, in engem Bund verharrt, p. 94*. 978. 

Man wird sich nicht darüber wundern dürfen, 
daft der Diener und Marschall Kaiser Otto*8 lY, 
solchen Grandsätzen huldigt, wenn man Her- 
kunft und Vergangenheit des Gervasius festhält. 
Was er in Bologna gelernt und gelehrt stammt 
nicht von jenen Legisten, die einst auf den Bon- 
caliaehen Feldern Friedrich I. zur Seite stan- 
den, sondern von dem Decretisten Alexander UI. 
Auch der Hofdienst bei Wilhelm II. mochte nicht 
ohne Einwirkung auf den orthodoxen Engländer 
geblieben sein, nachdem er bei den Provenzalen, 
eiü entschiedener Feind der benachbarten Häre^ 
sien-, ein Würdenträger der Staatsgewalt, die 
iWn fast abhanden gekommen , seine zweite 
Heimatfa gefunden hatte. Man wird nicht über- 
übersehen dürfen, daß er nur vom Arelat aus 
die allgemeinen Dinge betrachtet und, während 
er mit keiner Silbe des jungen Friedrich oder 
des Sieges Philipp Augusts gedenkt, in seinem 
abenteuerlichen Gedankenfinge es noch für mög- 
^^^ hält, daß Otto IV. mit dem Papst Frieden 
mache, im burgundischen Reiche die königliche 
Gewalt wieder aufrichte und über Flandrer und 
Nicäner hinweg die Kaiserkrone von Byzanz 
davon trage. 

Keine Frage, daß die hierarchische Grund- 
anschauung des Verfassers seinem Eaiserbnche 
^^e weite Verbreitung eröffnete. Autoren wie 
Martin von Oppau, ein Interpolator des Speculum 
^orale des Vincentius Bellovacensis , Dietrich 
J^on Niem, Boccaccio de Genealogia deorum 
haben ihn benutzt. Aus dem Jahre 1373 ist 
^fle französische Uebersetzung unter dem Titel: 
^vetea des empereurs nachgewiesen, Liebrecht 
P*^. Eine andere von JeandeVigny befindet 

25 



326 

sich ia der Ashburnham Bibliothek, Ms. Bar- 
rois 19. saec. XIV. Eine bedeatende Anzahl 
von Handschriften ist erhalten^) und großen- 
theils wenigstens auf ihr Alter untersacht. 
Daraus ergiebt sich, daß die meisten dem 14. 
und 15. Jahrhundert, kaum mehr als eine dem 
Ende des 13. angehören , nicht eine bis an die 
Zeit des Verfassers hinanreicht. Alle ohne Aus- 
nahme sind flüchtig von Copisten geschrieben, die 
dem polyhistorischen Gervasius wenig gewach- 
sen waren. An ßeconstruction eines archetypos, 
und selbst an Einordnung in feste Glassen ist 
nicht zu denken. Dagegen deuten Anzeichen 
verschiedener Art, namentlich auch orthogra- 
phische fast überall auf südlichen, provenzali- 
sehen ' oder italienischen , Ursprung. Bei den 
von mir zusammengestellten Auszügen haben die 
folgenden Codices Dienste geleistet: 

a. Ms. Gotton. Vespasian E. IV, saec. XIV, 
ineunte in Quart, „die gedankenlose Gopie einer 
guten Vorlage^ ^ ist von F. Liebermann verglichen, 
s. Neues Archiv IV, S. 19, der den Godex für 
italienischer Herkunft hält. Derselbe ist in 
manchen Stücken, namentlich was Wortstellung 
und süd-europäische Schreibweise des Latein be- 
trifft, beachtenswerth. Er ist vollständig frei 
von Lücken und Interpolationen, führt höchstens 
die Bibelstellen nur mit Initialen an. Einst für 
Leibniz unzugänglich und auch von Liebrecht 
nicht benutzt, ist er noch zu keiner Ausgabe 
herangezogen. 

B. einst Ms. Bigot, heute Paris 6488 fol., 
aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, von wel- 
chem Leibniz SS. rer. Brunsvic. II, p. 751 

1) Hardy, Catalogue III, p. 25 verzeichnet freilich 
gar keine. 



327 

durch den Oratorianer Pater Le Long Gollation 
und namentlich Ergänzung einer bedeutenden 
Lücke in den Vorlagen zu seiner Ausgabe er- 
hielt. Mir steht eine vollständige vor Jahren 
Ton Achille Ghardin für die Monumenta Germ, 
bist, besorgte Collation zur Verfügung , welche 
die Angaben bei Leibniz vielfach ergänzt, aber 
bei guten Lesarten doch auch manche Flüchtig- 
keiten aufdeckt. Etwa drei Blätter des dritten 
Buches (Leib. I, p. 969 — 971) sind diesem Codex 
ausgeschnitten. Er ist, was man aus Leibniz 
nicht erfahrt, von späterer Hand mittels Rasur 
und Marginalnoten durchcorrigirt. Auch begegnen 
meist irrelevante Interpolationen, gegen das Ende 
besoaders aus den Dialogen Gregors des Großen. 
C. der für Leibniz verglichene Colbertinus, beute 
Paris 6703, saec. XIV und nicht XV, wie Miche- 
lant bei Liebrecht p. XIII. angiebt, 181 Perga- 
mentblätter in Qaart und Ooppelcolumnen zu 
31 Linien, ist mir freundlich zur Vergleichung 
anvertraut worden. Andeutungen der Herkunft 
sind nicht vorhanden; orthographische Eigen- 
heiten wie Tspania, cisma, ciritheca, eunucus 
weisen nach Südfrankreich. An vielen Stellen 
hat eine zweite Hand auf Rasur geändert. Die 
von Leibniz ll, 779 angemerkte, von Liebrecht 
p. XIV aus dem Speculum naturale des Vincen- 
tins nachgewiesene umfangreiche Interpolation 
steht fol. 117b— I28b, worauf eine halbe Seite 
und fol. 129 leer bleiben. Das Werk schließt 
fol. 181 mit Explicit liber de mirabilibus mundi, 
qui aUas imperatoris solacium nominatur. Deo 
gracias. Der Brief des Gervasius an den Ma- 
gister Johannes Marcus fehlt. 

c. Ms. Paris 6479, saec. XIV, fol. 190 Mem- 
brane. Text in 2 Golumnen zu 45 Zeilen mit 
prunkenden Initialen, bisher unbenutzt, gleich- 

25* 



3^ 

fftll» Yon mir verglichen. Der Text des Gervar- 
siue reicht bis fol. 145. Auf fol. 145b sind zwei 
datirte Schreiben eingetragen des Johann de 
Armagnac Grafen von Convenae Sti Bertrandi 
an Karl Visconti, Sohn Bernabo's von Mailand, 
Lectore 10. August, 1383, und des Priors 
von Lectore an den Cardinal von Limoges, 
1. August 1383, wonach die Handschrift dem 
Kloster Lectoure Departement Gers angehört 
haben wird. Fol. 146 — 171 folgen Pontifices 
Bomani nach Martin bis zu Johannes XXII 
herab, fol. 172, 173, 174 sind unbeschrieben. 
Auf fol. 174b stehen zehn Strophen geistlicben 
Inhalts in südfrauzösischer Mundart mit der No- 
tiz am Bande: Peyrat me fetz. Auf fol. 175 
bis 189b folgen die Imperatores Bomani bis zn 
Ludwig IV. Auf fol. 190 endlich findet sich 
ein langes Schreiben von Johannes permissione 
divina fid. . . . [archiepiscopus] an G. de Podio 
presbiter Anxitane diocesis. Datirt in loco no- 
stro Monte alto Bemen. dioc. 4. Mai 1872; 
also von Jean de Craou Erzb. v. Beimsl355 — 
26. März 1373. Der Codex, welcher für die Otia 
nahe Verwandtschaft mit C, einigermaßen auch 
mit B zeigt, ist von flüchtiger Hand geschrie- 
ben, die bisweilen ganze Zeilen übersprang. An 
vielen Stellen hat eine andere Hand radirt und 
noch schlechtere Lesart eingetragen. Gegen das 
Ende begegnet nur leerer Baum für die bis da- 
hin roth und blau abwechselnden Initialen der 
Capitel. Fol. 145 zu Ende der Seite heißt 
es: Exitus Operis. Epistola de presentando libro 
domino imperatori. Statt des Briefs aber steht 
kleiner und in hellerer Tinte: Finito libro sit 
laus et gloria Christo. 

Leibniz II, p. 751 hat noch aus einem Be- 
gius (B) und aus einem zweiten Colbertinus (D) 



329 

Lesarten beigebracht. Vier andere Pariser Co* 
dices des 15. nnd selbst 17. Jahrhunderts führt 
Liebrecht p. XIII an. 

b. Ms. Bodl. CanoD. Miscell. 53, saec. XIV 
in Quart, ist für die erste und einen Tbeil der 
zweiten Decisio von F. Lieber mann collataonirt, 
woraus Verwandtschaft eher mit C ak mit a, aber 
auch wieder südlicher Ursprung hervorgeht. 

G. Ms. Quelferb. 481, saec. XIV, 88 Mem- 
brane in Quart, die Handschrift, welche der Aus- 
gabe YonLeibniz SS. rer. Brunsvic. 1, p. 881 fiF. 
m Grunde liegt, von mir noch einmal ver- 
gliehen. Zwischen fol. 22 und 23 hat der sehr 
onaufmerksame Schreiber, welcher seine Vorlage 
nur mit Mühe las und wiederholt Wörter und 
ganze Zeilen derselben unterdrückte, das Ende 
der ersten nnd den Anfang der zweiten Decisio 
aosgelassen. Die Lesarten zeigen mehr Hin- 
neigung zu a, als zu B oder C. Die Orthogra- 
fhie ist ebenfalls die südliche. Kleine Bisse von 
'arthagü, Constantinopel, London sind roth an 
den Rand gezeichnet. Der Codex scheint nach 
Helmstädt aus England gekommen zu sein, denn 
fol. 86b steht von einer Hand des 15. oder 16. 
Jahrhunderts: father mother, fol. 87: ffatker and. 
Auf dem Schmutzblatt steht vielleicht von Bale's 
Hand: Gervasius Tilberiensis, sed neque Trico- 
kmnus vel de triplici statu regni Anglie viz. 
de statu ecclesie, regis, populi neque de institu- 
tione Scaccarii regis, die seit Madox explodirte 
Hypothese, daß Gervasius der Verfasser des 
Dialogus de Scaccario gewesen sei, s. Lieber- 
manns Dissertation p. 12. Eine andere Hand 
fngte hinzu: Item de trän situ beate virginis et 
discipulorum gestis. Eiusdem liber Facetiarum. 
Auf fol. 1 notirt eine Hand des lt. Jahrb.: De 
otiis imperialibus per Gervasium Tilberiensem Ne- 



330 

potem Henrjci ü. regia Anglie: Bale: 250. Auf 
fol. 88 steht der Brief an den Magister Johannes 
Marchas, darauf: hie liber est seriptas qni scri- 
psit sit benedietns. Explicit opus istud. Deo 
Gratias. 

Auf fol. 88b: Inspice mentem discnte mores 
acta revolve. 

Semper ab hiis et in hiis potes cognoscere 
qnis sis. Non dampnatur omnis qni cecidit set 
qni post casum resurgendi propositum non as- 
snmit. Solem de celo tollere yidentur qni ami- 
ciciam e vita toUunt. Amicus secnrus non red- 
ditur nisi cum de amici constancia recreator. 
Ibi quilibet devocionis obsequium debet tribaere 
unde principium noscitur affluxisee. 

g. Coli. Corp. Chr. Cantab. 414. saec. XIV 
exeuute hat dieselbe Lücke wie Q und hat einst 
Leibniz in Collation für seine ursprüngliche 
Ausgabe vorgelegen. Liebermann, Neues Ar- 
chiv IX, S. 19 hat Einiges- Tür mich notirt. 

V, Ms. Christ. 707 im Vatican saec. XIV, 
wonach Stevenson^ Baduipbi de Coggeshal] Chro- 
nicon Anglicanum p. XXIX — XXXIf leider nur 
kleine Auszüge aus der Vorrede, dem dritten 
Buch und p. 419 ff. die Angaben über Britan- 
nien im zweiten Buch abdruckt. Sie genügen 
indeß um Aehnlichkeit mit a. zu erkennen. 
Stevenson hat ferner Ms. Barberini 874, jetzt 
XXXIII, 131, saec. XV, als aus Frankreich 
stammend angemerkt. Außerdem sind noch 
Vatican 229 und 993 im Archiv XII, S. 219. 
229 verzeichnet. 

I, Ms. Coli. St. Joh. Cantab. J. II, »ein 
stückweise und sehr schlecht abgeschriebener, 
ungeordneter, unter dem Titel Image mundi 
versteckter Gervasc, s. Liebermann Neues Ar- 
chiv IV, S. 19, der mir seine Collationen und 



331 

Aaszüge mitgetheilt hat, und Paul Meyer, Ro- 
maDia VIII, p. 336. Dies eigeuthümlich inter- 
polirte Exemplar ist nach der Mitte des 14. 
Jahrhunderts unter Heinrich III. in England von 
mehreren Händen zusammengeschrieben, als das 
Land vom Bürgerkriege so mitgenommen war: 
quod vix vel raro propter scisma erigetur in 
statnm pristivum. Der Codex steht in seinen 
Lesarten b näher als a. Der Interpolator hat 
den Ausgang der Hohenstaufen hinzugefügt bis 
rar Krönung Karls von Änjou. Wo Gervasius 
von sich selber redet, wird stets Galfridus de 
Tilliberia citirt, z. B.: 

Leibniz I, p. 997: Cod. I. 

Sacerdos arctioribus quae- Sacerdos arcioribus que- 
stionibns invigilat et, quia etionibus invigilat et, quia 
nobis plarimum extitit com- vohist itnperaior, plurimum 
mendatus et familiaris, extitit comendatus et fami- 
qoaestioDes vaiias Uli pro- liaris, qneBtiones magütri 
ponit, ut solvaty ex cuius Galfridi de Tillüteria tunc 
oie fiub attestatione et di- marescaili sub Otone 1 V, in 
Tini nominis obtestatione imperio regni ArelatenaU 
sripsi qaae dictito. proponit, nt solvat, ex cuins 

ore Bub attestatione scripsi 

que dictito. 

Zu den noch unbekannten Codices gehören 
N. 18120 der Phillipps Handschriften in Chel- 
|»nliam, N. 1136 der burgundischen Bibliothek 
in Brüssel fol. Papier vom Jahre 1454 und Ley- 
den Nr. 15, fol. Papier saec, XVII. 

Gedruckt wurden zuerst Auszüge aus dem 
zweiten Buch über die Könige der Franken und 
Englander bei Duchesne Hist. Franc. SS. HI, 
p. 363—374. 1640. Dann folgte Maderus, Ger- 
^arii Tilberiensis de imperio Romano et Gottorum, 
Lombardorum, Brittonum, Prancorum, Anglo- 
i^mque regnis commentatio ex ipsius Otiis im- 
perialibus ad Ottonem IV. imperatorem nunc 



332 

primiim edita, Helmesiadii 1673. 4^ mit einem 
Abdmck der Vorrede, der historischen Ab- 
schnitte des zweiten Baches und des Briefs an 
Msf^. Johann ans der Wolfen battler Handschrift. 
Endlich erschien das Ganze bis auf die Lück^ 
d^ Codices G. g. von Leibniz yollsiÄndig^aber 
doch an rielen Stellen noch sinnlos herausge- 
geben oder stillschweigend emendirt in den SS. 
rer. Bmnsvic ], p. 881 ff. 1707, womit II, 
p. 751 ff. die wichtigen Ergänzungen and 
Collationen ans vier Pariser Handschriften, 
§. LXUl in der Einleitang zum ersten Band 
nnd der Index p. 85 im dritten Band zu ver- 
binden sind. Bonqaet IX p. 45, XI p. 317, 
XIV p. 13- wiederholte Einiges nach Leibniz. 
Einen wesentlichen Fortschritt in der Textkritik 
zeigt: Des Gervasias von Tilbury Otia Impe-- 
ri^ia. In einer Aaswahl nea herausgegeben 
and mit Anmerkungen begleitet von Felix Lie- 
brecht, Hannover 1856, obgleich es ihm im 
Gegensatz zum geschichtlichen Stoff nur auf 
Mährchen und Sage ankommt. 

Zu den Erläuternngsschriften gehören außer 
den angeführten : Histoire Litteraire de la France 
XVn. p. 82; Wright, Biographia Britannica 
Litteraria II, p. 288. B. Ten Brinck, Englische 
Literaturgeschichte I, p. 230. 



333 

Nachtrag zu den Mittheilnngen ,,über 
die Sitzlingsprotokolle der preußi- 
schen interimistischen Landesreprä- 
sentation 1812—1815*'. 

(Vgl. Naobrichten von der Kgl. Gesellschaft der Wissen- 
Bchaffcen und der Georg -Augusts -Universität su G<&t- 

tingen Nr. 1, 1882.) 

Von 

Alfred Stern, 

Professor an der Universität zu Bern. 

Die Qüte des Herrn Eisner von Qronow^ 
Hauptmannes a. 0., Landesältesten u. s. w. zn 
Kalinowitz in Oberschlesien setzt mich in den 
Stand, zu der Arbeit, welcher die Königliche 
Gesellschaft der Wissenschaften die Ehre der 
Aitfnahme in Nr. 1 ihrer Nachrichten d. J. 1882 
erwiesen hat, einige Zusätze zu machen, die der 
VerofiPentlichung um so weniger nuwerth er- 
seheinen dürften, als sie dazu dienen können das 
Andenken eines sehr Terdienten Mannes zu er* 
neaern. Herr Professor Böpdl in Breslau machte 
mich darauf aufmerksam, dafi Herr Eisner yon 
Gronow zu Ealinowjtz, ein Sohn des in den 
Sitzungsprotokollen der preußischen interimisti- 
schen Landesrepräsentation so häufig erwähnten 
Be{Mräsentanten der oberschlesischen Städte, im 
Besitze Ton Eopieen jener Protokolle sei, die 
ans dem Nachlasse seines Vaters stammen, und 
Herr Eisner von Gronow selbst gab mir nicht 
nur über das Leben seines Vaters und die von 
ihm hinterlassenen fraglichen Manuskripte höchst 
erwünschte Auskunft, sondern hatte die außenv 
ordentliche Gefälligkeit mir einen großen Theil 
jener handschriftlichen Sammlungen zur Be- 
nutzung anzuvertrauen. 

Einige biographische Notizen, die ich Herrn 
Eigner von Gronow verdanke, mögen zuerst hier 



334 

eine Stelle finden. Wilhelm Ferdinand Elsner 
war am 28. Januar 1786 geboren. Er hatte in 
Prankfurt a. 0. Jurisprudenz studirt, war mit 
zwanzig Jahren Bergrichter in Tarnowitz und 
mit yierundzwanzig Jahren Landschafts-Syndicus 
zu Ratibor geworden. Im Jahre 1806 war er 
in das zweite schlesische Regiment eingetreten 
und hatte mit diesem den Kampf in der Oraf- 
schaft Glatz mitgemacht. Seine Thätigkeit in 
der interimistischen Nalionalrepräsentatipn^ in 
die ihn das Vertrauen der oberschlesischen Städte 
berufen hatte, wurde durch den Beginn der Be- 
freiungskriege unterbrochen. Elsner setzte sein 
ganzes Vermögen zu, indem er nicht nur selbst 
ohne Sold diente, sondern noch drei freiwillige 
Jäger ausrüstete, weswegen ihn Gustav Freytag 
in seinen Bildern aus der deutschen Vergangen- 
heit (Band 4, S. 411) mit Recht als ein hervor- 
ragendes Beispiel des aufopfernden Patriotismus 
jener glorreichen Tage anführt. Im achtzehnten 
Regimente betheiligte er sich an den Schlachten 
von Dresden und Kulm und erhielt das eiserne 
Kreuz. Wie die Akten ausweisen, trat „Hertr 
Elsner, Lieutenant vom 6. Reserve - Infanterie- 
Regiment*' am 16. März 1814 in die interimi- 
stische Nationalrepräsentation während ihrer 
zweiten Sitzungsperiode wieder ein. Im Früh- 
ling des Jahres 1815 riefen ihn die Ereignisse 
aber wieder in's Feld. Er brachte am 7, April 
noch jenen hochwichtigen Antrag durch, den 
Staatskanzler zu bitten »die Ausarbeitung und 
Ausführung der allergnädigst versprochenen 
Landesverfassung durch die neuen Ereignisse 
nicht unterbrechen zu lassen, vielmehr die Ein- 
führung einer definitiven Landes-Repräsentation 
nach Möglichkeit zu beschleunigen.« ') In der 

1) Ich habe leider erst nachträglich erfahren, daß 



335 

170. Sitzung wurde sein Abschiedsschreiben an 
seine Kollegen verlesen. 

Eisner führte in der Schlacht bei Belle- 
AUiance die vierte Compagnie seines Regimentes 
nnd wurde an diesem Tage verwundet. In Folge 
seines energischen Auftretens in der interimisti- 
schen Nationalrepräsentation hatte Eisner als 
Beamter nicht auf die Gunst der höheren Be- 
hörden zu rechnen. Er wurde zunächst inquisitor 
publicns in Brieg, dann aber wegen seines or- 
ganisatorischen Talentes bei der Generalkommis- 
sion far Schlesien angestellt. Aus dieser schied 
er ans, weil er mit dem Verfahren ihres Prä- 
sidenten nicht einverstanden war und wurde 
Landwirt, in welchem Berufe er Ausgezeichnetes 
leistete. Die Bewegung von 1848 griff ihn sehr 
an, am 6. April des genannten Jahres machte 
ein Schlaganfall seinem Leben ein Ende. 

Die aus seinem Nachlasse stammenden Pa- 
piere , welche sich auf seine Thätigkeit als Re- 
präsentant der oberschlesischen Städte beziehen, 
sind in mehrfacher Hinsicht lehrreich. Ein Heft 
mit Auszügen aus den Geschäftsordnungen parla- 
mentarischer Versammlungen, wie des englischen 
Parlamentes und des Kongresses der Vereinigten 
Staaten, beweist, mit welchem Ernste Eisner, 
nnd dies auch später noch — denn manche die- 
ser Auszüge stammen aus der Zeit nach 1815 
— sich mit der formellen Seite der Aufgaben 
eines Nationalrepräsentanten vertraut zu machen 
suchte. Ein anderes Konvolut enthält eine An- 

H. M. Eisner von Gronow die damals gehaltene Bede 
seines Vaters i. J. 1848 in der Schlesischen Zeitung 
^t abdrucken lassen und bedauere, daß ich dies auch 
in Westermann's Monatsheften (Mai- Heft 1882), wo ich 
die ganze Debatte yeröffentliche» nicht mehr habe er- 
wähnen können. 



336 

zahl Yon DokameBten, die sich auf Eisners Wahl 
beziehen, seine Korrespondenz mit den Behördeü 
in Original und Koncept, Aktenstücke, welche 
die Auszahlung der von den Wählern aufzubrin- 
genden Diäten betreffen u. a. m. Charakteri- 
stisch für die Theilnahme, welche der ersten ge- 
wählten Versammlung preußischer Bepräsentan- 
ten entgegengebracht wurde, sind die Entwürfe 
von zwei Schreiben der städtischen Wahlver- 
sammlung an den König und an den Staats- 
kanzler dd. Neisse 10. April 1812. Auch der 
Briefwechsel Eisners mit seinem Stellvertreter, 
dem Bürgermeister Meridies in Falkenberg, der 
sich zum Theile erhalten hat, bietet manches 
von Interesse. Man erhält beim Durchlesen 
dieser Aktenstücke den Eindruck, daß der Eifer 
der Repräsentanten und ihrer Wähler doch 
nicht überall so schnell erlahmte, wie Herr von 
Treitschke in seiner Deutschen Geschichte im 
neunzehnten Jahrhundert, s. Band 1, 2. Auf- 
lage, S. 378 es annimmt. 

Sodann aber finden sich Abschriften von 
Protokollen der interimistischen National-Reprä- 
sentation vor^ zum Theil von Eisners, zum Theil 
von anderer fland, nicht selten mit nachträg- 
lichen Korrekturen Eisners versehen, viele sogar 
doppelt, andere nur im Auszug. Häufig findet 
sich am Ende die Notiz: »Dem Originale gleich- 
gemacht«, oder »mit dem Originale gleichlau- 
tend, Eisner«, oder eine ähnliche Bemerkung. 
Die Beihe ist nicht ganz vollständig, durch die 
wiederholte Abwesenheit Eisners, der gegen den 
Feind zu Felde zog, werden die Lüoken theil- 
weise erklärlich. Bisher haben sich von der 
ersten Sitzungsperiode d. J. 1812 und 1813 zwar 
die ersten 85 Protokolle doppelt und die übrigen 
bis zur 107. Sitzung im Auszuge vorgefonden, 



337 

dßjiaeh aber nar die Protokolle des 124. bia 
129. SiUmig. (29. Jajiaar bis 3. Febraar 1813). 
Yen der zweiteia Sitzungsperiode sind die fünf 
ersten Protokolle (21. Febraar bis 2. Mars 1814) 
nur im Auszüge vor banden, die äbrigen aber^ 
ansfubrlicb mit Ausnahme derer der 46. bis 49. 
Sit&ong, die abhanden gekommen zu sein: sehei- 
nen. Einige Protokolle, wie die der 43., 44., 
50. Sitzang liegen wieder in doppelter Gestalt 
Tor, für- mehrere Sitzungen scheint Eisner selbst 
während der Berathung sich kurze Aufzeich- 
nungen gemacht zu haben, wie mau unter sei- 
nen Papieren denn auch auf Versuche stößt 
eine Zeichenschrift, vermuthlich eine Art von 
Stenographie, anzuwenden. 

Elsner wurde am 26. November 1812, in der 
101. Sitzang der ersten Sitzun^periode zum 
Censor der Versammlung gewählt, während der 
zweiten Periode bekleidete er nach dem Proto- 
kolle der 85. 86. 92. Sitzung zeitweise das Amt 
eines Sekretärs. Aber abgesehen hiervon brachte 
er ein lebhaftes Interesse dafür mit, daß die 
Verhandlangen genau fixirt und in weiteren 
Kreisen bekannt würden. Die Protokolle er- 
geben, auf welche Hindernisse die Versuche 
stießen^ das Publikum und insonderheit die Wäh- 
ler mit dem Gange und den Resultaten der De- 
batten bekannt zu machen. In der Versamm- 
lung selbst raffte man sich während der zweiten 
Sitzungsperiode nur zu dem Beschlüsse auf, Aus- 
Züge aus den Verhandlungen, ohne Nennung 
von Namen und mit bedingter Publicität drucken 
zu lassen. Ein solches Blatt, obwohl es einer 
besondern Gensur unterworfen war, schien aber 
einem der Repräsentanten, dem Fürsten von 
Hatzfeld, noch zu gefährlich, weil sein Inhalt 
»die Köpfe erhitzen und ein schädliches Streben 



-^ 



838 



der Gesetzgebung mit dem Urtheil yorzDeilen 
im Publikum erregenc könnte. Man erwiderte 
ihm zwar, daß diese Auszüge unmittelbar nur 
für die Kommittenten bestimmt seien, die v^ohl 
ein unleugbares Recht hätten, durch die Ton 
ihnen gewählten und remunerirten Repräsentan- 
ten Yon den in der Versammlung vorkommenden 
Gegenständen eine wepigstens allgemeine Kennt- 
niß zu erhalten, daß die Regierung sich von je* 
her über die Besorgnis erhaben gezeigt habe, 
daß Ideen über Angelegenheiten des Staates und 
der Gesetzgebung unter dem Publikum verbrei- 
tet, nachtheilige Bewegungen im Volke hervor- 
bringen könnten u. s. w. Aber im Laufe meh- 
rerer Monate erschienen nur zwei Nummern 
jener gedruckten Auszüge, bei der Vorbereitung 
einer dritten Nummer erhob die Censurbehorde 
Schwierigkeiten, und in einer lebhaften Debatte 
vertraten mehrere Mitglieder die Ansicht, man 
solle den Druck des Blattes überhaupt' auf- 
geben. ^) Sie blieben freilich in der Minorität, 
man beschloß zunächst sich wegen der Gensurfrei- 
heit an den Staatskanzler wenden zu wollen, und 
am 17. September 1814, als ein Schreiben Harden- 

1) Herr von Zastroto bemerkte a. a. man habe 
durch das Blatt das Than der Versammlung vor den 
Kommittenten rechtfertigen wollen, ,,die8 wäre jedoch 
gar nicht möglich, wenn wir blos das drucken lassen 
könnten, was die Censurbehorde genehmigte*'. Noch 
stärker H. v. Knobelsdorff: „Wollen wir unser eigenes 
Sündenbekenntniß ablegen? .... Besser ist es, eine 
Sache, die wir zur vollkommenen Reife nicht bringen 
können, ganz unterlassen ** Auch £lsner war schließ- 
lich dieser Ansicht. Auf der anderen Seite meinte 
H. V. Below : Die Nation scheine noch nicht auf der 
Stufe der Kultur zu stehen, daß alles ohne Gefahr mit- 
getheilt werden könne. Er wollte daher wohl eine 
größere Freiheit für den Druck, aber keine unbe- 
schränkte Ceosurfireiheit. Sitzung vom 4. August 1814. 



339 

bergs »betreffend die Ton der Versammlang auszu- 
abende Druckfreiheitc zur Verlesang gekommen 
war, stellte Eisner den vorläufigen Antrag: 
sämmtlicJie Verhandlungen der Versammlung 
dem Drucke eu übergehen^ sofern sie dazu das 
Imprimatur von dem Herrn Minister des Innern 
erhielten. Diesem Antrag scheint jedoch keine 
weitere Folge gegeben zu sein und, außer den 
beiden ersten Nummern von Auszügen der Ver- 
handlungen jener ersten Versammlung von preu- 
ftiscben Bepräsentanten, die heute zu den biblio- 
graphischen Seltenheiten gehören werden, ist 
meines Wissens keine weitere erschienen. 

Daß Elsner jedoch den Gedanken einer Ver- 
vielfältigung der Verhandlungen im Auge be- 
hielt, kann man aus verschiedenen unter seinen 
Papieren befindlichen Blättern schließen, auf 
denen eine Berechnung der durchschnittlichen 
Zahl der Zeilen, Worte u. s. w. angestellt wird, 
Aenßersten Falles blieb hiefür das freilich sehr 
umständliche Mittel einer Verbreitung der De- 
batten durch Abschrift übrig. Auch daran wurde 
gedacht, wie der Entwurf eines Schreibens Els- 
ner's vom 11. April 1815 an seinen Stellver- 
treter beweist. Indem er sich darauf beruft, daß 
er sich eifrig und rücksichtslos mit dem beschäf- 
tigt habe, was nach seiner Ueberzeugung das 
Beste befordern könnte, fährt er fort: ,;Zahl- 
reiche Beweise davon liegen in den bändereichen 
Protokollen über die bisherigen 164 Sitzungen 
dieser Versammlung, deren öfi^entliche, wenigstens 
auszugsweise, Bekanntmachung durch den Druck 
zu bewirken mir und den mit mir gleichgesinn- 
teo National - Repräsentanten alles Bemühens 
ungeachtet, nicht möglich gewesen ist. Es wäre 
des allgemeinen Interesse und meiner Recht- 
fertigung wegen sehr zu wünschen, daß in den 



340 

Archiven disr wichtigeren oherscMesischen Städte 
Gder wenigstens der bedeutendsten ^ namentlich 
der Stadt Neisse^ ein abschrißliches Exemplar 
dieser Verhandlungen aiufdewakrt würde^ und 
ich bedaure nur, daß die betreflfende WjAlrer- 
efammlnug der obersehlesiscfaen Städte hierüber 
keine Bestimmungen getroffBn hat, welche indeß 
annoch nachgeholt werden könnten durch die 
Erklärung der einzelnen Städte, daß sie ent- 
weder ein solches Exemplar auf ihre Kosten für 
sich verlangen oder daß sie darin willigen, daß 
dieses Exemplar auf ihre gemeinschaftlichen 
Kosten beschafft und in dem Archiv der Stadt 
Neisse aufbewahrt werde. Ein solches Exemplar 
würde nach der jetzigen Ausdehnung der Ver- 
handlungen ungefähr^) — Thaler kosten und 
die Beiträge der einzelnen Städte also unbedeu- 
tend vermehren. Ew. Wohlgeboren, als meinen 
Stellvertreter, überlasse ich es, bei den Städten 
zur Annahme dieses Vorschlags zu wirken und 
dabei gefälligst aufmerksam zu machen, daß 
dieses der einzige Weg ist, auf welchem, so 
lange keine vollkommene Oeffentlichkeit der 
Verhandlungen stattfindet, unsere Mitbürger sich 
eine Kenntnis von dem öffentlichen Benehmen 
des aus ihrer Mitte gewählten Repräsentanten 
und die Möglichkeit verschaffen können zu be- 
urtheilen, ob derselbe sich des ihm geschenkten' 
Vertrauens würdig erzeigt hat.« Eisner über- 
sandte zugleich einige Aktenstücke, u. a. die 
Protokolle der 154. und 155. Sitzung vom 13. 
und U.März 1815 (s. Nachrichten Nr. 1, 1882, 
S". 29, 30) aus denen man werde ersehen können, 
»welche Verleugnung aller persönlichen Rück- 
sichten es bedurfte, um den Versuchen die frei- 

1) Bier ist eine Lücke im Entwürfe des Schreibens. 



341 

miiihigeii Aenßeraugen über die wichtigsten 
Gegenstände des Nationalwohls zu unterbrechen, 
mit Kraft entgegenzutreten.« Ebenso legte er 
eine Abechrift des Protokolles der wichtigen 
163. Sitzung vom 7. April 1815 und des an den 
Staatskanzler erlassenen Schreibens der Ver- 
sammlung bei, in welchem, seinem Autrage ge- 
mäft, um Beschleunigung der Ausarbeitung der 
versprochenen Verfassung gebeten wurde. »Das 
letzte endlich erlangte Resultat«, fügte er hinzu, 
>gereicht mir zur größten Beruhigung bei mei* 
nem jetzt durch die Zeitereignisse nothwendig 
gewordenen Austritt aus der Versammlung«. 
Seine Absiebt war, daß sein Brief nebst den 
Anlagen den Magistraten der oberschlesiscben 
Städte bekannt gemacht werde und es ihnen 
anheim zu stellen, den Versammlungen der Stadt- 
yerordneien, »von denen unsere Wahl ausge- ^ 
gaugen ist«, ebenfalls Mittheilung davon zu 
machen. Zu dem Zwecke schlug er vor, Kopieen 
anfertigen za lassen, die dann cirkuliren sollten. 
Möglich ist es, daß Eisner die in seinem Nach- 
laß befindliehen Kopieen zum Theil anfertigen 
ließ, zum Theil selbst anfertigte, von dem Ge- 
danken geleitet, daß sie später in der angedeu- 
teten Weise seinen Wählern zu statten kommen 
and die Grundlage eines dauernden Besitzes für 
dies und jenes Archiv der oberschlesiscben Städte 
bilden sollten. Sein patriotischer Sinn würde 
sich darin aufs neue bethätigt haben. Uebrigens 
scheint sein Vorgehen nicht vereinzelt gewesen 
zn sein. Sein Sohn erinnert sich, von ihm ge- 
hört zu haben, daß sich eine weitere Abschrift 
der Protokolle im Besitz des Grafen Dyhrn in 
Reese witz befinde. 

Einen wie großen Antheil Eisner an den Ar- 
beiten der Versammlung genommen hat und 

26 



342 

welchen politischen Grundsätzen er folgte, wird 
bei einem genaaen Sj^adium der Protokolle yoll- 
kommen klar. Er gehörte entschieden zu Den* 
jenigen, welchen die Einführung des Bepräsen- 
tativsjstems in Preußen als der Schluß - Stein 
der großen Reform galt. So geringe Rechte der 
interimistischen Nationairepräsentation auch ein- 
geräumt waren, so suchte er diese schwachen 
Anfänge einer Volksvertretung auszunutzen, am 
für die Zukunft mehr zu erreichen. Daß der 
Freimuth seiner Rede ihn in Konflikte, wie z. B. 
mit dem Minister von Schrötter verwickelte, ist 
schon in den Nachrichten der Kgl. Gesellschaft 
der Wissenschaften vom 18. Januar 1882 her- 
vorgehoben worden. Mitunter aber waren es 
auch Kollegen, Mitglieder der Versammlung 
selbst, Adlige, welche die Minderung ihrer Privi- 
legien nicht verschmerzen, mit den Reformen 
auf dem Gebiete der socialen Gesetzgebung sich 
nicht aussöhnen konnten, deren heftige Gegner- 
schaft er zu bekämpfen hatte. Seine national- 
ökonomischen Ansichten kennzeichnen ihn als 
einen Anhänger der Ideen, die von England aus 
vorgedrungen, damals auch in Preußen große 
Eroberungen gemacht hatten. Er kämpfte für 
die freie Arbeit und vertheidigte mit Anderen 
in den Debatten die Gesetzgebung seiner Zeit, 
welche in dieser Richtung so tief in die alten Zu- 
stände eingeschnitten hatte, namentlich insofern 
sie der bäuerlichen Bevölkerung zu gute kam. 

Der Raum dieser Blätter, den ich schon all- 
zusehr beansprucht habe, erlaubt jedoch nicht, 
auf Einzelnes einzugehen.^) Möge das Mitgetheilte 

1) Die Redaktion der historischen Zeitschrift hat 
eine größere Arbeit ,,Zur Geschichte der preußischen 
Verfassungfifrage 1807 — 1815" entgegengenommen, um 
sie in einem der nächsten Hefte zum Abdruck zu brin- 



343 

genügen, am auf's nene die Anfmerksamkeit auf 
jene erste BepräsentantenversammlaDg des preu- 
ftischen Staates za lenken nnd keinen Zweifel 
darüber bestehen zu lassen, daß die Papiere aus 
dem Elsner*schen Nachlasse, die von dem der- 
zeitigen Eigenthümer mit solcher Bereitwillig- 
keit zur Benutzung übersandt wurden, ein sehr 
merkwürdiges Zeugnis jener unvergeßlichen Zeit 
bilden. 

Zur näheren EenntniB der zündenden 
Kraft verzögerter Entladungen. 

Von 
W. Höltz. 

Die Beobachtungen, welche ich ehedem bei 
meinen Versuchen über die Analyse elektrischer 
Entladungen machte, wie ich sie im Jahrgange 
1880 dieser Nachrichten S. 345 besprochen habe, 
brachten mich auf den Gedanken, daß die Ver- 
schiedenheit der Partialentladungen einer verzö- 
gerten Entladung auf die zündende Kraft dieser 
wohl einen wesentlichen Einflnß übe , daß also, 
welches auch immer die Gesammtdauer der Ent- 
ladung, eine Zündung doch leichter oder schwe- 
rer erfolge, jenachdem die Zahl ihrer partiellen 
Entladungen größer oder kleiner sei. Ich hatte 
gesehen, daß ich leicht das Eine oder das An- 
dere bewirken konnte, je nachdem ich den ver- 
zögernden Widerstand der Funkenstrecke näher 
oder ferner rücken ließ, oder die sich an letz- 
tere unmittelbar anschließenden gut leitenden 
Flächen verkleinerte oder vergrößerte, weil die 
Entladung dieser keine Verzögerung erfahren 

gen, io der ich wiederholt von den Elsner^scben Pa- 
pieren habe Gebrauch machen können. 



344 

konnte. Es galt jetzt nur zu nutersnchen , wie 
unter sonst gleichen Verhältnisden der solcher* 
gestalt veränderte Entladnngsact sich bezüglicli 
seiner zündenden Wirkung stelle. Es ergab sich, 
was ich vermuthete. Bei gleicher Elektricitäta- 
menge und gleicher Entladungsdauer hängt die 
zändende Kraft wesentlich Ton der Zahl der 
partiellen Entladungen ab. Sie wächst mit die- 
ser Zahl d. h. sie ist um so grofier, je kürzer 
die Gesammtentladung partiell unterbrochen wird, 
je mehr sie continuirlich verläuft. Soll der 
Funke eioer Lejdner Flasche zünden, so ist es 
also am zweckmäßigsten statt eines Wider- 
standes deren zwei von je dem halben Yerzö- 
gerungswerthe anzuwenden und sie beiderseits 
unmittelbar an die fragliche Funkenstrecke an- 
zuschließen , damit sich nur minimale Flächen 
momentan entladen können. So ist es wenig- 
stens bei der Zündung faseriger und pulverarti- 
ger Stoffe, während für Gaszündungen freilich 
im allgemeinen das Gegentheil gilt. Eine ge- 
nauere Besprechung dieser Versuche, welche für 
die Praxis scheinbar nicht ohne Werth sind, 
behalte ich mir an andrer Stelle vor. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

Hau bittet diese VeneichnieBe xvgleicli ab Srnpfangsaueigen aofehes 

ZQ wollen. 



Fortsetzung. 

Zeitschrift für Meteorologie. Bd. XVI. Nov. 1881. 
A. Ereisberg, Index alphabeticus in Patoologiae ciu> 
BUS completi etc. 

(Fortsetzung folgt.) 

^ 

Fflr dieKedsetion yerantwortlich : Dr. BechM, Direetor d. Gott. gel. Ans. 

ComnüMloiiB -Verlag der DUttrich*sch§H Vsrloffa-BtiekkaHdhmg. 

Ihttck d0i- Di«tineh*8ch§H Untv,-Buchdntcktr«i (W Fr. Katstn»). 



345 

Nachrichten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augusts-Universität 
zu Göttingen. 



l Juni. M 12. 1882. 



lingKehe Gesellschaft der WissenscIiafteB. 

SitzuDg am 3. December 1881. 

Beobachtangen im Gauss'schen magne- 
tischen Observatorium 

von 

Karl Schering. 

Der K. Ges. d. W. vorgelegt von Ernst Schering. 

# 
n. Magnetische IncUnation und dllgemeine 
Theorie des JErdinductors^). 

Die mittlere Inclination beträgt jetzt in 

Göttingen: .... 66^ 28' 27" 
(N. Breite: 6V 31',8 
O.Länge: 9« 56',6\ 

Dieser Werth, der für die Zeit: 1881,47 
geltend angesehen werden kann , ist der Mittel- 
werth aus einer Reihe von 66 Beobachtungen, 
welche im J. 1881 , vom Juni 7. bis Juni 17. 
teglich Morgens und Abends um 8^ und außer- 
dem an 10 Tagen vom Juni 25. bis Juli 25. zu 

1) Erste Fortsetzung der Mittheilungen in den Gott. 
*chr. 1881. p. 133-176. 

27 



346 

denselben Stunden, in dem Gauss' sehen eisen- 
freien magnetistrhen Oteervätorium bei der hie- 
sigen Sternwarte mit dem im J. 1878 abgeän- 
derten Web er* sehen Erdinductor, nach einer 
unten beschriebenen neuen Methode angestellt 
sind. Die Resultate der einzelnen Beobachtnn- 
geh sind am Schluß dieses Aufsatzes in einer 
Tabelle zusammengestellt. 

Der mittlere Fehler einer jeden Bestimmung 
der Inclination , vermehrt um die gegenwärtig 
noch unbekannte mittlere Schwankung der In« 
clination während einer Beobachtungsreihe be- 
trägt 13",4 wie unten (§ 4) weiter «aasgefnhrt 
wird. Um eine ungefähre Vorstellung von der 
Größe und Empfindlichkeit der angewandten 
Instrumente schon hier zu geben , führe ich an, 
daß eine Umdrehung des Erdinduetors um 180® 
um seine vertical gestellte Drehungsachse in der 
Drahtleitung einen Inductionsstrom hervorrufen 
kann, der den Magnet des Galvanometers um 
30,9 Bogengrade aus seiner Buhelage ausschlagen 
lassen würde; bei * horizontaler Drehungsachse 
des Inductors würde dieser Ausschlag 71^0 be- 
tragen* 

§ 1. 

Von der Methode, welche bei den eben er- 
wähnten Beobachtungen angewandt ist, habe 
ich zuerst im J. 1878 auf der Naturforscher- 
versammlung in Cassel (Tagebl. d. Vers. p. 42) 
kurze Mittheilung gemacht, habe dort aach 
die ersten im August 1878 erhaltenen Re- 
sultate angegeben und besonders auf die Ge- 
nauigkeit der durch die Methode gewonnenen 
Bestimmungen hingewiesen. Inzwischen hat 
auch Hr. Prof. Wild in Pawlowsk bei Peters- 



347 

bnrg im Sommer 1880 in ähnlicher Weise In- 
clisatioosbestimmungen ansgefdhrt^) und sich 
üb«r die Vorzüge der Methode aasgesprochen. 

Ich habe je^t die Beobachtungen mit dem 
Erdindactor in folgender Weise angestellt: 

Der Drehungsachse des, mit einem empfind- 
lichen QalTanometer verbundenen, We herrschen 
Erdinductors kann in der magnetischen Meri- 
dianebene jede beliebige Neigui^ gegeben wer- 
den. Diese Drehungsachse wird zunächst unter 
einer der Inclination der erdmagnetischen Kraft 
benachbarten Neigung 

0.* gegen den Horizont festgestellt und dann in 
der üblichen Weise nach der Hultiplicationsme- 
thode die Ausschläge des Magnets im Galvano- 
meter beobachtet, welches von den Inductions- 
stcömen durchflössen wird, die bei den Umdre- 
bangen des Erdinductors um seine Drehungs- 
achse entstehen. Gleichzeitig wird der Nei- 
gungswinkel 

a' der Drehungsachse mit den neu hinzuge- 
fügten optischen Hülfsmitteln genau bestimmt; 
die hier befolgte Art ist unten (§ 3) beschrie- 
ben. Dann wird die Drehungsachse unter ei- 
nem anderen Neigungswinkel 
a'* festgestellt , die Beobachtung am Fernrohr 
des Galvanometer wiederholt und a*' gemessen. 
Bei den im J. 1881 aui^eführten Beobachtungen 
wurden die Neigungen a' und a*^ so gewählt, 
' d0 a^ 15 bis 20 Bogenminuten größer als die 
Inclination, dagegen a^' 15 bis 20 Minuten klei- 
ner als die Inclination war. 

1) H. Wild: Genaue Bestimmuiig der absoluten 
Inclination mit dem Inductions-Inclinatorium. (Mä- 
länges physiqaes et chimiques tir^s du Bulletin de 
l'Acad. Imp. de Sc. de St. P^tersbourg. T. XI p.467— 
485. 1881). 

27* ' 



348 

Hierin besteht der wesentliche unterschied 
zwischen dieser Methode und der Methode des 
Herrn Geh. Bath W. Weber, welcher bei sei- 
nen Beobachtungen im J. 1852 (Abhandl. d. E. 
Gesellschaft d. Wissensch. in Göttingen Bd. V) 
die Drehungsachse des Erdinductors vertical und 
horizontal stellte, also die Werthe a^ = ^ ti: und 
a" = anwandte. Zur genauen Festlegung 
des Inductors in diesen Stellungen war daher 
nur eine Libelle und deren Hülfsvorrichtungen 
erforderlich. 

Um die Frage zu entscheiden^ wie die Grö- 
ßen a* und a*' zu wählen seien, sodaß dieBeob- 
achtuDgsfehler einen so geringen Einfluß wie 
möglich auf den zu berechnenden Werth der 
Inclination ausüben, will ich die Belation zwi- 
schen dem Werthe der Inclination und den zu 
beobachtenden Größen unter allgemeinen Vor- 
aussetzungen ableiten. 

Es bezeichne : 
F das Potential der Wechselwirkung zwischen 
dem Erdmagnetismus und einem galvanischen 
Strome von der Intensität Eins, der die Draht- 
leitung des Erdinductors durchfließt; 
F den Inhalt desjenigen Theils einer Ebene, 
• welcher begrenzt wird von der parallelen 
rechtwinkligen Projection sämmtlicher Draht- 
windungen des Erdinductors auf diese Ebene, 
die so gelegen sein soll, daß für sie der be- 
zeichnete Flächeninhalt ein Maximum wird; 
sie heiße die Hauptebene des Erdinductors. 
Es sei ferner: 
N die Normale auf die Hauptebene , positiv ge- 
nommen nach einer beliebig festgesetzten, 
aber bei dem Drehen des Erdinductors sich 
fortbewegenden Seite der Hauptebene. 



349 

E die ganze Intensität der erdmagnetisohen 
Kraft, dann ist (s. Gauss Werke Bd. V. 
p. 170). 

(1.) V = — EF cos {E,N) 

worin (E^ N) den Winkel zwischen der Rich- 
tung der erdmagnetischen Kraft nnd der Nor- 
male N bezeichnet. Wir setzen im Folgenden 
zunächst voraus 

I. daß die Drehungsachse A^ des Erdinduc- 
tors in die magnetische Meridianebene fällt. 

Das untere Ende von JL^ sei geneigt um 
den Winkel 

a unter dem Horizont und es sei: 
^n-j-a gleich dem Winkel zwischen der nach 
unten gerichteten Achse ^^ und der positiven 
Richtung von N» Ferner bezeichne 
Q den Winkel, um welchen der Erdinductor um 
die Achse JL^ gedreht wird; dieser Winkel 
werde von der Stellung an, in welcher N in 
die magnetische Meridianebene fällt positiv 
nach Osten gezählt. Schließlich sei 
i die magnetische Inclination. 

Die drei Ebenen, welche bezüglich den Rich- 
tungen E und N^ N und Ä^^ Ä^ und E parallel 
sind, schneiden aus einer Kugel, die um den 
Schnittpunkt der drei Ebenen construirt ist, 
ein sphärisches Dreieck aus, welches unmittelbar 
zu der Relation 

co8(E, N) = cos(^/i-|-«)cos(i — a) 

+ sin (i ^ + a)sin(i — a)cos(7r — q) 

führt. Es wird daher: 

V 

(2.) =~ =3 sin cc cos (i — a) + cos« sin (i ~ a) cos q 



350 

Es sei nun zunächst: a ^=^ o! und es werde 
der Inductor um die Achse A^ von einem An- 
schlag, welcher die Drehung um A^ hemmt 
und für den 

8ei, bis zum zweiten Anschlag, dem die Werthe 
entsprechen, gedreht, dann wird 



EF 



cosa(cos^2 — cos^i)sin(i-— a') 



Wir setzen weiter voraus 

IL daß die Drehungsachse J. 2, um welche der 

Erdinductor mit sammt der Achse A^^ drehbar 

ist, genau horizontal und senkrecht zu J.^ 

stehe. 

Wenn dann durch die Drehung um ^^ die 

Achse A^ in eine Lage übergeführt ist, für 

welche 

a = a" 

wird, so befindet sich A^ noch in der magneti- 
schen Meridianebene und den beiden Lagen des 
Erdinductors an den Anschlägen entsprechen 
dieselben Werthe von q wie bei der Neigung 
a = of. Es sei 

^ ^* • X J- TT TTtt 



für ^ s= ^^ jetzt V = F'i 
» q = q^ y> V = V'^ 

so ergiebt sich 



— ^^--, — = cosa(cos^» — cos ^i) sin (i — a") 



351 

mn wir von der etwa eingetretenen Aende- 

der luclination absehen). 
£8 wird daher 

h n-n _ 8ia(*-«0 

^ V'^—V; 8in(t-o'0 

nd daraus erbält man: 



(4.) 



('^2-F;')-(F;-n) 

= tg(i — ia' — ia")ctgi(a'-a"). 



Aus dexa Obigen ersieht man, 

daß dU GiUtigJceit dieser Formel (4.) unäb^ 
hängig ist von dem Werthe von a und unahhä/n- 
q/i^ von der Annahme ^ daß der Drehmgsmnhü 
18(fi betrage und daß^ wenn der Indt^ctor an 
den Anschlägen anliegt, das Potential V einen 
Maximal' resp. Minimalwerth besitze. 

Diese Stellungen sind natürlich deshalb die 
zweckmäßigsten, weil dann die Intensitäten der 
inducirten Ströme die größten sind , und aucbi 
(wi9 unten img.5 gezeigt ist) weil dann sämmt- 
licbe Cprrectionsgrößen, welche auftreten, wenn 
die obigen Voraussetzungen I. und IL nicht er- 
füllt sind , kleine Größen zweiter Ordnung 
werden 

Die ' Größen F; — F^ , V; — F;' sind fer- 
ner nach dem Gesetze der Induction propor- 
tional der Intensität des Stromea, der durch die 
Umdrehung des Erdinductors erzeugt wird und 
daher auch proportional der Anfangsgeschwin- 
digkeity die dem Magnet im Galvanometer durch 
jenen Strom ertheilt wird. Den Neigungen a' 
nnda^', welche so gewählt sind, daß i — a' und 
i — a" entgegengesetzte Vorzeichen haben, mö- 



^ 



352 



gen die Anfangsgeschwindigkeiten v* und — 
entsprechen. Dann wird also anch (unter d< 
Yoraussetzang , daß während der Beobachtai 
keine Aendernng in dem Widerstände der Drahl 
leitungen, z. B. durch Temperaturändemng eh 
getreten sei). 



v" — v 



Die GröBe v' ist, abgesehen von einer Co 
rectionsgroße , proportional dem vten Schwi 
gungsbogen £,, den der Magnet bei der Molti 
plicationsmethode beschreibt, sodaß man setzen; 
kann : 

^^•^ ^' = ^(i-<r(z;«-z;'*)) = I 

worin l^ den vollständig reducirten Schwingnngs- 
bogen bezeichnet. 

Die Gorrectionsgröße <r (Li^ — Ll'^ , welche 
wesentlich von der Abnahme der Dämpfung mit 
wachsendem Ausschlagswinkel herrührt, konnte 
bei den hier angestellten Beobachtungen voll- 
ständig vernachlässigt werden und also für die 
Größen K, Vy die auf Bogen reducirten Diffe- 
renzen der an der Scdla beobachteten Umkäir- 
punkte genommen werden, 

(Man kann übrigens in erster Annäherung 
setzen : 

a = 

3l 



' 



32r 



2 



|— o- + (2-^)(l+3(v-l)^)6-(*'+l)^j 



worin: 

r den Abstand von Scala und Spiegel (= 5100»") 
^ das log. Decrement für kleine Bögen (= 0,286) 
Wj die Gonstante der Dämpfungsfunktion bedeu- 
tet (»= 3,6). 



353 

Wie 991. bestimmt werden kann, habe ich 
früher (s. Wiedemann's Annal. IX. p.471. 1880) 
gezeigt. Die Dififerenz Lt — Lt' war bei den 
Beobachtungen am größten am Jnni 12.: Li= 173, 
Lr' = 46 für v = 15, aber man wird finden, 
daß anch für diese Werthe die von <f(Lv^ — Li'*) 
herrührende Correetion von i Doch nicht 0",02 
beträgt). 

Ans Gleichung (5.) erhalten wir mit Rück- 
sicht auf (6.) die eur Berechnung von i sehr 6e- 
gueme Formel: 

(7.) tg (* - i a' - i a") = ^^^ tg J (a' - a'O 

Die Anzahl der Werthe, welche der Index v 
durchlaufen kann, ist gleich der Anzahl der In- 
ductionsstöße weniger Eins, und ebenso viel mal 
läßt sich also aus zwei Beobachtungssätzen ein 
Werth von i nach dieser Formel berechnen. 

Wenn ♦ — o' und % — a" kleine Größen sind, 
so ergiebt sich für % ein Näherungswerth, sei i* 
mit Hülfe der Gleichung: 

i*-4(«' + = fey; *(«'-«") 

Es wird aber i* dem i genau gleich, nicht nur, 

Iv —Iv, 

wenn ^,, ^ = ist, sondern auch, wenn 

dieser Quotient gleich -\-\ oder — 1 ist. Bei 
jedem vorgegebenen Werthe von of — a", sei c, 

wird also für die Größe 777-7-^ ein zwischen 

ly -f- iy 

— 1 und 0, ebenso zwischen und + 1 , gele- 
gener Werth vorhanden sein, welcher die Diffe- 
renz % — i* zu einem Maximum werden läßt. 
Dies geschieht, wenn a^-f-a'^ die Gleichung 



354 

cog«(i — ^a'— ^a") = 
= i(a'— a")cotgf(a'— a") = ^ccotg^c 

erfallt, wo der Bogen o' — a" s= c, in Einheiten 
des Badins aasgedrückt, einzusetzen ist. 
Dann wird: 

= sin(i — ^a' — ia")cos(i— ^a'— ^a") 

Hieraus kann man i* — i berechnen; bequemer 
aber nach der Formel: 

sin(i — »*) s= 
Jsin*(i-ia'-ia")+i8in*(i-ia'^ia'0+... 

Auf solche Weise ergeben sich zum Beispiel als 
relativ ungünstige Werthe von a' und a" für: 

die folgenden: 

a'=t+10',8 a'=»+25',5 a'=»4-l"3',5 a'=f-f2«7',0 
a"=•--49^2 a"=f--P34'5 a''=i-3056',5 a"=f— 7ö68',0 

und als zugehörige Maximalwerthe von: 

i-t» = 0",04 0",18 2",2 17",4. 

Wir erhalten also folgende Regel: 

WMt man die Neigungswinkel a' und a" 
so, daß i — a' wwd i — a" entgegengeset/sfte Vor- 
zeichen haben , wwd gleiehiseitig dem absoluten 
Werthe nach a' — a"^5® ist, so kann man die 
IncUnation i nach der einfachen Formd: 

i - i (a' + a'O = 1^: i («' - «") 
i^^recA^^n, der begangene Fehler ist dann < 2",2. 



355 



§2. 

^weekmäßiffsie Werthe für du Neigungswinkel der Achse 

des Erdindmetars» 

Bezeicllne^ wir mit iA{g) den mittleren Feh- 
ler einer GroAe g^ so folgt nach den Regeln der 
"Tethode der kleinsten Quadrate: 

Den hier unwesentlichen Index v an den GröBen 
{ habe ich fortgelassen. 

Wir werden annehmen können, daß 

f*(aO = A*(a'0 = /«*(«) 

ist. Die GröAe fA(V) aber wird sich aus zwei 
Beobachtungsfehlern verschiedenen Charakters 
zusammensetzen. Den einen derselben bildet 
der bei Ablesung der ümkehrpunkte des Magnets 
begangene Fehler; dieser Wird unabhängig Ton 
dem Schwingungsbogen des Magnets sein, we* 
nigstens so lange es sich um Scalenablesung 
handelt; wir setzen ihn gleich f*i (0* ^^^ ^^' 
dere wird herrühren von den Unregelmäßigkeiten 
bei dem Drehen des Erdinductors, die z. B* daritt 
bestehen, daß nicht streng momentan und nicht 
genau in dem von der Theorie geforderten Zeit- 
augenblicke gedreht wird. Die hierdurch her- 
vorgerufenen Fehler werden wir in erster Annä- 
herung der Intensität des Inductionsstoßes also 



356 

auch der GroAe l proportional annebmen kön-, 
nen^). Wir setzen daher: ^ 

i»*(n = f»?(o+i"Vi(o 

Nach Berechnung der Differentialqiiotienten von 
i ans der Formel (7.), ferner nach Einsetzen ^ 
der Ausdrücke: 

V = Csin (t — aO Z" = Csin (i — a") 

worin C eine von den Dimensionen der Instru- 
mente abhängige, der Empfindlichkeit des 6ai- i 
yanometers proportionale, GröBe bedeutet, und 
nach Einführung der Großen: 

giii«(2i-a^-o^0 

' *"*"* sin»(a"— «0 
, 1 8in*(t — o') + 8m*(i — a") 

^* ~ C* 8in*(o"— ÖÖ 

_ ^ 8in»(i — oQsin'Ci — g ^O 

'* ~ C* 8m»(o"— oÖ 

erhält man: 

/»'(») = //»* («) + A /»? (0 4- f. Ml (0 

Der Ausdruck für f nimmt seinen kleinsten 
Werth an, wenn: 

2i— a' — a" = 
wird. Dann werden 



1) Für die aus etwaiger Verspätung der Inductions- 
stöfle entstehenden Fehler ist die obige Annahme von 
0. Ghwolson bewiesen (Mölanges phys. et chim. . . . 
Pötersbourg T. XI. p. 403-414. 1881). 



r 



357 



/■— 4; /i = 2C*coB«i(a'-o")' 



i . 1 



Der mittlere Fehler der aus den Beobachtun- 
gen ahzideitenden Inclination ergibt sich daher 
tm Ueinsten, wenn die Neigungen a' und a*' der 
Drehungsadise des Erdinductors die Bedingung 

^(a^ + a-) = i 

erfüllen und wenn gleicheeitig (a' — a") so klein 
genommen wirdy wie es die Empfindlichkeit des 
Galvanometers ^uläßt^). 

Bei den hier mitgetheilten Beobachtungen 
war a' — a" = 40 Bogenminnten oder, noch klei- 
ner nnd also sehr nahe: 

Für: 

lima' = i lima" = i 

ist lim/g = 0; aber die Grenzwerthe von f 

und f^ sind abhängig Ton dem Werthe des 

i -"— a* 

lim ; , genügen jedoch immer den Ungleich- 

% -^ a 

beiten : 

\<\xaif^\\ ^2<lim/',<^,. 

1) Dies Besultat habe ich schon in dem oben er- 
wähnten Vortrage im J. 1878 angedeutet. Dafi esgün- 
atigist, a^ — a** klein zu wählen, beweist anch H. Wild 
1. c. 1881. p. 472. 



358 
Pü^: 

wird: 

Die Wahl der Größen a' und a" der Art, dal^ 
J (a' + a") gleich oder wenigstens nahezu gleich 
i ist, bietet noch andere Vortheile. Es unter- 
aeheiden sich dann auch die GröBen K und 
W nur wenig von einander, und es ist daher 
der Quotient derselben nahezu frei von den 
Ciorrectionen , die an 2^ und K' selbst noch an- 
zabringen sein wurden und den Quadraten yon 
Zy und W proportional sind. Dazu gehört die 
oben (pag. 352) erwähnte Correction wegen der 
Abnahme der Dämpfung mit wachsendem Aas- 
schlagswinkel des Magnets im Galvanometer. 
Daß diese Abnahme der Dämpfung der Grund 
für einen Fehler in dem berechneten Werthe 
der Inclination sein kann, wurde schon im J. 
1.877 aus Beobachtungen im hiesigen magneti- 
schen Observatorium erkannt, bei denen sich ein 
constanter unterschied der Werthe von i bei 
Benutzung zweier verschiedener Galvanometer 
ergab. Zu demselben Schlüsse wurde in dersel- 
ben Zeit auch Hr. Prof. Wild in Petersburg 
geführt*) und die allgemeinere Theorie der Be- 
wegung eines Magnets in einem Multiplicator 

"- 1) H.Wild: üeber die Bestimmiiihg der absolnten 
Inoliiiatioti mit dem Inductions-Inclinatoriam. (M^m. 
de TAcad. Imp. des Sc. de St. PeterBbourar. T. XXVI, 

Nr. 8. 1878. 



S'ch eriRff- JacUaatUn. 










H 




H 1 H— H 1 » M 4 H 1 

1 Meier 
( zaSJj 



Zu Seile 359 



359 

liei gröSeren AmpUtodeii wurde dann nnaUMia- 
g^; yon «imand«r von Dr. ChwolsoD in Pe- 
tenbttrg nod Y<an mir tiBtersiieht ^). 

§ 3. 

Diekenutstm Instrumente : Erdinductor und Oahanomeier, 

Der Erdindnctor ist in den Jahren 1861 — 
1867 nach Anordnnngea des Hrn Geh. Rath 
W. Weber in der astronomischen Werkstätte 
von Dr. Meyerste.in angefertigt. Der mitt- 
lere Durchmesser des Ton der Gesammtheit der 
Drahtwindnngen gebildeten Ringes beträgt 890"^™« 
die Gesammtfläche des Drahtkreises wird daher 
wohl von keinem andern derartigen bisher con- 
struirten Instrumente erreicht werden. 

Die Drehungsachse A^^ des Erdindactors (s. 
die Figur , deren Ebene mit der magnetischen 
Meridianebene zusammenfällt) ist mit ihren La- 
gern und der Gesammtheit der Drahtwindungen, 

1) 0. Chwolson: Üeber die Dämpfung von Schwin* 
gongen bei größeren Amplitnden. (Beendet 1879 März). 
Imprime 1879 Juli. M^m. etc. St. Pätersbonrg T. XXVI, 
Kr. U). 

E. Schering: Allgemeine Theorie der Dämpfung, 
welche ein Multiplicator auf einen Magnet ausübt. 
(Beendet 1879 Juni). Wiedemann's Annalen Bd. IX. 
p. 287—302 ; p. 452—483. 1880). 

0. Chwolson: Allgemeine Theorie der magneti- 
schen Dämpfer (Lu le 1 avril 1880). Mdm. etc. St. 
P^tersbourg. T. XXVIII, Nr. 3. 

In diesen Arbeiten sind die Formeln vollständig 
abgeleitet, aus denen die an dem Werthe der Inclina- 
tion noch anzubringende Correction wegen der Abnahme 
der Dämpfung berechnet werden kann (s. z. B. Wiede- 
mann's Annalen IX, p. 479). In einer vor Kurzem er- 
schienenen Dissertation (Jena 1881) von Dr. Edel- 
mann in München , ist der Versuch gemacht jene 
Correction durch eine graphische Conttruction zu er- 
mitUl^. 



360 

deren Schnitt mit der Ebene der Figur bei q 
angedeutet ist, um eine zweite (horizontale) 
Achse Ä^ drehbar, die vom magnetischen Ost 
zum magnetischen West gerichtet ist, und daher 
normal zur Ebene der Figur steht. Ä^ und 
Ä^ müssen einen rechten Winkel mit einan- 
der bilden , so daß bei einer Drehung um A^ 
die Achse A^ eine Ebene beschreibt. Dies kann 
man, wie leicht ersichtlich, mit Hülfe einer Li- 
belle und Gorrectionsschrauben an ^^ erreichen 
indem man A^ horizontal, A^^ vertical stellt. 

üeber dem Erdinductor steht auf einem be- 
sonderen hinreichend festen Stative ein Borda'- 
scher Kreis B, Der Theilkreis desselben hat 
einen Durchmesser von nahe 320"°^ und ist in 
Abschnitte von je 5' getheilt; jeder der vier 
Nonien gestattet eine Ablesung von 4^^ Das 
Instrument ist allerdings nicht eisenfrei; ich 
war aber auf dasselbe angewiesen, weil das Erd- 
magnetische Observatorium zu diesem Zwecke 
kein eisenfreies Universalinstrument zur Verfü- 
gung hat; den magnetischen Einfluß desselben 
habe ich bestimmt (s. unten §. 6). In das, vor 
dem vertical stehenden Theilkreise des Instru- 
ments sich bewegende Fernrohr G ist für diese 
Beobachtungen ein Gauss^sches Ocular^) einge- 
setzt, um das Fadenkreuz beleuchten und, wenn 
das Fernrohr auf eine spiegelnde Fläche gerich- 
tet wird, das Spiegelbild der Fäden in demselben 
Fernrohr beobachten zu können. 

Mit Hülfe dieses Fernrohrs wird die Ebene 
eines Spiegels S^, der auf der Achse A^^ des 
Erdinductors befestigt und mit Gorrectionsschrau- 
ben versehen ist, genau normal auf A^^ gestellt. 

1) Zuerst beschrieben von Gauss in den Astrono- 
misohen Nachrichten. Bd. XXV, Nr. 579, p.43. 1846. 
S. auch Gauss* Werke Bd. VI, p. 472. 



361 

Dum mafi der Borda'scfae Kreis so jnstirt wer- 
den, daB das Fernrohr 6r, (zanächst abgesehen 
Yon dem Einflüsse des Collimationsfehlers) sich 
in der magnetischen Meridianebene bewegt. Um 
dies zu erreichen wird erstens G bei belench- 
ietem Fadenkrenze auf den Nadirpnnkt mit 
Hülfe eines künstlichen Horizonts H einge- 
stellt^) zweitens auf den Magnet M gerichtet. 
Dieser hängt an einem Coconfaden in einem 
ihn von der änderen Luft abschlieBenden and 
einen starken Eupferdämpfer bildenden Gehäuse, 
ist der Länge nach durchbohrt , in der Mitte 
der Durchbohrung mit einer Glasmire, an den 
Enden mit Linsen versehen, sodaß das Femrohr 
G bei der Beobachtung dieses Magnets auf par 
rallele Lichtstrahlen eingestellt bleiben kann. 
Es wird dann O , wenn nöthig durch Drehung 
am die Verticalachse des Borda'schen Kreises 
auf deU; der magnetischen Achse entsprechenden 
Theilstrich der Mire im Magnet M gerichtet. 
Nachdem darauf zur Controlle die Einstellung 
anf den Nadirpunkt wiederholt worden , ist die 
Jnstirnng des Borda^schen Kreises beendet. 

Wird nun Q auf den Spiegel 8^ gerichtet, 
wenn die Achse A^ um einen Winkel, er sei a', 
geneigt ist, und dann das Fadenkreuz in G- be- 
leuchtet, so zeigt ein Blick in das Fernrohr, ob 
A^ ans der magnetischen Meridianebene nach 
Osten oder Westen abweicht. Ist dies der Fall, 
Bo hat man den Erdindnctor mit seinem Fußge- 

1) Da neben dem Observatorium eine belebte 
Chaussee vorbeiführt, so war die Oberfläche eines Qaeck- 
silberhorisontes in fast unaufhörlicher zitternder Bewe- 
gung, dagegen lieferte ein Leinöl-Horizont, der auf ei- 
nem Stative nahe unter dem Femrohr G stand, ein ru- 
higes und auch hinreichend helles Bild des FadsD- 
beuzes. 

28 



^ I 



362 

stell so lange zu verschieben, (gleichzeitig aber 
mit Hülfe der Libelle und Benutzung der Faß- 
schrauben die Achse A^ horizontal zu halten) 
bis das Fadenkreuz in G mit seinem an 8^ reflec- 
tirten Spiegelbilde sich deckt, d. h. bis ^^ in 
die magnetische Meridianebene fallt. Bei einer 
Drehung um A^ bleibt A^ dann in der Meri- 
dianebene. Es ist ersichtlich, wie jetzt der Nei- 
gungswinkel a^ der Achse A^^ an dem Borda*- 
sehen Kreise bestimmt werden kann. 

Bei der zweiten Neigung der Achse A^ um 
den Winkel a^' kann der Borda^sche Kreis un- 
verändert seinen Platz beibehalten, da a' — a^ 
nur circa 40' beträgt; nur das Fernrohr wird, 
wenn a^' gemessen werden soll, um seine hori- 
zontale Achse gedreht 

Die kleinen Größen um welche nach Jnsti- 
rung die Achse J.^ nach Osten oder Westen 
abweicht, können unmittelbar an den Abwei- 
chungen des von /S^ reflectirten Fadenkreuzes 
vom direct gesehenen erkannt und auch gemes- 
sen werden, da im Fernrohr mehrere Parallelfä- 
den mit bekannten Winkelwerthen ihrer Ab- 
stände vorhanden sind. Es ist daher auch mög- 
lich , den Einfluß dieser Abweichungen auf den 
Werth der Inclination zu berechnen (s. unten 

§. 5). 

Schließlich ist es zweckmäßig (s. oben p. 351) 
wenn die Anschläge, welche eine Drehung um 
A^ hemmen, so justirt werden, daß 

1) der ganze Drehungswinkel von einem An- 
schlag zum andern 180® beträgt und daß 

2) wenn der die Drahtwindungen tragende Rah- 
men an den Anschlägen anliegt, die Normale 
zur Hauptebene (N) sich in der magnetischen 
Meridianebene befindet. 

Das erstere wird in der bekannten Weise mit 



363 

Hälfe eines zweiten, an dem Ende der Achse 
Ay^ befestigten und ihr parallelen Spiegels 8^ er- 
reicht, welcher aas einer aaf die eine Seite ei- 
nes planparallelen Glases niedergeschlagenen 
Silberschicht besteht und 'nach beiden Seiten 
Lichtstrahlen zarückwirft.. In diesem Spiegel 
wird eine Scala durch ein Femrohr beobachtet. 
Die zweite Bedingung suchte ich mit Hülfe der 
folgenden, We herrschen Methode zu erfüllen. 
Zuerst wurde der Erdindnctor aus der einen An- 
fangsli^e um einen Winkel von nahe 9^ bis zu 
einer zu diesem Zweck angebrachten Hemmung 
gedreht und der dadurch im Galvanometer er- 
zeugte Ausschlag des Magnets nach der Multi- 
plicationsmethode gemessen; eben dasselbe ge- 
schah dann , wenn der Erdindnctor aus der 
zweiten durch den Anschlag bestimmten An- 
fangslage um sehr nahe denselben Winkel von 
—9^ gedreht wurde. Bei diesen Beobachtungen 
stand die Achse Ä^^ des Inducters vertical, weil 
in den der Richtung der erdmagnetischen Kraft 
nahen, geneigten Lagen der Achse der durch 
diesen kleinen Drehungswinkel von 9^ erregte 
Inductionsstrom für die Messung am Galvano- 
meter zu schwach war. Der Einfluß des nach 
diesen Beobachtungen noch bleibenden Fehlers 
ist ebenfalls unten (§. 5) berechnet. — Das mit 
asiatischem Nadelpaar versehene Galvcmameterj 
das bei den Beobachtungen im J. 1881 benutzt 
worde, gehört zum Inventer des physikalischen 
Instituts und wurde von Hrn Prof. Biecke 
gütigst geliehen. Er hat, abgesehen von neben- 
sächlichen Abweichungen der Suspensionsvor- 
ricbtung, dieselbe Gestalt, wie das in Poggen- 
dorffs Annalen Ergänzungsband VI , Taf. I, 
Fig. 1 abgebildete, Der Kupferring wurde aus 
dem Multiplicator herausgenommen, da er für 

28* 



364 

diese Beobachtungen za stark dämpfte , andi 
dBTch einen Rahmen des dünnsten kaufliehea 
Kupferbleches ersetzt Da so der ^Hohlraum im 
Mnltiplicator gröBer wurde, konnte ich längere 
Magnete einlegen und dadurch deren Pole den 
Drahtwindungen nähep bringen. Die Lange ei- 
nes jeden der beiden cylindrischen Magnete be« 
trägt 165"™. der Durchmesser 7«^. Der Mal- 
tiplicator des Galyanometers hat genau dieselben 
Dimensionen wie der in Wiedemann's Annalen 
Bd. IX, p. 289, 296, 473 mit Nr. I. beseich- 
nete, dessen »Dämpfungsfunction« 0(1 — «»^i 9^^) 
ich dort bestimmt habe« und für m^ den relaidy 
kleinen Werth 3,553 gefunden habe. Da abo 
för dieses Oalyanometer die Dämpfnag mit 
wachsendem Ausschlagswinkel y nur sehr lang- 
sam abnimmt, so ist, wie oben pag. 353 gesei^ 
wurde, die betre£Eende Correction hier rer- 
aehwindend klein. Es mag auch herTorgehobea 
werden, daß bei dem benutzten Gralyanometer 
der Einfluß, welchen eine Verspätung des In- 
ductiousstoßes um einen Bruchtkeil einer Se- 
cunde auf den Ausschlagswinkel des Magnets 
hat,*) vernachlässigt werden kann, da die 
Schwingungsdauer relativ groß, gleich 38 See, 
das logarith mische Decrement nur 0,286 ist. 
Dies wird übrigens auch bestätigt durch die 
XJebereinstimmung der aus je zwei Seh wingungB- 
bögen Z^ und l^' (mit gleichem Index:»'), zweier 
Beobachtuugssätze berechneten Werthe der In* 
olination, wie unten (§• 4) aus Beispielen er* 
nchtlich ist. 



*) O. Chtoolson: M^laagss pbya. et chim e4o. St.P^* 
tewbourg T. XI. p. 403—414.1881. 



865 



§. 4. 

Beobaehtungabeispiele, Mittlerer Fehler, 

Bei einer definitiven Beobachtang wurde nun 
in folgender Weise verfahren. Das Fernrohr G- 
des Borda'schen Kreises richtete ich zuerst auf 
den Magnet M und notirte den Theilstrich der 
Mire, der den mittleren Faden deckte, dann auf 
den künstlichen Horizont, beleuchtete das Faden- 
kreuz and las den dem Nadirpunkte entsprechen- 
den Theilstrich am Verticalkreise ab. Dann 
wurde das Femrohr auf den Spiegel S^ gerich- 
tet, abgelesen, und so der Winkel af bestimmt. 
Bei dieser Neigung a' wurde darauf, nachdem 
der Magnet M entfernt war, ein Beobachtungs- 
satz am Galvanometer nach der Multiplications- 
methode ausgeführt. Da in Folge der Große 
des Erdinductors es nicht möglich ist, daß der- 
selbe Beobachter gleichzeitig durch das Fern- 
rohr das Galvanometer beobachten und auch die 
IndactionsstSße geben kann, so mußte der In- 
dnctor auf Kommando des Beobachters am Fern- 
rohr gedreht werden , so genau wie möglich in 
den) Momente, wenn der Magnet die Buhelage 
passirte. Nach dem Beobachtungssatze wurde 
die Neigung af controllirt, dann ebenso verfah- 
ren bei einer zweiten Neigung a" und bei einer 
dritten a^'^, welche der ersten a^ sehr nahe gleich 
war. Schließlich prüfte ich ob der Nadirpunkt 
des Kreises unverändert geblieben war, und die 
Hire des wieder eingelegten Magneten M noch 
einstand. 

Wie aus dem folgenden Beispiele ersichtlich 
ist, nahm eine solche Beobachtung, die zwei 
Werthe für i liefert, eine Zeit von ungefähr 
35 Minuten in Anspruch: 



366 







1881 Juli 9. 






19Ji 45« 


20^ 2» 


20li 19H1 




a'~660 40'25'' 


a" — 66° 14' 15" 


a'" = 66<> 41' 12'' 




(±2") 


(±2'0 


(±4") 


r 


C 


V 


K" 


1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 


(+) 43,9 

64,8 

81,5 

93,0 

103,1 

109,3 

114,2 


(-) 62,3 
95,1 
119,1 
137,5 
151,3 
161,7 
170,1 


(+) 41,3 
61,2 
77,4 
88,6 
97,5 
106,8 
110,6 



Abstand: Scala-Spiegel =r 5101 nun. 

Die zu den Größen a mit ± hinzngefiigten Werthe 
sind die mittleren Abweichungen der beiden 
Werthe von a, von denen der eine vor, der an- 
dere nach dem Beobachtungssatze erhalten wur- 
den. Um das doppelte dieser Größen hat also 
die Neigung der Achse des Erdinductors während 
des Satzes sich geändert. Es werden jetzt Vor- 
richtungen getroffen, um die Achse noch fester 
zu stelleur 

Daß die Inclinationsrichtung zwischen a^ und 
a'^ lag, ergab die Richtung des ersten Ausschlags, 
die bei dem ersten und dritten Beobachtungs- 
satze gleich, bei dem zweiten aber entgegenge- 
setzt war; um dies anzudeuten sind den ersten 
Werthen der Zv Vorzeichen hinzugefügt. Die 
Größen l^ sind die schon auf Bogen reducirten 
Schwingungsbögen ausgedrückt in Scalentheilen; 
die Inductionsstöße wurden nicht so weit fort' 
gesetzt, bis die Größen l^ nicht mehr zunahnten, 
da dadurch das Resultat sich nicht genauer er- 
gab, wie die Beobachtungen von Juni 7 bis 
Juni 17 gezeigt hatten, bei denen 16 Induction&- 
stöße in jedem Satze ausgeführt waren. 



967 
In dem obigen Beispiel ist: 

af-a'' = 26M7 a'^'-a*' = 26',95 

und man erhält: 



1 15',35 16',21 

2 15,56 16,40 

3 15 ,54 16 ,33 

4 15,61 16,38 

5 15 ,56 16 ,38 

6 15 ,61 16 ,23 

7 15,65 16,33 

Im Mittel : m ^ = 15,55 = 15' 33" m j = 16,32 = 16' 18" 

dam addirt: a" = 66® 14' 15" a" = 66«14'15" 

giebt: t = 66» 29' 48" t = 66*30*33" 

für die Zeit 191" 53i» 201" 10^ 

Die mittlere Abweichnng der einzelnen Werthe 
Ton den Mittelwerthen m^ resp. m, beträgt 

0',07 = 4",2 resp. 0',06 = 3",6 

so daß man behaupten kann, daß schon zwei 
Indactionsstöße einen bis auf 4'^ genauen Werth 
gaben. Diese Genauigkeit ist eine Folge der 
großen Empfindlichkeit des Erdinductors in sol- 
chen Lagen, bei denen die Drehungsachse der 
Richtung der ganzen erdmagnetischen Kraft nahe 
liegt; man berechnet z. B. aus den oben mitge- 
theilten Zahlen leicht, daß der 7^ Schwingungs- 
bogen einen schon um 10,4 Scalentheile ver- 
schiedenen Werth ergiebt, wenn die Neigung a 
oder also auch i sich nur um 1 Bogenminute 
ändert. Ein Fehler in der Bestimmung von i 
im Betrage von V könnte also nur Folge grober 
Versehen sein. Mit Rücksicht darauf muß man 
nrtheilen, daß die Abweichnng der beiden de- 
finitiven Werthe von i im Betrage von + 45" 



S68 

Dicht auf Beobachtangsfehler berubt «oudern in 
einer Variation von i ihren Grund hat. Leider 
besaß das Institut zu der Zeit kein Yariations- 
inclinatorium , so daß keine direkte ControUe 
möglich war; um aber wenigstens größere Stö- 
rungen zu erkennen, wurde das Bifilar und ein 
Declinations- Magnetometer Tor und nach jeder 
Inclinationsbestimmung abgelesen. Am Jnli 9 
hat während der Beobachtung die Intensität nm 
10 Scalentheile am Bifilar d. h. um 0,00088 ihres 
ganzen Betrages abgenommen. Diese Abnahme 
würde, wenn die Gesammtintansität constant ge- 
bliehen wäre, die Folge einer Zunahme der In- 
clinatioD um 4~79'' gewesen sein; es kann daher 
die obige DiflFerenz von +45" nicht auffallen. 
Man erkennt übrigens aus der am Schlüsse an- 
gefügten Tabelle sämmtlicher Beobachtungen, 
daß außer dem obigen Beispiele nur noch an 
zweien der 21 Beobachtungstage die beiden 
Werthe von i sich um mehr als 30" unter- 
scheiden. Aus der Tabelle läßt sich auch mit 
vollkommener Sicherheit die, übrigens bekannte, 
Thatsache entnehmen, daß die Inclination Mor- 
gens (um 20h) größer ist als Abends um 8K Es 
ergiebt sich im Mittel für diese Differenz 2' 8" 
mit einer mittleren Abweichung von 38"*) 
Bei der Berechnung des obigen Beispiels ist 

a' — o" 
das Mittel der einzelnen Werthe: ~jr-Y-fn- K' 

als der wahrscheinlichste Werth angenommen 

1) Es wird im Laufe dieses Jahres sich die Gelegen- 
heit bieteiii die Resultate, welche der Erdinductor giebii 
mit denen eines Variationsmagnetometer far die Incli- 
nation zu vergleichen. Der Erdinductor, nach der hier 
dargelegten Methode benutst, kann auch als YariationB- 
instrument dienen, da man in Pausen von je einer Vier- 
telstunde einen Werth der Inclination erhalten kann. 



369 



)d also allen gleiches Gewicht gegebeo. Mit 

rohl noch größerem Rechte aber wird man den 

'^erthen mit größerem Index ein größeres Ge- 

iicht zuertheilen indem man die einzelnen Größen 

a'— a'' 
,, ,, Vy mit Z^ + C multiplicirt nnd ihre 

Summe durch die Summe der (/'v+I"*) dividirt, 
also den definitiven Werth nach der Gleichung 



% =0,'*-^- (a' — a'O 



21 



// 



n'. + K') 



Wechnet. Dieser Werth weicht übrigens von 
dem einfachen Mittelwerthe nur sehr wenig ab. 
In dem obigen Beispiele erhält man nach der 
eben angegebenen. Formel: 



i = 66<^ 29' 50" 
f5r die Zeit: 19^^ 53"» 



66<> 30' 35" 
20^» 10°» 



Nach dieser Formel sind die Werthe der Inclina- 
tion in der Tabelle berechnet. Die dort ange- 
gebenen Werthe i sind gleich der Hälfte der 
Große, um welche eine Neigung a während des 
Beobachtangssatzes sich geändert hat und können 
als Maaß für das Schwanken der als fest voraus- 
g^etzten Drehungsachse des Erdinductor dienen. 
Es mögen hier noch einige Beobachtungs* 
Beispiele vollständig mitgetheilt werden: 



370 



' 




Berechnete 
Werthe 




Beobachtet 


von t 


SatE 1 1 


8ate 2 Satz 8 


ans 

Satz ln.a Satz 211.3 

1 




1881 Juni 25. 




20^» 7» 


20k 32m 


20h 54ia 






a' = 66<» 


a*' -= 66« 


a'" = 66« 






38' 36" 


16' 3" 


41' 18" 






X 




V 


66« 


^^'^ 


(+) 84,4 


(-) 58,8 


(+) 45,4 


30' 19" 


30' 18" 


50,6 


86,1 


66,2 


15 


20 


62,9 


107,3 


82,6 


16 


19 


71,7 


123,4 


95,4 


20 


17 


78,8 


135,8 


104,7 


21 


19 


83,8 


145,5 


111,8 


22 


20 


87,9 


152,6 


116,8 


22 


^1 




1881 Juni 26. 




8h 4m 


gh ä7m ■ 


8^ 52«^ 






a' = 66<> 


a" — 66« 


a'" = 66« 






41' 14'' 


14' 47'' 


41' 19" 






K 


/" 

ly 




66« 


66^" 


(+) 51,6 


(-) 57,0 


(+) 53,4 


28' 40" 


28^29" 


77,0 


83,9 1 


78,8 


34 


28 


96,2 


104,7 98,2 


34 


28 


110,5 


120,3 


113,0 


34 


28 


121,3 


132,1 


124,5 


34 


27 


129,5 


141,3 


133,3 


35 


26 


135,9 


147,7 


140,1 


33 


24 




1881 Juli 3. 




7h 18in 


! 7h 38m 


7h 57m 






a* = 66« 


a" = 66« 


«"' = 66« 






42' 20" 


13' 25" 


44' 47" 






ll 


C 




66« 


66* 


(+) 45,1 


(-) 69,4 


(+) 57,1 


30' 56" 


30' 54" 


68,7 


102,4 


85,2 


44 


49 


86,2 


128,2 


106,6 


42 1 49 


99,1 


148,3 


122,9 


45 , 51 


107,4 


163,5 


135,4 


52 


51 


114,9 


175,4 


145,1 


53 ; 51 


121,5 


184,5 


152,6 


51 


1 51 



> 



371 

— In der Regel führte mein Bruder Prof. E, 
Sehering die Umdrehungen des Erdindnctor 
aus und ich beobachtete am Fernrohr des Gal- 
vanometer und las am Borda'schen Kreise ab. Am 
Morgen der Tage Juni 13, 14, 16, 17 ; Juli 16 
sowie am Abend und Morgen des 15. Juni war 
ich allein beschäftigt. Ich gab dann die Induo- 
tioüsstöße in der Art, daß ich vor dem ersten 
den Magnet vollständig zur Buhe kommen lieft 
(wie es übrigens immer geschah) und daß dann 
zwischen je zwei aufeinanderfolgenden Inductions- 
stoßen die Zeit einer Schwingungsdaner des 
Magnets (38 See.) lag. Dies erreichte ich, indem 
ich von einem Inductionsstoße bis zum andern 
die Secundenschläge der Uhr zählte, und dies 
auch während der Ablesung des ümkehrpunktes 
des Magnets im Oalvanometer nicht unterbrach. 
In den Besultaten an diesen Tagen ist keine 
größere üngenauigkeit bemerkbar. 

Die Galvanometerbeobachtungen am 24. Juli 
wurden von Herrn Oberlehrer Dr. Seh aper 
aus Lübeck ausgeführt. Gleichzeitig stellte ich 
mit einem kleineren Erdindnctor nach der 
Weber 'sehen Methode Inclinationsbestimmun- 
gen an im eisenfreien Pavillon des physikalischen 
Instituts in der Stadt und erhielt als Mittel 
aus 7 Werthen: 

66^ 29' 23'' (± 26") 

— Wenn Ji^ gleich der Differenz derjenigen 
Werthe der Inclination ist, welche an demselben 
Tage aus drei unmittelbar auf einander folgen- 
den Sätzen gefunden sind, so würde der mitt-^ 
lere Fehler jia„ einer jeden dieser beiden Werthe 

durch : |t»y * 5= —~~ bestimmt werden, wenn die 

Inclination während der Beobachtungszeit con- 



372 

stant geblieben wäre, unter derselben Voraus- 
setzung erhält man als mittleren Werth des 
Fehlers einer Bestimmung: 

^ n 2n 

wenn n gleich der Anzahl der Beobachtungs- 
reihen, gleich 32 ist. Ans den in der Tabelle 
angegebenen Beobachtungen finde ich 

und da in Wirklichkeit ein gewifier Antheil 
an Ji von den Variationen der InclinatioD her- 
rühren wird, so kann man behaupten, daß der 
mittlere Fehler einer Bestimmung nicht größer 
sein kann als 13", 4. 

§. 5. 

Allgemeiner Ausdruck des Potentials V. 
Einfluß der Justirungsfehler, 

Ich habe nun noch nachzuweisen, daß die 
bei der Justirung des Erdinductors noch übrig 
bleibenden Fehler auf den für i gefundenen 
Werth nur einen solchen Einfluß ausüben, wel- 
cher erheblich unter dem eben angegebenen 
Werthe der mittleren Unsicherheit einer Be- 
stimmung liegt. 

Um die zur Berechnung jenes Einflusses 
nöthige Formel abzuleiten, gehen wir vrieder 
aus von der Gleichung: 

(1) V = — EF cos (E,lf) 

in welcher die Größen dieselbe Bedeutung ha- 
ben wie oben im § 1. Wir legen ein Co- 
ordinatensystem zu Grunde, dessen horizontale 
S Achse nach dem magnetischen Norden, 17 Achse 
nach dem magnetischen Osten, C Achse nach dem * 



373 

Nadir gerichtet ist. Die »Azimathe« . sählen 
wir in der HorizoDtalebeDe in der BichtiiBg 
Ton der $ Achse durch den rechten Winkel zur 
^ Achse hin positiv, die » Neigungen c von der 
Horizontalebene aus zum Nadir positiv. Die 
Biehtung der Drehungsacbec^ Ä^ werde dann 
durch das 

Azimut b und die Neigung a bestimmt. 

Es sei femer 

Iq der wahre Werth der Inclination der erd- 
magnetischen Kraft, während i die nach der 
Formel (7) §. 1 berechnete Größe bedeutet. 

Dann ist also: 

cos (4^ , 5) =a cos a cos 6 cos (J5J, JE) = cos »^ 
cos (^j, fj) = cos o sin h cos (E, fjß = 
cos (J.^ , C) == Bin a cos {E, Q ^ sin i^ 

nnd daher 

(8.) cos (JS, J-i) = cos a cos i cos i^ -f- sin a sin i^ 

Wir bezeichnen mit: 

p den Winkel um den der Erdinductor um A^ 
gedreht werden kann, positiv gezählt von der 
durch u4i gelegten Verticalebene aus in der 
Richtung von Nord nach Ost; für den Fall 
i« 0, wird daher p ^^Q (siehe §. 1). 

jsei der Winkel, welchen eine durch Ä^ ge- 
legte Verticalebene mit der Ebene bildet in 
welcher A^ und E liegt; q habe gleiches 
Vorzeichen wie b. 

Jw -]- a sei wie im §. 1 der Winkel zwischen 
der nach unten gerichteten Achse A^ und 
der positiven Richtung der Normale N. 

Aus dem sphaerischen Dreiecke {E, Ny A^) er- 




374 

giebt Bich dann , anolog wie im §. 1 (pag. 349) 
die Gleichung: 

(9.) 

cos^A-^j I +8in(iff+«)8in(iLli)co8(w~i?+«)/ 

Von den Relationen zwischen den Elementen 
des sphaerischen Dreieckes (JE7, C, ^i) niit den 
Seiten : 

i^—io^i^—a^ Bogen (J.^,JEJ) 
und den gegenüber liegenden Winkeln: 

benutzen wir außer der Oleichung (8) noch fol- 
gende : 

(10.) sin (Eä^) sin g = sin 6 sin (^n — i^) 

(11.) 
siin/s^jco8g^|_gj^^^^_^.^^^^g^^^_^j^^gjj 

Die Einsetzung der zweiten Seiten der Gleichun- 
gen (8), (10), (11) in (9) ergiei)|j den gesuchten 

allgemeinen Ausdruck des Potentials V bei 
beliebiger Lage der Drehungsachse und der 
Normale eur Hauptebene des Inductors. 

(12.) 

■=rp = sin a | sin a sin i^ + cos a cos i^ cos b \ 

+ cosacosp I cos a sin ig — sina cost^ cos 6} 
-J~ cosa sin2> cosi^ sini. 



375 

Dieser Ausdruck geht für & = o, weil dann 
p = Q wird, in den oben (pag. 350) abgeleite- 
ten über. Für den Fall a = ^n werden die 
oben gegebenen Definitionen von p und b unbe- 
stimmt ; bezeichnet man dann mit p den Win- 
kel, welchen eine durch N und die verticale 
Aefase A^ gelegte Ebene mit der magnetischen 
Meridianebene bildet» so lehrt die Gleichung (9.) 
für üob{E,N), daß man für diesen Fall in (12.) 
b = zu setzen hat. 

Wenn die Richtung der Drehungsachse Ä^ 
durch die Werthe: 

a = a' b = b' 

bestimmt ist und der Erdinductor an dem einen 
Anschlage anliegt, welcher die Drehung um Äi 
hemmt, so möge sein: 

P = *'i r = f; 

und wenn er bis zum zweiten Anschlage herum- 
gedreht ist, so sei: 

!> = «+«; F= n 

so daß also der Drehungswinkel von einem An* 
schlag zum andern gleich (w-|-«j — €[) ist. 
Bei einer zweiten Richtung der Achse, bestimmt 
durch: 

a =^ a'' 6 = b" 

mögen die Werthensysteme 

die entsprechende Bedeutung haben. 

Bei dem hier angewandten Beobachtungs^ 
verfahren sind die vier Winkel s und die zwei 
Winkel b kleine Größen erster Ordnung. Man 
erkennt; daß dann der obige allgemeine Aus- 



376 

druck för V. von dem unter (2.) im § 1 ange- 
gebenen nnr -nm kleine Qröl^en zweiter Ordnung 
sich unterscheidet und man kann unter dieser 
Voraussetzung die ans (12.) und der Gleichung 
(4. §• 1) sich ergebende Relation zwisohea • and 
i^ auf die Form bringen: 

\ sm i (a' — a*') 

worin : 

(14 ^ it' — i (*'^' ^^» *' + <*i + ^i)*') ^^^ * 



x" = 



{V'V sin a" -f («'/+«;') 6") cos t 
-iK'*;' + *X) sin (*-«") 



gesetzt ist, und Größen vierter Ordnung Ter- 
nachlässigt sind. Die Größen s und h sind in 
(14.) in Bogenminnten ausgedrückt einzusetzen, 
und aus (13.) ergiebt sich dann auch t — i^ in 
Bruchtheilen von Minuten. 

Die Werthe von s und h können in folgen- 
der Weise ermittelt werden: 

I. Das Verfahren zur Justirung der Anschläge, 
welche die Drehung des Erdinductor um die 
Achse Ay^ hemmen (s. pag. 363) hat den Zweck, 
die Werthe der e so klein wie möglich zu ma- 
chen. Aus den bei diesem Terfahren ange- 
stellten Beobachtungen, lassen sich die Win- 
kel (Azimuthe): 

b\ resp. ft + «5, berechnen, welche eine durch 
die Normale N gelegte Vertiealebene mit der 
magnetischen Meridianebene bildet, wenn der 
Erdinductor bei vertical stehender Achse Äi 



377 

an dem westlichen, reep. östlichen Anschlag. 

bolzen anU^. 
£s kann nämlich einerseits der gesammte 
Orekmigswinkel vom westlichen bis zum öst- 
lichen Anschlag, im Betrage Yon 9f-f>cS--«J 
in der oben (pag. 363) beschriebenen Weise 
direct beobachtet werden, nnd andererseits be- 
steht für «§-|-«i die folgende Formel, die aus 
demAnsdmck von F (pag. 349) für a =^» ab- 
geleitet werden kann: 

(15.) <g (H«S + «?) -H i (V. + ^i)) = 
= tg(K«S-«S)+i(V',-Vi))tg(i«+«). 

Hierin ist: 

♦„ -r — ^1 sinj_^, 
L, Sin ^ tff^ 

gesetzt und es bedeuten: 

V^i resp. tfß^ die Winkel, um welche die Achse 
Ä^ von dem westlichen resp. östlichen An- 
Bchlagbolzen bis zu einem neuen Anschlag 
bei diesen Beobachtungen gedreht wurde: 
Es war: 

f/f^ = 90 Qs^ 9 t//^ =z ^go 27', 1 

L^ resp. L^ sind die absoluten Werthe (in 
Scalentheilen ausgedrückt) der constanten 
Endaussehläge am Galvanometer, wenn nach 
der Multiplicationsmethode der Inductor um 
V'i resp. ^2 gedreht wird. Die Größen tp^^ 
V'g, «5, «I sind von Norden nach Osten 
positiv gezählt.. 

29 



378 

(In den Fällen, in denen gleichzeitig tp^ = tp^j 
fij =s «0 oder gleichzeitig tp^ = ny tp^ = — n, 
«0 — . go {gt, redncirt sich die rechte Seite der 
obigen Formel anf einen unbestimmten Ansdruck 
und es kann dann «^, €§ nicht berechnet wer- 
den, wie auch unmittelbar aus dem Werthe von .| 
V ersehen werden kann.) 
Es war am 

Juni 7. «;=«§; 2L^ = 107,2; 2i, = 110,6 
Juni 10. «;=«f; 2 i^ = 110,2; 2X3 = 109,3 

Daraus berechne ich für Juni 7 

«? = «S = + 5',2. 

Bezeichnen wir ferner mit 

jTT + y ^6^ Winkel, welchen die nahezu von 
West nach Ost gerichtete und nahe hori- 
zontale Drehungsachse A^ des Erdindnctors 
mit der Achse A^ einschließt und ist der 
Erdinductor aus der Stellung, in welcher 
J.J vertical steht, um den Winkel: 

^n — a um A^ gedreht und bedeutet 
\^'\'9 ^^3 Azimuth der Achse A^y so besteht, 
da bei dieser Drehung die Winkel zwischen 
-4i , A^^ und der Normale N ungeändert 
bleiben, für die oben (pag. 375) definirten 
Größen € und h die Relation : 



(16.) 


•?- 


-«1 


*0 _ 


-«« 


= 2g- 


-b 


worin 


für: 














b = 


b'; 
b"; 


«1 = 

«1 = 




«2 = 
«« = 




einzusetzen ist 


, 80 


daß auch: 






(17.) 


<- 


-< 




■*; 


= 6"- 


■6' 



folgt. Die Gleichung: 



379 

+ cos {A^j «) cos (^^, ff) 
4-cos(-4„0co8(-4i,Ö 

it sich femer mit Benntznng von (16.) in: 

^{K.) sin l («; — *i —6) = 8ini(«5 — «j, —b) 

= tgytg(ifi — ia) 

amfonnen. Werden in dieselbe die mit (') resp. 
die mit (") versehenen Größen eingesetzt, so er- 
lüält man auch: 

8ini(6'— 6'0cos(i(«S — «; - &0 — J (6" -&0) = 

*^ cos a' cos a'^ 

eine Formel, ans welcher sich für: 
lim a' = lim a" s= a 



der Grenzwerth: 
(19.) 



sin J(a' — a") cos^acos J(«J — «^^ —6) 



tgy 



ergiebt. Hieraus und ans Gleichung (17.) ersehen 
wir, daß, wenn r eine kleine Größe erster Ord- 
oong ist, der in der Gleichung (13.) vorkom- 
mende Ausdruck 



»' — X 



n 



sin i(a' — a'0 



sich einer kleinen Größe zweiter Ordnung nähert, 
wenn die Differenz a' — a'\ die bei den Be- 
obachtungen 20^30 Bogenminuten betrug, der 

29* 



380 



Null sich nähert. Da ferner i— i(a'-f-^*') ^®i 
unseren Beobachtungen eine kleine Größe war, 
so wird das zweite Glied anf der rechten Seite 
von (13,) eine Größe dritter Ordnung, nach de- 
ren Vernachlässigung die Gleichung (13.) in die 
folgende : 

Formel für den aus den Justirtmgsfehlern 
(6, «j, tfj) entspringenden Fehler (i — i^) 

(20.) 

i — i^ == sin(l') U&6sin2i + ^6(f^ -J-tfg) cosij 

übergeht, worin für die Größen b^ «j, «, wt- 
weder die mit einem, oder die mit zwei Strichen 
versehenen Werthe eingesetzt werdeQ können. 
Hieraus erhält man z. B. für: 



b 


«1 = »» 


die Werthe 




W 
20' 
30' 
40' 


30' 
40' 
50' 
60' 


• ♦ • • 

• • • • 

• • • • 

• • • • 


0',04 

O'.ll 
0'^2 
0',36 



Wenn r bekannt ist, so sind s^-^b und e^-^b 
aus der Gleichung (18.) zu berechnen, welche 
mit Yernachlässigung von Größen dritter Ord- 
nung durch: 

(180 *? — «!- 6=««S— «9~fe««=2rtg(i«-ia) 

ersetzt werden kann. Da nun die Achsen Ai 
und A^ mit Hülfe einer Libelle (Werth eines 
Libellentheils = 19'',4) so genau wie möglich 
senkrecht zu einander gestellt wurden, so kann 
/ den Werth Ton dz 10^ nicht erreicht haben« 
Nehmen wir jedoch diesen Werth an, so ergiebt 
sich für a s= 66« 28' 



nr^F^ 



381 

«; — «1— 6 = €g — «2 — 6 = ±4' 

QHd nach dem Einsetzen des oben angegebenen 
Betrages von «J = «| wird : s^ -{-b = «g-f-fi = ± 9' 
ein Werth, der in Folge der Variation der De- 
clination auf: 

(21.) €^ + b = €^ + b = ±20' 

höehstens gestiegen sein könnte» 
— n. Der Werth von b kann ans den Be- 
obachtungen am Borda^schen Kreise ermittelt 
werden. Es bezeichne 

Y* den Gollimattonsfehler des Borda'schen Krei- 
ses, positiv genommen, wenn die vom Ocular 
zum Objeetiv gerichtete optische Achse des 
Fernrohr» mit der von West nadi Ost ge* 
richteten nahe horizontalen Drehungsachse 
einen größeren Winkel als ^n bildet, und fer- 
ner möge bei der Einstellung auf den Nadir- 
punkt das reflectirte Fadenkreuz von dem di- 
rect gesehenen um den Winkel 
2/*^ nach Westen abweichen, dagegen um 
2/*, wenn das Fernrohr auf den Spiegel des Erd- 
inductors aerichtet und gegen die Yerticale um 
i«— a geneigt ist. Schließlich sei: 
{() der Winkel, welchen die auf den Magnet M 
gerichtete also dann horizontale optische Achse 
aes Fernrohrs mit dem magnetischen Meridian 
bildet. Dann erhält man, vorausgesetzt daß 
a von ^n verschieden ist, und daß die eben 
definirten Großen kleine Werthe besitzen, die 
folgende Relation: 

(22.) 

f 

^=&o+y*+ fo *^^8a+ — ^ -~ X*tang(ifr - ^a) 

wenn kleine Größen dritter Ordnung vernach- 
Hhfligt firind. 



382 

Der Betrag von b^ konnte an der Sfire im 
Magnet (Werth eines Theils der Mire = 6%4) 
abgelesen werden, nachdem derjenige Theilstrich 
der Mire, welcher der magnetischen Achse ent- 
sprach, dnrch umlegen des Magnets ermittelt 
war. Die Werthe von f^ nnd f ergaben sich 
ans der bekannten Fadendistanz (gleich 11%0) 
der Parallelföden im Fernrohr. 

Es war: y* ^ qsq 

nnd die Maximalwerthe von: 

fo = ± 0',3 f=± 3',5 60 = ± 6%^- 
Für a = 660 28' 

erhält man dann ans (22.) im ungünstigsten 
Falle : 

6 = ± 20' 
nnd aus (21.): 

«j = «j = ± 40'. 

Das Einsetzen der gefundenen größten Werthe 
von e und b in die Gleichung (20.) für i — i^ er- 
giebt das Resultat: 

Die Winkelf um welche^ nach der Justirung 
des Erdinductors j dessen Drehungsachse und 
Normale zwr Hauptebene von der theoretisch ge- 
forderten Lage bei den Beobachtungen abwichen^ 
haben in den berechneten Werthen der Indination 
im ungünstigsten Falle einen Fehler von 4,2 J?o- 
gensecunden verursacht. 

§. 6. 

LoealeinßU88e, 

Die Mitte des Erdinductors werde durch die 
Goordinaten x^ y^ e (-{-^ nach dem astron. Sü- 
den, -^-y nach Westen, -^^ zum Zenith) be- 
stimmt, die Mitte des im magnetischen Meridian 



383 

frei hängenden Magnets (Moment M^) im Uni- 
filarmagnetometer des erdmagnetischen Observa- 
toriums durch ÄJj, ^1, £?!, die Mitte der vertica- 
len stählernen Drehungsachse (magnetisches Mo- 
ment M^) des Borda^schen Kreises durch a?^, 
y,, 0^j so ist in mm: 

x^ — X = x^ — X = 644 
y,—y = 7520 y,—y = -206 
ß^ — 0= 140 ^2—^= 1276 

ferner iu Grauss^schen Einheiten: 

Jfi = 522992000 M^ = 788000. 

Das magnetische Moment M, eines mit seinem 
Nordpole zum Nadir gerichteten Magnets, durch 
welchen die magnetische Wirkung des Borda- 
sehen Kreises ersetzt werden kann, wurde er- 
mittelt durch wiederholte Beobachtung der Ab- 
lenkungen, welche das Instrument auf einen klei- 
nen Magnet in verschiedenen Entfernungen aus« 
übte. 

Der dem Erdinductor nächste Punkt der 
eisernen (ost - westlich gerichteten) Gasrohrlei- 
tung, welche an der Nordseite vor dem Observa- 
torium vorbeiführt, habe die Coordinaten a, 6, c, 
dann ist 

a — x ^ —6100 

h — y = — m = 13710000 

c — z = —1800 

9» = bedeutet das magnetische Moment einer 
der 2™ langen Bohren und wurde ähnlich wie 
Jtfg ermittelt mit Hülfe einer von der Gas- 
anstalt geliehenen Röhre. 
Die Rohrleitung ist in erster Annäherung durch 
eine Anzahl kleiner mit dem Nordpole nach 



384 

Westen gerichteter Magnete zu eiBeteen, welche 
in 2°^ Abstand in der Leitung liegen. 

Die Goordinaten des i^^^ derselben seien a,, 
&v, (V Bo ist: 

Ov — a a= 

b^—b = ^.2000 Uly =r tn 

Cy — c =s 

V durchläuft die positiven resp. negativen gan- 
zen Zahlen für die nordwestlich resp. nord- 
östlich vom Erdinductor gelegenen Röhren. 

Aus den angegebenen Lagen und Momenten 
der störenden magnetischen Massen lassen sich 
mit Hülfe der von Gauss abgeleiteten Formeln 
(s. Resultate d. magnet. Vereins 1840, p. 30 n. 
31) die Aenderungen der Inclination, di^^ di^j 
di^ für die Mitte des Erdinductors berechnen, 
welche das Unifilarmagnometer, der Borda^sdie 
Kreis und die Gasrohrleitung yerursachen. Die 
Rechnung (welche für di^ bis zu den Werthen 
y = ± 6 gefuhrt ist), ergiebt: 

di, = +41^72 di, = —7^77, 
di^ = + 0",56 

Die Enden der Gasrohrleitung befinden sich in 
sehr großem Abstände (das östliche Ende ist 
90™ entfernt) vom Observatorium; daher erscheint 
die Annahme ntv = m, für kleinere Wexthe von 

V berechtigt. Man erh&lt also in Summa und 
abgerundet 

i = +35". 



An den heohacMeten Werthen der Inclinatim ist 
daher die Correction 

— 35'' 

w^en Localeinflüsse anjfubringm. 



385 



§7. 

Saeeularänderung der Inelinaiion. 

In der folgenden Tabelle dnd sämmtiklie 
Ton LocaleinflÜBsen freie Bestimmungen der In* 
dination i in Gottingen znsammengestellt : 



Nr. 



Beobaohtar 



IncliiiAtion 



B6r.-B«ob. 

naeh 

Formel l {Formel 2 
(^.^887)|(<.p.888) 



L 

n. 
m. 

IV. 

V. 

YI. 

VII. 

vin. 



A. ▼. Humboldt 

» 

Forbes 

Gauss 

» 

W. Webör 

F. Eohlrausch 

Schering 



1805,95 
1826,71 
1837,50 
1841,77 
1842,47 
1852,60 
1867,52 
1881,47 



69«29',00 
68 29 ,48 
67 53 ,50 
67 42 ,72 
67 39 ,65 
67 18 ,63 
66 47 ,43 
66 28 ,45 



+1',67 
-5,00 
+1,22 
+1,14 
+2,50 
--0,05 
+ 1,64 
-1 34 



+d»89 
-5,54 
-0,0« 
-0,21 

+1,11 
--1,S7 

+1,20 
-^0,06 



Nr. I. a. n. findet man in: 
A. Y. Hum boldt et Bonpland: Vojage anx 
r^ons eqninoxiales dn nonvean continent fait 
en 1799—1804. 4^ Tome DI. Paris 1825. 
Additions p. 625 (nnd: Voyage etc. Ansgabe in 
8^ Tome Xm. Paris 1831. p. 152; ferner in 
▼. Zach: Monatliche Correspondenz Band XIV. 
1806. B. p. 448). In dem erstcitirten Werke liest 
mao auf p. 625: Gottingne: »J'ai tronve en d^ 
»cembre 1805 Incl. 69<>29'; en 1826 an mois 
»de Beptembre68<>29'26" (nne aigmlle68®80'7", 
>raiitre 68<»28'15'0. p. 628: La bonssole dHn- 
»clinaison avait et^ exicxA6e par le Noir .... 
»Les inclinaisons sont les resnltats moyens de 
»denx aignilles qni g^nöralement . • . n^ont dif- 
^t6r6 Tnne de Tantre qne de 6 minntes. p. 625: 
»... observations qne j'y [a Gottingne] ai faites 
»ayec le plns grand soin, une fois en 1808 [t] 
»conjointement avec M. Gay-Lnssac, et nne 



386 

»antre fois en 1826 , coBJoiDtement avec M. 
Gauss . . . 

Hiemach erscheint es zweifelhaft, ob die 
erste Beobachtung im J. 1803 oder 1805 ge- 
schah, doch wird die letztere Zahl die richtigere 
sein, da der Tabelle (p. 624) nach sämmtliche 
magnetischen Beobachtungen in deutschen und 
französischen Städten in den Jahren 1805 nnd 
1806 ausgeführt sind. 

Nr. ni. s. Forbes: Account of some Addi- 
tional Experiments on Terrestrial Magnetism 
made in di£Perent parts of Europe in 1837. 
(Transactions of the Royal Society of Edin- 
burgh. Vol. XV. 1844. p. 27— 36). Pag. 33: 
Göttingen: Prof. Gauss's garden, »attached to 
the Observatory. Meau Dip, Needle A2 : 67^53,5.« 
Die Resultate mit Nadel A 1 werden verworfen 
(p. 32). Die Beobachtungen sind angestellt 
(p. 28) mit: »a portable Dipping Needle . . . 
»with a circle of six inches clear diameter con- 
»structed . . . by Mr. Robinson of London.« 
Die Tabellen, (p. 31) und die Tabelle III. (p.32) 
giebt als Zeit der Beobachtung in Göttingen 1838 
Juli 1. au; für dieselben Tage aber, an welchen 
in diesen Tabellen Inclinationsbestimmungen in 
verschiedenen Städten im J. 1838 aufgeführt sind, 
werden in Tabelle I. Intensitätsbestimmungen in 
denselben Städten im J. 1837 angegeben; außer- 
dem ist im Text 1837 als das Jahr der Reise 
mehrfach genannt. Diese Zahl habe ich daher 
als die richtige angenommen. 

Nr. IV. s. Resultate d. magnet. Vereins. 1841. 
p. 58. Mittel aus 10 Werthen von 1841 Sept. 22 
bis 1841 Oct. 22. erhalten mit einem Robinson - 
sehen Inclinatorium. Durchmesser des Kreises 
in Lichten: 241°^™. Ort: Stein postament im 
Garten der Sternwarte; 



387 

Nr. V. s. Resultate. 1841. p. 57. Mittel aus 
31 Bestimmungen von 1842 Mai 15. — 1842 
Septbr. 23. Instrument und Ort der Beobach- 
tung wie unter Nr. IV. 

Nr. VI. 8. Abhandl. d. Ges. d. Wiss. zu Göt- 
tingen Bd. V. 1853. Math.Classe. p.23. Mittel 
aus 168 Bestimmungen von 1852 Aug. 2. — 1852 
Aug. 12. (40 Beob. um 1^, 44 um 7^, 44 um 
13^, 4Quml9^). Instrumente: Erdinductor und 
Galvanometer. Ort: Eisenfreier Pavillon bei dem 
Physikalischen Institute. 

Nr.yiL s. Gott. Nachr. 1868. p. 159. p. 162. 
»Die Mittel werthe sind erhalten aus achttägigen 
»Beobachtungen aller drei Elemente um 6^ Uhr 
»Morgens, 2J Uhr Mittags, und 10^ Uhr Abends«. 
Instrumente : Erdinductor u. Galvanometer. Ort : 
Magnetisches Observatorium bei der Sternwarte. 

Nr. VIII. Mittel aus 66 Bestimmungen von 
1881 Juni 7. — 1881 Juli 25 (32 Beob. um 9^ 
34 um 19^»). 

Gibt man diesen 8 Werthen gleiches Ge- 
wicht und stellt man die Inclination i durch 
einen nach Potenzen der Zeit t fortschreitenden 
Ausdruck dar, so genügt die folgende Formel, 
in welcher die Constanten nach der Methode 
der kleinsten Quadrate bestimmt^sind : 

(Formel 1): 

i = 67M',94 — l',9608.T + 0',0l3884.f« 

worin: « = t — 1860,63, t = Jahreszahl. 

Bie DifPerenzen :^Ber.-Beob. die im Mittel unge- 
fähr so viel betragen, wie die tägliche Variation 
der Inclination, sind in der oben (p. 385) stehen- 
den Tabelle angegeben. Die Epoche 1860,63 ist 
gewählt, weil zu dieser Z^it die Horizontalinten- 
sität ihren mittleren Werth besaß (s. Gott. Nachr. 
1881 p. 168) wenigstens nach den bisherigen Er- 



388 

fahrungen. Die durch die Formel 1 dargestellte 
Cürve ist auf der beigefügten Tafel I construirt; 
die beobachteten Werthe sind durch ein 4~ ^^ 
zeichnet. 

Ohne Zweifel aber ist den Werthen IV — VUl 
ein größeres Oe wicht beizulegen als denen unter 
I — ni, weil die ersteren mit vollkommeneren In- 
strumenten angestellt sind und die Mittelwertbe 
einer großen Anzahl einzelner Bestimmungen 
darstellen. Ich habe daher eine zweite Formel 
berechnet, welche nur an die Werthe IV— VIII 
angeschlossen ist, und habe erhalten: 

(Formel 2) : 
i = 67o0'96-.l',8998.^ + 0',016070.f*. 
worin: « = t — 1860,63, t = Jahreszahl. 

Aus dieser Gleichung, die also wesentlich die 
neueren genaueren Beobachtungen darstellt, er- 
hält man für die Aenderung der Inclination 
di in Minuten während eines der in der folgen- 
den Tabelle angegebenen Jahre die Weri£e: 

di 



1860 


—1,90 


1865 


-1,74 


1870 


—1,58 


1875 


—1,42 


1880 


—1,26 


1885 


-1,10 


1890 


-0,84 



Nach Formel 1 würde die Inclination im J. 
1992,9 ihr Minimum: 65<> 52',7 erreichen, nach 
Formel 2 im J. 1919,7 im Betrage von 66o4',81 *). 

1) Formeln für die Aenderung der Inclinatioii in 
Göttingen sind früher schon berechnet von: 

w; Weber, Abhandl. d. K. Ges. d. Wiss. zu Göt- 



389 

Die Inelinationsbeitiininaiigeii Ton Tobias 
Mayer (9. Gommentatioiies Soc. reg. Göttin- 
genns reo. Vol. III. 1816. Math. Classe p. 1— » 
86) Terwirft 6a aas (s. BeenltaAe 1841 p. 60) 
wegen der TTnyollkommeiiheit des aogewandten 
Lu^rumeiits. Mayer erhielt: 1814 März 2«: 
69« 0' md 68« 57'; 1814 März 28.: 69« 29' 
Ebenso verwirft Gauss seine eigene Bestim* 
mnng mit demselben Instrumente im J. 1832 
Juni 2S: 68« 22' 52" (s. Gauss Werke Bd. V. 
p. 117). 

Hansteen in seiner Abhandlung: (»Den 
»magnetiske Inolinations Forandring i den nord* 
>lige tempererte Zone. Ejövenhavu 1855) führt 
(p. 28) außer den in der obigen Tabelle ent- 
nalteuen Bestimmungen der Inclination in Göt« 
tingen noch folgende an: 

(»Nr. 6«) 1850,67 67« 23,45 
(>Nr. 7<) 1851,02 67« 22,47 

und fäg^ hinzu: »Gauss . . . har havt den 
»Godhed at meddele mig de . . . folgende: 
»Nr. 6 er observeret af Hr. Dan b er, Assistent 
»ved det mathematisk-physiske Seminar, med et 
»lidet Oscillations-Inclinatorium. Nr. 7 af de 
»Herrer Dauber, Riemann og Weber med 
»et lidet Inductions-Magnetometer.« 

Femer ist auch meine Bestimmung 1878 



iiogen. Band Y, p. 24. 1853. 

Cb. Hansteen, Den magnetiske Indinations For^ 
andring. Ejöbenhayn 1855, p. 28. 

F. Eohlransch, Qött. Nachr. 1868, p. 159. 
Ftlr 1881,4 ergeben diese Formeln resp. 

66^ 41', 4 , 66« aO',7 , Öö« 24',7. 

Tmd das Minimum für das Jahr: 

1895 1955 1985 



390 

Septbr. 1.: 66« 30' 54" (Tagebl. d. Naturf. Yers. 
Cassel 1878. p. 43) nicht in die obige Tabelle 
aufgenommen, da bei diesen Beobachtungen 
mehr Werth auf die Prüfung der Methode als 
auf die absolute Gültigkeit der erhaltenen In- 
clination gelegt wurde, üebrigens schließt sich 
dieser Werth von 1878 der auf Tafel I con- 
struirten Gurve vollständig an. 

Mit Hülfe der Formel 1 und der von mir 
berechneten Variationsformel der Horizontalin- 
tensität T (Gott. Nachr. 1881 p. 168) habe 
ich femer für die Zeiten t die Verticalintensität 
V und die Totalintensität E nach den Glei- 
chungen : 



r= rtang» 




cos« 


iinet und erhalten: 




t 


V 


E 


1820 


4,5439 


4,8759 


1830 


4,4846 


4,7747 


1840 


4,3591 


4,7085 


1850 


4,3211 


4,6802 


1860 


4,2999 


4,6695 


1870 


4,2898 


4,6686 


1880 


4,2798 


4,6673 


1890 


4,2633 


4,6576 



Die betreffenden Curven findet man Tafel IL 
construirt; sie sind für den Zeitraum, für den 
jetzt keine Beobachtungen vorliegen, durch un- 
terbrochene Striche nur angedeutet. 

Gottingen, Dec. 1881. 



391 



Tabelle (s. § 4). 



1881 


Zeit 


Inclina- 
tion 


d 


Zeit 


Inclina- 
tion 


6 


Jnni 7. 


8»» 
9 


33"" 
19 


66<>28' 50« 
29 1 


18" 
19 


20»» 


10" 
33 


66*29' 8" 
29 2 


19 
19 


Joni 8. 


8 
9 


47 

38 


28 23 
28 23 


6 

6 


20 


13 
39 


29 39 
29 48 


3 
3 


Juni 9. 


8 


17 
49 


27 29 
27 15 


10 
13 


20 


10 
42 


30 23 
30 39 


6 
9 


Juni 10. 


8 
9 


39 
12 


27 7 
27 2 


6 
5 


20 


13 

38 


29 44 
29 47 


9 
5 


Jnni 11. 


8 


27 
56 


27 27 
27 13 


8 
8 


20 


9 
36 


29 40 
29 36 


7 
7 


Juni 12. 


8 


14 
45 


27 4 

28 5 


4 

3 


20 


10 
42 


29 5 
29 28 


16 
9 


Juni 13. 


8 
9 


22 

4 


27 36 
27 26. 


1. 
4 


19 
20 


55 
32 


29 55 

30 21 


13 
11 


Jnni 14. 


8 


19 
50 


27 19 

27 19 


9 
14 


20 


26 
58 


30 21 
30 33 


7 
11 


Jnni 15. 


8 


5 

40 


28 2 
27 45 


10 
11 


20 


15 
48 


29 44 
29 51 


9 
9 


Juni 16. 


8 
9 


29 
4 


27 47 
27 38 


5 
11 


20 


22 
53 


29 29 
29 42 


11 
14 


Juni 17. 


8 


11 
42 


27 26 
27 23 


10 
11 


19 


12 
42 


28 36 
28 34 


3 
6 



Mittel aus Juni 7—17. 
8^ 30"» 166*27' 41" I 9"||20*» 30" 1 66* 29' 41" | 9 



Juni 25. 
J«ni 26. 
Jali 2. 
JiiU 8. 
Juli 9. 
JuU 10. 
JoU 16. 
Juli 17. 
JoU 24. 



Juli 25. 



392 




8"» 16» 
89 



7 28 
47 



8 



1 
20 



7 58 

8 12 



7 57 

8 17 



66* 28' 85*' 
28 27 



80 49 
80 51 



27 55 
27 57 



27 50 
27 47 



27 85 
27 36 



11 
11 



5 
14 



6 
12 



10 

8 



5 



20^ 19m 
43 



19 44 

20 8 



19 58 

20 10 



20 20 
42 



19 57 

20 27 
58 

21 37 



linalion m 

(s S 7 form 



166« 80*56' 



Mittel ans Juni 25. — Juli 25. 
|66<»28'32"| 8"|| 

Gesfunnit - Mittel : 

I |66«27'57''| II |66«80' 7"| 

. Mittelwerth : 

66^^29' 2" 
Corr. wegen LocaleinfluB —35 

1881,47 66<> 28' 27" 

Mittl. Fehl. ein. Best.: = 13" 

Ffir di«BedMtio]i Tenntwortlicli : Dr. BtcMM, Diroetor d. Göti. ftl.AU' 

Commiaiioiui-VarUg der DkUrkk'aehm y<rfay» » Bwcitfcawigtwy. 

Jh'ttdb d&r DUkricKHhm üw,- B%ichdmcktr§i (W Fr. KamtMth 



1 














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I 



893 

Naehricliten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



18. Juui. M 18* 1882. 

Kiugliehe üeselbdiaft ier WmMsehaftei. 

SitznDg am 10. Juni 1882. 

Klein: Optiscbe Stadien am Granat. 

Graf zu Solms-Laubacb: Das Vorkommen cleisto- 
gamer Blüthen in der Familie der Pontederaceae. 

Wieseler: üeber einen bisher nieht bekannten Onyx- 
cameo mit einer Replik zweier Darstellungen auf 
dem berühmten großen Pariser Cameo de la Sainte 
Chapelle. 

de Lagarde: Woher stammt das x der Mathemati- 
ker? — Xystus-Sixtus. — rT^S. 

E n n e p e r : Analytisch - geometrische Untersachnngen 
über Flächen mit besonderen Meridiancuryen. 

Oildemeister (Corresp.): Ueber arabisches Schififs« 
wesen. 

Holtz (Corresp.): üeber allmälich sich entwickelnde 
Berührungs-Elektricität unter Mitwirkung der Luft. 

Schwarz: Vorzeigung einiger von Dr. Adrien Gu^- 
hard in Paris auf elektrochemischem Wege berge* 
steUter Zeichnungen yon Curvensystemen , welche 
näberungsweise isothermisch sind. 

Professor Faul de Lagarde, D.D. 

The qnestion whether marriage with a decea- 
sed wife's sister is, or is not, prohibited in the 
Pentatencfa, must he answered No, it la not. 

30 



394 



There is onlj one verse of the Pentatenchj 
which has been qnoted in favour of the opinioi 
that such a marriage is prohibited: Leviticas 18, 1 8.| 
In Denteronomy 27; 23 the Greek translatioi 
has the following words, which are not fonndj 
in the Hebrew as we have it, ^En$xazdQaTOQ 6. 
xotfAWfbsyog fAStä ddeXtp^g yvvatxdg avtov. xo^' 
iq€X nag o Xaöq rivono. These words are pla- 
ced either before or after our Verse 23 : they 
are wanting in a good many manuscripts. If 
genuine, they mnst — until the contrary shall 
be proved — be snpposed to be of the same 
meaning of which is Leviticus 18,18: if not ge- 
nuine, they are most surely intended to snppiy 
a snpposed deficiency of Denteronomy, and there- 
fore* equivalent to Leviticus 18, 18, from which 
place they then are taken. 

I. 

Polygamy was a lawful thing in the old co- 
venant, and remained a lawful thing amongst 
the Jews, until Gerson the great of Mayence, at 
the beginning of the eleventh Century of our era, 
forbade it, because the heathen (as his kind ex- 
pression was), that meant to say, the Christian 
Germans, in whose country he lived, declined to 
tolerate it any longer among the Jews to whom 
they gave shelter. 

Bigamy in one case was not only lawful, but 
almost obligatory: for if a man died withont 
leaving issue, his brother, if such brother was 
alive and of age, was expected to marry his 
sister-in-law , that had become a widow by his 
brother^s death, even if he had already a wife of 
his own : the offspring of such a marriage witb a 
deceased brother^s wife was in law regarded as 
the deceased brother's offspring. See Genesis 38; 



395 



r 

I Denteronomy 25, 5 — 10 ; Matthew 22, 24; and com- 
■ pare the book of Buth. So common was this 
bigamy, that Julius Africanus, one of the most 
leamed meu of his age (Routh reliquiae sacrae II, 
P. de Lagarde Symmida I 165 — 173, H. Geizer 
Seoctits Julius Africanus und die byzantinische 
Chronographie^ G. Salmon Dictionary of Christian 
hiography I 53 — 57), undertook to explain by 
it, how there can be two genealogies of our Sa- 
viour in the New Testament. For fnrther in- 
formation consult Frederick Spitta's book der 
Brief des Julius Africanus an Äristides. 

It was but natural, in such a state of things, 
that wives taken after a first wife had been 
introduced into a house, should have a tech- 
Dical name, distinguishing them from their more 
fortunate fellow-wife, who had been married first. 

We still know this name, and from its being 

common to the Hebrews, Syrians and Arabians, it 

is qnite certain that polygamy and this technical 

term of polygamy were legally recognized before 

the Hebrews, Syrians and Arabians separated: 

the more so, as the word in question is subject 

to a long forgotten law of permutation of sound 

(Lautverschiebung), and therefore exempt from 

all suspicion of having been borrowed by any 

one Semitic people.from any other. 

The word I mean is 

ßf es, 

John Buxtorf in his Lexicon chaldaicum, tal- 
mudicum et rabbinicum (1639) col. 1900 has 
wrongly placed ^yi under the root '^isr , for it 
ought to be unter n"n5r; and he does not give 
the quotation from the Mishna which he ought 
to have given. He does not recognize n*iit as 
a technical term of the law. 

30* 



896 



John David Michaelis in a note appended 

Edmnnd Castle^s article on 901^ (643 öf the Goei 

tingen edition) has expressed his belief thaj 

]Zfi:^ (which does not bdong to 9QL, bat to ^] 

aemula 1 Sam\uel] 1, 6, vxor secunda accepta su* 
per primam [Thomas a] Nov[aria] 70 might b( 
»idem forte, mutato y in y^ Hebraico ST^I 
<xemula€. He quotes a passage of Ephraim oi 
Edessa I 65, where Sarah says, Hagar is not 
any longer a slave girl, 

$ed iam thori socia, and another one of the same 
anthor I 84, 20 

\liM9? ]tiD\i ]Z'^ ^ Z^2 

quod thori mei sociam fecisti anciUam Bachelae, 
where he ought to have translated because yau 
tnade me a fellow-mfe in the same house where 
a handmaiden of Rachel is a lady-wife. There 
are two faults of punctuation in the one line of 
Michaelis. Oompare 671. 

In his supplementa ad lexica hebraica § 2216 
page 2157, while referring to his syriac dictio- 
nary 643, he explains is=Jn*iÄ 1 Sam[uel] 1,6 

^eodem adeo nomine Syr[ns] cni^, Arabs Lf^^^* 

In the year 1842 Wilhelm Gesenins in bis 
thesaurus linguae hebr^eae et chaldaeae veteris 
testamenti III 1188, referring to Castle-Michaelis 
643 compared Si*iij with what he wrongly writes 

]Z't^: ^/o he mentioned 1187. 

In the year 1863 Paul de Lagarde, towhom, 
in conseqiience of his then not having fnll access 
to a good library {Symmicta II 112 113), only 
Michaelis* edition of Castle's Syriac dictionary 



3#7 

was known, deelared Si"^^ Begnorum a 1, 6 
[= Samiudl I 1, 6] to be" identical with Hj^ 

Freytag III 11^ and 1^ Gastle-MichaeÜB 643: he 

called tliese words a terminns technicus of the 
Semitic marriage-law, and quoted the Mishna, 
commencement of ribn*]. This quotation is to 
be verified by those not conversant with Hebrew 
in the edition of Sarenhusins (Amsterdam 1700) 
ni 1. Anmerkungen isu , . . Proverbien 41. 

The Syrian )|^ — so it mnst be given here, 

]l'^ being V:^ with the article added — is men- 
tioned in the bishop Elias' of Nisibis u.;U^ 

Lagarde praetermissorum libri duo 15, 38 : 

'ijo may be aeen employed in the Thousand and 

öneNigJUs^ Habicht's edition, III 276,8, 3= second 
Bülaq edition 1142, 18: the Buläq edition is not 
identical with the Breslau one, bat' the word 
Syo in both editions designates a fellow-wife. The 

English reader may easily see what is meant, 
by tnrning to E. W. Lane's translation of the 
Thousand and OBe Nights, volnme II, page 135 
(London, 1865): Bndoor and Hayät-en-Nnfoos 
ure both wives of Qamar-ez-Zemän, and the one is 
üyo = n'^3£ to the other : compare I Samuel 1, 6, 

of the family of Elcanah. The late lamented E. 
W. Lane teils us in his dictionary UI 1776 that 
8^ a tmnan's husband's wife, her fdlow-tvife is 

an appellation disliked by the Moslem, ^U>- 

being n^ed in preference to it. I may, I think, 
be allowed to suppose, that «>to either sounds 



398 

too archaic, or appears a word of bad omen, 
»^ meaning also disfressfulness , cmnof/cmce. I 

leam from B. Dozy's Supplement aux dictian- 
naires Arabes II4that 8t-^j.Lto signifies donner 

ü sa femme une compagne, epouser une autre 
femme quand on a dejä une^ where the Infinitive 
ought to have beeu avoided, «.U? being the 

third person of a perfect. As to the use of the 
third form obvious in .jL^, see W. Wright's ara- 

bic grammar I § 43*. 

Mr. Dozy cites Macnaghten's edition of the 
Thousand and One Nights I 285, 9. This edition 
not being at my disposal^ Professors W. Wright 
of Cambridge and W. Robertson Smith of Edin- 
burgh have kindly copied for me the words 
in qnestion. They run thus: 

where L^juaj was to be expected. Professor 

Smith mentioning that it is from the story of 
Enees el-Jelees the passage is taken, I have been 
able to find it in the second Büläq-edition, where 
it Stands I 152,29. Professor Smith, to whom 
I had commnnicated my explication of Leviticus 
18, 18, rightly observes that LgJLe of the Night- 

Entertainments is exaetly like rf^ba^ of Leviticus. 
An English reader will do well, I think, to turn 
to Lane's translation, Volume I, Page 396. Lane 
translates the words quoted: His father said, I 
Charge thee , o my son , that thou take not a 
wife to share her place, and that thou do her 
no injury [the words printed by me in italics, 
ought to be cancelled], nor seil her. 

It may be worth while to notice, that Zamax- 
saree, a truly great grammarian, in his Ma- 



399 

qaddimat al-adab 45 (Wetzstein) has the following 
article : 

because we learn from it, that the Persians knew 
the Institute of fellow->wife-8hip as well as the 
Semites : cLü z=r ^Laj and ^j^^ were the terms 

equivalent with them to mit »yto ]ji^. 
For the equation 

r U=^ ^, 

see P. de Lagarde Semitica I 21 — 27 (where aa 
to rra-^Jinn Isaiah 11, 7, not mentioned by Mr. 
Cheyne I 74, now compare Abnlfarag in Mat- 
thaeum 13, 17 of Spanuth's edition), Nöldeke 
Zeitschrift der deutschen morgenländischen Ge- 
sellschaft XXXII 405 406, G. HoflFmann in the 
same paper XXXII 753, S. R. Driyer on the use 
of the tenses in Hebrew (second edition) 252 — 
254, lohannes Euchaitensis ed. Lagarde 89, Goet- 
tinger Nachrichten 1881, 404. 

rrjx = H^ = Iji^ is the wife, who during 

the reign of polygamy, was married to a man 
already liying in matrimony with one or more 
other wives. There is, strictly speaking, no t^yt 
to a deceased wife, but only to a living one. 

II. 

It is well known that the Hebrew language 
^IIows of the formation of denominative yerbs. 
Per instance we have an original verb 

he brohe, and a nonn "^^tb com derired from it. 



400 

From this Word *i2KtD a new t^rb 'n^^ id formed, 
which looks identical with 'in^ he hrökey bat it 
not: it means he seid or he haught com. 

pna means breach, hence pnn he repaired a 

hrecuih or hreaches, while the original root Ä^a 

signifies he exphred, Payne Smith, Thesaurus Sy- 
riacus I 452. 

•ittti, derived from an original root nöti he 
was ^ownish red, and almost identieäl witb jZ 

Jew's pitch, Lane I 640*, furnished the old He- 
brews with a hew verb ^»ti Exodus 2, 3 he 
smeared and tightened tvith Jew's pitch. 

Similar cases oecülr in Arabic. Gesenius has 
in bis Thesaurus HI 1358^ quoted ^^Ihesold 

straw, which is related to ^^ straw in th« same 

way, in which I5\g he sold or boughi com is 
relat;^ed to "nsttj com. 

In all these instances there are two identical 
first forms of a verb, one original and one de- 
rived from a nonn, which itself is derived from 
the original root. See B. Stade's Hebrew Gram- 
mar I § 153. 

IIL 

Eeeping in mind what has been proved np 
to this point of onr researehes, we shall be able 
to nnderstand, what the anthor of Leviticus 
lÖ, 18 meant to say. 

n'^^atb in this place may not derive from the 
original root "isr = -äd Ac constrainedy butfrom 

tfre nonn rt^ir i= «^ f^ow*mfe, jnst as "Szxih 
Genesis 42, 3 does not derive from the origioal 
root *^ntt5 he broke, bnt from the nonn *nattj com. 
•nhitb therefore HAV h^ translated io make 
[fey] beccme a fellow-mfo^ 






401 

It MUST be translated so, becanse the Hebrew 
hogomge makes a difference between the bilit- 
ieral and the trilitteral forms of the root .n:^. The 
sense of the trilitteral ones not being admissible 
in Leviticus 18,18, where clearly a trilitteral 
"!*iar is to be read, it is necessary to look out for 
explanätion to a new verb, which can onlj be 

*n*^St, tte denominative of rt^St = »-to = )(l^. 

As the Hebrew dictionaries extant are in the 
yery worst condition possible, I must enter into 
some detail, in Order to prore my aesertion. 
l warn my readers not to lay stress upon what 
Professor Fleischer has either himself published 
or caased to be published by bis friends and 
pupils on behalf of Hebrew lexicography : it is 
of no value whatever, grown to a sickly life on 
a soll deserted for its barreuness half a Cen- 
tury ago. 

There are in Hebrew two diflferent roots, 
which mnst both be written "n^t. 

The one of the two is equivalent to >fl he 

tied, the other is equivalent to j^ he constrained. 

^ is always represented by "n^ij, no where 

(except in n^a:, Deuteronomy 14, 25, and in »nnar 
Isaiah 8, 16: where I should like to correct 
ij'^'^Ä and ^hät) by ^Sg. 

jo is either transitive or intransitive: its 

third form is l'ni:, its fourth form is nifcrt: it 
never occurs in the shape of ^'^52 or ^*n^. 

There is a derivate of 'i';^ in very common 
use in Hebrew, which may readily show what was 
the original meaning of 'n'^^. 

*^hS is translated ÖBCfAdg (Genesis 42« 35 I Beg- 
norum * a 25, 29 [= I Samuel 25, 29] — änd- 
df^og Cauticles 1, 13 — detfpidg or dnddctffumg 



402 

Haggai 1,6 — ßaXdvnov Job 14,17. 

This translation is proved to be right by the 
comparison of the Armenian ^^11^1, see P. de La- 

garde Anmerhungen zur griechischen Übersetzung 
äer^ Proverbien 84. The word for pnrse in use with 
the Jews, who since the first destruction of their 
temple appear to have earned their bread as 
pedlars, merchants and interpreters, inight haye 
wandered to the neighbouring nations just as 
other characteristic Hebrew words have wandered 
in the same way: compare bDUJ, nipD (Hitzig in 
Zeitschrift der deutschen morgenländischen Ge- 
sellschaft XVIII 834), nD-^bD, yjjpio (whence the 
German Schicksei), D'^ninD (whence the German 
Petschaft, pitschieren). But nhit is to be found 

also in Sjria, in the shape of 99^, and it is more 

natural to suppose that it was from Syria the 
word migrated into Armenia: compare as to 

^ a= j = y P. de Lagarde Armenische Stu- 
dien 1. 

In the dosest relation to this ^h^ Stands 
^^^'S, Hosea 13, 12 Sam. I 25, 29 II 20, 3 Exod. 12, 
34 : compare Hosea 4, 19 Proverbs 30,4 Job 26, 8. 

d'^^TiiTö Joshua 9, 4 may be derived either from 
this root or from the noun ^h3t : tied with strings 
liJce a purse. The Septuagint das dnodedcfAirov^, 
which agrees with nhÄ being represented by dno* 

dsCfkoq. The Syriac by Vi^ and the Chaldee by 

'j'^TTiat» both show by the ^ employed that they 
did not see jo but ^ in the Hebrew word. 

If we keep in mind, that in almost all in- 
stances {jo is equal to ^S^, we may deem it likely 

that ^nas = 99« does not belong to the Toot 



403 

^ (with a dotted y), bat to the other root ^ 

(with 1^ not dotted). >o ^6 tiei up, Lane II 

1671*, is decidedly a transitive verb. 

I learn from Mr. Dozy's suppUment 1 826 
that ^ means un sac de pieces d'or et d'argent 

qu'on envoie en divers endroits^ 9 >« un petit sacket 

dans lequel on met le poudre d'ar ou les drogues 
et les epiceSy dont on se sert pour assaisonnef- des 
viandeSy y^oA une bourse ou un grand sac. 

Qaite different from n^isj = >ö is "ist = Jo, 

This may be either transitive or intransi- 
tive, and in consequence may signify either 
Äc harnied or he feit harmed. There are no in- 
stances in the whole canon of this verb ever 
repeating its -^ except Nambers 25,17; 33,55; 
Psalm 129, 1 2. I shall speak of these verses, 
after having treated of '^'^.la:, which to begin- 
uers might look as a proof against what I have 
^^erted. 

n*^'^ is very common, but it has nothing to 
do with *^yL = jto I. It is an abbreviation of 

"^"y^l'Q = jj^-^^^y ^ participle of a third conju- 
g^tiou. It wonld lead me too far, to collect in 
this paper all the places where the participial 12 
has been dropped in similar forms — it may be 
snfficient to cite Olshausen § 254 — , nor have 
I leisnre enougb to collect from the Hamasa 
eiamples of the same procednre in Arabic: if 
my memory serves me rightly, Tabreezee seldom 
fails to notice them. 

There is the possibility of an other explica- 
tion of *^*iis. Whosoever undertakes to write a 
Hebrew grammar, onght to be fuUy conversant 
with the Aramaean dialects: otherwise he is snre to 
Btamble. Every one competent for his task, wheq 



404 

he finds in the so calied Eyangeliertary of Jem- 

salem >o^^3qt^ and >(i^09AA, knows at once by 

their waw how the corresponding ö»*?*! and 
DTD'i'in'^ in Hebrew are to be explained. The ex- 
planation is confirmed by what P. de Lagarde 
has stated in bis Symmicta I 150: it is intere- 
sting to see, how Mr. Noeldeke, when men- 

tioning >q:^^ and >q^09Z)u ZDMG XXII 490, 

passes on qnite unheeding of their importance. 
onil Stands for ranmim, not for rämim. "^niss 
(if such be the right manner of spelling, La- 
garde reUquiae iuris ecclesiastici xli) may stand 
for mu9aarir, .y^ and ^^ being eqnivalent to 

^, Lanelll 1809 1812, and "^nä eqnivalent to *nx. 

i'iit or 'nennst wonld be a man, who not only 
is the foe of another man, but whose enmity 
receives its dne reward in the corresponding 
enmity of the person against whom it is directed, 
while ni£ is simply an oppressor. Compare W. 
Wright's arabic grammar I § 43. 

If now I may be allowed to state my opinion 
in respect of Numbers 25, 17 33,55 Psalms 129, 
1 2, I shonld say that 

•^hat Numbers 25, 17 ought to be 'nh'^», 
!)*n*^i Numbers 33, 55 ought to be si'^'n^, 
■•iü'n'ia? Psalms 129, 1 2 ought to be •'j^'-T^bt, 
that is to say, that the third form of the v^b 
being no longer understood, the leamed meo, 
who in the eighth Century of the Christian era 
added vowels to the sacred text, consisting up 
to their time only of consonants, took what 
really was the third form for the first. 

Tbß infinitive of the third form originally 
was JUa3 Kosegarten § 433 Wright I § 202 
page 13^3: recognized by La^^rde, Symmiäal 



405 

150, in tlie Hebrew «Jä'^j;: compare nto'^5 *»b^j; 
in^: Olshaugen § 179 has not seen the trne 
stete of the case. 

There can be no objection to adopting mj 
Tiew y as similar instances of misconstruction of 
a rare form are ratber nnmerous : I wonld recall 
the fact that the old Moabite inscription has 
fornished us with the proof of the long supposed 
existence of the eighth form of the Arabic verb 
even in Hebrew, Dnnbn being =^^^^1. 

K such be the state of things« it is ntterly 
impossible to derive ^hsb Leviticus 18, 18 from 

13t = ^. 

The translation of the so called Onkelos 2<p3^Mb 
to do härm is therefore wrong. If such a sense 
was meant, Snb l^'b or s^imN ^stnb ought to have 
been written» Onkelos, as may be seen from the 
preface to Professor Lagarde^s Glementina, is 
called Onkelos, that is ^JlxvXag^ because he stands 
in the same relation to the original Chaldee trans- 
lation of the Pentatench, in which Aqnila stood 
to the original Greek Version of the Jewish ca- 
non. He translated literally, and by no means 
with a füll knowledge of the whole traditio- 
nal lore of bis nation. I wonder how the older 
Chaldee translation has come to the same mis- 
interpretation. It seems most likely to me, that 
the manuscripts will oflfer another reading in the 
place of ^b Np:?Nb, which is fonnd in the Hanau 
edition and in all its reprints. 

The old Syriac translation ciX niS/o, ren- 

dered by the Arabic interprcter published in 
Lagarde's Materialien zur Geschichte und Kritik 
des Pentateuchs I 128 by Lpj^?C&, in the main 

agrees with Onkelos. 

It is but natural that the so called Graecus 



406 



Venetas, republished in 1875 by Mr. Oscar toiii 
Gebhardt, shoald foUow Onkelos by translating 
iS(ft€ d'Xlßsiv, he being entirely giyen np to the 
later tradition of the synagogae. 

It is of course impossible to derive 1*i5tb 
Leviticas 18, 18 from 1"^^ he tied, this sapposi- 
tion making the verse altogether void of sense. 

There is therefore only one explanation of 
^h^^b left. ihsrb must be taken as a denomina- 
tive from rt*i5fc feUouMJoife^ and in conseqaence 
mnst be translated to mdke [her] a feUovo-wife. 
The similar iaüJb to seil corn as derived from 
*ia\ö, and not from 'n:a;ö hebroke, though läipb, 
when derived from l^jDy may mean to break^ has 
already been qaoted at the beginning of this 
Paragraph. 

The right interpretation is probably preserved 
in the old Greek version, which in this verse 
seems not to have been deemed open to cor- 
rection either by Aqnila or by Symmachns or 
by Theodotion or by Lncian: all the discre- 
pancies of the manuscripts recorded are of ho 
conseqaence. Fwatna in^ ddsXfp^ (or ddelq>^y) 
avt^g ov X^tp€$ drviC^kov (-f- ai^vi^^)^ dnoxaXvtpat 
zf^v daxiifAoavvipf avt^g in* avt^g (or avt^), su 
Cmcijg aMjg. The thing to be ascertained by 
further investigation is the signification of dvfi- 
i^log: we only guess that it is fellow-wife, we 
do not know it: from Stephen's Thesaurus I 
2, 908 it can not be proved. 

The right Interpretation is most snrely pre- 
served by Jerome, if no notice be taken of the 
not strictly adequate term pdliccUus. According 
to the manuscript of Amiata Sororem uxoris tuae 
in peUicatum eius non accipies, nee revelabis tur- 
pitudmem' eius, adhuc illa vivente. 

The right interpretation is preserved also by 



407 

Saadias (L^*w& oV^^ ^^^ ^^ ^^^ Ärabic yersion 
published in 1622 by Thomas Erpenius (q^Cj ^^\ 
Lfyto). What Enenen's Samaritan meant by 
^lyto^y is not altogether certain. 

Afber having written what has preceded, I 
looked into John David Michaelis* (who was 
the first Professor of Hebrew in this UDiversity) 
Abhandlung von den Ehegeseteen Mosis^ welche 
die Heyrathen in die nahe Freundschaft untere 
sagen, first edition, Goettingen 1755, page 233 
— 239, second edition, Goettingen 1768 page 227 
— 234. Michaelis of conrse was nnable to treat 
the qnestion with the same accnracy as I can, 
who walk in the light of modern philology, bnt 
in the main he explains the verse Leviticns 
18, 18 correctly. 

The meaning of which verse is this: 
A man — polygamy was a lawfal thing, 
when the legislator wrote — is not allowed to 
marry a living wife's sister. 

Conseqnently a man is allowed to marry 
a deceased wife^s sister: it being of no use to 
forbid the marriage with a living wife's sister, 
if to marry a deceased wife's sister was for- 
bidden also. 

It is impossible to consider Leviticns 18, 18 
as being in force in Christian times, becanse po- 
lygamy is by this verse supposed to be in ge- 
neral nse : if no one is allowed with ns to have 
two wives at once, it is not necessary to forbid 
two sisters to be married to the same man at 
once. Qai genns negat, species negat. 

Bnt if any one should feel inclined to make 
nse of this law as far as use can be made of it 
in Christian times, it must be acknowledged that 



408 

its consequence in to allow marriage with a 
deceased wife's Bister, 

Goettingen, May 20« 1882. 



I may, I think, be allowed to quote from a 
letter of Professor W, Robertson Smith, dated 
May 28, 1882, the foUowing lines: 

>I presnme that it foUows from Yonr argnment 
that n'»'^na n"»b3> Mm*i5> mb:lb is epexegetical of 
insrb. For Jiiny lib^ means to contracta mar- 
riage, as appears from Freytag, Ärabum Prover' 
bia Vol. I p. 234, where we nave the principle 

Thas the last clause means >so as to marry 
the one in addition to the other in the life-time 
of the former wife«. 

The Arabic proverb referred to by Professor 
Smith is to be found in the Büläq edition of 
Meydänee I 211,11. 

Goettingen, May 30. 1882. 



Sixtus = Xystus 

von 

Paul de Lagarde. 

Es ist eine bekannte Thatsache, daß die rö- 
mische Kirche drei Päpste des Namens Xystus 
gehabt, und daß an diese drei nicht ein Xystus, 
sondern ein Sixtus der vierte und fünfte ange- 
knüpft hat. Xystus mußte im Munde der Ita- 
liener Sisto werden, wie Xenophon Senofonte 
wurde, Xaverius Saverio, Alexander Sandro (ver- 
gleiche die Namen in Deutschland Wohnender 
Juden Sander und Sanders). Aus- diesem Sisto 
ist dann durch falschen Rückschluß Sixtus ent- 
standen. 



409 

Woher stammt das x der Mathematiker? 

Ton 

Paul de Lagarde. 

In dem von Georg Simon Klügel angefange- 
nen, von Karl Brandan Mollweide fortgesetzten 
und von Johann August Grunert beendigten 
mathematischen Wörterbuche finde ich I 5, 416 
unter dem Stich worte »unbekannte Größen c die 
bekannte Wahrheit, daß man die unbekann- 
ten oder gesuchten Größen immer durch die 
letztern [so] kleinen lateinischen Buchstaben 
X y z V w bezeichne: der Artikel schließt mit 
ieu Sätzen: »Bei den alten, namentlich italiäni- 
schen, Algebraisten hieß die unbekannte Größe 
in einer Gleichung cosa, res. Das Wort wurde 
entweder ausgeschrieben , oder ein Zeichen ge- 
braucht«. In demselben Werke I 5, 1178—1184 
wird unter dem Schlagworte »Zeichen in der 
Mathematik« des x y z nicht gedacht. 

Cosa erinnert zunächst daran, daß unsre Vor- 
fahren im sechszehnten Jahrhunderte die höhere 
Rechenkunst Coss genannt haben. Es ist ihnen 
stets gegenwärtig gewesen, daß dies Coss aus 
dem italienischen arte della cosa stammt. Wer 
Beweise für die recht bekannte Thatsache braucht, 
findet dieselben in G. H. F. Nesselmanns (über 
ihn A. Bezzenberger in der altpreußischen Mo- 
natsschrift XVIII 324—331 und im Sonder- 
druck) -Versuche einer kritischen Geschichte 
der Algebra I 56 57, 

Cosa und res sind, wie ebenfalls jedermann 
weiß, Uebersetzungen des arabischen sai Ding^ 
Sache ^ welches von den Arabern Spaniens als 
Bezeichnung dessen gebraucht wurde, was wir 
die Unbekannte nennen. Man lese L. Am. Se- 
üillot im Journal asiatique von Paris 1834 Mai 

31 



410 

435, um zn erfahren, dafi dies 6ai la cosa des 
Italiens^ Vinconnue ä determiner schon bei Xasan 
ihn al Haitam, der um 1010 unser Aera blühte, 
ein gäng und gäber Ausdruck ist. 

Man kann sich aus des Herrn Moriz Gantor 
Vorlesungen über Geschichte der Mathematik 
(1880) I 699 in aller Bequemlichkeit ein Bild 
davon machen, wie die in Spanien seßhaften 
Araber Gleichungen schrieben, unser 

3x2 ^ 12x + 63 
sieht — lateinische Buchstaben setze ich für die 
arabischen größerer Deutlichkeit wegen ein — 
so aus: 

Nun ist es in Spanien die Regel, arabisches s 
durch lateinisches x überall da auszudrücken, wo 
ganze Wörter und Sätze wiedergegeben werden 
sollen. Als ich im Winter 1840 auf 41 die 
lange Weile eines wahrhaft entsetzlichen Unter- 
richts in ich weiß nicht welchem Theile der 
Geschichte durch Grimms selva de romances 
yiejos und eine spanische Grammatik überwand, 
welche ich unter dem Elassentiscbe las, stand 
noch in meinem Buche — einem mir jetzt un- 
nennbaren Schmöker — , im spanisch redenden 
Theile America« spreche man x (zum Beispiel 
in dem Namen Mexico) wie seh aus: das ist, 
wie ich jetzt aus Paul Försters spanischer Sprach- 
lehre § 12 lerne, im sechszehnten Jahrhunderte die 
allgemeine Aussprache des jetzt j geschriebenen' 
X auch in Spanien selbst gewesen, welche sich 
(Förster erwähnt das nicht) in den abgelegenen 
Golonien noch eine Zeit lang erhalten haben 
mag. Sai Sache wird von Pedro de Alcala xei, 
seine Verkleinerungsform suai wird xuei ge- 
schrieben : alle ähnlichen Wörter entsprechend. 



411 

Nichts war aUo natürlicher als 12 mit darüber 
stehendem (jfc = s = f-^^ lateinisch durch 

12 X = xai zu geben. So ist das jet^t allge- 
mein geltende x, eigentlich eine Abkürzung des 
arabischen sai ss= xai, zum Zeichen für die zu 
bestimmende Unbekannte geworden: y und z 
«ind die folgerichtigen Entwicklungen dieses nicht 
mehr yerstandenen x[ai] = res b=s cosa. Statt 
X sollten wir sai lesen. 

Auf jeden Fall zeigt z, daß für die Gleichun- 
gen die in Spanien hausenden Araber die Lehr- 
meister des romanischen und durch dies des ger- 
manischen Europas geworden sind. 

Es fragt sich nun, woher die Araber ihre 
Weisheit hatten: denn daß sie nichts erfunden 
haben, dürfte nach gerade feststehn. Lagarde 
gesammelte Abhandlungen 8, 16. 

Am nächsten liegt jedenfalls die Annahme, 

\ der Ausdruck mit der Kenntnis der Sache 
den Griechen entlehnt worden ist. Da die mir zu 
Händen gekommenen gedruckten Werke über Ge- 
schichte der Mathematik was sie gaben, nicht in 
der mir nöthig scheinenden Klarheit vortrugen, 
wandte ich mich an den dereinstigen Herausge- 
ber des Eoelides, Herrn Director Menge in Mainz, 
dessen Bekanntschaft idi im Jahre 1881 zu Rom 
gemacht hatte. Er hatte die Güte mich in aus- 
reichendster Weise za belehren: da was er mir 
schrieb, auch wo es nicht unmittelbar zur Beant- 
wortung der hier mich beschäftigenden Frage 
dient, för weitere Krdse von Interesse sein dürfte, 
theile ich es vollständig mit. 

»In Worten hat man höchst wahrscheinlich 
schon vor Diophant einen allgemeinen Ausdruck 
für die Unbekannte gc'habt und Gleichungen 
aufgestellt. Diophant nennt die Unbekanjute 
a(»^fio$: er hat zuefst hat sie bezeichnet, und 



1 



412 



zwar durch ein Schluß-Sigma mit dem Accente 
oder durch Schluß-Sigma mit einem 6 am rech- 
ten obern Ende : Plural Sigma Sigma mit einem 
Striche über dem andern Sigma«. 

Ich muß hier nur die Bemerkung dazwischen- 
schieben, daß von einem Schluß-Sigma in Dio- 
phants Tagen nicht die Rede sein kann : Dio- 
phant schrieb an jeder Stelle des Worts nur C. 

»Die zweite Potenz der Unbekannten, also 
x^, nennt Diophant dvvafkig^ und bezeichnet sie 
durch d mit einem rechts oben angefugten [die- 
ser dürfte spätere Zuthat sein] Circumflexe : Plu- 
ral dasselbe Zeichen mit einem d direkt davor. 
Der Cubus der Unbekannten heißt nvßoq.^ 

»Die Gleichung 

2x8 -|_ x^ = 4x — 12 
würde Diophant schreiben 

Die Coefficienten werden den Zeichen der Un- 
bekannnten immer nachgesetzt. Daraus erklärt 
sich die Stellung von ß a (den Coefficienten 1, 
den wir fortlassen, drückt Diophant immer aus) d.« 
»Für unser -|- hat Diophant kein Zeichen, 
sondern die zu addierenden Größen werden ein- 
fach nebeneinander gestellt. Was wir minus 
nennen, bezeichnet Diophant entweder durch 
lsi\f>€i, den Dativ von http$g, oder er gebraucht 
als Zeichen ein umgekehrtes tp. Das sogenannte 
Absolutglied der Gleichung (12) kennzeichnet er 

durch (A^j das heißt fioyddsg^ wie er ja auch sa- 
gen könnte »»weniger zwölf Einheiten««. Die 
nackte Zahl durfte Diophant nicht hinsetzen, 
da bei einer Addition (wofür er, wie schon oben 
gesagt, kein Zeichen hat) der Zahlenausdruck 
leicht mit dem Coefficienten der vorhergehenden 
Größe hätte zusammenlaufen können.« 



413 

Nun ist klar, daß die Araber \^fjS ans xt;/}oc, 
JU aus dvvafAtg gebildet haben : JLo übersetzt Jt;- 
vafug = b^n Vermögen wie u^»^ nvßog (siehe 

auch Klamroth ZDMG XXXV 300) : es wird daher 
wahrscheinlich anch ^ aus äq^^ykog entstan- 
den sein. 

üebersetznng ist es nun gewiß nicht: denn 
äQ$&fAdg ist v>cXc. Aber da (Klamroth a. a. 0. 

288) ji, ein Buchstab ist, den die von den Grie- 
chen abhängigen arabischen Mathematiker in 
Figuren meiden, ließe sich denken daß sie g 
durch (ji gegeben und dies wie die Aegypter 

das gleichwerthige ly igei genannt hätten, das 
man nachträglich ^^^ = cosa gedeutet. 

Anf alle Fälle steht fest, daß unser x aus 
xei = ^ = cosa hervorgegangen ist. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

•Xan 1>ittet diese VerzeichniMe zagleich aia EmpfangBanzeiiTOB ansehen 

zu wollen. 



Fortsetzung. 

Leopoldina. H. XVII. No. 19-20. 

Vierteljahrsscbrift der Astronomischen Gesellschaft. 16. 

Jahrg. H. 8. 
J. Plateau , Exp^riences aar les lames liquides minces. 
S. A. Tnllberg, Om Agnostus- Arterna i Eambriska 

Aflagringarne vid Andrarum. (Sveriges geologiska 

ündersokning. Ser. C. N. 42.) 
S. A. TuUberg, Om Lagerföljden i de Eambriska 

och Siluriska Aflagringarne vid Böstanga. (Sver. 

geolog. Undersoek. Ser. C. No. 41.) 
Atti della R. Accad. dei Lincei. Vol. VI. Fase. 1. 

1881. 4^ 
Monatsbericht der Berliner Akad. Juli, August 1881. 



M^moires de la Soc. des Science« de Montpellier. T> X. 

Pasc. 1. 1880. 4^ 
M^moires de la Soc. acadämique Indo-Gliinoise. T. U. 
Idem. Actes Compte rendu des Seances. 1877 — 78. 
Proceedings of the Zoological Society of London. For 

1881. P. 3. 
J. L. Milton, on Spermatorhöa. London 188L 
F. C. Benders en Th. W. Engelmann, Onderzoe- 

kingen gedan in het physiologisch Laboratorium der 

Utrechtsche Hoogeschool. Derde reeks. VL Aflev. IL 

Utrecht 1881. 

Ueber die Nivellements- Arbeiten im Preußischen Staate. 

Berlin. 1881. 4«. 
Ofversigt af Finska Yetenkaps-Societetens Förhandlingar. 

XXII. 1879-80. 
Bidrag tili kännedom af Finlands Natur och Folk. 

Hft. 38. 34. 
M^moires de TAcad^mie Imp. des Sciences de St. Pe- 

tersbourgi 4*. 

T. XXVIII , No. 9. A.Tarenetzky, Beiträge zur 
Anatomie des Darmkanals. 

T. XXVm, No. 8. W. Kiprijanoff, Studiea über 
die fossilen Reptilien Rußlands. 

T. XXIX, No. 1. A. V. Middendorff, Einblicke 
in das Ferghana-Thal. 
Librorum de Bibliotheca Speculae Pulcovensis conten- 

torum Gatalogus systematicus. Pars secunda ab E. 

Lindemanno elaborata. Petropoli 1880. 
L. Oabot, the immature state of the Odonata. P. IL 

(Mem. of the Museum of comp. Zoologie. VIII. 1.) 
Sitzungsberichte und Abhandl. der naturwiss. Gesellscb. 

Isis. Jahrg. 1881. 
Atti della Societö. Toscana. Vol. V. Fase. 1. 1881. 
£rd%i Museum. 9. SZ. VIII. i^vfolyam. 1881. 
Transactions of the R. Society of Victoria. Vol. XVII. 
Monatsbericht der Berliner Akademie. Sept. u. Ooi 

1881. 
Repertorium für Meteorologie. Bd. VIL H. 2. Pe- 

tersburff. 4°. 
Jahresbencht am 20. Mai 1881 dem Comitä der Nicolai' 

Haupt-Sternwarte abgestattet vom Director der Stern- 
warte. Petersburg. 1881. 
€roizier, Les Monuments de rancien Cambridge. Paris. 

1878. 



415 

December 1881. 

L. Crem o na et E. Beltrami, CoUectanea mathema- 

tica. Mediolani. 1881. 
Bulletin astronomique et m^tdorologique de rObserra- 

toire Imperial de Bio de Janeiro. Jailletl881. No. 1. 

Aoiit. No. 2. 4.^ 
Annales de la Sociedad cientif. Argentina. Entrega IV. 

T. xn. 

A. Prendhomme de Borre^ snr une excnreion en- 

tomologique en Allemagne. 1880. 
Sitznngsber. der histor. Cl. der Akad. zu München. 

1881. H. 2. 
Hatore. 631. 634. 635. 636. 
Oversigt over det Danske Vidensk. Selekabs Forhandl. 

1881. No. 2. 
}. Steenstrnp, Sepiadarinm og Idiosepius, Kjöben- 

bam 1881. A\ 
A. Golding, Nogle Ündersögelser oyer Stormen oyer 

Nord- og Mellem-Europa af 12—14. November 1872. 

Ebd. 1881. 4«. 
E. Warming, Familien Podostemaceae. Ebd. 1881. 4^ 
L. Lorenz, Om Metallemes Ledningseyne for Warme 

og Elektriciiät. Ebd. 1881. 4^ 
BeYista Euskara. Anno IV. No. 41. Nov. 1881. 
Zeitschrift für Meteorologie. Bd. XVI. Dec. 1881. 
Meddelanden af Societas pro Fanna et Flora Fennica. 

6. 7. 8. Hft. 1881. 
Verhandelingen van het Bataviaasch Genootschap. Deel 

XLI. 2. Stuk. 
Tidachrift voor Indische Taal - Land- en Volkenkunde. 

D. XXVI. Afl. 3. 4. 
Notulen van den algemeene en Bestnurs-Vergaderingen 

van het Bataviaasch Genootschap van Eonsten en 

Wetensch. D. XVüI. No. 2. 3. 
Leopoldina XVII. No. 21-22. 
W. flenneberg) über Fleisch- und Fettproduction. 
Monthly Notices of the B. Astronom. Society. Vol. XLIL 

No. 1. 
Bericht über die Verhandl. u. Ergebnisse der 3. inter- 
nationalen Polar-Eonferenz abgehalten zu St. Peters- 
burg, August 1881. 4°. 
Gr. vom Batb, Palaestina und Libanon. Bonn. 1881. 
Erdflyi Muzeum. VIIL fivfolyam (1—10 saÄm.) 1881. 
Journal of the R. Microscopical Soc. Dec. 1881. 



416 

Wm. Harkness, ou the relative accuracy of different 
methods of determining the Solar Parallax. Was- 
hingtoD. 1881. 

Science. Nov. 1881. New.-York. 

Abbandl. der naturhistor. Gesellsch. in Nürnberg. Bd. YII. 

Fublicationen des Astropbysikalischen Observatoriums 
zu Potsdam. Bd. IL 4\ 

Bulletin de TAcad. B. de Bel^ique. No. 9. 10. 

Annales de la Sociedad cientif. Argentina. Entreg. V. 
T. XII. 

A. Synopsis of the scientific writings of Sir. W. 
Herschel. Wash. 1881. 

Collections scientifiques de Tlnstitut des langues orien- 
tales. ly. Monnaies des difPerentes Dynasties muBnl- 
manes, par Dom. 2. Fase. St. P^tersbourg. 1881. 

American «fournal of Mathematics. Vol. IV. No. 1. 4*. 

Atti della B. Acad. dei Lincei. Transunti. Vol. VI* 
Fase. 2. 

Bulletin de la Socidt^ mathämatique. T. IX. No. 4. 

Annual Beport on the Museum of Comp. Zoologie for 
1880-81. 

J. Barrande, du maintien de la nomenclature de 
Murohison. Paris. 

— — defense des colonies. Prag. 1881. 

Monatsbericht der Berliner Akademie. Nov. 1881. 

Verhandl. des naturhistor. medic. Vereins zu Heidel- 
berg. Bd. III. 1. 

Annales de la Soc. G^ologique de Belgique. T. Vn. 

Jan aar 1882. 

Von der E. Akademie in Lissabon, 1880 — 81*). 

Denkschriften der Akademie der Wissenschaften in 
Lissabon. Mathem.-phys. Glasse. Tome V. Part. 2. 
1878. T. VL P. 1. 1881. 

Oeffentliche Sitzung der Eönigl. Akademie der Wissen- 
schaften in Lissabon vom 9. Juni 1880. 

Journal für Mathematik, Physik und Naturwissenschaf- 

• ten. No. 24-29. 

(Fortsetzung folgt.) 

1) üebersetzung. 



Für die S«cUction verantwortlicli : Dr. Bschtd, Direcior d. 06tt. gel. Am. 
CommüwioBS-Verlag der DieUricKtchm 7iriag»'BuekhandImg^ 
Druck dir DietericVsehm Unh. - Jfifchdrvckerei ( W. Fr. Koistntr). 



417 



Naehrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 

Göttingen. 



21. Juni. M 14. 1882. 



Kdugliehe Gesdlschift der WisseaschaftcB. 

Preisaufgaben 
der 

Wedekin dachen Preisstiftung 

für Deutsche Ge^hichte. 



Der Yerwaltungsratb der Wedekindschen Preis* 
Stiftung für Deutsche Geschichte macht hierdurch 
die Angaben bekannt, welche von ihm für den 
vierten Verwaltungszeitraum, vom 14. März 1876 
bis zum 14. März 1886, nach den Ordnungen 
der Stiftung (§. 20) gestellt werden. 
Für den ersten Preis. 
Der Yerwaltungsratb verlangt eine allen An- 
forderungen der Wissenschaft entsprechende Aus- 
gabe der von dem Mainzer Eberhard Windeek 

verfaßten Benkwflrdlgkelten Aber Leben und 
Zeit Kaiser Sigismunds. 

Es gilt den völlig werthlosen und unbrauch- 
baren Abdruck bei Mencken durch eine nach 
Seite der Sprache wie des Inhalts gleich tüch- 
tige Ausgabe zu ersetzen. Auch nach den Vor- 
arbeiten von Dümge, Moue, Aschbach, Droysen, 
die mehr nur andeutend als abschließend ver- 
fahren konnten, steht das Yerhältniß der bis an 
die Zeit des Verfassers hinaufreichenden Hand- 
Bchrifben noch keineswegs fest. 

Yor allem ist erforderlich, die aus Nürnberg 
stammende, aber von da nach England verkaufte 
Ebnersche Handschrift wieder aufzufinden und 

32 



418 

festzustelleu, ob die in, der jetzt zu Cheltenham 
befindlichen Bibliothek des verstorbenen Sir 
Thomas Phillipps unter No. 10,381 aufgefährte 
Handschrift der Beschreibung bei Aschbach, König 
Siegmund IV, 458, entspricht. Da nur auf Grund 
einer vollständig zuverlässigen Abschrift derselben 
der Nachweis geführt werden kann, ob in ihr 
das Original vorliegt oder nicht, so wird der 
Verwaltungsrath so bald als möglich für eine 
solche Abschrift Sorge tragen und diese der hie- 
sigen Universitätsbibliothek übergeben, von der 
sie Bearbeiter der Aufgabe zur Benutzung er- 
halten können*). 

Es wird aber nothwendig sein auch die übri- 
gen Handschriften des 15. Jahrhunderts zu Gotha 
und Hannover zu untersuchen, wo möglich noch 
unbekannte oder unbeachtete heranzuziehen und 
sowohl ihr Yerhältniß unter einander als die Ab- 
leitung der späteren Abschriften festzustellen. 
Es wird dabei vor allem darauf ankommen, die 
verschiedenen vom Verfasser selbst herrührenden 
Bearbeitungen und Zusätze, auf welche Droysen 
eingehend hingewiesen hat, in den Texten selbst 
nachzuweisen, um Entstehung und Ausbildung 
der Denkwürdigkeiten durchschauen zu können. 
Die Urkunden und Aktenstücke aller Art, 
welche dem Werke zahlreich eingefügt sind, er- 
fordern genaue Untersuchung in Bezug auf Her- 
kunft, Wiedergabe und anderweitige Benutznng, 
eventuell Ersetzung durch die in den Archiven 
noch vorhandenen Originale. Desgleichen ist 
wenigstens annäherungsweise der Versuch zu 
machen für die rein erzählenden Theile Ursprung 
oder Quelle beizubringen, namentlich in Bezug 
auf An- und Abwesenheit des Verfassers. Es 
darf dem Text an Erläuterung m sprachlicher 
und sachlicher Hinsicht nicht fehlen. 

*) Es ist geschehen : Die Abschrift ist im Besitz der 
kön. Universitätsbibliothek. 



419 

Die Sprache, welche anf Mainz als die engere 
Heimath Windecks hinweist, verlangt in der 
Einleitung eben so gnt eingehende Erörterung 
als die mannigfachen Lebensschicksale des Ver- 
fassers, die Beziehungen zu seiner Vaterstadt, 
seine Reisen, sein Verhältniß zum Kaiser und zu 
andern namhaften Zeitgenossen, seine übrigen 
Werke in Prosa und Dichtung. Auch ist es 
sehr wünschenswertb, daß die bei der Untersu- 
chung und Herstellung des Textes befolgte Me- 
thode klar auseinandergesetzt werde. 

Viel Schwierigkeit wird voraussichtlich das 
sprachliche Wortverzeichniß machen, doch ist 
es, um eine wirklich brauchbare Ausgabe herzu- 
stellen, ebenso unerläßlich, als die Wiedergabe 
der originalen Rubriken und Kapitelüberschriften 
und die Zusammenstellung eines geschickten Sach-, 
Personen- und Ortsverzeichnisses. 

Für den zweiten Preis 

wiederholt der Verwaltungsrath die für den vo- 
rigen Verwaltungszeitraum gestellte Aufgabe: 

Wie viel auch in älterer und neuerer Zeit 
für die Geschichte der Weifen, und namentlich 
des mächtigsten und bedeutendsten aus dem 
jüngeren Hause, Heinrich des Löwen, gethan ist, 
doch fehlt es an einer vollständigen, kritischen, 
das Einzelne genau feststellenden und zugleich 
die allgemeine Bedeutung ihrer Wirksamkeit für 
Deutschland überhaupt und die Gebiete, aufweiche 
sich ihre Herrschaft zunächst bezog, insbesondere 
im Zusammenhang darlegenden Bearbeitung. 

Indem der Verwaltungsrath 

eine Geseliiehte des Jfingeren Hauses der 
Weifen von 1055—1235 (von dem ersten 
Auftreten Weif IV. in Dentsehland bis 
zur Erriehtang des Herzogthnms Braun- 
schweig-Lfineburg) 
ausschreibt, verlangt er sowohl eine ausführliche 



-r 



420 

aus den Quellen geschöpfte Lebensgeschichte der 
einzelnen Mitglieder der Familie, namentlich der 
Herzoge, als aach eine genaue Darstellung der 
Verfassung und der sonstigen Zustande in den 
Herzogthümern Baiern und Sachsen unter den- 
selben, eine möglichst vollständige Angabe der 
Besitzungen des Hauses im südlichen yrie im 
nördlichen Deutschland und der Zeit und Weise 
ihrer Erwerbung, eine Entwickelung aller Ver- 
hältnisse, welche zur Vereinigung des zuletzt 
zum Herzogthum erhobenen Welfschen Territo- 
riums in Niedersachsen geführt haben. Beizu- 
geben sind Register der erhaltenen Urkunden, 
jedesfalls aller durch den Druck bekannt ge- 
machten, so viel es möglich auch solcher, die 
noch nicht veröffentlicht worden sind. 



In Beziehung auf die Bewerbung um diese 
Preise, die ErtheiluQg des dritten Preises und die 
Kechte der Preisgewinnenden wird aus den Ord- 
nungen der Stiftung Folgendes wiederholt: 

1. Ueber die zwei ersten Preise. Die 

Arbeiten können in deutscher oder lateinischer 
Sprache abgefaßt sein. 

Jedei' dieser Preise beträgt 1000 Thaler in 
Gold (3300 Reichsmark) und muß jedesmal ganz^ 
oder kann gar nicht zuerkannt werden. 

2. Heller den dritten Preis. Für den 

dritten Preis wird keine bestimmte Aufgabe 
ausgeschrieben, sondern die Wahl des Stoffes 
bleibt den Bewerbern nach Maßgabe der folgen- 
den Bestimmungen überlassen. 

Vorzugsweise verlangt der Stifter für denselben 
ein deutsch geschriebenes Geschiebtsbueh , für 
welches sorgfältige und geprüfte Zusammenstel- 
lung der Thatsachen zur ersten, und Kunst der 
Darstellung zur zweiten Hauptbedingung gemacht 
wird. Es ist aber damit nicht bloß eine gut ge- 
schriebene historische Abhandlung, sondern ein 



421 

umfassendes historisches Werk gemeint. Special- 
laodesgeschiehten sind nicht ausgeschlossen, doch 
werden vorzugsweise nur diejenigen der größern 
(15) deutschen Staaten berücksichtigt. 

Zur Erlangung des Preises sind die en die- 
sem Zwecke handschriftlich eingeschickten Arbei- 
ten, und die von dem Einsendungstage des vori- 
gen Yerwaltungszeitraums bis zu demselben Tage 
des laufenden Zeitraums (dem 14. März des zehn- 
ten Jahres) gedruckt erschienenen Werke dieser 
Art gleichmäßig berechtigt. Dabei findet indes- 
sen der Unterschied statt, daß die ersteren, so- 
fern sie in das Eigenthum der Stiftung übergehen, 
den vollen Preis von 1000 Thalern in Gold, 
die bereits gedruckten aber, welche Eigenthum 
des Verfassers bleiben, oder über welche als sein 
Eigenthum er bereits verfugt hat, die Hälfte des 
Preises mit 500 Thalern Gold empfangen. 

Wenn keine preis würdigen Schriften der be- 
zeichneten Art vorhanden sind, so darf der dritte 
Preis angewendet werden, um die Verfasser sol- 
cher Schriften zu belohnen, welche durch Ent- 
deckung und zweckmäßige Bearbeitung unbe* 
kannter oder unbenutzter historischer Quellen, 
Denkmäler und Urknndensammlungen sich um 
die deutsche Geschichte verdient gemacht haben. 
Solchen Schriften darf aber nur die Hälfte des 
Preises zuerkannt werden. 

Es steht Jedem frei, für diesen zweiten Fall 
Werke der bezeichneten Art auch handschriftlich 
einzusenden. Mit denselben sind aber ebenfalls 
alle gleichartigen Werke, welche vor dem Einsen- 
dungstage des laufenden Zeitraums gedruckt er- 
schienen sind, für diesen Preis gleich berechtigt. 
Wird ein handschriftliches Werk gekrönt, so er- 
hält dasselbe einen Preis von 500 Thalern in 
Oold; gedruckt erschienenen Schriften können 
nach dem Grade ihrer Bedeutung Preise von 
250 Thlr. oder 500 Thlr. Gold zuerkannt werden. 



422 



Aus dem Vorstehenden ergiebt sich von selbst, 
daß der dritte Preis auch Mehreren zugleich za 
Theil werden kann. 

3. Rechte der Erben der gekrSnten 

Schriftsteller. Sämmtliche Preise fallen, wenn 
die Verfasser der Preisschriften bereits gestorben 
sein sollten, deren Erben zu. Der dritte Preis 
kann auch gedruckten Schriften zuerkannt wer- 
den, deren Verfasser schon gestorben sind, und 
föllt alsdann den Erben derselben zu. 

4. Form der Preisschriften und Ihrer 

Einsendung. Bei den handschriftlichen Werken, 
welche sich nm die beiden ersten Preise 
bewerben, müssen alle äußeren Zeichen vermieden 
werden, an welchen die Verfasser erkannt werden 
können. Wird ein Verfasser durch eigene Schnld 
erkannt, so ist seine Schrift zur Preisbewerbung, 
nicht mehr zulässig. Daher wird ein Jeder, der 
nicht gewiß sein kann , daß seine Handschrift 
den Preisrichtern unbekannt ist, wohl thun, sein 
Werk von fremder Hand abschreiben zu lassen. 
Jede Schrift ist mit einem Sinnspruche zu ver- 
sehen, und es ist derselben ein versiegelter Zettel 
beizulegen, auf dessen Außenseite derselbe Sinn- 
spruch sich findet, während inwendig Name, 
Stand und Wohnort des Verfassers angegeben sind. 

Die handschriftlichen Werke, welche sich um 
den dritten Preis bewerben, können mit dem 
Namen des Verfassers versehen, oder ohne den- - 
selben eingesandt werden. 

Alle diese Schriften müssen im Laufe des 
neunten Jahres vor dem 14. März, mit welchem 
das zehnte beginnt, also diesmal vor dem U. 
Mär^; 1885, dem Director zugesendet sein, wel- 
cher auf Verlangen an die Vermittler der üebersen- 
dung Empfangsbescheinigungen auszustellen hat. 

5. üeber ZnlSsslgkelt znr Prelslbewer- 

1>nng. Die Mitglieder der Königlichen Sociefät, 
welche nicht zum Preisgerichte gehören, dürfen 



423 

sich wie jeder Andere um alle Preise bewerben. 
Dagegen leisten die Mitglieder des Preisgerichts 
auf jede Preisbewerbung Verzicht. 

S. Yerkündignng der Preise. An dem 14. 

März, mit welchem der neue Yerwaltungszeitraum 
beginnt, werden in einer Sitzung der Societät 
die Berichte über die Preisarbeiten vorgetragen, 
die Zettel, welche zu den gekrönten Schriften 
gehören, eröffnet, und die Namen der Sieger ver- 
kündet, die übrigen Zettel aber verbrannt. Jene 
Berichte werden in den Nachrichten über die 
Königliche Societät, dem Beiblatte der Göttingi- 
sehen gelehrten Anzeigen, abgedruckt. Die Ver- 
fasser der gekrönten Schriften oder deren Erben 
werden noch besonders durch den Director von 
den ihnen zugefallenen Preisen benachrichtigt 
and können dieselben bei dem letzteren gegen 
Quittung sogleich in Empfang nehmen. 

7. Znrttekfordernng der nicht gekrOnten 

Sehriften. Die Verfasser der nicht gekrönten 
Schriften können dieselben unter Angabe ihres 
Sinnspruches und Einsendung des etwa erhalte- 
nen Empfangsscheines innerhalb eines halben 
Jahres zurückfordern oder zurückfordern lassen« 
Sofern sich innerhalb dieses halben Jahres kein 
Anstand ergiebt, werden dieselben am 14. Octo- 
ber von dem Director den zur Empfangnahme 
bezeichneten Personen portofrei zugesendet. Nach 
Ablauf dieser Frist ist das Recht zur Zurück- 
forderung erloschen. 

8. Drnek der Preisschriften. Die hand- 
schriftlichen Werke, welche den Preis erhalten 
haben, gehen in das Eigenthum der Stiftung für 
diejenige Zeit über, in welcher dasselbe den Ver- 
fassern und deren Erben gesetzlich zustehen 
würde. Der Ver waltun gsrath wird dieselben einem 
Verleger gegen einen Ehrensold überlassen oder, 
wenn sich ein solcher nicht findet, auf Kosten 
der Stiftung drucken lassen, und in diesem letz- 



424 



tereu Falle den Vertrieb einer zuverlässigen und 
thätigen Bnchfaandlang übertragen. Die Aufsicht 
über Verlag und Verkauf führt der Director. 

Der Ertrag der ersten Auflage, welche aus- 
BchlieBlich der Freiexemplare höchstens 1000 
Exemplare stark sein darf, fällt dem yerfügbaren 
Gapitale zu, da der Verfasser den erhaltenen 
Preis als sein Honorar zu betrachten hat. Wenn 
indessen jener Ertrag ungewöhnlich groß ist, 
d. h. wenn derselbe die Druckkosten um das 
Doppelte übersteigt, so wird die Königliche So- 
cietöt auf den Vortrag des Verwaltungsraihes 
erwägen, ob dem Verfasser nicht eine außer- 
ordentliche Vergeltung zuzubilligen sei. 

Findet die Königliche Societät fernere Auf- 
lagen erforderlich, so wird sie den Verfasser, oder, 
falls derselbe nicht mehr leben sollte, einen an- 
dern dazu geeigneten Gelehrten zur Bearbeitung 
derselben veranlassen. Der reine Ertrag der 
neuen Auflagen soll sodann zu auAerordentlicfaeii 
Bewilligungen für den Verfasser, oder, falls der- 
selbe verstorben ist, für dessen Erben, und den 
neuen Bearbeiter nach einem von der Königli- 
chen Societät festzustellenden Verhältnisse be« 
stimmt werden. 

9. Bemerkung auf dem Titel derselben. 

Jede von der Stiftung gekrönte und herausgegebene 
Schrift wird auf dem Titel die Bemerkung haben : 
Von der Königlichen Societät der Wissen- 
schaften in Göttingen mit einem Wedekind-^ 
sehen Preise gekrönt und herausg^eben. 

10. Freiexemplare. Von den Preisschrif- 
ten, welche die Stiftung herausgiebt, erhalten 
die Verfasser je zehn Freiexemplare. 

Göttingen, den 14. März 1877. 
(Wiederholt: Göttingen, den 31. Mai 1882.) 

Der Verwalfungsrath der WedeJcindschen 

Preisstiftung, 

Für die Bedaction verantwortlich: Dr. Bechtd, Director d. G5tt. gel. Anz. 
Commissions-Verlag der IHtteiich'achm Vertaßa-BuehhaMdhmff. 
Druck der DUUricKtchm Univ.'Buchdi'uckerei (W. Fr. Käesiner), 



425 

Siaelirleliten 

vonlder 

KÖAigl. Gesellschaft der Wissetisctaften 
und der Georg-Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



28. Jani JI6l 15* 1882. 



Sitzung am 10. Juni 1882. 

Uebe^f das Vorkommen cleistogamer 

Blütben in der Familie der 

Pontederaceae. 

Von 

H. Grafen zu Sohns -Lanbaoh. 

Für das Vorkommen cleistogamer BIfitfaen in 
dieser Familie liegt bis jetzt in der Literatur 
nur eine einzige Angabe von Kirk vor (Journ. 
Proc. Linii Soc. Vol. VIU, p. 147), die sich bei 
Kuhn Bot. Ztg. 1867 p. 67, und bei H. Müller, 
Die Befr. der Blnmen durch Insecten p. 62 repro- 
docirt ßndet. Die betreffende gelegentlich Li- 
räfgsiones Zambesiexpedition bei Tette (between 
Telie and the sea coast) gesammelte Pflanze 
wird von Kii^k als Monochoria vaginalis bezeich- 
net. Mit der monographischen Bearbeitung der 
Pontederaoeen beschäftigt, hatte ich bereits be- 
Tor mir diese Angaben bekannt T^urden bei der 
Gattung Heteranthera Buiz eÜ Pav. verschiedene 
Fälle" von Gleistogatbie beobachtet. Da mir aber 
bei Monochoria Fresl. nichts derartiges bekannt 
geworden war^ so versäumte ich nicht in London 

33 



426 

nach Originalen der Eirkschen Pflanze mich um- 
zusehen; die denn auch von guten Original- 
analysen begleitet im Eew Herbarium gefanden 
wurden. Es ergab sich nun, daß Eirks Bestim- 
mung der Pflanze unrichtig ist, daß dieselbe 
vielmehr zu Heteranthera Eotscbyana Fzl. ge- 
hört, welche seinerzeit von Eotschy unter Nr. 9 
seiner Ptae. aethiopicae vertheilt wurde, und 
die in den Herbarien der Kegel nach nur mit 
cleistogamischen Blüthen vorliegt. 

Die Pontederaceen sind eine mehr durch den 
Habitus als durch irgend welche Charactere be- 
grenzte Familie; sie sind in nichts von anderen 
Liliaceen verschieden und müssen demgemäß 
eingezogen werden. Ihr Blüthenbau ist sehr 
einfach; der Fruchtknoten dreiföchrig (He- 
teranthera, Eichhornia, Monochoria); es ver- 
kümmern die beiden oberen Fächer mitunter 
(Pontederia, Reussia). Diese beiden Gattungen 
zeichnen sich vor den übrigen auch dadurch 
aus, daß das fruchtbare Fach nur ein hängen- 
des Ovulum umschließt, während sonst die Pla- 
centen mit zahlreichen Eichen besetzt sind. In 
der ganzen Gruppe besteht ausgesprochene Nei- 
gung zur median- zygomorphen Ausbildung der 
Blüthen, freilich ist dieselbe bei Monochoria 
cyaneaF. Müll, und bei Eichhornia natansPal. de 
Beauv. kaum merklieb. Bei den übrigen Mono- 
chorien kommt sie in der mächtigen Vergröße- 
rung des median unteren Staubgefäßes, und in 
der seitlichen Spornbildung seines Filamentes 
zum Ausdruck; bei den Eichhornien und Ponte- 
derien in der Lippenbildung des Perigons, die 
hier nach '/s» bei Reussia aber nach ^/i sich ge- 
staltet. Für Pontederia und Reussia kommt die 
Verkümmerung der hinteren Fruchtknotenfächer 
hinzu. Auch Heteranthera hat nach ^s gestal- 



427 

tete Perigonansbilclung, doch werden hier außer- 
dem noch die 8 hinteren Stamina unterdrückt, 
nicht die drei des äußeren Kreises ^ wie Eichler 
(Blüthendiagramme I, p. 165) angiebt. Dazu 
kommt noch daß die Anthere des median un- 
teren Stamen mehr oder minder die anderen 
beiden an Größe übertrifft; nach Eichlers Dar- 
stellung würde es die des median oberen sein. 

Nur bei dieser Gattung Heteranthera kom- 
men außer den gewöhnlichen noch cleistogame 
BInthen vor^ die keineswegs bei allen Arten sich 
finden. Es wird sich deshalb empfehlen in 
Kürze ein paar Bemerkungen über die systema- 
tische Gliederung dieser Gattung hinzuzufügen. 
Wie bei allen Pontederaceen sind ihre kriechen- 
den oder im Wasser aufsteigenden Sprosse sym- 
podialen Baues^ doch fehlen ihnen die eigenthüm- 
lichen von Warming für Eichhornia beschriebenen 
Anwachsungen über die Achsel des Tragblattes 
hinaus vollständig. Indessen findet wie dort die 
Sympodienbildung aus der Achsel des vorletzten 
Lauhblattes an jedem Sprosse statt, und stellt 
das letzte Blatt sich, mehr oder weniger den 
Bläthenstand zur Seite werfend, in die Verlän- 
gerung der Achse. Bereicherungszweige aus den 
Lanbblattachseln sind bei manchen Arten reich- 
lich vorhanden. Die Blätter stehen zweizeilig 
mitunter etwas verschoben (bei Eichhornia kom- 
men auch andere Stellungsverhältnisse vor); der 
Blattgrund ist als rings geschlossene Scheide 
entwickelt. In der Enospenlage war die Spreite 
einfach zusammengefaltet, oder wie bei der 
Eichhornia crassipes unserer Warmhäuser um 
den petiolus des nächst älteren Blattes gerollt. 
Hierför waren mir Spiritusexemplare von Heter- 
anthera reniformis aus Argentinien, die ich 
Hieronymus verdanke, von größtem Nutzen. 

33* 



428 

Bei der Section Schollera hat schon das adomTie 
Vorblati Lanbblattcharaoter und ist yon den 
andern nicht onterscheidbar, bei Leptanthns da- 
gegen ist es ein scheidenföriniges NiederUait. 
Die ährigen Blüthenstande schließen die oan- 
seontiren Sprossen des Sympodii ab, sie tragen 
aber dem letzten Laubblatt noch eine sie in der 
Jugend nmhüllende Spatha. Sie sind in der 
Section Schollera mit homomorphen Blüthes be- 
setzt, die bei Heteranthera Seiibertiana (von 
Seubert irrthümlich zn Eichhomia gerecbiiet 
und als E. graminea bezeichnet) in MehraaU 
entwickelt sind. Bei H. zosteraefoUa sind ünrer 
zwei, bei H. graminea endlich nnr eine vorltaii- 
den. Die Scholleren sind alle der Amerikani- 
schen Flora eigen ; yon den secba zn Leptantbna 
gehörigen Arten wachsen drei in Amerika, drei 
sind Afrikanischen Ursprungs. Yon den ersteren 
sind zwei, H. limosa nnid H. reniformis, mit homo- 
morphen Blüthen versehen^ die bei erstever ein- 
blüthige, bei letzterer gestreckte mdhrbliithige 
Aehren bilden« Doch scheint bei H. reniformis 
schon eine Neigung zur Cleistogamie yorkandan 
zu sein, da gewisse Inflereseenzen sonst uorBialen 
Baues ihre Blüthen nicht öffnien und doch 
Früchte erzeugen. leh yerdanke diese Mittheir 
lung Herrn Dr. Fritz Müller in Blumenau, der 
außerdem schreibt, dafi er deirgleicben Infloyes« 
oenzen zumal an bestimmtten, durch bläoiicb an- 
gelaufene Blüthen kenntlichen, IndiyidueiL häufig 
angetroffen habe. Bei der dritten GubmoischeD 
H. spicata sind ähnlich wie bei dem saramtlidien 
dffikanischen Species cleistoganse Blütheni neben 
aen normalen yorhandeuv Bei dieser Seter- 
Anthera spicata sind die Aehren langgestiiedi 
und mit zahlreichen Blüthen besetzt, yon denen 
die untersten 1 — 5 an Zahl cieistogam, die* ait* 



429 

dem normal sind. Das Perigon der geschlossen 
f Ueibenden Blüthen ist von dem der normalen 
I Terschieden, von zarter Beschaffenheit, und ober- 
I warts in sechs schmale in der Enospenlage ver- 
I harrende Zipfel gespalten. Ans den Antheren 
I der 3 wie gewöhnlich entwickelten Stamina tre- 
ten die PoUenschläache direkt zur Narbe über. 
Die eylindrische Kapsel übertrifft an Länge die 
ans den normalen Blüthen entsehenden etwa um 
die Hälfte; ein Unterschied in der Samengröfte 
ist nicht vorhanden. Ganz ähnlich sind die Ver- 
haltnisse bei der H. callaefoUa Bchbch., die in 
Senegambien häufig zu sein scheint. Doch trägt 
bei dieser jede Inflorescenz ganz dicht über der 
Basis nur eine cleistogame Blüthe gleichen 
Banes, die in der Spatha verborgen stecken 
bleibt, und durch ein stark verlängertes Inter* 
nodium von der nächsten normal gebauten ge- 
trennt ist. Dazu kommt daß diese basale Blüthe 
den übrigen in der Entwicklung weit voraus- 
eilt und daß ihre Befruchtung schon Statt hat, 
wahrend die Streckung der Inflorescenz und de- 
ren Hervortreten aus der umhüllenden Spatha 
erst ihren Anfang nimmt. Die beiden noch 
erübr^nden Arten, H. Potamogeton n. sp. und 
fi. Eets^yana FenzI, erstere aus Senegambien, 
letztere irus dem tropischen Ostafrika stammend, 
md habituell der H. callaeiolia überaus ähnücHt, 
doch durch ihre eigentbümliehe Blüthenvertbei-* 
lung zumal scharf charaeterisirt. Es kommen* 
hier nämlich zweierlei verschiedene Arten von 
Inierescenzen vor. Einmal Aehren, denen an- 
derer Arten ähnlich und oberwärts mit uormalen^ 
niilen mit cleistogamen Blüthen besetzt, deren 
bei B. Eotsehyana nur eine, bei H. Potamogeton 
mehfrere sich finden, und ferner andere, die nur 
eine einzige eleistogarae Blüthe erzeugen ^ die 



430 

dann in der Scheide des obersten Lanbblattes 
stecken bleibend znr Fracht reift. Die Kapseln, 
die sich an diesen einblüthigen Inflorescenzen 
entwickeln sind colossal, sie übertreffen die, 
welche ans den Aehrenblüthen entstehen um 
mehr als das Doppelte^ enthalten denn auch eine 
entsprechend größere Menge von Samen. Eiine 
weitere Eigenthümlichkeit der beiden fraglichen 
Arten besteht dann endlich darin, daB alle ihre 
cleistogamen Blüthen nnr einmännig sind. Ich 
yermnÜie daß dieses anf Schwinden der beiden 
seitlich -unteren Antheren des inneren Kreises 
beruht, kann mich aber nicht bestimmt darüber 
aussprechen weil, bei der festen Yerklebung der 
Perigonzipfel im trockenen Material, der einzig 
sichere Anhalt für die Beurtheilung der Alterna- 
tion verloren geht. 

Ob in der Succession der beiderlei Inflores- 
cenzen irgend welche Regelmäßigkeit obwaltet, 
habe ich an dem zur Untersuchung gekomme- 
nen für solche Fragen immerbin spärlichen 
Material nicht entscheiden können. Es schienen 
indeß die normalen Inflorescenzen an Zahl be- 
deutend gegen die einblüthigen zurückzustehen, 
wie ich denn von H. Potamogeton deren nnr 
eine einzige kennen gelernt habe, wie auch was 
schon oben erwähnt die meisten Exemplare der 
H. Eotschyana in den Herbarien derselben ganz 
entbehren. Nur das Wiener Museum besitzt 
diese Pflanze reichlich beiderlei Blüthenstande 
tragend. 

Meines Wissens haben wir in Heteranthera 
zum ersten Male den Fall, daß Bau und Ver- 
theilung der cleistogamen Blüthen bei der Be- 
grenzung der Species nicht entbehrt werden 
können. Ohne dieselben würde es thatsächlich 
nicht . möglich sein Heteranth. callaefolii^ und 



431 

H. Kotsclyana za anterscheiden. Zu bedauern 
ist, daß diese Pflanzen so abgelegene Heimaths- 
orte haben, und daß also wenig Aussicht für 
ihre Introduktion in die botanischen Gärten 
Enropas sein dürfte. Sie würden vielleicht, da 
sie offenbar aus gemeinsamem Stamme entsprun- 
gen sind, bei genauerer Erforschung ihrer Le- 
bensweise Anhaltspunkte bezüglich der räthsel- 
baften Frage nach der Entstehung der Cleisto- 
gamie und nach deren Bedeutung in der Oekono- 
mie der Pflanze gewähren können. 



Ueber arabisches Schiffswesen. 

Von 

J. Gildemeister in Bonn. 

Ein dem Namen nach unbekannter Augen- 
zeuge^) verfaßte wenige Jahre später eine Be- 
schreibung des von dem Könige Peter I. von 
Cypern 767 (1365) gegen Alexandrien unter- 
nommenen Raubzuges in einer sonderbaren Form, 
•indem er die Erzählung der aus einander ge- 
rissenen und nicht einmal in chronologische 
Folge gebrachten Begebenheiten mit allerlei an- 
derem Sto£Pey theologischem, juristischem, histo- 

1) Höchst wahrscheinlich Muhammad ihn Eäsim al- 
Nuvairi al- Maiiki, gelef^entlich erwähnt bei H&gi Eh. 
n. 2136, wo nur das Todesjahr 767 nicht richtig sein kann, 
weil das Buch 775 geschrieben ist. Da aber jenes das 
Jahr des üeberfalls ist und Ä3i>Ül ÄAdJt einer Ergän- 
zung durch eben dies viv KAjw zu bedürfen scheint, so 

ist anzunehmen, H. Kh. habe das Todesjahr, wie 
oft, unausffefüUt gelassen und das Kriegsjahr sei irrig 
an die Stelle gerfickt worden. Den Titel des Buches: 
^3t 0;> Uli fi^^ Jui'i\ kannte H. Kh. nicht. 



432 

rischemf philologischem, geographischem, poeti- 
schem, literarhistorischem u. & w. zu einer Art 
Adab-Buehe verknüpfte und zwar ga^z absicl^ Jü- 
lich so, daß er fortwährend vom Ixi^ndartsten 
ins taunendste geräth. Eine 270 Folioseiten m|i- 
fassende Handschrift bewahrt die kön. Bib^ptlxek 
in Berlin (Wetzstein U, 359. 360); leider ßhe^ 
ist diese nicht vollständig. Obschon dar Schrei- 
ber ihr den änfleren Anschein der VQlIstäiuliij^ 
keit zn geben versucht h^t, bricht sie mitten in 
einer juristisph^ Anaeinwderseteu^g ab miA 
enthält keineswegs die ganze Geschichte des 
Zuges. Diese Unvollständigkeit wird um so 
deutlicher, als der Verfasser in zahllosen Fällen 
auf spätere Stellen des Buches verweist, in denen 
er sowohl Ereignisse 4^ Zuges, als auch andere 
Gegenstände behandeln werde, und die in dem 
erhaltenen Theile nicht vorkommen. So be- 
merkt er in dem gleich zu behandelnden Ab- 
schnitte, daA er später eine Nachricht iiber die 
Häfen des mittelländischen Meeres, ihre Bieher- 
heit und Gefährlichkeit und ihre Stapel Verhält- 
nisse geben werde, die man ungern vermiM. 

In diesem Buche findet sich Fol. 123''ff. eine 
Erklärung arabischer Schiffisbenennungen mit 
einigen nautischen Bemerkungen. Es verlohnt 
sich vielleicht, he} der Seltenheit ähnlicher Do- 
cumente und im Anschluß an das von Herrn 
Prof. Wüstenfeld in diesen Nachrichten 1880 N. 3 
aus zwei Gothaer Handschriften ^) des Ihn Mam- 

l) Eine dritte Handsohriffc ist des von Sacy zu sei- 
nem ägyptific^f ;a Orisy^^^^ichniß benutzte Cod. Yst. 267 
(Assem. 44), wie sich aun der. Yergleiclimig vo|i Mai's 
Nova Coli. IV, 436, mit der Inhaltsangabe bei Mijller 
n. 258 (Pertsch 47, 1892) und aus der üebereinstimmung 
einiger Citate bei Quatrem^re Maml. 1, 142. 144 mit ded 
Worten Ibn Mamm&ti*s' in den Nachrichten ergiebt.' 'Nur 
ist das OrtsverzeichuiB vetsckieden. 



433 

Die breite xxM ^uweileii diffuse DafstellaQg de9 
Scbrifißteilers ließ sich meist Bnsammen?ieb9Q; 
wörUich üeberset^t^s ist durch Anfuhrungss^ei- 
eb&n kepatli(^h geiuacbt. Den Text abzadrackeo 
schißn überflüssig, doch sind, wo es Interesse 
bat, die im Original gebrauchten Wörter m 
kepnen, dißse ausgehoben und zwar mit eineqa 
Stern bezeichnet, wepn Form oder Bede^tu^g 
eine wünschens|werthe Belegstelle darbieten, m^t 
zweien, wenn sie in den jetzigen Le^cis fenlen. 
Im Allgemeinen muß man festhalten, daß, wie 
in Europa, die Namen von Zeit zu Zeit i^uf an- 
dere Bauformen übergehen und daß etymologische 
Gleichheit nicht immer gleiche Beschaffenheit 
verbürgt» 

Der Verfasser bemerkt zuerst, daß die Nar 
m^9 im nutt^lländischen Af^er und in jep|[^ß^ir 
9^\ie^ und i|i4isc)ien, wie die für die Fahrz^iig^ 
der eins&e^nei^ Flüsse yerschieden ß^ien ^n4 h^r 
ginnt oiit den Schiffen des Mittelmeejrs. 

»Zur Waarenfracht dienen in diesepi d|^ 
«jljSyJ und der q^^ pl. /j.'^; letzterer ist yie} 

kleiner. 4( [Sonst^überall nvir als Nachen erklär^*] 
^^y^J pl. yl^Wd^l^ [obSchreibfehlw? 
aber auch im Kartäs p. 224 ult., und hier ebei^ 
so im Bonner Codex] neissen die großen SchiffQ 
des Mittelmeeres, deren Führer in fränkischer 
Sprache Capitano ^\JixS genannt wird; der 

Schreiber über die Waaren&acht heißt Escribano 
qL^Cä, der l^^feann Patipuo ^^yiJL Darujnter 

giebt es solche, die drei Deck«.jjfl^ haben und 

die Waaren durch Seiten-Pforten einladen; die 
unterste Pforte wird, wenn das Wasser nach 
Ydller Ladung des untersten Tbeiles ihr nahe 
konmit, geschlossen, ^]»\agelt, kalfatert und mit 



434 

Schmierstoffen *KJLbl bestrichen, die das Wasser 

abhalten. [Aehnliche Einrichtung für die Sin- 
schiffnng von Pferden auf den davon nsciere, 
ostiarins, Pfortensehiffe, genannten deutlich be- 
schrieben bei Joinyille St. Lonis p. 70, §. 126 
Wailly, vgl. Jal Glossaire nantiqne unter usse- 
rins, b^issier, porta, oBtiam.] ollon werden die 
Waaren zu einer Pforte gebracht, welche oben 
im zweiten Stockwerk KjLl^ sich befindet, bis 

die Ladung vollständig ist; die Pforte desselben 
in seinem Deck j^ wird verstopft, das Ober- 
deck gJa^ bleibt leer für die Schiffsleute und 

den ScLiffsbedarf und auch damit das Wasser, 
wenn während des Sturmes die Wogen über das 
Deck stürzen, durch die dazu eingerichteten Ab- 
züge v^A^Lw« seitwärts ablaufen könne und das 

Schiff sicher sei, daß auf seinem Deck und Ober- 
deck kein Wasser stehen bleibt; dazu wird das 
im Bauche zusammenfließende Wasser * ß^ ^^ 

\j^Usf- mit geeigneten Eimern entfernt. Die 

Kurl^uren fahren wegen ihrer Große und der 
Schwere ihrer Ladung nur unter Segeln , die 
durch den kräftigen Wind gefüllt werden. Sie 
haben deren drei, eines heißt fränkisch jCkuJb 

bannita, das zweite qv^^I artimone, das dritte 

l(^i> [was wohl nur trinchetto sein kann; in 

mancher maghribinischen Schrift sind \6 und J? 

sich einigermaßen ähnlich.] c 

[Im Osten hat ^3^ und H^y^Ä mehr einen 

Nachen bezeichnet, wie im Syrischen ; Act 27,16 
und in Eirchers Scala ist es cnro^^^jf, wie cercu- 
)rus auch bei Livius den leichteren Schiffen zu- 
gerechnet wird. So erscheint es unten beim 
Tigris. Eine kleine H«J»^ dient bei Ihn Batuta 



435 

IV, 327 zur Küstenfahrt an der afrikanischen 
Küste. Im Kartäs p. 225, 1 nnd sonst sind es 
Kriegsschiffe der Christen, die die größten mas- 
limischen, die v^jC, berggleich überragen. So 

gebraucht auch der Vf. unten das Wort. Die 
Beschreibung stimmt übrigens ganz mit der der 
'^^^2 bei andern Schriftstellern überein.] 

> ^Oujh pl. iXS\j^ sind hinten mittelst auf- 

nnd zugehender Pforten zu offnen und einge- 
richtet, Kriegspferde zu transportiren.c 

»v|j^ pl* (bo gewohnlich bei dem Verf.) 
*0^J^ tragen die Eriegsmannschaft und gehen 
mit Segeln und Rudern; einige haben 180 Ru- 
der und weniger. [Der Vf. gebraucht das Wort 
besonders häufig und sagt fol. 123': »sie heißen 
so, Raben, wegen ihrer Leichtigkeit und Länge 
und weil sie, um das Wasser abzuhalten, mit 
Theer und anderen Stoffen KJLbt bestrichen 

sind; wodurch sie Raben ähnlich sehen.«] Sie 
heißen auch ^^uuä^ pl. ^I^ü^ [so auch Ihn Mam- 

mätt. An Stelleu Makrizt's und Ibn Khaldün's 
bei Quatremöre Maml. I, 1, 144. 157 werden sie 
diesen als Art neben den Tariden untergeordnet« 
jx^\ v|y^l erklärt Germ.'de Sil. 505 als galeone 
ohne Ruder, welches also den Kurküren des 
Verfassers entspräche] und i^a^ pl* o^^' [sonst 
allgemeiner Name für Schiff, aber speciell Kriegs- 
schiff, vielfach so im Kartas ; vgl. Humbert] und 
sie haben * Ä^^>t c [kann kaum etwas anderes 

als Schwerter bedeuten, vgl. Jal unter aile. ob- 

schon deren nur bei Segelschiffen an ihrer Stelle 

sind.] 

»^^h^A pl. ,-bUÄ wird mit 80 Rudern ge- 

«• > 
trieben *^,. Ihre Aufgabe ist die Recogno- 



436 

scirang s^JJS^ der Häfen und sie bringt den 
Kurküren und Ghuräben die Nachricht zuräck 

>^Uikfi pl. oij^Uxc: wird mit zwanzig Ra- 
dern getrieben und dient, Waaren und Personen, 
vom Ufer aus überzusetzen, weil die Kurküren 
nur im tiefen Wasser des Hafens liegen s^J^ 

kpnnen; denn wenn sie auf den Grund stoßen 
-JJ c6 ^iai, zerbrechen sie wegen ihrer Schwere 

und der Schwere ihrer Ladung ; es giebt näm- 
lich unter ihnen solche, die zehn und einige 
Tausend Krüge •^Sy^ (cod. ^ßf>') Oel neben 

Anderem von allen Arten laden.« [Schaluppe 
der großem Schiffe Ibn. Bat. II 251, IV 60; 
Gondeln auf dem Nil, z. Th. prachtvoll einge- 
richtet Makr. Eh. I, 475 ff., später KS?y> ge- 
nannt, Kalkashandl 209. Kleinere die Flotte 
begleitende Schiffe Makr. II 180,7 zur Zeit Ibn 
Tülün^9, und sehr oft bei ihm. Eutycb. 11, 
506y 15. Daher ist die etymologische Zusammen- 
stellung mit dem rein romanischen usciere etc. 
das, vgl. oben, eine ganz andere kxi von groften 
Sohiffen bezeichnet, nicht haltbar.] 

»Die 9y^, pl.^^M steht zwischen dem ^JaxJX 

^nd jj^jL&fi in der Mitte« [der iöt^ ähnlich 

Ibn B^t II, 116; die. koptischen Scalen erklären 
es, ^^e tt^yCj^Ä, durch C^XXaQtov^ ein sonst in 

seiner Bedeutung unb^k^ntes W^rt, dfts mit 
d^m einmal bei Ja»l vorkommenden salarius, 
Sfi^lzschiff, nichts zu thun haben kann.] 

» y^JS pl* V;l>^ . Diese dienen den muslimi^hen 
ScbUt^Ätt im Seel^riQg, jedes füto^t 45 Schi^tzen^ die 
die muslimischen Galeeren i^b^ gegen die Galeeren 

und Kurkdren der Franken unterstützen, da sie 



437 

aehnell drehbar und leicht sind nnd die Sehi£Fe 

der Franken zerstreat angreifen ^ v3/^* ^^ 
franMschen Knrküren soll nichts so gefahrlich 
sein, wie sie, indem sie sie zerstreut mit ihrm 
Pfeilen und Schleftdennasehiaau angreüen, wäh«* 
rend die Knrküra vor Anker liegt. € [Das Wort, 
welche» sonst Schiffsboot oder Nachen überhaupt 
heiU^ €£scheint in ähnlichem Oebraacb« wie hier, 
bei den ersten Seesigen der Muslimen zur Vor-^ 
hnt Terwendet, Mal^r. U, 190, 18; ähnlich fin- 
dien sie sich als Bestandtbeile der Flotte mit der 
Beneimnng iC^jJ^ y;l>^ ^^^ Makr. II, 180, 7.] 

» B^^ pl. yLäS dienen den Maslimen im See«' 

krieg- gegen die Franken; es sind Schiffe des 
mittelländischen Meeres, in denen auch die Fran- 
ken, Maghribiner und Synr mit Wasren nach 
den Hafenstädten Sjriena^ Tripolis, Saida, Bai- 
rut„ Sarfand n.. s. w. fahren. c [Das Wort ist 
ia Texten noch nicht nachgewiesen, Dozy hat 
es bloß ans franzr-arab. Lezicis als correttc; 
Der Tä^ al-^^arns bei Lane s. v. ^^ hat es als Sy- 
nonym für dies, das als Leichterschiff bei *Makr. 
I, 224, 4 nod bei den Reisenden erscheint und 
nach Lane in Aegypten heute die größten Last- 
boote des Nil» bezeichnet.] 

lieber den Unterschied dar Schiffe de» Mittel- 
meers nnd des jemenischen und indischen be- 
meirkt der Verihsser, daß jexie mit yielen pliun- 
pen ^L> Nägeln, diesa mit Eokosfasem znsam- 

mengefagt seien, nnd hat natürlich die Erklärung 
vom Hagnetberge, während doch schon Masudi 1^ 
365 eine Terständfgere versucht hatte. Die in- 
dischen Schiffe führen sämmtlich siebem Segel', 
die von Eokosmattten nnd Leinwand gemacht 
und mit E^kosfaden genäht sind; 



438 

Bei dieser Classe werden nur die Namen 
ohne Beschreibung, vertnathlich in der B«ihen- 
folge ihrer Größe, angegeben: äJL>- pl. \J^is>'^ 

'iKA%\ pl. ^3j, welcher hier zuerst erscheint, nnd 
der bekannte i^yj^ pl. w5LuLum, wie geschrie- 
ben wird. Auch anderswo wird die letztere Art 
dem jemenischen Meer besonders zugetheilt, ob- 
schon z. B. Mal^rizi II, 180, 7 sie als Bestand- 
theil einer Flotte zu Ibn Tülün's Zeit auffuhrt. 
Die Erklärungen gehen alle dahin, daß es kleine 
Nachen sind, z. B. Ibn. Bai II, 17 ; erst in 
neuerer Zeit scheinen größere Fahrzeuge so be- 
nannt zu sein. 

Von den Flußschiffen nehmen die des Nil die 
erste Stelle ein. 

>Ä3tj^ pl. Oü.l^ wird von den Prinzen 
k6jL9 und Emiren zu Lustfahrten und zur Be- 
sorgung ihrer Geschäfte und Angelegenheiten 
gebrauchte [Als kleine Eriegsfahrzeuge auf dem 
Nil, die zur Unterstützung der größern Schiffe 
und Galeeren dienen, werden sie oft; erwähnt, 
z. B. Ma^r. I, 222, 2. Ebenso auf der See 
Raudhatain II, 119, 25.] 

»iü^.^ pl. (2jy*Kv> dient zur Zeit der Nil- 
höhe zum Herbringen der Getreidevorräthe von 
den Lehngütern.« [Auch die coptischen Scalen 
führen das Wort auf. Aus dg^ffMop, daher das 
^jy«.«> des Saadias Jes. 33, 21 und des von Dozy 

angeführten Abul-valid *|i73^n zu lesen sein wird.] 

»v-Ä^^ pl. v-^ty* bringt die Waaren der 

Eaufleute und Schiffer vom Land nach Misr und 
umgekehrt.« 

» .yC^ pl. jfLilä^ dient zum Uebersetzen der 

Leute von einem Ufer zum andern zur Zeit der 



439 

Nilhohe ; es fährt von Misr nach 'Gfza und um- 
gekehrt, und wenn der Nil zur Zeit seiner Höhe 
die Ländereien Aegyptens bedeckt, kann man 
zu den Dörfern nnr in diesem jyXj^ gelangen.« 

[Also hier ein sehr flachgehendes Fahrzeug.] 

Zu den Tigris-Schiffen gehören zunächst vier 
Arten, welche nach ihrer Größe in abnehmender 
Keihe diese sind: y^J^' *^^ große Schifft [um- 
gekehrt bei Lane ein kleines Schiff oder Boot], 

B^LJÜt [auch sonst speciell als Tigris-Schiff her- 
vorgehoben, vgl. Dozy Suppl. ; kleines Schiff bei 
Lane], äa&LJS [sonst nicht erwähnt] und v^^w^JUit 

[in der Geschichte Abulkasims bei de Goeje 
Gloss. geogr. p. 231 v^^wwJU]. Dann noch B^jJf, 

zur üeberfahrt über den Fluß dienend [bei den 
Lexicographen : ein kleiner ^j^^] und j^J^^ ^^ 

gleichem Gebrauch [s. oben]. »Die Schiffe der 
Brücke von Baghd&d, auf der Menschen und 
Thiere von einem Ufer zum andern gehen, 
heißen oLuiJ jit «. [Dies paßte zu s^ßx als grö- 
ßerem Schiff; da aber 'Gauhar! s. r. ^j und der 

Eamüs s. r, jaSx ein äj^aj; in 'der Bedeutung: 

bauchiges ^-i^u? Schiff haben , so möchte so zu 

lesen sein.] 

Der Verfasser spricht sich weiter über die 
nautische Kunst des Kapitäns g^Jt« aus, dem die 

Persouen US. und das Vermögen der Kaufleute 

anvertraut sind. Die Anforderungen bleiben 
sehr elementar und beschränken sich auf die nö- 
thigsten astrognostischen Kenntnisse und die 
Bekanntschaft mit den Windrichtungen. »Er 
maß die zwölf Bilder des Thierkreises und die 
achtundzwanzig Mondstationen kennen, sowie 



446 

di« an leis^rdti befindücfBen *t:J^^ [<^ dic^iferdocfc 
ünr Plural ton ^^^yit^ Capella sein kanin, so 
sclieint es appellatiy für alle hellsten^^^SfeniQ 
gebraucht tu seinjr welche Fixsterne heilen«. Eis 
werben beiäi^ielsweise futff^ebn genannt, ixäS 
diesfe Zahl könnte termutl^n las^n, daß si^ wie 
die fnnfzehfi anf Set Windtoäe ded Qibkxknuh^ 
(Seiiiattd Abonlf. I, e<^, 6der d^r gleichen <K>cfa 
ili diesem Jabrhiinderi gebrä/»chlicben bei Prin- 
sep Journ. As. Soc. Beng. V, 1836. 784) arar 
Bezeichnung def Compaßtriche dienen sollteil, 
was aber die Beihenfolge nl<iht zuläßt. »Er mmSt 
#isden^, welche Fixsterne midht uüte^g^^y wiief 
der Bär und die ibn ilmgebenden farkad&n uni 
igadtLfy, zwiseheü deben^ der Nordpol ist, der b^ 
den Seeleuten **l^^l heißt [j4^t ist tiaob 

Bistaaic inf der technischen Sprache miigef^ 
Neueren die nördtiche Himmelsgegend]. Wenn 
er diese Stationen und Zodiacalbilder, ihre oi^dkCy 

ihre Auf- und üntergä»ge^ kennt, ihre gegen->> 
seitige Stellung * v^ty« [vgl. mj )>ei Lane] und 

das Maß ilifes Ganges^ wonach er die Himmels^' 
richtungetk ermitteln kann, so hat er Anspruch 
äöS den Grad deY Meistevschaft i>L^ä:^I.« 

»Da der^ südliche Pol Voä Arttblertt aus liicht 
gesehen wird, so kann man sich nur nach den^ 
BÖrdlichen, den man im Maghrib sieht, richten. 
Ist dieser aber nichi siehtbair, so bedient man 
sieh des Magnetsteins, der von Gott als Ersatz 
der Himmelszeichen geschaffen ist.^ 

Die Nachricht über den Gompaß ist b^ 
achtenswerth, weil aus arabischen Quellen bisher 
Bttr^ einey auf das Jaht 1242 ^rtickgehemde Be^ 
scibreibung aus deäi Buche deä Baifaih AUBapteki* 
(gesahrieben 1282 ; arabisch bM Elaproth Lettre 



441 

snr rinvention de la bonssole. Par. 1834, p. 57 
nwi bei Clement -Mullet, Jonrn. As. 1868, XI, 
174, französisch bei Beinaud, Joarn. As. 1835, 
XY, 582 uafiL Aboalf. I, eciij) bekannt gewor- 
den, ist (eine mit dieser sehr iibereinstinunende, 
obsehon nicht ans ihr genommene Erwähnung 
des chinesischen Fischcompasses hat Makrtzi 
Khitat I, 210, Artikel giulvän), die auf 'den 
Wassercompaß geht. Die gegenwärtige geht da- 
gegeiLy soweit deutlich, auf den yervollkomm* 
neten s. g. Seecompaß. 

»Man nimmt eine hölzerne Büchse vji»» 

[**iCap^. heißt jetzt geradezu Compaß. Berggren 

B. ^. bouss€le« Oib&n numd. p. 62 Z- 4 t. u.] in 
welcb^ m^n eine d^n Se^lAU^n bekannte Holz- 
rinde [offenbar eine Eorkscheibe] bringt. Diese 
bat einen Schn9«bel f^jS> [wohl nur um die 

Richtung deutlicher zu machen] und in der Mitte 
des Eorkstückes ist eine mit ihm [fest] verbun- 
dene iü^jA Nadel^ so daß das Ende o^ [die 

Spitze], de^ Nadel an dem Schnabel des Eork- 
stücl^s ist. lo, der Mitte des Korkstücbes wird 
ein stehender Pfeil »gw [Stift] angebracht, so 

daß diß Gestalt eines Mühlrades Qj,i>lhl< XL^ 

[offenbar eines horizontalen bei P^r^emühlen, 
wie auf Niebuhrs Tafel XVI zur Reise nach 
Acabien] in der Achse **'f^yijSi\ (trrüAo^) entsteht^ 

und über die Büchse wird ein Glas, w^e eine 
Schröpfglocke f\^\ *«woU> [cod. ^l^ , was similos 

ist] zu ihren^ Schutz vor dem Winde gestülpte 
Wenn ip der Nacht Umwölkung und kein Stern 
sichtbar ist, fährt der Gapitain mit dem Stein 
um sie yonil^r weg l^jLfi oJ^ji [?Bailaki: eir fährt 

herum und zieht die Hand plötzlich empor] und 
sie filngt an zu kreisen, bis sie steht ; die Spitze 

34 



442 

der Nadel bleibt stets dem festen Pol am Him- 
mel gegenüber stehen. So erkennt er den Ort, 
auf den er auf seiner Reise hinsteuert, sei es, 
daß er auf den Pol gerade zuhalte kX^\ oder ihn 

zur Rechten oder zur Linken oder im Rücken 
lasse.« 

Sodann muß der Capitain von den Himmels- 
gegenden , Cardinalpuncten und Windstrichen 

wLp Kenntniß haben. >Er ermittelt jene, indem 

er den Nordpol genau in den Rücken nimmt, 
dann hat er vor sich den Süden, rechts den 
Westen u. s. w. Von Osten weht der Ll*o, von 

Westen der ^y»>, von Süden der ^^^y^^ von Nor- 



den der v3Uä oder Xa»^. Zwischen je zweien 
wehen die ^LjCS, so genannt, weil die Hanp^ 
winde von ihnen abweichen u-^XS« und sie werden 
von den Seeleuten mit unetymologischen ^y^fjA 
Namen genannt, z. B. ^JLmv [Xaloque SO], _:> 

[Circius NW], ^ [lebeche Xltp S W], ^\^ fNO], 
^ylJL> [Gallego* NO], **j^ [caurus, coro NW], 

**'ji^^'i\ ^*Js^ [ohne Zweifel Fall wind, die plötz- 
lich aus Eüstenthälern hervorbrausenden Winde] 
u. s. w. Ost und West haben jeder zwei Striche 

w4^ , einen größeren [weiteren] und einen klei- 
neren [engerem] ; der weitere- Ost ergießt sich 

v^AAOj in den engern West und umgekehrt« [ge- 
meint ist wohl, daß. die Zwischen winde, die etwa 
zwischen ONO und OSO liegen, gerade auf den 
Westpunct zuwehen, was freilich eine sonderbare 
Vorstellung sein würde]. Der Doppel-Ost und 
West des Koran wird in gewöhnlicher Weise 
gedeutet. — »Beim Entfalten der Segel beten 



443 

Gapitain and Mannschaft Sur. 6^ 43« I63| wodurch 
sie vor dem Ertrinken gesichert; sind« [vgl. |lakr. 
Khit. D, 195, 9, Hariri* 431, 12]- 

Bei den Schiffen des indischen Meers werden 
verschiedene Züge des Aberglaubens erzählt, die 
mit den von Jal Art* Snperstition gesammelten 
verwandt sind. »Wenn die xJL> sich einem 

Festland nähert, an dem ein Berg ist, so steht 
ein Matrose mit einem Topf und ruft ihm den 
Saläm zu mit den Worten: O Berg, der Capi- 
tain ]öys>m\ dieses Schiffes föhrt von dem und 

dem zu dem und dem Lande; deine Gunst mit 
ihm KfLA \61iL^. Zuweilen isir etwas Reis ge-* 

kocht und wird in das Wasser mit den Worten 
geworfen: dies ist dein Oeschenk, o Berg. Das 
geschieht bei jedem Berg, den sie sehen und 
ebenso im Meer von Aidäb: von den ^aufletiten 
wird Eßbares zusammengebracht und ihm als 
Geschenk ins Meer geworfen. Bei Windstille 
schlachten sie eine schwarze Henne oder einen 
schwarzen Bock, bestteicben mit dem Blut den 
Fuß der Masten und räuchern mit kumärischem 
Agallochum. Ein Kaufmann erzählte: ich sah 
einen Matrosen ein Messer nehmen und allein 
damit in die Luft fechten yj^L^., auf meine Frage 
ward mir gesagt, daß er den Wind bekämpfe, 
weil dieser uns im Stich lasse La uiaffi. Der- 
selbe erzählte: wir blieben eine Woche ohne 
Wind zu haben und das M^er war wie gefroren, 
während wir doch auf hoher See k^ waren; da 

nahmen sie ein Gefäß mit hohlem Bauch, thaten 
von jeder Waare ein Weniges hinein, gaben ihm 
mit Masten und Segeln die Gestalt eines Schif- 
fes und setzten auf die Masten kleine Kerzen 
**oUa4^. Die Matrosen stiegen in ein Boot 

34* 



444 

i,6^**Mt . fahren mit dem Qefaft siebenmal am das 

Schiff und ließen es mit den brennenden Kerzeia 
anf dem Wasser schwimmen, indem sie sagten: 
dies ist das Geschenk des Meeres. Das GefäH 
blieb auf dem Wasser, bis der Luftzug kam, die 
Wellen seiner mächtig wurden und es Ifort- 
führten.« 

Wesentlicher ist folgendes: »Ein Schiff fahrt 
gewöhnlich vier Taucher (j^Ubc mit sieh, die 

nichts zu than haben, als, wenn im Schiffe das 
Wasser steigt, sich mit Sesamöl einzureiben 
*QpOul, ihre Nasenlöcher mit Wachs zn ver- 
kleben und sich, während das Schiff fortsegelt, 
ins Meer zu stürzen. Jeder hat zwei mit einem 
dünnen Strick yerbundene Haken vJliajs^, yon 

denen er den einen im Holz des Schiffes be- 
festigt .J? und am andern taucht. Er schwimmt 

wie ein Fisch ein wenig unter dem Wasser um 
das Schiff und gebraucht nur das Ohr. Wo er 
das Rieseln des Wassers hört, stopft er mit Wachs 
zu, da es mit Palmstengeln, und zwar, wo ge- 
näht ist, verstopfte Löcher /uaS sind. Oft durch- 
sticht er ^^ diesen befestigten [?j»^OUww«] Palm- 
stengel mit einem Faden von Eokosfasem. Die 
Sache ist ihm leicht, er stopft den Tag über 
zwanzig und dreißig Lecke. Der Taucher kommt 
empor, ohne daß ihm daraus Beschwerde er- 
wächst, einerlei ob Wind oder Stille ist.€ 

»An einem Orte hidiens, der ^yjuJi [doch 
wohl nur Verderbniß aus Kalikut, KalikodaJ 
heißt, baut man große Schiffe, die mit Pfeffer 
und kostbaren Waaren beladen nach Aden gebn. 
Sie sind zum Kampf gegen die Seeräuber mit 

Ballisten *^li«J| JL«Jüt fDozy s. v. ^] und Waf- 



445 



feh Tetsetien. Diese Seeräuber äind Terscbi^ene 
Stamme der heidnischen luder, welche von ihren 
Königen zur Piraterie gegen die Eaufleute ans- 
gerustet ^i^en nnd dafür Sold beziehen. Zu- 
weilen siegen sie, zuweilen werden sie überwäl- 
tigt | aber sie nehmen nur Güter und Soachen 
Niemanden zum Gefangenen, sondern setzen solche 
in der jedesmaligen Küstenstadt aus, in die sie 
sich zurückziehen. Die Könige der Küstenstädte 
geben ihnen das Recht , was sie erbeuten, sich 
anzueignen und zu verkaufen, und wer etwas 
alu sein Eigenthum erkennt, kann es von ihnen 
itQlr zurückkaufen. Dies n^fineh sie : die Städte 
in Blüthe bringen 8^L^.« 



Zam Schluß ist es vielleicht am Platz zur 
Fortführung der oben in den Nachrichten 1880 
p. 196 gegebnen Liste ton Schiffsnamen einige 
weitere herzusetzen, die ohne Bücksicht auf Voll^ 
ständigkeit gesammelt sind. Die Hälfte davon 
befindet sich jetzt bereits in Dozy^s Supplement, 
atif das daher, da nichts in ihm Gesagtes wieder- 
holi werd'en sollte, verwiesen ist. 

Äl7»Jt Flotte, und zwar ausschließlich christ- 
liche. So l^iufig in der Geschichte des Zuges 
nach Alexändrien. Dozy. 

'ii&jA pl. iji,\ß Elias von Nisibis p. 147 No- 

^aria. Boderbarke Germ, de Sil. 694, galeotta, 
fusta ders. 505. Andere Stellen bei Dozy. 

Xiby Hüml)ert, Guide de la conv. 127. 

oij^ftju> Gesch. desAbull^äsim bei DeGoeje, 
ßlöBs. Geögr. 2S1. 

/L> Ihn Bat. IV, 59. Schiff bei Kandahar. 



446 

xJ^b*- . wenn Makr. Ehit. 1, 218. 10 die Les- 

art lUJaj^ tJj^^ ^t^ ^a;^^ richtig ist. 

Mj>' u. a. Formen Dozy. oLuj^t ohne 

Substantiv. Makr. 11 197, 17. 

J^ bei Eutychius 11, 506. Daß es eine Art 

Kriegsschiff ist, ergiebt sich ans dem Zusammen- 
hang. In der Parallelstelle hat Ibn al Athir 
YIII, 84, 4 \^jA und, diesem wohl folgend, Ibn 

Khaldün IV, 39, 3 v^a^öt . Ubaidallah hatte 

eben vorher die Werfte in Mahdijya gegründet 
und dort 900 (?) lüj^ Makr. I, 351, 14, j^ 

Ibn al Athir VIII, 70, 15 erbaut. Solche wird 
man also unter J^ zu denken haben. 

^b pl. ol^t«> kleine im persischen Meerbasen 

gebräuchliche Schiffe. Sacy Chr. III, in. 359. 

'fjj^üfj Schiff auf dem Tigris (s. o. S. 439). 

^.fJijijA Act. Ap. 27, 16. Polygl. für axag^ff 
Schifo Germ, de Sil. 909. 

äU^ Ibn al Athir XII, 215, 12. Makr. Khit. 

I, 216, 26. 218, 23. 221, 13, Nuwairi bei Ha- 
maker Dimyath p. 94. Hist. patr. Alex, bei Rei- 
naud Extraits 391. Es war ein aus mehreren 
großen Schiffen zusammengesetztes schwimmen- 
des Castell (umgeben von vielen ä3|^ Ibn al 

Athir. Makr.). Bei den Abendländern maremma, 
die ganz ähnlich von Oliverius Scholast. be- 
schrieben wird. Vgl. Reinaud a. a. 0. 

'iijtix großes Schiff. Gaah. u. Kämüs. s. o. 
S. 439.' 

j^ kleines chinesisches Schiff. Ibn Bat. IV, 
91. — j^ Lane, Dozy. 



447 

M<^; pl. ^p\ Schiff im indischen Meer. S. o. 
S. 438. 

'ijij^ vgl. oben s^jll. 8. S. 436. Dozy. 

äü-A<w andere, vielleicht bessere Form für 

^iAfw«, Gauh., Lane, De Goeje Gloss. Geogr. 

263. Bei Ibn al Athlr auch IX, 436, 8 (wo 
Gondeln). 

äJL^ oder anders pnnctirt. De Goeje Gloss. 

Geogr. 263 ans *Arib. 

Ij^ nnit. 8t<X&. Gauh. Eämus. H^t(X& klei- 
nes Schiff. Lane aus Msb. Vgl. de Goeje Gloss. 
Geogr. 272. 

V.ÄAÄ Humbert. Dozy. 

^JLä Westküste Indiens. Dozy. 

ÄA^L& pl. sji^\j^ barcha barchetta. Germ. 

de Sil. 186. 

JaÄ, ^^h,*M> 8, o. S. 435. Dozy. 

)ü^ bei Makrtz! häufige Form für j^. 

Germ, de Sil. 201 : bergantino. 

JoUao Schaluppe eines Schiffs. Humbert. 

v5tja^ Germ, de Sil. 909. Dozy. 

oy?, S^>\jh neben BJu^ Dozy, dagegen bei 
Niebnhr für eine ganz andere Art Schiffe. 

'jjtjjü^ Engelmann, Gloss. Esp. * 345 aus P. 
de Alcala. Dozy« 

juÄfi prächtig geschmücktes Nilschiff. Dozy. 

,jji^ im Ind. Meer. Dozy. 

oL^^ kleinere zu einer Flotte gehörige 

Schiffe zur Zeit Ibn Tülüns. Makr. Khit. II, 
180, 7. 

Bjl^ Flotte, häufig in der Gesch. des Zugs 

nach Alezandrien. Dozy. 



A 



448 

äJUf neben ä^u^, also Lastschiff. Sfesadt 
I, 288. oUL^Jt Ls\jL\ Gesch. des Abolk&sim 
bei De Goeje GIoss, Geogr. 231. 

>üsJU Tälgr al "ärus bei Lane. Far den 

danernden Gebrauch des Wortes u5ULd als Schiff 

spricht das uSULftit 3C&^ des Germ, de Sil.: scMfo, 

Sorte di barca 909. Hariri läßt vorüberfahrende 
Schiffer, bei denen er also Verständniß des Wor- 
tes Yoranssetzen mußte, anrufen (i5lUJt ]3 J^t \a 

^430, G. ^496,4. Zamakhshari gebraucht es auch 
Nayähigh n. 42 nach Barbiers Zählung Jonrn. 
As. 1875. VI, 337. 

8^ kleines Schiff auf dem rotiien Meer 

== iu«U3 Quatr. Maml. II, 2, 278. Doäj. 

gämiyya Fährschiff auf dem Enphrat. Sachau, 
Mittheilungen über eine Reise in Syrien. Verhandl. 
der Gesellsch. f. Erdkunde in Berlin 1882, N. 3. 
S. 20 des SA. Nach ihm wohl äjwoIS zu schrei- 

ben und von türkischem ^4/ Schiff abzuleiten. 

ju^ Sacy in )ov. 372 auf dem rotben Meer. 
Dozy. 

iUiL» = 8^ q. cf. 

f^ kleinste der drei chinesischen Schiffs- 
arten bei Ihn Bat. IV, 91. 

B^iJklk' pl. ^^U^ = j\Mii\ V>1>ä5' ÜÄine Bar- 
ken bei den Maldiven. Ihn Bat. IV, 119. 85. 

^y^ Ganonenboot (spim. landha) Humbert 
126. Dozy. 

v;>wmJU , v:>wmJU s. o. S. 439. 

OjyU Schiff bei Kandab&r in Indien. Ibn 
Bat. IV, 59. 



449 

ütbeir allmählig sich entwickelnde Be- 
rükrnngselektTicität anter Mitwir« 

knng der Lnft. 

Von 

W. Holte. 

Ick hatte an seidnen Schnüren ein Laken 
»Qdgespannt nnd dasselbe durch einen Drath mit 
der nntern Platte eines Condensators yerbnnden. 
Es geschah um zu untersuchen, ob sich durch 
Verdampfung von Wasser, das ich unterhalb 
des Lakens auf den Boden des Zimmers goft^ 
Elektricitat entwickeln würde. Ich erhielt in 
der That nach einigen Stunden allemal einen 
Ausschlag, bald einen größern, bald einen klei- 
neren und zwar jedesmal von positiver Electrici- 
tat. Aber es zeigte sich bald, daß das Resultat 
dasselbe blieb, ob der Boden des Zimmers ▼or*' 
her angefeuchtet oder von vornherein trocken 
gelassen war. Dies ließ mich vermuthen, daA 
die Hauptursache der Electricitätsentwickelung 
in der Berührung des Drathes mit dem Laken 
bh suchen sei. Ich wandte deshalb statt des 
bisherigen Eupferdrathes einen Zinkdrath an, 
und nun erhielt ich auch wirklich einen Aus*- 
Behlag von negativer Elektricitat. Ein Gleiches 
ergab sich, als ich zwei Laken isolirt aus« 
spannte und jedes mit je einer Scheibe des Cond^B'^ 
sators verband. Ich erhielt stets positive Elektricv- 
tät, wenn der untere Drath d. h. jener, welcher 
mit den Goldblättchen communicirte, ein Eupfer- 
drath, negative, wenn es ein Zinkdrath war. 
Dies blieb auch so, ob ich einen Gondensator 
ans Eupferscheiben, oder aus Zinkscheiben be- 
nutzte, oder die eine — gleichviel welche — 
aus Eupfer die andere aus Zink bestehn ließ. 



450 

Hiernach war kein Zweifel mehr, daß die Be- 
rührung zwischen Laken und Drath die eigenir 
liehe Ursache der Elektricitätserzengung sei, 
wobei jedoch gleichzeitig die das Laken be- 
rührende Lnft eine eigenthümliche Bolle der 
Ableitung spielen mußte. Denn ich erhielt kei- 
nen Ausschlag, wenn ich das Laken constant 
ableitete, oder beide Laken zugleich bertihrte, 
oder wenn ich statt ihrer ganz kleine Tücher 
verwandte. Es spielte also neben der Leitnngs- 
fähigkeit der Luft, welche natürlich nur in der 
Beweglichkeit ihrer Moleküle bestand, zugleich 
bis zu einem gewissen Grade ihr Isolirungsver- 
mögen eine Rolle. Zufällig war eines Tages die 
Zimmerluft sehr ozonhaltig, und es schien mir, 
als ob an diesem Tage der Ausschlag größer sei. 
Dies bestimmte mich, das Verhalten ozonhaltiger 
Luft genauer zu prüfen, indem ich an verschie- 
denen Tagen Ozon auf chemischem Wege in be- 
kannter Weise in größerer Menge sich entwickeln 
ließ. Allemal erhielt ich an solchen Tagen 
größere Ausschläge im üebrigen von derselben 
Elektricität; wie ich sie auch sonst erhalten 
hatte. Auch der Feuchtigkeitsgehalt der Luft; 
schien die Ausschläge etwas zu begünstigen. In 
allen Fällen war der Ausschlag erst nach ge- 
wisser Zeit merklich und wuchs bis zu einem 
gewissen Grade mit der Zeit. Der umstand, 
daß ich die Versuche, welche größere und sonst 
völlig unbenutzte Bäume voraussetzen, vorläufig 
abbrechen mußte, veranlaßt mich, jene Wahr- 
nehmungen schon heute mitzutheilen. 



451 

Erklärang. 
Herr Fritz Hommel in München hat am 
6 Mai 1882 im literarischen Centralblatte , am 
20 Mai 1882 in der Academj, am 5 Jani^ 1882 
im »Aasland« mit mehr oder weniger Deutlich« 
keit den Privatdocenten an der Universität 
Göttingen, Herrn Doctor Paul Hanpt, beschul- 
digt, durch seinen von mir der königlichen Ge- 
sellschaft der Wissenschaften zu Göttingen am 
3 November 1880 vorgelegten und in unsern 
Nachrichten unter gedachtem Datum gedruckten 
Aufsatz ȟber einen Dialect der sumerischen 
Sprache« ein Plagiat an Herrn Fran9ois Lenor- 
mant in Paris begangen zu haben: noch in seiner 
die Jahreszahl 1881 tragenden Schrift — die 
Widmung ist vom 9 Juni — »die Semiten« 64 
hatte Herr Hommel von »Paul Haupts neuer 
Entdeckung« geredet, ohne der von ihm im Mai 
und Juni 1882 dreimal vertheidigten Priorität 
des Herrn Lenormant zu gedenken. 

Es ist jedenfalls gewiß, daß Herr Lenormant 
in seinem Werke »die Magie und Wahrsagekunst 
der Chaldäer* (Jena 1878) 399 
eine gewisse Mannigfaltigkeit von Dialecten 
innerhalb des vorsemitischen Idiomes des un- 
teren Euphrat- und Tigrislandes 
behauptet, und 
die Neigung dieser Wörter, ein man die 
Stelle des b treten zu lassen, deutlich erkennbar 
genannt hat: aber was Herr Haupt in der ange- 
zogenen Abhandlung bietet, geht meines Erach- 
tens weit über das in den wenigen Zeilen des 
Herrn Lenormant Mitgetheilte hinaus. 

Als es sich um die Beantwortung der Frage 
handelte, ob Herr Haupt als Docent für Assyri- 
ologie an unsrer Universität zuzulassen sei; habe 
ich, selbst nicht im Stande ein Urtheil zu fällen 



452 

nnd gleichwohl in der Lage, die philosophisclie Fa- 
onltät berathen zu' müssen, Gutachten der Herren 
Oppert, Halevy, Lenormant, Friedrich Delitzsch, 
Sayce erbitten lassen oder selbst erbeten : ans dem 
TOn Herrn Lenormant am 25 November 1880 an 
mich gerichteten Briefe theile ich — mit Erlaubnis 
des Herrn Briefstellers — folgende Sätze mit: 
Pour ce qui est de Taccadien ou sum^rien, la 
part d'originalite personelle 
des Herrn Haupt 

est encore plns considerable. Sur certains 
points, oü il s*est trouve d^accord avec mes 
derniers trayaux, ses resultats, concordants avec 
les miens, ont ete obtenus par lui d'une fa$on 
entierement independante. Sur d'autres, il a 
fait ayäncer la science d'une fa9on tres-heureuse 
et definitivement eclairci des questions de gram- 
maire ou de lexique jusque*lä tre&^obscures. 
C'est une veritable decouverte et des plus im- 
portantes que celle qu^il vient de faire du 
dialecte sumerien, different de Taccadien clas^ 
sique, et la dissertation oü il Texpose, est ex- 
cellente de tout point. 
Und in dem Schreiben, in welchem mich Herr 
Lenormant auf mein Ansuchen ermächtigt, die 
eben ausgehobenen Sätze drucken zu lassen, 
heißt es unter dem 24 Juni 1882 wie folgt: 
Je ne retranche aucunement ce que j'avais ea 
rhonneur de Vous ecrire en 1880 au sujet de 
M. Haapt: 
was ich Herrn Lenormant in Abschrift wieder 
vorgelegt hatte. 

Nachdem Herr Lenormant die von Herrn 
Hommel angeführte Stelle seines Buches über. 
die Magie der Ghaldäer dtiert hat, fahrt er fort: 
Je n'avais pas ete plns loin dans mes tra- 
Vfttx imprimes. 



453 

J^avais bien reconnu qa*il existait plasiears 
textes continns du second dialecte, ainsi que 
je crois Tavoir 6crit ä M. Hanpt en recevant 
son memoire: 
also nachdem Herr Hanpt seine gedruckte Ar- 
beit dem Herrn Collegen eingesandt hatte: 
mais comme je n'avais rien imprime ä cet 
egard, M. Haupt y est arriy^ de son cöte 
d'une maniere pleinement independante : 
die letzten fünf Worte unterstreicht Herr Le- 
normant. 
II ue saurait y avoir de sa part aucun pla- 
giat de travaux qu*il ne connaissait pas et ne 
pouvait pas connattre, puisque je les avais 
gardes pour moi. Aussi ai-je tonjours regarde 
sur ce point la vraie decouverte, celle des 
textes du second dialecte, comme etant sienne, 
Herr Lenormant unterstreicht etant sienne — 
lai appartenant personellement aussi bien que 
Celle des lois phonetiques qui caracterisent 
le dialecte (sauf la Substitution de m ä b, que 
j'ayais indiquee: die Magie p. 399). Pour 
ma part, je n'eleve ici aucune r^clamation 
contre lui, je r^counais rentiere originalite 
de sa decouverte et j'y rends la meme justice 
qu'en 1880, ajoutant senlement pour preciser 
les faits que ce que j'avais imprime en 1878, 
s^il en a eu connaissance , a pu le preparer 
dans une certaine mesure, mais ne lui en a 
aacunemeut fourni Telement le plus essentiel, 
qa*il a du necessairement trouver ä lui seul, 
et par son travail personnel et independant. 
^ erübrigt nur noch den Anfang der inder Aca- 
demj veröflFentlichten Uebersetzung des Abschnit- 
tes, welchen Herr Hommel dreimal in der Zeit 
von dreißig Tagen gegen Herrn Hanpt ins Feld 
geführt hat, dem Originale gegenüber zu stellen : 



454 



If the ideogramm emeku 
really belongs to an earlier 
period, and Ib not merely 
an invention of the later 
Assjrians, then of coarae 
we haye here simply a 
dialectical differeneo be« 
tween the Idioms of the 
Sumir and Accad (and not a 
difference of langna^es, as 
was maintained bj M. Op- 
pert, who thonght Same- 
rian the langnage of the 
non-Semitie, Accadian that 
of the Semitic population 
of Babylonia). 



Ueberdies bleibt noch 
immer die Frage offen, ob 
das Ideogramm EMEKU 
in der That eine Erfindung 
der Assyrer war, oder ob 
es nicht vielmehr einer 
früheren Periode angehört. 
Ließe sich letzteres durch 
Auffindung eines noch un- 
bekannten älteren Beispiels 
nachweisen — was ja im- 
merhin mGglich ist — , dann 
würde natürlich der Ge- 
gensatz, den das Ideogramm 
anscheinend zwischen den 
Sprachen der Sumerer und 
Akkader bestehn lä£t, nur 
ein rein dialectischer und 
kein absoluter sei, wie er 
zwischen einer semitischen 
und turanischen Sprache 
besteht. 

Herr Sayce, der dem für die Academy ge- 
schriebenen Au&atze des Herrn Hommel sein 
Laissez passer beigefügt, hat an dieser Ueber- 
setzang nichts zu tadeln gefanden. , 

Ich erwarte, daß das literarische Gentralblatt, 
die Academy und das »Auslände diese ohne Wis- 
sen des Herrn Haupt erlassene Erklärung yoU- 
ständig mit meines Namens Unterschrift ihren 
Lesern mittheilen werden. 

26 Juni 1882. Paul de Lagarde. 



Nachtrag zu 404. 
Herr Nöldeke hat ZDMG XXX 184 die richtige 
Erklärung des tDOIl gegeben: ich* bitte sehr um Ent- 
schuldigung, dafi ich dies übersehen habe. 

Lagarde. 



455 

Uniyersität. 

Preisaafgabe. 

Für die nach den Statuten der Petsche*- 
schen Preisstiftnng in diesem Jahre von der 
theologischen Facultät zu stellende Preisanfgabe 
wird das Thema gegeben: 

„Justus Gesenius und seine Verdienste um 
die Hannoversche Landeskirche." 

Die Preisarbeiten müssen spätestens bis zum 
1. Januar 188 3 mit einem, gleichlautend auf 
einen versiegelten , inwendig den Namen des 
Verfassers enthaltenden Zettel zu setzenden 
Motto versehen, dem Decan der theologischen 
Facultät übergeben werden. 

In der ersten Woche des März 1883 wird 
der Erfolg der Preisbewerbung durch Anschlag 
am schwarzen Brett und durch die »Nachrichten 
von der Königlichen Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der Universität« bekannt gemacht 
werden. 

Göttingen, 6. Junius 1882. 

Der Decan der theologischen Facultät. 
Wagenmann. 



Als Thema der durch die Petsche Stif- 
tung vorgesehenen Preisarbeit stellt die Juristen- 
Fakultät : 

»Darstellung der Vorschriften über das 
ordnungsmäßig hesetde Gericht nach 
heutigem Proceßrecht (Civil- und Straf- 
proceßrecht).« 
Die Arbeiten sind spätestens bis zum 1. Ja- 
nuar 1883 bei dem unterzeichneten Dekan ein- 
zureichen. Die Arbeit ist mit einem Motto zu 
versehen. Das gleiche Motto ist auf einem 



456 

gleichzeitig mit der ^rl^i^ einfur^icbenden ver- 
siegelten Zettel zu setzen, welcher den Namen 
des Verfassers enthält. 

Der Erfolg der Pr^sbewQrbung wird in der 
ersten Woche des März durch Anschlag i^m 
9Qhwarzen Brett und davcl^. die »Nachrichten 
von der Königlichen Gesellschaft der Wissen- 
schaften nn,d der ünix^rsität« hßkannt gemacht. 

Dem Verfasser der 4^^^^^^ welcher der Preis 
zuerkannt ist, wird derselbe vom Dekan ausge- 
händigt werden. 

Der zeitige Dekan der Juristen-Fakultät. 

John. 



ßei der Königl. Gesellschaft der Wi^- 
i;ß^/^ch^ft.en eing^giwgene Dxuckschriften. 



Man bittet diese Yeneichnisse zugleich als Eioßfang^aazeigen ansehen 

zu wollen. 



Fortaetzuog. 

Geschickte d^r wiss^schaftlichen, Uterariacben und ar- 
tistischen Anstalten Portugals, von Jos^ Silvestre 
Ribeiro. T. VIIL IX. 

Demostbenes. Rede »de corona« übers, aus dem griech. 
Original, mit einer Abhandlung über die Ciyilisjition 
in Griechenland von J. M. Latino Goelho. Aufl. 2. 

Die Flon^. derLusiaden von Conde de Ficalho. 

(Fortsetzung folgt.) 



Druckfehler - Berichtigung. 
Seite 89 Zeile ^ der Nachrichtein spll: 2 8inatgf 
anstatt : sin a tg ^ stehen. 

Ffti dieBedaction Terantworflich : Dr. BschM, Director d. GAtt. gel. Am. 

Conunisfi^ons -Verlag der J>UUrieh*SGhtn TStrbva'^tcAAoNdlHiv 

Jh-uck der JHetwicK sehen üntv,- Buchdnu>ker$i (W Fr. Ktmhurh 



457 



Nachriehteo 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg-Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



28. Jaui MW. 1882. 



KlrigHcke fiesellsckaft der Whsenschaften. 

SitEung am 10. Jnni 1882. 

Optische Studien am Granat. 

Von 
C. Klein. 

(Mit drei Tafeln). 

I. Historische Einleitung. 

Unter den Körpern , welche bei regulärer 
Kpjfiftallform optische Wirksamkeit zeigen, nimmt 
der Granat eine heryorragende Stelle ein. In 
einzelnen Krystallen von einer Stärke der Dop- 
pelbrechnng, die der des Boracit fast gleich 
konmt, sinkt er in anderen bis zur gänztiehen 
Wirkungslosigkeit herab; aber dieses Verhalten 
zeigt sieh nicht allein, wie man jüngst beobach- 
tet zu haben glaubte^), nur bei Granaten von 
TersehLedener Zusammensetzung, sondern auch 
te solchen ein und derselben Constitution > ja 
ein und desselben Fundorts, so daß auf Grund 

1) Er. Mal}^rd. Bxplications des phänom^ues opti- 
flnes anoman:^ etc. Paris 1877. Dcmod. p. 53-^54. 
Sep. Abdr. aus Annales des Mines. 7. Särie. . T, X. 1876. 

35 



458 

dieser Wahruehmnngeu der Schloß berechtigt 
erscheint, die hier auftretende Doppelbrechung 
sei auf secnndäre Wirkungen zurückzufahren, 
da sie sich nicht als eine unabänderlich au die 
Form gebundene darstellt. 

Kann sonach auch nicht, wie in der nach- 
folgenden Darlegung versucht werden soll zu 
zeigen, das Erystallsystem des Granat uach den 
sich in wechselnder Weise darbietenden optischen 
Erscheinungen bestimmt werden und ist man 
bei Beurtheilung jener Frage auf die Form als 
das constanteste Element angewiesen, so fesselt 
doch das Studium der optischen Erscheinungen 
in hohem Grade und es ist zu verwundern, dafl 
nicht schon viel früher die eingehende Betrach- 
tung der Forscher sich diesem Gegenstande zu- 
gewandt hat. Gehören ja doch in optischer 
Hinsicht sehr ausgezeichnete Varietäten, wie die 
zum Ealkeisengranat zu zählenden gemeinen 
Granaten und der ebenfalls dieser Gruppe 
zuzurechnende Topazolith ^) durchaus nicht 

1) Die erste Nachricht über diesen merkwürdigen 
Granat gab Bonvoisin in Delamätherie, Journal de Fhy- 
sique 1806. B. LXII. p. 409 u. f. nach einem am 1. 
Ang. 1805 vor der Tnriner Academie gehaltenen Vor- 
trag. An erstörem Orte ist auch, p. 428, die Analyse 
mi^etheilt, die sich bei Phillips Elem. Introduci to 
Mineralogy 1823 p.32; 1838 p. 18 reproducirt findet — 
In der Weise ihrer Zeit gefertigt, würde diese Analyse 
wohl einer Wiederholung bedürfen, wenn durch die- 
selbe die Zugehörigkeit des Topazolith zum Ealkeisen- 
granat allein gewährleistet wäre. 

Durch die Untersuchungen Damour's, von denen 
Dufr^noy, Mineralogie 1856 p. 604 berichtet (vergl 
auch J. D. Dana Mineralogy 1868 p. 269, E. S. Dana 
Mineralogy 1877 p. 282), ist die Stellung des Topazo- 
lith im System indessen gesichert und es erledigt sich 
dadurch der durch die Bemerkung Qroth's Tabell. 
IJebersicht der Mineralien 1882 p. 91 etwa aufkom- 
mende Zweifel. 



459 

za den Seltenheiten und sind schon -lange 
bekannt. 

Nachdem Haiiy den Granat unter den einfach 
brechenden Körpern aufgeführt hatte ') und im 
System denselben ebenso beschrieben^), blieben 
nur eine Zeit lang Zweifel bezüglich der Stel- 
lung des Yon Werner »Eaneelsteinc, von Jame- 
son »Cinnamon-Stone«, von Haüy »Essonite« 
genannten Ealkthongranats übrig, von dem Haüy 
das gerade rhombische Prisma als Grundform 
bei einfacher Lichtbrechung angegeben hatte'). 
Diese Zweifel wurden durch Brewster^) und 
Biot^) beseitigt, die den Hessonit ebenfalls als 
regulär erkannten, eine Ansicht, die dann auch 
in Deutschland von Mobs, der früher in Erkennt 
niB des in der Haüy 'sehen Bestimmung vorhan- 
denen Widerspruchs, demselben noch zögernd 
gefolgt war^), angenommen wurde ^) 

Von dieser Zeit an wird der Granat (neben 
diesem Namen sieht man in der älteren Lite- 
ratur wohl auch den von Haüy aufgestellten Aplom 
noch besonders angeführt) durchweg als regulär 
und einfach brechend angesehen und auch Brew- 
ster, der im Jahre 1815 die Eigenschaft einiger 
Körper des regulären Systems auf das polarisirte 

1) Traitä de Mineralogie 1801. I, p. 181. 

2) 1. 0. II, p. 388 u- f. 

3) Traite de Mineralogie 1822. n, p. 541 u. f. 

4) Mem. of the Wernerian Natural History Society 
1821 Vol. m, p. 60, 348, 350. 

5) Naumann, Mineralogie 1828 p. 451. Vergl. auch 
Dofrenoy, Mineralogie 1856 III, p. 600; Delafosse, Mi- 
neralogie 1858 I, p. 372. 

6) Grundriß der Mineralogie 1822. I, p. 572 u. na- 
mentlich II, p. 423. Bei E. C. von Leonhard , Hand- 
bach der Oryktognosie 1826, findet sich auf p. 486 u. 
487 noch die Haüy^sche Darstellung. 

7) Naturgeschichte des Mineralreichs 1836. I, p.492, 
1839 U, 398 u. f. 

35* 



460 

Lidbt einzuwirken entdeckte ^), erwähnt den Gra- 
nat dabei nicht besonders und führt ihn auah 
hei ferneren Betrachtungen über die Doppel- 
brechung reguIüLrar Krystalle nur nebenbei mit 
an ^), ohne seine Eigenschaften in optischer Be- 
ziehung näher zu prüfen. 

In dem die Forschungen Brewster's über- 
sichtlich darstellenden Werke »Optics« vom Jahre 
1835 finden wir ebenfalls den Granat nieht wei- 
ter erwähnt, wie auch die hauptsächlichsten Lehr- 
und Handbücher der Mineralogie bis sum Ende 
der sechsziger Jahre') der optischen flreehei- 
nungen des Granat nur selten gedenken ^). 

Ebenso spielt der Granat bei den Betrach- 
tungen und Untersuchungen keine Bolle, die 
Biot, Neumann, Wertheim, Marbach nnd v. 
Keusch in der Zeit von 1841 — 1867 an Körpern 
des regulären Systems angestellt haben, in der 
Absicht deren abnorme Polarisgtionserscbejnuu- 
gen zu erklären^). 

Man würde indessen irren, wollte man glaa- 
beu, daß in jener ganzen Zeit keine optische 



1) Transactions of the Boyal Soc. of Edinburgh 
1818 p. 157 u. f. 

2) Philosoph. Tranaact. 1818 p. 2$i3« 224, 254. 

3) 1833—1854 Blum; 1838 L6wji 1845 Haidinger, 
1846-1868 Naumann; 1847 Breithftupt; 1847 Haus- 
mann; 1852 Miller; 1856Dafr^noy ; 1858 Delafosse ; 1862 
Des-Gloizeaux ; 1868 Dana. 

4) Quenstedt, MineiBloffie 1863 p. 127 erwiUint der 
von Breithaupt 1860 am Almandin aufgefundenen Win- 
keldifferenzen , aus denen auf optische Einas^igkeit 
geschlossen wurde. 

5) Vergl. hierüber die historischen Zusammenstel- 
lungen bei: Elocke. N. Jahrb. f. Mineral. 1880 I> 
p. 53 u. f., Autor, Nachr. ▼. d. k. Geaellsch. d. Wias. 
z. QöttiDgen 1880 p. 93; N. Jahrb. f. Min. 1880 II, p. 209 
u. f.; Ben Saude, N. Jahrb. f. Min. 1882 L, p. 41 u. f. 



461 

Beobachtungen an Oranaten gemacht worden 
irSren. 

Schon 1840 theilte Brewster*) die auf den 
Flächen von ooO (110) wahrgenommene Licht» 
fignrerscheinnng mit, die in einem Andreaskrenz- 
artigen Gebilde bestand, wobei die die Arme 
des Kreuzes halbirende Linie normal war zur 
längeren Diagonale des Rhombus. 

Im Jahre 1853 veröffentlichte derselbe Ge- 
lehrte eine hoch interessante Mittheilnng: On 
the crystals and cavities in Gamet ^). Ans der- 
selben geht hervor, daß schon Brewster damals 
den ganzen Aufbau gewisser Granatvarietäten 
in seinen Präparaten vor sich hatte, der befremd« 
liehen Erscheinungen wegen aber nicht zu deu* 
ten vermochte. Er sagt darüber wortlich Fol- 
gendes ; 

>In the greater number of the crystals of 
garnet which I have had occasion to examine, 
I have found many crystals and cavities and 
mnch amorphous matter. In one specimen, in 
particular, the included crystals form a larger 
mass than the garnet which is merely a cement 
for holding them together. These crystals have 
various cry stalline forms, while some are amor- 
phous, thongh regularly crystallised in their in- 
terior. All these crystals are doably refracting 
and give the colours of polarized light ftrom 
their small size. 

In another spedmen, many of the crystals, 

1) Transactions of the Royal Society of Edinburgh. 
Vol. XIV, 1840 p. 167. 

2) On the optical phaenomena and crystalÜBatioa 
of Tourmaline , Titanium and Quartz , witbin Mica, 
Amethyst and Topaz. The London» Edinburgh and 
Dublin Philos. Magaz. Vol. VI, 4. Series. JuTy— De- 
cember 1853 p. 271 u. 272. 



462 

in the form of hexagons and rhombic plates, 
are opake, and exhibit by polarized light the 
remarkable phaenomenon whicfa I^ had never be- 
fore Seen , of having Inminons edges ; so that 
when the rest of the crystal and all the field 
of vie w is dark, we observe hexagons and rhombs, 
and other geometrical fignres, depieted in lines 
of red light. It is not easy to ascertain the 
cause of this Singular appearance, becanse we 
cannot see the form of the crystals where the 
light exists ; but I have no doubt that the In- 
minous lines consist of light depolarized by re- 
flexion from the sides of the hexagonal and 
rhombic plates, becanse the illuminating pencil 
is much larger than the crystals, and the cry- 
stals much smaller than the pnpil of the eye, 
so that light must be reflected from the prisma- 
tic faces of the hexagons and rhombic plates if 
they have sufficiently broad faces, and that light 
so reflected must enter the papil of the eye. 

In this specimen and in others there are 
many spherical cayities, snrrounded with sectors 
of polarized light, and also several amorphoas 
masses of matter round which there is also po- 
larized light, indicating, as all the phaenomena 
of the crystals do, that the matter of the gar- 
net must have been in a soft stade, and com- 
pressed by some force emanating from these cavities. 

In another specimen of garnet, a large fis- 
sure in its interior is occupied with granulär 
matter, which must have issned either from a 
burst cavity containing a fluid or a gass, or 
both; but what is very interesting, and what 
I have never observed in any other mineral, the 
matter has in several places formed circnlar 
crystals of singular beauty, some being very 
simple and others very cpmposite.« 



463 

Wir werden später sehen, daß dieser aasge- 
zeichnete Beobachter mit vorstehender Mitthei- 
lang die Erscheinungen, welche z.B. die Kalk- 
eisengranate von BreitenbrnnD nnd Schwarzen- 
berg in Sachsen, wenn als ooO (110) krystalli- 
sirt, zeigen, treu geschildeii hat. Ebenso wer- 
den wir in manchen Granaten, besonders Pyro- 
pen, die oben erwähnten Hohlräume wiederfin- 
den und in den 6rossularen von Wilui die von 
Brewster zuletzt beschriebene Erscheinung beob- 
achten. — 

Auf Grund obiger Beobachtungen ist dann 
die Schilderung entworfen, die Brewster in Op- 
tica 1853 p. 282 u. 348—349 von der Structur 
des Aplom gibt und für unerklärbar durch die 
Hypothese der Lamellarpolarisation hält (I. c. p. 
280). Dabei wird noch die Bemerkung gemacht, 
daß die Stärke der Doppelbrechung der einzel- 
nen Schichten, aus denen der Granat sich über 
einem nicht doppeltbrechenden Kern aufbaut, 
nach außen hin zunimmt, ähnlich wie bei ge- 
wissen Ghabasitstructuren ^). 

Nach dieser Mittheilung ist diejenige zu er- 
wähnen, welche Breithaupt im Jahre 1860 bei 
Gelegenheit der Aufstellung seiner 13 Krystall- 
systeme macht ^). 

Es wird darin von Melaniten und Almandi- 
nen, die Breithaupt goniometrisch untersuchte 
nnd an deren Gestalt 20 2 (211) er Winkel- 
differenzen fand, die für eine quadratische Flä- 
ehenanlage sprachen, die optische Einaxigkeit 
behauptet. Ferner finden wir vom hyacinthro- 

1) The London etc. Philos. Mag. Vol. IX, 1836 
p. 166, 170. 

2) Bomemann u. Kerl, Berg- und Hüttenm. Zeitung 
XIX. Jahrg. p. ^3 u. f. — Aussug in N. Jahrb. f. Min. 
1860 p. 341 u. f. . 



464 

then durchsichtigeB Granat v<ni Elba, der reich 
an Manganoxydol ist und an« Granit stammt, 
angegeben, er sei optiseh isotrop, dage^n er- 
wies sich ein ans einem Hessonitkrystall orien- 
tirt geschnittener Würfel nach einem Flächen- 
paar als optisch einaxig. 

Im Verlanfe meiner Untersncbongen werde 
ich zn zeigen haben, daft diese Angaben wesent- 
licher Berichtigungen bedürfen. 

Ebensowenig kann die fernere Angabe Breit- 
haupt*s Yom Jahre 1864^) ohne Weiteres ange- 
nommen werden, wonach der Grossnlar tob Si- 
birien nach einer tetragonalen Axe optisch ein- 
axig ist. 

AnfGrnnd der Brewster'schen und der ersten 
Breithaupt*schen Angabe vom Jahre 1860, — 
wie es scheint nicht nach eigenen Untersachnn- 
gen — hat dann Ditscheiner n. A. in den op- 
tischen Verhältnissen des Granat eine Stütoe 
für seine Ansicht der Strnctnr isomorpher Misch« 
ungen gesehen^) und ausgesprochen, es dürfe 
nicht verwandern, »wenn es zweiaxige Tarma- 
line, Granaten n» s. w. gibt.€ 

Das Jahr 1868 bringt hierauf die Untersu- 
chung Des^Gloizeaux's ') am Grossnlar and AI- 
mandin. Letzterer wird als einfach brechend 
besi^irieben und Yon ersterem angegeben, man 
beobachte im parallel polarisirten Licht eine 
verwickelte Feldertbeilung (marqueterie) , deren 
einzelne Componenten aber alle gleichzeitig ati^ 
löschen. Auf einigen Feldern war im coüver« 

1) Poggend. Annalen 1864. 5. Reihe. B. I, p. 328. 

2) Sitsber. d. k. k. Akad. der WisseiMch. a. Wien. 
Math.-Daturw. Glasse. B. XLUI 2. Abth. p. 253. 

3) NoureUes recherches Bur les propn^tte opti^nes 
des oriatauz. Mäm. pr^sent^ par diTsni sa^vtaitB k 
l'academie des'soiences. T. XVIII» 1868 p^ 519. 



465 

genten Lieht der Amtritt eiBer Barre sn eehen, 
TOD der anegesagt wird, sie erinnere ungef&hr 
an die Hyperbel einer der Axen einer zweiaxi* 
gen Subfltans. 

Im d»ranf folgenden Jahr sehildert Websky ^)^ 
neben den krystallographischen und chemischen 
Eigenschaften , die optischen Verhältnisse des 
Kalkthongranat von Jordansmühl in Schlesien 
und bemerkt : »senkrecht auf die Krystallflächen 
gesehen , entweder . keine Depolarisation des 
liiehts, oder buntfarbige auf Lamellarpolarisa^ 
tion zurückzuführende Gontouren.« 

Das Jahr 1873, ausgezeichnet durch das Ep* 
scheinen der zwei bahnbrechenden Werke von 
Roaenbnsch und Zirkel, bringt auch bezüglich 
des Granat manches Interessante. 

Aus der Reihe desselben sei hier heryorge« 
hoben, daß beide Autoren den als Oemengtheil 
▼on Gesteinen auftretenden Granat als einfach* 
brechend beschreiben, sodann Rosenbnsch^ den 
Ton Des-Cloizeaui: (Man. de Mineralogie 1862 
ly p. 269) am Almandin von Ceylon beobachte«* 
ten Asterismus an den Granaten yom Zillerthal 
wiederfand, femer an Melaniten verschiedener 
Fundorte die zum Theil ausgezeichnete Zonen* 
stmctur deutlich beobachtete. Auch die hellen 
Kerne der Granaten von Frascati werden erwähnt» 
Fernerhin wird das yon Des-Gloizeaux er^ 
kannte Verhalten des Grossular von Wilui an- 
geführt und mitgetheilt , dai die weiften Kalb« 
thongranaten yon Auerbach »unr^elmäftig ge* 
staltete Einschlüsse eines kUnobasischen Körpers 

1) Zeitschr. der deutsch, geol. Gesellschaft. B. XXI. 
1869 p. 754. 

2) Mikr. Phys. d. petrogr. wicht. Mineralien , 1878» 
p. 161 u. f. Vergl. auch Rosenbnsch's Bemerkungen 
aum Ghranat in: 6lum, Mineralogie 1874. p. 826. 



466 

von rother bis brännlicher Farbe und sehr 
schöne Flüssigkeitseinschlüsse mit beweglicher 
Libelle fähren«. 

In dem Werke von Zirkel ^) begegnen wir 
zuerst der Angabe von Oschatz (Zeitschr. d. d. 
geol. Gesellsch. IV, 1852 p. 14), daß der AI- 
mandin Einschlüsse nadelformiger Krystalle von 
blafi brännlicher Farbe zeige , die sich unter 
nahe 90^ oder nahe 120* und 60<^ kreuzen. 

Ich habe dieselben nicht beobachtet, möchte 
aber geneigt sein zu glauben , daß dieses Ver* 
halten zu der Structur des Almandin in Bezieh- 
ung steht und die Regelmäßigkeit der Einla- 
gerung durch erstere bedingt ist. 

Von sonstigen hier wichtig werdenden Daten 
sei noch hervorgehoben, daß auch den Melaniten 
mit ihrem Schichtenbau und ihren Einschlüssen 
die Betrachtung sich zuwendet, dabei sich aber 
ausdrücklich angegeben findet , daß durch die 
Zonenstructur »keine der Lamellarpolarisation 
ähnliche optische Erscheinung hervorgebracht 
wird.« 

Die am Granat zu beobachtenden Aetzfiguren 
wurden 1874 durch H. Baumhauer erforscht^). 
Derselbe behandelte Granatkrystalle aus Piemont 
mit schmelzendem Aetzkali und erhielt auf den 
Flächen von ooO (110) kleine rhombische Ein- 
drücke, deren Seiten parallel den Kanten des 
Bhombendodekaeders liefen und am wahrschein- 
lichsten auf das Ikositetraeder 202 (211) zu 
beziehen sind. 

Auf den Flächen von 2 02 (211) waren die 
Aetzeindrücke Trapezoide , die , der Symmetrie 

1) Mikrosk. Besch. d. Mineralien u. Gesteine. 1873. 
p. 196. 

2) SitzuDffflber. d. matb. phys. Klasse der k. b. 
Akademie d. Wissenschaften zu München 1874. p. 249 n. f. 



467 

der Flächen entsprechend, dnrch ihre längeren 
Diagonalen (parallel der Gombinationskante oo : 
2 02 Terlaufend) in symmetrische Hälften getheilt 
wurden. Sie liegen anf der Fläche von 202 
(211) so, daß ihre spitzeren Winkel dem, drei 
Ikositetraederflächen gemeinsamen trigonalen 
Eckpunkt des betreffenden Oktanten zugewendet 
erscheinen. 

Während in optischer Hinsicht die Frage 
nach den eigenthümlichen Erscheinungen, die 
gewisse Ghranaten darbieten, durch die betreffen- 
den, bis dahin ausgeführten Untersuchungen 
nicht wesentlich geklärt wurde, gab hierzu eine 
Arbeit Wichmann^s den Anstoßt). 

Zwar werden wir bei einem Vergleiche mit 
dem, was Brewster 22 Jahre vorher kannte 
(yergl. pag. 461) sehen, das Wichmann *s Mitthei- 
Inngen im Jahre 1875 nicht alle neu waren und, 
was in der Entwickelung ^er Wissenschaft sich 
80 häufig verfolgen läßt, bemerken, daß die Er- 
kenntniß der Wahrheit sich von langer Hand her 
vorzubereiten pflegt, — aber immerhin bleibt 
der Wichmann'schen Arbeit das Verdienst, den 
richtigen Weg der Erkenntniß von neuem be- 
treten und durch die darin enthaltenen Beobach- 
tnngen, das, was schon Brewster zum Theil gese* 
hen hatte, der Welt nunmehr in so eindringli- 
cher Weise vor Augen geführt zu haben, daß 
▼on nun an die Frage, woher kommen solche 
Erscheinungen, nicht mehr in den Hintergrund trat. 
Bei der Untersuchung vom sog. »derben Gra- 
nat« der Fundstätten Berggießhübel und Teu- 
felstein bei Schwarzenberg in Sachsen fand 
Wichmann besonders dann, wenn die Substanz 

1) Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellschaft 1875. 
B. XXVII. p. 749 u. f. — Poggend. Ann. B. CLVII. 
2. p. 282 n. f. 



468 

als unregelmäßig begrenzte Körner oder in Form 
deutlicher Krystalle vorlag, Erscheinungen, die 
nicht durch Lamellarpolarisation zu erkli&en 
waren. So war es auffallend, daß die meist 
sechsseitigen (seltener quadratischen) Durch- 
schnitte zwar einen prächtigen LametleBaufbau 
zeigten, indessen, bei Anwendung polarisirten 
Lichts, niemals der ganze Schliff eine einheit- 
liche Erscheinung darbot, sondern der innere 
Erystallkem dunkel ward und von den abwech- 
selnd gefärbten, denselben umgebenden Zonen, 
immer je zwei gegenüberliegende Systeme gleiche 
Polarisationserscheinungen zeigten. 

Eine fernere Beobachtung lehrte, daß auch 
Fälle vorkommen, in denen der innere Kern 
selbst doppeltbrechend ist und demselben sich 
dann der, übrigens weniger entwickelte, scha- 
lenförmige Aufbau anschließt und ihn umschließt. 

Durch diese Structur mußten zum Theil die 
Erscheinungen hervorgerufen werden, die schon 
Brewster sah, aber während dieser Forscher die 
verschieden gestalteten Theile für fremde Krf- 
stalle hielt, erklärt Wichmann ausdrücklich und 
mit Recht, Kern und Hülle mit Zonenstructur 
für Granatsubstanz. 

Eine volle Erklärung der Erscheinung gelang 
(wie namentlich in der zweiten Wichmann*schen 
Abhandlung angeführt wird) nicht, auch wurden 
die von Des-Cloizeaux amGrossular signalisirten 
Erscheinungen an demselben Material nicht wie- 
der in gleicher Weise aufgefunden. Für diese 
letzteren Erscheinungen glaubt indessen Wich- 
mann, gestützt auf Des-Cloizeaux's Schilderung, 
eine hinreichende Erklärung in der Annahme 
der Lamellarpolarisation zu finden, während er 
für die von ihm beobachtenden Erscheinungen diese 
Erklärungsweise nicht für zulässig erachtet. Nach- 



469 

daoi er noch ansdrücklicb beryorgehol^en, daB 
die beobachtet^ Doppelbrechung nicht eine Folge 
Ton Zersetzungserscheinnngen 0ei, sondern durch 
diese eher an Deutlichkeit verliere, wacht er 
sehließlicb noch auf eine an anderem Material 
(an welchem wird nicht gesagt) gemachte Beob- 
achtung aufmerksam, wonach: 
»Granaten Einschlüsse führen , die vom Gen- 
trum ausgehend, in die Ecken verlaufen und 
SP einen Krystalldurchscbnitt in 6 Felder tbei- 
len. Es weist dies entschieden auf einen opn- 
centriscb radialen Aufbau der Krystalle hin. 
Sollten vielleicht bei einer derartigen Krystall- 
bildang gewisse Spannungsverhältnisse obge- 
waltet haben, die jetzt jene Erscheinungen 
hervorzurufen im Stande gewesen sind?« 
Was die am Schluß der in Pogg. Ann. ge- 
druckten Wichmann^schen Arbeit angeführten 
Bemerkungen über den sog. Kolophonit anlan- 
gen, 80 möchte zu dessen eventueller sicherer 
Erkennung und Unterscheidung von Idokras und 
Pyroxen die chemische Analyse immer wünschens- 
werth sein, die Erscheinung einer lebhaften Dop- 
pelbrechung aber allein nicht genügen , um ihn 
vom Idokras zu unterscheiden. J^enfalls blei- 
ben, nach Feststellung der bisweilen recht ener- 
gischen Doppelbrechung am Granat , noch nä^ 
here Untersuchungen rücksichtlich des Kolppho- 
nit and angestellt an chemisch geprüftem Ma- 
terial, erwünscht. 

Mit Bezug auf Wichmann's Mittheilangen 
veröffentlichte 1876 A. von Lasaulx seine opti- 
schen Beobachtungen am Granat ^). 

Im Allgemeinen kann dieser Forscher die 
Wichmann 'sehen Mittheilungen, die sich auf 

1) N. Jabrb. förJCineralogie u.s; w. 1876 p.630a.f. 



470 

Beobachtungen an sächsischen Granaten stützen, 
bestätigen und findet sie auch an anderen Vor- 
kommen ähnlich wieder. 

Hervorgehoben wird ferner, daß der schalige 
Aufbau der Granaten stets ^) schon im gewöhn- 
lichen Lichte sichtbar ist, bisweilen noch iso- 
trope Masse in denselben vorkommt und »eine 
gitterartige Verschiedenheit der noch isotropen 
Theile« sehr deutlich sei. Letzterer Ausdruck 
ist nicht ganz klar und soll wohl heißen, 
daß isotrope Substanz gitterartig zwischen an- 
isotroper vertheilt sei, was den Beobachtungen 
entspricht. — von Lasaulx beschreibt danach 
die verschieden starke Wirkung der einzelnen, 
in wechselnder Größe auftretenden Zonen auf 
das polarisirte Licht, überhaupt das Schwanken 
der Intensität der Doppelbrechung an den ver- 
schiedenen Stellen der Präparate, an denen ei- 
gentlich ein gleiches Verhalten zu beobachten 
sein sollte. — Auch an Granaten vom Oetztbaie 
wurden abnorme Erscheinungen bemerkt. 

Sehr aujffallend sind dieselben an dem Gra- 
natvorkommen von Ehrenfriedersdorf, woselbst, 
abgesehen von der schon bekannten Zonen struc- 
tur der Hülle, auch der Kern anisotrop ist, iso- 
trope Substanz überhaupt fehlt. Das Auftreten 
bündel- und faserformiger Streifensysteme ist 
zu bemerken und bewirkt mit den concentrischen 
Streifensystemen Gitterstructur. 

A. von Lasaulx glaubt, die wenig intensiven 
Erscheinungen der Doppelbrechung, wie sie an 
den Granaten beobachtet sind, auf Spannung»- 
Vorgänge zurückfuhren zu sollen, die Erschei- 
nungen der soeben geschilderten Gitterstructur 
auf Umwaudlungsvorgänge, die des mehr oder 

1) »Stets« ist zu viel gesagt, besser wäre »meistens.« 



471 

weniger regelmäßigen Wechsels Ton optisch wirk« 
samen und nicht wirkenden Zonen auf Yer- 
wachsnngserscheinungen. Auch wird es nicht 
für nnmöglich gehalten, daß dem Granat eine 
doppeltbrechende Sabstanz regelmäßig eingewach- 
sen sei, bei der etwa an Vesayian gedacht wer- 
den könne. 

Was den von Wichmann nntersnchten Kolo- 
phonit, speciell den von Arendal, anlangt , so 
soll derselbe ein Gemenge von Yesuvian nnd 
Granat nnd uieht ohne Weiteres zn ersterem 
Mineral zn stellen sein. 

In wie weit die über den eigentlichen Granat 
hier mitgetheilten Ansichten A. von Lasanlx^s 
nach meinen Untersnchangen bestehen bleiben, 
wird sich am Schlüsse dieser Arbeit ergeben. 
Zn einem genanen Vergleich wäre es wÜDschens- 
werth gewesen ans der Arbeit die Form der 
nntersnchten Granaten und ihre Flächeobeschaf* 
fenheit haben ersehen zn können, welche Mo- 
mente, wie sich später zeigen wird, von größter 
Bedeutung sind^ wenn es sich um die Beurthei- 
lung abnormer Doppel brechungserscheinungen 
bei dem Granat handelt. 

In dem Jahrgang 1875 der Mineral, und pe- 
trogr. Mitth. von Tschermak, also eigentlich 
früher als von Lasaulx, vielleicht aber damit, 
in Folge späteren Erscheinens der betreffenden 
Mittheilung, ziemlich gleichzeitig und jedenfalls 
gänzlich unabhängig davon ^ macht Hirsch wald 
in seiner Arbeit: »Zur Kritik des Leucitsystems« 
interessante Bemerkungen über optische Verhält- 
nisse des Granat. 

^Zunächst wird die Streifung der 202 (211) 
Flachen hervorgehoben, durch dieselbe die 
Lage der einzelnen, den Erystall aufbauenden 
Lamellen erkannt und daraus der dodeka- 



472 

idriiclie Aufbau gdfolgarty der daan durch optiflche 
BeobaehtungeD am Sraoat der Mossa^Alp naek- 
tnweisen gesucht fdrd. Bei diesen Beobaektim«- 
^Q kommen Gypeblättehen, die empfindlieke 
Täne liefern, zor Verwendung^)« 

Was das Zustandekommen der Polariaaüoma- 
Wirkungen anlangt, so wird die y. Beusch'scke £ir* 
klfirnng nicht angenommen, da diese eine Span-* 
nung voraussetzt, welche nach Hirsch wald sich 
wirksam zeigen müftte, wenn die Partien zer- 
trümmert werden. — Daß dieser Einwand vxm 
Hirschwald nicht stichhaltig ist, hat Elocke in- 
zwischen nachgewiesen ^) , und werde ich auch 
nochmals später darauf zurückkommen« 

Nach Hirschwald's An»cht »wird man nickt 
anstehen dürfen die Polarisationswirknng regu* 
lärer Medien auf Rechnung ihrer anormalen 
Dichtigkeitsyerhältuisse zu setzen« (1. c. p. 241 
und 242) — ein Ausspruch, den wir ähnlich 
auch bei von Lasaulx (1. c. p. 631) finden: »Die 
intensivere Färbung der polayisirenden Stelkn 
deutet vielleicht eine mit dieser größeren Span^ 
nung zusammenhäugende größere Concentration 
und Dichtigkeit anc 

Sonach war, wenn auch nicht im Detail 
nachgewiesen, so doch im Allgemeinen eine An- 
schauung gebildet, die geeignet war die Ersch^- 
nungen des anomalen Verhaltens der regullrea 
Körper, speciell des Granat, zu erklären« Jeden- 
falls sah man die optischen Erscheinungen der* 
selben als etwas an, was nicht bei der Festste!* 
lung des Erystallsjstems in erster Linie in 
Frage zu kommen hatte. 

1) VergL hierüber Brewster Optica 1853 p. 280 a. 
Edinb« Transactions 1816, sowie Journal de Physiqne 
1816. Vol. 83. p. 81. 

2) N. Jahrb. f. Min. u. s. w. 1880 I, p. 85 u. 86. 



473 

Diesem Standpunkt gefi^enttber mnAte die 
Maliard'sche Arbeit vom Jahre 1876 (yergL 
pag. 457) natürlich sehr aufregend wirken. Die 
äußere Form war hier Nebensache, der entschei- 
dende Werth wnrde anf die optischen Erschei- 
nungen gelegt. Unsere sicher gestellten Grund- 
sätze in der Wissenschaft schienen zn wanken, 
wo früher alles klar war, herrsehte jetzt die 
gröAte Unsicherheit. 

Aber grade dieser Umstand forderte zur ein- 
gehenden Prüfung auf und h^ute weiß man, 
nachdem die hochgehenden Fluthen der Erre- 
gung verlaufen sind, den Werth dieser optischen 
Erscheinungen zu würdigen und erkennt wieder 
das sichere Ziel, nach dem die Wissenschaft zu 
steuern hat, klar vor Augen. 

Nichtsdestoweniger bleibt Mallard das Yer- 
ii^nst durch seine, was die Beobachtungen an- 
langt, musterhaften Untersuchungen uns erst 
in die Lage gesetzt zu haben, diese Erkenntniß 
zu gewinnen und dabei die vollen Vortheile der 
Methode der Untersuchung im krystallographisch 
orientirten Dünnschliff glänzend hervorgehoben 
zn haben. 

Zum Gegenstand selbst übergehend, schildert 
Mallard zunächst die Verhältnisse des Topazo- 
Uth von der Mussa-Alp. 

Die Ery stalle dieses Minerals bestehen aus 
00 (110), welche nach den Diagonalen geknickt 
erscheinen, sonach eigentlich einen Achtund- 
vierzigflächner darstellen, dessen Zeichen früher 
schon als 640 «Ves (64. 63. 1) angegeben ward*). 

Mallard untersuchte Schnitte 4=qoO (110) 



1) Naumann, Pog^. Annalen B. 16 p. 486. Vergl. 
«^^cK M. Bauer. Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellscb. 
1874 p. 135. 

36 



474 

und ftltid einen Bhombnd, der, bei der Präfang 
im polarisitten Lichte , tiach den Diagonalen 
viergetheilt war. Derselbe war umgeben Yon 
einem Rande, welcher in seiner Größe um so* 
mehr sünahm, je mehr der Schliff nach der Ery- 
stallmitte zu genommen war. Von den vier 
Sectoren des inneren Bhombus löschen je zwei 
gegenüberliegende zusammen aus , und bildet 
eine von der Bhombenseite nach innen zu ge- 
richtete AuölÖBchungsrichtung mit ersterer einen 
Winkel von 8^ In Schliffen 4= ooOoo (100) 
war eine Achttheilung nach den Diagonalen und 
senkrecht zur Mitte der Seiten des darch den 
Schnitt entstehenden Quadrats zu erkennen; es 
löschen die vier in der geraden und ungeraden 
Reihenfolge der Zahlen vorhandenen Sectoreu 
mit einander aus und die Auslöschung eines der- 
selben gegen eine Diagonale der Würfelfläcbe 
beträgt 2272®. Diese Verhältnisse wurden nur 
bei den einheitlich auslöschenden Sectoren beob- 
achtet. Vielfach ist dieses nicht der Fall, auch 
sind die Grenzen öfters mehr in einander über- 
gehend und verschwommen gebildet. 

Im convergenten polarisirten Lichte konnten 
die Krystalle wegen ihrer Kleinheit nicht unter- 
sucht werden. Mallard fand aber an den ähn- 
lich gebildeten Krystallen des gemeinen Granat 
von Sachsen, daß in dessen Würfelschliffen in 
jedem Sector eine Barre^ von einer der optischen 
Axen herrührend, nahezu senkrecht zur Platten- 
normale austritt und schließt ans dieser Beob" 
achtung und den früheren rücksichtlich der Fel- 
dertheilung auf ein triklines System der 48 den 
Krystall zusammensetzenden Einzelindividuen. 

Beim Studium des gemeinen Granat von 
Sachsen zeigte sich zunächst, außer der bekann- 
ten Streifung nach der kurzen Diagonale 



475 

00 (110) anch eine feine Streifung naoh der 
längeren nnd dem entsprechend, was sefhr wich- 
tig ist zn bemerken, im Allgemeinen ähnliche, 
wenn anch znm Tbeil nicht so distinct ausge- 
sprochene optische Verhältnisse ^) wie beim To- 
pazolith. Namentlich lassen sich jene Btreifen- 
verhältnisse schon an den Kernen der Erystalle 
erkennen, die bisweilen leicht von der dnrch 
einen Schlag oder Stoß abspringenden Hülle be- 
freit werden können« Auf die öfters complicir- 
ten Verhältnisse der Hülle wird nicht näher ein- 
gegangen und nur durch einige Zeichnungen 
das Wichtigste erläutert. Danach läßt sich die 
Zonenstrnctur derselben u. A. schön erkennen. 

Einige andere, ähnliche Vorkommen, wie 
das Ton Zermatt, werden kurz berührt, dabei 
aber der wichtige Satz ausgesprochen: 

»Je me contenterai de dire que Ton peut 
toujours, par les accidents de la surface, juger 
du mode de m^lange que Tobservation optique 
permet de constater«. 

In diesem Satze ist Alles enthalten, was die 
Beobachtungen am Qranat lehren; von demsel- 
ben aus nun zu schließen, daß also auch die op- 
tischen Erscheinungen von den geometrischen 
abhängen, lag nahe, — aber Mallard hat na- 
türlich in seiner total verschiedenen Auffassung 
der Verhältnisse diesen Schluß nicht gezogen. 

Es reiht sich nun der Uwarowit an, dessen 
Aufbau, nach Mallard, dem der Boracitdodeka- 
eder entsprechend ist. Die Flächen von oo O (110) 



1) »üne lame d^aplome perpendioulaire ä un axe 
^naternaire , montre , comme on doit B*y attendre , les 
hoits secteurs de la topazolite presque reduits ä qua- 
tre, s^par^B par les diagonales et s'^teignaDt en mime 
temps suiyant an des c6tes du carrä. — Sep. Abz. p.51. 

36* 



476 

sind in Folge dessen fast eben, was auch Mal- 
lard hervorhebt. 

Die Granaten der Mussa-AIp zeigen wenig 
Wirkung, nähern sich aber bisweilen in ihrer 
optischen Strnctur dem Aplom von Sachsen. 
Gar keine optischen Erscheinungen wiesen aaf 
die Almandine [2 02 (211)] von Tyrol und die 
Melanite von Arendal. 

Zur Erklärung der Erscheinungen, wie sie 
hier in gedrängter Uebersicht vorgeführt ; wur- 
den, wird eine Trimorphie der Granatsubstanz 
angenommen, die triklin im Topazolith, rhom- 
bisch im üwarowit und regulär in den Tyroler 
Erystallen erscheint. Eigentlich gibt es aber 
nur eine Orientirung, die trikline, und durch 
ein submikroskopisches Zwillingsgemisch resul- 
tirt aus derselben schon im Aplom eine Annär 
herung an das reguläre Verhalten, im üwarowit 
das rhombische und schließlich sind im Granat 
von Tyrol alle Gegensätze ausgeglichen und das 
Ganze erscheint isotrop. 

Dieser Auffassung Mallard's vermag ich mich 
natürlich nicht anzuschließen. Ich werde im 
Verlaufe meiner üntersuchnng zeigen, daß man 
nicht zu so künstlichen, den Boden der experi- 
mentellen Prüfung verlassenden Annahmen zu 
schreiten braucht, um die Erscheinungen zu er- 
klären, die sich mit Hülfe des Experiments so- 
dann sogar künstlich nachbilden lassen. 

Der Ansicht indessen, die den Ealkgranaten 
energische Doppelbrechung als eine ganz allge- 
meine Eigenschaft im Gegensatz zu den Magne- 
siagranaten zuschreibt *), möchte ich schon hier 
mit dem Bemerken entgegen treten, daß nicht 

1) Tschermak. Isom. d. rhomb. Carbonate u. des 
Natriumsalpeters. Min. u. petrogr. Mitth. 1881. IV. 
p. 100. 



477 



nar, wie schon Mallard ^) hervorhebt, der Kalk- 
thongranat der Mnssa-Alp sehr wenig optisch 
wirksam ist, sondern manch' andere, wie der 
gelbe Kalkthongranat vom Vesuv, der bräun- 
lichrothe Kalkthongranat von Anerbach ähnlich 
sich verhalten, znm Theil absolut isophan sind 
und bei dem weißen Kalkthongranat von Jor- 
dansmühl sich Individuen finden, deren Doppel- 
brechung gleich Null ist, während andere höchst 
energisch auf das polarisirte Licht wirken^). 
Die Erscheinung der Doppelbrechung hängt 
daher nicht ausschließlich von der Constitution 
ab; es gibt Kalkthongranaten ohne Doppelbre- 
chung und danach ist der aufgestellte durchgrei- 
fende Unterschied von der CJnähnlichkeit der 
Kalk- und Maguesiumverbindungen in den Si- 
licaten nicht mit dem Beispiel der Granaten zu 
stützen. — 

Bei Gelegenheit der Beschreibung von Gra- 
naten mit anomalen Flächen durch G. vom Rath®) 
theilt derselbe 1878 die Resultate optischer Prü- 
fangen durch Des-Cloizeaux und von Aetz ver- 
suchen durch Baumhauer mit. 

Nach Des-Cloizeaux wirken die betreffenden, 
von Putsch in Tirol stammenden Granaten, we- 
nig auf das polarisirte Licht. Eine kleine Platte, 
die untersucht wurde, wird durchsetzt von zwei 
Systemen sehr schmaler durchsichtiger Lamellen, 
welche eine deutliche Auslöschung in einer Stel- 
lang zeigen, die mit ihrer Längsrichtung einen 
Winkel von 5 — 7® macht. Ferneren Mitthei- 



1) 1. c. p. 52. Sep. Abzug. 

2)» Die erste Mittheilung hierüber gab schon Websky 
l. c. p. 754. Näheres wolle man in der Folge dieser 
Arbeit nachsehen. 

3) Mineral. Mitth. N. F. Zeitschr. f. Kryst. B. II. 
1878 p. 186. B. III. 1879 p. 115. 



478 

langen ist %a entnehmen, daß von zwei Platten, 
die eine einfachbrecbend war> die andere, =4=^^ ^ 
(110) gefertigt, aber von Lamellen sich durch- 
setzt erwies, die regelmäßig angeordnet sind 
and anter einem Winkel von 30^ gegen die 
kurze Diagonale des Rhombus auslöschten. Aach 
macht sich in dieser Platte eine Neigung zur 
Yiertheilung bemerkbar, ähnlich, aber lange 
nicht so regelmäßig und deutlich, wie beim To- 
pazolith. Diese Erscheinung steht nach Des- 
Cloizeaux*s Ansicht nicht in Beziehnng zu den 
anomalen Flächen der Pfitscher Erystalle; sie 
findet sich bei einer großen Zahl von Granaten 
wieder. 

Baumhauer ätzte Platten mit wässeriger Fluß- 
säure und hält für wahrscheinlich, daß man es 
wit Abnormitäten und nicht mit Zwillingsbil- 
dungen zu thuu habe. Die ungewöhnlichen 
Flächen sowohl, wie die auf denselben vorkom- 
menden Streifen hält er für verwandte oder gar 
wesentlich identische Wirkungen einer gestör- 
ten Krystallisation — eine Meinung, der ich 
nach Besichtigung eines Exemplar's, das ich der 
Güte des Herrn Seligmann in Goblenz danke, 
nur beipflichten kann. 

Im Jahre 1879 bringt die Mineralogie Mi- 
crographique von Fouque und Michel-Levy auch 
die Besprechung des gesteinsbildenden Granat, 
dessen einfache Lichtbrechung direct ausgespro« 
eben wird. (p. 400). 

Die Untersuchungen von Jeremejew vom 
Jahre 1880, angestellt am Granat von Wilui^) 
werden durch Arzruni in derZeitschr. f. Kryst. 
1881. V, p. 589 mit folgenden Worten mitgetheilt: 

»Die Erscheinung des dunkelen Kreuzes bei 

1) Verh. k. ruse. min. Gewllsch. 2. 16. Sitzungs- 
protokolle d. Jahres 1880. 299. 



^ 



479 



Betrachtung von Schliffen des Grossulars vom 
Fluß Wiluj nach (100) im parallel polariairten 
Liehte fuhrt Verf. zurück auf die deutliche scha- 
lige Zusammensetzung der Erystalle, welche so- 
wohl nach (100), wie nach (110) und (211) statir 
findet. Dieselbe ist von A. W. Gadolin auch 
beim Melanit von Pitkaranda beobachtet wor- 
den. Platten, die parallel der Fläche (111) ge- 
schliffen wurden, zeigten drei unter 120^ zusam- 
menstoßende dunkele Büschel. « 

Mallard's Beobachtungen an den Granaten 
wurden dann 1881 durch Bertrapd ergänzt und 
erweitert^)« Mit Hülfe seines als Axenapparats 
zu verwendenden vorzüglichen Mikroskops stu- 
dirte er zuerst den üwarowit und den Ealkthon- 
granat von Jordansmühl im convergenten pola- 
risirten Lichte. 

Er fand in einer Platte 4= coO (HO) Axen- 
austritt, Ebene der optischen Axen parallel der 
längeren Diagouale des Khombus, erste, nega- 
tive Mittellinie senkrecht zur Dodekaederfiäche, 
Axenwinkel nahe an 90^. 

In Platten 4:ooOoo (100) und (111) wa- 
ren die Erscheinungen der Hauptsache nach ent« 
sprechend wie in dodekaedrischen Boracitkry- 
stallen. Der Aplom zeigte sich optisch aus 48 
trikhnen Einzelindividuen zusammengesetzt, die 
ihre Spitze im Gentrum haben und von denen 
je 4 ihre Basis in einer Dodekaederfläche bet- 
sitzen. Die Ebene der optischen Axen liegt in 
einem jeden dieser optischen Einzelindividuen 
annähernd parallel der längeren Diagonale des 
Khombus und die Mittellinie steht nur noch 
ungefähr senkrecht auf der Fläche von oo (110). 
Axenwinkel nahe an 90^. 

1) Bulletin de la Soc. Min. de France 1881. T.IV. 
p, 12-^15. 



tl 



! 

480 \ 

Der Topazolith endlich zeigt den ausgespro- i 
ebeneren triklinen Charakter im optischen Sinne. 
Platten nach ooO (HO) lassen die schon von 
Mallard erwähnte Viertheilung erkennen und 
in jedem Felde ist zu beobachten, daß die Ebene 
der optischen Axen nicht parallel der längeren 
Diagonale des Rhombus ist und die Mittellinie 
schief zur Plächennormale steht. In Folge des- 
sen sieht man vier excentrische Curvensysteme 
auf der Fläche von ooO (110) erscheinen. 

Platten 4= ooOoo (100) zeigen Achttheilung 
und in jedem Felde tritt eine excentrische Barre 
ans. Dasselbe beobachtet man auf Platten 
4= (111), die eine Sechstheilung darbieten. 

Bertrand schließt seine Mittheilungen mit 
einem Hinweis auf die an gewissen Granaten 
nach den in den Mittelpunkt des Erystalls ge- 
rückten Ebenen von 00 (110) und 00 O 00 (100) 
beobachteten Trennungsflächen, die er und Mal- 
lard zu Gunsten ihrer Anschauung in Anspruch 
nehmen. 

Ich habe 1882 mich gegen diese Auffassung 
ausgesprochen ^) und gedenke meinen Standpunkt 
am Schlüsse dieser Abhandlung zu begründen. 
Mit Mallard bin ich einverstanden, wenn er sagt ^); 

>La veritable difficulte se presente lorsqu'il 
s'agit d'expliquer qu'une meme substance comme 
Talun ou le gränat peut se montrer, suivant les 
echantillons, anorthique, rhombique ou cubique.« 

Ich füge hinzu, daß auch Granaten vorkom- 
men, die im optischen Sinne sich als einaxig 
erweisen, ja daß in ein und demselben Krystalk 
optisch zweiaxig-trikline, rhombische und nahe- 
zu isophane Partien vorkommen , — alles Mo- 

1) N.Jahrb. f. Mineralogie 11.8. w. 1882. B.I,p. 180.Bef. 

2) Bulletin de la Soc. Min. de France 1881 IV, p.l6. 



481 

mente, geeignet die Schwierigkeiten noch erheb- 
lieh ZD steigern. Aber ich werde, nachdem ich 
die Resultate meiner Untersuchungen erst klar 
gelegt habe, versuchen zu der Erklärung aller 
dieser Abnormitäten beizutragen und dabei nur 
Gebrauch machen von einfachen mechanischen 
Vorstellungen, geeignet von Jedermann ohne 
weitere Hypothesen eingesehen zu werden und 
den ferneren Vortheil darbietend, daß durch das 
Experiment eine Prüfung derselben z. Th. statt- 
finden kann. — 

Zum Schluß dieser Einleitung seien dann 
noch die Ansichten über optische Anomalien wie- 
dergegeben und besprochen, die Arzruni und 
Koch ^) aufgestellt haben und dessen gedacht, 
was kürzlich Bertrand ^) zu Gunsten der von 
Mallard und ihm vertretenen Anschauung mit- 
getbeilt hat. 

In ihrer Untersuchung über den Analcim 
kommen Arzruni und Koch in richtiger Erkennt- 
niß, daß mit der Annahme minder symmetrischer 
Einzelindividueu und hochgradiger Zwillingsbil- 
dung derselben eine Erklärung des eigenthüm- 
lichen Verhaltens vieler regulärer Körper nicht 
gewonnen, sondern die Frage nur verschoben 
sei, zu dem Resultat, daß in den Richtungen 
der 3 Arten von Symmetrieaxen des regulären 
Systems die Hauptanziehungen der Körpertheil- 
chen nach einem ideellen Centrum hii> verschie- 
den wirken und dadurch jene Structuren erzeugt 
werden, die uns als optische Abnormitäten ent- 
gegentreten. 



1) üeber den Analcim. Zeitschr. fiir Kryst. u. Mi- 
neral. V, 1881. p. 483 u. f. 

2) Bulletin de la Soc. Min. de France 1882. V, 
U p. 3—7. 



482 

In der Hauptsache ganz anf dem Standpunkt 
der Genannten stehend, habe ich doch in einem 
Referat dieser Arbeit^) auf etwelche umstände 
aufmerksam machen zu müssen geglanbt, die 
mit diesen Vorstellungen ^) nicht im Einklang 
stehen und wird auch das Studium des Granat 
lehren, daß erst an diesem vielgestaltigen Mine- 
ral eine Einsicht in das Wesen der Sache ge- 
wonnen werden kann. — 

Wie schon erwähnt, haben wir schließlich 
noch die Mittheilung von Bertrand zu betrach- 
ten, deren Titel lautet : 

»Sur les diflferences entre les proprietes op- 
tiques des corps cristallises birefringents , et 
Celles que peuvent presenter les corps mono- 
refringents apres qu'ils ont ete modifies par des 
retraits, compressions, dilatations ou toute autre 
cause.« 

Es könnte nach diesem Titel wohl müßig 
erscheinen noch etwas über optische Anomalien 
zu sagen. Auch die nachfolgenden Worte, die 
im Eingang besagter Arbeit stehen, lassen Außer- 
ordentliches erwarten: 

»Mais il est toujours facile de distinguer un 
veritable cristal d'une substance monorefnngente 
modifiee. 

Le but de cette note est de rappeler quelles 

1) N. Jahrb. f. Min. u. s. w. 1882. B. I. p. 24- 
25 der Referate. 

2) Wie ich inzwischen fand, hatte Brewster (Edinb. 
Transactions 1818. Vol. 8. p. 163) schon 1816 eine 
ähnliche Anschauung , die sich aber später als nicht 
in ihrem ganzen umfang haltbar herausstellte. Er sagt 
daselbst: »In cubical and octahedral crjstals, on the 
contrary (d.h. im Gegensatz zu den Erscheinungen im rasch 
gekühlten Glase) the polarising axes are related to the 
axes of the crystals theniselves, and have no connection 
whatever with the sbape or outline of the mineral« 



483 

sont ces differences, bien connues d'ailleurs, mais 
lar lesquelles je desire attirer de nouveau 
TattentioD.« 

Aber damit hat auch die Sache ihren Höhe- 
punkt erreicht, und das, was uacbkommt, ent- 
spricht, wie in der Folge zu zeigen versucht 
werden soll, nicht dem, was man nach den Wor- 
ten des Eingangs erwarten sollte. 

Beginnen wir mit dem »procede tres simple 
pour distinguer, sans hesitation possible, un corps 
veritablement cristallise d'un corps amorphe ou 
monorefringent, modifie d'une fa9on quelconque.« 

Wende ich die Angaben von Bertrand auf 
den Boracit an, so entspricht derselbe in ausge- 
sachten Krystallen den Anforderungen, nament- 
lich, was scharfe Zwillingsgrenzen u. s. w. an- 
langt, vollkommen. Erwärme ich aber, so ver- 
schwindet unter umständen das ganze Zwillings- 
gebilde, nur ein einfacher Krystall bleibt zurück, 
erwärme ich nochmals, so kehrt vielleicht ein 
ZwilHngsstück wieder, ebenfalls mit scharfen 
Grenzen, aber nicht nothwendig an derselben, 
sondern dies Mal an einer ganz andern Stelle 
n. 8. w. — Ist man also nach dem ersten Be- 
fund berechtigt sofort auf das zu schließen, was 
sich optisch zeigt? 

Ich glaube nicht — und auch Bertrand ist 
seiner Sache nicht ganz sicher, denn : »comme 
il peut rester quelque doute pour les cas excep- 
tionnels que j'ai indiques, je n'insisterai pas d*a- 
vantage sur les phenomenes que l'on observe en 
lumiere polarisee parallele et j'indiquerai imme- 
diatement de qu'elle fa9on on peut resoudre la 
question d'une mani^re absolument certaine.« 

Nun wird angeführt, daß ein doppeltbrechen- 
der Krystall passend geschnitten, die bekannten 
Interferenzbilder gibt. Die modificirte Substanz 



484 

soll dieselben entweder nicht oder nur unvoll- 
kommen zeigen, was namentlich beim Drehen 
der Platte hervortreten soll. 

Ich denke Bertrand wird, ebenso wenig als ich, 
ein Gelatinepräparat für einen Krystall halten, 
aber an ersterem sind die Erscheinungen der Axen, 
der dieselben umgebenden Lemniscaten u. s. w. 
in der normalen und in der diagonalen Stellung 
der Platte in einer Deutlichkeit zu sehen, die 
keinen Zweifel zuläßt, daß das hier Vorliegende 
von manchen ächten Krystallplatten nicht voll- 
kommener erzeugt werden könnte, ein Verhalten, 
wovon ich mich und viele Andere mit mir an 
Dutzenden von Präparaten überzeugt habe. 

Dabei haben diese und ähnliche Erscheinun- 
gen nicht den Vorzug, völlig neu zu sein, son- 
dern sind: »bieu connues d'ailleurs«, denn schon 
Brewster sagt in Optics 1835 p. 242 bei Be- 
schreibung seiner Versuche von 1815^): »When 
isinglass is dried in a glass trough of a circular 
form it exhibits a System of tints with the black 
cross exactly like negative crystals with one 
axis.« u. s. w. Vergl. auch ebendaselbst p. 241. 
Ferner kannten W. Steeg^) 1860, Bertin») 1878 
die Erscheinungen, und kürzlich wurde die Sache 
gleichzeitig von F. Klocke und A. Ben Saude wieder 
aufgenommen und in ihrer ganzen Bedeutung für 
die Theorie der anomalen Doppelbrechung gewür- 
digt*), nachdem ich bereits zur Erklärung der opti- 
schen Erscheinungen im Boracit von dem Brewster'- 
schen Grund versuche Gebrauch gemacht hatte.*) 

1) Vergl. übrigens auch: Brewster. Philos. Trans- 
actions 1815. p. 60-64; ibidem. 1816 p. 172—178. 

2) Pogg. Ann. B. CXI. 1860 p. 511-512. 
8) Annales de Chimie et Phys. XV. p. 129. 

4) Klocke N. Jahrb. f. Min. u. s. w. 1881. n,p.261 
u. f.; Ben Saude ibidem 1882. I, p. 72 ii. f. 

5) Nachr. v. d. k. Gesellsch. d. W. z. Göttingen 



485 

Bertrand kommt danach zu dem »proced6 
infaillible pour discerner un veritable cristal 
d'nn Corps modifi6«, bestehend in dem Zerbre- 
chen des Präparats, das dann, wenn seine Eigen- 
schaften durch Spannung zu Stande gekommen 
sind, in den Bruchstücken sich anders verhalten 
soll, als vorher. Bertrand hatte dabei offenbar 
gekühltes Glas vor Augen und damit Recht, aber 
eine fernere Umschau hätte ihn belehren müs- 
sen, daß schon Brewster bei der Nachahmung 
der Structur des Analcim*) durch Hausenblase 
(Isinglass)Gegentheiliges aussagt und auch jüngst 
noch Elocke sich ausdrücklich dahin ausspricht ^), 
daß Gelatine^ wenn erhärtet, keine Veränderung 
ihrer Structur beim Zerbrechen erleidet, sondern 
sich in dieser Hinsicht wie ein wahrer Krystall 
verhält, — eine Aussage, von deren Richtigkeit 
ich mich wiederholt überzeugt habe. 

Neu dürfte aber die Thatsache sein und des 
Erwähnens werth, daß gewisse gegen Wärme sehr 
empfindliche Boracite schon durch den Proceß 
des Schleifens und den der Behandlung beim 
Aufkitten hierzu, alterirt werden, so daß man, 
um die ursprüngliche Structur zu erhalten, sehr 
vorsichtig verfahren muß. — Andere Krystalle 
von Boracit (Segeberg) sind ja sogar so spröde, 
daß sie wie gekühltes Glas springen^), wenn 
man sie schleifen will. 

Es zerfallt also auch dieses wichtigste Be- 
weisstückin sich und es tritt unverkennbar 



1880 p. 129 u. 130. N. Jahrb. f. Min. u. s. w. 1880. 
II, p. 245. 

1) Transactions of the Boyal Society of Edinburgh. 
Vol. X. 1824. p. 193. 

2) N. Jahrb. f. Min. 1880 I, p. 85 u. 86; 1881. II, 
p. 263. 

3) Vergl. N. Jahrb. f. Min. u.s. w. 1880 B.D, p.242. 



486 

zu Tage, daß man mit diesem anf^hl- 
baren Verfahren nichts ausrichten, 
kann. 

Schwierig ist es freilich zu erklären, woher 
es kommt, daß verschiedenen Formen, die sich 
unter denselben umständen bildeten, verschie- 
dene optische Structuren zukommen, und ich 
muß in Bezug hierauf auf meine Arbeit verwei- 
sen, in der ich einiges dahin Zielende angedeu- 
tet habe. Wie es aber zu deuten ist, daß schon 
die sog. Einzelindividuen der Auffassung von 
Mallard und Bertrand verzwillingt sind, was 
übrigens, nebenbei bemerkt, nicht für den Cha- 
rakter als Einzelindividuen spricht, — das kann 
man schon jetzt wohl durch Beachtung der 
Vorgänge einsehen, welche die Wärme auf den 
Boracit z. B. ausübt* 

Es bleibt von der Bertrand 'sehen Mittheilung 
dann noch übrig, das Verhalten der krystalli- 
nisch-körnigen Granatmasse von Jordansmühl, 
auf der die nahezu rundum ausgebildeten Kry- 
stalle aufsitzen, zu besprechen. Bertrand leitet 
aus der ausgezeichneten optischen Wirkung der 
Individuen dieser Masse, Beweise gegen die Ab- 
hängigkeit der Polarisationswirkung von der 
äußeren Form ab, da dieselbe hier nicht mehr 
vorhanden ist. — OflFenbar war dieselbe aber 
zur Zeit, als die kleinen Krystalle sich ausschie- 
den, vorhanden und wurde erst später durch 
rasches Auskrystallisiren und Aneinanderdrängen 
der einzelnen Theile verhüllt. Es ist somit auch 
dieser Einwand hinfällig, wie denn die ganze 
Mittheilung in all' ihren Behauptun- 
gen auch nicht das Geringste beweist 
und man darin vergeblich nachirgend 
einer factischen Widerlegung der 



487 

Ansichten derer sacht, die Bertrand 
bekämpfen will. — 

Gehen wir danach zu dem optischen Studium 
der einzelnen Granätvarietäteü über, um durch 
dasselbe einen gesicherten Boden der Thatsachen, 
aaf dem wir weiter bauen können, zu gewinnen. 

IL Optische Untersuchungen. 

Ä. Beobachtungsmaterial und Beobach- 
tung sm et hode. 

Das Material zu den nachfolgenden Unter- 
suchungen habe ich zum größten Theile den 
Sammlungen der hiesigen Universität entnom- 
men ; ich kann aber auch an dieser Stelle nicht 
unterlassen den Herren, die mich außerdem mit 
Material freundlichst unterstützten, meinen herz- 
lichsten Dank nochmals auszusprechen, so den 
H.H. Geh. ßath Römer in Breslau, Prof. Websky 
in Berlin, Prof. Rosenbusch in Heidelberg, so- 
wie den Herren G. Seligmann in Coblenz und 
W. Harres in Darmstadt. 

Es kamen von den untersuchten Granaten 
fast immer nur vollständig krystallisirte und 
wohlausgebildete Exemplare zur Verwendung, 
besondere Rücksicht wurde, auch auf möglichst 
reine und einschlußfreie Krystalle genommen. 
Nach der Zusammensetzung untersuchte ich : 
a. Von Kalkt hongranaten dieVorkom- 
men von: 

Auerbach (weiß, ooO (HO). 

Jordansmühl (ebenso). 

Elba (gelblich, O(ill) mit untergeordneten 

cx:)0 (110) u. 20 2 (211)). 
Wilui(grün, 202 (211) und coO (110), auch 

Combinationen beider). 
Mussa-Alp (braunroth, Gestalten wie bei 
Wilui). 



488 

Valle di Lanzo (lichtbraunroth, vorwaltend 

202 (211)). 
Six Madun Badaz (gelblich braun cx>O(110) 

mit 2 02 (211) und SO»/« (321)). 
Cziklowa (braun und gelb, erstere cx)0 (110) 

mit 40V8 (431), letztere fast nur 

ooO (110)). 
Vesuv (gelb, ooO (110) mit 20 2 (211)). 
Vesuv und Auerbach (röthlich - braun ooO 

(110) mit 202 (211)). 

b. Von Kalk-ei se n granaten prüfte ich 
die Vorkommen von : 

Sala, Schweden (gelbbraun, 2 02 (211). 
Breitenbrunn und Schwarzenberg, Sachsen 

(grün, 202 (211)). 
Achmatowsk, Ural (rothbraun, 2 02(211)). 
Alathal (Topazolith, weingelb). 
Sau Marco, Peru (grün, ooO (HO)). 
Breiten brunn (braun, ooO (HO)). 
Breitenbrunu (grün, ooO (HO)). 
Schwarzenberg, Sachsen (braun, ooO(llO)). 
Frascati (schwarz, ooO(llO), 20 2(211))^). 

c. Von Kalkchrom- und Kalkchrom- 
thongranaten wurden untersucht die Vor- 
kommen von: ** 

Bissersk, Ural, Uwarowit (oo (HO)). 
Orford, Canada (grün, ooO (HO)). 

d. Von Man ganthon granaten stand Diir 
nichts Vorzügliches zur Verfügung, die Unter- 
suchung beschränkte sich hier auf den Mangan- 
eisenthongranat von Elba , der in der Gestalt 
202 (211) krystallisirt. 

e. Von Ei se nthongran a ten kamen zur 
Untersuchung die Vorkommen von : 

1) Letztere waren zu undurchsichtig und sind da- 
her im Folgenden nicht weiter berücksichtigt. 



489 

Tyrol (braun, ooO (110)). 
Orient (granatroth, 202 (211)). 
Brasilien (weingelb, 202 (211)). 

f. VoD Magnesiathongranateu wurden 
die in Körnern yorkommenden böhmischen Py- 
ropen geprüft. 

— Yfie bekannt entsprechen die Granaten in 
Form und Flächenanlage den Symmetrieverhält- 
nissen des regulären Systems; genauen Winkel- 
messungen sind indessen nur wenige zugänglich, 
der vielfachen Störungen im Erystallbau wegen, 
von denen die oftmals sehr verwickelten opti- 
schen Verhältnisse uns Kunde geben. 

Zu Ermittelung dieser letzteren wurde ein ein- 
gehendes Studium an 830 orientirten Dünn- 
schliffen unternommen ^), und es ist diese ver- 
bältnißmäßig große Zahl von Schliffen für den 
obengenannten Zweck eher noch zu klein, als 
genügend zu nennen. Aus diesem Grunde konnte 
auch vorerst auf ein näheres Studium der Aetz- 
erscheinungen nicht eingegangen werden, da, 
wie gesagt, genügendes Material hierzu, außer 
den erwähnten Präparaten, nicht zu beschaf- 
fen war. 

Zu der optischen Untersuchung diente das 
ZQ mineralogischen Zwecken eingerichtete Mi- 
kroskop nach Rosenbusch von ITuess gefertigt. ^) 
Um dasselbe so gut als möglich einem der 
neueren Bertrand'schen Instrumente •) ähnlich 

1) Dieselben sind ffroßtentheils von dem bekann- 
ten Künstler H. Voigt dabier gefertigt, dem ich nicht 
unterlasse dafür bestens zu danken. Einige der SchlifiPe 
hat mein Freund, Prof. E. Cohen in Straftburg, in der 
V. Lieferung seiner vortrefflichen Mikrophotographien 
auf Tafel XXXIV zur Darstellung gebracht. 

2) N. Jahrb. f. Mineral, u. s. w. 1876 p. 504 u. f. 

3) Bulletin de la Soc. Min. de France III. 1880, 

37 



490 

zn gestalten; wnrde diiratif Bedacht genoTumeD, 
den unteren Nieol mit der Condensorlinte drehen 
und in jeder beliebigen Stellung orientirt heben 
und senken jsu können. Außer einer zweiten 
Condensorlinaß, die schon vom Verfertiger dem 
Instrumente beigegeben war, wandte ich öfters 
mit Vortheil ein Hartnack'sches System 7, um- 
gekehrt auf das untere Nicol gesetid;, zur Er- 
zeugung stark convergenten Lichts bei der Be- 
obachtung des Axenaustritts an. 

Da schwache Vergrößerung sich häufig zum 
üebersehen einer Gesammterscheinung als noth- 
wendig herausstellte, das Hartnack'sche System 
Nr. 1 aber wegen zu großen Focalabatandes sich 
an dem in Bede stehenden Mikroskop nicht 
anwenden läßt, so construirte mir Herr Optiker 
Winkel ein System, das schwache Vergrößerung 
liefert und dessen Linsen zum Theil in den Tu-^ 
bus hineinragen. — Zur Beobachtung des Axen- 
austritts wurde dann auf einem Schlitten, ähn- 
lich dem, der die Quarzplatte trägt und für die 
schärferen Systeme in ihrer Wirkung berechnet, 
eine Linse über das Objectiv eingeschoben und 
damit der Axenaustritt beobachtet. 

Das in dieser Weise verbesserte Instrument 
leistet natürlich nicht das, was ein solches neue^ 
ster Gonstruction ; man kann indessen schon 
sehr viel mehr, als früher damit ausrichten, und 
deßhalb hielt ich diese Mittheilungen im Inter- 
esse mancher Forscher für erwünscht. 

Die Erscheinungen im parallel polarisirten 
Lichte wurden stets bei gekreuzten Nicola stu- 
dirt, häufigst unter Anwendung einea Gyps- 
blättchens vom Roth der ersten Ordnung, dessen 



p. 98 u. Referat. N. Jahrb. f. Mineral, ete. 1882, I, 
p. 177 u. f. 



491 

in der Plattenebene gelegene kleinste Elastici- 
tatsaxe ein für alle Male die Richtung, die MM' 
in Pig. 1 gegenüber den gekrenzten Nicola ^JV' 
einnimmt, beibehält. 

B. Untersuchung der einzelnen Vor- 
kommen. 

a, Kalkihongranate. 

1. WeiAer Granat von Auerbach an 

der Bergstraße. 

An diesem Fnndorte kommt, wie bekannt, 
der Granat überhaupt in sehr verschiedener 
Art vor. Auch der weiße nnd der lichtgelb- 
liche Granat erscheinen in sehr mannigfachen 
Gebilden, so hauptsächlich mit selbstständi- 
gem oder vorwaltendem ooÖ (HO), manchmal 
combinirt mit oo02 (210) und ooO»/« (320), 
dann werden auch diese letzteren , besonders 
CO 02 (210), bisweileü vorherrschend, als Trä- 
ger der Gombination erscheint auch 202 (211), 
ja mitunter dominirt sogar 3OV2 (321) und kom- 
men 00 (110), 00 2 (210), 00 OV« (320) u. 
s. w. untergeordnet vor. 

Von air diesen Ausbildungsweisen stand mir 
nur die eine in hinreichender Menge zu Gebote, 
die 00 (110) selbstständig zeigt und an der 
00 02 (210), ooOVs (320), in Spuren auch 202 
(211) untergeordnet vorhanden sind. In Folge 
des oscillatorischen Auftretens der Tetrakis- 
hexaeder sind die Rhombendodekaeder nicht sel- 
ten parallel der kürzeren Diagonale gestreift; 
es kommen aber auch glatte 00 (HO) vor. 
Nur auf diese dodekaedrischen Erystalle beziehen 
sich meine optischen Untersuchungen, denn so 
interessant es gewesen wäre, auch die anderen 
Ausbildungen zu prüfen, so mußte das doch wegen 
der Seltenheit des Materials unterbleiben. — 

37* 



492 

Es scheint mir aber das Wachsthum der hel- 
len Granaten von Auerbach ein so ausgespro- 
chen dodekaedrisches zu sein, daß mit Un- 
tersuchung erstgenannter Bildungsweisen jeden- 
falls das Hauptsächlichste erkannt ist. 

Zur Untersuchung der weißen Granaten in 
chemischer Hinsicht übergab ich Herrn Dr. Jan- 
nasch, erstem Assistenten am chemischen Labo- 
ratorium hierselbst und betraut mit den chemi- 
schen Untersuchungen des mineralogischen In- 
stituts, ausgesuchtes Material und fand derselbe 
das specifische Gewicht bei U^Gzu 3,47(2,1518 
Gr. angew. Substanz) und ermittelte folgende 
Zusammensetzung : 

SiO« = 41,80 
AW = 20,91 

FeO = 2,01 

MnO = 0,18 

CaO = 33,48 

MgO = 0,82 
Glühverlust 1) = 0,38 

Na^O = 0,42 

(incU Spur von Ka'O 
u. Li«0) «) 



100,00 
Dabei wird bemerkt, daß der in Bede stehende 
Granat vor dem Löthrohr leicht zu einer klareo, 
grünlich gefärbten Perle schmilzt. 

In optischer Hinsicht beobachtet man das 
Folgende : 

a. Schliffe nach ooOoo (100). 

Dieselben stellen, wenn nahe den oktaedri' 
sehen Ecken gelegen, Quadrate oder Rechtecke 

1) Keine Eohlensänre. 

2) Im Na-Sulfaty was im Gange der Analyse er- 
halten wurde, spectralanalytisoh nachgewiesjBn. 



' 



493 

dar, deren Seiten den Kanten des Würfels pa- 
rallel gehen. Befinden sich die Schliffe in der 
Normalstellnng, Fig. 2, so zeigt sich, bis anf 
wenige Stellen, Auslöschung, in der Diagonal- 
stellnng tritt etwas mehr Helligkeit ein.. Im 
Allgemeinen ist aber kein großer Unterschied 
rücksichtlich der Verdunkelung oder Aufhellung 
bei Normal- und Diagonalstellung vorhanden. 
In letzterer bemerkt man, vornehmlich mit dem 
Gypsblättchen untersucht, eine Vierfeldertheilung, 
wobei die Grenzen der Felder nicht völlig gerad- 
linig sind und sich ein Einfluß der Umgrenzungs- 
elemente auf die optische Structur kund gibt, 
vergl. Fig. 3. In derselben stellen die punktir- 
ten Felder die blaugefärbten, die weiß gelassenen 
die dar, welche den gelben Ton annehmen^). 
Es liegt somit in jedem dreieckigen Felde die 
kleinere Elasticitätsaxe senkrecht zur Projection 
der Würfelkante. 

Auf Axenaustritt untersucht, bemerkt man die- 
selben auf den vier Feldern des Würfelschliffs 
in einer Stellung, wie sie Fig. 2 wiedergibt, 
.was erklärt, daß der Schliff bei einer vollen 
Horizontaldrehung zwischen gekreuzten Nicols 
wesentliche Aufhellung nicht zeigt. 

ß, Schliffe nach (111). 

Dieselben zeigen, von der trigonalen Ecke 
her genommen, zwischen gekreuzten Nicols en e 
schöne Dreitheilung nach den Ecken, Fig 4. 
Die Grenzen der Felder sind öfters gerade, 
manchmal aber auch etwas gewundene Linien. 
Die einzelnen Felder löschen senkrecht und pa- 
rallel den Begrenzungselementen des Schliffs 
aus, wenn dieselben der Reihe nach durch Dre- 

1) Dies soll in der Folge bei allen Figuren die- 
selbe Bedeutung haben. 



494 

hen des Präparats mit den PolarisatioDsebenen 
der gekreuzten Nicola coincidiren. 

Im convergenten Lichte beobachtet man in 
jedem Sector eine excentrische Barre, die sich 
in der Dankelstellnng normal zu der demselben 
angehörenden Seite der Hauptfigur stellt. (In 
Fig. 4 ist dies durch die stärkeren Kreiizarme 
angedeutet). 

Mit dem Gypsblättchen geprüft, nimmt der 
Schliff in der Stellung der Fig. 4 im unteren 
Sector den rothen Ton des ersteren an, während 
der rechte Sector gelb, der linke blaa wird. 
(Wiedergegeben durch schraffirt, weiß und ge- 
tüpfelt) ^). 

In den Oktaeder- und in den Würfelsebliffen 
bemerkt man in deren einzelnen optischen Fel- 
dern zuweilen ein Auf- und Absteigen der be- 
treffenden Farben. Die die Schliffe zahlreic)i 
durchsetzenden, meist ohne Regelmäßigkeit ver- 
laufenden Risse alteriren dagegen die Erschei- 
nungen nicht in bemerkenswerther Weise, 

y. Schliffe nach ooO (110). 

Werden solche Schliffe nahe parallel der na- 
türlichen Fläche aus dem ErystaU genommen, 
so zeigt sich eine Erscheinung wie in Fig. 5. 
Im polarisirten Lichte bei stärkerer Vergrößerung 
besehen, erblickt man auf dem Flächenfelde öf- 
ters eine zarte Gitterstructur nach den Diagona- 
len des Rhombus. 

1) Ich habe hier den Fall angenommen , daß der 
Schliff für sich Hellgraublau I. Ordnung zeigt. Zeigt 
derselbe Grau I. Ordnung, so bemerkt man an Stelle 
vom Blau 11. Ordnung das Violett II. Ordnung und an- 
statt Gelb I. Ordnung erscheint Orangeroth I. Ordnung. 
Bietet der Schliff für sich WeiB I. Ordnung dar, so sind 
die entsprechenden Töne Grün II. Ordnung und Weiü 
I. Ordnung. 



495 

Wird convergentes Lieht angewandt, so be-* 
merkt man den Anstritt zweier Axen, deren 
Ebene der längeren Diagonale des Rhombus 
parallel geht und deren erste Mittellinie auf der 
Fläche senkrecht steht. Um den Charakter der- 
selben zu bestimmen, bringt man, im parallel 
polarisirten Licht, die Platte aus der Normal 
stelloDg der Fig. 5 in die Diagonalstellung und 
zwar so, daß die lange Diagonale des Rhombus 
parallel MM Fig. 1 ist. Man beobachtet dann 
bei allen Platten ein Steigen der Farbe und 
sehließt sonach, daß die lange Diagonale (IL 
Mittellinie) von demselben Charakter ist, wie MM' 
im Gyps, d. h. die Axe der kleinsten Elasticität* 
Mit der ersten Mittellinie, die mit der Platten- 
normale coincidirt, fällt daher die Axe der größ- 
ten Elasticität zusammen und der weiße Granat 
von Auerbach ist folglich bezüglich ersterer op- 
tisch negativ. 

Ich habe diese Verhältnisse ausführlich be- 
schrieben, weil sie in völlig entsprechender Art 
in den dodekaedrischen Boraciten vorliegen, die 
Erscheinungen aber s. Z. von mir, durch eine 
unrichtige Angabebezüglich der Lage der klei- 
neren Elasticitätsaxe Jm damals angewandten 
Gypsblättchen, zum Theil nicht ganz correct 
angegeben worden siud^). 

Schliffe parallel 00 (110), mehr nach der Kry- 
stallmittezu, zeigen die vom Boracit her bekannten 
Erscheinungen, die auch nochmals durch Fig. 12 
(einen entsprechenden Granatschliff von Jordans- 
mühl darstellend) wiedergegeben sind. Danach 
stellen die genannten Boracite und Granaten eine 
Structur dar, die ich, weil an den reinen ooO 

1) Vergl. übrigens N. Jahrb. f. Mineral, u. s. w. 
1881, B. I, p. 248, Fußnote. Nr. 12. 



496 

(110) beobachtet, die nor maleDodekaSder- 
strnctar nennen möchte. 

— Die von mir antersachten weißen Auer- 
bacher Granaten waren sehr rein und frei von 
Einschlüssen; auch die von Bosenbnscfa ange- 
gebenen Flüssigkeitseinschlüsse waren nicht häufig 
zu finden. Ihre Gegenwart erklärt aber den 
Glühverlust der Analyse. 

An dunkleren (röthlichen und bräunlichen) 
dodekaedrischen Granaten desselben Fandorts 
konnte ich zwar ebenfalls Einwirkung auf das 
polarisirte Licht, jedoch keine so regelmäBige 
Anordnung der einzelnen Theile, wie sie oben 
geschildert wurde, wahrnehmen. 

2. Weißer Granat von Jordansmühl 

in Schlesien. 

Dieses Vorkommen wurde, wie in der Ein- 
leitung erwähnt ist, von Websky analysirt und 
beschrieben, sowie auf sein optisches Verhalten 
geprüft. Spätere Untersuchungen von Bertrand, 
deren weiter oben ebenfalls gedacht ist, lehrten 
uns die näheren optischen Verhältnisse kennen. 

Meine Untersuchungen dieser in der Form 
von 00 (110) mit dem vicinalen oo ^/es 
(64. 63. 0) auftretenden, in*der Richtung der kur- 
zen Diagonale der Fläche ersterer Gestalt zart 
gewölbt, bis gestreift erscheinenden Krystalle, be- 
stätigen Websky's und Bertrand's Angaben voll- 
kommen. Namentlich ist wiederholt hervorzu- 
heben, daß es Krystalle gibt, die fast oder ganz 
unwirksam sind, während von da ab bis zu der 
lebhaftesten optischen Wirkung zahlreiche ver- 
bindende Mittelglieder sich finden. 

Im Allgemeinen stellen sich die optischen 
Verhältnisse bei den wirksamen Erystallen wie 
folgt dar: 



497 



a. Schliffe nach ooOcx)(100). 

Schneidet man an einem Dodekaeder, nicht 
ganz an der Oktaederecke, sondern etwas mehr 
der Mitte zn, ein düuDes Plättchen parallel 
ooOcx) (100) ab, so beobachtet man, wenn die 
Flächen vodoo 0(110), welche bei quadratischer 
Verzerrung dieser Gestatt die erste Säule geben 
würden, durch den Schnitt getroffen werden, 
eine Umgrenzung, wie in Fig. 6 dargestellt, wo- 
selbst drei solcher Flächen angeschnitten sind. 
Dieser Schliff löscht in der Normalstellung be- 
züglich der Theile aus (schraffirt), die in unglei- 
cher Größe, den 4 Feldern der Figur 2 ent- 
sprechen und besitzt außerdem andere Par- 
tien , an den obengenannten Projectionen der 
Dodekaederflächen beginnend, die Blau (Ge- 
tüpfelt) und Gelb (Weiß) zeigen, ^) wenn mit 
dem Gypsblättchen untersucht wird. 

Da, wie bekannt, der Granat von Jordans- 
mühl im optischen Verhalten zweiaxig und be- 
züglich seiner ersten Mittellinie negativ befunden 
worden ist, so liegen in diesen sich färbenden, 
diagonal einander gegenüberstehenden Theilen 
die Projectionen der Axe der größten Elasticität 
(I. Mittellinie) wie die Diagonalen des um die 
Fig. 6 in Normalstellung zu ergänzenden Wür- 
felquadrats, was zur Folge hat, daß links unten 
und rechts oben ein Sinken und rechts unten 
und links oben ein Steigen der Farbe statt- 
findet 

Wird der Schliff, Fig. 6, in die Diagonal- 

1) Auf diesen Feldern herrseben die betreffenden 
Farben nicbt einbeitlicb, sondern sind am intensivsten 
an den Rändern und von denselben nach der Mitte der 
Sectoren zu. 



498 

Stellung, Fig. 7, übergeführt, so löschen nun die 
früher gefärbten Theile ans und nehmen den 
rothen Ton des Gypsblättchens an; die früher 
wirkungslosen färben sich entsprechend Fig. 3. 

Es verdient dieses Verhalten besonders her- 
vorgehoben zu werden, weil man bei Herstellung 
beliebiger Schliffe aus dem kornigen Granat von 
Jordansmühl öfters qifadratische umrisse mit 
einer Wirkung findet, wie in Fig. 9 gezeichnet 
und einen scheinbaren Gegensatz zu dem dar- 
stellend, was die Fig. 3 und 7 lehren, 

In Wahrheit entsprechen aber diese Gebilde 
Fig. 9, den in der Normalstellung der Platte 
wirksamen Theilen der Fig. 6, wodurch Alles 
sich bestens erklärt und ferner folgt), daß jene 
Schnitte^ Fig. 9, bei ooO (110) durch die bei 
quadratischer Verzerrung entstehende erste Säule 
gehen. — 

Dieses Verhalten findet dann auch Bestäti- 
gung durch die Untersuchung dieser und der 
vorherbetrachteten Partien im convergenten po- 
larisirten Lichte. 

Bückt der Würfelschliff mehr nach der okta- 
edrischen Ecke zu, so verschwinden die in Fig. 6 
wirksamen Theile mehr und mehr und bleiben 
in anderen Schliffen auf Erhellungen an den 
Ecken oder auf aufhellende Streifen, nach den 
Diagonalen des Würfelquadrats eingelagert, be- 
schränkt. — Bisweilen zeigen sich auch Erschei- 
nungen wie in Fig. 8, welche nach Analogie des 
Topazoliths Fig. 45 und 44 oder gewisser dode- 
kaedrischer Kalkeisengranate von Breitenbrunn 
zu deuten sind (Fig. 51). Dafür spricht auch, 
daß der Schliff Fig. 8 in Diagonalstellung eine 
Feldertheilung und Färbung zeigt wie Fig. 3. 



499 



ß. Schliffe nach (111). 

Dieselben entsprechen in allen Erscheinungen 
^Uig dem Verhalten der ans den Dodekaedern 
von Auerbach gewonnenen Oktaederpräparate. 
Bisweilen beobachtet man haarscharfe Grenzen 
der Theile, vergl. Fig. 10, manchmal fehlen aber 
auch Andeutungen von Zonenstructur nicht. 

In beliebigen Schliffen aus dem kömigen 
Granat sieht man bisweilen sehr schön den 
Schnitt durch die Mitte von oo O (HO) nach 
(111) vergl. Fig. 11. Derselbe ist, abgesehen 
von dem regelmäßigen Sechseck seiner Umgren- 
zung , charakterisirt durch die Auslöschungen, 
die senkrecht und parallel den Seiten des Hexa- 
gons verlaufen und unterscheidet sich dadurch 
von dem Centralschliff nach ooO (110), bei dem 
die Theile B, C, D, E, F, G der Fig. 12, unter 
Unterdrückung des Theils A, zwar ebenfalls ein 
Sechseck ausmachen, dessen Auslöschungen aber, 
wie in Fig. 12 gezeichnet, liegen und von dessen 
Winkeln zwei solche von 109<> 28' 16" sind, 
während die vitr anderen je 125® 15' 52" messen. 

Y. Schliffe nach ooO (HO). 

Sind dieselben der natürlichen Fläche paral- 
lel, so kann Fig. 5 zu ihrer Darstellung und 
auch zur der der Lage der Axenebene dienen, 
welche Verhältnisse ganz entsprechend denen 
des dodekaedrischen Boracit und weißen Auer- 
bacher Granat sind. 

Den Schliff nahe der Mitte stellt Fig. 12 
nach der Natur dar. Auch hier tritt die voll- 
ständige Uebereinstimmung zu Tage. 

Wird, bei Anwendung eines Gypsblättchens 
vom Roth der ersten Ordnung der Schliff, Fig. 



I 

L 



500 

12, so gestellt y daß die lange Diagonale des] 
Theils A mit MMf Fig. 1, coincidirt, so vm( 
A blan und B, C gelb. Die erste Mittellinie, 
senkrecht auf A stehend, ist also von negatiyein| 
Character. 

Der Axenaastritt läßt sich wie in den eni 
sprechenden Boracitplatten auf das dentlichsi 
constatiren. Demnach liegt bei den beiden nn< 
tersuchten Granatvorkommen die Ebene der o[ 
tischen Axen parallel der längeren Diagonale! 
des Bhombns und die erste negative Mittellinie| 
steht auf der Dodekaederfläche senkrecht^).! 
Die Structur dieser Dodekaeder ist also eben« 
falls in der Hauptsache die normale; es kom- 
men indessen, yergl. Fig. 8, schon Andeutungen 
von der Bildungs weise des Topazolith (vergL 
dessen Beschreibung) vor. 

Werden Dodekaederschliöe des Jordansmüh- 
1er Granatvorkommens erhitzt , so zeigen sie 
nach dem Erhitzen lebhaftere Farben als vor- 
her und die Grenzen der Theile sind wohl auch 
hie und da etwas gegeneinander verschoben. 
Im Vergleich zu der prächtigen Erscheinung, 
die der Boracit darbietet, sind aber die hier einge- 
tretenen Veränderungen nur höchst unbedeutend 
zu nennen; was wohl mit der größeren Unbe- 
weglichkeit der Molecüle der Granatsubstanz zu- 
sammen hängt. 

1) Verhältnisse, ganz ähnlich den geschilderten fknd 
ich, nach diesbezüglichen Mittheilungen, in einigen 
Schliffen wieder, die mir mein Freund Prof. Bosenbuscli 
anvertraute. Die Schliffe stammen aus Paris und wer- 
den von H. Ivan Werlein, 7 nie Berthollet, als Grenat 
et röche ä grenat blanc, Piemont in den Handel gebracht 

Die vollkommene üebereinstimmung mit dem, was 
in den Jordansmühler Schliffen zu Tage tritt, läfit es 
als sehr wahrscheinlich erscheineo , daß der Fundort 
auch der gleiche ist. 



501 



3. Gelblichweißer Granat von Elba. 

Derselbe krystallisirt in der Form von (111) 
und es treten ooO(llO), auch 2 02 (211) com- 
binirend hinzu. Die Erystalle sind , was die 
FIächenbescha£fenheit anlangt, von mattem An- 
sehen, aber ohne erhebliche Unebenheiten auf 
den Flächen. 

Wegen der Zusammensetzung vergleiche Ram- 
•melsberg. Mineralchemie 1875. B. IL p. 478. 

Die optische Untersuchung ergibt das Fol- 
gende : 

a. Schliffe nach ooOoo (100). 

Dieselben sind meist Quadrate und zeigen in 
der Stellung -der Fig. 13 nahezu vollständige 
Auslöschung. Es ist aber hierbei zu bemerken, 
daß Fig. 13 gegenüber Fig. 2 um 45^ gedreht 
erscheint , da der Schliff aus dem Oktaeder ge- 
nommen ist. 

In der Stellung der Fig. 14 ergibt sich eine 
häufig unregelmäßige Vierfeldertheilung und 
nehmen, mit dem Gypsblättchen untersucht, die 
einzelnen Theile die Töne an, die Fig. 14 wie- 
dergibt. Wir können daraus schließen, daß 
senkrecht zu jeder Quadiatseite in den einzelnen 
Sectoren die Axe der größeren Elasticität ver- 
läuft. — Mitunter beobachtet man, auf den 
Grenzen der einzelnen Felder gelegen , noch 
Theile von unregelmäßiger Begrenzung, die bei 
der Stellung der Fig. 14 den rothen Ton des 
Gesichtsfelds beibehalten, dann aber beim Dre- 
hen des Präparats denselben ändern. Betrach- 
tet man den Schliff Fig. 13 im convergenten 
Lichte, so treten auf den 4 Feldern, deren Be- 
grenzungen Fig. 14 kennen lehrte, 4 Barren 



502 

aus, die in der Stellung der Fig. 13 senkrecht | 
zu den Begrenzungselementen des Schliffs er- 
scheinen. Ihre Drehung bei der Rotation des 
Präparats auf dem Objecttiscbe ist dieser letzte- \ 
ren Drehung entgegengesetzt. 

ß. Schliffe nach (111). 

Dieselben sind höchst interessant. Wenn- 
gleich nicht alle die Erscheinungen in der Deut- 
lichkeit der Fig. 15 zeigen ^), die aus der Com- 
biuation 0(111), cx)0 (110), 2 02(211) genom- 
men ist, so lassen sie doch sämmtlich in der 
Hauptsache gleiche Structur erkennen. 

In Fig. 15 bleibt zunächst das innere con- 
centrische Dreieck bei einer vollen Horizontal- 
drehung des Präparats zwischen gekreuzten Ni- 
cols dunkel, während alle anderen Theile auf- 
hellen oder dunkel werden. — Mit dem Gyps- 
blättchen untersucht behält der schraffirte Theil 
die rothe Färbung bei, welche dann auch das 
innere Dreieck (aber bleibend bei einer vollen 
Horizontaldrehung) annimmt, der linke Sector 
wird blau, der rechte gelb. Die Streifen zwi- 
schen diesen Haupttheilen zeigen einen eigen- 
thümlich gelblich braunrothen Ton und loschen 
unter etwa 45® zu ihrer langen Ausdehnung 
nach l und r aus. 

Wie deutlich zu erkennen, wird durch die 
optische Feldertheilung eine Protection der oben 
genannten, über einem Oktanten liegenden Flä- 
chen von (111), ooO (110), 2 02 (211) auf 
die Oktaederfläche dargestellt und ist damit der 
Einfluß der Begrenzungselemente auf die optische 
Structur erwiesen. 

1) Dieselbe ist fsat vollkommen nach der Natur 
gezeichnet, nur kleine Einlagerungen, besonders im Cen> 
traltheil sind weggelassen. 



503 

Untersucht man im convergenten polarisir- 
ten Lichte , so tritt auf jedem Sector in der 
Anslöschungslage (die Auslöschnngen gehen in 
den Sectoren den Kanten der Hauptfigur senk- 
recht nnd parallel) eine Barre aus, wie in Fig. 
16 gezeichnet. Auf dem Centralfeld erscheint 
aber das schwarze Kreuz einaxiger Krystalle. 

Der oktaedrische Granat von' Elba baut sich 
sonach optisch aus acht einaxigen (hexagonaleD) 
Individuen auf, die ihre Spitze im Centrum und 
ihre Basis in der Oktaederfläche haben. Auf 
letzterer steht die optische Axe senkrecht. Der 
Charakter derselben ist negativ, wie man leicht 
ans der Farben vertheiluug der Fig. 14 und der 
der Fig. 15 schließen kann. In letzterer ist der 
linke Sector blau, also liegt die kleinere Elasti- 
citatsaxe im Sinne von MM'; da diese Elastici- 
t^tsaxe aber senkrecht zur optischen Axe ge- 
richtet ist, so wird die letztere die der größten 
Elasticität, der Krystall folglich optisch negativ. 
Die anderen nach dem Oktaeder hergestellten 
Schliffe lassen im Wesentlichen dasselbe erkennen. 
In einigen tritt der Einfluß der Fläche von 
(111) mehr hervor, doch ist das bezügliche 
Feld nicht so einheitlich dunkel, wie in dem 
abgebildeten Präparat, und es zeigen sich Par- 
tien , die nicht mehr einaxig sind ; in anderen 
kommen mehr die Theile, welche von den Iko- 
sitetraederflächen herrühren, zur Geltung. 

Ein Schliff aus der Mitte zeigt eine zackig 
in einander greifende Sechstheilung, deren ge- 
genüberliegende Sectoren zu gleicher Zeit aus- 
löschen. Die Umgrenzungen des Schliffs sind 
nicht sehr gut erhalten, man kann aber doch 
sehen, daß derselbe ein Hexagon war, zu dessen 
Seiten senkrecht und parallel die Projectionen 
der Hauptauslöschungsrichtungen liegen. 



504 



y. Schliffe nach ooO (HO). 

Die' eine Abstnmpfang der Kanten des Ok- 
taeders bildenden Schliffe nach coO (HO) zei- 
gen unregelmäßigen Wechsel zwischen rothen, 
blauen und gelben Stellen, wenn die lange Aus- 
dehnung derselben in eine Polarisationsebene 
der gekreuzten Nicols fällt. Coincidirt ebenge- 
nannte Richtung (Projection der Oktaederkante) 
aber mit MM.\ Fig. 1, so färbt sich der Schliff 
blau, bei dazu senkrechter Stellung gelb, woraus 
man wiederum das bei der Betrachtung der Ok- 
taederschliffe gewonnene Resultat erhält. 

Schliffe in derselben Richtung nach dem In- 
neren zu geführt, lassen eine complicirte Thei- 
lung erkennen. Die einzelnen Partien derselben 
konnten durch Erwärmung zwar wenig, aber 
doch bei verschiedenen Versuchen entschieden 
merklich, gegen einander bleibend verschoben 
werden. 

Dieses Vorkommen stellt in den besten 
Präparaten die normale Oktaederstruc- 
tur dar. 



4. Braunrother Granat von der Mussa- 
Alp und röthlichgelber von Valle di 

Lanzo. 

Dieselben sind entweder Dodekaeder mit 
2 02 (211), oder 2 02 (211X-mit ooO (110); 
manch' Mal waltet die eine Gestalt vor der an- 
deren bedeutend vor, selten erscheint die eine 
oder die andere ganz selbstständig. 

Was die Flächen beschaffenheit anlangt, so 
ist 00 (110) bisweilen glatt, dann aber auch, 
wie beim Topazolith, mehrfach geknickt. Nicht 



505 

selten verlaafeu diese Knicke in anregel mäßiger 
Weise. Die Flächen yon 20 2 (211) pflegen 
nach ihren symmetriscliea Diagonalen gestreift 
zn sein. 

An einigen Dodekaedern beobachtete ich sehr 
interessante Wach thnmserscheinangen. 

ursprünglich^ wie aus dem Kern zu ersehen, 
als reine ooO (110) vorhanden, zeigten die Kry- 
atalle beim Weiterwachsen das Bestreben die 
Combination ooO (110), 202 (211) zu bilden. 
Dabei lagerte sich die Masse zuerst an den Kan- 
ten von ooO(llO) an, gewissermaßen ein Gerüst 
darstellend. Die Flächen von 20 2 (211) wur- 
den sodann gebildet. Manch' Mal ist diese Bil- 
dung noch nicht vollendet, und die sich anla- 
gernde Masse zeigt, da, wo eine Fläche von 
2 02 (211) die Kante von oo 0(1 10) abstumpfen 
sollte, eine Rinne, von der aus sich die Substanz 
nach den anliegenden Feldern von ooO (110) 
hinzieht, als ob bei dem Festwerden der sich 
auflagernden Masse eine. Gontraction derselben 
stattgefunden hätte. Die Theile berühren sich 
in Folge dessen in den Kanten nicht mehr so in- 
nig, wie sonst. Deutet dies nicht auf die Ent- 
stehung der Trennungsflächen, die Bertrand im 
Granat fand, vergl. Einleitung pag. 480, hin? 

Das Vorkommen , wenigstens das von der 
Mussa-Alp, ist wie in der Einleitung zu ersehen, 
auf Äetzfiguren von Baumbauer untersucht worden. 
Derselbe fand dem regulären Systeme entspre- 
chende Grestalten und Vertheilung derselben. Mal- 
lard gibt optisch schwache Wirkungen an und 
vergleicht die Verhältnisse mit denen des Aplom 
von Sachsen. 

Nach neueren Analysen von Dr. Januasch, 
der auserlesene Krystalle prüfte , besteht der 
Granat der Mussa-Alp aus: 

38 



506 





I 


U 


8iO« 


=*t 38,12 


38,94 


AI« 0» 


«« 18,35 


17,42 


') Fe «0» 


— 7,17 


7,62 


MdO 


^ 0,18 


0,56 


CaO 


= 35,40 


34,76 


MgO 


— 0,02 


0,37 


Na«0 


— 0,42 


0,34 


Glühverlnst 


— 0,74 


0,51 


A 


1 00,35 


100,52 



Specif. Gewicht bei 20<>C (1,9936 gr. Substanz) 

= 3,633. 

In optischer Beziehung lassen die in Bede 
stehenden Granaten meist nur schwache Wir- 
kungen auf das polarisirte Licht erkennen , so 
daß man ohne Zuhülfenafame des Gypsblättcfaens 
wenig ausrichtet. Dabei ist aber ihr Aufbau 
ein so hochgradig verwickelter, daß es nur ge- 
lingt ein annäherndes Bild der Verhältnisse zu 
geben. Es ist dies , wie später ausführlicher 
dargethan werden wird, in dem Umstände be- 
gründet, daß zum Aufbau dieser Granaten, die 
meist neben cx>0 (110) auch 2 02 (211) zeigen, 
mehrere Structuren beitragen, welche vielfach 
sich gegenseitig beeinflussen und stören. 

Granat von der Mussa-Alp. oo (110) fnit m- 
tergeordndem 2 2 {211). 

a. Schliffe nach ooOoo (100). 

Man beobachtet bei denselben , die , wenn 
von der Ecke hergenommen, bezüglich der äu- 

1) Die Eisenoxydulbestimmungen neben den Eisen- 
oxydbestimmungen sind noch nicht ausgeführt und sol- 
len später im Zusammenhang mit anderen Analysen 
mitgetheilt werden. 



507 

Beren Umgrenzungen, der Fig. 2 gleichen, in 
der Stellung dieser Figur nahezu völlige Dun- 
kelheit; in der Diagonalstellnng bemerkt man, 
mit dem öypsblättchen untersucht, eine Felder- 
theilung und Färbung wie in Fig. 3, mit einem 
Mittelfeld (ähnlich Fig. 22), in welchem die Far- 
ben durcheinander gehen. Erjstalle, an denen 
20 2 (211) mehr vorwaltet, zeigen auch Erschei* 
Eungen wie Fig. 19, wobei in den (dann abge- 
stumpften) Ecken vier Felder mit gemischten 
Tönen erscheinen. 

Im Allgemeinen sind die Wirkungen auf das 
polarisirte Licht schwach, die Töne in den ein- 
zelnen Feldern nicht gleichmäßig, die Grenzen 
der Felder vielfach unregelmäßig, bisweilen eine 
Tendenz zu complicirterer Theilung verrathend, 
ifl Folge dessen auch die Feldertheilung öffcers 
sehr wenig übersichtlich. In Schliffen nach der 
Mitte majcht sich hie und da Zonenstructur gel- 
tend und die Färbung der vier Felder entspricht 
aus früher entwickelten Gründen (vergl. pag. 498) 
der Vertheilung in Figur 9. 

Dabei gehen die Zonen den Seiten des nun- 
mehr gegen das erstere (Fig. 2) verwendet ste- 
henden Quadrats (Fig. 9) parallel, nicht ohne 
selbst wieder durch senkrecht zu ihrer Längs- 
richtung gelagerte , wie geflammt aussehende 
Sfareifen durchsetzt zu werden. Im Gentrum tritt 
eine stark wirksanae Partie, mitunter in Kreu- 
zesform gebildet, auf. — Einschlüsse von Diop- 
sid und Ripidolith sind öfters zu beobachten. 

ß, Schliffe nach (111). 

Sind dieselben von den trigonalen Ecken des 
BhombendodekaSders her genommen, so stellt 
Fig. 17 ihre Erscheinung in einem verhältniß- 
mäßig guten Präparat, das mit dem Gypsblätt- 

38* 



508 

eben antersncht ist, dar. Die AuBloschungen 
der drei Hanpttbeile liegen noch senkrecht nnd 
parallel den Dreiecksseiten, doch kommen in j 
anderen Schliffen Abweichungen hieryon nnd 
Andentnngen von Theilungen des Dreiecks nach 
der Mitte der Seiten vor. 

Die Schliffe aus der Mitte zeigen eine so 
verwickelte, mit Zonenaufbau am Kande wech- 
selnde, aber meist nur schwach auf das polari- 
sirte Licht wirkende Bildung, daß dieselbe nicht 
mehr in einfacher Weise darstellbar ist. 

Die gleichen Einschlüsse, die bei den vorigen 
Schliffen erwähnt wurden, sind auch hier zu finden. 

Wenn sonach mit Bücksicht auf diese Schliffe 
der Bau dieser Krystalle sich noch im Allge- 
meinen an den der reinen Dodekaeder anschließt, 
so weichen die Schliffe nach ooO (110) erheb- 
lich ab. Ebenso ergeben sich sofort sehr ge- 
störte Erscheinungen, sowie 2 02 (211), was an 
den bis jetzt untersuchten Krystallen nur unter- 
geordnet auftrat, vorwaltet. 

Leider kann eine optische Prüfung der vor- 
stehend beschriebenen Schliffe im convergenten 
polarisirten Lichte nur wenig Aufschluß gewäh- 
ren, da die zu beobachtenden Erscheinungen so 
unbestimmt und schwach sind, daß damit weiter 
nicht viel anzufangen ist. Nur wieder ganz im 
Allgemeinen läßt sich sagen, es sei eine Annä- 
herung an die später zu schildernden Verhält- 
nisse des Topazolith zu bemerken. 

r. Schliffe nach ooO (110). 

Bei denselben offenbart sich der Einfluß der 
Oberflächenbeschaffenhei tauf die optische Structur. 

Selten ist nämlich cx> 0(110) absolut glatt, 
meistens zeigt es kleine Erhöhungen, wie sie 
der später zu betrachtende Topazolith so aus- 



509 

gezeichnet darbietet nnd mit diesen hängt offen- 
bar die optische Stmctur zusammen. 

Ohne jetzt näher anf diese Verhältnisse ein- 
zugehen , sei nnr bemerkt, daß mit dem Gyps- 
blättchen untersucht Fig. 18 die Erscheinungen 
in einem einfachen Falle darstellt, andere Schliffe 
dagegen sehr viel verwickeitere Structuren er- 
kennen lassen. 

Im Allgemeinen läßt sich also eine mehr 
oder weniger undeutliche Vierfeldertheilung nach- 
weisen und es ist zu bemerken, daß die Aus- 
loschuDgen dieser Theile sehr wenig regelmäßige 
Lagen haben, in den meisten Fällen aber ent- 
weder parallel oder nahe parallel den Kanten 
des Rhombus oder unter 45® zu dessen Diago- 
nalen geneigt zu beobachten sind. Diese Verhält- 
nisse erinnern ebenfalls an die später zu betrach- 
tenden des Topazolith, auch in Bücksicht auf 
den hier nur unvollkommen zu beobachtenden 
Axenaustritt. 

Granat von der Mussa Alp, 
Vorwaltend 202 (2U). 

Schliffe nach ooOoo (100). 

Hiervon gibt Fig. 19, mit dem Gypsblätt- 
chen untersucht, eine Vorstellung. Die Theilung 
ist, da 20 2 (211) vorliegt, entsprechend der 
Fig. 14 zu nehmen. In den Ecken des Recht- 
ecks, das einen Einfluß der Verzerrung auf die 
optische Structur nicht verkennen läßt, treten 
mehr oder weniger regelmäßig abgegrenzte Par- 
tien auf, in denen die Farben durch einander 
gehen. Diese Partien sind vielleicht auf den 
Einfluß der Flächen von ooO (HO) zurückzu- 
fahren. 

In der Stellung der Fig. 13 löscht Alles aus 



510 

ond auf den vorher distinct gefärbten Feldern 
ist der Anstritt einer Barre, wie in Fig. 13, za 
beobachten. 

Schliffe nach (111). 

Fig. 20 stellt einen solchen, ebenfalls mit 
dem Gypsblättchen untersucht, dar. In demsel- 
ben tritt ein concentrisches Dreieck, in dem 
der Einfluß der äußeren Flächenstreifung noch 
nicht so merklich, wie in der Umgrenzung ist, 
auf. Die Farben gehen durch Kern und Hülle 
in der Hauptsache gleichmäßig hindurch , in 
letzterer findet man aber bisweilen in der Rich- 
tung der Streifen Partien, die Abweichungen 
in der Orientirung zeigen. — Der Austritt von 
drei Barren in den 3 Sectoren ist im conver- 
genten Lichte wie in Fig. 16 zu beobachten. 

Die Vertheilung der Farbentöne in Fig. 19 
und 20 läßt im Vergleich zu denen in Fig. 14 und 
15 auf ein entgegengesetztes optisches Verhal- 
ten schließen. 

Schliffe nach oo (110). 

Nach einer natürlichen Fläche genommen 
geben sich Erscheinungen wie in Fig. 21 kund, 
die mit dem, was Fig. 18 zeigte, zu vergleichen 
sind. In Fig. 21, woselbst die Auslöschungen 
eingetragen sind, bemerkt man, daß eine wieder- 
holte Bildung dessen erscheint, was in Fig. 18 
links von der kurzen Rhorabendiagonale statt- 
findet, und erst in den rechten Partien der 
Fig. 21 sich die Orientirungen kreuzen (Stellen 
mit 25^ Auslöschung zur langen Diagonale.) 

Schliffe nach 202 (211). 
Dieselben lassen zum Theil einheitliche Stel- 



511 

leo erkennen, die sich beim Drehen des Präpa- 
rats zwischen gekreuzten Nicols nicht ändern 
und bieten noch häufiger andere dar, die beim 
Drehen Wechsel zwischen Helligkeit und Dun- 
kelheit zeigen. 

Die Platte erhält durch diese Partien und 
ihr Zungen-, keil- und bänderförmiges Ineinan- 
dergreifen das Ansehen einer stark verzwilling- 
ten Leucitplatte. 

Einheitliche A^uslöschung tritt in keiner Stel- 
lung der Platte ein, die größte Dunkelheit zeigt 
äch, wenn die symmetrische Diagonale der Fläche 
von 2 02 (211) in die eine Polarisationsebene 
der gekreuzten Nicols fällt. 

Schaltet man das Gypsblättchen ein und 
bringt die symmetrische Diagonale parallel ilfi[i^ 
Fig. 1, so wird das Feld rücksichtlich der wirk- 
samen Theile blau, steht die Diagonale senkrecht 
zu MM'y gelb. 

Im convergenten Lichte findet mau, mit der 
durch die Schwäche der Erscheinung nöthigen 
Resor^e, daß die bei der vorausgegaugenen Un- 
tersuchung nicht wirksamen Stellen theils op- 
tisch einaxig, theils aber auch 4^^^^ nicht und 
daher wohl solche sind, in denen zweiaxige 
Orientirungen sich rechtwinkelig kreuzen, wäh- 
rend die zahlreicher vorhandenen aktiven Stellen 
sieh optisch zweiaxig erweisen. In dem größten 
Theil letzterer (es ist dies der Fall in allen Par*- 
tien, die senkrecht und parallel der symmetri- 
schen Diagonale auslöschen) steht die Mittellinie 
auf der l02 (211) Fläche senkrecht und die 
Äxenebene liegt normal zur symmetrischen Dia- 
gonale. Bei einem geringeren Theile schief 
(8 — 10®) zur symmetrischen Diagonale auslöschen- 
den (jQ^meU^n maß ,wch die ent^precl^nde achiefe 
Lage der Axenebene angenommen werden. In 



512 

der Plattenebene ist aber die symmetrische Dia* 
gonale, für die orientirt zweiaxigen Partien in 
Strenge, für die anderen nahezu, die Axe der 
kleineren Elasticität; die zweite Mittellinie, bei 
den orientirt anslöschenden Partien ebenfalls in 
der Plattenebene gelegen^ (Normale zur symme- 
trischen Diagonale), die der größeren Elasticität, 
folglich die erste Mittellinie die der kleinsten 
Elasticität und der Erystall bezüglich derselben 
optisch positiv, was auch die Vertheilung der 
Farben in Fig. 19 und 20 lehrt. 

Diese merkwürdige Strnctur, die sonach ein 
selbstständiges Ikositetraeder aufgebaut sein läßt 
aus 24 Pyramiden, deren Basisflächen die von 
202 (211) sind und deren Spitzen im Erystall- 
mittelpunkt zusammen treffen, wurde zuerst von 
Dr. Ben Saude für die Gestalten 2 02 (211) des 
Analcim erschlossen^). 

Wegen der überaus schwachen Doppelbrech- 
ung dieses Minerals konnte aber die Erscheinung 
des Axenaustritts, senkrecht zur Fläche von 202 
(211) gesehen, damals nicht wahrgenommen 
werden. Auch das vorliegende Material von 
der Mussa-Alp würde die Entscheidung nicht 
in Strenge gestattet haben, wenn nicht die Gra- 
naten vom Wilui und von Sala in überraschend 
schöner Weise und einer Deutlichkeit, die nichts 
zu wünschen übrig läßt, uns in den Stand ge- 
setzt hätten , die beiden Structuren einzeln zn 
erkennen, die bei den Erystallen von der Mussa- 
Alp zusammen wirksam gewesen sind. ' 

In gleicher Weise baut sich der sofort noch 
anzuführende Granat von Yalle di Lanzo auf. 

Man kann ermessen, welche Vielgestaltigkeit 

1) InaugutaldissertatioD. Göttingen 1881 und N. Jahrb. 
f. Mineralogie 1882 B. I. p. 69. 



513 

resoltirt und wie schwer dieselbe bei der nur 
schwachen Doppelbrechung äu verfolgen ist. 

Böthlichgelber Granat von Volle di Lanzo. 
202 (211) mit ooO (110), 

Dieses Vorkommen ist ganz entsprechend dem 
betreffenden Mussa-Alp Vorkommen gebildet, wie 
der Schliff nach oo oo (100) Fig. 22 bezüglich 
der Farbenvertheilung bei Anwendung desGyps- 
blättchens beweist. Ein hier auftretendes Mit- 
telfeld hebt sich mit schwächerer Wirkung ge- 
genüber den stärker wirkenden Rändern ab. 

Auch der Schliff nach (111) Fig. 23 ver- 
hält sich wie vorher, ebenso zeigt ein entspre- 
chender Schliff aus 202 (211) und ooO (110) 
nahezu im Gleichgewicht, die entsprechenden 
Verhältnisse, Fig. 24 und läßt noch den Einfluß 
der Streifung der 2 02 (211) Flächen erkennen. 

Bezüglich der Dodekaederschliffe gilt dasselbe, 
was beiden 2 02 (211) Granaten von der Mussa- 
Alp gesagt wurde. Mit dem Gypsblättchen un- 
tersucht zeigen sie eine Farbenvertheilung, wie 
Fig. 28, wenn auch nicht ganz so ausgesprochen 
Zonen weise angeordnet und ohne* Mittelfeld. 

Da die in der Fläche 20 2 (211) gelegene 
Combinationskante 2 02 : ooO zu der Combina- 
tionskante 2 2 : oo oo senkrecht steht , so ist 
gegenüber der Farbenvertheilung der Fig. 22, 
die der Fig. 28 erklärlich, liegt ja doch für letz- 
tere die II. Mittellinie (Axe der größten Elasti- 
cität) nunmehr zur Combinationskante 2 2: 
00 senkrecht. 

Sonach erweist sich dieses Vorkommen, bei 
dem die Wirkung auf das polarisirte Licht wo- 
möglich noch schwächer als bei dem vorher 
betrachteten ist, ganz ähnlich demselben gebaut. 



514 

5. Lichtgrüplicher Granat vom 
Wiluiflnß in Sibirien. 

Die Hauptform ist hier 202 (211) mit un- 
tergeordneten 00 (HO) und 3 0»/« (321); 
es finden sich aber auch selbstständige oo (110) 
und zwar sowohl regelmäßig, als verzerrt nach 
einer der drei gleichwerthigen Hauptaxen. Was 
die Flächenbeschaffenheit anlangt, so kommt 
2 02 (211) glatt vor, aber auch manch' Mal 
nach der symmetrischen Diagonale gestreift und 
bisweilen beobachtet man eine eigenthümliche 
Oberflächenbeschaffenheit, die siph mit nichts 
anderem vergleichen läßt, als mit dem Anblick, 
den eingetrockneter Thon oder Lehm gewährt: 
die Oberfläche sieht zerrissen aus und die ein- 
zelnen von den Rissen umgrenzten Stellen sind 
wie eingesunken. 

Die Flächen von oo (HO) sind entweder 
glatt oder parallel ihren Combinationskanten zn 
2 2 (211) zart gestreift. Von den so resulti- 
renden 4 Streifensystemen walten öfters zwei 
unter 70® 32' zusammenstoßende vor und erzen- 
gen auf der Fläche eine federfahnenäbnliche 
Structur. ^ 

Mit Kücksicht auf die Zusammensetzung vergl. 
man Bammelsberg Mineralehemie 1875. II, p. 478. 

In optischer Hinsicht haben sich, wie aus 
der Einleitung zu ersehen, Breithaupt, Des-Cloi- 
z^aux, Wichmann und Jeremejew mit diesem 
Vorkommen beschäftigt. Von diesen Forschern 
kam Jeremejew der Erkenntniß des Aufbaues 
dieser Granaten am nächsten. 

Granat von Wilui. 202 {211) vorherrschend- 
a. Schliffe nach oo oo (100.) 
Ich habe dieses Vorkommen sehr eingebend 



515 

stndirt, namentlich wurden ganze Erystalle in 
einer RichtuDg vielfach durchgeschnitten und 
man kann auf Grund der Beobachtungen erken- 
nen, daß die Structur der 2 2 (211) Grossu«* 
lare von Wilui die ist, welche die entsprechend 
gebildeten Analcime zeigen. 

Beginnen wir mit dem ersten SchlifiP nach 
ooOoo (100) aus 2 2 (211) mit untergeord» 
netem oo (110) von dem oktaedrischen Ecki- 
punkt her, so stellt ihn Fig. 25 mit demGjps- 
blättchen untersucht dar. Da die Farben in 
den beiden Sectoren steigen, welche bezüglich 
ihrer Verbindungslinie mit MM\ Fig. 1, coin* 
cidiren, so kann man sagen, daß in jedem Drei- 
eck die Bichtung der kleineren Elasticität nor- 
mal zur äußeren Seite der Umgrenzung ist. — 
In der Stellung der Fig. 2 löscht alles aus, wenn 
im polarisirten Licht ohne Gypsblättchen geprüft 
wird und man beobachtet im convergenten po* 
larisirten Lichte in jedem Sector den Austritt 
einer Barre, gelegen wie in Fig. 13- — ^ 

Nicht immer ist dies deutlich zu sehen; 
es rnhH dies ein Mal daher, weil die Doppel^ 
brechung öfters schwach ist und dann auch^ 
weil, wenn stärker doppeltbrechende Stellen vor*^ 
kommen, diese mit anderen, die fast nicht auf 
das polarisirte Licht wirken und senkrecht zu 
den Umgrenzungen eingelagert sind, sich unter-* 
mischt zeigen, wodurch die Deutlichkeit der 
Erscheinung leidet. Im Gentrum des Schliffs 
beobachtet man (in der Figur 25 dunkel gehaU 
ten) eine Anhäufung z. Th. mikroskopischer 
Einlagerungen eines lebhaft polarisirenden Eör*« 
pers, der uns noch später beschäftigen wird. 

Die Trennungslinien der Felder sind wellig 
gebogen, die Stärke der Doppelbrechung nimmt 
naeh dem Rande der Felder hin zu. 



516 

Geht der Schliff mehr nach der Mitte zu, so 
erscheinen auf den Trennungslinien der Sectoren, 
Fig. 25, und zwar an den Ecken des Schliffs, 
die Theile b (Fig. 26). Dieselben wirken fast 
nicht auf das Licht ein und sind in der Form 
mehr oder weniger regelmäßiger Rhomben ge- 
bildet. Sie erscheinen dann im Schliff, wenn 
derselbe außen am Krystall durch die vier obe- 
ren Flächen von ooO (110) geht. 

Rückt der Schliff noch mehr nach dem Cen- 
trum zu, so schneidet er am Krystall in den 
acht unteren Flächen von 20 2 (211) ein. Es 
stellt dann Fig. 26, die fast vollkommen natur- 
getreu ist, die Verhältnisse dar. Die Theile a 
mit ihren Einlagerungen und ihrer Färbung 
entsprechen a in Fig. 25, die Theile b sind mehr 
nach der Mitte zu gerückt, die Theile a' erschei- 
nen neu. Die Töne, welche letztere annehmen^ 
sind denen der anliegenden a Theile entspre- 
chend. Zu bemerken ist die Zonenstructur, die 
am Rande erscheint, und öfters Zonen aufweist, 
die den äußeren Begrenzungselementen nicht 
parallel sind, ferner die nahezu unwirksamen 
Einlagerungen in den Theilen a\ die annähernd 
senkrecht zu den äußeren Begrenzungselementen 
stehen. 

Von besonderem Interesse ist ein makroskopisch 
sichtbares Kreuz cc, das sich offenbar zu einer 
bestimmten Zeit während des Wachsthums ge- 
bildet hat und bezüglich der es bildenden Sub- 
stanz nach den Ebenen des Würfels durch den 
Krystall geht. Da die Arme des Kreuzes aber 
auch mit einander verbunden sind und sicli 
diese Verbindungslinien im Schnitte concentriscb 
nach 2 02 (211) anordnen, so muß zu einer 
gewissen Zeit auch die betreffende Masse sieh 
in Form einer Schicht auf 2 02 (211) abgesetzt 



517 

haben. Den einen Arm dieser im Schliff als 
Krenz sich darstellenden firscheiuung zeigt Fig. 
26^ vergrößert, xxm seinen Aufbau aus den leb- 
haft polarisirenden Köfuchen sichtbar zu machen. 

Der yerticale Arm dieses in seinen Durch« 
Schnittslinien gleichsam das Axenkreuz reprä- 
sentirenden Gebildes wurde im ersten Würfel- 
schliff angeschnitten, vergl. Fig. 25, Mitte. 

Rückt der Schliff noch mehr nach der Kry- 
stallmitte zu, so werden die Theile a kleiner, a' 
größer; b rücken ebenfalls mehr nach dem Cen- 
trum zu. 

Im Medianschliff selbst sind die Theile a fast 
völlig verschwunden, die Theile b liegen zusam- 
men im Centrum, die Partien a* haben die größte 
Ausdehnung und es treten an den 143^8' mes- 
senden Ecken nunmehr dfe vier verticalen Do- 
dekaederflächen mit SectoreUy aber nicht so deut- 
Uch wie die Theile 6, auf. 

Von diesem Mittelschliff an nach dem ent- 
gegengesetzten oktaedrischen Eckpunkt kann 
man den Rücklauf der Erscheinungen in ausge- 
zeichnetster Weise verfolgen. Es' liegen mir 
im Ganzen aus drei Krystallen 22 solcher 
Schliffe mit den soeben geschilderten Erschei- 
nungen vor. 

Ohne Gypsblättchen sind diese Erscheinun- 
gen nur wenig gut zu sehen. In der Stel- 
lung der Fig. 25 und 26 ist bei der Ontersu- 
ehung zwischen gekreuzten Nicols durch die 
wirksamen und nahezu unwirksamen Theile eine 
markirte Streifung zwar gegeben, aber lange 
nicht so gut zur Uebersicht zu verwerthen, wie 
die gelben und blauen Töne der Felder bei der 
Untersuchung mit dem Gypsblättchen. 

Dreht man die Präparate Fig. 25 und 26 
und die entsprechenden anderen, die ihnen 



M I 



518 

folgen und dazwischen liegen^ ans def SteUnng^ 
die sie inne haben, nm 45^ heraus, so löscht 
Alles aus. 

Beim Erhitzen- eines * Schliffs nach do oo 
(100) konnte ich keine Verschiebung der Gren- 
zen, wohl aber ein theilweises Yersehwinden 
der nahezu isophanen Granatsubstanz erzielen* 

ß. Schliffe nach (111). 

Dieselben sind von schwacher Wirkung, zei- 
gen aber mit dem Gjpsblättchen untersucht eine 
Vertheilung der Felder wie in Fig. 27, w^oselbst 
speciell noch eine Störung der Feldertheilung 
zu bemerken ist. 

Zwischen gekreuzten Nicols löschen die Fel- 
der und die ihnen entsprechenden Einlage- 
rungen aus, wenn dit äußeren Begrenznngsele- 
mente der Reihe nach in eine der PolarisatioBs- 
ebenen der gekreuzten Nicols fallen. 

Der Austriti der Barren im convergenten 
Licht, der Fig. 16 (äußere Theile) entsprechend, 
wurde schon von Jeremejew angegeben. 

^. Schliffe nach cx)0 (110) 

Auf die Herstellung derselben , die sich ab 
besonders wirksam und schön gebildet erwiesen, 
wurde wieder besondere Sorgfalt verwandt und 
ganze Krystalle mehrfach nach ooO (110) durch* 
geschnitten. 

Der äußerste Schliff, einerseits von einer zu- 
fällig auftretenden natürlichen Fläche begrenzt, ist 
in Fig. 28 dargestellt. Mitdem Gypsblättchen nn- 
tersucht, zeigt er eine den Fig. 25 und 26 schem- 
bar widersprechende, damit aber nach pag. 513 
im vollen Einklang stehende Färbung der Fel- 
der, woraus zu schließen, daß die Axe der grö- 
ßeren Elasticität in der Plattenebene senkrecht 



519 

za den Bhombeüseiten steht, da^ wenn diese 
Riehtong in die von MM\ Fig. 1, kommt, ein 
Fallen der Farbe stattfindet. 

Zonenaufbaa ist in diesem Schliffe klar en 
erk^nen, 

Itn polarisirten Lichte löschen bei gekreneten 
Nicole die Sectoren iiach einander ans, wenn 
die Bhombenseiten der äußeren Umgrenzung 
mit einer Nicol-Pölarisationsebene coincidiren; 
manchmal findet von dieser Orientirung eine 
kleine Abweichung statt. — Das Mittelfeld, der 
natürlichen , am Erystall klein ausgebildeten 
Fläche von ooO (110) entsprechend , ist üahezn 
isophan. 

Im convergenten polarisirten Lichte sieht 
man in den vier Sectoren sehr undeutlich vier 
Barren austreten, von denen jede in dem betref- 
fenden Sector sich senkrecht zu der äußeren 
'Rhombenseite stellt. Bückt der Schlifi^ mehr 
nach der Mitte zu und geht er z. B. an 2 02 
(211) etwas unter den auf der Mitte der gebro- 
chenen Oktaederkanten liegenden Ecken durch, 
so zeigt sich eine Erscheinung wie in Fig. 29 
wiedergegeben. 

Wird der Schliff in der bezeichneten Stel- 
lung mit dem Gypsblättchen untersucht, so zei- 
gen die Theile a, die Farben vertheilung wie in 
Fig. 28. Isophane oder nahezu isophane Ein- 
lagerungen durchsetzen in Form von Streifen 
und in der Lage, wie in Fig. 29 dargestellt, die 
Felder a. Diese letzteren rühren von den vier 
oberen 2 02 (211) Flächen her, deren nach 
dem Centrum zu verlaufende Pyramiden (die Ba- 
sisflächen derselben sind jene 2 02 (211) Flä- 
chet!) durch den Schliff in Gestalt der Theile 
getroffen werden. 

Die Theile a', mit Zonenstructur und Strei- 



520 

feu sehr Bohwach wirksamer Substanz, zeigen 
diese letztere nahe senkrecht zu den äufteren 
Begrenzungen eingelagert. Ihre Farbenverihei-» 
lang ist in Fig. 29 wiedergegeben. Anch sie 
entsprechen in ihren Feldern Schnitten, durch 
die zwei vorderen und die zwei hinteren Pyra- 
miden gelegt, deren Basisflächen die entsprechen« 
den Ikositetraederflächen sind und deren Spitzen 
sich im Geatrum befinden. 

Die Auslöschungen der T heile a und a' lie- 
gen wie das über Fig. 29 befindliche diagonale 
Kreuz. Die Felder werden daher dunkel, wenn 
sie mit diesen ihren Auslöschungsrichtungen, die 
zu ihren Hauptirennungslinien unter 45^ stehen, 
in die gekreuzten Nicois kommen. 

Die Theile c, in der Zahl zwei vorhanden 
und auslöschend, wie das normale Kreuz (Fig. 
29 links) gehören ebenfalls 2 2 (211) an. Auch 
sie zeigen nahezu isophane Stellen und bieten, 
mit dem Gypsblättchen untersucht, in der Stel- 
lung der Fig. 29 einen rothblauen Ton dar, der 
rein blau wird , wenn ihre Verbindungslinie 
mit MM\ Fig. 1, coincidirt. Steht diese Ver- 
bindungslinie dagegen senkrecht auf MM\ so 
werden die Theile c gelb. 

Schließlich sind dann noch die Theile hV 
übrig, die ebenfalls 2 02 (211) angehören. In 
der Stellung der Fig. 29 sind die Felder 6,6 
gelb mit einem Stich ins Rothe, h\h* blau mit 
einem röthlichen Ton. Steht der Schilfig so, daß 
die Theile c,c blau sind, so werden 6,6, 6',6', gelb 
und umgekehrt; geht die äußere Begrenzungs- 
linie von 6 der Richtung vorn hinten genau 
parallel, so sind 6, 6 gelb ; ist dasselbe für 6',6' 
der Fall, so erscheinen dieselben blau. 

Bückt der Schlifi* noch mehr nach dem Ceu- 



S2l 

tram zu, ISO werden dife Theite a und c kleiner, 
die andei'eti ^t-ößer. Erreicht d^r Sc$bliff das 
Oentrnäl, eo sinci die Theile u und e fälst völlig 
tersöh^uiiden nn'd ed herrschen nur hoch a'^ I 
und 6'. Vom Centrum ab ist wifedör der eillspre-^ 
dbende B^öklati^der filrscheinndgeti 2a biödbacbten. 
Arti Krystall et^A Torkoitililelide VehSferrtitigen 
anßerh ihreü Einfloß anf die o|H)ia^fae ätrdiitnr. 

Einlagerangen lebhaft wirkendei* Körnchen^ 
sowie solche von kleitien Qroßnlaren, äiiid in 
deü Dödekaederftchliffeil zu bemerken. 

Aus diesen Schüben and dein, was die Wfly-^ 
felsehlifPe lehren, folgt die Ikosit etraSder^ 
8 1 1 tt c t ü t. 202 (211) besteht im bptiseheti Sinne 
anö 24 Pyrftitiidön, deren jede als Öasi^ dilö 
Ikositetraederfläche hat and deren ßj^it^än alle 
imCentruni des Kry Stalls zitiiätnitien treffen. Öie 
optische Beschaffenheit dlesei- Pyramiden er«- 
läuterti: 

tf. Schliffe nach 202 (211). 

Sind dieselben Yon der Oberfläche her genom^ 
men^ so erscheineil sie nahez^n isophan. Indessen 
findet mail doch, daß wenn die symmetrische 
Di^onale der Fläche paraHel MM' Fig. 1, 
geht, ein Steigen det Farbe, bei senkrechter 
StsUnng 2ü MM' ein Fallen stattfindet. 

Iti Strenge optiiteh ein&JEig sind daher diese 
Pjrt^miden mcht i aber , wie die Unteröachung 
itt convergentön pfölärisitten Liebte ett^eiirt, op^ 
tisch zweiaxig mit kleinem Axenwinkel. Die 
Shtfe Miftfellinie steht atff der t^läehe 2 02 (211) 
8eilki*edit , die Ebene iet optiöchen Axen lieg* 
üormäl tat symmetrisöbeti Diagonale, der Cha- 
rakter der Döfppelbretehung rücksichtlich det er-* 
am Mittellitiie ist positiv. 

39 



522 

Granat von Wilui. oo (110) vorherrschend. 

Die von mir nBtersnchten dodekaedrischei 
Granaten von Wilui lassen Unterschiede ii 
Aufban erkennen , wenn normal gebildete oder 
verzerrte ooO (110) vorliegen. 

Bei den normal gebildeten Dodekaedern ic 
die Wirkung anf das polarisirte Liebt sehr schwachJ 

Die Dodekaederschlifife von außen genommei 
zeigen, mit dem Gypsblättchen untersucht, in! 
der Stellung der Fig. 5 eine fein streifenformigeii| 
Vertheilung der rothen, blauen und gelben Par- 
tien nach den Seiten des Rhombus. Fällt die 
längere Diagonale desselben mit MJiF Fig. 1 
zusammen, so wird ein Steigen der Farbe beob* 
achtet. Schliffe nach dem Inneren zu lassen 
mit Mühe, aber sicher constatirt, einen Aufbaa 
erkennen , wie ihn Fig. 12 darstellt und die 
Vertheilung der Farben ist auch eine gleiche 
wie dort. In den Oktaederschliffen, besonders 
in deren Mitte, erkennt man denselben Aufbau 
wieder, wie es Fig. 35 zeigt. Die TJeberein- 
stimmung mit den c» O (110) von Auerbach und 
Jordansmühl ist also vorhanden. 

Die in Form feiner Körnchen und zwar nach 
den in den Mittelpunkt gerückten Ebenen von 
00 (110) eingelagerte Substanz bewirkt eine 
deutliche, schon mit bloßem Auge erkennbare 
Trennung der Sectoren, sowohl bei dem Schliffe 
Fig. 35 und hier auch durch die äußeren indif- 
ferenten Partien durchsetzend (in Fig. 35 nicht 
dargestellt), als in dem, den Fig. 12 vorstel- 
len soll. 

Die Würfelschliffe sind zumTheil ohne Wir- 
kung, zeigen mitunter aber auch eine Bildung 
wie Fig. 30, mit makroskopischen Einlagerungen 
lebhaft wirkender Körnchen im Centralfeld. 

JBine nähere Untersuchung eines ErystallSf 



523 

sr nach einer der drei gleichwerthigen Haupt- 
cen verzerrt ist, läßt den Orund der Erschei- 
inng erkennen. 

Geht an oo (1 10), das znr scheinbar quadrati- 
jhen Combination P co (101) und oo P (1 10) Zer- 
it ist, der SchlifiP nur durch die Flächen der 
rramide, so ist erst verschwommener, in tiefe- 
m Schliffen aber sofort distincter werdend, eine 
lildung zu erkennen, wie sie Fig. 31, mit dem 
jGypsblättchen untersucht, darstellt. Trifft der 
!8ehliff auch die Säule, so resultiri Fig. 82 mit 
rZonenstructur nach 2 2 (211) an den Ecken, 
geht der Schliff allein durch die Säule, so stellt 
Fig. 33 die Erscheinung dar. Mit diesem Schliff 
beginnt im Gentrum, neben den eingelagerten 
Körnchen , ein Kreuz stark auf das Licht wir- 
kender homogener Theile aufzutreten, während 
in Fig. 31 und 32 nur in derselben Lage die 
schon oft beschriebenen Körnchen zu sehen sind. 
Fig. 34 stellt das Kreuz vergrößert dar, Fig. 
B4^ die Mitte eines Schliffs tieferer Lage, woselbst 
eine Orientirung im Kreuz vorwaltet und sich 
deutlich die Erscheinung der Zweiaxigkeit in 
derselben zu erkennen gibt. 

Aus der nun immer mehr dominirenden Zo- 
nenstructur nach 2 02 (211), die in Fig. 32 
sieh» an den Ecken zuerst einstellte, nach dem 
äußerst unregelmäßigen Verlauf der Sectoren- 
grenzen, die wie eingebuchtet oder verbogen er- 
scheinen, dem wirren Durcheinandergreifen der 
einzelnen Orientirungen in den verschiedenen 
Zonen und dein Umstände, daß in tieferen Schlif- 
fen vom inneren Kreuz aus (Fig. 34) sich Strei- 
fen nach dem Bande ziehen und dort mit an- 
deren, lebhaft wirkenden Sectoren zusammen sto- 
ßen, schließt man wohl nicht mit Unrecht auf 
ein Zusammenwirken der Dodekaeder- und der 

39* 



S24 

Ikositetraederstrnotar, von deDen letztere im Iw 
neren vorwaltet, efstere aber schlieMieb aufleil 
dominirt und die Form bestimmt. 1 

Die optische Strnctnr der Würfelschnitte^ iiL^ 
einzelnen Schliffen zart angedeutet ^ in aildere^ 
bestimmt ans(;esprochen , ist eine Folge .d^ 
Verzerrung und des Wachstbums naob 2 03^ 
(211). Was die mehrfach erwähnten KÖmCbmi 
anlangt, so glaube ich dieselben für die gleidfai 
Substanz, wie die ist, aus der der Schliff bei 
dtehtt halten zu sollen. 

* 

6. Granat von Timboeloen in Süd* 

Sumatra. 

Ueber das Vorkommen dieser erdbrannei^ 
äufterlich z. Tb. zersetzten Granaten, did in def 
Form von oo (110) erscheinen, tbeilt mir mein 
Freund, Prof. Rosenbusch« Folgendes mit: 

»Die großen braunen Granaten enUi»mmen 
Eohlenkalk, der dureh Diabas-Gesteine meiamor* 
phosirt wurde; sie liegen lose im kleinkörnigen 
Kalk oder bedecken die Oberfläche des atis iem 
Kalk durch Gontactmetamor]^hose entstand^ff^ 
Granatfels €. 

Da zur Analyse nidit ausreichendes Material 
vorhanden war, eo wurde nur eine qtxalitatiTe 
Prüfung yargenommen. Dieselbe ^gab einett 
Ealkthongranat mit Eisengehalt und etwas Mftfi« 
gan und Magnesia. 

Optisch untersucht zeigen die Schliffe nach 
ooOoo (100) und oo (110) nur wenig Wir- 
kung auf das polarisirte Licht und die wirkffuo^ 
Substanz nicht in regelmäßigen Feldern Bmg^ 
ordnet« In einem Schliffe nach (111) ttiti 
im Kern deutliche Feldertbeilung auf, Fig. 3^ 
und Anordnung der Farben , wie in Fig* ^' 
^ii^lreiche Sprünge alteriren die Erscbelntagifl^ 



525 

icht Nach anßen zn ist der Schliff isophan. 

findet tfaeÜB allmähliger, theils nnyermittelter 
ebergang vom Kern zur igophanen Hülle hin 

tt. In den wirksamen Feldern beobachtet 
m immer Einlagerungen derselben Substanz, 

nahezu wirkungslos sind. 

Nach dem Mitgetheilten und der Form der 
Betreffenden Granaten sind dieselben mit dem 
Ton Auerbach rücksichtlich des Aufbaues zu 
▼ergleichen. 

Hiermit ist von den untersuchten Kalkthon- 
granaten die Reihe derer, die optisch deutlich 
wirksam sind^ geschlossen. Dia nachfolgenden 
wirken entweder nur schwach^ oder gar nicht 
auf das polarisirte Licht. 

7. Granat vom Piz Badnz, Alp Lolen 
im Maigelsthal. Schweiz. 

Die Hauptgestalten sind ooO(llO), 2 02 
(211), 3 O Vi (321). Ueber die Zusammensetzung 
▼ergl. Rammelaberg Mineralchemie 1875 p. 478. 
St. Gotthardt. 

Optisch ist die Wirkung auf das polariiirte 
lacht sehr schwach. 

Nach ooOoo (100) geschliffen, bemerkt man 
ftnßer g^nv unwirksamen, auch Partien, die nach 
den Diagonalen der Platte verlaufen und in de^ 
rea Normalstellong (vergl. Fig. 2) rothgelb und 
blau sind, wenn mit dem Gypsblättchen unter«- 
miht wird. 

Nach 0(111) nnd opO(UO) sind eben solch« 
Einlagerungen zu bemerken, die meist parallel 
den Umgrenzungen der Schliffe gelagert in den- 
^Iben angetrof^n werden. Sie werden beim 
Drehen der Präparate abwechselnd roth, gelb 
'Ond Ua«. -^ Eine deutbehe Feldertheilung tritt 
nicht auf. . 



526 



8. Brauner und gelber Granat von Czi-i 

klowa im Banate. 

Die ersteren, mit WoIIastonit in blaaem Cal- 
cit liegenden Granaten sind von der Form;: 
ooO (110) mit nnvoUzähligem 4 0Vs (431>; 
Ußber die Zusammensetzung vergl. u. A. Des-j 
Gloizeaux Manuel de Mineralogie 1862. p. 268. 

Die anderen sind gelb von Farbe und bieten 
dieselben Gestalten dar. 

H. Dr. Jannascb fand : 



SiO« = 


39,74 


AI «0» = 


19,23 


FeO = 


5,14 


MnO = 


0,13 


CaO = 


35,48 


MgO = 


0,56 


Na«0 — 


0,61 


Glühverlust — 


0,53 



101,42 

Der Granat schmilzt vor dem Löthrohr leicht 
zu einer gelbbraunen Perle. Spec. Gewicht bei 
Ib^C (2,3771 gr. Subst.) = 3,571. 

Optisch untersucht lassen die Schliffe beider 
Vorkommen nur eine höchst unvollkommene, 
etwa dem Granat vom Piz Baduz vergleichbare 
Wirkung auf das polarisirte Licht erkennen. 
Bei dem gelben Granat ist indessen die Wir- 
kung etwas hervortretender als bei dem braunen. 

9. Brauner und gelber Granat vom 

Vesuv. 

Diese beiden Vorkommen bieten die Gestal- 
ten ooO (110) und 20 2 (211) dar. 



527 

Die seltenen gelben Granaten^) nntersachte 
H. Dr» Jannasch und fand: 



SiO« 


= 


39,83 


APO» 




20,16 


Fe«0» 




1,03 


FeO 


^^. 


1,21 


MnO 




0,46 


CaO 




35,42 


MgO 




0,97 


Na»0 


:= 


0,33 


Glühverl. 




1,04 



100,45 

Spec. Gew; bei 21« C (0,9732 gr, Subst.) 

= 3,572 

Optische Verhältnisse. Während die braunen 
Varietäten noch schwache Wirkungen ^seigen, 
sind die gelben fast absolut isophan und wurden 
nur in einem Würfelschliflf ganz vereinzelte Stel- 
len schwacher Wirkung bemerkt. 

b. KaTkeisengranate. 

1. Gelblichbrauner Granat von Sala 

in Schweden. 

Derselbe kommt in der Form 202 (211) in 
Bleiglanz eingewachsen vor. Die Streifung ge- 
nannter Gestalt nach der symmetrischen Diago- 
nale ist so stark, daß man an einen Acht- 
undvierzigflächner denken kann, dessen längste 
Kanten, nahezu 180® messend, mit den sym- 
metrischen Diagonalen von 202 (211) coinci- 
diren. Diesen bescmderen krystallographischen 

1) Nach Breithaupt Vollst. Handb. der Mineralogie 
1847 p. 645 fand Flattner in diesem Granat Kali. Das 
spec. Gew. wird zu 8,566 angegeben. Farbe honiggelb. 



y^hältnipaen entsprechen, v^ie wjr 9ßhßn l^er-l 

den, die optischen ir^ ¥oUkoipinß^8ti^ We^* ^ 
Die Zugehörigkeit^ des vorliegenden Yorkom- 
mens zum Kalke^^^granat. ist darch qualitaÜTe 
Untersuchung festgestellt, Qbr{gens ist es wohl 
das, wovon Bamp(i[eisberg, ^ineralchemie 1875, 
p. 479 Kunde gibt. 

Optisch untersact^t zeigt cl^r Wttrfelschliff ^) 
mit dem Gypsblätt^^en geprüft die Erscheinung 
der Fig. 37, worauf, folgt, 4^^ die größere Ela- 
sticitätsaxe in d^r Platfenebene n^he senkrecht 
(wie die Beobachtungen. der Auslöschungen leh- 
ren) zu den Seiten des Rechtecks steht. Es gibt 
sich hm&x in gcu^anoHr fig^ ^nq^af b^m ]c«nd, 
und die wirksameren S^h^ten liegen nach in- 
^en.. Ifi der St^^i^g der Fig, 191 löscht ^icht 
Alle? ga^z glei^hsic^tig aus, und man beobachtet 
feleinj^ ver^phie4^nheiten d^r Außlösctupg in eixk- 
zelpen TbeUei^ dot Feldey. EJine Hinneigung gu 
der Structur de^r Wöyfel^chliffe, wie siß d«r To- 

f^azolith darbietet, gibt sich dadurch zu erkennen, 
m convergenten Lichte zeigt sich dem entspre- 
chend auf den einzelnen PeMefn der Austritt 
einei Barve, meiat nahe parallej^ aeHjen^ei «ojrmal 
zu den Umgrenziungselementea. 

P^r Qkt^edej9Qhli% Fig. 3,9^ ?;^igt ^bßftfialls, 
scho?^ l^i s«hwÄeherex Vergrößerung» eine Hiü' 

n^igWg m iev Struptur 4es TopaÄQ.Btte (Ändeu- 
t^iii^ der (Jopp^ltep preitheiluug)^ d^r ü^berwie- 
gei^d^ E}ii?Äuß d^r Jkp^itetreieiJ.^retru^tur «wht 
siol^ aber i^o^b geltQn4. Mit 4fia Gjpsbläittchen an* 
ter^UQtt, f l4p\mt 4Qr Sqblifi in FarWvertfceil^flj 

wit Fig. 37 ill^^rw.. Mit.^tärWer Yer^rößeru»j 

1) Es stand nur ein Erystall zur optischen Unter- 
am^ung aar VerfÜgudig ; aus demselbeai md aUe Schnitte 
^eaonuBien. Die Deppelbreohuog denMlben ist aelr 
ana^MP**k. 



besaht, 9ejgt ßx s^ine drei Felder in «ablreich^ 
I^meli^i) 9^r«p9.UeD, diß nach rechts und liokfi 
von ibt^Ty 9^n d^r jedesmaligexL äußeren Dreiecks^ 
Seite ]ftorn9«^lei> Trenöapgelinie unter 3^-- 5® und 
darüber auslöschen,, 

j)er PodekSt^erscbliff ist sehr einheitlich be^ 
^licb sedier yierFdd^r, die Fig. 39, mit de» 
Gypahlättch^n untersucht, darstellt. Aus der 
Vertheilung der Farben folgt, daß in jedem Sec- 
tor die kleinere ütasticitätsaxe nahe senkrecht 
zu den äußeren Umgrenzungslinien liegt. 

Auf ^ttslpichung gjeprüft, löschen die Sejcto- 
ren Jiuks^ oben und rechts unten (gelb bei An- 
vea^dfing des Gypsblättcbens werdend) unter 40® 
zQ^ längeren Diagoiuale aus* Die Auslöscbung 

der beiden anderen Sectoren erfolg ebenfalls 
gl#)cb^itigs skber unter 44® m deraelben Diago- 
nale und im entgegengesetzten Sinne geneigtu 
Alle Yier 3e<}tQren werden daher niemals 9n glei^ 
eher Zeit dunkel. Im convergenten Lichte be- 
(>]p!acb,<fet ipan in jedew Sector den Ausitritt 

einer stark excentrischen Barre. 

Dar B^hliff nach 202 (2U) sieht wie ein 
Plagioklaa naeb einer Fläche aus der Zont 
der $ As;e aus. Wie ein solcher gliedert 
er sich in I^mellen» die nnter 10® reebt» 
und linlirs spu ihrer Gren^, der synwetrwicbeÄ 
Diagonale und ihren Parallelen, aualößchen, JTar-» 
mal m die^on Richtungen liegen auch die Ebenen 
der Qpti^ehen A?en in den eio^i^elnen Lamellen, 
alsQ im ZwillingsrteÜnng, Di^ Mittellinie s^beint 
jeweils nicht mehr normal zur Fläche zu stehen, 
deic A^enwinfcel um sie, iet der spitze. 

Wird die s}^m metrische DiagQnale in di^ {(ich« 
tung von JOf' Fig. 1 gebracht, SQ wird di^T 
Schliff gelb, in der da*u senkrechten Richtung 
blan.. Die symmetrische Diagonale ist also in 



530 

der Plattenebene noch beiläufig (nicht mehr, der 
Richtung nach, genan, da die oben geschilderte 
Lamellenbildnng mit zwillingsartiger Ausloschung 
herrscht) die Axe der größeren Elasticiiät, die 
zu ihr normale Richtung (nahezu die der 11. Mit- 
tellinie) die der kleineren, folglich die erste 
Mittellinie die der größten Elasticitat nnd der 
Erystall mit Rücksicht hierauf optisch negativ. 

3« Grüner Granat von Schwarzen berg 
und Breitenbrunn in Sachsen« 

Die herrschende Gestalt ist 202 (211), zart 
nach der symmetrischen Diagonale gestreift. 

Die Zugehörigkeit zum Ealkeisengranat un- 
terliegt wohl keinem Zweifel, cf. Rammeisberg 
1. c. p. 479. 

Die Schliffe lassen ein fast vollständiges Do- 
miniren der reinen Ikositetraederstructur , wie 
beim Wiluigranat gezeigt wurde, erkennen. 

In der Farbenvertheilung, mit dem Gyps- 
blättchen erforscht, folgen sie den Fig. 37, 38 
und 39. 

Der Zonenaufbau ist aber noch stärker, wie 
dort, entwickelt, was namentlich für die Würfel- 
und Dodekaederschliffe gilt, in denen auch un- 
wirksame Zonen auftreten. In den Oktaeder- 
schliffen finden sich Anlagen zu Lamellen, wie 
bei dem Salagranat, die dann manch* Mal mehr 
hervortreten. Dies Alles steht offenbar in Be- 
ziehung zur äußeren Form. Der 20 2 (211) 
Schliff ist ziemlich unwirksam und nicht ver- 
zwillingt, daher die Axenverhältnisse wie beim 
Wiluigranat sich zeigen. Der Charakter der 
I. Mittellinie erweist sich, wie bei dem Granat 
von Sala, negativ. 

In einzelnen Würfelschliffen , nach dem In- 
nern zu genommen, bemerkt mau auch schon 



531 

eine Tendenz zn einem dodekaedrischen Aufbau ; 
es deutet dies auf einen Gestalten Wechsel hin^ 
welchen wir später bei der Betrachtung der 
dodekaedrischen Ealkeisengranate Sachsens noch 
öfters kennen lernen werden. 

3. Böthlichbrauner Granat von 

Achmatowsk. 

ErystaUisirt als ooO (110) mit 202 (211) 
und in selbstständigen 202 (211). Hier wurde 
nur das letztere Vorkommen, dessen 202 (211) 
nach der symmetrischen Diagonale gestreift sind, 
untersucht. 

Ueber die Zugehörigkeit zum Ealkeisengranat 
vergL Y. Eokscharow Materialien z. Min. Rußl. 
III, 1858, p. 80, u. Rammeisberg L c. p. 480. 

In optischer Hinsicht wirkt der Granat be- 
sagten Fundorts nicht sehr stark auf das polari- 
sirte Licht, etwa wie der Ealkthongranat von 
der Mussa-Alp. 

Die Würfelschliffe zeigen keine gesonderte 
Feldertheilung : die rothen, aber noch mehr die 
dominirenden blauen und gelben Partien liegen 
parallel den Begrenzungselementen der Schliffe 
eingelagert, wenn mit dem Gypsblättchen ge- 
prüft wird. 

Einen Oktaederschliff stellt Fig. 41, einen 
Dodekaederschliff Fig. 42 dar, beide mit dem 
Gypsblättchen geprüft. Danach ist die Structur 
wie beim Wiluigranat und der Charakter der 
Doppelbrechung positiv, was auch ein Schliff 
nach 202 (211) direct bestätigt, da er sich wie 
ein entsprechender Schliff aus einem 202 (211) 
von Wilui verhält. 

Den Streifen auf der natürlichen Fläche ent- 
sprechend, bemerkt man einen übrigens nicht 
sehr starken Einfluß derselben in den Schliffen 
nach (111) und 202 (211), so daft daselbst 



S82 

'Wohl anders orientirte Einhgerungen, aber nicht 
in beträchtlicher Menge and Ausdehnung yor- 
kommen. ^ 

4. Topazolith von der Mugsa^Alp- 

Wie in der Einleitung hervoi^ehoben, ist die 
Structur dieses Qranats im optischen Sinne durch 
Mallard nnd Bertrand erforscht, und haiin ich 
das, was diese Forscher bezüglich Feldertheilang 
lind Axenaustritt angeben, bestätigen. Dagegen 
ist es mir nicht gelangen, die Winke} der Aas-t 
löschungsrichtungen gegen die krystallograpfai«« 
sehen Elemente so constant zu finden, wie na- 
mentlich Mallard angibt und fordert dieser wdoh«» 
tige Umstand dazu auf, der Sache näher sa 
tt^eten. 

a. Schliffe nach ooOeo (100). 

Bei denselben herrscht mehr oder weniger 
regelmäßige; bisweilen sehr unregdmäüige Thei** 
lung nach den Seiten und den Ecken. 

Fig. iä stellt eine^n der besten Schliffe nach 
der Natur und in der Auslösohungslage der ei« 
neu Theile dar. Dieselbe erfolgt, wenn aus der 
genauen , in B^iug auf das Quadrat diagonaleB 
Stellung um 8^ gedreht wird. Mallard gibt 22Vt^ 
an; diesen Winkel habe leb nie beobachtet. 

Wird der Schliff in der Stellung der Fig. 43 
mit dem Qypsblättchen untersucht, so werden 
die Theile a blau, die Theile & gelb und die 
Färbungen dcMraelben erscheinen um so intepsi«- 
Ter, je mehr der Schliff (bei einer Drehung des 
Tisehs im Sinne der schon begünnenen) für diese 
Theile in die Diagonalstellung konunt. 

In reiner Diagonalstellung des QuadraiB er- 
scheint der Sohlä wie Fig. M gefilrbt, iik we^f 
eher in der Mitte ein rother Ton heriaidit. ia 
der Noxmalstellung des Quadrats nimmt deraelbe 



im 

Schliff die FärboAg der Fig. 45 an , wobei äk 
horizontal schraffirten Partien wieder roth sind* 

Natürlich ist weder in Fig. 44, noch in Fig. 
45 für irgend ein Feld dessen genane Diagonal-* 
Stillung erreicht nnd gleichwefthige Elaisticit&ts- 
axdü zweier Felder liegen in beiden Fällen ntir 
nngefähr in der geforderten Richtnng. 

Abdere Schtiff<d zeigen ähnliche Yerhältnisse 
aad wechselnde Auslöschnngfesohiefen, die Greti- 
z<9& der Felder sind yielfaoh krütnme Linien und 
weisen ans den Diagonalen der Figuren ans, 
vergl. Fig. 46. 

Der Austritt der excentrischen Barren ist ih 
im Feldern so, wid eä Bertrand angibt. 

ß. Schliffe nach (111). 
Hier ist, wie bekannt, Sechstheilnng nach 
den Ecken und den Seiten zu beobachten. Die 
AnsIÖschüngen sind wieder sehr variabel nnd 
Fig. 47 gibt nebst eingezeichneter Feldertheilung 
von einem Falle Rechenschaft. Andere Fälle 
dienen nur dazrl, die Incoustanz der Auslöschungs- 
schiefen und willkürliche Größe der Felder in 
das Licht zu stellen. Man beobachtet im con- 
vergenten Lichte auf jedem Felde eine excen- 
irische Barre. 

r. Schliffe nach ooO (110). 

Hier findet sich Yiertheilung nach den DiagO«^ 
nakn« Dieselbe entspricht, wie schon Mallard 
hervorhob, genau den äußeren Pyramiden atff 
der natürlichen Fläche. Nicht immer ist jedöoh 
die Tbeiinng im geometrischen Sinne nach den 
Diagonalen, sondern häufig nach den päfäillet 
TierschOfbeuen Riebtungen derselben anzutrelfen. 

Es kommen in dieser Hinsiebt eine Fülle vm 
Untetfällen, gar nicht selten sogar anch d^cf Ef'-^ 
$eh«innngen dioppelter Yiertheilung, voü zl^i 



534 

Erhebnngspunkten aaf derselben Fläche aus- 
gehend, vor. 

Fig. 49 zeigt in einem besonders klaren 
Schliffe die Grenzen der Felder nnd die parallel 
den äußeren Kanten gelagerten Ansloschnngs- 
richtnngen, zugleich die Tracen der Axenebenen 
darstellend. Fig. 50 fuhrt denselben Schliff un- 
ter dem Gypsblättchen vor. Da die Normale zur 
Axenebene in der Plattenebene, nach dem Fal- 
len der Farbe, wenn in die Richtung von -BOf, 
Fig. 1, gelangend, zu urtheilen, größere Elastici- 
tätsaxe ist, so ist in der Plattenebene die zweite 
Mittellinie die kleinere, die erste Mittellinie folg- 
lich die größte Elasticitätsaxe ; der Erjstall da- 
her negativ. 

Dies setzt voraus, daß die erste Mittellinie 
noch nahezu normal zur Platte, die zweite noch 
ungefähr in ihrer Ebene liegt, was für die in 
Rede stehende Platte annähernd der Fall ist. 

Aber man würde irren, wollte man anneh- 
men, das sei bei anderen Platten, namentlich in 
Bücksicht auf die Auslöschungsschiefeh ebenso. 
Schon Mallard gibt an, eine Schiefe von 8^ zur 
Rhombenseite gefunden zu haben. 

Ich habe mich mit diesem Gegenstand ein- 
gehend beschäftigt und gefunden, daß von der 
Orientirung senkrecht und parallel zu den Rhom- 
benseiten an Werthe der Auslöschungsschiefen 
von 2\ 5^ 8^ 10«, 12«, 17« u. darüber vorkom- 
men. — Fig. 48 stellt einen derartigen Fall dar, 
der mit den entsprechenden anderen Fällen ge- 
wiß geeigenschaftet ist, die Natur dieser sog. 
Zwillingsgebilde in Frage zu stellen. 

In der That bietet der Topazolith ein Bei- 
spiel dar, an dem man den Mangel an durch- 
greifender Gesetzmäßigkeit dieser Bildungen (Lage 
der Axenebene u. s. w.) erkennt und, wenn man 



535 

berücksicbtigi, daß jedem anderen äußeren Flä- 
chenknick im Innern eine andere optische Struc- 
tar entspricht (andere Anslöschungsschiefe und 
damit zusammenhängend andere Axenlage und 
Position der Mittellinie), so kann man nur zu 
der Ueberzeugung kommen, hier handle es sich 
nm keine regelrechten Zwillingsbildungen. 

Ich werde in Zukunft von der soeben er- 
örterten besonderen Bildung als der Topazo- 
lithstructur reden. 

5. Grüner Granat von Breitenbrunn. 

Die sehr kleinen Krystalle sind ooO (110) 
mit Streifungen nach der kurzen und Erhebun- 
gen nach der langen Diagonale. 

Wie schon Mallard für ähnliche Vorkommen 
feststellte, ist die Structur topazolithartig, was 
namentlich der DodekaederschliflP Fig. 53, in 
dessen vier Feldern die Axenlagen eingetragen 
sind, beweist. Da der Schliff, wenn die lange 
Diagonale des Rhombus mit MM', Fig. 1, coinci- 
dirt, blau wird, sofern man das Gypsblättchen 
anwendet, und in der dazu senkrechten Stellung 
gelb, so folgt, daß mit MM' die Axe der klei- 
neren Elasticität coincidirt, der Lage nach für 
alle 4 Felder beiläufig wiedergegeben durch die 
laDge Diagonale. Unter Berücksichtigung der 
Lage der Axenebene ergibt sich daraus, daß 
die zur Platte annähernd normale I. Mittellinie 
die größte Elasticitätsaxe, der Krystall also op- 
tisch negativ ist. 

Da die Kryställchen sehr klein, ca. IV2 mm 
groß, waren, so konnte immer nur ein Krystall 
zu einem Schliff verwendet werden. Es ist dies 
zu bedauern, da die einzelnen Würfel- und Ok- 
taederschliffe, Fig. 51 und Fig. 52, manche Eigen- 
thümlichkeiten darbieten, die nicht in anderen, 



53Ö 

den betrötfäüden patallel^li äehlifPen nSh^t t\i 
verfolgen Wären. 

So Äeigt det WÖtfelschliff Pig. 51 feine Thö^ 
lütlg, die an die des Topazolith eriünert, t^ei!in 
er sich in dei* Stellung dei*Fig. 45 befindet. Da 
die Abweichungfeti der Hauptanslöstihnn^en von 
den krystalld^raphischien Elementen biet abel' 
noch nicht so bedeutend siüd, Wie bäim Tö^äzo- 
lith, 80 lödcht der Sdhliff in der Stellung Aef! 
Fig. 44 noch nahezu vollständig atis. 

Im OktaederschlifiP, Fig. 52, beobachtet man 
im inneren Dreieck eine sehr zarte l'heilnng 
nach d6n Ecken, im äußeren eine bezüglich der 
Farbenvertheilung entgegengesetzte tind überdies 
kräftigere Trennung. E^ deutet die^si Y^häl« 
ten äüi^ ein Schwanken ded Charaktere der 
Doppelbrechung hin, dem Wir später noch 6fterä 
begegnen werden. 

— Schließlich fiei hoch bemerkt, daß bei diesen 
Granat- und den Topazolithsöfaliffen, Von allen 
Granaten am schönsten und Zahlreichsten, die 
im parallel polarisirten Lichte zu beobachtenden 
schwarzen banden, äich mit der Tisohdrehnng 
bewegend, 5«i sehen sind. I^nt Wo die Theite 
sich rechtwinklig kren^en, entstehen dunkele Stel- 
len und Streifen fixirter Lage, da hier Comp^- 
sation der Doppelbrechung eintritt. 

6. Grüner Granat von San Marco 

in Peru. 

Von diesem ausgezeichneten Yorkommen, 
dessen Zugehörigkeit zum Kalkeisengranat diä 
qualitative Analyse ergibt, ständen mir nur zwei 
größere glatte ßhombendodekaSdet und ein kleine* 
rer Krysfall derselben Ausbildung 2jur Verfügung. 

Aus dem letzteren wurden Würfel- und Ok- 
iaederschliff genommen, dörReöt abet* analysirt; 
die beiden anderen sind nach oöO (110) durch- 
geschnitten worden. 



537 

Der Würfelschliff ist im Ansehen der Fig. 3 
in Diagonalstellnng zu vergleichen. Er erweist 
sich stark zonar struirt, bietet aber sonst die 
Charaktere der Fig. 2 u. 3 dar. 

Der Oktaederschliff ist in Fig. 54 wieder- 
gegeben. Deutlicher Zonenanfbau ist nicht zn 
verkennen, die Wirkuog ist sonst wie in Fig. 4. 
Bemerkenswerth ist eine vollständig isophane 
Zone (horizontal .gestrichelt in Fig. 54), auf welche 
Erscheinung wir sofort eingehen werden. 

Die Dodekaederschliffe sind sehr verschieden. 
Während der eine Erystall in seiner Hauptmasse 
nahezu isophan ist und nur wirksame Zonen, 
entsprechend den einzelnen Theilen der Fig. 12, 
eingelagert enthält, ist der andere Krystall in 
seiner Hauptmasse deutlich doppeltbrechend und 
enthält isophane Zonen und Felder. ^) 

Im ersten Schliff nach coO(llO) ist von be- 
sonderer Structur noch nicht viel zu sehen, und 
etwa die Verhältnisse der Fig. 5 treten auf. 

Im zweiten Schliff dagegen beobachtet man, 
entsprechend Fig. 12, die Erscheinungen der 
Fig. 55. Im Centralrhombus und in den seit- 
lichen Dreiecken ist Axenaustritt zu sehen und 
namentlich die Lage der Axenebene im Central- 
rhombus, wie in Fig. 12, Theil Ä, zu finden, auch 
der Charakter der Doppelbrechung um die erste, 
zur Plattenebene senkrechte Mittellinie der 
gleiche, wie dort, nämlich negativ, da, mit dem 
Gypsblättchen untersucht, der Centraltheil blau, 
die Dreiecke gelb werden, wenn die lange Diago- 
nale des Centralrhombus mit MM* Fig. 1 co- 
incidirt. 

Abgesehen von der Färbung der Felder und 

1) Aehnliche Erscheinungen sah schon Brewster, 
vergl. Einl. pag. 462. . 

40 



538 

ihren gewundenen Grenzen sind besonders auf- 
fallend zwei völlig isophane Zonen, die sich rund- 
um im Schliffe geltend machen und darauf hin- 
weisen, daß zu einer gewissen Zeit die Erystalli- 
sationsbedingungen die entsprechende Anlage er- 
möglichten, sonach Yon einer ursprünglich zwei- 
axigen Doppelbrechung, gegen die ja auch schon 
die Dodekaederschliffe des ersten Erystalls spre- 
chen, nicht die Rede sein kann. 

In einem ferneren Schliffe, ebensoweit von 
der Erystallmitte nach der andern Seite hin 
abstehend, wie dieser nach der einen, war ich 
so glücklich, auch, abgesehen von isophanen Zo- 
nen, das völlig wirkungslose Mittelfeld 
zu finden, das in seiner Hauptmasse weder 
zwischen gekreuzten Nicols, noch mit dem Gyps- 
blättchen untersucht bei einer vollen Horizontel- 
drehung des Tisches irgend welche erhebliche 
Wirkung zu erkennen gibt und auch nicht im 
convergenten Lichte den Austritt einer Axe zeigt. 
Wollte man hier, entgegen dem, was 
aus dem Zusammen vorkommen von 
doppeltbrechenden u'nd isophanen 
Partien folgt, annehmen, die Doppel- 
brechung sei ursprünglich, so würde 
man das Resultat erlangen, daß regu- 
läre und rhombische Schichten auf 
einander isomorph weiter wachsen! 

Welche Einflüsse aber das Feld in kleinen 
Theilen wirksam machen können, beweisen Ein- 
schlüsse, die in ihm eine orientirte Spannung 
hervorrufen, so daß, ähnlich den später beim 
Pyrop zu betrachtenden Interpositionen , hier 
folgende Wirkung sich kund gibt. Ein bestimm- 
tes, wie ein diagonales Kreuz (Fig. 34 der Form 
und Lage zu dem Centralrhombus nach) beschaf- 
fenes Feld erscheint so verändert^ daß in jedem 



SSO 

Erenzarm die kleinere Elastieitatsaxe im Sinne 
desselben verläuft;, die größere dazu senkrecht 
steht. In Folge dessen beobachtet man zwi- 
schen gekreuzten Nicols bei Anwendung des 
Gypsblättchens und einer vollen Horizontal- 
drehung des Präparats in den gekreuzten Polari- 
sationsebenen 4mal Auslöschung, in der Mitte 
der 4 Quadranten dagegen 4mal ein gelb-blaues 
diagonales Kreuz. 

7. Brauner Granat von St, Christoph 
bei Breiten brunn. 

Auf diese Granaten und die folgenden von 
Schwarzenberg können die Bemerkungen Brew- 
ster's bezogen werden, der die deutlich begrenz- 
ten optischen Felder für fremde Krystalle nahm 
und wohl auch wegen der leuchtenden Kanten 
schon ihre Trennungsflächen bemerkt hat. Fer- 
ner behandeln die Mittheilungen Wichmann^s 
und von Lasaulx's über Zonenaufbau, gleiche 
optische Wirkung gegenüber liegender Sectoren, 
doppeltbreehenden und nicht doppeltbrechenden 
inneren Kern u. s. w., wie solches in der Einlei- 
tung erwähnt ist, diese Krystalle. 

Die vorliegenden Granaten sind die bekann- 
ten braungelben Dodekaeder mit grauen Kan- 
ten ^). Die Streifung geht der kürzeren Diago- 
nale parallel. 

Betrachtet man einen SchliflFnach ooOoo (100) 
zwischen gekreuzten Nicols, so zeigt sich ein 
viergetheiltes Innenfeld, der Rand hat keine ein- 
heitliche Auslöschung. Mit dem Gypsblättchen 
in der Stellung der Fig. 56 untersucht, nimmt 
der Rand einen blaurothen Ton auf der einen 

1) Yergl. Frenze!. Min. Lexikon f. d. Eönigr. Sachseni 
1874, p. 139. 

40* 



540 

Hälfte, einen gelbrothen auf der anderen an. 
Das Mittelfeld zerfällt in vier Theile, von denen 
zwei grünlichblau, die beiden anderen weiß wer- 
den. Im oonvergenten Lichte tritt in jedem Sec- 
tor des Mittelfeldes eine Barre in der Lage, wie 
in Fig. 56 gezeichnet, aus; der Band ist, da die 
Theile verschiedener Orientirung zu sehr durch 
einander greifen, nicht erforschbar. In der 
Diagonalstellung, Fig. 57, löscht das Centralfeid 
aus, der Rand nimmt die dargestellte Färbung 
an, wenn das Gypsblättchen angewandt wird. 

Durch diesen Bau kommt eine Ver- 
bindung der Dodekaeder- mit der 
IkositetraederstructuT zur Erschei- 
nung, die schon bei den grünen 202 (211) 
Granaten Sachsens angedeutet ist und welche 
die folgenden Schliffe nach ooOcx) (100), die 
mehr dem Inneren zu entnommen und die, welche 
nach anderen Richtungen geführt sind, bestätigeo. 

So zeigen die normalen Schlifife nach .0(111) 
ErscheinuDgen, wie sie die Fig. 54 bezüglich der 
Theilung und Färbung wiedergeben könnte, 
wenn man annehmen wollte, die isophane Zone 
käme nicht vor und die einzelnen Schichten 
folgten sich in regelmäßiger Weise, z. B. vom 
Centrum. an, im Sector links, vom Blau der 
zweiten Ordnung über Grün IL, Gelb 11., Orange 
IL, Roth IL, Violett IIL, Indigo IlL, Blau IIL, 
nach Grün III. Ordnung ansteigend. 

Hieraus läßt sich, da der Schliff selbst plan- 
parallel ist und doch wie drei Keile wirkt, ein 
Schluß auf die Art der hier in Frage kommen- 
den Doppelbrechung ziehen. 

Nicht alle Schliffe zeigen dieses Verhalten in 
gleicher Schönheit, überall ist es aber doch mehr 
oder weniger vorhanden. Manchmal beobach- 
tet man, daß der Charakter der Doppelbrechung 



541 

mnsehlägt und die Farben die entgegengesetz- 
ten werden, Fig. 58. Dies ist wichtig zur Be- 
ortheilnng der Verhältnisse in Fig. 60. Bei 
einigen Schliffen war anch deutlich zu erken- 
nen, daß der innere Kern aus einem 2 02 (211) 
bestand, Fig. 59, wie dies durch die entgegen« 
gesetzte Dreitheilang desselben documentirt 
wird ^). 

Geht der Schliff durch das Centrum, so tre- 
ten solche Structuren auf, die auf eine abwech- 
selnde Bildung desKrystalls nach ooO (110) und 
202 (211) schließen lassen und zwar war der 
hier betrachtete zuerst ein oo 0(1 10), dann zwei 
Mal hintereinander ein 2 02 (211), um endlich 
wieder ein oo 0(110) zu werden. Diese Verhält- 
nisse bringt, im Dodekaederschliff, Fig. 60 zum 
Ausdruck. 

Prüft man nämlich nach oo (110), so tritt 
Ton außen her eine Erscheinung auf, wie sie 
Fig. 5 bezüglich der Umgrenzung und Axenlage 
angibt ^), auch ist der Charakter der Mittellinie, 
die normal zur Fläche ist, wie dort. In tieferen 
Schliffen aber tritt immer mehr die Erscheinung 
der Figur 60 zu Tage, die jenen ausgezeichneten 
Aufbau deutlich erkennen läßt. 

Die Figur 60 ist in den Theilen zwischen 
äußerem Hexagon (Winkel oben 109® 28', seit- 
lich 125*^ 16') und dem Ikositetraeder nicht aus- 

1) Die Färbung der inneren Seotoren ist, abgesehen 
YOn dem Streifongseinflnß , der sich wiederspiegelt, 
oben: gelbblau, rechts: gelbroth, links: blauroth. Das 
betreffende 202 (211) ist also, wie bei dem Sala-Granat, 
nach seinen 202 (211) Flächen nicht einheitlich, son- 
dern hat Lamellenbau, wie dort gezeigt. 

2) Dies letztere ist, obwohl ich viele Schliffe unter- 
sachte, nur selten zu sehen, da der Schliff von außen 
öfters wie geflammt und geädert erscheint und in Folge 
dessen' kein einheitliches Bild gibt. 



542 

geführt, da hier die optische Stnictiir ein nicht 
gnt wiederzugebendes Bild des Kampfes nm das 
Endresultat zeigt. Die auf diese Zone folgenden 
Ikositetraederlagen sind nach der Natnr gezeich- 
net and auch ihre Wirkung auf das Gypsblätt^ 
chen ebenso dargestellt. 

Da, wo das innere Dodekaeder sich zeigt, 
vergl. Fig. 12, ist die Abbildung nach der Natur 
ergänzt, indem nur der concentrische Rhombus 
und die Dreiecke, sowie die beiden unteren Trar 
peze sichtbar, die zwei oberen aber durch auf- 
lagernde und eingedrungene Masse anderer Orien- 
tirung verhüllt sind. 

Es kann aber nach all' dem Yorhergehenden 
kein Zweifel sein, daß die Ergänzung richtig ist. 
Man wolle auch bemerken ^ daß eine genau« 
Untersuchung der vorhandenen Theile der inneren 
Figur mit dem Gypsblättcben den entgegenge- 
setzten Charakter derselben, wie Fig. 12 zeigt, 
ein Verhalten; das nach dem, was Fig. 58 lehrte, 
nicht verwundern kann. 

Zum Schluß sei noch hinzugefügt, daß diese 
hübsche Structur keine Seltenheit ist. 

8. Braungelber Granat von Schwarzen- 

berg in Sachsen. 

Derselbe kommt in oo (HO), stark nach 
der kürzeren Diagonale gereift, yor* Seine 
Structur läßt sich kurz als eine Ver- 
bindung der Dodekaedern mit der To- 
pazolithstructur charakterisiren. 

Die Schliffe nach ooOoo (100) zeigen Vier- 
theilung nach den Ecken, besonders deutlich her^ 
vortretend in der Stellung der Fig. 61, welche 
die mit dem Qypsblättchen hervorgebrachte Far- 
•benvertheilung darstellt. In der Normalstellung 
ist nahezu Alles dunkel. Schliffe ^i^s verzerrten 



548 

Kryrtallen sehen wie Fig. 40 aus. — In allen 
sind die Tön» Blau und Gelb nicht rein, son- 
dern mit Roth untermischt. 

Schliffe nach (111) von außen zeigen die 
Erscheinung wie Fig. 4^ jedoch mit deutlich 
keilförmiger Wirkung auf das Oypsblättchen, 
T<^gl. pag. 540. Der Gentralschliff nach 0(111) 
ist in Fig. 62 dargestellt. Wenngleich er in 
Form und Farbenvertheilung Aehnlichkeit mit 
Fig. 11 hat, die beide mit dem Gypsblättchen 
erforscht sind, so weicht er doch in einigen 
Punkten, z. B. im unregelmäßigen Verlauf der Sec- 
torengrenzen, Vorhandensein mehrerer isophaner 
Zonen (kräftig horizontal schraffirt) von ihm ab. 
Fernerhin macht sieh der Umstand geltend, daß, 
obwohl die Sectoren im Großen und Ganzen 
senkrecht und parallel den äußeren Umgrenzungs* 
dementen aaslöschen, doch Abweichungen hier- 
von an einzelnen Stellen und zwar bis zu meh- 
reren Graden vorkommen. 

Der Dodekaederschliff von außen ist meist 
wegen geflammter, geäderter oder gepflasterter 
Beschaffenheit der natürlichen Fläche mit Stück- 
chen, die offenbar schon zersetzt sind, nicht zu 
untersuchen. 

Prachtvoll ist dafür dieStructur der inneren 
Schliffe. Fig. 63 gibt hiervon ein Bild. Aber 
während außen eine Zone, in Folge obengenann- 
ter Beschaffenheit der natürlichen Fläche und 
der sich anreihenden Schichten, wenig einheit- 
licher Art erscheint, folgt innen eine solche, 
deren Theile oftmals orientirte Auslöschun- 
gen wie in rhombischen Erystallen darbieten 
(Theile a, of in Fig. 63). Dabei zeigt der in- 
nere concentrische Rhombus prachtvoll Vier- 
theilnng und Axenaustritt in jedem Sector, also 
die ausgesprochenste Topazolithstructur. Ferner 



544 

ist ZQ bemerken^ daß die Lagen der Axenebeneii 
nicht constant sind; in Fig. 63 «ind sie nach 
einem vorzüglichen Präparate gezeichnet. Die 
erste Mittellinie steht schief zn jedem einzelnen 
Sector. Mit dem Gypsblättchen geprüft, wird 
der innere Theil blau, wenn die lange Diago- 
nale parallel MM^ Fig. 1 liegt, es folgt daraas 
ein negativer Charakter der ersten Mittellinie, 
den aach von anderer Seite her die Schliffe 
Fig. 61 u. 62 anzeigen. Manchmal haben nun 
auch die Theile a nicht Auslöschungen von 45® 
zu den Diagonalen des Rhombus und sind nicht 
dunkel bezüglich a^ wie in Fig. 63, dann sind 
diese Zonen vom Charakter des Mittelfeldes. 
Aber bisweilen ist der Charakter eben ein an- 
derer und wie oben angegeben ; dies deutet dann 
darauf hin, daß rhombische und trikline 
Schichten im optischen Sinne sich 
auf einander lagern. 

Der Centralschliflf nach ooO(llO) ist ebenfalls 
vorzüglich; es treten in demselben unter ähn- 
lichen Verhältnissen, wie soeben geschildert, die 
Theile B,C,D,E, F, G, Fig. 12, zum Sechseck 
zusammen. Von da ab ist der Rücklauf der 
Erscheinungen zu beobachten. — Dieselben sind, 
wie ich mich überzeugte, recht häufig schön 
erkennbar anzutreffen. 

Auch hier stellen die Gesammter- 
scheinungen die secun dar e Entstehung 
der Doppelbrechung in's wahre Licht; 
man müßte denn sonst annehmen, es 
fände auf triklinen Schichten ein iso- 
morphes Fortwachsen rhombischer 
statt. 

Schließlich sei noch erwähnt, daß nament- 
lich bei den Ealkeisengranaten sich die von 
Bertrand (Bull, de la Soc. Min. de France lY. 



54& 

1881 p. 14) für den Granat hervorgebobeüen 
Trennungsflächen schön beobachten lassen, ganz 
besonders gut bei den dodekaedrischen braanen 
Granaten yon Sachsen. Die glatten, znm Theil 
aber auch treppenförmig gebauten Trennungs- 
flächen treten besonders beim Zerschlagen der 
Erystalle schön hervor. 

c. KdlJcchromgranate. 

1. Uwarowit von Bissersk. 

Den Verhältnissen dieses Granats, die von 
Mallard und Bertrand erforscht wurden, kann 
ich meinerseits, unter Bestätigung der Angaben 
der Genannten, nichts weiter hinzufügen, als die 
Bemerkung, daß eine vollständige Uebereinstim- 
mung im optischen Verhalten mit dem weißen 
Granat von Auerbach herrscht^ sonach dieselbe 
Structur bei nicht völlig identischer, sondern 
nur analoger Constitution zu beobachten ist. 

2. Grüner Granat von Orford in 

Ganada. 

Sehr kleine, fast mikroskopische Dodekaeder 
in körnigem Kalk bilden chemisch ein Ver- 
bindungsglied des Kalkchrom- mit dem Kalk- 
thongranat; vergl. N. Jahrb. f. Min. u. s. w. 
1881. B. n, p. 174 d. Ref. 

Optisch findet man, an einer größeren Zahl 
beliebiger DünnschlifiFe untersucht, völlig das 
Verhalten des Granat von Auerbach und von 
Jordansmühl. 

d . Manganthongranate. 

In Ermangelung ächten Manganthongranats 
von hinlänglich durchsichtiger Beschaffenheit 
folgt hier der (nach qualitativer Analyse) Man- 



546 

ganthoneisengranat ans Granitdrusenräamen 
Ton Elba. 

Derselbe bietet 2 02 (211) mit kleinen Flä- 
chen Ton ooO (110) dar; erstere Gestalt nack 
der symmetriscnen Diagonale gestreift Den 
Schliff parallel cx> oo (100) gibt Fig. 40 wieder, 
wenn mit dem Gjpsblättchen geprüft wird, für 
den Schliff nach 0(111) kann Fig. 41 dienen, 
für den nach oo (110) Fig. 42 unter Vorans- 
setznng einer regelmäßigen Feldertheilung und 
eines concentrischen unwirksamen Mittelfeldes, 
letzteres von ooO (110) herrührend. Da die 
optischen Wirkungen sehr schwach sind, so ließ 
sich Weiteres nicht ermitteln; man ist aber be- 
rechtigt hier den gleichen (positiven) Charakter 
der Doppelbrechung wie beim Granat von Acb- 
matowsk und Wilui anzunehmen und sonst den- 
selben entsprechende Verhältnisse. 

e. JEXsenfhongranate. 

Wirksam wurden dodekaedrische Almandine 
vom Zillerthal ^) befunden. Die Wirkung ist 
zwar sehr schwach, aber vorhanden und nament- 
lich zeigen die Schliffe nach (111) eine deut- 
liche, wenn auch sehr zarte Dreitheilung nach 
den Ecken und eine Farbenvertheilung mit dem 
Gypsblättchen, wie in Fig. 4 dargestellt, woraus 
auf einen Aufbau wie beim Granat voii Auer- 
bach zu schließen ist. 

Dagegen zeigt der in der Form von 202 
(211) krystallisirendeAlmandin vom Orient keine 
Spur einer Einwirkung auf das polarisirte Licht. — 
Ebenso wenig Wirkung zeigt ein weingelber, 

1) Dieselben führen von allen Granaten die meisten 
Einschlüsse; man beobachtet aber keine Einwirkung 
derselben ajif die optische Stinctur. , . 



547 

in Form von 2 02 (211) krystallisisirender Gra* 
mt von Brasilien. 

f. Pyrop. 

Zar Untersuchung gelangten böhmische Pyr- 
ope, die ohne alle Einwirkung auf das polari- 
sirte Licht in einer Anzahl von beliebig orien- 
tirten Dünnschliffen waren. Einzelne Krystalle 
dagegen fährten hexagonale Einschlüsse eines 
lichten, aber keiniB einheitliche Polarisation 
zeigenden Minerals. Von diesen Einschlüssen 
geht eine innerhalb eines gewissen Bezirkes wir- 
kende Spannung der Art aus, daß, den Einschluß 
als Centrum der Wirkungssphäre angenommen, 
man sich das Feld derselben in lauter Sectoren 
zerlegt zu denken hat, die den Radius der Wir- 
kungssphäre, zur Höhe und ein sehr kleines 
Stück des Umfangs als Basis haben. In der 
Richtung eines jeden Radius liegt die Axe der 
größeren, senkrecht dazu die Axe der kleineren 
Elasticität, In Folge dessen geschieht es, daß 
zwischen gekreuzten Nicols um den Einschluß 
und Yon demselben als Gentrum ausgehend, ein 
schwarzes Ereuz entsteht^ das wie die Polarisa- 
tionsebenen der Nicols liegt und bei einer Dreh* 
ung des Tisches fest steht. Durchsetzt wird 
dasselbe in diagonaler Stellung von einem hel- 
len Kreuz, dessen mit MM* Fig. l coincidiren- 
der Arm bei der Untersuchung mit dem Gyps- 
blättchen gelb wird, während der dazu normale 
blau erscheint. Auch diese Töne erhalten sich 
bei einer vollen Horizontaldrehung des Object- 
tisches und behält ebenso das früher schwarze» 
jetzt rothe Kreuz seine Farbe bei. — Diese Er* 
scheinungen und die beim Granat von Peru er- 
kannten sind ähnlich denen; die schon Brewster 



548 

andeutete, vergl. p. 462 und davon ans auf die 
Zosammendrückbarkeit der Masse schloss. 



in. Zusammenstellung der Resultate und Ver- 
gleich der Erscheinungen am Oranat mit solchen^ 
dicj unter Nachahmung der äußeren Farm dieses 
Minerals, eingetrocknete Qdatine jseigt. 

üeberblickt man die große Mannigfaltigkeit 
der Erscheinungen, so treten aus dem Gewirre 
derselben für die aufmerksame Betrachtung 
doch bald einige Hauptgesichtspunkte hervor. 

Zunächst ist klar, daß die chemische Consti- 
tution nicht auf die optische Structur von dem 
Einfluß ist, daß man aussagen könnte, es käme 
einer bestimmten Constitution immer nur eine 
Bildung im optischen Sinne zu. Wir beob- 
achten vielmehr dieselben optischen 
Bildungen bei verschiedener Consti- 
tution und verschiedene optische 
Structuren, je nach der vorhandenen 
Form, bei der gleichen Zusammensetz- 
ung, sogar bei Ery st allen eines und des- 
selben Fundortes (Wilui, Mussa-Alp). 
Von der Zusammensetzung hängt also der op- 
tische Bau in erster Linie nicht ab. — 

Klar und bestimmt tritt aber das 
zu -Tage, was für die optische Struc- 
tur das Bestimmende ist, wenn die 
umstände überhaupt ihr Zustandekom- 
men ermöglichten: die Form. 

Wir finden bei den Oktaedern von Elba die 
reine Oktaederstructur , optische Axe, negativ, 
senkrecht zur Oktaederfläche. Durch secundäre 
Umstände kann sich das Einaxige in das Zwei- 
azige verwandeln. 



549 

In den reinen Bhombendodekaedern, z. B. 
von Auerbach, tritt die Bhombendodekaederstruc- 
tnr zn Tage. Erste Mittellinie der optischen 
Axen, meist negativ, senkrecht zur Dodekaeder- 
fläche; Axenebene parallel der langen Bhom- 
bendiagonale« 

In den reinen Ikositetraedern, z. B. vonWi- 
lai, zeigt sich die Ikositetraederstrnctnr. Erste 
Mittellinie der Axen oder optische Axe senk- 
recht zur Fläche von 202 (211). Charakter 
positiv oder negativ bei verschiedenen Fundor- 
ten. Wenn zweiaxig, Axenebene senkrecht zur 
symmetrischen Diagonale. 

In den reinen Achtundvierzigfiächnern haben 
wir die Topazolithstructur. Erste Mittellinie 
schief zur Fläche. Axenebene variabel gelegen. 
Charakter der Mittellinie negativ. 

In den übrigen Fällen zeigt sich ein Zu- 
sammenwirken , vornehmlich zweier derartiger 
Structuren, wenn die denselben entsprechenden 
Flächen am Erystalle vorhanden sind. 

So ist bei den Oktaedern der Einfluß der 
untergeordneten Flächen zum Theil schon be- 
merkbar, die ßhombendodekaeder mit doppelter 
Streifung können als polyedrische Achtundvier- 
zigflächner betrachtet werden und zeigen An- 
deutungen von Topazolithstructur, in anderen 
kämpfen die Ikositetraeder- oder die Topazolith- 
structur mit der Dodekaederstructur um's Da- 
sein und bedingt zu gewissen Zeiten die eine, 
dann die andere das Wachsthum, in noch an- 
deren Dodekaedern sind von mit auftretenden 
Flächen von 202(211) Einflüsse wahrzunehmen. 

Ebenso wird die reine Ikositetraederstructur 
durch eine als von polyedrischen Achtundvier- 
zigfiächnern herrührende Reifung nach der sym- 
metrischen Diagonale in eine au die Topazolith- 



550 

structur erinnernde übergefihrt, deren Wirkung 
zu den dann in Betracht kommenden Begren* 
Zangselementen sich n. A. dadurch kund gibt, 
daß in der Fläche von 2 02 (211) die Ebene 
der optischen Axen aus der Lage normal zur 
symmetrischen Diagonale ausweicht und an 
Zwillinge erinnernde Erscheinungen sieb zu er- 
kennen geben*). 

EiS ist also, wenn überhaupt Doppelbrechung 
auftritt, eine innige Beziehung der Erscheinun- 
gen derselben zur Form vorhanden, und das, 
was die Beobachtungen erkennen lassen ^ ist 
sammt und sonders nur in dem einen Sinne zu 
verwerthen, daß die hier auftretende Doppel- 
brechung nicht aus ursprünglicher Anlage resul- 
tirt. Hierfür sprechen namentlich: die Felder- 
theilung und der häufig unregelmäßige Verlauf 
der Grenzen derselben, sowie der Einfluß der 
Verzerrung auf die optische Structur. Weiter 
sind hier in Betracht zu ziehen: die im parallel 
polarisirten Licht auftretenden schwarzen Ban- 
den, die beim Drehen des Präparats mitwan- 
dern und anzeigen, daß die Partien nach einan- 
der, nicht gleichzeitig, in Ausloschungslage kom- 
men, ferner die z. Th. zu beobachtende Nicht- 
einheitlichkeit der Felder im optischen Sinne, 
das Steigen und Fallen der Farben, der schwan- 
kende Charakter der Doppelbrechung in ver- 
schiedenen Schichten, die Verwachsung von sol- 
chen verschiedener optischer Bedeutung, die Ein- 
schlüsse und ihr optischer Effect auf die Grnnd- 
masse. Endlich spricht auch das Vorkommen 
nahezu isophaner und dieses Erforderniß voU- 

1) Sehr ähnliche Verhältnisse, natürlich mit durch- 
greifenderem Lamellenbau, läßt der L e u c i t erkennen. 
In wie weit dieselben hiermit übereinstimmen, müssen 
flemere Untersuchungen lehren. 



551 

standig erfüllender Erystalle (gelber Granat vom 
Yesny, Älmandin vom Orient) dafür, daß die in 
anderen Fällen beobachtete optische Wirksam- 
keit, bei gleicher Constitution > secundären Um- 
ständen ihre Entstehung yerdanke. In gleicher 
Weise läßt sich aber auch erkennen, daß da, 
wo vollkommenere Erscheinungen auftreten, die, 
wenn sie für sich allein beobachtet wären, wohl 
geeignet sein würden, die Aufmerksamkeit zu 
erregen und anderer Deutung fähig zu sein, 
dieselben doch nur eben als vollkommenere Bil- 
dungen sich öfters unter unvollkommener Form 
darstellender Erscheinungen anzusehen sind. 
Denn man findet meist alle üebergänge von 
einem Extrem in's andere , kann eine vollstän- 
dige Reihe herstellen und bei bestimmten Vor- 
kommen (Jordansmühl, Peru u. s. w.) ist schließ- 
lich in dem Miterscheinen der nahezu voUkom-* 
men isophanen Substanz das Moment gegeben, 
was auf die Entstehung der wirksamen Erystalle 
dieser Fundstätten das nöthige Licht wirft. Da- 
von abgesehen sprechen auch*die zahlreich beob- 
achteten isophanen Stellen und Zonen in wirk- 
samen Erystallen selbst für die Entstehung die- 
ser Doppelbrechung durch secundäre Umstände 
und das, was beim Boracit, dessen Erystalle 
durchweg stark lichtbrechend sind, fehlte, die 
vermittelnden Üebergänge, ist hier ausgiebigst 
vorhanden. — Aus allen diesen Gründen und, 
um es nochmals zu betonen, nicht am minde- 
sten aus dem, daß isophane, rhombische und 
trikline Schichten im optischen Sinne iu einem 
und demselben Erystalle sich finden, folgt der 
secundäre Charakter dieser hier vorhandenen 
Doppelbrechung, der sie nicht befähigt 
auf die Bestimmung des Erystallsy- 
stems unseres Minerals, das dasregu- 



552 

läre ist und bleibt, einen bestimmen- 
den Einfluß ausznfiben. 

Freilich ist mit dieser Erkenntniß nur eine, 
wenn auch große Schwierigkeit überwunden; 
die Fragen, woher kommt es, daß ein und der- 
selbe Körper so verschiedene optische Structu- 
ren zeigen kann, und wie ist das Zustandekom- 
men dieser secundären Doppelbrechung über- 
haupt zu erklären, harren noch der Lösung. 

Ich werde auf die erste dieser Fragen als- 
bald eingehen und in einem Schlnßabschnitt 
den Versuch machen, eine Annahme darzulegen, 
die Tielleicht geeignet ist, zur Erklärung der 
letzteren beizutragen. 

Wenn wir die bis dahin rücksichtlich ihrer 
optischen Anomalien näher untersuchten regu- 
lären Körper: Alaun ^}, Boracit, Analcim, Gra- 
nat, Senarmontit ^), Eulytin *), ßhodizit *) u. s. w. 
betrachten, so finden wir einerseits bei ein und 
derselben Gestalt verschiedene optische Structnr, 
so bei den Oktaedern des Alaun, Granat und 
Senarmontit, bei den Dodekaedern des Boracit, 
Granat und Bhodizit, bei den Tetraedern des Bo- 
racit und Rhodizit u. s. w. Aber auch das um- 
gekehrte zeigt sich : die verschiedensten Minera- 
lien lassen, wenn sie in derselben Gestalt und 
mit gleicher Flächenbeschaffenheit derselben 
krystallisiren , ein und dieselbe optische Strac- 
tur erkennen, so die glatten Dodekaeder beim 
Boracit und Granat, die ebenfalls wenig ge- 

1) Klocke. N. Jahrb f. Min. 1880. B. I, p. 63. 

2) Mallard. Annales des Mines 1876. X. — Grosse- 
Bohle. Zeitschr. f. Kryst. V. 1881. p. 222 n. f. 

3) Bertrand. Bull, de la Soc. Min. de France. 1881 
B.- IV, p. 61. 

4) Bertrand, ibidem 1882. B. V, p. 72. 



553 

streiften Ikositetraeder des* Analcim und des 
Granat a. s. f. 

Dies läßt den Schluß berechtigt erscheinen, 
wenn die regulären Körper in ei- 
ner, was Fläch enb esc h äffe nheit anlangt, 
absolut gleichen Gestalt kry stallisiren, 
auch die op tische Structur eine gleiche 
sein werde. 

Andeutungen , die hierauf hinzielen , sind 
schon früher gemacht worden und namentlich 
spricht Grosse-Bohle (1. c. p. 235) die Beziehung 
zwischen optischer Structur und Streifung ge- 
radezu aus und stellt die Frage auf, ob nicht 
jene durch diese bedingt werde *). — Wenn da- 
gegen Klocke (N* Jahrb. f. Min. u. s. w. 1881 
B. II, p. 17 der Referate) geltend macht, daß 
beim Alaun kein Znsammenhang zwischen Strei- 
fnng und optischen Eigenschaften zu bemerken 
ist, und auch Ben Saude beim Analcim (1. c. 
p. 51) solche Beziehungen nicht findet, so wider- 
sprechen diese Beobachtungen jener ersten in 
sofern nicht, als die Streifungen in den yer- 
schiedenen Fällen offenbar nicht das Resultat 
gleicher Wirkungen sind. 

Durch die bloße Oberflächenstreifung , die 
lediglich eine Folge der parallelen Auflagerung 
gegen einander zurücktretender Lamellen ist, 

1) Nach meiner Auffassung der Sache ist das Se- 
narmontitoktaeder durch die (von Grosse-Bohle beschrie- 
bene) Streifung zu einem mO (hhl) mit m nahe = 1, 
gestempelt. Die Beobachtung läßt , hiermit im vollen 
Einklang, einen Aufbau aus 24 monoklinen Individuen 
im optischen Sinne erkennen. Dies ergibt sich folge- 
richtig aus den aus der Normallage gerückten drei 
gleichschenkligen Dreiecken , in die das Oktaöderflä- 
chenfeld zerfällt. Zeigen die Krystalle noch andere 
Störungen, so kann, wie Mallard fand, Topazolithstruc- 
tur auftreten. — Vergl. weiter unten, Gelatineversuche. 

41 



554 

wird die optische Stractar nicht geändert, wohl 
aber durch jene Streifang, die das Vorhanden- 
sein aus der Normallage ausweichender polye- 
drischer Flächen andeutet , und die man die 
polyedrische Streif nng nennen könnte. 

Der Granat bietet hierfür in seinen polje- 
drisch gestreiften Ikositetraedern , z. Th. auch 
Dodekaedern, zahlreiche Beispiele, und man kann, 
wie schon Mallard trefiFend hervorhob (vergl 
Einleitung p. 475), von der äußeren Flächenbe- 
scbaffenheit auf die optische Structur des Innern 
schließen. In besonders hervorragender Weise 
zeigt sich dies beim Topazolith. 

Während also den glatten Oktaedern, Dode- 
kaedern, Ikositetraedern u. s. w. die von mir 
als Normalstructuren bezeichneten zukommen, 
im Einklang stehend mit der Symmetrie ihrer 
Flächenbegrenzung, werden im vorhin angefahr- 
ten Sinne gestreifte, derartige Gestalten Abwei- 
chungen zeigen, die sich durch unsymmetrischere 
optische Bildungen kund geben. Dies ist, was 
die Beobachtungen bestätigen. 

Aber während wir gestützt auf die Darle- 
gungen Neumann's von der regelmäßigen Coni- 
pression und Dilatation^) und an der Hand der 
von Ben Saude gefertigten Gelatinekörper ^) Stroc- 
turen imitiren können , die den dreigetheilten 
Oktaederflächen , viergetheilten Würfelflächen 
und viergetheilten Dodekaederflächen der optisch 
anomalen Körper nach Feldertheilung und Axen- 
austritt entsprechen, bot die Nachahmung des 
Auftretens von einheitlichen Flächen , z. B. von 
00 (110), bis jetzt Schwierigkeiten dar. 

Indessen machte ich schon zur Zeit, als ich 

1) Pogg. Annalen B. LIV, 1841. 

2) N. Jahrb. f. Min. u. s. w. 1882. B. I, p. 72 u. 73, 



555 

unter Drnck die Gelatinepräparate herstellte, 
die den besonders schöaen Axenanstritt zeigten 
und die ich dann H. Ben Saude zur Verfügung 
stellte^) die Bemerkung, daß eine Platte von 
Gelatine dann keine Feldertheilung zeigt, wenn 
sie unter hinlänglich starkem Drucke erstarrt, 
ja daß die bereits vorhandene Feldertheilung 
bei Anwendung eines solchen zurückweicht, so- 
fern die Platte noch weich genug ist, um dies 
zu gestatten. 

Ich sehe hierin den Grund der Bildung ein- 
heitlicher Flächenfelder. Eine in Beziehung zu 
den Umgrenzungselementen (Kanten) wirkende 
Contraction und eine solche normal zu den vor- 
handenen Flächen sind als die Ursachen, die zu 
den optischen Veränderungen Veranlassung ge- 
ben, zu betrachten. 

Ueberwiegt der Einfluß der Umgrenzungsele- 
mente, so bildet sich die Feldertheilung, prä- 
ponderirt die Wirkung normal zur Fläche, so 
bleibt letztere einheitlich ^). 

Für diese Ansicht spricht ferner , daß die 
einheitlichen Flächen: (111) des Granat von 
Elba, ooO (110) des Boracit und des Granat 
von Auerbach, die nur mit Oberflächenstreifung 
versehenen 2 02 (211) der Granaten von Wilui 
und des Analcim') eine Structur im optischen 
Sinne erkennen lassen, die in einfacher Bezieh- 
ung zu ihren ümgrenzungselementen steht. 

1) Ben Saude 1. c. p. 72 Fußnote. 

2) Sollte sich nicht dadurch auch das verschiedene 
Verhalten der Alaunoktaäder nach Mallard und Elocke 
erklären lassen? Beim oktaedrischen Granat vonElha 
findet sich wenigstens Entsprechendes , vergleiche 
pag. 503 u. 548. 

3) Hier fand Ben Saude keine Beziehung der op- 
tischen Structur zur Streifung , also ist sie keine po- 
Ijedrische. 

41* 






er 



wird die optische S(f 
aber durch jene SH' 
sein aus der No|^ 
drischer Flächer/ ^^ 
polyedrisch|J^<j^ ^ 

Der Grar^ > ^ ^ " 
drisch gest^/ 1 ^ 



poly« 

sip 



Dodekaed^/ 

wie sch<f^ 

Einleite 

schaff 

schh* 

zei 



ilgSSCn. 

^en Axes sieA 
. eine so anffallei 
^ü Structur zu den 
^e vorhandenen Knicken, 
an Stelle von ooO (HO) aul 
^andvierzigflächnerflächen zu etki 
., bestätigt dies und beschäftigte mi 
,ijders. 

Durch die Gelatineversuche hatte ich gel 
den, daß bei den zweiaxigen Präparaten die 
tellinie nur dann senkrecht zur Fläcie stei 
wenn die Platte völlig eben ist und soft 
schiefe Stellung einnimmt ^) , sobald die P/ai 
sich biegt. Dies forderte mich auf die Topaz 
lithstructur künstlich nachzuahmen, — üßd 
Nachahmung ist mir in überraschend schöi 
Weise gelungen. 

Wenn man in Holzrähmchen von der Foi 
des Khombus des Dodekaeders gut geklärte 6e 
Jatine gießt; in das Feld nach dem Erstoeii|| 
und vor dem völligen Erhärten der Masse die 
Diagonalen zart einreißt, oder, wie es beim Tö- 
pazohth der Fall , die dort in sehr wechselnder 
Weise erscheinende Feldertheilung mit einem 
Messer zart einträgt, dann durch den Kreuzungs- 
punkt der Diagonalen oder ihrer Parallelen ei- 
nen Faden, mit einer Widerlage an einem M 



1) Stellen in Gelatinepräparaten, die eine»« 

Position der Mittellinie erkennen lassen, beobachtete 
schon Klocke, N. Jahrb. f. Miner. 1881. II, p. 263. 



557 

yersehen zieht, anzieht, eine Pyramide zur Er- 
hebung bringt und so erstarren läßt, — so ge- 
Uagt es die wechselnden Erscheinungen des To- 
pazolith nachzuahmen und zwar so , daß man 
zu jedem Topazolithpräparat das zugehörige Ge- 
latinepräparat machen kann^). 

Letztere zeigen, was Lage der Axenebenen 
und Schiefe der Mittellinien anlangt, eine voll- 
ständige üebereinstimmung mit dem natürlichen 
Vorkommen. Die Axenwinkel sind indessen 
nicht überall die gleichen und werden in der 
Mitte der Präparate kleiner, wie schon früher 
durch Elocke und Ben Saude hervorgehoben 
worden ist; man hat natürlich bei diesen Ver- 
suchen eine vollkommen einheitliche W^irkung 
nicht in seiner Gewalt. 

Immerhin sind die Präparate gut genug ge- 
bildet, um erkennen zu lassen, daß die bei den 
betreffenden Normalstructuren des Oktaeders, 
Dodekaeders, Ikositetraeders, Tetraeders u. s. w. 
bisweilen vorkommenden Abweichungen durch 
solche und ähnliche Dispositionen (vergl. pag. 553) 
nachgeahmt und veranschaulicht werden kön- 
nen, wie denn auch diese und die von Ben Saude 
früher beschriebenen Präparate^) geeignet er- 
' scheinen, ein Licht auf das Zustandekommen der 
Gesammterscheinungen zu werfen. 

IV. Beiträge su dem Versuch einer Erklärung 
der optischen Anomalien. 

In dem Vorhergehenden ist auf Grund der 
Beobachtungen und von durch dieselben ange- 

1) Besonders schön gelingt das regelmäßig vierge- 
theilte Präparat, in dessen Feldern die Ebenen der 
optischen Axen parallel den resp. Seiten des Ehom- 
bu8 stehen, vergleichbar der Fig. 49. 

2) 1. c. pag. 73. 



558 

regten Versuchen gezeigt worden, daß die Form, 
im weitesten Sinne des Wortes, das den opti- 
schen Abnormitäten Gestalt Verleihende ist und 
eine innige Beziehung dieser letzteren zu jener 
zu Tage tritt. 

Die Beobachtungen am Granat *), welche leh«* 
reu, daß es isophane und wirksame Krystalle 
bei ein und derselben Art und ein und demsel- 
ben Vorkommen gibt , daß isophane Schichten 
mit solchen rhombischer Bedeutung im optischen 
Sinne in den Krystallen wechseln, daß in eini- 
gen derselben rhombische Zonen mit anderen 
trikliner Beschaffenheit alterniren, die Structur 
des Dodekaeders in die des Ikositetraeders über- 
schlägt und der Charakter der DoppelbrechuDg 
dabei sich ändert, — fordern zu einer Ansicht 
über das Zustandekommen dieser Bildungen 
und zu einer Erklärung der Möglichkeit aller 
dieser üebergänge auf. 

Ich bin mir, wenn ich mich anschicke, dies 
zu versuchen, der Schwierigkeiten, die sich der 
Erlangang einer vollen Einsicht entgegen stellen, 
wohl bewußt, aber es scheint mir noth wendig 
an Stelle des von Mallard zur Erklärung des 
Beobachteten angenommenen submikroskopischen 
Zwillingsgemischs , eine Vorstellung zu setzen, 
die geeigneter ist die Erscheinungen zu erklä- 
ren, als jener hypothetische Aufbau, der in sei- 
nem Wechsel dieselben hervorrufen soll. 

Zu diesem Ende schicke ich voraus, 
daß ich zwischen molekulare r Doppel- 
brechung, d.h. solcher, die aus Ursprünge 
lieber, gesetzmäßiger Anordnung der 

1) EbeDSO die am Alaun und Analcim. Yergl. aach 
de Schulten. Bull. Soc. Min. de France III. 1880. 
p. 151 und besonders V. 1882 p. 9, woselbst die rich^ 
tige Erkeuntniß sich Bahn bricht. 



559 

kleinsten Theilchen folgt und der, 
die secandär zu Stande kommt, uu- 
terscheide. 

Für die erste wird, wie gesagt, angenommen, 
daß sie das Resultat der gesetzmäßigen Gruppi- 
rung der Moleküle ist, wodurch, entsprechend 
der Symmetrie der Anlage, zunächst das Kry- 
stallsystem, und damit, nöthigenfalls unter Zu- 
hülfenahme des zwischen den Molekülen des 
Körpers vertheilten Lichtäthers, auch die opti- 
schen Eigenschaften sich ergehen. W i r s c h re i- 
hen diesen letzteren die besonderen 
Qualitäten zu, unabh ängig v on den 
Umgrenzungselementen und, wenn in 
einer gegebenen Richtung gewisse, 
hiermit in allen parallelen Gera den 
dieselben zu sein. Dies gilt in Strenge, 
wenn der Akt der Krystallisation ganz normal 
verlaufen ist und sich dabei keine störenden 
Einflüsse geltend gemacht haben. 

Fragen wir nach dem Krystallsystem eines 
Körpers, so hängt dasselbe sicherlich von seiner 
chemischen Zusammensetzung ab; ist aber eine 
bestimmte empirische Constitution gegeben , so 
werden die kleinsten Theilchen noch verschie- 
dener Gleichgewichtslagen fähig sein und in 
Folge dessen die resultirenden gesetzmäßigen 
Gruppirungen angesehen werden müssen , als 
hervorgehend aus verschiedenen gegenseitigen 
Einwirkungen der Moleküle auf einander. 

Dies läßt sich, wie bekannt, so erklären, daß 
nicht nur die kleinsten Theilchen sich zu Grup- 
pen von solchen Wirkungskräften vereinigt ha- 
ben können , die von denen des einzelnen Mo- 
küls verschieden sind, (Polymerie), sondern dif- 
ferente Wirkung läßt sich auch noch daraus 
herleiten, daß die Bindung der Grundstoffatome 



560 

im Molekül selbst eine Yerschiedene ist und sonach 
die Moleküle wiederum verschiedene Wirkungen 
auf einander ausüben können (chemische Isome- 
rie), oder die gegenseitige Stellung der Mole- 
küle zu einander, je nach Temperatur und son- 
stigen Einflüssen, sich als eine andere darstellt 
(Physikalische Isomerie). 

In Folge der verschiedenen danach möglichen 
Anordnungen der Moleküle im Raunae ergibt 
sich jeweils eine gewisse Symmetrie dieser Ge- 
bilde und dem entsprechend, Erystallsystem und 
optische Eigenschaften. 

In dem regulären Systeme ist ursprünglich 
und, wenn keine anderen Einflüsse wirkend sind, 
eine solche Disposition der kleinsten Theilchen im 
Baume und des zwischen ihnen befindlichen Licht- 
äthers vorhanden daß, so wird angenommen, keine 
Einwirkung auf das polarisirte Licht stattfindet. 

Diese Disposition wird nach allen einschlä- 
gigen Beobachtungen um so eher zu Stande 
kommen, Je mehr der betrefl'ende reguläre Kor- 
per in krystallinischen Massen und nicht in Kry- 
stallen auftritt. Kommt er in solchen vor, so 
bieten dieselben häufigst die Erscheinungen der 
secundären oder Spannungsdoppelbrechung dar, 
wobei die kleineren Individuen meistens wirksa- 
mer sind als die größeren. Wir können daraus 
wiederum schließen, daß, wie es auch die Beob- 
achtungen an den Präparaten erkennen lassen, 
die Form das den optischen Abnormitäten Ge- 
stalt Verleihende ist. Den Vorgang hierbei 
werden wir uns so denken können , daß beim 
Act der Krystallisation, in einem kurzen Zeit- 
moment beim Festwerden, nicht nur eineContrac- 
tion der Masse, ähnlich den Golloiden stattfindet^), 

1) Vergl. Reiisch. Pogg. Annalen 1867. B. 132 
p. 621 u. 622. 



561 

gondern anch die Gestalt des vorhandenen 
Körpers selbst^) einen Einfluß auf diese Con- 
traction geltend maclit, der auf einer gege- 
benen Fläche, nach Art ihrer Umgrenzungs- 
elemente, nach dem auf sie wirkenden Druck, 
nach Temperatur und Concentration der Lösung 
verschieden, differeniJe Effecte äußern wird und 
gleiche nur unter gleichbleibenden Bedingungen 
erzengt. Die den Anforderungen des regulären 
Systems entsprechende Molekularanordnung wird 
aber unter dem Einfluß dieser bei der Krystal- 
lisation noch mitwirkenden Factoren nicht er- 
halten werden können; Aendetungen derselben 
werden vielmehr eintreten müssen , Vertheilun- 
geu der Masse, die Zustände herbeiführen, ähnlich 
denen in anisotropen Körpern, woselbst dieselben 
durch die Wirkung der Moleküle auf einander 
gesetzmäßig zu Stande kommen. 

In diesem letzteren Sinne sind auch die Er- 
scheinungen zu deuten^ welche die sämmtlichen 
Gelatinepräparate , die die Eigenschaften von 
Krystallen nachahmen, zeigen. Durch die Wir- 
kungen der beim Eintrocknen erzeugten orientir- 
ten Spannungen sind in der Gelatinemasse Ver- 
theilungen hervorgerufen , die an solche gesetz- 
mäßiger Art in Krystallen erinnern. 

Die Beobachtungen lassen aber erkennen, 
daß, wenn eine schwache Wirkung vorhanden, 
die Substanz nur zum Theil anisophan ist und 
in dieser Beschafl^enheit streifenweise zwischen 
isophaner nach den Begrenzungselementen der 
betrachteten Fläche oder deren Diagonalen ein- 
gelagert vorkommt. In anderen Fällen zeigt 
sich die ganze Masse wirksam und es findet auch 

1) Zu diesem Ende muß angenommen werden, es 
haben sich ein oder einige Eörperohen, ausgerüstet 
mit einer regelmäßigen Form, bereits gebildet. 



562 

hier eine streifen- und bandartige Vertheilang 
einer Partie von gewisser Wirkung in Theilen 
von anderer Orientirung statt. 

Eine nächst höhere Stufe der Wirkung und 
bisweilen mit der speben beschriebenen Art 
durch üebergänge verknüpft, stellt die Zonen- 
structur dar. Das hierbei aber zu beobach- 
tende Schwanken der Doppelbrechung nach 
Stärke und Charakter, die untermischten Schich- 
ten isophaner Beschaffenheit und wirksamer 
Theile wechselnder Bedeutung im optischen 
Sinne lassen erkennen, daß der Proceß der Kry- 
stallbildung zwar energischer , als früher , aber 
noch nicht einheitlich verlief und es ist anzu- 
nehmen, daß bei demselben vorkommende Tem- 
peraturänderungen, vielleicht auch solche im 
Concentrationsgrad des Lösungsmittels nicht nur 
die mehr oder weniger große doppeltbrechende 
Kraft der Zonen, als vielmehr auch ihren wech- 
selnden Charakter der Doppelbrechung und end- 
lich sogar die isophanen Partien zu Stande ge- 
bracht haben. Diese letzteren bildeten sich 
dann unter Bedingungen, die eine dem theore- 
tischen Erforderniß nachkommende Anlage der 
kleinsten Theilchen gestatteten. So ist es nicht 
undenkbar, daß z. B. zugeführte oder frei ge- 
wordene Wärme eine sich vollziehende Contrac- 
tion grade aufheben konnte. Dies würde auch 
die Bildung der nahezu isophanen Krystalle er- 
klären, die mit optisch wirksamen zusammen 
vorkommen (Jordansmühl). Bei anderen, nur 
als isophan beobachteten Vorkommen müßte 
vielleicht noch die weitere Annahme gemacht 
werden, die Contraction der Substanz beim Fest- 
werden sei nicht merklich genug gewesen, um 
die ursprüngliche Anordnung zu stören. 

Was den Wechsel von wirksamen Stellen 



563 

verschiedener optischer Bedeutung anlangt , so 
würde derselbe mit denoi Wechsel der Form und 
der Beschaffenheit der Flächen derselben zusam- 
sammenhängen und speciell beim Granat nicht 
anzanehmen sein, es kämen die Partien diffe- 
renter optischer Bedeutung durch die normale 
Doppelbrechung zu Stande und seien regelmäßig 
mit einander verwachsen. 

Wird die Bildung noch einheitlicher und re- 
gelmäßiger, die Störungeü durch Temperatur- 
scli wankungen zurücktretender, so tritt die mit 
der Zonenstructur häufig schon verbundene Fel- 
dertheilung allein auf. Die Wirkung der regel- 
mäßigen Compression oder Dilatation, welche 
die Moleküle nähert oder von einander entfernt, 
hat dann den höchsten Grad von Vollkommen- 
heit erreicht, der Einfluß der Begrenzungsele- 
mente und der der Wachsthumsrichtungen be- 
dingen eine Structur, die große Aehnlichkeit 
mit der bei wahrer Doppelbrechung vorkom- 
menden zeigt. In den Fällen, in welchen die 
Krystallbildung Gerüste producirt, in denen sich 
die ausfüllende Masse, in der Temperatur ver- 
schieden von der des Gerüstes, absetzt, werden die 
Wirkungen noch gesteigertere sein, und sich dann 
bisweilen sogar, bei erheblicher Contraction der 
Masse, in Trennungen der Theile kund geben 
(Bertrand^sche Einzelindividuen, z. B. am Granat). 
Diese TrennungsklüfteindenErystal^ 
lensind daher Hauptbeweismomente ge- 
gendie Zwillingsbildung undfürsecun- 
däre Doppelbrechung. Außerdem sind 
aber die unterscheidenden Merkmale 
dieser Doppelbrechung noch: Abhän- 
gigkeit der selben von den Umgren- 
zungselementen in jeder Hinsicht 
und ungleiches Verhalten inBichtun- 



664 

gen, die zn ein er gegebenen bestimm- 
ten Verhaltens parallel sind. — Ein der- 
artig während des Actes der Erystallisation in 
einen gestörten Molekalarzastand versetzter Kör- 
per kann das Bestreben haben diesen Zustand wie- 
der aufzuheben, die Festigung der Theile ist aber 
zuweilen auch so weit vorgeschritten, daß ein 
Verharren derselben und keine Veränderung 
beobachtet wird. Für beide Arten des Ver- 
haltens gibt es Beispiele. — 

Nicht allein bei regulären Körpern, sondern 
auch bei denen anderer Systeme können ähn- 
liche secundäre Wirkungen erwartet werden und 
die Beobachtungen zeigen, daß sie vorkommen. 

Sie werden aber in den optisch anisophanen 
Systemen, obwohl die erzeugenden Ursachen der 
Art nach dieselben sind, wie im regulären, doch 
nicht so zur Geltung kommen, wie in dem Sy- 
steme, in dem im optischen Sinne Gleichheit nach 
allen Richtungen herrschen soll. 

Immerhin spielen sie noch eine Rolle in 
dem optisch einaxigen Systeme, treten aber 
dann mehr zurück in denen, in welchen die 
orientirende Kraft der Moleküle sich in drei 
Richtungen in verschiedener Stärke äuSert. 
Es ist dies wohl dadurch zu erklären', daß 
hier zum Theil Coincidenz der Richtungen 
stattfindet, in denen die Molekularkräfte und 
jene secundären Einflüsse wirken; in Folge des- 
sen tritt dann nur eine Verstärkung oder Schwäch- 
ung der die molekulare Anordnung bedingenden 
Kräfte auf. Daß aber auch in diesen letzteren 
Systemen , den optisch zweiaxigen, Wirkungen 
nicht fehlen , die Störungen des molekularen 
Baues zur Folge haben können , dafür liefern 
die bei Körpern jener Systeme (z. B. Topas) 
beobachteten Abnormitäten den sichersten Beweis. 



565 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 

Man bittet diese Verzeichnisse zugleich als Empfangsanzeigen ansehen 

zn wollen. 



Fortsetzung. 

DoB Pedro Calderon de La Basca. Kurze 
Uebersicbt seines Lebens und seiner Schriften von 
Jose Silvestre Bibeiro. 

Diego de Barros Arana, Leben und Beisen Fer- 
dinand von Magalhaens , aus dem Spanischen 
übersetzt von Fernando de Mag alba es Villas- 
Boas. Lissabon. 188L 

William Shakespeare , Hamlet. Tragödie in 5 Acten 
übersetzt von Bulhäo Pato. 

Von der Universität Santiago, Chile, 

1880-81 »). 

Generalabrechnung über Einnahmen u. Ausgaben der 
Bepublik Chile. Jahrg. 1879. Santiago 1880. 

Jahrbuch des Central-Instituts in Santiago. Jahrg. 5/6. 
1873-74. 

Statistisches Jahrbuch der Bepublik Chile für die Jahre 
1877—78. Theil XX. * 

Annalen der Chilenischen Universität. 

1879. Session 1. 2. (Juli ~ Decbr.) 

1880. Session 1. 2. (Jan. — Juni.) 

Die Grenzirage zwischen Chile und der Argentinischen 

Bepublik von Miguel Luis Amundtegni. Theil II. 
Das internationale Schiedsgericht in Vergangenheit, 

Gegenwart u. Zukunft. (Aus dem Franz. übers.) 
Asiatische Einwanderung. Untersuchung, ob Chile die 

Einwanderung der Chinesen von Vortheil ist , von 

Francisco Casanneva. 
Kammerverhandlungen der Bepublik Chile. 

Kammer der Deputirten 1879, ordentliche Sitzungen 1. 

außerordentliche Sitzungen 2. 

Kammer der Senatoren 1879, außerordentl. Sitzungen 2. 

1880, ordentl. Sitzungen 1. 
Hydrographisches Jahrbuch der Chilen. Marine. Jahrg. VI. 

1) Die Titel übersetzt. 



566 

Bericht Über Kriegaweaen u. Marine vorgelegt der Na- 

tional-Veraamralung v. 1880. Nebst Anhang. 
Bericht über Recht wesen, Cultua und öfEen^l. Unterricht. 
Bericht des Finanz-Ministeriums. Jahrg. 1880. 
Bericht des Ministeriums des Innern. Jahrg. 1880. 
Bericht über die auswärtigen Beziehungen v. 1880. 
Handelastatistik d. Republik Chile v. Jahre 1879. Val- 

par. 1880. 
Wemicke, die Welt-Erklärung. Philadelphia 1881. 
Plateau, M. J., üne Application des images accidentelles 

(Sep. Abdr.) 
Association fran^aise pour Tavancement des sciences 

Gongr^s de Reims 1880. Paria. 
Bou^ Ami Autobiographie. Vienne 1879. 
H. Schef fler, das Wesen der Elektricität des Galva- 

nismus u. Magnetismus. Leipzig. 1882. 
Jahresber. des Vereins für Naturwissenscb. in Brauu- 

schweig für 1880-81. 

B. Clausius, 2 Separat- Abdrücke. Physik. 

C. Oudemans, Determination a Utrecht de V Azimut 
d'Amersfoort. La Haye. 1881. AP. 

Leopoldina. XVII. No. 23-24 und Titel und Register. 

J. H. H an D, Zeitschrift für Meteorologie. XVII. Jan. 1882. 

Atti della R. Accad. dei Lincei. Vol. VI. Fase. 3. 4. 

Jahrbuch . der k. k. Geolog. Reichsanstalt. 1881. Bd. 
XXXI. No. 2. 3. 

Verhandl. der k. x. Geolog. Reichsanstalt. No. 8 — 15. 1881. 

Führer zu den Excursionen der deutsch, geolog. Ge- 
sellsch. 1877. 

G. Schenzi, Beiträge zur XenntniB der erdmagneti- 
schen Verhältnisse in den Ländern der Ungarischen 
Krone. Budapest. 1881. 4^ (Ungarisch.) 

M. Li V ins, Magyarorszäg Vas^rcz - Fekhelyei. Buda- 
pest. 1880. 4^ 

L. Oerley, Monographie der Anguilulliden. Ebd. 
1880. (Ungarn.) 

Politische Correspondenz Friedrichs des Großen. Bd. 7. 
Berlin. 1881. 

Erdälyi Muzeum. 1. SZ. IX. ^vfolyam. 

Zeitschrift der Morarenländ. Gesellschaft. Bd. 35. H. 4. 

Annales de la Sociedad Argentina. Dec. 1881. T.XU. 

Bulletin de l'Acad. des Sciences de Belgique. T. 2. 
No. 11. . 

Monthly Notices oftheR. Astronom. Society, Vol.XLH» 
No. 2. 



567 

Natnre. 637. 638. 639. 

Archiy des Yeseines für Siebenbürgische Landeskunde. 

Bd. XIV. H. 3. Bd. XV. 1-3. 
Jahresbericht des Vereins f. Siebenbürg. Landeskunde 

für 1877/78 und 1878/79. 
MittheiL des Geschichts- und Alterthums - Vereins zu 

Leisnig. H. VI. 
Atti della Societä Toscana. Proc. verb. Vol. III. 
Bulletin of the Museum of Comp. Zoölogy. Vol. VI. 

No. 12. VoL IX. No. 1-5. Cambridge. 
Oeuvres compl^tes de M. H. Abel. NouvelleEd. Chri- 

stiania. 1881. 4^. 
Jahrbuch der Fortschritte der Mathematik. 1879. 

Bd. XI. H. 3. 
L. Luciani, Sulla teoria della doppia transmissione 

del M. Panizza. Roma. 1881. 
Ungarische Revue. 1882. Hit. 1. 
Bevista Euskara. No. 42. Dec. 1881. 
Publicationen des Kön. PreuB. Geodätischen Instituts: 

1. Das Hessische Dreiecksnez. Berlin. 1882. 4^ 

2. Präcisions - Nivellement der Erde. No. 2. Berlin. 
1881. 40. 

L. Ageno e T. Beisso, Dol sistema commissurale 
centrale deir Encefalo umano. Genova. 1881, 4^ 

B. Wolf, Astronomische Mittheilungen. LIV. 

Observations made at the magnetical and meteorolo- 
gical Observatorj at Batavia. V0I.V. Part. 1. Ba- 
tavia, 1881. foL 

Februar 1882. 

Nature. 640—643. 

Proceedings of the London Mathem. Society. No. 178 

—179. 
Observations made at the magnet. and meteorol. Ob- 

servatory at Batavia Vol. IV. Vol. V. P. II. III. 

IV. V. Folio. 
Mittheil, der Gesellsch. für Natur- und Völkerkunde 

Ostasiens. Dee. 1881. 
Tromsö Museums Aarshefter IV. 1881. Tromsü. 

— — Aarsberetning for 1880. Trom80. 

Beretning om Tromsö Museums Virksomhed i Aaret 1879. 
Leopoldina XVDI. No. 1—2. 
Journal and Proceedings of the R. Society of New South 

Wales. 1880. Vol. XIV. Sidney. 



568 

14. Jahresbericht des Akad. Lesevereins zu Graz. 1881. 
Memoirs of the Geological Survey of^India. Pala- 

contologica ludica. Ser.II. 1—4. Vol.I. Ser.XL 

Parts 1-2. Vol. II. Ser.XII. Vol. HL Ser. IL XL XIL 

Vol. IIL Calcutta. 1880—81. Fol. 
Becords of the Geolog. Survey of Lidia. Vol. XIII. 

F. 3. 4. Vol. XIV. Part. 1. 
Memoirs of the Geolog. Survey of India. Vol. XVL 

P. 2. 3. 
ZeitBchrift flr Meteorologie. Bd. XVII. Febr. 1852. 
The Scientific Transactions of the B. Dublin Society. 

Vol. I. Ser. II, N. XIIL 1880. Vol. L Ser. IL No. XIV. 

1881. 
The Scientific Proceedings of the B. Dublin Society. 

Vol. IL P. 7. Vol. m. P. 1-4. 1880-1881. 
Abhandlungen der k. böhm. Gesellschaft d. Wiss. 

1879-1880. Bd. X. 4». 
Sitzungsberichte ders. 1879—80. 
Jahresbericht 1879—1880. 
F. K. Ginzel, über die Bahn des Obers'schen Go- 

meten. Harlem. 1881. 4^ 
Archives Näerlandaises. T. XVL 3—5. Livr. 1881. 
Natuurkundig Tidschrift voor Nederland. Indi&'. Deal 

XL. 1881. 
Handelingen en Mededeel. van het Maatschappij te Lei- 
den. Over het Jaar 1881. 
Levensberichten der afgestorvene Medeleden van de 

Maatschappij. ... 1881. 
Alphabet. Lijst der Leden van het Maatschappij. Nov. 

1881. Leiden. 
Observations mötäorologiques de Finlande. Vol. VII. 

Helsingfors. 
Atti della B. Accad. dei Lincei. Vol. VI. Fase. 5. 
Journal of the B. Microscop. Soc. Vol. IL P. 1. 1882. 
Annales de la Soc. Argentina. T. XIIL 1. 
Bulletin of the American Geographica! Soc. 1881. No. 2. 
Archives du Mus^e Teyler. S^rie 2'"^ Partie 2. 
E. Van der Ven, Origine et but de la f ondation 

Teyler. 
Neues Lausitzisches Magazin. Bd. 57. 

(Fortsetzung folgt.) 



Für dieBedaction verantwortlicli: Di. BechM, Director d. GÖtt. gel. Anz. 

Commissions- Verlag der DütericK sehen Yerlags-Buchhandlut^. 

Druck d0i' DietericK sehen Univ. - Buchdi-ucJcerei ( W. Fr. Kaisine}). 



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569 

Nachrichten 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg- Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



26. Juli. M n. 1882. 



UiiTersität 

Preisvertheilung. 

Die diesjährige Feier der akademischen Preis- 
vertheilang war anfänglich auf den 7. Juni an- 
gesetzt, wurde dann aber in Bücksicht auf den 
am 3. d. M. plötzUch erfolgten Tod und die am 
6. in Brenien stattfindende Beerdigung des Pro- 
fessor Pauli auf den nächstfolgenden Mittwoch, 
den 14. Juni, verschoben. Die Festrede, welche 
nach altem Herkommen dem Bericht über die 
Preisbewerbung voraus geht, hielt diesmal Pro- 
fessor Dilthey. Sie hatte die verschiedenartige 
Auffassung des antiken Eunstideals seit dem 
Mittelalter bis auf unsere Tage zum Gegen- 
stand, und verweilte besonders bei den Vor- 
läufern der italienischen Renaissance Dante, 
Petrarka, Cola di Bienzo, bei den Humanisten 
Italiens, und bei Winkelmann, und versuchte 
schlieBlichy die durch die neuen Funde ange- 
bahnte Erweiterung unseres Begriffes von den 
Grenzen und dem Geist der Antike anschaulich 
zu machen. 

Darauf wurden die Berichte der Fakultäten 
über die Preisbewerbung verlesen. Dieselben 
ergaben, daß bei der theologischen und 
juristischen Fakultät keine Preisarbeiten 

42 



S70 

eingegangen waren, daft bingegen die Aufgaben 
der mediziuiscnen und beide Aufgaben der. 
philosophischen FakMtät je einen Bearbei- 
tet geftiiid^B bäb^n . Und fistrat btttto die ii^ e d i fe i- . 
nisehf Fakaltäi die Genngthnntig, d4r ibr ein- 
gereichten Abhandlung den Pr^is zusprechen zu 
können; währenct die philosophische Fakul- 
tät die naturwissenschaftliche Arbeit des 
Preises würdig erfundet hätte. Als VerfaSSäü döf 
ersteren ergab sich: 

Wilhelm F^üerstaek, Stud. med. 
aus Göttingen, 
als Verfasser der äüdef^ : 

Alfredo Ben Sande, Stud« phiL 

aus PörtugaL 

Dagegen hatte die philoeot^hitcbe Fakultät 
den Yersueh einer Lösung der zW^ten Ar 6h äeo^ 
logisehen Frage , wie wobl iA& den votk Yer-» 
fasser aufgewendeten Fleiß uüd manche Ans&tzä 
zu einer nüti;licheil Behai^dlung des Oegtiistafi-» 
des anerkannte y nieht als gelu]lgea äinsehin 
können« 

Auf das Jahr 1888 sind folgende üeäfe Prdi^ 
aufgaben von den vier Fakult&ten gestellt wordiiu: 

Von det theölogiöchön* 

t. Wissenschaftliche Aufjgabe: 

Exponatur celeberrima Lutheri senteniia «^ 
remissio peccatorum esty ibi est vita et salus^^^ 
ita utj quae ad illam Hiustranckim Ubri $ym- 
holici conferunt^ comparentur. 
II Ais Predigttext: 

llöm, 14, 7. 8: Unser keiner lehi Qiim sd- 
her ». 6. f. 

Von der juristisoheti: 
,^8inn unU Umfang ^ekr Qle^hstellwng tm 
lata culpa und dolus im Hömischen Becht^^* 



'571 



I Di« rnddizinieche F&kultät 

' ?eriaBgt eine mit den neueren Hilfsmitteln der 
^mikroskopischen Technik ausufufuhrende Unter-r 
$udm99ff der Sehlemhaut der Blase tmd Urethra 
leider GesßhledUer, besonders mit Bücksicht auf 
deren Gehalt an Brüsen %nd auf die mit der 
Ausdehnung der Kanäle u>edi8emde Form der 
JEpithdjteUen. 

Die philosophische Fakultät 

stellt folgende swßi Apfg^ben : 

I. JEs soll durch eine sorgfältige Vergleichung 
der Sprache dee Mälavihägnimitra und d^ 
übrige» dem Kälidäsa ßugeechriebenen Werke 
gezeigt werden^ ob oder in wie weit Zweifel 
an der Jüdorsehaß des erstgenmmten Werr 
kee begrüMdel sind. 

IL Bs soll die Entwickelungsweise der Blüthe 
unserer gemeinen Mistel (Viscum aVmm) 
untersticht und unter kritischer Berück- 
^i^ihfigung ^er fDorh^^denen Literatur dar- 
gestellt werden. 

Die Bearbeitungen sind in derselben Sprache 
abzufassen, in der die Aufgaben gestellt sind. 
Sie müssen, mit einem Motto Ferseheu, und be^ 
gleitet von einem yejsißgeltßö Zettel, der außen 
^fts gleieiie Motio tr«^ und itiH«n <len NaLien 
des Verfassers enthält, bis zum 15. April 1883 
dem Dekan der bi^;$Q^I. f'akultät übergeben 
werdj^nt 

Nach diesen Mittheilungen gedachte d^r I{.^d- 
ner zsm ä^liftfi der sclimienKliebdxi V^fa]«te^ 
welche die Universität seit der letzten Pr^isver- 
theilung durdi den Tod der Professprei;i S c hx) e- 
fc^rliöi»^ Beufi^y, Pauli erlühe«, 



•^^i— ^■^^" 



42* 



572 

Blnmenbach^sches Stipendinm. 

Zafolge eines vom EÖDiglichen üniversitats- 
Caratorium ergangenen Recriptes ist der verfüg- 
bare Fonds des Blumen bach'schen Stipendiums 
auf 1980 Mk. angewachsen, so daß dasselbe wie- 
derum einem jungen, durch vorzügliche Geistes- 
gaben sich auszeichnenden, aber unbemitteltem 
Doctor medicinae als Reisestipendium zuerkannt 
werden kann. Competenten haben sich vor Ab- 
lauf eines halben Jahres an die medizinische 
Facultät zu Göttingen , welcher dieses Mal die 
Yertheilung zukommt, zu wenden, derselben 
Zeugnisse über ihr Betragen und über ihren 
Mangel an Vermögen, sowie ihre Inaugural-Dis- 
sertation und was sie sonst etwa haben drucken 
lassen, portofrei einzusenden, dabei den umfang 
und Zweck ihrer wissenschaftlichen Reise zu 
entwickeln. — Wer das Stipendium erhält, muß 
bestimmt dafür ein Jahr auf Reisen sein. 

Göttingen, 8. Juli 1882. 

Ebstein, d.z. Dekan. 



Bei der Königl. Gesellschaft der Wis- 
senschaften eingegangene Druckschriften. 



Man bittet diese Yeneichnisse zugleich alB EmpfengsaiuseijreB ansehen 

ZQ wollen. 



Fortsetzung. 

Sitzungsber. der pbysik. medicin. Societät zu Erlangen. 

H. 13. 
Monthly Notices of the B. Astronom. Soc. Vol. XLII. 

No. 3. 
Bulletin de TAcad. Imp. des Sciences de St. Petersbourg. 

T. XXVII. 4. 
Beport upon Unit. States Geographica! Surveys. Vol. VII. 

Archaeologie. Wash. 1879. 4^ 



573 

Annales of the New-Tork Academy of Sciences Vol. I. 

U. VoLII. 1-6. 
The Canadian Journal. New. Serie. Vol. I. P. 2. 
Irmischia, Jahrg. II. No. i— 2. Botan. Monatsschrift. 

Sondershausen. 
Tranaactions of the New -York Academy of Sciences. 

1881-82. 
Jahrbuch der k. k. gcolog. Reich sanstalt. Bd. XXXI. 

No. 4. 
Verhandlungen ders. 1881. No. 16—18. 

Jahrbücher des Nassau. Vereins für Naturkunde. Jahrg. 

33/34. 
P. Helmling, Neue Integrations - Wege. (Petersb. 

Acad.) XXIX. No. 2. 
Journal of the American Qeograph. Soc. Vol. XI. XII. 

New- York. 
A. Duponchel, les Taches solaires. Paris. 1882. 

Nouveau Mämoires de la Soc. Imp. des Naturalistes de 

Moscou. T. XIV. Livr. 2. 4^ 
Bulletin 1881. No. 2. 

Monatsbericht der Berliner Akad. der Wiss. Dec. 1881. 
27. Jahresbericht des germanischen Nationalmuseums. 
Anzeiger für Kunde derdeutschen Vorzeit. 1881. N. 1 — 12. 
Sitzungsber. der Münchener Akad. der Wiss. Mathem.- 

phys. Classe. 1882. Heftl. Philosoph .-histor. Glasse. 

1881. Bd. II. Heft 3. 8. 
Obseryations m^t^orolog. faites par Texp^dition de la 

V^ga du Gap. Nord a Yokohama par le d^troit de 

Behring. Beduites par H. Hildebrandsson. 1882. 

März, April 1882. 

Atti della R. Accad. dei Lincei. Vol. VI. Fase. 6. 7, 

8. 9. 10. 
Annuaire de TAcad. Roy. de Belgique. 1882. 48. ann^e. 

Bulletin de TAcad. de Belgique. No. 12. 50« annde. 

3. Serie. T. 2. No. 1. 2. 3 -61^«« annde. T. 3. 
Scientific. Proceedings of the Ohio Mechanic*s Institute. 

Vol. 1. No. 1. 
Erd^lyi Muzeum. 2 SZ. IX. ävtolyam. 1882. 

Tierteljahrsschrift der Astronom. Gesellschaft. 16. Jahrg. 

H. 4. 17. Jahrg. H. 1. 2. 
^irst Annual Report of the United States Geological 

Survey. Wash. 1880. 



574 

Oeuvres completes d' Augnstin Oanehy. ^ V^^ Serie. T. I. 

Paris 1882. 4«. 
Natura. 644-^652. 
Bulletin de la Soci^t^ Mathämatique. T. IX. No. 5. 

T. X. No. 2. 
Yerhandlingen van het Bataviaasoh Genootsehap Tan 

Eonsten eo Wetenschappen. Deel XLII. 1. ßtuck. 

Batayia. 1881. 
Notulen van de algemeene en Bestuurs-Yergaderingen 

van het BatATiaasch GeDOotsehap. D. XIX. 1881. 

No. 2. 
Tijdschrift voor indische Taal- Land- en Yolkenkupde 

Deel XXVII, 1. 2. 3. Batavia 1831. 
Annalen des physikalischen Central -Observatoriums, 
. herausg. von H. Wild. Jahrg. 1880. Theil 1, 2. 

Petersburg. 1881. 4^ 
Bulletin of the Amerioan Geographica! Society* ^68). 

No. 3. 4.-8. 
Mämoires de la Soci^tä Boyale des Sciences de Li^e. 

IL S^rie, t. 9. Bruxelles. 8. 
J. Barrande, Ac^hal^s. Etudes locales et compar^tives. 

Vol. VL 1881. 8. 
Zeitschrift für Meteorologie. Bd. XVII. März, April 1882. 

Pami^tnik Akadetnü ümiej^tnosoi '). T. Q. Erakau. 138). 

Scriptores. T. 6. 7. Er. 1881. 

Wistocki, Eatalog. Z. 7 i 8, Er, 1881. 

Eoprowy kkt. T. XIV. Er. 188 L 

Leopoldina. Bft. XVIII. No. 3-6. 

Monthly Nptioes of the ü. Astrop. Society. J^LII. No. 4. 5. 

Von der Akademie in Af^sterdam. 

VerhandeliDgen der Eon. Akaden^ie van Wetenschappen. 

Deel 21. Afd. Natuurkunde. 1881. 4^ 
Verslagen en Mededeelingen* Afd. Natuurkunde. 2e Bks. 

Deel XVL 1881. 
Vevslagen en Med«deelingea. AM. Le^terkunde. 28 Bin* 

Deel X. l^L 
Juarboek. 1880. 
Oatalogus. Tome III. Part. 2. 
Processen- V^rbaaL J5860'^8i. 
Pr ij 9 70 r 8, Tria €iannin^ latäiya* 



1) in polnischer Sprache. 



575 

Anoales de \% Sociale Scieatif. Argentina. T. XIII. 2. 
Mdmoires de la Soowte de Phjsique de Qea^ve. T. XXVII. 

»*«• Art, A^ 
Irmischia. No. 8. 4. 

JooMal de FEeole Polyi»dhniqii«« T. XXX« 
L*ünion scientifique. 10 Mars. 1882. 
M^moiree de la Societä des Seiences phys. et natur. de 

BordMwz. T. IV. 8« Cahier* 
Aimales du Mus^e Guimet« T. IL III. 4^] 
JUyh^ da raistoire des Beligioiis. T. III. No. 8. T. IT. 

No. 4. 5. 
Xronecker, QrniidsAg^ äiner arithii^tisehdii Theoti^ 

der algebraischen Größen. Berlin 1882. 4*. 
Dersblbe, 8 malbk^mfttitohe Abhandlungen« 
▼. Müller, Gensus of the genera of plant» in Australia 

1881. 
Annivei^aary Meftnoirs of the Boston Societj of Nat. 

Historf, Jahtfg. 1880. 
Astronom, and meteorolog. Observations made at the U. S. 

Naval Observatoty, düring 1876. P. 2. Wasb. 188a 
AsttonoQii and meteorolog. Observations made at the U. 8« 

NaVal Observatory, during 1876. P. 2. Appendix IQ. 

Wash. 1880. 
Bulletin of the Buffalo Society« Vdl. IV. No. 1. 
Visitori guido to SAlem. Salem« Mass. 1880. 
Bulletin of the Essez Institute. Vol. 12. 1680. 
Preoeedings of the Aiher. Academy of Artd and Sciei»- 

ces. Vol. XVI. P. 2. Boston. 1881. 
ProcoftfaeAmer. Philosoph. Soeiety. Vol. XXX. No. 108. 
Report of the GeolOgical Exploration of tbe fouttieth 

paralUL Vol. VII. 
Proceed. of the London Mathem. Society. No. 180, 181, 

182, 188« 
Bulletin de TAcad. Imp. de St. Petersbourg« T. XXVIII. 

No. 1. 
Atti della Societk Toscana. Proc. yerb. Vol» IIL 
Betistn Easkara. No. 48—45. 
Zeitsohrüt für die gesaihmten Naturwissenschafien. 

3. Folge. Bd. VI. 
Auedcan Journal of Mathematics* Vol. IV. N^. 2« 4^ 

Von der kaiserl. AkadeifLie der Wiss. 2ti St. 
Petersburg, t. XXtX. No. 1—4. 4^ 

Fr« Schmidt, Eevision des ostbaltischen, silurischen 
Tritobiten. 



576 

N. Beketoff, Becherches sur la formation et les pro- 

priät^B de Toxyde de soude anhydre. 
C. J. Maximowicz , De Gorluria, Ilice et Monocbas- 

mate. 
B. Lenz, Ueber die thierische Ausscheidung des Meer- 

Wassers. 



B. Qould, Annales de la Oficina meteorologica Ar- 
gentina. T. II. Buenos Aires. 4^ 
Memoirs of the B. Astronomical Society. Vol. XL. YL 

1880—81. A\ 
Journal of the Microscopical Society. Ser. II. Vol. 2. 

P. 2. 
Mittbeilungen der D. Gesellschaft für Ostasien. Bd. III. 

Febr. 1882. 
B. Clausius, über die Maaßsysteme zur Messung 

electr. und magnet. Größen. (Sep. Abdruck.) 
Memorie del B. Istituto Lombarde. Gl. morali e poli- 

tiche. Vol. XIV. Fase. 2. 4«. 
B. Istituto Lombarde Bendiconti. Serie 2. Vol. XIII. 
Atti della Fondazione scientifica Cagnola. Vo]. VI. P. 2. 
Verhandlungen der physik.-med. Gesellschaft zu Würz- 
burg. Bd. XVI. 
Sitzungsberichte. Jahrg. 1881. 
Bulletin astronom. et mät^orolog. de TObserv. Imp. de 

Bio de Janeiro. No. 4— -6. 1881. Fol. 
Julio A. Boca, Ezpedicion al Bio negro. I. Zootomia. 

Buenos Aires. 1881. fol. 
Boletin de la Acad. nacional de Ciencias de la re- 

public Argentina. T. III. 4. T. IV. 1. Cordoba. 
Jahresbericht über die Morgenländischen Studien im 

Jahre 1879. 
Zeitschrift der deutschen morgenländischcn Gesellschaft. 

Bd. 36. H. 1. 
Flora Batava. 258—256 Aflevering. FoL 
Lotos. Bd. II. 
L. Glaisher, On Biccatis equation and its transfor- 

mations, and on some definite integrate which satisfy 

them. 1881. 4«. 
J. D. Whitney, the climatic. changes of later geolo- 

gical times. Cambr. 1802. 

(Fortsetzung folgt.) 

Für die Redactiom yerantwortlioh : Dr. BechUl» Director d. Gott. gel. Aas. 

Commissions-Verlag der Dietmieh* sehen Yerlaga^BucMumdhmg, 

Jhttck der JHeterich'schen üntv.- Buckdruckeret (W Fr, ÄMStnerl 



677 

Nachrichtc» 

von der 

Königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg- Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



26. Jdi JVSl IS. 1882. 

Dnifersität. 

Verzeichniß der Vorlesungen 

auf der Georg- Augusts-Umyersität zu Göttingen 
währead des Winterbalbjahrs IS^Vss- 

= Di« forknmffm bi^ginnm den 16. Qdober und enden den 16. Man, =s 

Theologie. 

Alttestamen tliche Theologie: Prof. Duhm yierstün- 
dig um 4 Uhr. 

Erklftrang der GenosiB: Prof. Schulte fönfstimdig 
um 10 Uhr. 

£rklftning des Boches des Propheten Jesaia: Prof. 
Buhm fünfstündig um 10 Uhr. 

Erklänuag dar Psalmen: Prof. Bertkeau ßinfstündig 
nm 10 Uhr. 

Erklftnuig der chaldärischen Abschnitte des Bachs 
Quiiel: Pro£. Bertkeau Dienstags und Freitags um 2 Uhr. 

Erklärung der synoptischen Evangelien : Prof. Wendt 
fünfmal um 9 Uhr. 

Erklärung des Evang. u. der Briefe Johannis: Prof. 
Lünemann fänfmal um 9 Uhr. 

Erklärung des Briefs des Paulus an dieR5mer: Prof. 
Wieeinger fünfmal um 9 Uhr. 

Erklärung der Pastoralbriefe zur EinfShrung in die 
praktische Theologie : Prof. Knoke dreistündig um 4 Uhr. 

Kirehengeschichte Tkeil I: Prof. Wagenmann fünf- 
sfc&ndig um 8 Uhr. 

Kii^faengesohichte des Mittelalters: Prof. Reuiber 
f&nfmal um 8 Uhr u. Sonnabends um 9 Uhr. 

43 



578 

Eircbengeschichte des neunzehnten Jahrhunderts: 
Prof. Wagenmann dreistündig um 5 ühr. 

Christliche Dogmengeschichte: Prof. Reuter fSnftnal 
um 11 ühr, Sonnabends um 8 ühr. 

Comparative Symbolik : Prof. Ritschi f&nfstündig um 
11 Uhr. 

Dogmatik Tb. I: Prof. i^^^cA/ fünfstfindig um 12 Uhr. 

Dogmatik Tb. II : Prof. Schultz fünfstündig um 12 Uhr. 

Praktische Theologie : Prof. Wiesinger vier- bis fün^ 
mal um 3 ühr. 

Allgemeine Pädagogik: Prof. Knohe vierstündig um 
3 ühr. 

Kirchen recht u. Geschichte der Kirchenverfassung s. 
unter Bechtswissenschafb S. 579. 



Die alttestamentlichen Uebungen der wissenschaft- 
lichen Abtheilung des theologischen Seminars leitet 
Prof. Bertheau Freitags um 6 ühr; die neutestament- 
lichenProf. FFimn^^r Dienstags um 6 ühr; die kirchen- 
und dogmenhistorischen Prof. Wagenmann Freitags um 
6 ühr; die dogmatischen Prof. Schultz Donnerstags um 
6 ühr. 

Die Uebungen des k6nigl. homiletischen Seminars 
leiten Prof. Wiesinger und Prof. Schultz abwechsehid 
Sonnabend von 9 — 11 ühr öffentlich. 

Katechetische Uebungen: Prof. Knoke Mittwochs 
und Sonnabends von 3-4 Uhr, öffentlich. 

Liturgische Uebungen: Derselbe Sonnabends 9—10 
und 11—12 Uhr, öffentlich. 

Kircheugeschichtliche Uebungen leitet Montags um 
5 ühr Prof. Reuter; eine exegetische Societät Prof. 
Wendt Mittwochs um 6 ühr. 

Rechtswissenschaft. 

Institutionen: Prof. Martmann^ viermal wöchentlich 
von 11-12 Uhr. 

Römische Rechtsgeschichte : Prof. Hartmann, viermal 
wöchentlich von 10—11 ühr. 

Römischer Civilprocess: Prof. Hartmann, Montag und 
Donnerstag von 4 — 5 Uhr. 

Pandekten, allgemeiner Theil und Pfandrecht: Prof. 
Leonhardf täglich ausser Sonnabends von 9—10 Uhr. 
Römisches Sachenrecht: Prof. v. Jhering viermal wö- 
chentlich von 11—12 ühr. 



579 

Bömisches Obligationenrecht : Prof. v. Jhsring fünf- 
mal von 12—1 Uhr und Mittwoch von 11—12 ühr. 

Familienrecht: Prof. Leonhard, Mittwoch von 9— 
10 ühr Öffentlich. 

Römisches Erbrecht: Prof. Wolf, fünf Stunden von 
3-4 Uhr. 

Pandektenpraktikum : Prof. Leonhard Montags von 
5—7 und Donnerstag von 6—7 Uhr. 

Pandekten — Exegeticum : Prof. Leonhard Freitag 
Yon 4-6 Uhr. 

Junstische Methodologie und Anleitung zur Anfer- 
iigang wissenschaftlicher Arbeiten aus dem Pandekten- 
recht: Prof. Leotihard nach mündlicher Verabredung 
priyatissime und unentgeltlich Dienstag 6 — 7 Uhr. 

Deutsche Rechtsgeschichte: Prof. Dove, fünfmal wö- 
chentlich von 9—10 Uhr. 

Deutsche Yerfassungsgeschichte bis zum 13. Jahr- 
hundert: Dr. Sichel Dienstag, Donnerstag und Freitag 
von 5—6 Uhr. 

Deutsches Privatrecht (mit Lehnrecht J: Prof. Frens- 
dor# fanfmal wöchentlich von 11—12 Unr. 

Das Urheberrecht : Dr. Äicä«/ Sonnab. von 11— 1 Uhr. 

Handelsrecht mit Wechselrecht und Seerecht: Prof. 
Thöl viermal wöchentlich von 9—10 Uhr. 

Wechseirecht : Dr. Sichel Mittwoch von 11 — 1 Uhr. 

Hannoversches Privatrecht : Prof. Zieharth viermal von 
&-9 Uhr. 



Deutsches Reichs- und Landes -Staatsrecht: Prof. 
l^ejer fünfmal wöchentlich von 10 — 11 Uhr. 

Verwaltungsrecht der deutschen Staaten: Prof. Frens- 
dorff Montag , Dienstag u. Donnerstag von 12 — 1 Uhr. 

Völkerrecht: Prof. v. Bar Mittwoch und Sonnabend 
TOD 12—1 Uhr. 



Strafrecht: Prof. John fünfmal wöchentlich von 
10-11 Uhr. 

Eirchenrecht einschliesslich * des Eherechts : Prof. 
Bove sechsmal von 8—9 Uhr. 



Civilprocess: Prof. e. Bar fünfmal wöchentlich von 
11-12 Uhr. 

Strafprocess : Prof. Zieharth viermal wöchentlich von 
10-11 Uhr. 

43* 



580 

Civilprocesspruktikam : Prof. John Dielitti yoii4*-6 Uhr. 
Strafrechtliche üebiwgeii: Prof. t. Bni- MtttwG«li 
von 4—6 übr. 

Medicin. 

Zoologie, yergleichende Anatomie^ Botanik, Ohemie, 
siBhe nüTOr Naturwissenschaften. 



I 



Khockeh- und B&iidefiiöhlrd: ^6f. Sitfäe Mönta^i:, 
Mittwoch, Sonnabend von 11 — 12 übr. 

Osteolögie hebst Mechanik der Qelehkd trä^ ^rof« 
&ä»:8€ Moiitag, MiHwocb, 3ohnä.bend von 1 1— I2übr yi^r. 

Systematische Anatomie I. Theil: Prof. Henie tägücb 
von 12—1 übt. 

Topographische Anatomie: Prof. HenU DieBflfcag, 
Donnerstag, Freitag von 2-3 Uhr. 

Präparirübungen : Prof. SenU in Verbindung mit 
Proseotor Dr. r. j&r«n» täglich von 9—4 Ühr. 

Allgemein^ Histologie trägt Prof. Kramte Montag 
um 2 übr oder zu anderer passender Stunde öffentlich vor. 

Mikroskopische Üebungen hält Dr. v, J^unn für An- 
fönger (allgemeine Anatomie) Dienstag, Mittwocdi^ Frei- 
tag um 11 tJhr und Mittwoch um 5 Uhr, fßr Geübtere 
l(specielle mikroskopische Anatomie) Donnerstag und 
Freita|g von B—"^ Uhr, Sonnabend von 2—4 übR 

kikroskopisobe Curse in der normalen HisteUgie 
hält Prof. Krause viermal wöchentlich um 2 Uhr. 

Allgemeine und besondere Physiologie mit Erläute- 
tnflgen dur^ Ex|leFimente und mikroskopisebe Deteon- 
strationen: Ptof. Herbst in «ecbs Stunden w^hentli6h 
um 10 ühr. 

Experimentalphysiologie IL Tbeil (Pbyooiolpie #ei 
Nervensystems und der Sinnesorgan^: Prof. äeiätner 
täglich von 10—11 Uhr. 

Organische Chemie für Mediciner s. S. 586. 

Ein ptiifsioii'0|gisdb-'«h(dmisc%^ Prttctitoum Ün '(irhj^ioL 
Institut leitet Dr. Flügge in 2 Abtheilungen fÄt Anfänge* 
und Geübtere sechsstündig in zu verabredenden Spenden. 

Arbeiten im pliysiologischen Institute leitet Prot 
Meissner täglich in passenden Stunden. 

Allgemeine Aetiologie trUgt Pro^. Orth Freitag vra 
6—7 Uhr öffentlich vor. 

Ueb^r aUg^rmeine Patfaoiyygve träj^t Prof. Üt^ Diens- 
tag bis Freitag von 12—1 Uhr vor. 



581 

DemoDstratiren Cnrsus der pathologisch en Anatomie 
hiit Prof. Orih priTatissime Mittwoch u. Sonnabend 
von 2-4 Uhr. 

Phynkaliscke Diagnostik mit pztaktisehen Üebnngen 
lehrt Prof. Eichhorst Montag, Mittwoch, Donnerstag von 
S-^6 Uhr. Dasselbe trägt Dr. Wies^ Tiermal wöchent- 
liok in später näher su bezeichnenden Stunden Tor. 

Laryngoskopische üebnngen hält Prof. Bichhorat 
Sonnabend von 12^1 Uhr. 

üeber Untersuchung des Harns trä^t Prof. JEiehhorst 
Mittwoch von 6—7 Uhr vor. 

Anleitung in der Untersuchung von Nervenkranken 
pit besonderer Berücksichtigung der filektrotherapie : 
Prof. Ebstein in Verbindung mit Dr. Damseh zweimal 
wöchentlich in zu verabredenden Stunden. 

Arzneimittellehre und Receptirkunde verbunden mit 
Experimenten und Demonstrationen lehrt Prof. Marm4 
dreimal wOchentl. Ment., Dienst., Donnerst, von 6—7 Uhr. 

Die gesammte Arzneimittellehre trägt Prof. Husemann 
Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag von 3— 4 Uhr vor. 

Ausgewählte Capitel aas der Toxikologie erläutert Prof. 
M^mnd exsperimentell Freitag von 6-7 Uhr öffentlich. 

Pharmakologische und toxikologische Untersuchungen 
im phavmakologisohen Institut leitet Prof. Marm4 tag- 
^eh in fassenden Stunden. 

Bin pharmakologisches Practieum, Üebnngen imRe- 
ceptiren und Dispensiren, hält Prof. Marmi Mittwoch 
Ton 6^7 ühi. 

Phannakologische und toxikologische Uebungen leitet 
Prof. Husemann in passenden Stunden. 

Pharmakognosie lehrt Prof. Marmi viermal wöchent- 
lich von 8-^9 Uht. 

Pharmakognostisch-' mikroskopische Uebungen hält 
Prof. Marmd Sonnabend von 8-- 12 Uhr. 

Pharmaoie lehrt Prof. Botdsker in fünf Stunden um 
9 Uhr. Dasselbe lehrt l^of. vön Usiar viermal wöchent- 
Uek um 8 Uhr. 

Mine Yerglei^hung der neuen Auflage der deutscheH 
Pkavmakppoe mit der ersten Ausgabe giebt Prof. Hme^ 
mann Dienstag um 8 Uhr öffentlich. 

Specielle Pathologie u. Therapie 2. Hälfte: Prof . £&- 
«^6tn Montag, Dienstag, Donnerstag, Freita*gvon4— 5Uhr. 

Ueber Einderkrankheiten 2. Theil liest Prof. JEieh- 
horst Dienstag und Freitag von 6 — 7 Uhr. 



582 

Die mediciniscbe Klinik und Poliklinik leitet Prof. 
Ebstein fünfmal wöchentlich yon 10V| — 12 ühr, Sonn- 
abend von 9Vj— 10^4 Uhr. 

Poliklinische Beferatstnnde hält Prof. Eiehhorst in 
gewohnter Weise. 

Specielle Chirurgie lehrt Prof. König viermal wöchent- 
lich in noch zu verabredenden Standen; Dasselbe Prof« 
Lohmeyer fünfmal wöchentlich von 8-9 ühr. 

Einen chirurgisch -diagnostischen Cnrstis hält Prof. 
Roaenhaeh zweimal wöchentlich. 

Die Lehrevon den chirurgischen Operationen trägt Prof. 
Eösenbach viermal wöchentl. in passenden Stunden vor. 

Die chirurgische Klinik leitet Prof. König von 9Vt 
—lO^i ühr t^lich ausser Sonnabend. 

Chirurgische Poliklinik wird Sonnabend von 10% 
—12 Uhr von Prof. König und Prof. Rosenbcteh gemein- 
schaftlich gehalten. 

Klinik der Augenkrankheiten hält Prof. Leber Mon- 
tag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 12 — 1 ühr. 

Augenoperationscursus hält Prof. Leber Dienstag u. 
Freitag von 3—4 Uhr. 

Augenspiegelcursus hält Dr. DeuUchmann Mittwoch 
und Sonnabend von 12—1 ühr. 

üeber die Krankheiten des Gehörorgans mit Ein- 
schluss der Anatomie des Ohrs und mit Uebungen an 
Gesunden und Kranken trägt Dr. Bürkner Dienstag 
und Freitag von 2—3 ühr vor. 

üeber die häufigsten Ursachen der Schwerhörigkeit 
trägt Dr. Bürkner einmal wöchentlich in zu bestim- 
mender Stunde öffentlich vor. 

Poliklinik für Ohrenkranke hält Dr. Bürkner (für Geüb- 
tere) an zwei noch zu bestimmenden Tagen von 12 — 1 Uhr. 

Geburtskunde trägt Prof. Schwartz Montag, Dienstag, 
Donnerstag, Freitag um 3 Uhr vor. 

Geburtshülflichen Operationscursus am Phantom hält 
Dr. Hartwig Mittwoch und Sonnabend um 8 ühr. 

Gynaekologische Klinik leitet Prof. Schwartz Mon- 
tag, Dienstag, Donnnerstag und Freitag um 8 ühr. 

Psychiatrische Klinik in Verbindung mit systemati- 
schen Vorträgen über Pathologie und Therapie der .Gei- 
steskrankheiten hält Prof. Meyer Montag u. Donners- 
tag von 4 — 6 Uhr. 



Gerichtliche Medicin trägt Prof. Krause Dienstag 
und Freitag von 3—4 ühr vor. 



583 

Forensische Psychiatrie mit Erl&nterung an Gei- 
steskranken lehrt Prof. Meyer in wöchentlich zwei zu 
yerabredenden Standen. 

Ueber öffentliche Gesundheitspflege trägt Prof. Meiss- 
ner Dienstag, Mittwoch, Freitag von 5 — 6 ühr vor. 

Die hygienischen üntersuchungsraethoden (Untersu- 
chung von Luft, Boden, Wasser etc.) lehrt Dr. Flügge 
Montag, Mittwoch, Freitag von 12 — 1 Uhr. 

Anatomie, Physiologie und den I. Theil der speciellen 
Pathologie der Hausthiere lehrt Prof. Eaaer fünf Mal 
wöchentlich von 9—10 Uhr. 

Klinische Demonstrationen im Thierhospitale hält 
Prof. Eeser in zu verabredenden Stunden. 

Philosophie. 

Allgemeine Geschichte der Philosophie bis Kant 
(incl.): Prof. Peipers, 5 Stunden, 4 Uhr. — Geschichte 
der neueren Philosophie mit Einleitung über Patristik 
und Scholastik: Prof. Baumann, Mont., Dienst., Don- 
nerst., Freit., 5 Uhr. 

Logik: Prof. Baumann, Mont., Dienst., Donn., Freit. 
8 Uhr. 

Logik und Encyclopädie der Philosophie: Prof. Reh- 
nisch, vier Stunden, 12 Uhr. 

Psychologie: Prof. O, E, Müller, Mont., Dienst., 
Donnerst., Freit. 10 Uhr. 

Erkenntnisstheorie: Prof. O. E, Müller, Mittw. u. 
Sonnab. 10 Uhr. 

In der philos. Societät Erklärung von Locke's Some 
thoughts concerning eduoation: Prof. Peipers, Sonnab. 
11 Uhr, öffentlich. . 

Die Uebungen des E. pädagogischen Seminars leitet 
Prof. Sauppe, Mont. und Donnerst., 11 Uhr, Öffentlich. 

Mathematik und Astronomie. 

Theorie der reellen und der imaginairen Zahlen: Prof. 
E. Sehering, Dienst., Mittw., Donnerst., Sonnab. 8 Uhr. 

Algebraische Analysis, mit einer Einleitung über die 
Orundbegriffe der Arithmetik : Prof. Stern , fünf Stun- 
den, 11 Uhr. 

Ausgewählte Kapitel aus der höhern Algebra: Dr. 
von Mangoldt, Montag und Donnerstag 3 Uhr. 

Synthetische Geometrie : Dr. Hurwitz, 4 Stunden, 4 Uhr. 



534 

üebuDgmi BQr sjnthetischen Geometrie : Dr. ^mrwiiz, 
in einer noeh so befftimmenden Stande, priTaüamme 
und unentgeltlich. 

üeber Minimalflftclien: Prof. SckwatM, Montag and 
Donnerstag, 4 Uhr, öffentlich. 

Theorie der bestimmten Integrale: Prof. Stern, 4 
Standen, 10 Uhr. 

Differential- a. Integralrechnang nebst kurzer Ein- 
leitung in die analytische Geometrie der Ebene: Prof. 
JBnneper, Mont. bis Freit., 10 Uhr. 

Ueber die Integration der gewöhnlichen Differen- 
tialgleichungen : Prof. Sekwart, Mont. bis Freit., 1 1 Uhr. 

Anwendungen der elliptischen Functionen: Prof. 
Schwarz^ Mont. bis Freit., 9 Uhr. 

Einleitung in die Theorie der analytischen Func- 
tionen: Prof. E, Sehering y Dienst., Mittw., Donnerst., 
Sonnab., 9 Uhr. 

Analytische Mechanik: Dr. von Mangoldt, Mont«, 
Dienst., Mittw., Donnerst., 12 Uhr. 

Sphärische Astronomie: Prof. Klinkerfmea, Mont., 
Dienst., Mittw., Donnerst., 12 Uhr. 

Mathematische Theorie des Lichtes: Dr. JT. Sekermff, 
Dienst, u. Donnerst. 12 Uhr. 

In dem mathematisch-physikalischen Seminar leiten 
mathematische Uebungen Prof. Sterne Mittwoch 10 Uhr; 
Vtoi.E, Schering, Sonnab. 10 Uhr; Prof . /^cAfMrs, Freit., 
12 Uhr; giebt Anleitung zur Anstellung astronomischer 
Beobachtungen Prof. KUnkerfues, in einer passenden 
Stunde. Vgl. Naturwissenschaften S. 585 f. 

Eine mathematische Societät leitet in geeigneter 
Stunde Prof. E, Schering. 

Mathematische Golloquien*wird Prof. Schwan pri* 
vatissime, unentgeltlich, einmal zweiwöchentiich leiten. 

Naturwissenschaften . 

Specielle Zoologie Th. II: Prof. Ehlers, Montag bis 
Freitag, 9 Uhr. 

Anthropologie: Prof. Ehlers, Mont., Dienst, Mittw., 
6 Uhr. 

Naturgeeohichte der Mollusken: Dr. Brock ^ Mont. 
und Donnerst, 4 Uhr. 

Vergleichende Anatomie der Sinnesorgane: l^x,Bre(ky 
Mittw., 4 Uhr, unentgeltlich. 

Zootomischer Kurs : Prof. Ehlers, Dienst, und Mittw. 
10-- 12 Uhr. 



585 

Zoologische üebnngen wird Prof. Ehlers täglich mit 
Augnahme dos Sonnabend von 10— l Uhr. anrtellen. 
Zoologische Sooietät: Prof. Ehlers^ Offentl. 

Anatomie und Physiologie der Pflanzen : Prof. Reinke^ 
Moni, Dienst., Donnerst., Freit., 12 Uhr. 

üeber die Thallophyten und Archegoniaten : Prof, 
(iraf zu Solms, Dienst., Donnerst., Freit., 4 Uhr, 

Familien und Gattungen ape taler Pflanzen : Dr. Fal-* 
keriberg, Dienst, u. Freit., 3 Uhr. 

Vergleichende Entwicklungsgeschichte : Dr. Bertholdy 
Dienst, und Freitag, 5 Uhr. 

üeber technisch und medicinisch wichtige Pflanzen : 
Prof. Graf zu Soltna^ Mittw., 4 Uhr. 

Mikroskopisch - botanischer Kursus: Prof. Reinke, 
Sonnabend von 9—1 Uhr. 

Mikroskopisch-pbarmaceutischer Kursus: ^xoi. Reinkey 
zwei Stunden. 

Tägliche Arbeiten im pflanzen physiologischen Insti* 
tot: Prof. Reinke, 

Tägliche Arbeiten im Laboratorium des botanischen 
Gartens, wesentlich für Vorgeschrittene, leitet ProL 
Graf zu Solms. 

Botanische Excursionen, im Anschluss an die Vor- 
lesung über Thallophyten und Archegoniaten: Prof, 
Graf zu Solms, 

Mineralogie: Prof.JT/««, Montag bis Freitag, 11 Uhr. 

Geologie: Prof. von Koenen, fönf Stunden, 8 Uhr. 

Ueber einzelne Klassen von Versteinerungen: Prof. 
von Koenen, eine Stunde, Öffentlich. 

Mineralogische Uebungen: Prof. Klein ^ Sonnabend 
10-12 JJhr, öffentlich. 

Krystallographische Uebungen: Prof. Klein ^ priva- 
tissime, aber unentgeltlich, in zu bestimmenden Stunden. 

Uebungen im Bestimmen: Prof. von Koenen, zwei 
Standen, öffentlich. 

Paläontologische Uebungen : Prof. von Koenen, täglich. 

Experimentalphysik, zweiter Theil: Magnetismus, 
Elektrioität und Wärme : Prof. Rieche, Mont., Dienstag, 
Donnerstag, Freitag, 5 Uhr. 

Uaber Auge und Mikroskop: Prof. Listing , Montag 
6 Uhr und Freitag 4 Uhr. 

Die Uebungen im physikalischen Laboratorium leitet 
Prof. Rie4ike, in Gemeinschaft mit Dr. Schering und Dr. 



586 

Meyer (erste Abtheilung: Dienst., Donnerst., Freit. 2 — 4 
Uhr u. Sonnab. 9—1 Uhr; zweite Abtheilung: Dienst, 
und Freitag, 2—4 Uhr, Sonnabend 11—1 Uhr). 

Physikalisches Colloquium : Prof. Listing ^ Sonnabend 
11—1 Uhr. 

In dem mathematisch-physikalischen Seminar leitet 
physikalische Uebungen Prof. Ziff^'fi^, Mittwoch um 12 Uhr. 
Ausgewählte Kapitel der mathematischen u. Experimen- 
talphysik : Prof. Rieche, Vgl. Mathematik u, Astronomie 
S. 584. 



Allgemeine Chemie (s. g. unorganische Chemie) : Prof. 
Hübner, sechs Stunden, 9 Uhr. 

Grundlehren der Chemie: Dr. Buehka, 2 St., 12 Uhr. 

Chemie der ßenzolverbindungen: Prof. Hühner, Freit. 
12 Uhr. 

Organische Chemie: Prof. Poet, 3 Stunden, 12 Uhr. 

Organische Chemie für Mediciner: Prof. t?. Uelar, 
4 Stunden, 9 Uhr. 

Organische Chemie für Mediciner: Dr. Polstorff 
Dienst., Mittw., Donnerst, 9 Uhr. 

Organische Chemie für Mediciner: 'Dt, Flügge, Mont. 
und Donnerst. 4 Uhr. 

Chemisches Practicum für Mediciner, in zwei Ab- 
theilungen , für Anfönger und Geübtere: Dr. Flügge, 
sechs zu verabredende Stunden. 

Pharmaceutische Chemie (organischer Theil) : Dr. 
Pohtorff^ Mont., Dienst., Donnerst., Freit., 4 Uhr. 

Gerichtlich chemische Analyse: Dr. Polstorff, Freit, 
u. Sonnabend, 8 Uhr. 

Technische Chemie für Landwirthe: Prof. Teilens, 
Mont., Dienst., Mittw., 10 Uhr. 

Ueber die Gruppe der Kohlenhydrate : VxoV Tollem, 
Dienst., 9 Uhr, öffentlich. 

Chemische Technologie, II. Theil, in Verbindung 
mit Ezcursionen: Prof. Post, eine Stunde, 12 Uhr. 

Die Vorlesungen überPharmacie s. unter JfecJt^tnS. 581. 

Die praktisch-chemischen Uebungen und wissenschaft- 
lichen Arbeiten im akadem. Laboratorium leiten die Pro- 
fess. WuJüer u. Hühner, in Gemeinschaft mit den Assisten- 
ten Prof. Post, Dr. Polstorff, Dr. Buchka u. Dr. Wiesinger, 

Prof. Boedeker leitet die praktisch-chemischen Uebun- 
gen im physiologisch-chemischen Laboratorium täglich 
(mit Ausschluss des Sonnab.) 8 — 12 und 2—4 Uhr. 

Prof. Tollcns leitet die Uebungen im agriculturche- 



587 

mischen Laboratorium in Gemeinschaft mit Dr. Hölzer^ 
Mont. bis Freit, von 8-12 nnd von 2-4 Uhr. 

Historische Wissenschaften. 

Diplomatik, verbanden mit üebungen in der Kritik 
von Eaiserurknnden: Prof. Steindorff^ 4 Stunden, Montag 
und Donnerstag, 11 — 1 Uhr. 

Quellenkunde der europäischen Geschichte bis 1250: 
Prof. Weiland f Mont., Dienst., Donnerst., 10 Uhr. 

Historische Propädeutik : Dr. Bernheim , Dienst, u. 
Freit. 12 Uhr. 

Griechische Geschichte bis zum Anfange des pelo- 
ponneaischen Krieges : Prof. Volquardsen, Mont., Dienst., 
Donnerst., Freit., 8 Uhr. 

Römische Verfassungsgeschichte: Dr. Oiibert, Dienst. 
und Freit., 4 Uhr, unentgeltlich. 

Einleitung in die Geschichte des Mittelalters: X^of. 
Steindorff, Mittw., 12 Uhr, öffentlich. 

Neueste Geschichte seit 1815; mit besonderer Be- 
rücksichtigung der Verfassungsgeschichte : Dr. Bernhetm^ 
vier Stunden, 5 Uhr. 

Deutsche Geschichte bis zur Auflösung des alten 
Reiches : Prof. Weiland^ Mont., Dienst., Donn., Freit., 9 Uhr. 

Geschichte Italiens im Mittelalter: Assessor Dr. Wü" 
stenfeld, Mont., Dienst., Donn., Freit., 11 Uhr unentgeltlich. 

Historische Üebungen leitet Prof. Volquardsen, Dienst., 
6 Uhr, öffentlich. 

Historische Üebungen : Prof. Weiland, Freit., 6 Uhr, 
öffentlich. 

Historische Üebungen: Dr.Bemheinif Donnerst., 6 Uhr, 
unentgeltlich. 

Kirohengeschichte : s. unter Theologie S. 577. 

Deutsche Verfassungsgeschichte und Deutsche Rechts- 
geschicbte vgl. unter Rechtswissenschaft S. 579. 

Erd- und Völkerkunde. 

Geographie von Amerika, mit besonderer Berück- 
sichtigung der Endeckungsgeschichte: Prof. Wagner, 
Mont. Dienst. Donnerst. Freitag, 11 Uhr. 

Geographie von Afrika: Dr. Krümmel, zwei Stunden. 

Ueber England und seine Oolonien: Prof. Wagner, 
Miitw., 6 Uhr, öffentlich. 

Kartographische Üebungen für AnfUnger (Theorie 
und Praxis der üblichsten Kartenprojectionen ; Elemente 



588 

desEartenaeiobnene): Prof. Wagner, Mittwoch 9—12 Uhr, 
privatissime. 

Staats wissen Schaft 

Deataohe Verfimnngsgeschichte : Tgl. Bechtswissen- 
sohaft 8. 579 und Bist. Wiss. 8. 587. 

Allgemeine Volkswirthsofaaftslehre (Nationalökono- 
mie): Dr. Sartori'tsvon WalUnhatuen, yier Standen 8 Uhr. 

Yolkswirthschaftspölitik (praktische Nationalökono- 
mie): Prof. Hanssen, vier Stunden, 4 ühr. 

Pinanzwissenschaft : Dr. JEggert, vier Stunden, Dienst, 
u. Freit., 5—7 Uhr. 

Die volkswirthBchaftlichen Zustande der verein i^^te» 
Staaten von Amerika, II. Theil: Dr. Sartoriua von Wal- 
ter 8hau8en,l&\ttw. 3 Uhr, unentgeltlich. 

Volkswirthscbaftliche Uebungen : Prof. Soetbeer, pii- 
vatissime, aber unentgeltlich, in später zu bestimmen- 
den Stunden. 

Landwirthschaft. 

Einleitung in das landwirthschaftliche Studium: Prof. 
Drechsler 1 Stunde, öflFentlich. 

Allgemeine Ackerbaulehre: Dr. Fesea, 2 St., 11 Uhr. 

Die Ackerbausysteme (Felderwirthschaft , Peldgraa- 
wirthschaft, Pruchtwechselwirthschaft u. s. w.): Prof. 
Oriepenkerl, in zwei Stunden. 

Die allgemeine und specielle landwirthschaftliche 
Thierproductiönslehre (Lehre von den Nutzungen, der 
Züchtung, Ernä,hrung und Pflege des Pferdes, Rindes, 
Schafes und Schweines): Prof. Griepenkerl, Mont., Dienst., 
Donnerst., Freit., 5 Uhr. 

Die landwirthschaftliche Rassenkunde: Prof. Orte- 
penkerl, 2 St., öffentlich. 

Im Anschluss an diese Vorlesungen werden Excur- 
sionen nach benachbarten Landgütern und Fabriken 
veranstaltet werden. 

Landwirthschaftliche Betriebslehre: Prof. Dreeheler, 
vier Stunden, 12 ühr. 

Die Lehre vom Futter: Prof. Henneberg , Mont.» 
Dienet., Mittw., 11 Uhr. 

Landwirthschaftliches Praktikum: Prof. Drechsler 
und Dr. JSdler (Uebungen im landw. LaboratoriunBi 
Freit, und Sonnab. 9—1 Uhr; Uebungen in landw. Be- 
reohaungen, Dienst, und Donnerst. 6 Uhr). 



589 

Excursionen und Dettionstrationen : Prof. Drech$ler, 
Mittwoch Nachmittage 

Techn. Chemie u. praktisch-chemische üehuzigeD f. 
Landwirthe ygl. Natunow&nschaften S. 586. 

Anatomie, Physiologie u. Pathologie der Haosthiere 
tgl. Mediein S. 583. 

Literär- und Kunst-Geschichte. 

Allgemeine Geschichte der Poesie: Prof. Chedeke, 
Ment 4 Uhr, {öffentlich. 

Alte Kunstgeschichte: Dr. Mtlehhöfer^ vier Standen« 

Geschichte der Poesie und Künste im Zeitalter 
Alexander d. Gr. und seiner Nachfolger: Prof. DUthet/, 
vier Stunden, 12 Uhr. 

Geschichte der deutschen Nationalliteratur bis cum 
Anfang des 16. Jahrhunderts: Prof. Wüh, MUiler^ vier 
Stunden, 3 tJhr. 

Geschichte der französischen Literatur im Mittelalter : 
Prof. VellmöUer, Mont. Dien«t. Donn. Freit. 12 Uhr. 

Geschichte der Hochrenaissance in Italien: Prof* 
Schmarsow, Mont. und Donnerst. 5 Uhr. 

Üeber Michelangelo: Prof. Schmars&w, Mittw. 12 Uh^^ 
Öffentlich. 

Kunsthistorische Oebungen: Prof. Sehmartow^ 2 Stun- 
den, priratissime. 

Alterthumskunde. 

Symbalik und Mythologie der Griechen, erlAntert 
durch Bildwerke: Prof. Wieseler, vier oder fünf Stun- 
den^ 4 Uhr. 

Topographie und Denkmäler von Athen: Dr. Milch- 
h^ftft, 2 Stunden. 

Im k. archäologischen Seminar tdrd Prof. Wieieler 
a^eVählte Kunstwerke erklären lassen, Sonnabend 
18 Uhr, öffen-Wich. - Die schriftlichefn Arbeiten der 
Mitglieder Wird er f)tivatiö8ime beurtheilen. 

ArcliäolögistebeÜebungen: Xit.MüchhöfBr, eingestünde, 
unentgeltlich. 

üeber diie deutsche Heldensage: Dr. Tittmann, Mont. 
5 Uhr. 

V«rgJeichende Sprachlehre. 

I^erglefcfhende Lautlehre der indogermanischen 'Spra- 
chen: Prof. Fickf zwei Stunden, öffentlich. 

T'erglekhende Grammatik der griechischen Sprache: 
1^ht Pä*, vier Stunden. 



590 
Orientalische Sprachen. 

Die Vorlesungen über das A. Testament siehe unter 
Theologie S. 577. 

Des Judas Levita hebräische G-edichte le^ Prof. 
de Lagarde zur Erklärung vor, Montag u. Donnerstag, 
11 Uhr, öffentlich. 

Arabische Grammatik: Prof. Wüstenfeld, privatissime. 

Arabisch lehrt nach Wright-Müller Prof. de Itagarde 
viermal, 10 Uhr. 

Anfiingsgründe der assyrischen Sprache und Erklä- 
rung der Prisma-Inschrift Sanheribs (I R. 37 — 42): Dr. 
Haupt, Montag und Donnerst., 6 Uhr, unentgeltlich. 

Erklärung der Nebukadnezarinschriften oder der 
»Texts in the Babjlonian Wedge-writing« von Theo. G. 
Pinches (London 1882): Dr. Haupt, Mont. u. Donn., 5 Uhr. 

Assyriologische Uebungen : Dr. Haupt, Freit. 5 Uhr, 
privatissime, aber unentgeltlich. 

Süd -und Nordägyptische Texte zu erklären und 
erklären zu lassen föhrt Prof. de Lagarde fort, Dienstag 
und Freitag, 11 Uhr, öffentlich. 

Grammatik der Sanskrit-Sprache für Anßlnger: Prof. 
Kielhorn, 3 Stunden. 

Erklärung von Kälidäsa's MeghadQta und Gramma- 
tische Uebungen: Prof. Kielhorn ^ 3 Stunden, öffentlich. 

Erklärung des Dasakumäracharita : Prof. Kielhorn, 
3 Stunden. 

Geschichte der indischen Grammatik und Erklärung 
des Pänini: Prof. Kielhorn, privatissime, unentgeltlich. 

Griechische und lateinische Sprache. 

Hermeneutik und Kritik : Prof. Sauppe, Mont. Dienst. 
Donn. Freit., 9 Uhr. 

Vergleichende Grammatik der griech. Spr. vgl. S. 597. 

Griechische Dialekte: Dr. Bechtel, privatissime, un- 
entgeltlich, in einer grammatischen Societät. 

Interpretation des Thukydides: Dr. Bruns, zweimal 
wöchentlich, unentgeltlich. 

Geschichte der griechischen Poesie in alexandrinischer 
Zeit: vgl. Literär- und Kunstgeschichte S. 589. 

Horatius ausgewählte Gedichte (Satiren, Garmina, 
Briefe): Prof. Sauppe, Mont., Dienst., Donn., Freit., 4 Uhr. 

Ciceros Briefe: Prof. Volquardsen, Mittw. 8 Uhr, 
öffentlich. 

Im K. philologischen Seminar leiten die schriftlichen 
Arbeiten und Disputationen Prof. Sauppe und Prof. 



591 

DiHhey , Mittw. 11 ühr; lässt Aeschylos Prometheus 
erklären Prof. Dilthey, Mont. u. Donnerst. , 11 ühr; 
lässt Lnoretius B. 5 erklären Prof. Sauppe, Dienst, u. 
Freit., 11 ühr, alles öffentlich. 

Im philologischen Proseminar leitet die schriftlichen 
Arbeiten und Disputationen Dr. Bruns, und lässt Der- 
selbe OWdius Epistulae ex Ponto erklären Mittw. u. Sonn. 
10 Uhr, öffentlich. 

Deutsche Sprache. 

Grammatik der gotischen Sprache : Dr. Bechtel, Mittw. 
u. Sonnabend, 11 ühr. 

Erklärung ausgewählter althochdeutscher und mittel- 
hochdeutscher Dichtungen nach W. Wackernagels klei- 
nerem altdeutschem Lesebuche : Prof. W. Müller ^ Mont. 
Dienst. Donn., 10 ühr. 

Die Üebungen der deutschen Gesellschaft leitet Prof. 
W. Müller, Dienst. 6 ühr. 

Geschichte der deutschen Literatur: s. Literärge^ 
sehiehte S. 589. 

Neuere Sprachen. 

Altenglische Grammatik und Erklärung ausgewählter 
Stucke aus dem alt-und mittelenglischen üebungsbuch 
von Zupitza (Wien 1882): Frot Napier, Dienst. Mittw. 
Donn. Freit. 9 ühr. 

Geschichte der französischen Literatur : vgl. Literär- 
und Kunstgeschichte S.589. 

Erklärung provenzalischer Sprachdenkmäler nach 
Bartschs Chrestomathie: Dr. Andresen, 3 Stunden, 10 ühr. 

Im Seminar für neuere Sprachen leitet Prof. Voll- 
mölUr Romanische üebungen, zwei Stunden, Mittw. 
6—8, leitet englische üebungen Prof. Napier, zwei 
Stunden, Dienst, u. Donnerst., 8 Uhr, erklärt ein alt- 
französisches Epos Dr. Andresefif in einer zu bestim- 
mendeo Stunde. 

Schöne Künste. — Fertigkeiten. 

Unterricht im Zeichnen ertheilt Zeichenlehrer Peters, 
Sonnabend Nachm. 2 — 4 ühr, unentgeltlich. 

Unterricht im Malen Derselbe in zu verabredenden 
Stunden. 



Harmonie- und Kompositionslehre, verbunden mit 
praktischen üebungen: Musikdirector Stile, in passen- 
den Standen. 



592 

Zur Tkeilnahme an den üeban^n der Singakademie 
und des OrcfaestenpielTereins ladet Derselbe ein. 

Reitnnterrioht ertheilt in der E. Üniter«itat8-Reit- 
bahn der Üniv.^StallmeiBter, Rittmeister a. D. Sthwepp^, 
Monti^, Dienstag, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, 
Morgens von 8^12 nnd Nachm. (ausser Sonnabend) 
von 3—4 Uhr. 

Fechtkunst lehrt der Univeraitätsfechtmeister Gfrüne^ 
klee, Tanaknnst der Umversitätstanzmeister HöUzke. 

Oeffentliche Sammlungen 

In der üniversiiiU$HbUot^k ist das Ansleihezimmer 
an den Wochentagen von 12—1 und von 2— S ühr ge« 
5ffnet. Verliehen werden Bücher nach Abgabe einer 
Semesterkarte mit der Bürgschaft eines Professors. 

Die Gemäldesammlung ist Dienstags von 2—4 ühr 
geöfiFnet. 

Der botanische Garten ist, die Sonn- nnd Festtage 
aussrenommen , tSglich von 7—12 und von 2—6 ühr 
geoSnet. 

üeber den Besuch und die Benutzung der theologi- 
schen Seminarbibliothek j des Theairum anatomietan, des 
physiologischen Instituts ^ der pathologischen Sammlung^ 
der Ssmmlung mathematischer Instrumente und ModeUe, 
des zoologischen und ethnographischen Museums^ des pflau" 
zenphgsiologischen Instituts^ der Sternwarte, des physika- 
lischen KMnets und Laboratoriums, der mineralogischen 
und der geognoHisch^ paläontologischen Sammlung ^ der 
chemi»c?ien Laboratorien, des archäologischen Museums, 
der Bibliothek des k, philologischen Seminars^ der Bibliothek 
des k. maihemaÜsch-phystkalieehen Seminars, des diplo^ 
matischen Apparats, der Sammlungen des landwirthecht^U 
Uchen Instituts bestimmen besondere Reglements das Nä- 
here. 



Bei dem Logisoommissär, Pedell J?ar^^ (Xleperwe^ 2), 
können die, welche Wohnungen suchen, sowohl über 
die Preise, als andere Umstände Auskunft erhalten und 
auch im voraus Bestellungen machen. 



Ftür 4ie Redaetion veranfewortlich : Dr. AiMid, Direotor d. ««tt «el. Ans. 

Comiaiteioiifl-VwUg der IHdtHaKechen Vtrkys-Buchlmtmmt, 

Diuck der DiOtricK sehen Uhiv,- BucKeh-uckerei (W, ».JSeeetim-y, 



598 

Nachrichten 

von der 

Köuigl. Gesellschaft der Wissenschaften 
und der Georg- Augusts-Universität 

zu Göttingen. 



23. August M. 19* 1882. 

KdBigUche Gesellschaft der Wisseischaften. 

Sitzung am 1. Juli 1882. 
Beclitel, Lituanica. (Vorgelegt von de Lagarde.) 

Lituanica. 

Von 
Dr. F. Beehtel. 

I. Zur Kritik Blterer Sprachdenkmäler. 

h 

Die ältesten üebersetzungen deutscher Kir- 
chenlieder in^s Litauische, die wir kennen, sind 
die zehn, die von Mosvidius herrühren und die 
dem Katechismus von 1547 beigegeben sind 
(LLD. I. 19 ff.> Folgende deutsche Texte lie- 
gen ihnen zu Grunde: 

1) Nun bitten wir den heiligen Geist 

2) Komm Qott Schöpfer, heiliger Geist 
S) Vo^er unser im Himmelreich. 

4) GoU Vater in dem Himmelreich. 

5) Nun lob mein Seel den Herren. 

6) Erbarm dich mein, o Herre Gott 

7) Wir glauben all an einen GoU. 

8) Der Tag der ist so freudenreich. 

9) Ji?swÄ Christus unser Heiland. 

10) Christe, der du bist Tag und Licht. 

44 



594 

2.^ 

Im Jahre 1589 ließ der bekannte Bretken 
seine Giesmes Dnchaunas erscheinen. Inder 
Dedication derselben an seine Amtsbrüder sagt 
der Herausgeber: 'Ante aliqnot annos , viri Re- 
nerendi, felectiores Cantilenas facras, praecipue 
vero D. Martini Lutheri, per Martinnm Mofai- 
dinm, Lituanice editas effe, optime noviftis : Cam 
yero rndem Litvanorum plebecalam, non parnm 
ijsdem, in Beligione vera profeciJTe, res ipfa 
teftetar: Et iam exemplaribus diftractis, yos 
ipfi alias einsdem generis cantilenas transtnle- 
ritis, & a me efflagitaveritis, nt ille yefter & 
Mofaidij labor denno typis enulgetnr: veftris 
petitionibns tam pijs ego refragari non debui\ 
Ans diesen Worten mnfl gefolgert werden, daß 
sämmtliche oben genannten Uebersetzangen des 
Mosvidins in Br. G. (so will ich mit Bezzen- 
b erger die in Bede stehende Arbeit des Bret- 
ken bezeichnen) Aufnahme gefunden haben. 
Und dem ist auch so : bis auf die Nummern 1, 
3 und 8, für welche. in Br. G. je ein Lied glei- 
chen Inhaltes aber verschiedenen Wortlauts ge- 
boten wird^), kehren sämmtliche Hymnen des 
Katechismus bei Bretken wieder, nämlich 
• No. 2. Kamm Gott Schöpfer ^ heiliger Geist 

in Br. G. als No. 12. 

No. 4. Gott Vater in dem Himmelreich 

in Br. G. als No. 39. 

No. 5. Nun loh mein Seel den Herren 

in Br. G. als No. 60. 

^) Statt Paprafchaim fchwentafes dwafes u. s. f. 
Br. G. No. 14 Prafchikime fchwentaie Dwajßa | idant mu* 
mu8 düUi tikra wiera; statt Thietoe mu/u dcptgui^fu u. 
s. f. Br. G. No. 19 Tietoe mu/u danguießs \ tu mums 
wifftems liepes eff%\ statt Bernelis gime mumua u. 8. f. 
Br. G. No. 48 Schi diena ejl mums Unkfmibe. 



595 

No. 6. Erbarm dich. mein o Herre Qott 

in Br.G. als No. 38. 
No. 7. Wir glauben all an einen' Gott 

in Br. G. als No. 18. 
No. 9. Jesus Christus unser Heiland 

in Br. G. als No. 21. 
No. 10. Christey der du bist Tag und Licht 

in Br.G. als No. 52. 

Für jeden Philologen erhebt sich nun die 

Frage: wie verhält sich der Text von 1547 zu 

dem von 1589? Hat Bretken ihn unverändert 

gelassen? Hat er ihn umgeschrieben? 

Im Jahre 1612 erschien ein neues litaui* 
Bches Gesangbuch, die Giefmes Ghrikfczio- 
nifchkos ir Duchaunif chko s, welche 
Sengstock herausgab. Sengstock berichtet 
in der Widmung, die er diesem Werke voraus- 
geschickt hat, wie folgt : 'Quanquäm .... Can- 
tiones SacrsB ä Luthero , alijsq ; verbi divini Mi- 
niftris elucubratae , & in linguam Lithvanicam 
translatse, non tam meo, quam partim antecef- 
forum meorum , quorum memoria eft in bene- 
dictione, partim veftro etiam nixu in lucem pro- 
dierunt: tarnen quin plurimum laboris & mole- 
rtiarum in ijs defcribendis, hinc inde coUigendis, 
corrigendis, & in juftum ordinem redigendis, ex- 
hauferim , res ipfa loquitur'. Die Veranlassung 
der Publication liegt in den Worten ausgespro- 
chen : *cum exemplaria & vetuftioris & recentio- 
ris editionis in promtu amplius nulla sint.' 

Die beiden 'Ausgaben', auf die Sengstock 
hier anspielt, können nur die Drücke von 1547 
und von 1589 sein, wenigstens wird von einer 
anderweitigen Liedersammlung Nichts berichtet, 
und daß die Arbeit des ßretken sicher dieje- 

44* 



596 

nige ist, welche Sengstock erneuerte , stekt in 
der Widmung von SEE. deutlich geschrieben: 
^praeclarifsime de Ecclefia Lithuanicä nseriti 
funt anteceffores mei, pie in Chrifto defuncti 
Bartholomaeus Wilentus, & Johannes 
Bretkius, alijq; complures divini miniftri, .... 
translatis e linguä Germanica in Lithuani- 
cam Evangeliis & Epiftolis Dominica- 
libus, Gatechefi Lutheri, faerisq; can- 
tionibus'. Wenn es sich nun vorhin gezeigt 
hat, daß das Gesangbuch von 1547 zum größten 
Teile in dem Gesangbuch von 1589 aufgegangen 
ist, 80 wird man sofort vermuten, daß das Ge- 
sangbuch von 1589 aufgegangen ist in dem Ge- 
saugbuche von 1612. Die Vermutung schlägt 
in der Tat nicht fehl. Denn in SG. — so be- 
zeichne ich die Arbeit Sengstock's, abermals im 
Einklänge mit Bezzenberger — sind nicht 
nur Br. Ko. und PM. enthalten, wie schon zur 
Geschichte der lit. Sprache S. XXV gelehrt wird, 
sondern alle Arbeiten Bretken^s, welche a. a. 0. 
XI unter No. 5 aufgezählt sind. Indem ich 
von den Kancionalas hier absehe, liefere ich 
den Nachweis, daß fast das ganze Br. G. in SG. 
eingeschlossen ist; und zwar in der Weise, daß 
ich die Lieder nach der Nummer , welche sie 
bei Bretken tragen, aufführe und dahinter die 
Seite bezeichne, auf welcher sie in SG, — in 
welchem es eine Zählung nach Nummern nicht 
gibt — zu finden sind, unter gleichzeitiger Angabe 
der Kategorie, unter dieSengstock sie gebracht bat 

1. Nu kom der Heiden Heüand SG. p. 1 f. 

(Advent). 

2. Christum wir sollen loben schon SG. p. IL 

(Weihnacht). 

3. Gelobet seistu Jesu Christ SG. p. 10. (Weih- 

nacht). 



597 

4. Vom Exmel koch da kom ich her SG. p. 12. 

(Weihnacht). 

5. Äüein GM in der hohe SG. p. 24. (Weih- 

nacht). 

6. Vom Himd kam der Engel schar SG. p. 14. 

(Weihnacht). 

7. Was fürchstu feind Herodes sehr SG. p. 29 

(Epiphanieu). 

8. Mit Fried vnd Freud ich fahr SG. p. 30 

(Maria Reinigung). 

9. Christ ist erstanden SG. p. 48 (Ostern). 

10. Christ lag in Todesbanden SG. p. 48 

(Ostern). 

11. Jesi^ Christus vnser Heiland SG. p. 52 

(Ostern). 

12. Kom Gott Schöpffer SG. p. 71 (Pfingsten). 

13. Kom Heiliger Geist SG. p. 72 (Pfingsten). 

14. Nu bitten wir den heiligen Geist SG. p. 74 

(Pfingsten). 

15. Gott der Vater wonn vns bey SG. p. 83 

(Trinitatis). 

16. JHß sind die heüigen eehen Gebot SG. 

p. 84 (Gesetz). 

17. Mensch mUu leben seliglich SG. p. 88 

(Gesetz). 

18. Wir gleubeu aU an einen Gott SG. p. 88 

(Glaube). 

19. Vater vnser im Himdreich SG. p. 89 (Va- 

terunser). 

20. Christ vnser Herr eum Jordan kam SG. 

^ p. 92 (Taufe). 

21. Jesus Christus vnser Heiland SG. p. 118 

(Abendmahl). 

22. Gott seff gelobet vnd gebenedeiet SG. p. 12^ 

(Abendmahl). 

33. 4c^ Gott ?Hm Himd sieh darein SG. p. 199 

(Psalmen Davids). 



. 598 

24. Es spricht der vnweisen Mund SG. p. 200 

(Psalmen Davids). 

25. XHn feste BurgJc ist vnser Gott SG. p. 206 

(Psalmen Davids). 

26. Es wolt vns Gott genedig sein SG. p. 208 

(Psalmen Davids). 

27. Wer Gott nicht mit vns diese Zeit SG. 

p. 209 (Psalmen Davids). 

28. Wo gott zum Haus nicht gibt SG. p. 210 

(Psalmen Davids). 

29. Wol dem, der in Gottes furchten steht SG. 

p. 212 (Psalmen Davids). 

30. Aus tieffer noth schrey ich zu SG. p. 213 

(Psalmen Davids). 

31. Jesaia dem Propheten das geslchäh] fehlt. 

32. Erhalt vns Herr bei deinem SG. p. 153 

(Kreuz und Verfolgung). 

33. Verley vns frieden gnediglich SG. p. 154 

(Kreuz und Verfolgung). 

34. 'Nu freudt euch lieben Christen SG. p. 127 

(Danksagung). 

35. Mitten wir im ld>en sind SG.p. 161 (Tod). 

36. Herr Gott unr loben dich SG. p. 129 (Dank- 

sagung) 

37. Litaney SG. p. 191 (Litania). 

38. Erbarm dich mein o Herre Gott SG. p. 206 

(Psalmen Davids). 

39. Gott Vater in dem Himmelreich SG. p. 196 

(Litania). 

40. Wo Gott der Herr nicht bey vns SG. p. 210. 

(Psalmen Davids). 

41. Durch Adams fall ist gantz SG. p. 101 

(Rechtfertigung). 

42. Es ist das Heil vns kommen her SG. p. 103 

(Rechtfertigung). 

43. Herr Christ der einig Gottes SG. p. 9 

(Advent). 



599 

44. Psalm 122. Fröhlich wollen wir Älleluia 
singen fehlt. 

45. Ich ruff 8U dir Herr Jesu Christ SG. p. 98 

(Buße). 

46. Mag ich vnglück nicht widerstahn SG. p. 150 

(Ereaz und Verfolgung). 

47. Herre QoU dein GöUlich wort SG. p. 224. 

(Im Anhang). 

48. Der tag der ist so freudenreich SG. p. 15 

(Weihnacht). 

49. Re fönet in laudibus SG. p. 17 (Weihnacht). 

50. In duici jubilo SG. p. 18 (Weihnacht). 

51. Tuernatusin Bethlehem SG. p.20 (Weihnacht). 

52. Christe der du bist tag vnd SG. p. 182 

(Abendlieder). 

53. All Ehr und Loh soll Gottes sein fehlt. 

54. Christ fuhr gen Himel, da sand er vns 

SG. p. 65 (Himmelfahrt). 

55. Der du bist d/rey in einiglceit SG. p. 84 

(Trinitatis). 

56. JVtt last vns den Leib begraben SG. p. 164 

(Begräbnislieder). 
56. Der Herr ist mein trewer Hirt SG. p. 202 

(Psalmen Davids). 

58. TscHm 31. In dich hab ich gehoffet Herr 

SG. p. 203 (Psalmen Davids). 

59. Herre Gott begnade mich SG. p. 214 

(Psalmen Davids). 

60. Nun lob mein Seel den Herren SG. p. 216 

(Psalmen Davids). 

61. Menschen kind mercJc eben SG. p. 5 (Advent). 

62. Vns ist geboren ein Kindelein fehlt. 

63. Christus der vns selig macht SG. p. 40 

(Passion). 

64. Dich bitten wir deine Kinder SG. p. 18ß 

(Vor dem Essen). 

65. Der Meye^ der Meye fehlt. 



600 

66. Kompt her zu mir spricht GMes Sohn SG. 

p. 138 (Christliches Leben). 

67. reicher Gott im Trone SG. p. 97 (Buße) 

68. Hüff Gott das mirs gelinge SG. p. 38 (Passion). 

69. Gott verleg mir deine Gnad SG. p. 152 

(KreuK und Verfolgung). 

70. Ich danck dir lieber Herre SG. p. 176 (Mor- 

genlieder). 

71. Allein zu dir Herr Jesu Christ SG. p. 94 

(Buße). 

72. WdOich Ehr und zeMich gut SG. p. 140 

(Christliches Leben). 

73. Nu höret zu jr Christen Leut SG. p. 142 

(Christliches Leben). 

74. Er war einmal ein reicher Mann fehlt. 

75. Es wird schier der letzte Tag SG. p. 166 

(Gericht). 

76. Freud euch freud euch jr fehlt. 
Man sieht: von den 76 Liedern des Bret- 

ken^schen Gesangbuches kehren 69 in SG. wie- 
der; die Nummern 31.44. 53. 62. 65, 76 fehlen 
ganz, an Stelle von No. 74 bringt Sengstock 
ein im Wortlaute verschiedenes Lied über den 
gleichen Gegenstand (p. 144). Nimmt man hinzu^ 
daß die Nummern 1—22, 23— 30 in SG. fast 
allesammt in der gleichen Reihenfolge erscheinen, 
in der sie bei Bretken stefan : so ist kein Zweifel 
daran mehr möglich, daßBG. zum größten Teile 
in SG. aufgegangen ist. 

Für jeden Philologen erhebt sich nun die 
Frage: wie verhält sich der Text von 1589 zu 
dem von 1612? Hat Sengstock ihn unverändert 
gelassen? Hat er ihn umgeschrieben? 

4. 

Unter den 69 Liedern, welche SG. mit Br.6. 
gemeinsam hat; sind auch die sieben, welche im 



601 

Katecliismiis von 1547 stehn. Eine genaue ün- 
tersachung der Schicksale , welche der Text 
derselben bis zum Jahre 1612 erlitten hat, wird 
nicht nur eine exacte Antwort liefern auf die 
am Schluße von § 2 aufgeworfene Frage, sondern 
auch diejenige Antwort andeuten ^ welche der 
am Ausgange von § 3 gestellten Frage ge- 
bührt. Ich liefere diese Untersuchung, indem 
ich sämmtliche Abweichungen verzeichne, welche 
der Text von 1547 in Br. G. und SG. erfahren 
hat; für Br. 6. stütze ich mich auf den mir 
vorliegenden Eönigsberger Druck von 1589, für 
S6. auf eine Abschrift, die ich mir im Herbste 
1881 von dem Exemplare der Königlichen und 
Universitätsbibliothek zu Königsberg (unter Gb. 
177 4®) angefertigt habe. 

I) Komm Gott Schöpfer, heiliger 
ßeist. LLD. I. 20 = Br. G. p. 14 f. = SG. 
p. 71 f. 

Z- 1. dwafe, Br. G. Dwaffe, SG. = Br. G. 
Z. 2. dufchas nu mufu att(fkißy Br. G. dufchas 

mufu nu aflanhik^ SG. = Br. G. 
Z. 3. mälaney Br. G. mdoney SG. s« Br. G. 
Z. 4. frefchmis . . ißgidiJc , Br, G. ghriefiknus 

. . ifchgidikf SG. griefchnus . . ifchgidiJc. 
Z. 5. Ligsmintaiu , Br. G. LinJcfmintoiey SG. 

= Br.G. 
Z. 6. datoana diewa paßißam^ Br. G. Bowana 

Diewa paßmßmij SG. Döwcma Diewa 

paßißam. 
Z. 7. doß. Br.G. düß, SG. = Br. G. 
Z. 8. Knahfmifi^ Br. G. Unh/mmß, SG. == Br. G. 
Z. 9. Vß ßiebk fohwefei, Br.G. Vßßiebh fchme^ 

fei, SG. Vßß, fchwefei. 
Z. 10. dok malane ßmanefu, Br.G. dük mälone 

tu ßmonefUj SG. = Br. G. 



602 

Z. 12. paHaugima^ Br.G. p(diat4ghima, SG. pa- 

liaugima. 
Z. 13. feptinergi dawana , Br. G. f^tineri do- 

wana^ SG.- = Br. G. 
Z. 14. pirsts^ Br. G. pirfchts, SG. = Br. G. 
Z. 15. ^isradfi dewa tu apreifki, Br. G. ßjsodi 

Diewa tu apreifchkij SG. = Br. G. 
Z. 16. naugini, Br. G. naei^^mi, SG. = Br. G. 
Z. 17. Nog . . . gielhek^ Br. G. J?ä^ . . . gd- 

hek^ SG. -Nw^ ^) - • • gielhek, 
Z. 18. nia7an(?, Br.G. maZone, SG. = Br.G. 
Z. 20. greku^ Br.G. grieJcu, SG. = Br.G. 
Z. 21. Badik . . ^ßt(;a dqngugi, Br. G. Rodik . . 

Tiewa dangughi^ SG. = Br. G. 
Z. 22. e/e^w, /wnt« ia tikr(fgiy Br. G. Ji^, /Smw«^ 

ia Tikraghiy SG. «Tis/k /Se^nu io tikraghi 
Tl. 24. venibe^ Br.G. Vienib^ SG. TFiewift. 
Z. 25. dufchiafuj Br. G. dufchafu, SG. dufchiafu. 
Z. 26. lingkfmink .... ßjlwartufUy Br. G. Li/nif' 

mink .... filwartüfu, SG. = Br. G. 
Z. 27. fmertes neUatumbim^ Br. G. fmerties ne- 

bijotumbimj SG. fmerties nebiotumbim. 
Z. 28. ligkfmai . . dotumbim^ Br.G. linkftnai.» 

dütumbim^ SG. = Br. G. 
Z. 29. ^6u;m ir ia, Br. G. Tiewui ir io^ SG. = 

Br.G. 
Z. 30. J(?*8?wi .... i?awwi , Br. G. eTe/iii .... 

Pöwwi, SG. = Br. G. 
Z. 31. ^aipir ligsmintaiui , Br. 6. toip ir lifdcf" 

mintoiui, SG. ^i? ir Unfmintoiui^). 
Z. 32. wenibeij Br. G toienibeiy SG. = Br. G. 
Z. 33. tarikiem, Br. G. ^oriÄ^, SQ. = Br. (x. 
Z. 34. garbikiem^ Br. G.^arftinJfcm, SG. = Br.G. 
Z. 35. giedakiem, Br. G.giedokemy SG. = Br. Gr. 



1) 1. 11^. — 2) 1. Unkfmintoiui, 



603 

II. Gott Vater in dem Himmel- 
leich.. LLD. L 24ff. = Br. G. p. 62flP.= SG. 
p. 196 ff. 

Z. 1. Tcu/tfs dqngui eßi, Br. G. kurs da/ngui 

efß, SG. = Br. G. 
Z. 2. ijr . . dwafCy Br. G. ir . . Dwa/fe, BG. 

= Br. G. 
Z. 3. traicee . . fchw^ntagij^ Br. G. Traice . . 

fchwentaghi, SG. == Br. G. 
Z. 4. Fenifte die«(;a amßinagij y Br.G. Wienib 

Diewa amßinaghi^ SG. TFcwiJß Diewa 

amßinaghi. 
Z. 5. prafchamj Br. G. Pra/bÄom, SG. = Br.G. 
Z. 6. i/cÄ hlaufai , Br. G. ifchJclaufai^ SG. = 

Br.G. 
Z. 7. greJcuSj Br.G. ghriehiSj SG. grieJcus. 
Z. 9. ma?awe5 . . fußmilJe , Br. G. wa?öwc5 . . 

fufßmilkj SG. = Br.G. 
Z. 10. grekus . . w;y/w5 vßmirß^ Br. G. griehus 

. . wi/yws vßmirfchhy SG. == Br.G. 
Z. 11. dirf didisia pußmiUma , Br. G. de? dideio 

fufßmilima, SG. deZ didjsiia fufp. 
Z. 12. faugah, Br.G. faugoJc, SG. = Br.G. 
Z. 13. cje^*e/a, Br. G. c^erie/a, SG. C;8re/a. 
Z. 14. wojr cssiarta ^dradixs, kytreßa, Br. G. JNägr 

CiS^ar^o fdrodos hitrefa, SG. ^% c^rarto 

fdrodos Jcitreßa^). 
Z. 15. a^ mufchk m j Br. G. atmufcKk io , SG. 

= Br. G. 
Z. 16. noßtiditi gieidmcisias , Br. G. nt</?««dÄi 

geidencjnias, SG. == Br.G. 
Z. 18. dufchas ijr kunus wargufu^ Br. G. du- 

fchas ir kunus wa/tgüfu, SG. == Br. G., 

nur hana für kunus. 
Z. 19. rqka^ Br. G. rcmka, SG. = Br. G. 

1) 1. kitres ia : 'da£ er uns nicht mit List berück'. 



604 

Z. 20. nog . • ijr . . greha, Br. G. «% . . ir . . 

grieka, SG. = Br,Q. 
Z. 21. nog hariaugima ijr hawu, Br. G- nüg 

iaratighima ir Tcowa^ SG. n^ TcaroH- 

ghima ir Jcoum. 
Z. 22. »ojr &r^»jrt«ma didzia iawü , Br . G. J^tä^ 

hranguma didisio Jawu, SG. JV% bran- 

guma did^ia iawu. 
Z. 23. nog vgnis . , . ijr, Br.G. nügvgnes ... 

ir, SG. w% Vgnies , . . ir 
Z. 24. faugaJc tu mm furms fawa, Br. G. Sau- 

goTc etc., SG. Saugolctumus tawa ranka. 

Z. 25« Äpfaugak nog wacziu ligas, Br. G. Ap- 

faugok nüg wocßiu ligos, SG. = Br.G. 

doch ligas, 
Z. 26. nog fmertis piktcts ijr naglas j Br. G. N'äg 

fmerties piktos ir noglos, SG. Nüg fmer- 

ties piktas ir noglas. 
Z, 27. toefchpate mus neapleiß, Br.G. Wiefch- 

patie mus neprafioky SG. wiefchpatie mus 

neapleiß. 
Z. 28. fmgak, Br. G. faugok, SG. = Br. G. 

Z. 29. gielbek nog amßinas fmertis^ Br. G. Od- 
bek nüg amßinos fmerties, SG. Gielbek 
nüg -amßinas fmerties. 

Z. 30. ved .... wiefchpatijSy Br. G. t(;ed .... 
wiefehpatiSy SG. fo^ .... wiefchpatis. 

Z. 32. gielbek krauia ifcMegimu^ Br.G. 6rß?- 
fteük krauga ifchlieghimUy SG. Gelbeb 
krauia praleghimu. 

Z. 33. foMgak kurius^ Br. G. Saugok kuruSi 
SG. = Br. G. 

Z. 34. fmerti, Br. G. fmerti^ SG. fmertim. 

Z. 35. (chw^ta prikielima, Br.G. fcfiwentaprier 

kielima, SG. fchwenta prikelima. 

•Z. 36. (augakper dc^ngun ßegima^ Br. G. Saugok 



605 

per dangu ßenginia^ S6 = Br. G. doch 

dangun. 
Z. 37. Schw^ta ie baßnijcme^ Br. G. Schwen- 

taie Baßnieze^ S6. Schwentaie Baßnicza. 
Z. 38. preg . . fiadeia^ Br. G. Pn'e^ . . SzoAza^ 

SG. iViö^r . . ßodzia. 
Z. 39. apfaugdk baßnicjsies tarnüs, Br. G. 4p- 

fauffok Baßniczes Tarnus, SG. s= Br. G. 

doch Baßnicjsias. 
Z. 40. kriißianißes . Br. G. Jcrikfchczonißes^ 

SQ. = Br. G. 
Z. 41. predok ßadziap dwafe, Br. G. pridok 

Sodjsiop Dwaffe^ SG. jpridÄÄ Seodceiop ^) 

Dwaffe. 
Z. 42. waifeeiu^ Br. G. «^ai/w, SG. = Br. G. 
Z. 43. DöA . . famdinihus , Br. G. Dük . . /am- 

dinihis^ SG. DSA; . . famdininkus, 
Z. 44, t76ra %nJ;/b;srianm ^t^rmc^it«^, Br. G. TTicra 

krikfchczoniu iurincjsius^ SG. = Br. G., 

doch turincjms. 
Z. 45. (chw^nta baßniczie palaikijk^ Br. G. 

Schwenta Baßnicze pälaikiky SG. fchwenta 

Baßnicza palaikik, 
Z. 46. w^ero« . . ardijk^ Br. G. wieras . . ardt'Ä;, 

SG. = Br. G. 
Z. 47. Meidencjntis kidiap , Br. G. Meidenczius 

kelopi, SG. Tdeidenczus kelopi. 
Z. 48. ^m^, Br. G. iems, SG. ghiems, 
Z. 49. Ramdyk . . rq^nJ^a flipry^ Br. G. Ramdik 

... rawta /?«pri, SG. = Br. G. 
Z. 50. ßawinczius prifch . . /fadi;, Br. G. ßa- 

winczius prifch . . Szodi^ SG. Siowtnczus 

priefch . . jJodi 
Z. 51. prifch macze pikiuiu ßmaniUy Br. G. 

priefch nmcepiktuiußmoniUy SG. = Br.G, 

1) 1. Szodziop. 



606 

Z. 52. gietbek haßnyasie krikfcjsianiu , Br. G. 

gelbek Baßnicme krikfchcaoniu^ SG. Gd- 

bek Baßniceia krikfchc^oniu. 
Z. 53. kurel . . reik nefcfUy, Br. G. kurei . . 

reiU nefcMiy SG. Kuriems . . reike n. 
Z. 54. tos kraus . . hrqngus, Br. G. ^05 kraugs 

. . hrangus^ SG. = Br. G., doch ^o^*). 
Z. 55. cesarians maießatui, Br. G. Gcefaraus 

MaieflatUy SG. Ce® maießatu. 
Z. 56. tott?e5, Br. G. tawens, SG. ^aM;e5. 
Z. 57. krikfceianis . Br. G. krikfchcisonis, SG. 

= Br. G. 
Z. 59. wögfi n6pr6^e2ta««$ , Br. G. nügi nepriete- 

liauSf SG. nügi neprietdaus. 
Z. 60. faugak . . ra^, Br. G. faugok . . ranka^ 

SG. = Br. G. 
Z. 61 . DoÄ; . . wifu pcmUj Br. G. Döi . . wi/Tt* 

jpanUy SG. D'&k . . m//u ßmoniu, 
Z. 62. ÄaraZiM, kunigaißfcjsnu^ Br. G. karaliu 

kunigaikfchc0iu, SG. karalu kunigaikfch- 

C0U. 

Z. 63. jSaeii, Br. G. iSs^odi, SG. jSoeit. 
Z. 65. ioJiw, Br.G. ?o6m, SG. = Br.G. 
Z. 66. kurius, Br.G. Ait^rM^, SG. Ä«nii5^), 
Z. 67. Muffupregtam kunigai^ßui, Br. G. JIfw/w 

priegtam kunigaikfchc^iu, SG. = Br. ö., 

doch kunigaikfchcßuL 
Z. 68. ßad^ia müietaiui, Br.G. Szodsfio milk- 

toiu, SG. Seodzia miletoiui. 
Z. 69. döÄ /iipri rq^Äa kariauty, Br. G. rfÄfc /Ji- 

|wa rawfei karautij SG. = Br. G. 
Z. 70. paniße, Br. G. poniße^ SG. == Br. G. 
Z. 71. nog lygu kuna ia, Br.G. Nüg liggu k 

io^ SG. Nüg ligu K io. 
Z. 72. doh Br. G. (?Äfc, RG. = Br. G. 

1) Deutsch : ihr Blut für dich etc. 

2) 1. kur%u9. 



607 

Z. 73—78 fehlen in Br. G. und in SG. 

Z. 79. panams^ Br. G. Ponams, SG. ponams. 

Z. 80. mufs, Br. G. Mus^ SG. mus, 

Z. 81. ßmanes pawargu/fyas ^ Br. G. ßmones 

pawargußas^ SG. ßmones pawargufßas. 
Zi. 83. pa^am giera fchirdij, Br.G. potam gera 

fcJiirdi, SG. = Br. G. 
Z. 85. MatrifchMas waifcziu fuUngas , Br. G. 

Matri/kias waißu ßunkingas, SG. Jlfa- 

trifchlces waißu funkingas. 
Z. 86. faugak , i;V ßindenceius waikuSy Br. G. 

Saugok ir waikus ßindanczias, SG. = 

Br. G. 
Z. 87. pafchak fylpnams bei ferganmams^ Br. G. 

pafchak ßlpnoms bei fergancziomSy SG« 

Fafchok ßlpnams bei fergancjsams^ 
Z. 88. ing tawe wena tikiencziams , Br. G. L t. 

wiena tikincjsioms , SG. i. twiena tikin- 

czams, 
Z. 89. Dußhias . . ijr , Br. G. dufchas ', . ir, 

SG. = Br. G. 
Z. 90. c^s^ie/? fmertis ias, Br. G. me/? ßnerties ios, 

SG. Cisre/w fmerties ies. 
Z. 91. doÄ ^iws, Br. G. (?ää tiems, SG. = Br.G. 
Z. 92. ^Mriw^iw«5 . . funkima, Br. G. Turintiems 

. . ßinkuma, SG. = Br. G. 
Z. 93. gielbek ifch temczias , Br. G. gelbek ifch 

temniczos^ SG. Gelbek ifch temniczias. 
Z. 94. nomeß taipir rijfchius, Br. G. numefk 

taip ir rifchimy SGt.numeß teip ir rifchus. 
Z. 95. lijnkfmink tu pats fchitus , Br. G. Link- 

fmink fchitus tu pats^ SG. Linkfmink tu 

pats fchitus. 
Z. 96. nomirti^ Br. G. numirti, SG. = Br. G. 
Z. 97. Ne prietelius muffu miüekj Br. G. Neprie- 

telius mufu milek, SG. Neprietelus muju 

milek. 



608 

Z. 98. vijfus grehus tu gims, Br. G. mffus grie- 

kus tu i^ms^ S6. = Br. G., doch ghiems. 
Z. 99. wijs gimSj Br. G. uns iems, SG. wis ghiems. 
Z. 101. dok grefchnims greku^ Br. G. düJc ghrifch- 

niems griekUy SG. dük griefchniems grieku. 
Z. 103. Nog nepagadu ijr weiu, Br. G. Nüg ne- 

pagadu ir weiu^ SG. Nüg n. ir weiju. 
Z. 104. faugak fqncjsius aut wandeniu, Br. G. 

Saugok fanceius aut wandeniu, SG. Saugok 

fanc^us aut wandenu. 
Z. 105. gidhek t^ kariauienczioßuSy Br. G. GeJr 

hek te karauiencsüßus ^ SG. Gelhek ten 

karauiencz'äßus. 
Z. 106. kauiencmoßuSf Br. G. kauienczoßus^ SG. 

kauiencisüßu^, 
Ta. 107. krikfcjsianius^ Br. G. krikfchasoniüs, SG. 

krikfchceonis *). 
Z. 108. Jkttriws, Br. G. kwru^^ SG. Ätir««s. 
Z. 109. tumuSj Br. G. ^w mw5, SG. = Br. G. 
Z, 110. waifcjsiu, Br. G. waißu, SG. = Br. G. 
Z. 111. wo^r trufchas^ Br. G. w% krufchos, SG. 

«% krufchas. 
Z. 112. nog wyßAj BvM. nüg wiffu, SG. = Br.G. 
Z. 113. dog taw^ mums neufßmirßi^ Br. G. d'äk 

tawes m. neußmirfchti , SG. dük mums 

tawes neußmirfMi. 
Z. 114. tawg, Br. G. ^atüe SG. = Br. G. 
Z. 115. Biedik materis ijr, Br. G. Redik moteris 

ir^ SG. jBedii materis ir. 
Z. 116. wijßis, Br. G. wi/fuSj SG. = Br. G. 
Z. 117. ramdi;^.. . . . gieidenczius, Br. G. ram- 

dik .... geidmc0iuSj SG. ramdik .... 

Z. 118. trakfchtancisius j Br. G. trokfcktancmus^ 
SG. trokfchtamzus. 

1) 1. krik/chczonius. 



600 

Z. 119. nog .... gielbeJc, Br. G. nüg . . . , gd- 

beJCf SG . = Bn G. 
Z. 120. fargiba . . turiek, Br. G. fargiba . . ^wreÄ, 

SG. fargibe . . ^ur^ifc. 
Z. 122. )wZan6 thiewa, Br. G. moZona Tiau^a, SG. 

ma^one Tewa. 
Z. 124. grehus muffu pahiely , Br. G. ghriekus 

nrnfu pdkdi^ SG. griehus mufu pakieli. 
Z. 125. waifcziau . . . fchw^tafis, Br. G. waifiau 

fckwentaßs^ SG. waiffiau Schwenta/fis. 
Z. 126. /M/iwiifc, Br. G. /ufßmilk, SG. = Br. G. 
III. Nun lob mein Seel den Herren. 
LLD. L 28 f. = Br. G. 95 f. = SG. 216 f. 
Z. 1. lAaiupßnk dufcha mana pana, Br. G. 

LIaupßnh d. m. Pona^ SG. LIaupßnk 

dufche mana pona. 
Z. 2. mfas ifczas ia, Br. G. wiffas ifchcees io^ 

SG. wiJT(^ ifchcgas io. 
Z. 3. dankßn gieribe, Br. G. daukßn geribe, 

SG. = Br. G. 
Z. 4. atmynki cm ta dufcha, Br. G. Ätmink ant 

to dufcha, SG. ebenso^ doch dufche. 
Z. 5. atleid grekm , Br. G. afleid griekus, SG. 

aüeidjs griekus. 
Z. 6. ißgida liekliga, Br. G, ifchgida kiek liga, 

SG. = Br. G., doch %5ra. 
Z. 7. apgintas . . dufchias, Br. G. apgintois . . 

dw/bÄOÄ, SG. = Br. G. 
Z. 8. malane, Br. G. maionß, SG. ä= Br. G. 
Z. 9. a^nati^m, Br. G. atnaughinj SG. »= Br. G. 
Z. 1 0. karalißa gijn, Br. G. Karalißen gin, SG. 

Karalißen ghm. 
Z. 11. Wew^enmw^, Br. G. kentenceiuSj SG. = 

Br. G. 
Z. 12. Apreiefkie . . ÄJiaMw^, Br. G. ßpreifdike 

kelius, SG. = Br. G. 

44 



610 

Z. 13. wifdki zenie, Br. G. wi/JbJcia ßeme j SG. 

= Br. G. 
Z. 14. müafchirdigai ^ ßr. G. mielafchirdifigcdj 

SG. = Br. G. 
Z. 15. vi für . . . radidams, Br. G. wißwr . . . 

rodidams, SG. = Br. G. 
Z. 16. t;i/w5 grekus . . mirfidams, Br. G. «(;t^ 

griekus . . mirfchdams, SG. = Br. G. 
Z. 18. noramda, Br. G. 7»2«ramäa, SG. = Br. G. 
Z. 19. malane . . röcto, Br. G. mcdone . . roda, 

SG. = Br. G. 
Z. 20. gatawu . . padetaiUj Br. G. gatowu . . 

padeioiu, SG. gatawu . . padetöiu. 
Z. 21. liauientims nog grehu, Br. G, liauientiems 

nüg grieku, SG. = Br. G. 
Z. 22. no^ fchweßbes^ Br. G. w% fchmeßhes^ 

SG. = Br. G. 
Z. 24. ^et«?5 .... fußmilß, Br. G. Tiews .... 

. fufßmüßy SG. ^ew;« .... fuffimüß. 
Z. 25. miloiu funUj Br. G. mieZmw waiku, SG. 

= Br. G. 
Z. 26, ^aipir . . fumumis^ Br. G. Taip ir • » [^ 

mumis^ SG. = Br. G. 
Z. 27. ^iÄ:rai 6iam ia, Br. G. ßiprei hijam ia, 

SG. = Br. G., doch io, 
Z. 28. paßyß^ Br. G. paßinß, SG. paßinß, 
Z. 29. ^ma ia^ e/iwe dulkies, Br. G. ßinna iog 

efme dulkes, SG. = Br. G. 
Z. 30. Ligid .... ßales^ Br. G. Ligrei . . . • 

^oZ^Ä, SG. = Br. G. 
Z. 32. Äwria Äaip w;es vßpas, Br. G. Äwriö tatjp 

weias nfchpus, SG. Awrm Aaip weiasufchpus, 
Z. 33. ^oia«^ . . nopus^ Br. G. ^oiat« . . nupulSi 

SG. ^i^ia«* . . nupuls. 
Z. 34. ßmagus . , ifchnikti, Br. G. ßmogus . . 

ifchgaifchtiy SG. = Br. G. 
Z. 35. Ja, Br. G. iVe^, SG. = Br. G. 



611 

Z. 36. TeJUai tvena lafka , Br. G. Tiktai wiena 

nieiley SG. = Br. G. 
Z. 38. lafko tuUinafe ijr daukßn^ Br. G. Prieg io 

midaußo pulka^ SG, Prieg io mielaufoia 

ptdka. 
Z. 39. Jcurs eß tiJcrai io baifumij, Br. G. kurs io 

baime flow wi/faduj SG. = Br. G. 
Z. 40. wifu mileiy Br. G. wißu mideij SG. = Br . G. 
Z. 41. ia, Br.G. io, SG. = Br. G. 
Z. 42. anialai ßligy, Br. G. Angelai ßingi^ SG. 

= Br. G. 
Z. 43. tarnaukiek teifei mfy, Br. G. TarwawÄ^^ 

^/ci w;i/y?, SG. = Br. G. 
Z. 44. panui dtdem, Br. G. Ponwi didem, SG. 

Powwi didzem. 
Z. 45. predokiet ir fchlawe, Br. G. pridoket ir 

fchlowe, SG. = Br. G. 
Z. 46. Dufcha mana, tu platinkj Br. G. Platink 

tu dufche mana, SG. = Br. G. 
Z. 47. me^i .... dewuif Br. G. c^e^ö^i . . . 

Diewa, SG. = Br. G. 
Hieran fügen Br. G. und SG. folgende Strophe : 
Garba buk Biewui Tiewui [SG. Tewui] \ l^i/fa 
fwieta futwertoiui \ Garba buk io mielam Sunui\ 
Jefui Chrißui [SG. übergeht Chrißui] mufu Po- 
nui [SG. atpirktoiui] \ Garba buk ir fchwentai 
Dwajfei \ Wiffu wiernu linkfmintoiei \ Wienibe Trat- 
cees [SG. Traices] fchwentai \ Garbink koßnas urier^ 
nas Ir ios mffoki